Bild: Paul Kentish (08/2005) Wikipedia.org

Charles Maurice Herzog von Talleyrand-Périgord (seit 1807)

Französischer Staatsmann; Fürst von Benevent (seit 1806); Herzog von Dino (seit 1815); studierte am Priesterseminar Saint-Sulpice. 1779 wurde er zum Priester geweiht und wurde Abt von Saint-Denis und 1780 Generalagent des französischen Klerus sowie 1788 zum Bischof von Autun ernannt. Während der Französischen Revolution von 1789 wechselte er vom Klerus in den Dritten Stand und vertrat diesen in den Generalständen. Als er 1791 den Eid auf die neue Zivilkonstitution des Klerus leistete, wurde er von Papst Pius VI. (*1717, †1799), der später nach dem Einmarsch französischer Truppen in Rom (1798) für abgesetzt erklärt und als Gefangener nach Frankreich gebracht wurde, mit dem Kirchenbann belegt. 1792 ging er, verdächtigt, mit dem entthronten König in Verbindung zu stehen, nach England und 1794, auf Druck der dortigen französischen Exilanten von William Pitt ausgewiesen, von dort weiter in die USA. 1779 kehrte er nach Frankreich zurück, wurde 1797 auf Fürsprache von Germaine de Stael als Nachfolger von Charles Delacroix (*1741, †1805) zum Außenminister berufen. Von diesem Amt trat er jedoch 1799 zurück, um sich Napoléon als “geläutert” zu empfehlen; tatsächlich berief jener ihn daraufhin bereits im selben Jahr erneut auf den Posten des Außenministers. Als er sich jedoch gegen dessen Eroberungspolitik - v.a. gegen Österreich - wandte, entließ der Kaiser ihn 1809. Ab 1814 trug Talleyrand entscheidend zur Rückkehr der Bourbonen bei, wurde 1815 nochmals Außenminister und vertrat als solcher erfolgreich die Interessen Frankreichs auf dem Wiener Kongreß. Jedoch veranlaßte ihn das Mißtrauen König Ludwigs XVIII. nach den “Hundert Tagen” im September 1815 zum Rücktritt von seinem Amt. Während der Juli-Revolution 1830 betrieb er die Thronbesteigung Ludwig Philipps I. (Louis Philippe), der ihn nach London entsandte, wo er als dessen Botschafter die britisch-französische Zusammenarbeit förderte.

Verheiratet war Talleyrand mit Catherine Grand, der geschiedenen Frau von George Francis Grand, einem britischen Beamten hugenottischen Abstammung kennen, den sie 1778 - gerade einmal 16 Jahre alt - in Kalkutta geheiratet hatte. Sie war seine Geliebte bis Napoléon ihn aufforderte, sie zu heiraten, nachdem er mit dem Heiligen Stuhl das Konkordat von 1801 geschlossen hatte. Die Heirat fand am 10.9.1802 im l’hospice des Incurables in der rue de Verneuil in Paris statt und wurde am 2712.1816. durch eine gütliche Trennungsvereinbarung beendet.

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Valençay, Kapelle auf dem Gelände des Château de Valençay

Benito Juárez García

                    

Mexikanischer Staatsmann und Staatspräsident; der Sohn zapotekischer (indianischer) Eltern, der bis zu seinem 15. Lebensjahr kein Spanisch sprach, wurde im Alter von drei Jahren Waise und von Priestern erzogen. Nach seinem Studium und einer kurzen Tätigkeit als Anwalt wandte er sich der Politik zu und wurde Parteigänger der Liberalen, deren Führer er später wurde. 1854 setzte er den im Krieg unterlegenen General Antonio López de Santa Anna ab. Seit 1858 war Juárez Vizepräsident und von 1861 bis 1872 Staatspräsident. 1859 erließ er Reformgesetze (“La Reforma”) u.a. über die Trennung von Kirche und Staat, die Zivilehe, Religionsfreiheit und Aufhebung der Klöster. Um die finanzielle Ausblutung des Landes zu verhindern, stellte er die Zinszahlungen ein, was den Anlaß zu einer französisch-englisch-spanischen Intervention gab, in deren Folge der österreichische Erzherzog Maximilian, Bruder des österreichischen Kaisers Franz Joseph I., 1864 als Kaiser vom Mexiko eingesetzt wurde. Juárez García gewann jedoch die Oberhand und ließ Maximilian 1867 erschießen.

