Leon Jessel

 

Deutscher Komponist; der Sohn eines aus Posen stammenden, nach Amerika ausgewanderten jüdischen Kaufmanns, der nach Europa zugekehrt war und sich in Stettin niedergelassen hatte, verließ ohne Abschluß das Gymnasium, trat aus der jüdischen Gemeinde aus, verließ sein Elternhaus und heiratete im Alter von 17 Jahren. Als Theaterkapellmeister tingelte er durch die Provinz, bis er schließlich 1911 nach Berlin kam und 1917 mit seiner Operette Schwarzwaldmädel reüssierte. Anfang 1932 trat seine Frau der NSDAP bei, wurde jedoch, weil sie einer geforderten Scheidung widersprach, im Winter 1933/34 aus der Partei ausgeschlossen. 1937 schließlich wurde Jessel das weitere Verbleiben in dem Fachfach Komponisten verweigert. 1941 wurde er verhaftet, zunächst in einem Bunker inhaftiert und im Januar 1942 in das Krankenhaus des Gefängnisses überführt, wo er starb. Unmittelbar nach Ende des Krieges wurde sein Schwarzwaldmädel in Deutschland wieder gespielt und 1950 mit Sonja Ziemann /*1926)erfolgreich verfilmt.

Werke u.a.: Hoch leb’ das deutsche Vaterland!, Erklingen zum Tanze die Geigen.

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Bild: Annette Schortz (07/2005)

Berlin-Wilmersdorf, Städtischer Friedhof

Ferruccio Benvenuto Busoni

Italienisch-deutscher Pianist und Komponist; Sohn eines italienischen Klarinettenvirtuosen und einer deutschstämmigen Pianistin; gab im Alter von 10 Jahren sein Debüt als Pianist in Wien und wurde 1881 im Alter von 15 Jahren Mitglied der Accademia Filarmonica in Bologna. Seit 1886 unterrichtete er am Leipziger Konservatorium, seit 1888 war er Klavierlehrer am Konservatorium in Helsinki, danach in Moskau (1890 bis 1891) und Boston (1891 bis 1894). 1894 ließ er sich dauerhaft in Berlin nieder, lebte allerdings während des Ersten Weltkrieges in Zürich. Er komponierte Opern (u.a. Turandot, 1917; Doktor Faust, 1925), Klavierwerke, Orchesterwerke, Kammermusik.

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Bild: Claus Harmsen (07/2005, stones & art)

Berlin, Friedhof a.d. Stubenrauchstraße

Albert Mangelsdorff

Bild: Jörg Steinmetz (mit freundlicher Genehmigung von Frau Mangelsdorff)

 

 

 

 

Deutscher Jazzposaunist; einer der bekanntesten Jazzmusiker Deutschlands kam – angeregt durch seinen drei Jahre älteren Bruder Emil - schon im Alter von zwölf Jahren mit dem Jazz in Kontakt. Während er sich das Gitarrespielen selbst beibrachte, nahm er für das Posaunespielen ab 1947 Unterricht in Anspruch. Im gleichen Jahr begann er seine Karriere als Berufsmusiker. 1961 gründete er das Albert Mangelsdorff Quintett, das bis 1971 existierte und auch internationale Tourneen unternahm. Ende der 1960er Jahre wandte er sich immer stärker dem Free Jazz zu, kehrte jedoch Anfang der 1970er Jahre wieder mehr zum klassischen Jazz zurück. Ab Mitte der 1970er Jahre bis zu dessen Auflösung Ende 2002 war er Mitglied des United Jazz & Rock Ensemble. 1993 wurde Mangelsdorff Honorarprofessor für Jazz an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main.

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Frankfurt am Main, Hauptfriedhof

Bild: anonym

Silvio Francesco eigentl. Silvio Francesco Valente

Bild: H.Greite               francesco_silvio_bdBild: U.Grimberg

Schweizer Sänger, Artist und Filmschauspieler; der Bruder von Caterina Valente (*1931) erlernte schon früh das Spielen verschiedener Musikinstrumente - vor allen Dingen der Klarinette. Zwischen 1948 und 1952 hatte er diverse Auftritte mit seiner jüngerer Schwester in Skandinavien, Deutschland und der Schweiz und machte zahlreiche Rundfunkaufnahmen; von 1950 bis 2000 wirkte er als Solist in vielen TV-Programmen, in diversen Musicals sowie in Filmen mit. Zugleich war er Begleiter, Arrangeur, Dirigent seiner Schwester Caterina bei Schallplattenaufnahmen, TV und bei Live-Auftritten.

