Bilder: Dieter Müller (08/2006)

Julius Leber

 

Deutscher Politiker (SPD); nach Mittlerer Reife und Absolvierung einer kaufmännischen Ausbildung besuchte er ab 1910 in Freiburg im Breisgau die Oberrealschule und verfaßte zur Finanzierung seiner Ausbildung nebenbei Artikel für Zeitungen und erteilte Nachhilfeunterricht. 1913 studierte er in Straßburg und an der Universität Freiburg Nationalökonomie und Geschichte und trat in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) ein. Bei Kriegsausbruch 1914 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst in der Reichswehr, wurde zum Leutnant befördert und stand mit seiner Einheit gegen Kriegsende nach dem Friedensvertrag von Bresk-Litows mit Rußland an der Ostfront bei den Grenzschutztruppen. Mit dieser Einheit stellte er sich 1920 beim Kapp Putsch auf die Seite der jungen Demokratie. Nach seinem Ausscheiden aus der Reichswehr schloß er mit einer Promotion zum Dr. rer. pol. sein Studium in Freiburg ab. Von 1924 bis 1933 war er für die SPD Mitglied des Reichstags. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde er 1933 im KZ Sachsenhausen inhaftiert (bis 1937). Nach seiner Entlassung nahm er Kontakt zum Widerstand auf, kam in engen Kontakt zum Kreisauer Kreis um Helmuth James Graf von Moltke, lernte Claus Graf Schenk von Stauffenberg kennen und beteiligte sich an den Vorbereitungen zum Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944. Schon vor dem erfolglosen Attentat wurde er am 4.7.1944 von der Gestapo verhaftet und am 20.10. vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt; das Urteil wurde in der Haftanstalt in Berlin-Plötzensee vollstreckt.

Zurück zur Personenliste           

Berlin, Waldfriedhof, Potsdamer Chaussee

Bernhard Heinrich Martin Karl von Bülow (Graf seit 1899, Fürst seit 1905)

            

Deutscher Politiker; machte, 1874 in den diplomatischen Dienst getreten, eine rasche Karriere. Im Oktober 1897 wurde er zum Staatssekretär des Auswärtigen berufen, am 17.10.1900 wurde er Nachfolger Clodwig Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürsts Reichskanzler. Beide Ämter verdankte er Philipp Graf zu Eulenburg, der sich für ihn bei Kaiser Wilhelm II. verwandte. Trotz fehlender parlamentarischer Mehrheit gelang es Bülow, seine Ziele mit einer “Politik der mittleren Linie” durch jeweils wechselnde regierungsfähige Mehrheit durchzusetzen. Außenpolitisch versicherte er sich der Unterstützung Friedrich von Holstein, der “grauen Emminenz”. So waren er und sein Berater gemeinsam der Meinung, daß ein Krieg zwischen Großbritannien und Rußland letztlich unvermeidbar sei.

mit Gattin 1905 auf Norderney

Deutschland könne sich daher eine Politik der freien Hand erlauben und den die Interessen Großbritanniens zuwiderlaufenden Auf- und Ausbau der deutsche Hochseeflotte fortsetzen. Hiermit und dem uneingeschränkten treuen Zusammenstehen mit der k.u.k. Monarchie (“Nibelungentreue”) geriet das Deutsche Reich in zunehmende Isolierung im Vorkriegseuropa, die u.a. zu einem Scheitern der deutsch-britischen Bündnisgespräche (1898 sowie 1900/01), britisch-französische Entente (1904), Erste Marokkokrise (1905/06), britisch-russische Entente (1907) sowie die bosnische Annexionskrise (1908/09) und letztlich in den Ersten Weltkrieg führte. Innenpolitisch vermochte er die tiefen Gräben zwischen den Konservativen, dem Zentrum und der wachsenden Sozialdemokratie nicht zu überbrücken. Seine Stellung zum Kaiser wurde durch die Daily-Telegraph-Affäre erschüttert, da er den fraglichen Text eines Interviews, das sich auf die Beziehung Wilhelms II. zu Großbritannien bezog, ungelesen weitergegeben hatte. Nachdem zudem der sogenannte Bülow-Block wegen Wahlrechtsfragen im Reichstag zerfiel, mußte von Bülow schließlich im Juni 1909 seinen Abschied nehmen. Im Winter 1914/15 ging er als Sonderbotschafter nach Rom, wo er vergeblich versuchte, Italien vom Kriegseintritt abzuhalten.

