Erasmus von Rotterdam, nannte sich seit 1496 Erasmus Desiderius

  pinxit Hans Holbein d. J.

Niederländischer Humanist und Theologe; als zweites Kind aus einer illegitimen Beziehung eines Priesters mit einer Arzttochter hervorgegangen, wurde er im Alter von etwa 14 Jahren Vollwaise und von Verwandten zum Eintritt in das Augustinerkloster Steyn bei Gouda genötigt; in der Schule der Brüder vom Gemeinsamen Leben in Deventer lernte er die Devotio moderna (neue Frömmigkeit) kennen. Nach der Priesterweihe (1492) trat Erasmus in den Dienst des Bischofs von Cambrai, der ihn nach Paris schickte, wo er von 1495 bis 1599 Theologie studierte. Während eines darauffolgenden zweijährigen Englandaufenthaltes (1499-1500) lernte er Thomas More kennen und rückte das Neue Testament in das Zentrum seiner Studien. In Italien, wo er auch promovierte, hielt er sich von 1506 bis 1509 auf, bevor er erneut von 1509 bis 1514 im Haus seines Freundes Thomas More in London lebte. 1516 war er Hofrat des späteren Kaisers Karls V.; 1517 wurde er vom Papst aus seinem Gelübde als Augustiner-Chorherr entlassen. Er gab ein griechisches Neues Testament heraus, das Martin Luther als Vorlage zu dessen Bibelübersetzung diente, veröffentlichte Ausgaben antiker Klassiker und Kirchenväter, Sprichwörtersammlungen sowie Dialoge und Kommentare zu grundlegenden philosophischen Schriften, eine Anleitung zum christlichen Lebenswandel Enchiridion militis christiani (1503; dt. u.a. als Handbuch des christlichen Ritters), verfaßte die Satire Encomium moriae (1509-11, dt. Lob der Torheit) gegen die Rückständigkeit der Scholastik und die Verweltlichung der Kirche. Wegen seiner unverhohlenen Kritik an kirchlichen Mißständen wurde er nach Luthers Auftreten von vielen als Vorläufer und möglicher Anhänger der Reformation angesehen. Er entzog sich zunächst der religiösen Kontroverse, indem er 1521 nach Basel ging, führte aber 1524 einen Bruch mit Luther durch, indem er dessen antihumanistische Bestreitung der Freiheit des menschlichen Willens, besonders mit seiner Schrift De libero arbitrio diatribe sive collatio (1524, dt. Gespräche oder Unterredung über den freien Willen) kritisierte. E zog eine geordnete Reform vor und meinte, daß Luthers Vorgehen der Sache der Reform schaden könnte. Besonders mißbilligte er Luthers “grausame” Stellungnahme im Bauernkrieg. Humanismus und Reformation gingen von da an getrennte Wege trotz beiderseitiger Vermittlungsversuche von Schülern des Erasmus. Als bedeutender Philologe und Kritiker der weltlichen und geistlichen Mächte und der erstarrten Scholastik sowie als Pazifist war Erasmus von Rotterdam Fortführer der antiken und der mittelalterlichen humanistischen Tradition im beginnenden Zeitalter des Konfessionalismus. So vermittelte er dem Norden und Westen Europas die überlegene Kultur Italiens. Zu zahm in Bezug auf Reformationen vorgegangen zu sein, wirft man ihm und Zwingli, der sein Schüler war, vor, dem verfolgten Ulrich von Hutten die erbetene Unterstützung verweigert zu haben. Nichtsdestotrotz verboten die Päpste 1559 und 1590 seine Schriften; Luther griff ihn an als einen Skeptiker und Epikureer; Protestanten werten seine Vereinsamung als das Urteil, das die Geschichte über ihn, den Unentschiedenen, gesprochen habe. Zweifellos jedoch war Erasmus eine zentrale Gestalt des 16. Jahrhundert.

