Bild: Bernhard Rosinski (06/2007)

Wolfgang Harich

 

Deutscher Philosoph; arbeitete zunächst als Journalist, u a. für die Weltbühne. 1945 wurde er Mitglied der KPD und von 1946 bis 1956 der SED; Zwischen 1949 und 1956 war er Professor an der Humboldt-Universität in Ostberlin und arbeitete gleichzeitig von 1950 bis 1954 als Lektor beim Aufbau-Verlag, sowie von 1953 bis 1956 als Chefredakteur der Deutschen Zeitschrift für Philosophie, wo er für einen kritischen Marxismus eintrat und sich für die literaturtheoretischen Schriften von György (Georg) Lukács einsetzte. 1957 wurde er wegen “Bildung einer konspirativen staatsfeindlichen Gruppe” zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, jedoch aufgrund einer Amnestie 1964 vorzeitig entlassen. Von 1979 bis 1981 lebte er u.a. in Österreich, Spanien, der Schweiz und in der Bundesrepublik Deutschland, bevor er 1981 nach Ost-Berlin zurückkehrte und kurz vor der “Wende” 1989 durch das Oberste Gericht der DDR rehabilitiert wurde. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands trat er 1994 der PDS bei. Als er sich durch seinen einstigen oppositionellen Mitkämpfer, den Verlagsleiter, Walter Janka (*1914, †1994) mit Vorwürfen konfrontiert sah, die dieser in seinem Buch Schwierigkeiten mit der Wahrheit erhob, schrieb er 1993 die Replik Keine Schwierigkeiten mit der Wahrheit. Gleichzeitig ging er juristisch gegen Janka vor.

Werke u.a.: Zur Kritik der revolutionären Ungeduld (1969), Kommunismus ohne Wachstum? (1975).

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Berlin, Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirchengemeinde

Bilder: Klaus Decker

Francis Bacon

Englischer Philosoph und Staatsmann; der jüngste von fünf Söhnen Sir Nicholas Bacons (*1509, †1579), des Lord Keeper of the Great Seal unter Königin Elisabeth I.. Im Jahr 1607 wurde er zum Generalstaatsanwalt (Solicitor General) ernannt und sechs Jahre später zum Generalfiskal (Attorney General). 1617 wurde er Großsiegelbewahrer und 1618 zum Lordkanzler befördert und Baron Baco von Verulam, 1620/21 Viscount of Saint Albans. 1621 wurde er der Bestechlichkeit bezichtigt. Nachdem er ein Geständnis abgelegt hatte, wurde er zu einer Geld- und Haftstrafe verurteilt, verlor seine öffentlichen Ämter und wurde vom Hof verbannt. Das im Ermessen des Königs stehende Strafmaß betrug jedoch nur vier Tage, wobei die Zahlung der Geldstrafe eingefordert wurde. Bacon starb an einer Lungenentzündung, die er sich zuzog, als er versuchte herauszufinden, ob sich die Haltbarkeit toter Hühnchen durch Ausstopfen mit Schnee verlängern ließe. Ziel seiner philosophischen Bemühungen war die “Instauratio magna”, die große Erneuerung der Philosophie und der Wissenschaften auf der Grundlage “unverfälschter Erfahrung” aufgrund von Beobachtung und Experiment, in der er die einzig sichere Quelle des Wissens sah. Auf der Basis dieser Erkenntnis schuf er u.a. seinen utopischen Roman Nova Atlantis, in dem er einen technisch perfekten Zukunftsstaat schildert.

Werke u.a.: The Advancement of Learning (1605, umgearbeitet als: De dignitate et augmentis scientiarum, 1623, dt. Über die Würde und den Fortgang der Wissenschaften), Cogitata et visa (1612, Novum organon scientiarum, 1620, dt. u.a. als Neues Organ der Wissenschaften), Nova Atlantis (1627, dt. u.a. als Neu-Atlantis); Maxims of the Law (1630).

