Ottmar Gerster

 

Deutscher Komponist; Sohn eines Nervenarztes, studierte gemeinsam mit Paul Hindemith in Frankfurt am Main am Hoch’schen Konservatorium. Erst als er 1924 für sein Divertimento für Violine und Viola den Preis eines Musikverlages erhielt, wurde er als Komponist anerkannt; 1927 arbeitete er an der Essener Folkwangschule. In den 1933er Jahren verfaßte er einen Weihespruch und einen Kampfchoral der Deutschen Christen Ihr sollt brennen auf einen Text von Baldur von Schirach. Noch kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs nahm ihn Adolf Hitler in die sogenannte Gottbegnadeten-Liste aufgenommen. Obwohl Gerster nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf einer der “Schwarzen Listen“ der US-Militärregierung aufgeführt war, blieb er bis 1947 weiterhin als Dozent in Essen tätig. 1946 trat er der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) bei, kam 1947 als Professor für Komposition und späterer Direktor in die Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) an die Hochschule für Musik nach Weimar und wechselte 1952 in ein Lehramt an der Leipziger Hochschule, an der er bis zu seiner Emeritierung 1962 blieb. 1950 wurde er Mitglied der Deutschen Akademie der Künste und war seit Gründung des Verbandes Deutscher Komponisten und Musikwissenschaftler der Deutschen Demokratischen Republik ( DDR) bis 1960 dessen Vorsitzender.

Otmar Gersters Kompositionen aus seiner Zeit in der DDR sind stark ideologisch gefärbt: Eisenhüttenkombinat Ost, Der fröhliche Sünder (nach dem sowjetischen Volksstück vom Nasreddin). In der DDR war insbesondere seine Festouvertüre 1948 für großes Orchesterbekannt, das als Auftragswerk der Kulturabteilung des Landesvorstandes Thüringen der SED anläßlich des 100-jährigen Gedenken der Revolution von 1848 und zugleich ein Loblied auf die Entwicklung des Sozialismus in der SBZ sein sollte, deren Gründung für das folgende Jahr anstand. In dieser Komposition verwendete Gerster verschiedene Kompositionen von bestehenden Kampf- und Freiheitsliedern, so z.B. die Marseillaise, die Internationale, Brüder, zur Sonne, zur Freiheit und den russischen Trauergesang Unsterbliche Opfer. Die Festouvertüre 1948 wurde bei zahllosen offiziellen Anlässen gespielt, u.a. bei der Jugendweihe in der DDR.

Auszeichnungen u.a.: Robert-Schumann-Preis der Stadt Düsseldorf (1941), Nationalpreis der DDR (1951 und 1967).

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Bild: Günter Strack

Leipzig, Südfriedhof

Franz Konwitschny

 

Musiker; Sohn eines Musikdirektors und Chordirigenten, von diesem frühzeitig gefördert, studierte er an der Musikvereinsschule in Brünn und anschließend am Konservatorium in Leipzig, spielte bereits in der Zeit zwischen 1923 und 1925 Bratsche im Gewandhausorchester unter Leitung von Wilhelm Furtwängler. Er wirkte vor dem Zweiten Weltkrieg an verschiedenen Orten, z.B. in Wien. Stuttgart, Freiburg im Breisgau, Frankfurt am Main. Nach dem Krieg war er zunächst Leiter der Oper Hannover und der Hamburger Staatsoper, wechselte dann aber als Gewandhauskapellmeister nach Leipzig. Zwischen 1953 und 1955 wirkte er gleichzeitig noch als Chefdirigent der Staatsoper in Dresden und wurde ab 1955 zusätzlich zum Generalmusikdirektor und Chefdirigenten der ostdeutschen Staatsoper in Berlin berufen. Durch seine zahlreichen Auslandsreisen wurde er international bekannt und zum “Aushängeschild" der DDR. Er starb auf einer Konzertreise in Jugoslawien während der Proben zu Beethovens Missa Solemnis.

