Bild: Sebastian Niedlich (www.flickr.com)

Gamal Abd el-Nasser

 als junger Mann                no_copyright

Ägyptischer Politiker, Offizier; der Sohn eines Postbeamten besuchte ab 1937 die Militärakademie in Kairo, zeichnete sich im sog. Unabhängigkeitskrieg Israels (15.5.1948 bis 15.1.1949), in dem der Gazastreifen unter ägyptische Verwaltung kam, andererseits die palästinensischen Araber aus dem israelischen Staatsgebiet vertrieben wurden, aus und beteiligte sich maßgeblich an der Gründung des “Komitees der freien Offiziere”, das am 26.7.1952 König Faruk I. stürzte. 1953 wurde er Oberbefehlshaber der Streitkräfte, war von 1953 bis 1954 stellvertretender Ministerpräsident und von 1953 bis 1954 Innenminister. Als beherrschende Persönlichkeit im “Rat der Revolution” verdrängte er seinen Widersacher General Ali Mohammed Nagib (*1901, †1984) im April 1954 als Ministerpräsident und im November des gleichen Jahres auch als Staatspräsident. Nach seiner 1956 erfolgten Wahl zum Präsidenten schuf er eine neue Verfassung, derzufolge ein Einparteiensystem eingeführt und der Islam zur Staatsreligion erhoben wurde. Im Zuge der Veränderung zu einem sozialistischen Staat verstaatlichte er 1956 den zuvor unter britischer Verwaltung stehenden Suezkanal. In der Folge griffen israelische, englische und französische Truppen Ägypten an, mußten sich jedoch wegen des internationalen Drucks schon bald wieder zurückziehen; Ägypten behielt weiterhin die Kontrolle über den Kanal, und mit Unterstützung der Sowjetunion wurde der Assuanstaudamm gebaut. Dieser außenpolitische Sieg stärkte Nassers Stellung in der arabischen Welt und ermunterte ihn, die Panarabische Bewegung zu fördern. So unterstütze er u.a. den algerischen “Front de Libération Nationale” (FLN) im Kampf um die Unabhängigkeit Algeriens von Frankreich (1954-62) und führte 1958 den Zusammenschluß von Syrien und Ägypten zur “Vereinigten Arabischen Republik” (VAR) herbei und wurde gleichzeitig deren Präsident. Innenpolitisch führte er umfassende Reformen im Sozial- und Bildungswesen durch, indem er Wirtschaftshilfe auch aus den Ländern Westeuropas und Nordamerikas in Anspruch nahm, verstaatlichte im Sinne eines arabischen Sozialismus die Banken und Industrieunternehmen und reorganisierte ferner die Landbesitzstrukturen. International war Nasser mit Josip Tito und Jawaharlal Nehru Sprecher der blockfreien Staaten und Förderer der Unabhängigkeit der Völker Afrikas, wobei er sich immer eng an die Sowjetunion anlehnte. Als er 1967 den Golf von Akaba für israelische Schiffe sperren ließ, griff Israel Ägypten militärisch an und schlug die Truppen der arabischen Staaten innerhalb einer Woche (Sechstagekrieg). Nasser bot daraufhin seinen Rücktritt an, nahm das Angebot jedoch auf Druck der Bevölkerung wenig später wieder zurück. Sein Nachfolger im Amt des Staatspräsidenten wurde Anwar as-Sadat.

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Kairo, Gamal Abd el-Nasser Mausoleum

Bild: Larry Broadwell

Ylva Anna Maria Lindh

  Bild: Pawel Flato, released by the Government of Sweden

 

 

 

 

