Rainer Candidus Barzel

 

 

Deutsche Politiker (CDU); der Sohn eines Oberstudienrats studierte von 1945 bis 1949 Jura und Volkswirtschaftslehre in Köln. 1957 zog der promovierte Jurist in den Bundestag ein. 1960 wurde Barzel in den Bundesvorstand der CDU gewählt; von 1964 bis 1973 war er Unions- Fraktionschef und ab 1971 für zwei Jahre als Nachfolger Kurt Georg Kiesingers auch Vorsitzender der CDU. Da seit dem Amtsantritt Willy Brandts viele Abgeordnete der SPD und FDP zur CDU gewechselt waren, glaubte Barzel mit der knappen absoluten Mehrheit Bundeskanzler Brandt mittels eines konstruktiven Mißtrauensvotums stürzen zu können. Barzel verlor jedoch am 27.4.1972 mit 247 gegen 249 Stimmen die Kampfabstimmung, da, wie sich erst viel später herausstellte, die DDR-Staatssicherheit zwei Abgeordnete der Union bestochen hatte, die dann entsprechend gegen Barzel stimmten. 1982 übernahm er unter Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) das Ministerium für innerdeutsche Beziehungen und wurde 1983 zum Bundestagspräsident gewählt. Wegen des Vorwurfs von Verwicklungen in die Flick-Affäre trat er am 25.10.1984 von diesem Amt zurück. Obwohl er später hatte beweisen können, daß er mit der Flick-Affäre nichts zu tun hatte, wurde er politisch nicht mehr rehabilitiert. 1987 verzichtete er auf eine erneute Kandidatur für den Bundestag. 1979 berief der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt ihn zum Koordinator für die deutsch-französische Zusammenarbeit. Diese Position bekleidete Barzel dann noch einmal in der Regierung Helmut Kohl ab April 1986.

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Bonn-Bad Godesberg, Zentralfriedhof

Bilder: Hartmut Riehm (09/2006)

Bonn-Bad Godesberg, Burgfriedhof

Bild. Peter Malaschitz (2006)

Jozef Tiso

Slowakischer Priester und Politiker; Präsident des 1. von 1939 bis 1944 unter Hitlers “Protektion” existierenden slowakischen Staates. 1910 zum katholischen Priester geweiht, war er seit 1925 oppositioneller Abgeordneter der klerikal-nationalistischen Slowakischen Volkspartei im tschechoslowakischen Parlament. Während der vorübergehenden Regierungsbeteiligung seiner Partei in den Jahren 1927 bis 1929 war er Gesundheits- und Sportminister der Tschechoslowakei. 1930 wurde er stellvertretender Vorsitzender der Slowakischen Volkspartei, 1938 folgte er dem verstorbenen Andrej Hlinka als Vorsitzender der Partei nach. Im selben Jahr wurde er Ministerpräsident der indirekt aufgrund des Münchner Abkommens zustande gekommenen, autonomen (noch nicht selbständigen) Slowakei innerhalb der Tschecho-Slowakei. Nach der Besetzung der autonomen Slowakei am 9.3.1939 durch tschechische Truppen wurde er von der Prager Zentralregierung abgesetzt. Mit der Entstehung der unabhängigen Slowakei am 14.3.1939 wurde er zuerst Ministerpräsident und ab 26.10.1939 statt dessen Präsident dieses von Deutschland abhängigen, formell unabhängigen Staates. Auch als Präsident war er weiterhin aktiv als katholischer Pfarrer tätig (Pfarrer der Stadt Bánovce nad Bebravou 1924-1945). Nach der Besetzung der Slowakei durch sowjetische Truppen im April 1945 floh er über Österreich nach Altötting in Bayern. Von dort wurde er von den Alliierten an die tschechoslowakische Regierung ausgeliefert, am 15. April 1947 in einem politischen Prozeß zum Tode durch den Strang verurteilt und am 18. April 1947 hingerichtet.