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Bild: Günter Strack

Engelbert Humperdinck

Deutscher Komponist; der Sohn eines Gymnasiallehrers studierte in Köln und München u.a. bei Franz Lachner, Ferdinand von Hiller und Josef Rheinberger. 1881 und 1882 war er in Bayreuth der Assistent Richard Wagners, den er 1879 in Neapel kennengelernt hatte und dessen Theorien seine Musik beeinflußten und dessen Musikdramatik er ins Volkstümliche wandelte. Wagner selbst übernahm eine Passage aus Humperdincks Feder in die Partitur seines Parsifal (1982). Bevor Humperdinck von 1885 bis 1887 am Konservatorium von Barcelona unterrichtete und von ab 1890 am Dr. Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt am Main lehrte, war er Lehrer von Wagners Sohn Siegfried. Sein bekanntestes Werk ist die Märchenoper Hänsel und Gretel, die 1893 in Weimar uraufgeführt wurde. Weitere Bühnenwerke sind das Musikdrama Die Königskinder (1897) und die komische Oper Die Heirat wider Willen (1905). Außerdem schuf er ab 1905 Theatermusiken für Max Reinhardts Deutsches Theater in Berlin, u.a. zu Aristophanes’ Lysistrata, Maurice Maeterlincks Blauem Vogel sowie William Shakespeares Wintermärchen, Sturm, Was ihr wollt und der Kaufmann von Venedig. Zudem komponierte er Orchesterwerke, Vokal- und Schauspielmusiken und zahlreiche Lieder.

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Bob (Robert) Nesta Marley

Porträt aus Copyrightgründen leider nicht verfügbar

 

 

 

Jamaikanischer Rockmusiker; Sohn einer jamaikanischen Sängerin und eines englischen Offiziers; im Alter von 16 Jahren brach er die Schulausbildung ab und zog nach Kingston und arbeitete dort als Mechaniker, bevor er sich der Musik zuwandte und mit seinem Freund Livingston 1961 die Gruppe Rudeboys gründete, die 1964 in The Wailers umbenannt wurde. Marley, der als bedeutendster V“Bob lives”ertreter des Reggae galt, wandte sich mit seinen meist selbst verfaßten Songs gegen soziale Ungerechtigkeit und Rassendiskriminierung (I Shot The Sheriff, Them Belly Full, No Woman, No Cry). Aus seiner 1966 mit der Kubanerin Rita Anderson gingen zwei Kinder hervor. Sein Mausoleum liegt neben seinem elterlichen Wohnhaus in Nine Miles, Jamaica.

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Jamaika, Nine Miles

Bilder: Uwe Geisel
Eingang zum Mausoleum und Grundstück

Max von Schillings (seit 1912)

Deutscher Komponist; erhielt parallel zu seiner schulischen Ausbildung den ersten Musikunterricht und studierte 1889/90 zuerst Jura in Münchem, dann Philosophie. In den 1890er Jahren assistierte er bei den Bayreuther Festspielen, bevor er als Dirigent und Musikpädagoge in München tätig wurde. 1903 wurde er zum Professor ernannt; zu seinen Schülern zählte u.a. Wilhelm Furtwängler. Zwischen 1908 bis 1918 bekleidete er das Amt des Generalmusikdirektors am Königlichen Hoftheater Stuttgart und von 1919 bis 1925 das des Intendanten der Staatsoper Berlin. Nach diversen Auslandsreisen wurde er 1932 zum Präsidenten der Preußischen Akademie der Künste gewählt und trat damit die Nachfolge Max Liebermanns an. Das Amt bekleidete er bis zu seinem Tode.

Zugleich war von Schillings, der bereits am 1.4.1933 der NSDAP beitrat, vom März 1933 bis zu seinem Tode Intendant der Städtischen Oper in Berlin. Unter seiner Amtsführung als Präsident der Akademie wurden unangepasste und jüdische Künstler von der Akademie entfernt, so u.a. Käthe Kollwitz, Heinrich und Thomas Mann, Alfred Döblin, Max Liebermann, Franz Werfel und Jakob Wassermann. Ricarda Huch trat aus Protest wegen der Entlassung Döblin Anfang 1933 als erstes Mitglied aus der Akademie aus.

Zunächst von Richard Wagner ausgehend, näherte sich von Schillings später dem französischen Impressionismus und dem italienischen Verismo, schrieb Opern, Orchester-, Kammermusik.

Die Mutter Max von Schillings war Johanna Antonia Schillings, née Brentano (*1839, †1885).

Werke u.a.: Mona Lisa (1915), Das Hexenlied (1904).

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Frankfurt am Main, Hauptfriedhof (im Familiengrab derer von Brentano)

Bild: Tourist Board, Marquesas

Jacques Brel

 

 

Französischer Chanson-Sänger belgischer Herkunft; textete und komponierte aggressiv gesellschaftskritische und zum Teil satirische Lieder. Zu seinen bekanntesten Liedern gehören Ne me quitte pas, Ces gens-là, La valse à mille temps, Le Moribond, Le plat pays, Mathilde.