Schwedische Politikerin (Sozialdemokratin); wuchs auf dem Lande in Grillby nahe der Stadt Enköping als Tochter eines Künstlers und einer Lehrerin auf. Wie viele junge Leute ihrer Generation wurde sie in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren durch den Vietnamkrieg politisiert und trat der Sveriges socialdemokratiska ungdomsförbund (Jugendabteilung der schwedischen Sozaildemokratischen Partei) bei. Sie studierte Jura an der Universität in Uppsala und wurde unmittelbar nach Beendigung eines Studiums im Jahre 1982 Mitglied des schwedischen Reichstag. Von 1984 bis 1990 war sie Leiterin der sozialdemokratischen Jugendorganisation und ab 1990 Stockholmer Kulturdezernentin. Von 1998 bis zu ihrem Tode hatte sie in der von Göran Persson geführten sozialdemokratischen Regierung das Amt der Außenministerin inne. Ab 2001 war sie zugleich Ratspräsidentin der Europäischen Union, als Schweden den Vorsitz im Rat der Europäischen Union routinemäßig für sechs Monate übernahm. Außenpolitisch verurteilte sie 2003 die Invasion in den Irak, da sie das Vorgehen ohne UN-Mandat für falsch hielt, da “ein Krieg ohne Unterstützung der Satzung der Vereinten Nationen ein großer Fehler" sei, und befürwortete außerdem eine größere Achtung des Völkerrechts und der Menschenrechte im israelisch-palästinensischen Konflikt, wobei sie sowohl das Verhalten der Regierung Ariel Sharons kritisierte, als auch die palästinensischen Selbstmordattentate als "Greueltaten" verurteilte. Innenpolitisch setzte sie sich vehement für die Einführung der gemeinsamen europäischen Währung, des Euros, in Schweden ein. Am Nachmittag des 10.9.2003 wurde die beliebte Politikerin während eines Einkaufs im Stockholmer NK-Kaufhaus in der Damenabteilung Opfer eines Attentats mit einem Messer. Da der Täter, der 25-jährige schwedische Staatsbürger serbischer Abstammung Mijailo Mijailovic, mit Hilfe einer der im Kaufhaus installierten Überwachungskameras identifiziert werden konnte, gelang es, ihn wenig später festzunehmen. Er leugnete die Tat, wurde jedoch aufgrund einer DNS-Analyse überführt und da das Gericht keine mildernden Tatumstände erkennen konnte, zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach den bis heute nicht aufgeklärten Hintergründe der Ermordung Olof Palmes, im Jahre 1986 war dies der zweite erfolgreiche Mordanschlag auf einen schwedischen Politker.

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Stockholm, Katarina Kyrkogård

Bild: www.flickr.com/photos/superadaptoid (09/2006)

Antonio Gramsci

 

Italienischer Politiker; gehörte zu den Begründern der Partito Comunista Italiano, deren Geschicke er leitete. Vom 6. April 1924, bis zu seiner Verhaftung durch die Faschisten am 8. November 1926, war er ein Abgeordneter im italienischen Parlament. Während seiner Zeit im Gefängnis verfaßte Gramsci insgesamt 32 Gefängnishefte, die als eines der bedeutendsten Werke der marxistischen Philosophie gelten. 1921 beteiligte sich er sich an der Gründung der italienischen KP. Seit Januar 1926 deren Generalsekretär, trat er für ein politisches Bündnis mit den bürgerlichen Gegnern des Faschismus ein. Im November 1926 wurde er verhaftet und im Juni 1928 zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Seine in der Haft entstandenen politisch-philosophischen und kulturkritischen Schriften (deutsche Auswahl Philosophie der Praxis, 1967) übten auf die geistige Atmosphäre im Nachkriegsitalien einen tiefen Einfluß aus.

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Rom, Cimitero Acattolico per gli Stranieri - Friedhof an der Cestiuspyramide

