Walter Ernst Paul Ulbricht

                          1961 Deutsche Post

Deutscher Politiker (SED); der Sohn eines Schneiders erlernte das Tischlerhandwerk, trat 1912 in die SPD ein, nahm vom 1915 bis 1918 am Ersten Weltkrieg teil, wurde 1919 KPD-Mitglied und 1923 in die Parteizentrale gewählt. 1924/25 arbeitete er in Moskau in der Komintern, von 1926 bis 1929 war er Mitglied des sächsischen Landtags, von 1928 bis 1933 des Reichstags; ab 1927 gehörte er dem Zentralkommitee (ZK), ab 1929 auch dem Politbüro der KPD an. Nach der Machtübernahme der Nazis emigrierte Ulbricht 1933 zunächst nach Frankreich, 1938 dann in die UdSSR. Er gewann in dieser Zeit eine programmatisch richtungweisende Funktion in der Exil-KPD, die offiziell von Wilhelm Pieck geführt wurde. Von 1936 bis 1938 nahm er als politischer Kommissar auf republikanischer Seite am Spanischen Bürgerkrieg teil. Nach dem deutschen Angriff auf die UdSSR im Jahre 1941 beteiligte er sich führend an der Gründung des Nationalkomitees Freies Deutschland. In Moskau waren die später unter dem Namen “Gruppe Ulbricht” zusammengefaßten führenden politischen Emigranten im Hotel Lux untergebracht, darunter auch Herbert Wehner. In den 1920er Jahren wohnten dort u.a. Dr. Richard SorgeZhou En-lai und Ho Chi Minh. Ende April 1945 kehrte er als Kopf der “Gruppe Ulbricht” aus Moskau nach Deutschland mit dem Auftrag zurück, die Interessen der UdSSR im besetzten Deutschland zu vertreten. So war er im Übergang von der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) in die Staatlichkeit der Deutschen Demokratischen Republik von 1946 bis 1950 Mitglied des Landtags von Sachsen-Anhalt, 1948/49 Mitglied des Deutschen Volksrates und der Deutschen Wirtschaftskommission. Er bildete die DDR im Sinne der sowjetischen Deutschlandpolitik zu einem kommunistischen Staat nach volksdemokratischem Muster, und er folgte dabei ideologisch und politisch den jeweiligen Wendungen der sowjetischen, von Stalin bestimmten Politik und verhinderte jegliche politischen Reformvorschläge, so 1953 diejenigen der Gruppe um Zaisser und .Herrnstadt und 1958 Schirdewan und Wollweber. Ulbricht, der die Sozialistische Einheitspartei Deutschland (SED) gründete, wurde 1949 Mitglied ihres Politbüros; 1950 übernahm er die Führung der SED, zunächst als Generalsekretär, ab 1953 als Erster Sekretär. Während dieser Zeit fand der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 statt, aus dem er durch die Führung in Moskau gestärkt hervorging. Ab 1955 vertrat er in der Deutschlandpolitik die von Chruschtschow propagierte Zweistaatentheorie. Nach dem Tod des Staatspräsidenten Wilhelm Pieck übernahm er neben seinen Parteiämtern ab 1960 den Vorsitz des neugebildeten Staatsrates und war damit faktisch Staatsoberhaupt. Außerdem hatte er von 1963 bis 1970 die Leitung des Nationalen Verteidigungsrates inne. So war er, nachdem er nach und nach alle Rivalen ausgeschaltet hatte, der einflußreichste Politiker in der DDR, bis Erich Honecker ihn - im Einverständnis von Leonid Breschnew, der den Monopolanspruch der KPdSU gefährdet sah - 1971 stürzte (im Januar 1971 hatte die Mehrheit des SED-Politbüros einen Brief an Breschnew unterschrieben, in dem Ulbrichts Rücktritt gefordert wurde). 1968 hatte Ulbricht zu den schärfsten Kritikern der reformkommunistischen Bestrebungen in der Tschechoslowakei gehört. Ulbrichts Tod im Gästehaus der Regierung am Döllnsee während der in Berlin stattfindenden X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten wurde mit Hinweis auf seinen angeblichen Wunsch, die Feierlichkeiten nicht zu stören, falls er sterben werde, erst nach dem Ende der Spiele öffentlich und angeordnet betrauert.

Verheiratet war Ulbricht seit 1950 mit Lotte née Charlotte Kühn (*1903, †2002), Tochter eines Hilfsarbeiters und einer Heimarbeiterin, die er 1935 in Hotel Lux in Moskau kennengelernt hatte.

