Vasco da Gama, Conde de Vidigueira

                   

Portugiesischer Seefahrer; nahm in seiner Jugend an den Kriegen gegen Kastilien teil. Im Auftrag von König Emanuel I. von Portugal, brach er am 9.7.1497 mit vier Schiffen auf, um Indien auf dem Seeweg zu erreichen. Im November umsegelte er das Kap der Guten Hoffnung (das 1488 von dem portugiesischen Seefahrer Bartolomeu Diaz erstmals umsegelt worden war) und ankerte bei Malindi (nördlich von Mombasa, heute Kenia) an der Ostküste Afrikas. Mit Hilfe eines Lotsen, den er von indischen Händlern in diesem Hafen abwarb, richtete da Gama seinen Kurs nun nach Osten, und erreichte am 20.5.1498 Calicut (heute Kozhikode) an der westindischen Malabarküste. Aufgrund der Feindseligkeiten muslimischer Händler konnte er dort jedoch keine portugiesische Handelsniederlassung gründen. Er mußte sich einen Weg aus dem Hafen von Calicut freikämpfen und kehrte 1499 nach Portugal zurück und wurde großzügig u.a. mit dem Titel Dom belohnt. Um seine Entdeckungen abzusichern und gleichzeitig auszuweiten, wurde Pedro Álvares Cabral mit einer großen Flotte und über 1.000 Personen nach Indien entsandt, wo er einen portugiesischen Handelsposten in Calicut gründete. Als bekannt wurde, daß die von Cabral in Calicut stationierten Männer ermordet worden waren, brach da Gama, der inzwischen zum Admiral befördert worden war, nach Indien auf, um die Tat zu rächen. Auf seinem Weg nach Calicut gründete er in Ostafrika portugiesische Kolonien im heutigen Moçambique, u.a. Sofala (heute Beira). In Calicut unterwarf da Gama die Einheimischen und zwang den herrschenden Radscha zum Frieden. 1503 kehrte er mit einer reichen Gewürzladung nach Portugal zurück. In den nächsten zwanzig Jahren fuhr da Gama nicht mehr zur See. 1519 wurde er zum Grafen von Vidigueira und 1524 zum Vizekönig von Indien ernannt. Anschließend sandte man ihn nach Indien, um gegen die wachsende Korruption der dortigen Behörden einzuschreiten. Da Gama erreichte Indien im Herbst 1524, wo er wenig später verstarb. Da Gama legte die Grundlagen für die Blütezeit des portugiesischen Kolonialreichs in Vorderindien.

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Francisco Pizarro González

                   

Spanischer Konquistador; bekannt gleichermaßen für Mut, Grausamkeit und Skrupellosigkeit; segelte 1502 nach Westindien und nahm 1510 an einer Fahrt de Ojedas nach Urabá und 1513 an dem Zug Núñez de Balboa (*1475, †1517) über die Landenge von Panama teil. Von Panama aus entdeckte er Peru, ließ sich 1529 in Spanien von Karl V. zum Statthalter und Generalkapitän von Peru ernennen. Bei einem Zug über die Anden drang er ins Innere vor, eroberte das Reich der Inka und ließ dessen Herrscher Atahualpa, der durch eine List gefangengenommen war, trotz einer hohen Lösegeldzahlung hinrichten. Nach der Eroberung Perus - Pizarro gründete 1535 Lima - kam es zum Streit über die Befehls- und Gesetzgebungsgewalt, der 1537 zum Kampf führte. Dabei besiegten seine Gefolgsleute 1538 diejenigen von Almagro, der hingerichtet wurde. 1541 wurde Pizarro von Anhängern Diego de Almagros, mit dem er 1526 einen Vertrag über eine Zusammenarbeit bei der Eroberung Perus geschlossen hatte, ermordet. Seine Gier nach Edelmetallen führte zu der Vernichtung zahlreicher Inkakunstwerke.

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Charles Augustus Lindbergh

US-amerikanischer Flieger; überquerte als Erster in einem Nonstop-Alleinflug den Atlantik, landete nach 33 Stunden und 32 Minuten nach dem Start in New York mit seinem einmotorigen Eindecker Spirit of Saint Louis am 21. Mai um 22.15 Uhr auf dem Flugplatz Le Bourget bei Paris, erneut weltweit in den Schlagzeilen, als 1932 sein eineinhalbjähriger Sohn von dem deutschen Zimmermann Bruno Hauptmann entführt und ermordet wurde. Nach seinem Tode wurde der Öffentlichkeit bekannt, daß er auch in Deutschland Kinder hatte.

