Martin von Tours

 

 

Bischof von Tours, Asket, Apostel Galliens, Heiliger der katholischen Kirche; der Sohn eines römischen Tribuns war Soldat, ließ sich mit 18 Jahren taufen, schied aus der römischen Armee aus und wurde Schüler des Hilarius von Poitiers; 361 gründete er in Ligugé (bei Tours) das erste Kloster auf gallischem Boden; seit 371 war Bischof von Tours und wurde zum Vorbild des abendländischen Mönchtums. Zahlreiche Wunderberichte machten ihn zum populärsten Heiligen Frankreichs. Als Beispiel für seine Wohltätigkeit erzählt die Legende, Martin habe noch in der Zeit als Soldat am Stadttor von Amiens seinen Mantel geteilt und die eine Hälfte einem frierenden Bettler gegeben. Der nach ihm benannte Tag ist der 11.November (Martinstag).

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Tours, Krypta der Basilika Saint- Martin

Bild: Jochen Schultheis (07/2005)

Franz Kardinal Hengsbach

 

Deutscher Theologe (katholisch); von 1957 bis 1991 Bischof von Essen, seit 1988 Kardinal; erlangte als Ruhrbischof weit über sein Bistum hinaus Popularität, u.a. durch sein großes sozialpolitisches Engagement.

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Essen, Münster, Krypta

Moses Schreiber (auch Chatam Sofer)

 

Religionsschriftsteller, Rabbiner, Sofer; war in seiner Geburtsstadt Schüler des Oberrabbiner Pinchas Hirsch Isch Horowitz und von Nathan Adler, dem er nach Boskowitz (heute Boskovice) in Mähren folgte, wo er im Alter von nur 19 Jahren das Amt des Rabbiners übernahm. Nach einer Zwischenstation in Mattersdorf (ab 1798) ging er 1803 nach Preßburg und gründete dort die Preßburger Jeschiwa (höhere Talmudschule), die sich dank seiner Verdienste zu einer der bedeutendsten Rabbinerschulen der Welt entwickelte und von Schülern aus allen Kontinenten besucht wurde (ca. 500 Schüler bildete er aus). Preßburg war für das orthodoxe Judentum seiner Zeit zugleich auch eines der bedeutendsten Weltzentren für Talmudstudien, das jüdische Gelehrte aus aller Welt besuchten. Als ein allseitig gebildeter Mensch, mit geistiger Kraft, neuen Forschungsmethoden und vollkommenen Beherrschung der Kabbala, begann er eine neue Epoche in der Erforschung und Auslegung des Talmuds. In Fragen der Glaubenslehre und des Ritus haben sich die Gelehrten und Gläubigen der ganzen Welt an ihn gewandt, da er angeblich auch die kompliziertesten Probleme lösen konnte: man nannte ihn "Gottesbote" und "Wortherrscher". Seine Kommentare und Erzählungen hat er in 80 großen Folianten zusammenfaßt; außerdem schrieb er Glaubensverse und Lieder und verfaßte Erinnerungen an die Ära der Napoleonischen Kriege. Mit seinem Lebenswerk hat er sich nachhaltig in die Geschichte des Glaubens und der Kultur der Juden eingetragen. Als erbitterter Gegner und Bekämpfer des Reformjudentums vertrat Chatam Sofer (i.e. Schreiber hat besiegelt) die Normen einer strengen Orthodoxie des Judentums. So verbot er z.B. in seinem Testament seinen Kindern, die Werke des reformistischen Moses Mendelssohns zu lesen.

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Bratislava, Chatam Sofer Mausoleum

Bilder: Peter Malaschitz
Bild: Carl-Robert Jauch (2006)

Fidelis von Sigmaringen eigentl. Markus Roy

 

 