 

pinxit Hans Holbein d.J. (1523)

 

 

 

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Bilder: Dieter Georg (2004)

Basel, Münster

Pius XII., Eugenio Pacelli

 

Papst (1939-58); entstammte einer römischen Beamtenfamilie, bereits Vater und Großvater haben im Dienste der Kirche gestanden. 1899 erhielt er die Priesterweihe und trat bereits 1901 in den Dienst des Staatssekretariats. Der hochgebildete und diplomatisch erfahrene Prälat, der von Benedikt XV. von 1917 bis 1925 als Nuntius für Bayern war und von 1920 bis 1929 Nuntius für das Deutsche Reich, war seit 1929 Kardinal und wurde 1930 Staatssekretär Pius' XI.; die zwischen 1924 und 1933 mit Deutschland abgeschlossenen Konkordate (Bayern, Preußen, Baden, Reichskonkordat) waren hauptsächlich seiner Initiative zu verdanken. In sein Pontifikat fielen die Dogmatisierung der Aufnahme Marias in den Himmel (1950; Himmelfahrt Mariä) und 33 Heiligsprechungen. Die Kirche leitete er streng zentralistisch und autoritär. Ins Zwielicht geriet Pius XII., als Rolf Hochhut 1963 dessen Verhalten während des Dritten Reiches gegenüber den Nationalsozialisten zum Thema seines Theaterstückes Der Stellvertreter machte. Nicht nur habe er geschwiegen, er habe auch die der Kirche zur Verfügung stehenden Druckmittel nicht eingesetzt. Pius war wohl der Auffassung, daß eine Einmischung in die “inneren” Angelegenheiten des Reiches die Situation der Kirche in Deutschland, aber insbesondere die der Juden verschlimmern könnte.

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Bild: Ulrich Bork (2004)

Pius IX.,Giovanni Maria Mastai-Ferretti

      

Papst (1846-78); verkündete das Dogma von der päpstlichen Unfehlbarkeit, gewann aufgrund einiger Reformzugeständnisse in der Verwaltung des Kirchenstaates hohes Ansehen. Die Einschätzung als "liberaler" Papst erwies sich aber bald als falsch, da Pius IX. sich weigerte, den Kirchenstaat in einen konstitutionellen Staat umzuwandeln und auch vor einer Einigung Italiens unter Anschluß des Kirchenstaates nichts wissen wollte. In der Bulle Non expedit (Es ist nicht angebracht) verbot er den italienischen Katholiken, aktiv oder passiv an Wahlen teilzunehmen, bei denen es u.a. um die Entziehung von Rechten der Kirche geht. Nach der Eroberung Roms durch italienische Truppen betrachtete er sich bis zu seinem Tod als Gefangener im Vatikan. Innerkirchlich ist sein Pontifikat durch zunehmende Zentralisierung der Hierarchie gekennzeichnet. Für die Stellung des Papstes ist die Definition der päpstlichen Unfehlbarkeit durch das von ihm berufene 1. Vatikanische Konzil bedeutsam. Der äußerst fromme Papst bemühte sich um eine Vertiefung des religiösen Lebens und bewirkte in der Tat eine Stärkung der Volksfrömmigkeit und der priesterlichen Spiritualität. Unter seinem Pontifikat wurde 1869 festgeschrieben, daß Embryonen ab Zeit ihrer Zeugung in vollem Umfang beseelt seien; bis dato galt die erste Bewegung des Fötus im Mutterleib als Beginn der Beseelung. Ebenfalls in seine Wirkungsgzeit als Papst fällt die starke Beschädigung vieler meisterlicher Kunstwerke, da er meinte, die männlichen Geschlechtsorgane von Skulpturen entweder entfernen oder auf Gemälden übertünchen zu müssen. Pius IX. wurde - zusammen mit Johannes XXIII. - am 3.9.2000 selig gesprochen.

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Rom, Basilika San Lorenzo fuori le Mura (Krypta)

Leo XIII., Vincenzo Gioacchino Pecci

                         

Papst (1878-1903); wurde nach nur zweitägigem Konklave am 20.2.1878 zum Nachfolger Pius’ IX. auf den Stuhl Petri gewählt und am 3.3.1878 inthronisiert; war ein bedeutender Gelehrter und Politiker, der die christlich-sozialen Bewegungen (1891, Enzyklika Rerum novarum), die Mission (v.a. Afrika und Ozeanien) sowie die wissenschaftliche Arbeit förderte, indem er z.B. die Vatikanischen Archive zu Forschungszwecken öffnen ließ. Kirchenpolitisch legte er Wert auf den römischen Zentralismus der Kirche. Er hob als der oberste Lehrer der katholischen Kirche den Neuthomismus (Neuscholastik) als die Grundlage der katholische Theologie und Philosophie hervor. Sein Nachfolger war der später heilig gesprochene Pius X..