 

Schriften: We (1927; Wir zwei. Im Flugzeug über den Atlantik) und The Spirit of Saint Louis (1953; Mein Flug über den Ozean), für das er 1954 den Pulitzerpreis bekam.

Inschrift: “... If I take the wings of the morning, and dwell in the uttermost parts of the morning of the sea...”

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Bild: Anneliese Nerger

Christoph Kolumbus [ital. Cristofero Colombo, span. Cristobál Colón]

    

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Italienischer Seefahrer; der Sohn eines Wollwebers suchte im Auftrag der spanischen Krone einen kürzeren Seeweg nach Asien, entdeckte 1492 dabei irrtümlich die “Nuevo Mundo”1 (Neue Welt) - dieses Datum gilt als Beginn der Neuzeit.

Kolumbus war ein Abenteurer, Prahlhans und Aufschneider, hatte schlechte seemännische Kenntnisse und Eigenschaften, aber Energie und Kühnheit und fühlte göttliche Berufung, aber auch blinden Autoritätsglauben. Er glaubte bis zuletzt an die falsche Karte des florentinischen Gelehrten Paolo dal Pozzo Toscanelli (*1397, †1482), des geistigen Urhebers der Entdeckung Amerikas.

Karte Toscanellis aus dem Jahre 1463

Bereits als junger Mann war er von der Idee besessen, nach Ostasien auf einer Westroute zu segeln, da der Weg um Afrika lang und gefährlich war. Er wandte sich zunächst an König Johann II. (port. João II.,*1455, †1495), da Portugal damals die führende Seefahrernation war, wurde aber aus finanziellen Gründen abgewiesen. Auch die Spanier zögerten zunächst; Königin Isabella I. von Kastillien sagte jedoch schließlich nach längerem Zögern zu. Am 3. August 1492 stach Kolumbus mit drei Schiffen (Santa Maria2, Niña und Pinta) von Palos de la Frontera aus in See. Nach einem technischen, einmonatigen Aufenthalt auf den Kanarischen Inseln erreichte er am 12. Oktober eine der Bahamas-Inseln und ging dort an Land (San Salvador?). Wenig später entdeckte er Kuba und gründete auf La Isla Española, wie er sie benannte (heute Haiti und Dominikanische Republik), die erste spanische Überseekolonie. Nach seiner Rückkehr Ferinand II. von Spanienmit nur zwei seiner Schiffe am 15. März 1493 wurde er in Spanien triumphal empfangen. Auf einer zweiten Reise (1493-96), zu der er erneut die Unterstützung Ferdinands II. und Isabellas I. erhielt, entdeckte er u.a. Jamaika und Puerto Rico. Auf zwei weiteren Reisen (1498-1500 und 1502-04) fand er Trinidad und Tobago und erkundete die mittelamerikanische Küste zwischen Honduras und Kolumbien. Nach der Rückkehr von seine letzten Reise verbrachte er die letzten Lebensjahre zurückgezogen und von der Öffentlichkeit unbeachtet, aber er versuchte die ihm vorenthaltenen Pfründe wieder zu erlangen. So trat er sich noch einmal mit Ferdinand II. der viel zusagte, aber nichts davon hielt.

Als Kolumbus starb, war von seinem Ruhm wenig geblieben: Halbwegs in Vergessenheit geraten, wurde sein Wunsch, in der Neuen Welt beigesetzt zu werden, ignoriert. Er wurde zunächst in Sevilla beigesetzt, seine Gebeine wurden jedoch auf Veranlassung seines Bruders Diego 1542 nach Santo Domingo überführt, dann 1795 nach Havanna gebracht, um schließlich wiederum nach Sevilla transferiert zu werden, wobei allerdings die Identität zweifelhaft geworden war. 2006 wurde durch eine DNA-Analyse mit Genmaterial seines Bruders Diego ermittelt und bestätigt, daß Kolumbus in Sevilla begraben ist. Bislang galt auch Santo Domingo (Dom. Rep.) als mögliche letzte Ruhestätte.