Zurück zur Personenliste           

Hamburg-Nienstedten, Friedhof

Bilder: Matthias Bauer (08/2006)

Hilde Benjamin

 

Deutsche Politikerin (SED) und Juristin; die Schwägerin des Philosophen Walter Benjamin, deren Mann wurde im KZ ermordet wurde, machte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges rasch Karriere im Justizapparat der DDR. Von 1949 bis 1953 Vizepräsidentin des Obersten Gerichts der DDR, fällte sie in Schauprozessen Urteile von großer Härte gegen tatsächliche oder vermeintliche Gegner des Sozialismus, was ihr im Volksmund den Beinamen "blutige Hilde" oder "rote Guillotine" einbrachte. Nach dem Volksaufstand in der DDR im Jahre 1953 wurde sie Justizministerin (bis 1967) und zeichnete verantwortlich für die Neuordnung des Strafrechts der DDR im stalinistischen Sinn, setzte aber auch ein modernes Familienrecht durch, das u.a. die Gleichberechtigung von Mann und Frau förderte und uneheliche Kinder ehelichen rechtlich gleichstellte. Ihr äußerst hartes Vorgehen – selbst der Parteiführung suspekt – führte schließlich dazu, daß man ihr nahelegte, aus gesundheitlichen Gründen von ihren Ämtern zurückzutreten.

Zurück zur Personenliste           

Michael Kohl

 

Deutscher Politiker (SED) und Diplomat; Staatssekretär der DDR; studierte von 1948 bis 1952 Rechtswissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und war danach bis 1961 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Völkerrecht. Er wurde 1948 Parteimitglied der SED und war von 1958 bis 1963 Abgeordneter des Bezirkstages Gera; zugleich war er ab 1961 Mitarbeiter des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten, zunächst als Abteilungsleiter, ab 1968 dann als Staatssekretär für westdeutsche Fragen, sowie von 1965 bis 1968 Staatssekretär beim Ministerrat für Westberlin-Fragen. 1965 führte er die Gespräche über die Passierscheinabkommen und 1970 die Verhandlungen zum Transitabkommen, zum Verkehrs- und Grundlagenvertrag zwischen der DDR und der BRD. 1971 wurde er Mitglied der Außenpolitischen Kommission und der Westkommission beim Politbüro des Zentralkomitees (ZK) der SED; ab 1976 war er Kandidat des ZK der SED. Im November 1973 wurde er zum Bevollmächtigten Botschafter und von 1974 bis 1978 Leiter der Ständigen Vertretung der DDR in der Bundesrepublik Deutschland ernannt. Schließlich war er stellvertretender Minister für Auswärtige Angelegenheiten.

Auszeichnungen u.a.: Vaterländischen Verdienstorden (1972).

Zurück zur Personenliste           

Bild: Wolfgang Prokosch (09/2006)
Bild: Wolfgang Prokosch (09/2006)
Bilder: KN (13.09.2006)

Wiesbaden-Biebrich, Friedhof

Joachim von Ribbentrop (seit 1925)

Deutscher Politiker; der Sohn eines Offiziers war nach freiwilligem Dienst in der Armee von 1914 bis 1919 zunächst Kaufmann und leitete ab 1920 die Berliner Vertretung des Hauses Henkell, nachdem er am 5.7.1920 mit Anna Elisabeth (Annelies) Henkell (*1896, †1973), der Tochter des Sektfabrikanten Otto Henkell in Wiesbaden geheiratet hatte. 1932 trat er in die NSDAP ein, im Jahr darauf in die SS; bei der Vorbereitung des Kabinetts der “nationalen Konzentration” fungierte er als Verbindungsmann zwischen den konservativen Gruppen um Franz von Papen und den Nationalsozialisten um Hermann Göring und Heinrich Himmler. Nach der “Machtergreifung” im Januar 1933 war Ribbentrop zunächst wichtigster außenpolitischer Berater Hitlers, als Leiter der “Dienststelle Ribbentrop”, einer der miteinander konkurrierenden außenpolitischen Institutionen des nationalsozialistischen Staates. Gestützt auf Hitlers Vertrauen und die Zusammenarbeit mit Himmler, wurde er im April 1934 Sonderbeauftragter der Reichsregierung für Abrüstungsfragen, führte 1935 die Verhandlungen über das Deutsch-Britische Flottenabkommen. Ab August 1936 war er als Botschafter in Großbritannien beauftragt, ein deutsch-britisches Bündnis abzuschließen. Er, der zunächst von der Realisierbarkeit eines Bündnisses überzeugt war, wandelte sich zum strikten Gegner Großbritanniens, weil er die Unvereinbarkeit von nationalsozialistischer und britischer Politik erkannt zu haben glaubte. Nach der “Blomberg-Fritsch-Krise” wurde Ribbentrop am 4.2.1938 in das Amt des Außenminister berufen, das er bis April 1945 innehatte. Ehrgeizig, zugleich Hitler bis zum Schluß treu ergeben und ohne wirklich eigene Konzeption, war Ribbentrop oft in vorauseilendem Gehorsam und an wilhelminisch-imperialistische Zielvorstellungen anknüpfend bestrebt, die programmatischen und weltanschaulich begründeten außenpolitischen Vorgaben beziehungsweise Erwartungen seines “Führers” (Nationalsozialismus) v.a. durch propagandistisch hoch bewertete Bündnisse umzusetzen (besonders Antikominternpakt 1936, Stahlpakt 1939); als sein größter Erfolg galt der Abschluß des Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspaktes (Hitler-Stalin-Pakt vom 23.8.1939) und des Grenz- und Freundschaftsvertrages mit der UdSSR (28.9.1939). Nach Kriegsausbruch am 1.9.1939, den er wesentlich mit herbeigeführt hatte, verlor er zunehmend an Einfluß. Trotz innerer Abneigung war Ribbentrop maßgeblich an der Umsetzung der Pläne zur “Endlösung der Judenfrage” , dem Holocaust, beteiligt. Am 14.6.1945 wurde er verhaftet und im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozeß am 1.10.1946 zum Tod verurteilt.