Lieder u.a.: Babatschi (1956), Lula lula leila, Itsy Bitsy Teeny Weeny Honolulu Strandbikini (beide 1960), Hello Mary Lou (1961).

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Campione d’Italia, Friedhof

Hilde Güden née Hulda Geiringer

 

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Österreichische lyrische und Koloratursopranistin und Kammersängerin; debütierte 1937 an der Wiener Volksoper, sang 1938 in Zürich und 1939 an der Wiener Staatsoper und wurde 1942 an die Münchner Staatsoper engagiert; allerdings verließ sie Deutschland 1942, da sie jüdischen Ursprungs war, und ging nach Italien, wo sie in Rom und Florenz sang. Von 1946 bis 1973 war sie Mitglied der Wiener Staatsoper, gehörte von 1951 bis 1965 zum Ensemble der Metropolitan Opera in New York. Sie galt als eine der besten Mozart- und Strauss-Sängerinnen ihrer Zeit und war auch Mitglied des Wiener Mozart Ensembles.

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Bilder: Udo Trimpe

München, Waldfriedhof (Alter Teil)

Anton Karas

 

Österreichischer Komponist und Zitherspieler; der aus einem Wiener Arbeitermilieu stammende Karas, der neben seiner Schlosserausbildung eine Musikschule besuchte, betätigte sich in den Heurigenlokalen Wiens als Zitherspieler, nachdem er 1925 seine Arbeitsstelle verloren hatte. 1948 wurde der Volksmusiker von Carol Reed entdeckt und komponierte für dessen im Wien der Nachkriegszeit handelnden, nach dem Roman von Graham Greene und der Mitwirkung von Orson Welles entstandenen Film The Third Man (1949, dt. Der dritte Mann), das wohl bekannteste Zither-Solo, das Harry-Lime-Thema. Weltbekannt geworden, ging Karas auf eine Welttournee. Nach seiner Rückkehr eröffnete er in Sievering ein Heurigenlokal.

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Bilder: Alexander Krischnig (8/2005)

Wien, Friedhof Sievering

Grabstein mit dem Motiv aus Der dritte Mann

Bild: KN (27.10.2006)
Bild: Harald Fester (05/2007)
Bilder: Dott. Lodovico Buscatti (06/2011)

Turin, Cimitero Monumentale

Francesco Tamagno

Italienischer Sänger (Tenor); Sohn eines Gastwirts; studierte in Turin bei dem Komponisten Carlo Pedrotti; begann 1870 seine Karriere im Chor des Teatro Regio in seiner Geburtsstadt. Drei Jahre später erregte er mit seiner kräftigen Stimme in der Rolle des Nearcho in Donizettis Poliuto Aufmerksamkeit. Seine erste führende Rolle hatte er ein Jahr später am Teatro Bellini in Palermo. Im selben Jahr sang er am Teatro La Fenice in Venedig, u.a. in Donizettis Lucia di Lammermoor. 1875/76 begann auch seine internationale Karriere mit seinem Debüt an der Liceu in Barcelona, und 1877 trat er erstmals an der Scala in Mailand auf. Dies markierte den Beginn einer bemerkenswerten Karriere; in mehr als 20 Ländern trat Tamagno auf, der, mit einer sehr starken Stimme gesegnet, von den Italienern als ”tenore robusto" bzw. "tenore di forza" bezeichnet wurde. Den Höhepunkt seiner Karriere stellte die Rolle des Othello dar. Tamagno gilt als einer der großen Tenöre der letzten 30 Jahre des 19. Jahrhunderts. Allerdings waren - obwohl die Stimme nicht an Kraft verloren hatte - die letzten Jahres des Jahrzehnt geprägt von allmählichem Verlust der Tonhöhe, und er konnte nicht mehr piano singen. 1904 zog er sich in den Ruhestand in seine Villa in Varese zurück, die er 1885 erstanden hatte.