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Bratislava, Martinfriedhof

János Kádár, eigentl. János Csermanek

Ungarischer Politiker; trat 1931 der ungarischen KP bei, war von 1948 bis 1951 Innenminister, Von 1951 bis 1954 wurde er wegen angeblicher Opposition gegen den damaligen stalinistischen Generalsekretär der KP, Mátyás Rákosi (*1892, †1971), inhaftiert. Ende Oktober 1956, zu Beginn des Ungarischen Volksaufstandes, wurde er Generalsekretär der als Ungarische Sozialistische Arbeiterpartei (USAP) reorganisierten KP. Obwohl er zunächst selbst Mitglied der Aufstandsregierung war, wandte er sich gegen sie, bildete eine Gegenregierung und bat die UdSSR um militärische Intervention. Nach der Niederschlagung des Aufstandes setzte er als maßgebliche Führungsfigur seiner Partei (bis 1988; von 1956 bis 1958 und von 1961 bis 1965 auch Ministerpräsident) einen integrativen, an die UdSSR angelehnten Kurs durch, der innen- und wirtschaftspolitisch jedoch mit wachsendem Erfolg vorsichtige Reformen unter zum Teil liberalen Zugeständnissen anstrebte und Ungarn einen begrenzten Wohlstand brachte (“Gulaschkommunismus”); Als er wegen seiner persönlichen Amtsführung unter heftige Kritik geriet, trat er 1988 von dem Amt zurück und war von 1988 bis 1989 Parteipräsident, ohne jedoch über großen Einfluß zu verfügen.

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Bild: Dr. József Varga
Bild: Dr. József Varga

Lajos Kossuth

                   

Ungarischer Jurist und Politiker; Führer der ungarischen Unabhängigkeitsbewegung von 1848/49, trat auf dem Landtag von 1847/48 als Haupt der liberalen Opposition auf. Im März 1848 wurde er Finanzminister, im September 1848 organisierte er als Präsident des Landesverteidigungsausschusses die Honvéd; nach der Thronentsetzung der Habsburger im April 1849 zum Reichsverweser Ungarns gewählt, mußte er bereits im August abdanken. Seitdem lebte er im Ausland. Kossuth wird in Ungarn als Nationalheld verehrt.

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Ferenc Deák

Ungarischer Politiker; studierte Rechts- und Verfassungsgeschichte. Zwischen 1824 und 1832 bekleidete er das Amt eines Honorarstaatsanwalts im Komitat Zala und war Schreiber des Waisenausschusses. Als Gesandter des Komitats hatte er als Mitglied der Opposition einen Sitz in der Nationalversammlung (1832-36 und 1839/40). Dort setzte er sich für die Rechte der Bauern und die Abschaffung der Todesstrafe ein und kämpfte für die Meinungs- und Religionsfreiheit. 1839 wurde er Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu ihrem Mitglied und 1855 deren Präsident. 1848 wurde er In der ersten ungarischen Regierung Justizminister. Im Freiheitskampf der Ungarn versuchte er - erfolglos -, zwischen der ungarischen Regierung und dem Wiener Hof zu vermitteln. Nach dem Scheitern der Verhandlungen zog er sich enttäuscht auf sein Landgut zurück, kehrte jedoch nach der Niederschlagung des Freiheitskampfes auf die politische BÜhne zurück und rief zum passiven Widerstand gegen Wien auf. Als am 15.4.1865 in der Zeitung Pesti Napló sein berühmter Artikel, der zum einem Ausgleich zwischen den Parteien aufrief, erschien, reagierte der im Exil lebende Lajos Kossuth auf diesen Artikel in einem offenen Brief an Deák, in dem er vor einem Ausgleich als den Beginn des Endes einer politischen Selbständigkeit Ungarns warnte. Den Warnungen zum Trotz wurde der österreichische Kaiser Franz Joseph I. am 8.6.1867 zum apostolischen König von Ungarn gekrönt. Der Ministerpräsident der neu gegründeten ungarischen Regierung wurde Graf Gyula von Andrássy, während Deák kein Mitglied der Regierung wurde. Er hatte jedoch maßgeblichen Anteil an der Ausarbeitung des Bürgerlichen Gesetzbuches, zog sich aber schließlich ins Privatleben zurück. Deáks Konterfeit prangt auf der 20.000er Banknote des Forint [Stand Oktober 2006].

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Bild: Dr. József Varga

Budapest, Kerepesi Temetö

Budapest, Kerepesi Temetö

Budapest, Kerepesi Temetö

Henry Morgenthau jun.

US-amerikanischer Politiker; Sohn des 1865 aus Mannheim eingewanderten jüdischen Geschäftsmannes und Politikers Henry Morgenthau (*1856, †1946). 1928 gehörte er zu Franklin D. Roosevelts Helfern im Wahlkampf um das Gouverneursamt von New York, und im Präsidentschaftswahlkampf von 1932 war Morgenthau einer der engsten Berater von Roosevelt. Morgenthau jun. war Agrarpolitiker und von 1934 bis 1945 Finanzminister. Im Zweiten Weltkrieg war Morgenthau am Zustandekommen des Lend-lease-Act (Leih- und Pachtgesetz) beteiligt. Auf einer im September 1944 in Quebec stattfindenden Konferenz stellte er das später als Morgenthau-Plan bezeichnete Konzept vor, demzufolge das besiegte Deutschland in ein entmilitarisiertes Agrarland verwandelt und die Industrieanlagen nach dem Krieg demontiert werden sollten. Der Plan wurde von Roosevelt und dem britischen Premierminister Winston Churchill zunächst angenommen, später aber in Hinblick auf die Situation einer neuen Bedrohung durch die Sowjetunion verworfen. Nach der Wahl Harry Trumans zum neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten im April 1945 trat Morgenthau als Finanzminister zurück.