Erinnerungen: Zwischen London u. Moskau. Erinnerungen u. letzte Aufzeichnungen, hg.v. A.v.Ribbentrop (1953).

Zurück zur Personenliste           

Bild: P. Robert Jauch (OFM) 2006

Carlo Cattaneo

1887

Italienischer Politiker, Philosoph und patriotischer Schriftsteller; studierte an der Universität von Pavia und war Lehrer in Mailand. Zugleich begann er in den frühen 1830er Jahren regelmäßig für die Zeitschrift Annali universali di statistica Artikel zu schreiben und gründete 1839 eine eigene Zeitschrift, Il Politecnico, die sich zu einem Meilenstein in der lombardischen Kulturszene entwickelte. Cattaneo war überzeugt, daß die habsburgische Herrschaft über Norditalien die ökonomische und soziale Entwicklung der Region behindere. Mit diesen Ansichten geriet er nach und nach in den Kreis der Milanesen, die Änderungen in der offiziellen Politik forderten. Obwohl vom österreichischen Vizegouverneur unter dem wachsenden Drucks der Freiheitsbestrebungen Italiens einige Zugeständnisse gemacht worden waren, wurden diese von dem Oberbefehlshaber in der Lombardei, Feldmarschall Josef Radetzky, sofort wieder aufgehoben. Da Cattaneo den Glauben an durchgreifende Reformen seitens der Österreicher verloren hatte, initiierten er und seine Mitstreiter die “Cique giorni di Milano” (Fünf Tage von Mailand) und wurde Anführer eines revolutionären Kriegsrats. Seine republikanisch-demokratische Einstellung brachten ihn allerdings in Gegensatz zu den Angehörigen der Mailänder Oberklasse, die König Karl Albert von Savoy um militärische Unterstützung gebeten hatte. Nach einer Serie von Volksbewegungen wurde am 9.2.1849 die Secondo Republica Romana unter Führung von Giuseppe Mazzini, Aurelio Saffi und Carlo Cattaneo proklamiert. Als im August 1849 Mailand erneut von österreichischen Truppen besetzt wurde, flohen er und seine Frau in die Schweiz. In Castagnola in der Nähe von Lugano schloß er Freundschaft mit Stefano Franscini, einem einflußreichen Tessiner Politiker, arbeitete wieder als Lehrer und nahm an dem politischen Leben des Kantons teil. Obwohl Cattaneo mehrmals zum Abgeordneten im vereinten Italien gewählt wurde, kehrte er nicht dauerhaft dorthin zurück, da er nicht gezwungen werden wollte, gegenüber dem Hause Savoyen, dem er tief mißtraute, den Treueeid zu abzulegen.