 Hotel Lux heute

Ehemaliges Hotel Lux in der Moskauer Uliza Twerskaja 10 (früher Gorki Straße)

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Friedrich Wilhelm Reinhold Pieck

               

Deutscher Politiker (SED); Sohn eines Kutschers nach Abschluß einer Tischlerlehre und der obligatorischen Wanderschaft arbeitete Pieck, der 1895 der SPD beitrat, ab 1896 als Tischler in Bremen. 1905 wurde er als Vertreter der 4. Klasse in die Bremische Bürgerschaft gewählt, der er bis 1910 angehörte, und wurde 1906 hauptamtlich Erster Sekretär der Bremer SPD. Auf der Reichsparteischule der SPD, die er 1907/1908 besuchte, gehörten Rosa Luxemburg und Franz Mehring zu seinen Lehrern. 1910 wurde er Zweiter Sekretär des zentralen Bildungsausschusses der SPD in Berlin. 1917 war Pieck, der während des Ersten Weltkrieges zu den entschiedenen Gegnern des von Wilhelm II. beschworenen sog. Burgfriedens gehörte, Mitbegründer des Spartakusbundes und 1918/1919 der KPD; von 1928 bis 1933 war er Mitglied des Reichstages (MdR). Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 ging er nach Paris ins Exil, anschließend dann in die UdSSR; ab 1935 war er Vorsitzender der KPD und von 1938 bis 1943 Generalsekretär der Komintern, ab 1943 Mitbegründer des Nationalkomitees Freies Deutschland, von 1946 bis 1954 zusammen mit Otto Grotewohl Vorsitzender der SED und von 1949 bis 1960 Präsident der DDR. Nach seinem Tode wurde der Staatsrat der DDR als Nachfolgeorgan des Amtes des Präsidenten geschaffen.

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Ernst Thälmann

                             

Deutscher Politiker (KPD); von Haus aus Transportarbeiter, trat er 1903 der SPD bei, wechselte 1917 von der SPD zur USPD, wurde 1919 Vorsitzender seiner Partei in Hamburg und Abgeordneter der Bürgerschaft. 1920 trat er zur KPD über und übernahm ab 1924 die Leitung des Roten Frontkämpferbundes; von 1925 bis 1933 war er Vorsitzender der KPD und galt als Vertrauensmann Stalins. Mit volkstümlicher Beredsamkeit vertrat “Teddy” (so in Arbeiterkreisen genannt) die politische Linie der KPD, die in der SPD ihren Hauptgegner sah (Sozialfaschismus). Er war von 1924 bis 1933 Mitglied des Reichstags und kandidierte 1925 und 1932 bei den Reichspräsidentenwahlen. Thälmann unterschätzte die von der Nationalsozialistischen Partei ausgehende Gefahr für die Weimarer Republik; nach den Reichstagswahlen 1930, bei denen die Anzahl der Stimmen für die NSDAP von 800.000 (1928) auf 6,5 Millionen geschnellt war, äußerte er: “Wir stellen nüchtern und ernst fest, daß der 14. September 1930 gewissermaßen Hitlers bester Tag gewesen sei, dem keine besseren, sondern nur schlechtere folgen würden”. Statt zusammen mit den Sozialdemokraten eine Front gegen Rechts zu bilden, hielt er sich an die aus Moskau kommende Anweisung, nicht mit diesen nicht zusammenzuarbeiten. Damit war für Hitler der Weg zum 31. Januar 1933 frei. Wenig später - am 3.3.1933 - wurde Thälmann durch die Nationalsozialisten verhaftet und später im Konzentrationslager Buchenwald ermordet.

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Ernst Thälmann bei einer Kundgebung der KPD 1931 in Berlin

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Bild: Martina Schulz

Franz Mehring

Deutscher Politiker und Historiker; stand zunächst Ferdinand Lassalles Allgemeinem deutschen Arbeiterverein nahe, schrieb dann jedoch für nationalliberale Blätter, bis er sich 1890 erneut der Sozialdemokratie zuwandte. Er wurde 1891 Mitglied des linken Flügels der SPD, bekämpfte den Revisionismus Eduard Bernsteins; war ab 1916 führendes Mitglied des Spartakusbundes, später Mitbegründer der USPD. Er untersuchte als erster wissenschaftlich unter marxistischem Ansatz die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung (u.a. Die deutsche Socialdemokratie, 2 Bde., 1897-98).