In der Folge seiner Entdeckung der Neuen Welt - noch zu seinen Lebzeiten - begingen die Spanier, monströse Grausamkeiten an den “Indios.” Nach und nach, aber schon mit seiner ersten Reise in das von ihm entdeckte Land, kam gewissenloses Volk, d.h. Ex-Sträflinge, Spekulanten, Glücksritter, etc. Während seiner Abwesenheit verschlimmerte sich die Situation für die Einwohner. Zwar durften die “Indios” ab 1503 nicht mehr wie Sklaven behandelt werden, konnten aber zur Arbeit gezwungen werden. So wuchs allmählich der Hass auf Eindringliche, die als der “weißen Schrecken” bezeichnet wurde. Schließlich begann die Invasoren die heimische Bevölkeung gezielt nicht nur von ihrem Land zu verdrängen, sondern auch zu töten. Im selben Jahr ordnete Nicolás de Ovando, seit 1502 spanischer Gouverneur, während eines Treffens von 80 Kaziken (Stammesführern), darunter Anacaona, an, daß das Versammlungshaus in Brand gesetzt werden sollte, um die Kaziken lebendig zu verbrennen. Zuvor waren Anacaona und ihre Begleiter aus Taíno verhaftet worden und wegen Verschwörung wegen Widerstandes gegen die Besatzung angeklagt und hingerichtet. Vor ihrer Hinrichtung wurde Anacaona Gnade für den Fall angeboten, daß sie sich einem Spanier als Konkubine hingeben würde, was in der Zeit üblich war, was sie jedoch ablehnte; sie starb im Alter von nur 29 Jahren..

Auf seiner letzten Heimfahrt nach Spanien notierte er ”An Española kann ich nicht ohne Tränen denken”.

Seine etwas krypitsche Unterschrift S. S.A.S. X.M.Y. XPOFENRENS hat vermutlich folgende Bedeutung: Sanctus Christus, Sancta Maria, Sanctus Ysephus; seinen griechischen Vornamen hat er in den lateinischen Christoferens umgewandelt.

Kolumbus betritt erstmals die Neue Welt (pinxit Dióscoro Puebla, 1862)

   

Königin Isabella empfängt Kolumbus nach seiner Heimkehr zu einer Audienz.

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Den Begriff “nuovo mundo” hatte Kolumbus geprägt, als er im Thronsaal von Isabella und Ferdinand II. im Beisein der Granden des Landes aufgefordert wurde, von den Erlebnissen auf seiner Reise zu berichten. Amerigo Vespuccis Bericht über seine vierte Reise in die Neue Welt, der 1505 in Straßburg erschien, war Anlaß für die Bennenung der Neuen Welt in Amerika. Der Kartograph und Lehrer Martin Waldseemüller verzeichnete als erster den Namen auf einer von ihm 1507 gefertigten Karte.

2 Am 25. Dezember lief sein Flaggschiff Santa Maria -  in der Nacht von einem Schiffsjungen, was Kolumbus ausdrücklich untersagt hatte, gesteuert - vor Hispaniola, der Insel mit den heutigen Staaten Haiti und Dominikanische Republik. auf eine Untiefe auf und mußte aufgegeben werden, da es nicht mehr gerettet werden konnte.

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Sevilla, Kathedrale Cindisponte

Lima ( Peru), Kathedrale an der Plaza Mayor

Rede Lindberghs am 11.6.1927 über seinen Transatlantikflug im Mai des gleichen Jahres

Julius Ritter von Payer

                                            1874

Österreichischer Polarforscher und Alpinist; bereits während seiner Zeit als Offizier führte er zahlreiche Erstbesteigungen in der Ortler- und Glocknergruppe durch. 1869/70 beteiligte sich er an der 2. deutschen Nordpolexpedition und befuhr 1871 das Polarmeer zwischen Spitzbergen und Nowaja Selmja. Gemeinsam mit Carl Weyprecht leitete er von 1872 bis 1874 die österreichisch-ungarische Nordpolarexpedition, die das Franz-Josef-Land entdeckte. Nach ihm ist die Payerspitze (2.000 m über dem Meeresspiegel) in Ostgrönland und das Payer-Land im Süden des König-Wilhelm-Landes benannt. Ab 1877 lebte Payer, der eine Frankfurter Bürgerin geheiratet hatte, in Frankfurt am Main und studierte am dortigen Städel Malerei. 1882 zog er nach Paris um. 1890 trennte sich Julius von Payer seiner Frau und den Kindern und kehrte nach Wien zurück, wo er im einstigen Atelier von Hans Makart eine “Malschule für junge Damen” eröffnete. Bei einem Aufenthalt im slowenischen Veldes erlitt er einen Herzanfall, an dessen Folgen er verstarb.