Zurück zur Personenliste          

Mailand, Cimitero Monumentale

Ralph Johnson Bunche

US-amerikanischer Diplomat und Bürgerrechtler; Sohn eines Friseurs; nach der High School studierte er an der University of California in Los Angeles mit Hilfe eines Sport-Stipendium. 1927 schloß er sein Studium ab und promovierte 1934 in Harvard in Politikwissenschaften. Von 1938 bis 1940 arbeitete er zusammen mit dem schwedischen Soziologen Gunnar Myrdal an einer Studie über Amerikaner afrikanischer Herkunft; diese Arbeit wurde Grundlage des Buches An American Dilemma: The Negro Problem and American Democracy (1944) von Myrdal. Von 1941 bis 1944 arbeitete Bunche für das Office of Strategic Services; 1944 wechselte er ins Außenministerium der USA und wurde 1945 mit der Leitung der Division of Dependent Area Affairs betraut. Außerdem wirkte er an der Erstellung der Charta der Vereinten Nationen mit. Seit 1946 war Bunche bei der UNO tätig und vermittelte im Palästinakrieg (1948/49) zwischen den arabischen Staaten und Israel einen Waffenstillstand, der schließlich zur Anerkennung Israels als Staat führte. Für diese Tätigkeit wurde er 1950 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Nach dem Sueskrieg (1956) sorgte er für die Aufstellung einer UN-Friedenstruppe für den Nahen Osten. Von 1968 bis 1971 war er Untergeneralsekretär der UNO, leitete die friedenserhaltenden Maßnahmen der Vereinten Nationen und war zudem für das UN-Programm zur friedlichen Nutzung der Kernenergie zuständig.

Zurück zur Personenliste                   

(http://en.wikipedia.org/wiki/File:Ralph_Bunch_Headstone_1024.jpg)

New York, Bronx, Woodlawn Cemetery

cc_somerightsreserved

Hinweis: Die Leiche Ribbentrops wurde - wie die Leichen der anderen hingerichteten Kriegsverbrecher - am 17. Oktober 1946 im Krematorium des Münchener Ostfriedhofs eingeäschert, die Asche anschließend in einen Zufluß zur Isar gestreut. Seit November 2015 befindet sich die Grabplatte auf dem Friedhof in Velbert-Langenberg.

Alexandros AlekosPanagoulis [griech. Αλέξανδρος Παναγούλης]

 

Griechischer Politiker und Dichter; Sohn eines Offiziers; studierte an der Fakultät für Maschinenbau und Elektrotechnik der Nationalen Technischen Universität von Athen. Er wurde früh schon Mitglied der Οργάνωση Νέων της Ένωσης Κέντρου, O.N.E.K (Jugendorganisation der Zentrumsunion), aus der später die Ελληνική Δημοκρατική Νεολαία, E.D.I.N (Griechische Demokratische Jugend) hervorging. Als es in Griechenland Anfang der 1960er Jahre in Griechenland aufgrund von Auseinandersetzungen zwischen König Konstantin II. und Ministerpräsident Georgios Papandreou zu einer instabilen Lage kam, kam es am 21.4. 1967 unter Führung von Oberst Georgios Papadopulos zu einem Putsch und zu einer Militärdiktatur, dem sogenannten Regime der Obristen. Als überzeugter Demokrat nahm Panagoulis aktiv am Kampf für die Wiederherstellung der Demokratie in Griechenland teil. Er desertierte aus dem Militärdienst und gründete die Organisation Nationaler Widerstand. Aus seinem Exil in Zypern arbeitete er an Aktionsplänen gegen die Diktatur, und nach der Rückkehr nach Griechenland verübte er am 13. August auf Papandreou ein Attentat, das jedoch mißlang. Panagoulis wurde von einem Militärgericht im November 1968 zum Tode verurteilt. Die vorgesehene Exekution konnte aufgrund von Interventionen aus dem Ausland verhindert werden, stattdessen wurde seine Strafe in lebenslange Freiheitsstrafe umgewandelt. Im Juni 1969 gelang ihm zwar die Flucht aus dem Militärgefängnis von Bogiait, wo er physisch und psychisch gefoltert worden war, aber er wurde kurze Zeit später gefaßt und erneut inhaftiert. Erst im August 1973 wurde er im Rahmen einer Generalamnestie des Militärregimes aus der Haft entlassen. Kurz nach seiner Entlassung lernte er die italienische Journalistin Oriana Fallaci kennen, die ihn interviewt hatte. Panagoulis verliebte sich in sie und folgte ihr nach Florenz. Von dort aus organisieret er weiter Widerstand gegen das griechische Militärregime. Nachdem 1974 die Demokratie wieder hergestellt war, wurde Panagoulis im Folgejahr als Vertreter der Zentrumsunion – Neue Kräfte Mitglied des Parlaments, trat aber wegen Meinungsverschiedenheiten mit der Führung der Partei aus ihr aus, blieb aber weiterhin als unabhängiger Parlamentarier Mitglied des Parlaments. Panagoulis kam nur einige Tage vor der geplanten Veröffentlichung von Archiven der Militärpolizei aus der Zeit der Diktatur in der Nacht zum 1. Mai 1976 bei einem Verkehrsunfall unter nicht ganz geklärten Umständen ums Leben. Fallaci war überzeugt, daß es sich um einen als Mordanschlag getarnten Unfall handelte, den die europaweit agierenden neofaschistischen Organisation “Die Spinne” verübt hatte.. Ausfluß dieser Erlebnisse ist ihr Buch Un uomo (1979, dt. Ein Mann). An seiner Beisetzung nahmen mehrere hunderttausend Menschen teil.