Deutscher Jurist, Katholischer Ordenspriester (Kapuziner), Märtyrer; Sohn des Gastwirts und späteren Bürgermeisters von Sigmaringen, Johannes Roy; besuchte die Stadtschule von Sigmaringen und das Jesuitenkollegium in Freiburg i. Br., und studierte dort anschließend an der Universität, mit Promotion zum Dr. phil. im Jahre 1603 und Dr. iur. utr. 1611. Von 1604 bis 1610 stand er als Hofmeister in adeligen Diensten in Frankreich, Spanien und Italien, bevor er von 1611 bis 1612 als Gerichtsrat bei der vorderösterreichischen Regierung in Ensisheim wirkte, wo er sich als “Advokat der Armen“ einen Name machte. Unzufrieden jedoch mit den Praktiken seines Metiers, gab er diese Tätigkeit auf, ließ er sich am 3.10.1612 im Freiburger Münster zum Priester weihen und trat unter Annahme des Namens Fidelis in Freiburg i. Breisgau in den Kapuzinerorden ein. Nach diversen Tätigkeiten als Konvertitenseelsorger und Prediger, wurde er 1621 Guardian (auf drei Jahre ernannte Oberhaupt eines Kapuzinerkonvents) des Kapuzinerklosters Feldkirch, bereiste als Missionar im Auftrag der päpstlichen Kongregation (Papst Paul V. hatte die Kapuziner mit der Glaubensverbreitung beauftragt) zur Ausbreitung des Glaubens die Kantone der Schweiz und wurde dort mit den konfessionellen Auseinandersetzungen konfrontiert. Und als im Zuge des Dreißigjährigen Krieges dort österreichische Truppen stationbiert waren, betreute er die Soldaten. Als Fidelis im Rahmen der Rekatholisierung in Seewis predigte, wurde er als er nach einer gestörten und nicht beendigten Predigt die Kirche verließ, von von einer Gruppe von Bauern mit zahlreichen Stichen niedergestochen und verstarb.

Fidelis, der der erste Märtyrer der 1622 in Rom gegründeten Propaganda-Fide-Kongregation ist, wurde 1729 von Papst Benedikt XIII. selig-, 1746 von Papst Benedikt XIV. heiliggesprochen.

    

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Geburtshaus in Sigmaringen (Ende der 1920er Jahre)

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Chur, Kathedrale

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Feldkirch, Kapuzinerkloster

Hinweis: Hier sind die Gebeine des Heiligen beigesetzt; sein Haupt befindet sich in Feldkirch (s.u.), andernorts werden weitere Reliquien aufbewahrt.

Benedikt XIV. Prospero Lorenzo Lambertini

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Papst (1740-58); verarmtem Adel entstammend, studierte im Collegium Clementinum in Rom. Nach verschiedenen Tätigkeiten in der kirchlichen Verwaltung wurde er 1726 Kardinal, 1727 Bischof von Ancona und war seit 1731 Erzbischof seiner Geburtsstadt. Am 17.8.1740 wurde er nach einem über ein halbes Jahr andauernden Konklave als Nachfolger des am 6.2.1740 verstorbenen Klemens XII. zum Papst gewählt. Er war ein Förderer der Künste (u.a. wurde die Fontana di Trevi unter seinem Pontifikat fertiggestellt) und Wissenschaften und sammelte Gelehrte um sich. Benedikt XIV. zeigte sich gegenüber den Monarchen europäischer Staaten kompromißbereit, schloß Komnkordate ab und machte Zugeständnisse: So versuchte er den Einfluß der Jesuiten einzuschränken, deren Aktivitäten zum Ärgernis vieler europäischer Monarchen geworden waren. Den Protestanten gegenüber verhielt er sich duldsam, und er anerkannte als erster Papst 1748 den Königstitel im protestantischen Preußen an. Auch hob er offiziell den Bann gegen die Lehre des Nikolaus Kopernikus auf. Andererseits verschärfte er in der Bulle Providas romanorum von 1751 Regelungen gegen die Freimaurerei, indem er Katholiken den Umgang mit Freimaurern unter Androhung der Exkommunikation untersagt. Er mahnte eine größere Sparsamkeit an, um die Last der abgaben zu mindern, und wandte sich mit der an die “ehrwürdigen Brüder Patriarchen, Erzbischöfe, Bischöfe und Ordinarien Italiens” gerichteten Enzyklika Vix pervenit1 vom 1. November 1745 gegen das Unwesen des unchristlichen Zinzes und des Wuchers und bezog eine eindeutige Position, denn: “Die usura (Zinsnehmen, Wucher) ... beruht darin, daß jemand aus dem Darlehen selbst für sich mehr zurückverlangt, als der andere von ihm empfangen hat und zu diesem Zweck aufgrund des Darlehens selbst irgendeinen Gewinn über die Stammsumme hinaus als geschuldet beansprucht ... Jeder Gewinn, der die geliehene Summe übersteigt, ist deshalb unerlaubt und wucherisch.”