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Wien, Zentralfriedhof

Thor Heyerdahl

 

 

Norwegischer Forschungsreisender und Ethnologe, Sohn eines Braumeisters; studierte Biologie und Geographie an der Universität in Oslo. Er versuchte erstmals 1947 zu beweisen, daß bereits sehr früh transozeanische Kontakte bestanden haben müssen, indem er u.a. mit seinem Balsaholzfloß Kon-Tiki, einem exakt nachgebauten antiken Floß, von der Pazifikküste Südamerikas (Peru) nach Polynesien (Tahiti) segelte, sowie 1969/70 mit dem Papyrusboot Ra von Marokko nach Mittelamerika (Barbados). 1955/56 erforschte Heyerdahl die Kultur der Osterinsel, kam aber zu falschen Schlußfolgerungen: So erkannte er nicht,daß die Bewohner Polynesier waren, also aus dem asiatischen Raum des Pazifik stammten (Cook hatte das bei seinem Besuch der Insel im Jahre 1774 bereits anhand der Sprache festgestellt), und er erkannte auch nicht, daß die Statuen, von denen er durch Einheimische eine aufrichten ließ, deutlich polynesischen Einfluß ausweisen; er glaubte vielmehr an südamerikanische Einflüsse. Über seine Untersuchungen auf der Osterinsel schrieb er das Buch Aku-Aku, the Secret of Easter Island (1958), das ebenso wie seine anderen Bücher zu Bestsellern wurden. 1983 entdeckte er Reste einer Hochkultur auf den Malediven. Unter Wissenschaftlern sind Heyerdahls Schlüsse nicht nur umstritten, teilweise wurden sie sogar widerlegt.

Werke u.a.: Kon-Tiki (1948), Expedition Ra (1970), Tigris (1979), Wege übers Meer. Völkerwanderungen in der Frühzeit (1979), Fua Mulaku (1986).

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Colla Micheri, (Prov. Savona, Norditalien)

Lissabon, Mosteiro dos Jerónimos de Belém

Bild: Holly (04/2007) flickr.com
Bild: Martina Schulz (04/2007)

Lissabon, Pantheon

Hinweis: Vasco da Gama wurde zunächst im Convento Santo António im indischen Kotschin beigesetzt, bevor sein Sohn Pedro da Silva da Gama seine Gebeine 1538 in die Kapelle des Klosters Nossa Senhora das Relíquias nach Vidigueira überführen ließ. Als 1834 die Orden und Klöster in Portugal aufgelöst wurden, fiel auch sein Grab der Verwahrlosung anheim, bis die sterblichen Überreste 1880 schließlich an den heutigen Ort überführt wurde. Bei dem Sarkophag im Pantheon handelt es sich um einen Kenotaph.

Bild: Jürgen Hempel (2003)

Hinweis: Die Urne mit der Asche Heyerdahls ist in diesem alten Sarazenenturm, der sich oberhalb seine Wohnortes Colla Micherii befindet, eingemauert.

Kipahulu (Maui, Hawaii), Palapala Ho'omau Churchyard

Bilder:Martina Schulz
Bild: Christine  (and John) Founier (10/2008)
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Bild: Kenneth Spinks (10/2011)
Bild: Nick Michael (07/2010) Wikipedia.en
Bild: Nick Michael (07/2010) Wikipedia.en
Bilder: Heiko Bockstiegel (03/2012)

Bremen OT Vegesack, Friedhof

Sir Richard Francis Burton (KCMG)

                  

 