Zurück zur Personenliste                   

Bild: AWI (01/2011) Wikipedia.de
cc_somerightsreserved

Athen, Erster Friedhof

Oscar Luigi Scalfaro

           no_copyright

Italienischer Politiker (DC, zuletzt PD); Sohn eines aus Neapel stammenden Vaters und einer aus dem Piemont stammenden Mutter, was Scalfaro einmal dazu veranlaßte, sich als einen “figlio dell'Unità d'Italia” (Sohn der Vereinigung Italiens) zu bezeichnen. Er war bereits früh in diversen christlichen Gruppen, so der GIAC (Gioventù Italiana di Azione Cattolica), aktiv und schloß sich während des Zweiten Weltkriegs der neugegründeten konservativen Partei Democrazia Christiana (DC) an. 1941 beendete er sein Studium der Rechtswissenschaften an der Katholischen Universität Mailand, wurde zum Militär eingezogen, allerdings 1942 als Leutnant unter einem Treueeid zum Faschismus in die Position eines Magistratsbeamten entlassen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitete er ab Herbst 1945 zunächst als Staatsanwalt. Als solcher sprach er im selben Jahr das in Italien bislang letzte Todesurteil aus: Verurteilt wurden der ehemalige Präfekt der Provinz Novarra Enrico Vezzalini sowie weitere fünf Angeklagte wegen Kollaboration mit den deutschen Besatzern (das Urteil wurde am 23.9.1945 vollstreckt). 1946 wurde Scalfaro erstmals in die Nationalversammlung gewählt, der er dann ohne Unterbrechung bis zu seiner Wahl zum Staatspräsidenten 1992 angehörte. Seit den 1950er Jahren war er mehrfach Staatssekretär und verschiedentlich Minister; so war er von 1983 bis 1987 unter dem Sozialisten Bettino Craxi Innenminister. Als dieser 1987 zurücktrat, wurde Scalfaro mit der Bildung eines neuen Kabinetts betraut, scheiterte jedoch. Nach den im April 1992 erfolgten Parlamentswahlen wurde er Präsident der Abgeordnetenkammer, und im darauf folgenden Monat wurde er als Nachfolger von Francesco Cossiga (*1928, †2010) zum 9. Staatspräsidenten der Republik Italien gewählt und bekleidete dieses Amt bis 1999 Danach nahm er als Senatsmitglied an vielen Sitzungen teil. Obwohl Scalfaro ein überzeugter Katholik und strammer Antikommunist war, mißtraute er vielen der Mitglieder seiner Partei, der Democrazia Cristiana (DC), weil sie die Sforza Italia duldeten, und er war ein erklärter Gegner Silvio Berlusconis. So unterstützte er ganz offen die Mitte-Links-Koalition, die zwei kommunistischen Parteien, die die 1996 und 2006 Wahlen gewonnen hatten. Als Berlusconis Koalition per Referendum eine Verfassungsreform durchführen wollte, gründete Scalfaro die Aktion “Salviamo la Constituzione” und votierte im Juni 2006 gegen das Referendum. Im Jahr 2007 schloß er sich der Partito Democratico (PD) an, ohne jedoch deren eingeschriebenes Mitglied zu werden.

Sein Nachfolger im Amt des Staatspräsidenten wurde Carlo Azeglio Ciampi.

Zurück zur Personenliste                   btn_up

Bilder: Dott. Lodovico Buscatti (02/2012)

Cameri (Prov. Novarra), Cimitero comunale

Berlin-Lichtenberg, Zentralfriedhof Friedrichsfelde, Grabanlage Pergolenweg

Berlin-Lichtenberg, Zentralfriedhof Friedrichsfelde, Grabanlage Pergolenweg

Politiker XXXII

Omnibus salutem!