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Hawthorne, Mount Pleasant Cemetery

Clemens Emil Franz Bracht

Bundesarchiv

 

Deutscher Jurist und Politiker (Zentrum, später parteilos); Sohn eines Arztes; studierte ab 1894 Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Würzburg und Berlin, war ab 1900 nach dem juristischen Staatsexamen als Referendar in Berlin tätig und nach Beendigung des Referariats im Jahre 1904 Assessor bei der Staatsanwaltschaft in Köslin, beim Landgericht Essen und beim Oberlandesgericht Hamm. 1909 wurde er zunächst Staatsanwalt in Essen, wechselte dann an das Oberlandesgericht Hamm. Von 1916 bis 1918 war er als Dozent für Verwaltungsrecht an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin und anschließend bis 1923 als Vortragender Rat im Reichsministerium des Innern und als Ministerialdirektor im Ministerium für Volkswohlfahrt des Landes Preußen tätig. Am 18.12.1924 wurde er zum Oberbürgermeister der Stadt Essen ernannt, ein Amt, das er am 31.10.1932 niederlegte. In der Spätphase der Weimarer Republik war er Mitglied in zahlreichen Vorständen und Aufsichtsräten von Unternehmen. 1930 wurde er zum Geheimen Regierungsrat befördert, am 27.7.1932 zum stellvertretenden Reichskommissar für Preußen ernannt und mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Preußischen Ministers des Innern beauftragt. Bekannt geworden ist Franz Bracht, als er zwei Monate später, am 28 .September, in dieser Position in Ergänzung zur Badepolizeiverordnung vom 18. August den sogenannten, für große Heiterkeit in der Presse sorgenden Zwickelerlaß erließ. in dem es in §1, Abs.2 hieß: “Frauen dürfen öffentlich nur baden, falls sie einen Badeanzug tragen, der Brust und Leib an der Vorderseite des Oberkörpers vollständig bedeckt, unter den Armen fest anliegt, sowie mit angeschnittenen Beinen und einen Zwickel versehen ist. Der Rückenausschnitt des Badeanzuges darf nicht über das untere Ende der Schulterblätter hinausgehen“. Bracht schied mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30.1.933 aus der Reichsregierung aus.

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Bilder: Bernd Plagge (03/2013)

Stahnsdorf, Südwest-Kirchhof

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Erich Mende

 

 

Deutscher Jurist und Politiker (FDP und CDU); 1936, nach dem Abitur, wurde er zum Reichsarbeitsdienst und anschließend zur Wehrmacht eingezogen und war von 1938 Berufsoffizier, zuletzt im Range eines Majors. Kurz bevor er in britische Kriegsgefangenschaft geriet, wurde ihm das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Nach der Entlassung aus der Gefangenschaft studierte er Jura in Köln und Bonn und arbeitete nach der Promotion zunächst als Dozent für politische Wissenschaften an der Universität Bonn. Bereits 1945 war er Mitbegründer der Freien Demokratischen Partei (FDP) und von 1949 bis 1980 Mitglied des Bundestags (1957-63 Vorsitzender der FDP-Fraktion und von 1960 bis 1967 FDP-Bundesvorsitzender). Von 1963 bis zu seinem Rücktritt am 28.10.1966 war er Vizekanzler und Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen in der Regierung Ludwig Erhards. 1970 trat er aus Protest gegen die Bildung der sozialliberalen Koalition unter Kanzler Willy Brandt und Vizekanzler Walter Scheel zur CDU über.

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Bild: Parsifal von Pallandt (07/2018)

Hinweis: Im Jahre 2007 soll sein Grab geschändet und Teile seines Leichnams sowie die Urne seiner Frau entwendet worden sein; sie sind bislang nicht wieder aufgetaucht. Seitdem werden sein Grab sowie andere Grabstätten aus der Zeit der Herrschaft der Kommunisten mit einer Kamera bewacht.

Politiker XXXIII

Omnibus salutem!