Britischer Afrikaforscher und Orientalist; trat nach dem Studium an der Universität Oxford 1842 in die Armee der East India Company ein und diente dort als Offizier sieben Jahre in Sind (Indien). In dieser Zeit erlernte er eine Reihe orientalische Sprachen, um sich auf seine zahlreichen Reisen und Expeditionen vorzubereiten. 1853 war er der erste Europäer der – als Afghane verkleidet - eine Pilgerreise unternahm, die ihn nach Medina und Mekka führte. Im Folgejahr reiste er begleitet von John Hanning Speke nach Somaliland, das noch weitgehend unerforscht war. Nach der Teilnahme am Krimkrieg kehrte er 1856 gemeinsam mit Speke nach Afrika zurück, um nach den Quellen des Nil zu suchen. 1858 entdeckten die beiden den Tanganyikase (Speke entdeckte später den Victoriasee). 1862 bestiegen er und der deutsche Botaniker Gustav Mann erstmals den Hauptgipfel des Kamerunberges. Mitte der 1860er Jahre trat Burton in den britischen diplomatischen Dienst, war u.a. von 1861 bis 1865 in Fernando Po und von 1865 bis 1869 in Santos in Brasilien sowie anschließend bis 1871 in Damaskus und von (1871 bis 1890 in Triest. 1886 wurde er in den Adelsstand erhoben. Burton sammelte während seiner Reise Märchen und übersetzte sie ins Englische. Berühmt wurde seine Übersetzung der Erzähl- und Märchensammlung Tausendundeine Nacht (16 Bde., 1885-88). Außerdem verfaßte er Schriften über Brasilien, Paraguay, Syrien, Sansibar, das etruskische Bologna und die Goldküste.

Burton war Mitglied der Royal Geographical Society.

Werke u.a.: Personal Narrative of a Pilgrimage to El Medinah and Meccah (3 Bde., 1855-1856, dt. Meine Wallfahrt nach Medina und Mekka), First Footsteps in East Africa (1856, dt. Die Expeditionen Burton’s und Speke’s), The Lake Regions of Central Africa (2 Bde., 1860), Wanderings in West Africa (1863) .

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Bild: Svarochek (06/2011) Wikipedia.org
Bild: Svarochek (06/2011) Wikipedia.org
Bild: Svarochek (06/2011) Wikipedia.org

London OT Mortlake, Cemetery of St Mary Magdalen’s Roman Catholic Church

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Friedrich Gerhard Rohlfs

Deutscher Afrikaforscher und Schriftsteller; Sohn eines Landarztes; verließ das Gymnasium vorzeitig im Alter von siebzehn Jahren, in das Bremische Füsilier-Bataillon und anschließend als Unteroffizier in die schleswig-holsteinische Armee ein. Als solcher nahm er während des Schleswig-Holsteinischen Krieges, den die Dänen gewannen, an der Schlacht bei Idstedt im Juli 1850 teil und wurde wegen besonderer Tapferkeit noch auf dem Schlachtfeld zum Leutnant befördert. Nach der Entlassung aus der Armee begann er auf Wunsch der Eltern 1850 ein Medizinstudium in Heidelberg, Würzburg und Göttingen, das er jedoch nach wenigen Semestern abbrach, statt dessen in die österreichischen Armee eintrat, aus ihr bald aber wieder desertierte, und als Fremdenlegionär nach Algerien ging. Von 1856 bis 1860 war er dort Truppenapotheker und Feldscher. Nach seinem Abschied aus der Legion bereiste Rohlfs, als Muslim und Wanderarzt getarnt, Algerien und Marokko, wurde Leibarzt des marokkanischen Sultans Sidi Muhammad IV. in Fès, gab diese Stellung aber bald wieder auf. Von 1861 bis 1864 bereiste er Marokko, kehrte im Januar 1865 nach Deutschland zurück, um dann zwischen 1865 und 1867 als erster Europäer Afrika von Tripolis bis zum Golf von Guinea zu erkunden. Daran anschließend nahm er als Dolmetscher im Auftrag des Königs von Preußen an der britischen Strafexpedition in Abessinien teil und unternahm eine ebenfalls vom preußischen Königshaus unterstützte Expedition in die Cyrenaika. Sein Versuch, unmittelbar danach in die Kufra-Oasen weiterzureisen, scheitete, da die Einheimischen in ihm einen Agenten vermuteten. So änderte er seinen Plan und reiste zur Oase Shiwa, wo Alexander der Große fast zweitausend Jahre zuvor den Tempel des Zeus Ammon besucht hatte. Während des Deutsch-Französischen Krieges reiste Rohlfs als preußischer Agent nach Tunesien, um von dort aus algerische Berberstämme zum Aufstand gegen Frankreich zu ermutigen. Seine Mission scheiterte allerdings, da seine Absicht der französischen Abwehr bekannt geworden war. 1873/74 bereiste er die Libysche Wüste.