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Bild: Martina Schulz

Hermann Müller

 hinten rechts neben Friedrich Ebert

Deutscher Politiker (SPD), Reichskanzler; absolvierte eine kaufmännische Lehre in Frankfurt am Main und arbeitete anschließend als Handlungsgehilfe in Frankfurt und Breslau. 1893 trat er der SPD bei. Von 1899 bis 1906 war er dann als Schriftleiter und Redakteur bei der Görlitzer Volkszeitung tätig. Ende des gleichen Jahres 1906 wurde er auf Vorschlag von August Bebel in den Parteivorstand der SPD gewählt und war als solcher zuständig für die Parteipresse zuständig. Von 1916 bis 1918 (sowie von 1920 bis 1931) war Müller Mitglied des Reichstags (MdR). 1919 wurde er gemeinsam mit Otto Wels in das Amt des Parteivorsitzenden gewählt. Von Juni 1919 bis März 1920 war er Außenminister und unterzeichnete in dieser Eigenschaft zusammen mit Verkehrsminister Bell den Versailler Friedensvertrag. Im Anschluß an den Kapp-Putsch wurde er am 27.3.1920 zum Reichskanzler gewählt, bekleidete dieses Amt erneut von 1928 bis 1930 und führte in dieser Zeit eine Regierung der Großen Koalition bestehend aus SPD, Zentrum, Deutscher Demokratische Partei, Deutscher Volkspartei und Bayerischer Volkspartei. Der Zusammenbruch dieser Koalition hatte weitreichende Folgen in Bezug auf die weitere Entwicklung der Weimarer Republik.

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Paul Singer

Deutscher Politiker (SPD), Fabrikant und Verleger; finanzierte 1884 die Gründung des Berliner Volksblatts, aus dem 1891 der Vorwärts als publizistisches Organ der SPD hervorging. Springer war ursprünglich Mitglied der Fortschrittpartei, wandte sich aber dann der Sozialdemokratie zu, in deren Vorstand er 1885 trat; war der geistige Führer der Sozialdemokratie in Berlin.

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Bild: Josef Aschenbrenner (08/2005)
Bild: Martina Schulz
Bilder: Hanns-Eckard Sternberg (03/2011)
Bilder: Hanns-Eckard Sternberg (03/2011)

Alexander Parvus eigentl. Israil Lasarewitsch Helphand [russ. Израиль Лазаревич Гельфанд]

Russischer Revolutionär und Journalist; Sohn eines Handwerkers; wuchs in der ukrainischen Großstadt Odessa auf, wo er im Alter von 16 Jahren erste Kontakte mit revolutionäre Kreisen hatte. 1866 kam er in die Schweiz, wo er u.a. den Revolutionär Georgij Plechanow kennenlernte, der ihn an den Marxismus heranführte. Ab 1887 bis studierte Parvus an der Universität Basel Volkswirtschaft und schloß das Studium 1891 mit der Promotion als Dr. phil. ab. Danach kehrte er zunächst nach Rußland zurück, verließ das Land nach einem Jahr allerdings wieder, nachdem er immer wieder von der zaristischen Geheimpolizei verfolgt worden war. 1888 immatrikulierte er sich an der Universität Basel und begann politische Ökonomie zu studieren, brach das Studium jedoch ab und wandte sich der Politik zu. Er ging nach Deutschland und schloß sich dort der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) an und freundete sich mit Rosa Luxemburg. 1900 trat er in München erstmals mit Lenin zusammen, den er zur Gründung der Zeitschrift Iskra (dt. Der Funke) ermunterte. Die Spaltung der russischen Sozialdemokratie in Bolschewiki und Menschewiki 1903 führte zur Trennung von Lenin, dafür agierte Parvus in der Folgezeit als Mentor Leo Trotzkis. Beide begrüßten den Ausbruch des Krieges gegen das japanische Kaiserreich im Jahre 1904, da sie der Meinung waren, der Russisch-Japanischen Krieg könne der Anlaß für die lang herbeigesehnte Revolution in Rußland bilden. Er reiste 1905 nach Sankt Petersburg und nahm dort gemeinsam mit Trotzki an den revolutionären Ereignissen teil, wurde Anfang des Jahres 1906 aber verhaftet und zeitweise - wie Trotzki und Leo Deutsch auch - in der Peter-und-Paul-Festung inhaftiert; es gelang ihm jedoch die Flucht, und er kehrte nach Deutschland zurück.

