Bild: Hanns-Eckard Sternberg (2005)

Berlin-Weißensee, Jüdischer Friedhof

Max Hirsch

Deutscher Politiker und Verlagsbuchhändler; wurde 1864 Mitglied des ständigen Ausschusses der deutschen Arbeiterbildungsvereine. 1868 gründete er mit F.C. Duncker und Hermann Schulze-Delitzsch die linksliberalen Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine nach englischen Vorbild; von 1869 bis 1893 war er Mitglied des Reichstags (Deutsche Fortschrittspartei, später Freisinnige Partei). Später war er Kaufmann in Magdeburg.

Werke u.a.: Die hauptsächlichen Streitfragen der Arbeiterbewegung (1886).

Inschrift: Sein Leben galt der Arbeit für das Volk und sein deutsches Vaterland.

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Hermann Schulze-Delitzsch

Deutscher Sozialpolitiker; der Sohn des Bürgermeisters von Delitzsch studierte in Leipzig und Halle (Saale) Jurisprudenz. 1848 wurde er als Abgeordneter seine Kreises in den Reichstag gewählt und nahm ab jetzt den Doppelnamen an. Nachdem er sich aus dem Staatsdienst zurückgezogen hatte, gründete er 1849 eine Schumachergenossenschaft und legte damit den Grundstein für die neue Rechtsform der “Genossenschaft”, die auf Selbsthilfe basierte. Aufbauend auf Frédéric Bastiat (*1801, †1850) und Jean Baptiste Say (*1767, †1832) forderte er im Interesse des sozialen Friedens eine Interessenharmonie zwischen Kapital und Arbeit und befürwortete das Genossenschaftsprinzip als Korrektiv zum Konkurrenzkapitalismus. Im Gegensatz zu Ferdinand Lassalle und Friedrich Wilhelm Raiffeisen lehnte er Hilfen des Staates ab. 1859 schloß er die ihm nahestehenden Genossenschaften zum Allgemeinen Verband der deutschen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften zusammen. Als er 1859 in das preußische Abgeordnetenhaus gewählt wurde, zog er mit seiner Familie nach Potsdam und setzte dort das Genossenschaftsgesetzes in Preußen und im Norddeutschen Bund durch. Im Jahre 1871 wurde er in den Deutschen Reichstag gewählt - ein Amt, das er bis zu seinem Tode behielt.

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Bilder: Günter Strack (2005)

Potsdam, Alter Friedhof

Franz Duncker

 

Deutscher Politiker und Buchhändler; Sohn Carl Friedrich Wilhelm Dunckers (*1786, †1869); Gründer des Berliner Verlages Duncker & Humblot und Besitzer der Volkszeitung sowie zusammen mit Max Hirsch der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine; Mitbegründer der Deutschen Fortschrittspartei sowie Mitglied des Preußischen Landtags und des Deutschen Reichstags bis 1877.

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Bild: Hanns-Eckard Sternberg (2005)

Magnesia am Mäander (heutige Türkei)

Rudi Arndt

 

Deutscher Politiker (SPD); studierte Staatswissenschaften in Frankfurt am Main, war danach Referent im hessischen Innenministerium, wurde 1952 Stadtverordneter und 1956 Landtagsabgeordneter, 1961 Fraktionsvorsitzender und 1964 hessischer Wirtschafts- und Verkehrsminister. Nach seiner Tätigkeit als Finanzminister des Landes Hessen von 1970 bis 1971 lenkte er von 1971 bis 1977 als Oberbürgermeister die Geschicke der Stadt Frankfurt am Main; als solcher erhielt er den Spitznamen “Dynamit-Rudi”, da er vorschlug, das im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstörte und bis auf die Außenmauern ausgebrannte Opernhaus abzureißen. Von 1979 bis 1986 war Arndt Mitglied des Europaparlaments. Er starb während einer Schiffsreise auf dem Dnjepr.

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Frankfurt am Main, Hauptfriedhof

Heinrich Lübke

 