Courtesy: Peggy Sullivan

Richard Milhous Nixon

US-amerikanischer Jurist, 37. Präsident der USA; der Sohn des einer irischen Familie entstammenden Francis Nixon und der Hannah Milhous Nixon, deren Familie aus Deutschland stammte und deren ursprünglicher Name Milhausen lautete, stach in seiner Jugend durch besondere Leistungen hervor; obwohl er durch den Harvard-Preis ein Stipendium erhielt, konnte die Familie die sonstigen, notwenigen Kosten eines Studiums an Harvard nicht aufbringen. So besuchte er statt Harvard das quäkerische Whittier College. Von 1942 bis 1946 diente Nixon als Marineoffizier im Südpazifik. Als Abgeordneter (1947-50) der Republikanischen Partei und Senator von Kalifornien (1951-53) kämpfte er gegen die Korruption und trat als entschiedener Gegner des Kommunismus auf. Von 1953 bis 1961 war Nixon unter Dwight D. Eisenhower Vizepräsident. 1960 unterlag er in den Präsidentschaftswahlen nach einer im Fernsehen übertragenen Diskussion knapp John F. Kennedy. Erst gegen die Kandidaten Hubert H. Humphrey und George .C. Wallace 1968 errang er das Amt des Präsidenten. Gewählt wurde er u.a. in der Hoffnung, den Vietnamkrieg zu beenden. Mit seinem außenpolitischen Berater Henry A. Kissinger - seit 1973 sein Außenminister -, bemühte er sich um ein Umorientierung der amerikanischen Außenpolitik, vor allen Dingen um eine Verbesserung der Beziehungen zu den kommunistischen Staaten und um einen “ehrenhaften Frieden” im Vietnamkrieg. Um diese Ziel zu erreichen, reduzierte er dort einerseits die Präsenz amerikanischer Truppen, verstärkte andererseits die Bombardierung des Nordens und ließ Truppen in das neutrale Kambodscha einrücken, um die amerikanische Verhandlungsposition zu stärken. Im Januar 1973 konnte in Paris ein Waffenstillstand mit der nordvietnamesischen Regierung erreicht werden. Historisch ist sein überraschender Besuch in derNixon bei Mao Zedong in Beijing Volksrepublik China im Februar 1972, wo er sich mit Mao Zedong in Beijing traf. Bei einem anschließenden Besuch Treffen mit Generalsekretär der KPdSU, Leonid Breschnew, in Moskau (22.-29.5.1972) kam es zum SALT I-Abkommen. Innenpolitisch gelang es Nixon trotz rigider Eingriffe in die Wirtschaft (u.a. Lohn- und Preisstopp, Importsteuer, Abwertung) nicht, die wachsende Stagflation (Wachstumsrate des realen Inlandsprodukts ist bei steigenden Preisen und zunehmender Arbeitslosigkeit gleich null oder negativ) in den Griff zu bekommen. Obwohl die von Daniel Ellsberg, eines hochrangigen Mitarbeiters im Verteidigungsministerium, der Presse zugespielten geheimen Pentagon-Papers trotz des Versuchs Nixons deren weitere Verbreitung zu verhindern, 1971 in die großen Zeitungen der Vereinigten Staaten gelangten und die wahren Hintergründe über den Vietnamkrieg (u.a. der von den USA lancierte Tonkin-Zwischenfall) und den Willen Nixons, den Krieg weiterzuführen, offenbarten, und trotz sich breitmachender Unzufriedenheit wurde er im November 1972 mit großer Mehrheit ein zweites Mal in das Amt gewählt, mußte aber wegen der Watergate-Affäre am 8.8.1974 seinen Rücktritt (in Kraft am 9.8.) erklären, um einer Amtsenthebung durch Impeachment zuvorzukommen. Sein Nachfolger Gerald Ford befreite Nixon kurz danach von jeder Strafverfolgung, während hohe Funktionäre der Nixon-Administration gerichtlich verurteilt wurden. Auch in einem im Jahr 1977 vom britischen Fernsehjournalisten David Frost mit Nixon von über 20 Stunden geführtem Interview, war jener nicht bereit, irgendeine Verfehlung oder gar Behinderung der Justiz einzugestehen.

Inschrift: The greatest honour history can bestow is the title of peacemaker (Die größte Ehre, die die Geschichte zu vergeben hat, ist die eines Friedensstifters).