Brel arbeitete auch als Filmschauspieler, u.a. in Les assassins de l’ordre (dt. 1970, Mörder nach Vorschrift) unter der Regie: von Marcel Carné, in L’aventure, c’est l’aventure (dt. 1971, Die Entführer lassen grüßen) von Claude Lelouch oderin L’Emmerdeur (dt. 1973, Die Filzlaus), mit Lino Ventura.

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Franz. Polynesien, Atuona, Insel Hiva Hoa, Marquesas,

Stahnsdorf, Südwest-Friedhof

Bild: Franz-Josef Mörsch jr. (11/2003)
Bild: Bernhard Rosinski (06/2007)
Bilder: KN (21.09.2008)

Leipzig, Südfriedhof

Otakar Ševčík

 

 

Tschechischer Violinist; Sohn eines Lehrers und Direktors des Kirchenchores; studierte zunächst am Prager akademischen Gymnasium und von 1866 bis 1870 am Konservatorium das Geigenspiel. Nach dem Abitur war er von 1870 bis 1873 als Konzertmeister am Salzburger Mozarteum tätig, später in Wien, Polen und im russischen Kiew. Nach einer Augenerkrankung beendete er seine Konzerttätigkeit und lehrte von 1875 bis 1892 an der zaristischen Musikschule in Charkiw, danach 14 Jahre lang am Prager Konservatorium. 1909 kehre er nach Wien zurück und lehrte dort neun Jahre lang an der Wiener Musikakademie. Nach der Gründung der Tschechoslowakei im Jahre 1918 kehrte Ševčík, der als Begründer der tschechisch-wienerischen Geigenschule gilt, in seine Heimat zurück und wurde zum Professor des Konservatoriums ernannt. Bei ihm studierte von 1922 bis 1928 u.a. Wolfgang Schneiderhan. Ševčík führte noch mit 81 Jahren Meisterkurse u.a. in England durch.

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Pisek (Tschechien), Trojice-Friedhof

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Bild: SJu (cs:SJu) (05/2012) Wikipedia.pl
Bild: SJu (cs:SJu) (05/2012) Wikipedia.pl

Maria Reining

 

 

Österreichische Opernsängerin (Sopran); arbeitete zunächst als Angestellte in einer Wiener Bank. Erst mit 28 Jahren begann sie 1931 ihre Sängerkarriere an der Wiener Staatsoper, überwiegend in Soubrettenpartien. Zwei Jahre später wechselte sie nach Darmstadt und dann an die Münchner Staatsoper, wo sie unter Hans Knappertsbusch als Elsa in Lohengrin von Richard Wagner debütierte. 1937 folgte sie Knappertsbusch an die Wiener Staatsoper, wo sie ein zweites Mal in der Rolle der Elsa debütierte.

Maria Reining war Mitglied der Wiener Staatsoper von 1931 bis 1933 und von 1937 bis 1957. Von 1937 bis 1941 sang sie mit großem Erfolg bei den Salzburger Festspielen, unter anderen unter Arturo Toscanini und 1938 in Die Meistersinger von Nürnberg und Wilhelm Furtwängler.

Sie sang vornehmlich Partien von Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Wagner und Richard Strauss. Gastspiele führten sie zu den führenden europäischen Opernhäusern. Unter anderem sang sie an der Covent Garden Oper in London und an der Mailänder Scala.

 

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Wien, Dornbacher Friedhof

Bilder: Heinz Knisch (11/2006)

Slavko Avsenik

 

 

Slowenischer Komponist und Akkordeonist;

Slavko Avsenik Mitglied der damaligen Nationalmannschaft Jugoslawiens. Das Spielen auf dem Pianoakkordeon und der Steirischen Harmonika brachte er sich während seiner Militärzeit selbst bei. 1953 begann er im Trio Avsenik mit einem Gitarristen (Mitja Butara) und Bassisten (Borut Finzgar).