Deutscher Politiker (CDU), Bundespräsident von 1959 bis 1969; siebtes von acht Kindern eines Schuhmachers; begann ein Studium der Geodäsie, Landwirtschaft und Kulturbautechnik an der Landwirtschaftlichen Akademie in Bonn, das er bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrach, um sich als Kriegsfreiwilliger zum Militär zu melden. Gegen Ende des Krieges wurde Lübke, der sowohl mit dem EK II. Als auch dem EK I. ausgezeichnet worden war, in das Große Hauptquartier der Obersten Heeresleitung versetzt. Nach dem Ende des Krieges setzte er sein Studium fort, das er 1921 mit dem Examen als Vermessungs- und Kulturingenieu abschloß. Anschließend studierte er bis 1924 Nationalökonomie in Münster und Berlin. Nach verschiedenen Ämtern wurde er 1927 Geschäftsführer der Siedlungsgesellschaft Bauernland AG. Von 1932 bis 1933 saß er Lübke für die Deutsche Zentrumspartei im Preußischen Landtag. Im Dritten Reich wurde er mehrmals verhaftet. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges trat er 1945 der Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) bei und war von 1953 bis 1959 Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. In seiner Eigenschaft als Bundespräsident förderte er den Gedanken einer großen Koalition und setzte sich für die Beibehaltung des Gedanken an die deutsche Einheit ein; außenpolitisch förderte er die Entwicklungshilfe und bemühte sich um einen Ausgleich mit dem Nachbarn Frankreich.

Am 1. Juli 1959 wurde Lübke im zweiten Wahlgang Nachfolger von Theodor Heuss als Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland - gegen seine Mitbewerber Carlo Schmid (SPD) und Max Becker (FDP) - gewählt. Seine Mitbewerbe Er setzte sich im zweiten Wahlgang gegen Carlo Schmid von der SPD und Max Becker von der damals in der Opposition stehenden FDP durch. Am 1. Juli 1964 wurde er von der 4. Bundesversammlung wiedergewählt. 1966 berichtete die Zeitschrift konkret ebenso wie DDR-Medien über Lübke als “KZ-Baumeister“, so daß Lübke sich schließlich veranlaßt sah, zu diesen Vorwürfen im Fernsehen Stellung zu beziehen. Später stellte sich heraus, daß es sich bei diesem Vorwurf um eine vom Ministerium für Staatsicherheit (MfS) gezielte Diffamierung handelte. Am 30. Juni 1969 trat Lübke vorzeitig von seinem Amt zurück.

Verheiratet war Heinrich Lübke seit 1929 mit Wilhelmine, née Keuthen.

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Enkhausen

Bilder: Dieter Georg (05/2006)

Hinweis: Die sterblichen Überreste Themistokles' sollen auf seinen Wunsch hin nach Attika überführt und dort - da er in Griechenland als Verräter galt - heimlich beigesetzt worden sein (Thukydides, Der Peloponnesische Krieg). Der im 1. Jahrhundert vor Christus lebende Kosmograph Diodor berichtet in seinem Werk Bibliotheke historike, daß “in der Nähe des Hafens von Piräus, dort wo das Land vom Vorgebirges des Alkimus wie ein Ellbogen ausläuft und das Meer stets ruhig ist, sich ein großer Felsvorsprung befindet, auf dem sich das Grab des Themistokles in Form eines Altars befindet”. Allerdings sollen die Bürger von Magnesia, die ihn als oikistes (Gründer) der kleinasiatischen Stadt verehrten, für ihn auf dem Marktplatz ein prächtiges Grabmal errichtet haben. Plutarch (~45, †~125) (Plutarch, Bioi paralleloi, Themistokles II) berichtet, in Athen einen direkten Nachkommen des Themistokles gesprochen zu haben, den er anläßlich eines gemeinsamen Philosophiestudiums bei Ammonios kennengelernt hatte. Dieser erzählte ihm, er bezöge aus dem dortigen ehemaligen Anwesen des Themistokles noch Einnahmen.