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Yorba Linda (Kalifornien), Richard Nixon Library / Birthplace

Tokugawa Ieyasu  [jap. 徳川 家康]·

Japanischer Staatsmann und Feldherr; war der Begründer des Tokugawa-Shogunats in Japan, und gilt mit Oda Nobunaga und Toyotomi Hideyoshi als einer der “drei großen Einiger” des feudalen Japan. Nachdem Tokugawa Ieyasu durch den Sieg in der Schlacht bei Sekigahara 1600 seine Konkurrenten aus dem Feld geschlagen hatte, begann er, seinen Führungsanspruch zu festigen. Der erste Schritt hierzu war im Jahre 1603 seine Ernennung zum Shogun, d.h. zum Militärregenten, und dadurch die formale Machtanerkennung durch den machtlosen Tenno (Kaiser). Tokugawa Ieyasu machte die Shogunswürde erblich (Tokugawa Shogunat) und verlegte seinen Regierungssitz nach Edo (das heutige Tokio). Dadurch entwickelte sich eine straffe Zentralverwaltung, und in Japan entstand erstmals ein stabiles Staatswesen. Tokugawa Ieyasu starb auf seinem Alterssitz in Sumpu eines natürlichen Todes.

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Bilder: Lisa M (11/2005)

Nikko, Toshogu Shrine

Bild: Ira Tau (06/2006)

David Ben Gurion eigentl. David Gruen

 

Israelischer Staatsmann; der Sohn des Rechtsanwalts engagierte sich früh in der zionistischen Bewegung; nach seiner Auswanderung nach Palästina 1906 arbeitete er dort zunächst als als Landarbeiter, beteiligte er sich zugleich maßgeblich am Aufbau der Gewerkschaftsorganisation Histadrut - war von 1921 bis 1935 deren Generalsekretär - und der sozialistischen Arbeiterpartei Mapai. Als Vorsitzender der Jewish Agency (1935-48) organisierte er gegen den Widerstand der palästinensischen Araber und der britischen Mandatsmacht die Einwanderung jüdischer Flüchtlinge aus Europa nach Palästina. 1944 wurde er Präsident der Zionistischen Weltorganisation. Am 14.5.1948 rief er, was allgemein als ein Wunder angesehen wurde (“Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist”) den Staat Israel aus. Ab 1948 als Ministerpräsident und Verteidigungsminister gelang es ihm, den Staat politisch, militärisch und wirtschaftlich zu festigen. 1953 gab Ben Gurion seinen Rücktritt von der Regierung bekannt und übersiedelte in den Kibutz Sde-Boker in der Negev Wüste, kehrte jedoch bereits 1955 wieder in das Amt zurück und wurde noch im selben Jahr auch wieder Premierminister; von diesem Amt trat er aus persönlichen Gründen 1963 zurück. Nach dem Ende des Sechstagekrieg sprach er sich gegen die Annexion weiterer arabischen Gebiete aus. 1970 zog sich Ben Gurion aus allen seinen politischen Ämter zurück.

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Kibbutz Sde-Boker

Boethius eigentl. Anicius Manlius Torquatus Severinus Boetius

Römischer Staatsmann und Philosoph; entstammte einer der angesehensten Familien Roms, deren Mitglieder bereits in klassischer Zeit immer wieder höchste Ämter im Staat bekleidet hatten. Er selbst bekleidete seit 510 das Amt eines Konsuln und war “Magister Palatii” des Ostgotenkönigs Theoderich, der ihn trotz des einstigen großen in ihn gesetzten Vertrauens fallen ließ, nachdem Boethius in einen Intrigenverdacht hineingezogen wurde: Man beschuldigte ihn, eine gegen die Ostgotenherrschaft gerichtete Verschwörung von Anhängern des oströmischen Kaisers zu begünstigen. Er wurde mehrere Monate inhaftiert und schließlich ohne Gerichtsverfahren hingerichtet. Während der Zeit der Gefangenschaft schrieb er das vom Neuplatonismus, der an die Philosophie Platons anknüpfende philosophische Strömung des 3. bis 6. Jahrhunderts n. Chr., beeinflußte Werk De Consolatione Philosophiae (~523, dt. Trostbuch der Philosophie), das später in viele Sprachen übersetzt wurde, wobei die englischen Übersetzungen von König Alfred dem Großen (*~848, †899) und von Geoffrey Chaucer eine besonderen Rang einnehmen. Boethius hatte sich vorgenommen, sämtliche Schriften Platons und Aristoteles (*384 v. Chr., † 322 v. Chr.) in das Lateinische zu übertragen. Dieses gigantische Vorhaben konnte er wegen seines frühen Todes nicht realisieren. Aber durch die erfolgten Übersetzungen und Kommentierungen der logischen Schriften des Aristoteles erschloß er den mittelalterlichen Scholastikern einen Großteils des Wissens über den griechischen Philosophen, und er prägte auf diese Weise die Terminologie der Scholastik und wurde so zum wichtigsten Vermittler zwischen Altertum und Mittelalter. Außerdem verfaßte Boethius Werke über Musik, Arithmetik und Theologie.