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Hermann Leopoldi

 

 

Österreichischer Komponist und Kabarettist; der Vater, ein Musiker, unterrichtet seine Söhne Ferdinand und den zwei Jahre jüngeren Hermann früh schon im Klavierspielen. Eine Ausbildung an einer Handelsschule und die Lehre in einer Galanterie-Großwarenhandlung brach er ab, um sich ganz der Musik zuzuwenden. Im Alter von 16 Jahren hatte Hermann sein erstes Engagement als Klavierbegleiter eines Volkssängers und tourte mit diesem durch zahlreiche Wirtshäuser in Niederösterreich. 1906 hatte er sein erstes festes Engagement als Varietékapellmeister im Orpheum in Agram, dem heutigen Zagreb. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde er eingezogen. Bei Auftritten in Frontlazaretten und in Frontvarietés wurde er 1916 von dem Direktor des Wiener Varietés Ronacher entdeckt und engagiert und wurde durch seine dortigen Darbietungen rasch bekannt. 1922 eröffnete er in der Rothgasse in Wien gemeinsam mit dem Kabarettisten Fritz Wiesenthal das Kabarett Leopoldi-Wiesenthal, das unter dem Kürzel “L.W.“ legendär wurde. In ihm traten u.a. die Schauspieler Hans Moser. Raoul Aslan und Karl Valentin sowie seinerzeit bekannte Künstler wie der Humorist Fritz Grünbaum, die Soubrette Charlotte Waldow und der Kabarettist Armin Berg auf. Allerdings mußte das Kabarett bereits 1925 wegen wirtschaftlicher Schwierígkeiten wieder schließen. Nach Gastspielen in Berlin in Rudolf Nelsons Theater am Kurfürstendamm und in der Schweiz begann er Ende der 1920er Jahre, Soloabende mit eigenem Repertoire zu veranstalten. Leopoldi inzwischen einer der populärsten Liederkomponisten und Vortragskünstler, .gastierte nun u.a. in Berlin, Paris, Budapest, Bukarest, Prag und Karlovy Vary (Karlsbad). Als 1838 der “Anschluß” Österreichs an das Deutsche Reich absehbar wurde, fuhr er mit seinem Ensemble zu einem Auftritt, der zuvor schon geplant war, nach Brünn, wurde allerdings am österreichisch-tschechischen Grenzübergang abgewiesen, da der tschechische Staatspräsident Edvard Beneš die Grenze für Flüchtlinge hatte sperren lassen. Nach seiner Rückkehr nach Wien wurde er verhaftet und wenig später in das KZ Dachau überstellt und im September 1938 in das KZ Buchenwald deportiert, wo sein Buchenwald-Marsch nach dem Text von Löhner-Beda entstand. Mit Hilfe seiner Frau, die bereits in den Vereinigten Staaten hatte einreisen können, konnte er “freigekauft” werden. In New York trat er mit Wiener Liedern in Eberhardt's Café Grinzing auf, und mit den Liedern I am a Quiet Drinker oder A Little Café Down the Street konnten er und Helly Möslein, die er in New York kennengelernt hatte und die später seine Lebenspartnerin wurde, erfolgreich eigene Vorstellungen in deutschsprachigen New Yorker Exilcafés, wie dem Old Vienna oder im Viennese Lantern,, und auch in anderen Städten der USA geben. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrten Leopoldi und Möslein 1947 nach Wien zurück, und Leopoldi konnte dort bei Auftritten in Bars, Varietés, Vergnügungslokalen und auf Tourneen durch Österreich, Deutschland und der Schweiz. an seine früheren Erfolge anschließen.

Inschrift: In einem kleinen Café in Hernals (Text: Peter Herz).

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04/2006)

Wien, Zentralfriedhof

Bild: Josef Aschenbrenner (05(2005)

Heinrich Schiff

 

 

Österreichischer Cellist und Dirigent; Sohn des Komponisten Helmut Schmidt und dessen Frau Helga, née Riemann, Tochter des Musikforscher Hugo Riemann; die ebenfalls komponierte; begann bereits im Alter von sechs Jahren mit dem Klavierspielen und erhielt ab dem zehnten Lebensjahr Cello-Unterricht an der Musikschule in Linz, bevor er ein Studium an der Wiener Hochschule für Musik begann und Meisterkurse bei Tobias Kühne und André Navarra besuchte. 1971 debütierte er in Wien und London und wurde rasch bekannt, so daß Einladungen zur Teilnahme u.a. an den Festspielen in Salzburg, in Edinburgh oder in Berlin folgten, und er trat als Solist auch in Australien, Japan und den USA erfolgreich auf. Dirigenten wie Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Christoph von Dohnanyi oder Giuseppe Sinopoli luden ihn zur Zusammenarbeit ein. Andererseits schrieben namhafte Komponisten wie Friedrich Gulda, Hans Werner Henze, Ernst Krenek und Wolfgang Rihm Werke für ihn, die er auch zur Uraufführung brachte.