Themistokles

                   Münze mit dem Bildnis des Themistokles

Athenischer Staatsmann und Feldherr; der Familie der Lykomiden entstammend; Sohn des Neoklos. Als junger Mann führte er einen freizügigen Lebenswandel und verschwendete das Familienvermögen, so daß er von seinen Eltern enterbt wurde. Diese Enterbung brachte ihn jedoch zur Besinnung. so daß er sich dem Gemeinwesen widmete und häufig die Volksversammlung besuchte1. 493/492 setzte er als Archont den Ausbau des Athen vorgelagerten Hafens Piräus zum Kriegshafen durch und erreichte nach der Verbannung seines Widersachers Aristeides (482) den Bau einer griechischen Flotte, um sich der Bedrohung durch die Perser unter Xerxes I. zur Wehr setzen zu können; die dafür notwenigen, erheblichen finanziellen Mitteln konnten durch einen neuen Silberfund in den Silberminen von Laureion aufgebracht werden (der Bau dieser Flotte kennzeichnet zugleich auch eine Verschärfung des Dualismus zwischen Athen und Sparta, nachdem erstmals eine den Hopliten ebenbürtige Streitmacht geschaffen war). Als Führer der überwiegend aus athenischen Schiffen bestehenden Flotte (das delphische Orakel hatte auf wiederholtes Befragen geraten, sich hinter “hölzernen Mauern” zu verteidigen, die er als die Schiffe deutet) siegte er in einer sehr kritischen Situation, nachdem im Juli 480 der Versuch des Spartaners Leonidas, die von Norden eindringenden Perser bei den südlich des Olymps liegenden Thermopylen aufzuhalten, gescheitert war und auch gleichzeitig die Begegnungen der beiden Flotten bei Kap Artemision keine Entlastung für die Bedrohung Griechenland brachte, 480 bei der Insel Salamis über die Perser. Vor dieser bedeutenden Schlacht hatte Themistokles einen Brief an Xerxes gesandt, der diesem den Eindruck eines Verrates vermittelte und den König bestimmt hatte, die Schlacht anzunehmen. Nach der Schlacht erhielt Xerxes von ihm einen zweiten Brief, der ihn vor der angeblichen Absicht der Griechen warnten, sie seien im Begriff die von den Persern über den Hellespont geschlagene Brücke zu zerstören. Da damit die Nachschub der Perser, die nun nicht mehr über eine nennenswerte Flotte verfügten, zumindest gestört , und außerdem der Rückzug gefährdet würde, zog Xerxes seine Truppen eiligst aus Griechenland zurück. In der Erkenntnis, daß die Bedrohung durch die Perser auch dieostrakismos_themistokles2 Zukunft bestimmen könnte, und außerdem als Schutz vor möglichen zukünftigen innergriechischen Auseinandersetzungen ließ er Athen mit einer Mauer umgeben - sehr zum Mißvergnügen der Spartaner, die schon durch den Bau der Flotte die Machtverhältnisse in Griechenland gestört sahen. Ausgelöst durch seinen Hochmut und seine Habgier wurde Themistokles 471 wegen angeblichem Medismos (Perserfreundlickeit) ostrakismiert und verbannt. Da er in Griechenland selber für sich keine Sicherheit sah, bat er schließlich den persischen König Artaxerxes I. um Asyl. Dieser nahm ihn nicht nur freundlich auf, sondern wies ihm drei Städte in der Satrapie Karien zu: Magnesia am Mäander, Lampsagos und Myous. Themistokles’ Initiative und Entschlossenheit ist es zu verdanken, daß Griechenland nicht zu einer der Satrapien Persiens wurde und sich Europa auf der Basis der griechisch-römischer Kultur entwickeln konnte.

Themistokles, der aus zwei Ehen zehn Kinder hatte, von denen nur die Töchter Nikomache und Mnesiptolema überlebten, hatte schon vor seinem Tode Sorge dafür getragen, daß seine Nachkommen auch weiterhin Einfluß über Magnesia behielten. Seine Tochter Mnesiptolema setzte er als Priesterin in dem von ihm errichteten Tempel der phrygischen Göttin Kybele ein.

Ostrakismoi des Themistokles (links u. oben)

 

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1 Eius cultus vitae parentibus minus erat probatus, quod et liberus vivebat et rem familiarem neglegebat.hemistocles a patre exheredatus est.

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Anton Valentin Storch

 

Deutscher Politiker (CDU); erlernte das Tischlerhandwerk und arbeitete nach der Lehre bis 1920 als Tischlergeselle - unterbrochen nur durch seine Teilnahme am Ersten Weltkrieg. Bis 1933 war er Christlicher Gewerkschafter und Mitglied der Zentrum-Partei. Nach der “Machtübernahme” durch die Nationalsozialisten arbeitete er als Versicherungsvertreter. 1945 war Storch Mitgründer der Allgemeinen Gewerkschaft und der Christlich Demokratischen Union (CDU) in Hannover und bis zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland von 1948 bis 1949 Direktor der Verwaltung für Arbeit im Vereinigten Wirtschaftsgebiet. Anschließend gehörte er bis 1957 als Bundesminister für Arbeit den beiden ersten Regierungen Konrad Adenauers an. Storch gilt als "Vater der dynamische Rente", d.h. die Entwicklung der Renten wurden derjenigen der Bruttolöhne angepaßt. Nach seinem Ausscheiden aus der Regierungsverantwortung gehörte Storch, der von der Gründung der Bundesrepublik bis 1965 Mitglied des Deutschen Bundestages war, bis 1965 Mitglied des Europäischen Parlaments.

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Fulda, Friedhof Frauenberg

Berlin, Friedhof I der Jerusalems- und Neuen Kirchengemeinden

Bilder: Susanne Münstermann (05/2016)
Bild: Matthias Bauer
Politiker XX

Omnibus salutem!