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Bild: Ulrich Bork (2004)

Rom, Basilika San Giovanni in Lateran

Rom, Basilica S. Pietro (Peterskirche), Vatikanische Grotten

Gregor XVI. Bartolomeo Alberto Cappellari

                     

Papst (1831-46); Sohn eines Notars; trat 1783 unter dem gewählten Ordensnamen Fra Mauro in den Orden der Kamaldulenser ein, und wurde Mönch im Klosters San Michele auf der vor Venedig liegenden Insel Murano. Er studierte Philosophie, Theologie und Kirchenrecht und wurde 1787 zum Priester geweiht. 1795 ging Cappellari nach Rom und wurde 1805 zum Abt des Klosters S. Gregorio al Celio in Rom gewählt. Nach Lehrtätigkeit und als Generalvikar von 1823 bis 1826 seines Ordens wurde er von Leo XII. als Kardinal 1826 zum Präfekten der Propaganda Fide berufen. Als Pius VIII. (30.11.1830) starb, wurde er in dem Konklave, das 62 Tage andauerte, am 2.2.1831 zum Papst gewählt. Als solche förderte der eher konservative Papst insbesondere die Missionen und die Volksfrömmigkeit, verurteilte 1839 die Sklaverei und verfolgte das Prinzip der Überordnung der Religion gegenüber der Politik.

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Rom, Basilica S. Pietro (Peterskirche)

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Bilder: Kay (06/2008)

Luise von Marillac [franz. Louise de Marillac]

Französische Ordensgründerin; Heilige; außereheliche Tochter des Adeligen Louis de Marillac; 1613 heiratete sie den Sekretär der Königin Maria de Medici, Anton le Gras und gebar 1614 ihren Sohn Michele. Nach dem Tode ihres Mannes im Jahr 1625 lernte Luise von Marillac Vinzenz von Paul kennen. Da immer weniger Adelige und Damen aus der gehobenen Schicht sich der schweren Arbeit der Nächstenliebe und tätigen Hilfe widmeten, entstand die Idee, junge Bauernmädchen für diese Dienste heranzuziehen. Luise von Marillac nahm diese in ihrem Haus auf und gründete 1633 - bestärkt durch Vinzenz - die “Gemeinschaft der barmherzigen Schwestern”. Diese Gemeinschaft wurde der Beginn der Gründung der Ordensgemeinschaft der ”Töchter der christlichen Liebe“ (Vinzentinerinnen), die sie mit Vinzenz von Paul in Paris gründete und deren Mutterhaus in Paris sie bis zu ihrem Tode leitete. Luise von Marillac wurde Benedikt XV. am 9.5.1920 selig- und von Pius XI. am 11.3.1934 heiliggesprochen. Am 10.2.1960 erklärte Papst Johannes XXIII. sie zur Patronin alle sozial-caritativ Tätigen.

Gedenktag:15. März.

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Paris, Maison-mère des filles de la Charité, La Chapelle Miraculeuse

Hinweis: Die sterblichen Überreste der heiligen Louise wurden zunächst in der Kirche St. Laurant in Paris beigesetzt, bevor man sie in das Mutterhaus der Töchter der Barmherzigkeit überführte.

Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem gen. Abt Jerusalem

Deutscher Theologe (ev.); Sohn eines evangelischen Pastors; 1726 studierte er Theologie in Leipzig und Wittenberg, wo er 1731 die Magisterprüfung ablegte. Es folgte ein zweijähriger Aufenthalt in Holland. 1734 kehrte er nach Deutschland zurück, und bekleidete bis 1737 eine Hofmeisterstelle in Göttingen. Nach mehrjährigem Englandaufenthalt nahm er eine Hauslehrerstelle in Hannover an und folgte 1742 einem Ruf an den Braunschweiger Hof. Dort war er Hofprediger und Erzieher des Erbprinzen Karl Wilhelm Ferdinand. Im Jahre 1752 erfolgte die Berufung zum Abt von Riddagshausen.