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Bild: Giorces (12/2005)

Pavia, San Pietro in Ciel d’Oro

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Bild: Gabriel Ehrnst Grundin (02/2006) Wikipedia.org
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Johann Hartwig Ernst Graf von Bernstorff

 

Deutscher Diplomat; trat nach seinem Studium in Tübingen am Collegium illustre und an der Universität Tübingen sowie einer sogenannten Grand Tour durch Europa unter der Obhut seines Hauslehrers Johann Georg Keyßler gemeinsam mit seinem Bruder Andreas Gottlieb 1732 in den dänischen Staatsdienst. 1733 entsandte ihn Christian VI. von Dänemark als Diplomat an den sächsischen Hof nach Dresden, wo er bis 1737 blieb und in dieser Zeit August III., der 1733 zum König von Polen gewählt worden war, in dessen Residenz nach Warschau begleitete. Anschließend ging er als dänischer Gesandter u.a. nach Regensburg und Paris, wo er in den sechs Jahren seines Aufenthaltes von 1744 bis 1750 enge Freundschaft mit Louis-Charles-Auguste Fouquet de Belle-Isle und dessen Frau schloß und Kontakte zu Voltaire und Montesquieu knüpfte. Nach seiner Rückkehr nach Dänemark wurde er 1751 von Friedrich V. zum Außenminister ernannt. Im von 1756 bis 1763 währenden Siebenjährigen Krieg gelang es ihm, die dänische Neutralität zu währen. Innenpolitisch förderte er als Staatsminister innere Reformen im Geiste des aufgeklärten Absolutismus und unterstützte u.a. Friedrich Gottlieb Klopstock, mit dem er befreundet war, und Carsten Niehbur. 1770 wurde er durch Johann Friedrich Graf Struensee, dem Vertrauten Christians VII., gestürzt und verließ Kopenhagen. Ein Angebot Katharinas II. von Rußland in ihre Dienste zu treten, lehnte er ab.

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Bild: Matzematik (07/2013), Wikipedia.de
Bild: Matzematik (07/2013), Wikipedia.de
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Siebeneichen (Krs. Herzogtum Lauenburg, Schleswig-Holstein), Kirche

Hinweis: Beide Photos zeigen die Namensplatte an der östlichen Außenmauer der Kirche

Fredrik Bajer

 