Werke u.a.: Reise durch Marokko (1868); Quer durch Afrika, 2 Bde.(1874/75); Kufra (1881).

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Johan Peter Koch

 

Dänischer Polarforscher und Kartograph, Offizier; Sohn eines Pfarrers; sein Wunsch, zur Marine zu gehen, scheiterte an seiner Farbfehlsichtigkeit; so schlug er die militärische Laufbahn ein und versah seinen Dienst bei der Königlichen Leibgarde. 1890 wurde er zum Premierleutnant befördert. 1907 zum Kapitän und 1917 zum Oberstleutnant. Im Ersten Weltkrieg war Koch von 1915 bis 1917 Stabschef der 1. Division des dänischen Heeres. 1917 erwarb er den Militärflugschein und wurde am 18. Oktober im Range eines Oberstleutnants Leiter des Heeresflugdienstes und der Fliegerschule. 1923 wurde Koch zum Oberst befördert.

Koch nahm an drei Expeditionen nach Grönland teil, der Ostgrönlandexpedition 1900, der Danmark-Expedition von 1906 bis 1908 sowie der Expedition nach Königin-Louise-Land 1912–13, bei der er als Erster auf dem grönländischen Eisschild, den er an seiner breitesten Stelle überquerte, überwinterte.

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Bilder: Finn Larsen (10/2014)

Kopenhagen, Vestre Kirkegard (Westfriedhof)

Hermann Köhl

 

 

Deutscher Flugpionier; Sohn des späteren bayerischen Generalleutnants Wilhelm Köhl; trat 1906 als Fahnenjunker in das Pionier-Bataillon Nr. 13 der Württembergischen Armee ein, wurde am 22.8.1908 Leutnant und besuchte ab 1913 die Militärtechnische Akademie in Berlin. Diese eigentlich auf zwei Jahre ausgelegte Ausbildung wurde mit Beginn des Ersten Weltkrieges abgebrochen, als Köhl als Zugführer mit seinem Bataillon an die Westfront entsandt wurde. In den Vogesen schwer verletzt, konnte er als Infanterist nicht mehr eingesetzt werden und meldete sich daher zur Fliegertruppe, Staffelführer im Kampfgeschwaders 4 und kam in Flandern zu Nachteinsätzen. Zu Beginn des letzten Kriegsjahrs wurde er - inzwischen zum Hauptmann befördert - mit dem Pour le Mérite, dem höchsten militärischen Orden, ausgezeichnet, nachdem er ein Munitionslagers zerstört hatte. Nach einer Notlandung mit seiner Maschine geriet er im Mai 1918 in französische Kriegsgefangenschaft, aus der er nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen schließlich im September 1919 fliehen konnte. Da die Luftwaffe nach dem Ende des Krieges gemäß der Bestimmungen des Versailler Vertrages aufgelöst wurde, kam Köhl im Mai 1920 in die auf 100.000 Mann beschränkte Reichswehr, wo er zunächst beim Stab einer Kraftfahrabteilung, später dann als Chef der 7. Kompanie und 1924 als Chef der 1. Kompanie in das 5. Pionier-Bataillon in Neu-Ulm tätig war. 1925 wechselte Köhl vom Militär zurJunkers Luftverkehr AG, um dort den zivilen Nachtflugverkehr aufzubauen, und wurde bei Gründung der Luft Hansa 1926 deren erster Nachtflugleiter. Ab 1927 beteiligte er sich an Atlantikflugversuchen und führte am 12./13.4.1928 gemeinsam mit Günther von Hünefeld und James Fitzmaurice (*1898, †1965) als Pilot der Junkers W 33 Bremen die erste Nonstop-Überquerung des Nordatlantiks in Ost-West-Richtung durch (am 20./21. Mai 1927 hatte bereits Charles Lindbergh der erste Flug von New York nach Paris, also in West-Ost-Richtung erfolgreich durchgeführt). Nach seinem Erfolg widmete sich Hermann Köhl der Weiterentwicklung der Luftfahrt. Er starb im Alter von nur 50 Jahren an einem Nierenleiden.

Die Junkers W 33 “Bremen“ nach dem Atlantikflug auf Greenly Island am 1.4.1928

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Pfaffenhofen a.d. Roth, Friedhof

Entdecker  / Abenteurer

Omnibus salutem!