Verheiratet war Jerusalem seit 1742 mit Martha Christina, née Pfeiffer, verwitwete Albrecht. Von den fünf Kindern gelangte sein Sohn Karl Wilhelm zu trauriger Berühmtheit, dessen tragischer Tod im Jahre 1772 Johann Wolfgang von Goethe, der den jungen Jerusalem während seines Studiums in Leipzig kennengelernt und in Wetzlar wiedergetroffen hatte, als Vorlage zu seinem Erfolgsroman Die Leiden des jungen Werthers diente. Karl Wilhelm hatte sich - verstrickt in eine hoffnungslose Liebe zu der Frau eines anderen.- in einem Anfall von Schwermütigkeit selbst getötet.

Bild: Rilegator (08/2011) Wikipedia.de

Abt-Jerusalem-Monument im Schloßgarten Vechelde cc_somerightsreserved

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Bilder: Rabanus Flavus (05/2011) Wikipedia.de

Braunschweig OT Riddagshausen, Klosterkirche

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Friedrich Myconius eigentl. Friedrich Mecum

Deutscher Theologe; besuchte zunächst sechs Jahre die Stadtschule in Lichtenfels, bevor ihn seine Eltern im Alter von 12 Jahren 1503 auf die Lateinschule in Annaberg schickten. Als Johann Tetzel 1508 auch dort seine Ablaßzettel verkaufte, forderte Myconius ihn auf, dies kostenlos zu tun. 1510 trat er in das Franziskanerkloster ein. 1516 wurde er in Weimar zum Priester geweiht. Auf Martin Luther traf er erstmals, als dieser auf seiner Reise nach Augsburg zum Kardinal Cajetan im Kloster zu Weimar übernachtet; allerdings war es ihm nicht gestattet, mit Luther zu sprechen. Nachdem Myconius, dem Zweifel an der geltenden Lehre gekommen waren und er von Luthers Ideen begeistert war, der Ketzerei verdächtigt und überwacht wurde und .immer wieder in verschiedene Klöster versetzt worden war, schickte man ihn 1522 nach Eisenach und von dort nach Leipzig; Anschließend wurde er als Gefangener des lutherfeindlichen Herzogs Georg 1524 nach Annaberg gebracht. Schließlich floh Myconius unter den Schutz des Kurfürsten Johann Friedrichs I. des Großmütigen von Sachsen (*1503, †1554) nach Zwickau, wo seine Predigten einen großen Zulauf erfuhren. Ab 1524 verwaltete er das Pfarramt in Gotha. Dort trat er dem Bauernaufstand entgegen, der sich in den sächsischen Landen regte, und insbesondere Thomas Müntzer, der das Volk aufstachelte. Luther und Philipp Melanchthon, die auf ihn aufmerksam geworden waren, traten mit ihm schriftlich in Verbindung. 1526/27 begleitete er den Kurfürsten als Prediger nach Köln, Jülich und Kleve, als dieser sich mit Sibylle von Jülich-Kleve-Berg vermählte. 1529 nahm Myconius am Marburger Religionsgespräch, 1536 an der Wittenberger Konkordie und 1537 an der Versammlung in Schmalkalden teil. 1538 reiste er nach England, wo er mit den Theologen Heinrichs VIII. über die Confessio Augustana verhandelte. Bereits ein halbes Jahr später kehrte er nach Sachsen zurück und wirkte an der Einführung der Reformation im Herzogtum Sachsen mit. Außerdem nahm er 1539 an den Verhandlungen in Frankfurt am Main und Nürnberg und 1540 dem Hagenauer Religionsgespräch teil. Seit 1539 durch einem Luftröhrenerkrankung leidend,das seine Stimme beeinträchtigte, mußte er das Predigen aufgeben.

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Gotha, Augustinerkirche

Hinweis: Myconius war urspr. in der Kirche des Alten Friedhofs beigesetzt worden. Nach der Auflassung des Friedhofs im Jahre 1874 wurde der Epithaph in die augustinerkirche verbracht.