Dänischer Politiker; Sohn eines Priesters; besuchte von 1848 bis 1854 die auf der Insel Seeland gelegene Sorø Akademi, brach die Ausbildung dort aber kurz vor dem Abschluß ab und ging an die Militärakademie Kopenhagen mit dem Ziel, die Laufbahn eines Berufsoffizier einzuschlagen. Nach Abschluß der Ausbildung im Jahre 1856 wurde er der Kavallerie als Unterleutnant zugeteilt und nahm 1864 am Deutsch-Dänischen Krieg teil. 1865 schied er aus der Armee aus und finanzierte sich und seine Familie durch Lehrtätigkeit an verschiedenen Schulen in Kopenhagen. 1867 trat er der Société Française pour l’arbitrage entre nations (Internationale Friedensliga) von Frédéric Passy. 1869 wurde er zum Vorsitzender einer Wählervereinigung in Kopenhagen und 1872 in dieser Position in das dänische Parlament gewählt. Bis 1895 war er Mitglied des dänischen Reichstages und trat dort sehr engagiert für Frauenrechte und soziale Fragen ein. 1882 gründete Bajer den Dänischen Friedensverein, der später zur Dänischen Friedensgesellschaft wurde und für die er von 1884 bis 1892 den Vorsitz übernahm. Am 13.11.1891 war Mitbegründer des Bureau International Permanent de la Paix beim Friedenskongress in Rom, welches seinen Sitz in die Schweiz nach Bern legte und war bis 1907 dessen erster Präsident und anschließend deren Ehrenpräsident. Bajer nahm in der Folge an den Friedenskongressen der Internationalen Liga für Frieden und Freiheit sowie der skandinavischen National-Friedenskongresse und fast aller Weltfriedenskongresse teil. Für seinen Einsatz zur internationalen Friedenssicherung und vor allem für seine Arbeit mit dem Bureau International Permanent de la Paix wurde er 1908 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

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Bilder: Finn Halling Larsen (10/2015)

Kopenhagen, Bispebjerg Kirkegård

Julius Raab

 

 

Österreichischer Politiker; Bundeskanzler; besuchte von 1897 bis 1911 die Volksschule und die Unterstufe des Gymnasiums in St. Pölten und dann die Oberstufe des Stiftsgymnasiums Seitenstetten, wo er die Matura (Abitur) ablegte. 1912 rückte er als Einjährig-Freiwilliger bei den Pionieren ein und nahm ab 1914 am Ersten Weltkrieg an der Ostfront und im Range eines Oberleutnants und als Kommandant des Sappeur Baon II, einer eigenständigen Waffengattung der k.u.k. Landstreitkräfte, in Italien teil. Nach dem Ende des Krieges studierte er von 1919 bis 1922 an der Technischen Hochschule Wien Bauingenieurwesen, trat anschließend in die väterliche Baufirma in St. Pölten ein und arbeitete nebenbei in der Christlichsozialen Partei (CS). Nach den Wahlen vom 24.4.1927 zog er als Abgeordneter in den Nationalrat ein. 1934 wurde er zum Präsidenten des Österreichischen Gewerbebundes ernannt und 1938 zum Präsidenten der Niederösterreichischen Handelskammer gewählt. Im Februar 1938, kurz vor dem “Anschluß” Österreichs an das Deutsche Reich, wurde er von Bundeskanzler Kurt von Schuschnigg zum Handelsminister ernannt, verlor aber kurz darauf alle Ämter und erhielt Aufenthaltsverbot in St. Pölten und im Gau Niederdonau. In der Folgezeit war Raab bei der Wiener Baufirma Kohlmayer im Straßenbau beschäftigt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gründete er die Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft und war ab 1947 deren Präsident. Im Jahre 1945 war er Mitbegründer der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und des Österreichischen Wirtschaftsbundes und gehörte 1945 bis 1961 dem Nationalrat an. Von 1946 bis 1953 und erneut von 1961 bis 1964 war er Präsident der Bundeswirtschaftskammer. Ab 1953 wurde er zum Bundeskanzler gewählt und führte als solcher bis April 1961 vier Regierungen; gleichzeitig war Raab Bundesobmann der ÖVP. Während seiner Kanzlerschaft erfuhr die Republik Österreich einen bemerkenswerten wirtschaftlichen Aufschwung. Den Höhepunkt seines politischen Lebens erreichte er allerdings mit dem Abschluß des Staatsvertrags 1955, der den Abzug der Besatzungstruppen zur Folge hatte. Im Jahre 1963 bewarb er sich um das Amt des Bundespräsidenten, unterlag jedoch gegen Adolf Schärf.

Auszeichnungen u.a.: Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1956), Ehrenbürger der Stadt Wien (1967).

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04/2006

Wien, Zentralfriedhof

Politiker XXXIV

Omnibus salutem!