Mit Leo Trotzki (m.) und Leo Deutsch (r.) 1906 während der Haft in der Peter-und-Paul-Festung

 Nach der sogenannten Gorki-Affaire1 im Jahre 1907 verließ er Deutschland 1910 und hielt sich die nächsten fünf Jahre in Istanbul auf, betrieb dort u.a. ein einträgliches Waffengeschäft während des Balkankrieges, belieferte die Truppen mit Lebensmitteln und war Geschäftspartner des deutschen Rüstungskonzerns Krupp. Schließlich wurde er politischer Berater der Jungtürken, einer Bewegung zur Modernisierung des Osmanischen Reichs, und wurde 1912 Redakteur bei deren Tageszeitung Turk Yurdu.. Immer wieder beschaffte er Gelder, mit denen er die Revolutionäre in Rußland finanzierte und erteilte subversive Ratschläge, u.a. empfahl er, eine Schwächung Rußlands durch eine Teilung des Landes herbeizuführen, indem die bolschewistische Franktion der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und ethnische Separatisten in den verschiedenen Region des Zarenreiches unterstützt werden sollten. Außerdem war er der Meinung, daß Rußland in einem Krieg mit Deutschland zusammenbrechen würde und damit eine sozialistische Revolution eingeleitet werden könnte. Alexander Parvus war auch ein Vordenker der späteren Wirtschaftspolitik der Türkischen Republik unter Kemal Atatürk und zusammen mit Trotzki der Vater des Konzeptes der Permanenten Revolution. Allgemein bekannt aber wurde Parvus, als er zusammen mit deutschen Regierungsstellen im Jahre 1917 die Reise Lenins im plombierten Eisenbahnwaggon durch das Deutsche Reich nach Rußland organisierte. Parvus lebte nach dem Ende des Ersten Weltkriegs bis zu seinem Tode in Berlin.

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1 Parvus hatte mit Gorki vereinbart, dessen Stück Asyl in Deutschland auf die Bühne zu bringen und die Mehrheit der Einnahmen aus dem Kartenverkauf der russischen Sozialdemokratie zur Verfügung zu stellen (Gorki sollte 25% erhalten). Da Parvus aber trotz der über 500 Vorstellungen nicht zahlte, wurde ihm Diebstahl vorgeworfen und mit Klage gedroht. Rosa Luxemburg gelang es allerdings, Gorki von einer Klage und Veröffentlichung des Vorgangs abzuhalten, das Problem vielmehr innerhalb eines Parteigerichts zu klären und beizulegen. Parvus zahlte schließlich, aber sein Ruf innerhalb der Partei war in Deutschland ramponiert.

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Bilder: Thomas Haas (07/2014)

Dresden-Tolkewitz, Urnenhain

Eduard Heinrich Rudolph David

1907

 

Deutscher Politiker (SPD); Sohn eines preußischen Rentmeisters (Rechnungsrat); besuchte Gymnasien in Gießen und Bielefeld, brach die schulische Ausbildung jedoch noch vor dem Abitur ab und absolvierte in Berlin eine kaufmännische Lehre. Nach dieser Ausbildung holte er das Abitur jedoch in Bielefeld nach, studierte dann in Gießen Germanistik, Geschichte und Philosophie und beendete das Studium mit dem Staatsexamen für das höhere Lehramt. 1891 promovierte er zum Dr.Phil. und wirkte als Oberlehrer am Gymnasium in Gießen. Während dieser Tätigkeit gründete er 189 die sozialistische, vorwiegend agrarreformpolitisch ausgerichtete Mitteldeutsche Sonntagszeitung. 1884 wurde er wegen seiner Mitgliedschaft in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) aus dem Schuldienst entlassen. Ab 1896 war er als Redakteur für die Mainzer Volkszeitung in Mainz tätig, und vVon 1896 bis 1908 war er Abgeordneter für den Wahlbezirk Mainz in der Zweiten Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen und engagierte sich besonders in Schul- und in Haushaltsfragen, die er in ihrer liberaler Kultur besonders prägte. Zugleich war David ab 1903 für den Wahlkreis Mainz-Oppenheim der SPD als Abgeordneter im deutschen Reichstag in Berlin. 1918 wurde er Unterstaatssekretär im Auswärtigen Am, gab diese Amt aber auf, als er 1919 zum 1. Präsident der Weimarer Nationalversammlung gewählt wurd; zugleich war David von 1919 bis 1921 Minister ohne Portefeuille, ab Juni desselben Jahres Innenminister. Von 1921 bis 1927 war David Reichsvertreter in Hessen. Während dieser Zeit lebte er in Darmstadt, wo er auch Politikwissenschaft an der dortigen Technischen Hochschule lehrte.