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1 Kaum kam uns zu Ohren

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Rom, Basilica San Pietro in Vaticano (Petersdom)

Thomas Müntzer

Deutscher Theologe (ev.) und Anführer im Bauernkrieg; studierte ab 1506 in Leipzig und ab 1512 an der Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) Theologie. 1513 wurde er in der Diözese Halberstadt zum Priester geweiht, bevor er an der Michaeliskirche in Braunschweig tätig wurde. und 1515/16 Präfekten im Kanonissenstift Frose bei Aschersleben wurde. 1519 gewann ihn Martin Luther für die Reformation, und schon im Folgejahr sandte dieser ihn als Prediger nach Zwickau, wo Müntzer in engen Kontakt zu Nikolaus Storch, einem führenden Mitglied der sog. Zwickauer Propheten, trat und eine mystifizierte Theologie des Mit-Leidens mit Jesus Christus entwickelte. Nachdem ihn der Stadtrat von Zwickau radikaler gesellschaftsverändernder Machenschaften verdächtigte, sah er sich gezwungen, im April 1521 aus der Stadt zu fliehen. Er ging nach Böhmen, wo er Kontakt zu den “Böhmischen Brüdern” aufnahm, und wo er im November 1521 das Prager Manifest verfaßte, in dem er seine Vorstellung vom Mystizismus und von der Theologie der Endzeiterwartung darstellte. 1523 wurde er im kursächsischen Allstedt Pfarrer und führte dort den Gottesdienst als Erster in deutscher Sprache ein, dessen Ablauf er in der Schrift Deutsche evangelsche Messe, die 1524 gedruckt wurde, festhielt. Dort schuf er im Frühjahr 1524 denmuentzer_thomas_briefm “Bund getreulichen und göttlichen Willens” (bezeichnet als Allstedter Bund) als einen Bund gegen die Gottlosen einzurichten.

Müntzer, vo dem es keine zeitgenössische Bild gibt, auf dem 5-Mark-Schein der staatsbank der DDR.

Zum Bruch mit Martin Luther kam es, als Müntzer zu ihm v.a. wegen seiner Ablehnung des Schriftprinzips (sola scriptura) und über die Frage des Widerstandsrechts in einen theologisch unüberbrückbaren Gegensatz geraten war. Er versuchte daraufhin vergeblich, den sächsischen Kurfürsten auf seine Seite zu ziehen und zum Eintritt in den Bund zu bewegen. Nachdem er im August 1524 zunächst aus Allstedt und im September des selben Jahres aus Mühlhausen vertrieben worden war, floh er nach Nürnberg. 1524/25 trat Müntzer in Kontakt mit den(Bild: H.Stolze, 01/2006) (Wieder-)Täufern sowie den aufständischen Bauern Oberdeutschlands auf und kehrte Ende Februar 1525 wieder nach Mühlhausen zurück, wo er zum Pfarrer gewählt wurde. Von Mühlhausen aus, wo er eine radikaldemokratische Verfassung (Ewiger Rat, 17.3.1525) durchgesetzt hatte, wurde Müntzer zum geistigen Anführer im Bauernkrieg in Thüringen. Am 15.5.1525 fand bei Frankenhausen im thüringischen Kyffhäuserkreis eine Schlacht statt, bei der auf der Seite der Bauern 6.000 Todesopfer zu beklagen waren. Nach der vernichtenden Niederlage des Bauernheeres wurde Müntzer gefangen genommen, auf der Festung Heldrungen eingekerkert, gefoltert und anschließend enthauptet; sein Leib wurde aufgespießt und sein Kopf auf einen Pfahl gesteckt.

Bauernkriegsgedenkstein auf dem Schlachtberg bei Bad Frankenhausen. Inschrift: FRYHEIT Bauernschlacht unter der Führung von Thomas Müntzer 15. Mai 1525 (Bild: H.Stolze, 01/2006)cc_somerightsreserved

Während in der Bundesrepublik die Erinnerung an Müntzer in der Öffentlichkeit verlorengegangen ist, wurde seiner in der DDR regelmäßg gedacht.

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Bild: Egbert May (09/2019)
Religion / Kirche X

Omnibus salutem!