gründete gemeinsam mit seinem Bruder Vilko Ovsenik die Musikgruppe Gorenjski Kvintet, die als Slavko Avsenik und seine Original Oberkrainer (“Original Oberkrainer Quintett“) international bekannt wurde und mehr als 36 Millionen Tonträger verkaufte. Auch sind sie die Erfinder des “Oberkrainer Sounds“, der auch heute noch von einer Vielzahl von Musikgruppen gespielt wird. Der größte Erfolgstitel von Slavko Avsenik ist das Trompeten-Echo (1954),das einem breiten Publikum erst mit Hilfe von Fred Rauch bekannt, der zufällig den Titel in Radio Klagenfurt gehört hatte. In den 1970er Jahren war es die Erkennungsmelodie der ZDF-Sendung Lustige Musikanten und der monatlichen Hörfunksendung Wettstreit nach Noten des Deutschlandfunks. Auch für die ORF-Sendung Musikantenstadl wurde das Trompetenecho das Titellied. Weitere Erfolgstitel sind Auf der Autobahn, Slowenischer Bauerntanz und Es ist so schön, ein Musikant zu sein, sowie Planica, Planica, ein Song, der jedes Jahr wieder zu den Skiflug-Wettbewerben an der Letalnica-Schanze gespielt wird.

Inschrift: Veter nosi pesem mojo... [Der Wind trägt mein Lied...]

Gasthaus Pri Joževcu in Begunje, in dem Auftritte bekannter Oberkrainergruppen stattfinden

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Bilder: Klaus Paap (08/2017)

Radovljica OT Begunje na Gorenjskem (Slowenien), Dorffriedhof

Víctor Lidio Jara Martínez

 

 

Chilenischer Sänger, Musiker und Theaterregisseur; politischer Aktivist; Sohn eines Landarbeiters;

nachdem General Augusto Pinoche am 11.9.1973 die linksgerichtete Regierung von Salvador Allende mit einem Militärputsch gestürzt hatte, wurde der. Linksaktivist Jara, der der kommunistischen Partei angehörte und ein Anhänger Allendes war, am 12. September verhaftet, danach mit 5.000 anderen Menschen im Fußballstadion von Santiago de Chile gefangen gehalten, dort gefoltert und schließlich von Soldaten des putschenden Militärs mit mindestens 44 Schüssen ermordet.

Erst nach mehr als 40 Jahre nach der Ermordung Víctor Jaras hat ein Gericht im US-Bundesstaat Florida den chilenischen Ex-Leutnant Pedro Pablo Barrientos Núñez in einem Zivilverfahren für schuldig gesprochen; er wurde zu einer Entschädigungszahlung in Höhe von 28 Millionen US-Dollar an die Familie des Musikers verurteilt.

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Bild: Man77 (05/2010), Wikipedia.org
Bild: Man77 (05/2010), Wikipedia.org

Santiago de Chile, Cementerio General

Herbert Jarczyk

 

 

Deutscher Filmkomponist; jüngerer Bruder von Michael Jary; besuchte die Musikhochschule Berlin und war anschließend als Konzertpianist und später als Dirigent tätig. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann er dann eine Karriere als freischaffender Pianist und komponierte u.a. Hintergrundmusik für Dokumentarfilme. Ab 1949 spezialisierte er sich auf das Komponieren von Musik für Spielfilme. In den 1950er und 1960er Jahren schuf er eine Reihe von Kompositionen zu einigen weniger bekannten deutschen Filmproduktionen. Populär wurde seine für die von der ARD ab 1968 produzierte, sehr erfolgreiche TV-Kriminalserie Der Kommissar mit Erik Ode als Kommissar Keller Titelmelodie. Er war aber auch als Komponist für verschiedene Hörspiele tätig, u.a. für Georges Simenons Maigret und die Bohnenstange mit Paul Dahlke, Rolf Boysen, Hanne Wieder und Hans Clarin als Sprecher und in ähnlicher Besetzung bei Maigret und der gelbe Hund und Maigret und seine Skrupel sowie 1966 in der Sherlock-Holmes-Produktion Der Hund von Baskerville, bei der Heinz-Günter Stamm Regie führte und Peter Pasetti und Joachim Wichmann die Hauptrollen sprachen.

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Grünwald (Ldkrs. München) Waldfriedhof

Bilder: Claus Harmsen (stones&art, 08/2017)

Hinweis: Jaras Leichnam wurde wurde im Juni 2009 zur genauen Feststellung der Umstände seines Todes exhumiert. Sechs Monate später wurde Künstler feierlich in Anwesenheit von Präsidentin Michelle Bachelet in Santiago de Chile beigesetzt.

Musiker XIX

Omnibus salutem!