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Bild: Martin Bahmann (04/2007) Wikipedia.de

Mainz, Hauptfriedhof

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Reinhard Höppner

 

 

Deutscher Politiker (SPD); Sohn eines evangelischen Pfarrers; studierte Mathematik an der TU Dresden. Von 1971 bis 1989 war der promovierte Höppner Lektor und Fachgebietsleiter für Mathematikliteratur im Akademie-Verlag Berlin. Bereits im Dezember 1989 trat er in die neu gegründete SDP der DDR ein und wurde mit der Vereinigung der ost- und westdeutschen Sozialdemokraten Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Von 1994 bis 2002 war Höppner, derv on 1990 bis 2002 Mitglied im Parteivorstand der SPD war, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt Er war außerdem Mitglied des Vorstandes des Forums Ostdeutschland der Sozialdemokratie. Als die SPD bei den Wahlen 2002 fast 16 Prozentpunkte verlor, trat von seinen Ämtern zurück, blieb aber bis zu den Wahlen 2006 Mitglied des Landtages und widmete sich zuletzt vorwiegend seinen publizistischen und kirchlichen Aufgaben; so war er 2007 Präsident des Evangelischen Kirchentages

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Bild: Thomas Haas (08/2014)

Magdeburg, Westfriedhof

Kurt Alois Josef Johann Edler von Schuschnigg (von 1898-1919)

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Österreichischer Politiker, Bundeskanzler; einer altösterreichischen Offiziersfamilie entstammend, die 1898 in den Adelsstand erhoben worden war; studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Freiburg im Breisgau und Innsbruck und ließ sich 1924 dort als Rechtsanwalt nieder. 1927 wurde er Abgeordneter der Christlichsoziale Partei und saß bis 1933 für die Partei im Nationalrat. Von 1932 bis 1934 war Schuschnigg Justiz- und Unterrichtsminister unter Bundeskanzler Engelbert Dollfuß, wurde nach dessen Ermordung im Jahre 1934 Bundeskanzler und amtierte zugleich bis 1936 als Unterrichtsminister, bis 1938 als Verteidigungs- und von 1936 bis 1938 als Außenminister. Innenpolitisch hielt er an der autoritären Ständeverfassung seines Vorgängers fest; außenpolitisch suchte Schuschnigg die Unabhängigkeit Österreichs gegenüber dem nationalsozialistischen Deutschland zu bewahren und suchte daher eine Annäherung an das faschistische Italien Mussolinis. 1936 übernahm er die Führung der Vaterländischen Front, die u a. die Unabhängigkeit Österreichs zum Ziel hatte. Als sich das Deutsche Reich unter Hitler und das faschistische Italien annäherten, schloß Schuschnigg als Reaktion auf diese Entwicklung mit der Reichsregierung im Juli 1936 einen Vertrag, der zwar einerseits die gegenseitige Nichteinmischung garantierte, andererseits Österreich zu einer ”deutschen" Außenpolitik verpflichtete. Diese Entwicklung mündete mit einem an 12.2.1938 mit Hitler geschlossenen Vertrag de facto in eine vom Reich völlig abhängige Politik. Eine für den 13.3.1938 vorgesehene Volksabstimmung über den Erhalt der Eigenstaatlichkeit Österreichs sagte er ab und trat am 11.  März zurück. Am folgenden Tag marschierten Truppenkontingente der deutsche Wehrmacht in Österreich ein und Schuschniggs Nachfolger als Bunderskanzler, Arthur Seyß-Inquart (*1892, †1946), vollzog den “Anschluß" Österreichs an das Deutsche Reich, den viele Österreicher seinerzeit begrüßten. Schuschnigg, der verhaftet und in eine Gefängnis gebracht worden war, saß von 1941 bis 1945 in verschiedenen Konzentrationslager, zuletzt im KZ Sachsenhausen. 1945 emigrierte er in die Vereinigten Staaten, wo er von 1948 bis 1967 als Professor für Staatsrecht an der Universität von Saint Louis, Missouri, lehrte. 1968 kehrte Schuschnigg aus den Vereinigten Staaten zurück und verbrachte seine letzten Jahre in Mutters.

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Bilder: Ewald Krismer (11/2010)

Mutters (Tirol), An der Pfarrkirche zum Heiligen Nikolaus

Bilder: Hajo Rackel (01/2017)

Berlin, Zentralfriedhof Friedrichsfelde (Gedenkstätte der Sozialisten)

Berlin, Zentralfriedhof Friedrichsfelde (Gedenkstätte der Sozialisten)

Berlin, Zentralfriedhof Friedrichsfelde (Gedenkstätte der Sozialisten)

Berlin, Zentralfriedhof Friedrichsfelde (Gedenkstätte der Sozialisten)

Berlin, Zentralfriedhof Friedrichsfelde (Gedenkstätte der Sozialisten)

Berlin, Zentralfriedhof Friedrichsfelde (Gedenkstätte der Sozialisten)

Politiker XII

Omnibus salutem!