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Saint Albans, Saint Michael’s Church

Ludwig Josef Johann Wittgenstein

Englischer Philosoph österreichischer Herkunft; das jüngste von acht Kindern eines Großindustriellen studierte nach Privatunterricht in Wien und Besuch einer Oberrealschule in Linz zunächst Ingenieurwesen an der Technischen Hochschule in Berlin und ging 1908 als Student an das College of Technology in Manchester, wo sein Interesse an Mathematik und Logik geweckt wurde und wo er einen Flugzeugmotor entwickelte. 1911 übersiedelte Wittgenstein nach Cambridge, wurde zunächst Gasthörer bei Bertrand Russell (*1872, †1970) und studierte anschließend bei ihm und bei George Edward Moore (*1873, †1958) Philosophie und Psychologie. 1913 unterbrach Wittgenstein, der in diesem Jahr nach dem Tode seines Vaters Karl ein großes Vermögen erbte, das Studium, um im norwegischen Skjolden eigene Arbeiten zur Logik fortzusetzen. 1914 stifte er 100.000 Kronen an Künstler u.a. für Rainer Marie Rilke, Georg Trakl und Oskar Kokoschka. Der Erste Weltkrieg, in dem er Freiwilliger in der Artillerieeinheit war, unterbrach seine Arbeiten. Nach seiner Entlassung aus italienischer Kriegsgefangenschaft - er geriet bei Triest in Gefangenschaft - kehrte er nach Wien zurück, teilte sein Millionenerbe unter seine Geschwister auf, wandte sich von der Philosophie ab und wurde Volksschullehrer an niederösterreichischen Dorfschulen. In den Ferien arbeitete er in einem Kloster als Gärtner und errichtete danach für seine Schwester ein Palais, wobei er sich hauptsächlich um dessen Inneneinrichtung konzentrierte. 1921 erschienen seine Logisch-philosophischen Abhandlungen (1921, Tractatus logico-philosophicus), die er bereits während des Krieges in Form eines philisophischen Tagebuchs begonnen hatte. Diesem einzigen, zu seinen Lebzeiten veröffentlichten Werk, entstammen zwei seiner berühmtesten Sentenzen: “Die Welt ist alles, was der Fall ist” und “Worüber man nicht reden kann, darüber muß man schweigen”. Im Sommer 1925 hielt er sich wieder in Manchester und Cambridge auf und besuchte u.a. den Ökonomen John Maynard Keynes (*1883, †1946) in Sussex. 1929 kehrte er erneut nach Cambridge zurück, um seine unterbrochenen philosophischen Studien fortzuführen und wo sein Tractatus als Dissertation anerkannt wurde. 1936 begann er die Arbeit an den Philosophischen Untersuchungen (1953 postum erschienen). 1939 wurde er am dortigen Trinity College Nachfolger von Moore auf dem Stuhl für Philosophie; im gleichen Jahr wurde er britischer Staatsbürger. 1947 gab er seine Professur auf und wechselte häufig seinen Aufenthaltsort, hielt sich u.a. eineinhalb Jahre in Irland, bei seinen Geschwistern und in Norwegen auf.

Werke u.a. (alle postum veröffentlicht): Bemerkungen über die Grundlagen der Mathematik (1956), Die blauen und braunen Bücher (1958), Tagebücher 1914-1916 (1961).

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Cambridge, Ascension Parish Burial Ground

Bild: Andrew Penman (05/2005)
Bild: Chris Hadley (10/2007)

Moses Maimonides auch Moses ben Maimon und Rambam

 