Bild: Wolfgang Kuhoff (02/2011) Wikipedia.de
Bild: Jastrow (2006) Wikipedia.de
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Klemens VIII. Ippolito Aldobrandini

                                    

Papst (1592-1605); aus einer einflußreichen florentinischen Kaufmannsfamilie stammend, die als Gegner der Medicis sich deren Einfluß entzog, indem sie nach Rom übergesiedelt war; studierte Kirchenrecht in Padua, Perugia und promovierte an der Universität von Bologna, bevor er Jurist der Kurie wurde. 1585 wurde er von Papst Sixtus V. zum Kardinal mit der Titelkirche San Pancrazio ernannt. 1588 war er Legat in Polen, wo er die Wahl von Sigismund III. Wasa zum König von Polen und Großfürst von Litauen erfolgreich unterstützte. Am 30.1.1592 wurde er nach dem Tode Innozenz’ IX. - als letzter Papst der Gegenreformation - zum Pontifex maximus gewählt. Durch die Anerkennung Heinrichs IV. und dessen Absolution im August 1595 gewann er Frankreich zum Verbündeten, was die 30 Jahre währenden religiösen Auseinandersetzungen in Frankreich beendeten. 1597 gelang es ihm mit französischer Unterstützung, das italienische Herzogtum Ferrara, auf das auch Spanien Anspruch erhob, mit dem Kirchenstaat wiederzuvereinigen. Im darauf folgenden Jahr vermittelte er den Frieden von Vervins zwischen Frankreich und Spanien. Seine Amtszeit stand im Zeichen der Bemühungen, die katholische Kirche in ganz Europa wieder aufzubauen.

In den Provinzen des Kirchenstaates bemühte er sich um die Eingrenzung des Banditentums und der Willkürakte von Adeligen und ließ Beatrice Cencimehrere Unruhestifter hinrichten, darunter Troio Savelli, Sproß einer mächtigen römischen Familie. Ebenso lehnte er jegliche Gnadengesuche für Beatrice Cenci (*1577) und ihren jüngenen Bruder Giacomo ab. Die Geschwister hatte gemeinsam ihren Vater, der die junge Beatirice mehrfach mißbraucht haben soll, getötet. Am 11.9.1599 wurden Beatrice und ihre Stiefmutter nahe der Engelsburg enthauptet und der Bruder gevierteilt.1

Innerkirchlich festigte Klemens VIII. die Autorität des Papsttums. Auf dem Konzil von Trient förderte er innerkirchliche Reform, veranlaßte 1592 eine Neuausgabe der Vulgata, der lateinischen Standardbibel, gen. Vulgata Sixto-Clementina, und ließ auch andere liturgische Werke überarbeiten. Klemens wachte aber auch streng über die Erhaltung der reine Lehre, war besorgt über abweichende philosophische und religiöse Entwicklungen; so ließ er 1599 den Müller Menocchio, der behauptet hatte, Gott sei nicht ewig, sondern habe sich aus dem Chaos am Anfang der Zeiten gebildet, auf dem Scheiterhaufen hinrichten. Ein weiterer Fall war der des Philosophen Giordano Bruno, der wegen Ketzerei 1600 ebenfalls verbrannt wurde. Zu einem dunklen Kapitel seines Pontifikats gehört das der Kastraten, jener unglücklichen jungen Männern, die kastriert wurden, um ihre hohe Stimmlage zu erhalten (Mädchen und Frauen durften nicht im kirchlichen Rahmen in Erscheinung treten).

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1 Der casus hat nicht nur die Zeitgenossen sehr bewegt; auch spätere Generationen nahmen sich des Dramas an, u.a. Percy Shelley, The Cenci Drama (1819), Stendhal, Die Cenci,(1829), Juliusz Slowaki, Beatrix Cenci, Tragödie in Versen, Antonin Artaud, Les Cenci ( 1935), Alberto Moravia, Beatrice Cenci, tragedia (1955); außerdem beschäftigen sich mehrere Filme mit ihrem Schicksal. Beatrice Cenci wurde ohne Hinweis unter der Altarstufe der auf dem Gianicolo liegenden Kirche San Pietro in Montorio beigesetzt.

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Rom, S. Maria Maggiore

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Bild: Ulrich Bork (11/2014)

Hinweis: Das untere Bild zeigt den Schrein mit den Reliquien nach der Restaurierung, die aufgrund eines Grundwassereinbruch im Jahr 2011 notwendig geworden war.

Bild: Ulrich Bork (02/2019)
Religion / Kirche VI

Omnibus salutem!