2012 gab Schiff seine Solokarriere am Cello aus gesundheitlichen Gründen auf (er litt zunehmend unter starken Schmerzen im Bereich der rechten Schulter und im rechten Arm). Dafür wandte er sich ganz dem Dirigieren zu, mit dem er sich schon früher befaßt hatte; so war er von 1995 bis 2001 Chefdirigent des Orchester Musikkollegium Winterthur gewesen, und von 2006 bis 2008 leitete er das Wiener Kammerorchester.

Außerdem unterrichtete er an Hochschule für Musik und Tanz Köln, dann an der Universität Basel, später an der Salzburger Hochschule Mozarteum, an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, und gab er Meisterkurse.

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Bild: Heinz Knisch (08/2019)

Gmunden (Oberösterreich), Stadtfriedhof

Frederik Jan Gustav Floris Baron van Pallandt

 

 

Niederländischer Sänger; Sohn von F.C.A. Baron van Pallandt und dessen zweiter Frau, der Dänin Else Dagmar Hanina Gräfin Blücher af Altona. Er wuchs in Kopenhagen auf, wo sein Vater Botschafter der Niederlande in Dänemark war und wo er 1938 die Dänin Nina Magdalena Møller (*1932) kennenlernte, da seine und die Eltern von Nina sich kannten. Als er nach einem Studium der Agrarwissenschaften aus Trinidad nach Dänemark zurückkehrte, trafen sich beide wieder, gründeten 1957 in Kopenhagen das Gesangsduo Nina en Frederik und traten mit wachsendem Erfolg in den skandinavischen Ländern, in Europa und auch in Amerika auf. Weihnachten 1959 konnten sie in Großbritannien einen großen Erfolg mit einer Cover-Version von Mary’s Boy Child von Harry Belafonte landen, dem Little Donky folgte, der sich zwischen November 1960 und Februar 1961 zehn Wochen auf der 3. Position in den Charts hielt. Bis 1969 wurden sie mit mehreren internationalen Hits wie Listen to the Ocean, Mango Buy Me Mango und dem von Bob Dylan geschrieben Blowin 'in the Wind bekannt.

Zum Bruch als Duo und auch privat - sie waren seit 1959 verheiratet - kam es 1969, als Frederik trotz des großen Erfolgs darauf bestand, die Gesangskarriere zu beenden. Es folgte die Scheidung, wobei Nina weiterhin im Showbusiness blieb, sogar einige Filme drehte, so The Long Goodbye (1973) und A Wedding (1979) von Robert Altman oder 1980 Paul Schraders The American Gigolo mit Richard Gere, während Frederik van Pallandt das durch die Musik verdiente Geld bis zu seinem gewaltsamen Tode im Jahre 1994 in diverse Unternehmungen steckte, zunächst in einen Landwirtschaftsbetrieb auf Ibiza und sich 1979 kurzzeitig als Betreiber von Burke’s Peerage, das maßgebliche Adelslexikon für den britischen Adel, betätigte, bevor er sich Anfang der 1990er Jahre auf den Philippinen niederließ. Dort wurden ließen er und seine philippinische Freundin Susannah sich in den Schmuggel von Cannabis hineinziehen, das mit seiner Yacht “Tiaping” transportiert wurde. Sowohl er als auch seine Freundin wurden von Mitgliedern einer australischen Drogenbande in einer Hütte in dem in der Provinz Oriental Mindoro gelegenen Küstenstädtchen Porto Galera erschossen.

Er und Nina blieben auch über ihre Scheidung (1975) und seiner Wiederverheiratung mit Maria Jesus de Los Rios y Coello (1976), mit der er ein Kind hatte, hinaus Freunde, und als er niedergeschossen worden war, war sie es, die den Leichnam in die Niederlande überführen ließ.

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Bilder: Parsifal von Pallandt (08/2019)

Staphorst OT Ijhorst (Prov. Overijssel) Begraafplaats

Musiker XXXIV

Omnibus salutem!