Jüdischer Philosoph und Arzt; als 1148 die Almohaden (Bekenner der Einheit Gottes) Córdoba eroberten, forderten sie von den Christen und den Juden, daß sie zum Islam konvertierten. Um diesem, seinem Glauben widersprechenden zwangsweisen Religionswechsel zu entgehen, begab sich Maimonides mit seiner Familie ins Exil, 1159 zunächst nach Fès (Marokko), dann 1165 über Palästina nach Ägypten, wo Maimonides zum obersten Rabbiner von Kairo und Leibarzt Saladins, des Sultans von Ägypten und Syrien, ernannt wurde. Der bedeutende Beitrag Maimonides’ war die auf arabisch verfaßte und später ins Hebräische übertragene, aus 14 Bänden bestehende Mischne Thora, die zwischen 1170 und 1180 erschien und eine systematische Darstellung des jüdischen Gesetzes darstellt und ihm den Namen eines “zweiter Moses” einbrachte. Darüber hinaus schrieb er ein Glaubensbekenntnis in 13 Artikeln, das zahlreiche orthodoxe Juden noch heute verwenden. Sein ursprünglich in arabischer Sprache geschriebenes philosophisches Hauptwerk, Führer der Unschlüssigen, an dem Maimonides seit 1176 15 Jahre lang gearbeitet hat, wurde von Samuel Ibn Tibbon noch zu Lebzeiten Maimonides' ins Hebräische übertragen. Maimonides, der als einer der bedeutendsten jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters gilt, hat stark auf die christliche Scholastik eingewirkt, v.a. auf Thomas von Aquin und Albertus Magnus, sowie später auch auf Baruch de Spinoza und Gottfried Wilhelm Leibniz. Von Maimonides stammen auch zahlreiche medizinische Abhandlungen.

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Tiberias (Israel)

Bild: Hoheit (02/2006)
Bild: Michael Feldman (07/2007)
Bild: Eyal (01/2008)

Francesco Graf Algarotti

Italienischer Philosoph und Kunstkritiker; der aus einer wohlhabenden Händlerfamilie entstammende Algarotti studierte in Rom und Bologna Naturwissenschaften und Mathematik und ging im Alter von 20 Jahren nach Paris, wo er u.a. Voltaire kennenlernte, der ihn “le cher cygne de Padoue” (Der liebe Schwan von Padua) nannte. Dort verfaßte er seine Schrift Neutonianismo per le dame (Der Newtonianismus für die Damen), die 1737 in Neapel erschien und in der er in Form eines Salongespräches Isaac Newtons Überlegungen zur Optik quasi polulärwissenschaftlich darstellte - das erste Werk dieser Art für an der Wissenschaft interessierte Damen der Gesellschaft in Europa. 1736 reiste er aus Gründen der Weiterbildung nach London, wo er die durch ihre Briefe und Gedichte berühmte Schriftstellerin Lady Mary Wortley Montagu (*1689, †1762) beeindruckte, und reiste anschließend nach Sankt Petersburg. Auf seiner Rückreise lernte er Friedrich II. den Großen kennen, der ihm den Titel eines Grafen verlieh und dessen Kammerherr er 1747 wurde. Aus gesundheitlichen Gründe kehrte er 1757 nach einem Aufenthalt in Dresden nach Italien zurück. Nach seinem Tod ließ Friedrich II. Algarotti, der u.a. auch Schriften über die Naturlehre, die schönen Künste und zum Militärwesen verfaßte, ein prächtigen Grabmonument errichten. 

Werke u.a.: Saggi sopra le belle arti (Essays über duie Schönen Künste), Lettere sulla Russia.

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Pisa, Campo Santo

Bild: Monika Spatz (2008)

Hugo Albert Emil Hermann Dingler

 

Deutscher Philosoph und Wissenschaftstheoretiker; studierte Mathematik und Physik an den Universitäten Erlangen, Göttingen und München. 1920 wurde er außerordentlicher Professor an der Universität München, 1932 Ordinarius der Philosophie an der Technischen Hochschule Darmstadt. Außerdem lehrte er an der Pädagogischen Hochschule Mainz. Dingler arbeitete besonders über die methodische Grundlegung der exakten Wissenschaft im Sinne des von ihm mitbegründeten Operationalismus.

Werke u.a.: Grundriß der methodischen Philosophie (1949), Aufbau der exakten Fundamentalwissenschaft (posthum herausgegeben 1964).

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Aschaffenburg, Altstadtfriedhof

Bild: Josef Aschenbrenner (08/2008)
Philosophen X

Omnibus salutem!