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Ciudad de México (Mexiko-Stadt), Panteon San Fernando

Bilder: Amy (03/2006)

Edgar Faure

 

Französischer Politiker; studierte in Paris Rechtswissenschaft und war mit 27 Jahren der seinerzeit jüngste Anwalt am Barreau in Paris. In diesen Jahren begann er sich für die Politik zu engagieren und wurde Mitglied der radikalen Partei (Parti Radical). Während des Zweiten Weltkriegs und der Zeit der Besatzung Frankreichs durch deutsche Truppen war er in der Widerstandsbewegung (Résistance) tätig, floh jedoch 1942 nach Algier ins Hauptquartier Charles de Gaulles, der ihn zum Chef des Service législatif seiner provisorischen Regierung ernannte. Nach dem Kriege war er 1945/46 für Frankreich einer der Ankläger in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen. 1952 und 1955/56 bekleidete er das Amt des Ministerpräsident, Nach Auseinandersetzungen mit seiner Partei, die ihn 1955/56 ausschloß, näherte er sich den Gaullisten. So befürwortete er 1958 die Berufung General Charles de Gaulles zum Ministerpräsidenten. Aufgrund der Studentenunruhen leitete er 1968 als Unterrichtsminister eine Universitätsreform ein. Von 1971 bis 1978 war er Präsident der Nationalversammlung.

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Paris, Cimetière de Passy

Bild: Amy (03/2006)

Maurice Couve de Murville

 

 

Französischer Diplomat, Politiker und Finanzwissenschaftler; studierte in Paris und wandte sich früh der Politik zu. Nach der Niederlage der frankzösischen Truppen im Zweiten Weltkrieg saß er 1940 zunächst in der Waffenstillstandskommission von Wiesbaden, welche die Modalitäten aushandelte und den Boden für das Vichy-Regime bereitete, in dem er Direktor für Außenfinanzen und Devisenwirtschaft wurde, wechselte jedoch nach der Landung der Allierten in Nordafrika im März 1943 die Seite, wurde nun als Anhänger General Charles de Gaulles zum Schatzmeister des Französischen Komitees für die Nationale Befreiung (CFLN) ernannt und leitete bis 1944 als solcher im Französischen Komitee der Nationalen Befreiung (Algier) die Finanzangelegenheiten. Von 1950 bis 1958 war er Botschafter (u.a. 1955/56 in Washington, von 1956 bis 1958 in Bonn). Nach Errichtung der Fünften Republik und der Berufung de Gaulles (1958) an die Spitze der Regierung folgte er als Außenminister (1958-68) und Ministerpräsident (1968/69) dessen Leitlinien.

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Paris, Cimetíère du Montparnasse

Bild: Claus Harmsen (03/2007, stones&Art)

Peter Glotz

 

Deutscher Politiker (SPD), Publizist und Kommunikationswissenschaftler; war von 1974 bis 1977 Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Bildung und Wissenschaft, von 1977 bis 1981 Senator für Wissenschaft und Forschung von Berlin (West) und von 1981 bis 1987 Bundesgeschäftsführer der SPD. Von 1996 bis 1999 war er Gründungsrektor der Universität Erfurt und von 2000 bis 2004 Professor an der Universität St. Gallen. Außerdem fungierte er als Vorsitzender der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen. Von 2004 bis zu seinem Tode gehörte Peter Glotz dem Präsidium der Deutsch-Arabische Gesellschaft an.

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Wald/Ausserrhoden (Kt. Appenzell)

Félix Faure

1895                                  

Französischer Politiker und Reeder; ais einfachen Verhältnissen entstammend; gelangte er als Eigentümer der Handelsfirma Felix Faure & Co. in Le Havre zu erheblichem Wohlstand. Am 21.8.1881 wurde er in die Nationalversammlung gewählt. Später war der gemäßigte Republikaner im Außenministerium für die überseeischen Kolonien und die Marine zuständig, bevor er dann 1894 für ein Jahr Marineminister wurde. Nach dem Rücktritt Jean Casimir-Périers wurde er 1895 zum 7. Präsidenten der Republik gewählt, ein Amt, das er bis zu seinem Tode innehatte.Unter seiner Präsidentschaft wurde 1897 das französisch-russische Bündnis abgeschlossen. In seine Amtszeit fiel die Dreyfusaffäre; an ihn hatte Émile Zola den öffentlichen Brief "J'accuse...!" (Ich klage an!) gerichtet, der in der Zeitung L'Aurore veröffentlicht wurde. Faure stand einem Wiederaufnahmeverfahren ablehnend gegenüber, auch dann noch, als immer mehr den Verurteilten entlastende Indizien bekannt wurden.

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Ausgabe der Zeitung vom Donnerstag, 13. Januar 1898

Große Aufregung gab es in den Massenblättern Frankreichs, als die Umstände des plötzlichen Todes Félix Faures bekannt wurden: Er erlitt, nachdem er sich zwischen zwei Sitzungen anläßlich der Dreyfusaffaire mit seiner Mätresse Marguerite Steinheil, die er Im Jahr 1897 in Chamonix kennengelernt hatte, im Blauen Salon des Élysée-Palasts getroffen hatte, beim Oralverkehr einen Hirnschlag (vermutlich infolge einer Überdosis eines Aphrodisiakum), an dessen Folgen er noch am selben Abend verstarb. Madame Steinheil wurde daraufhin mit dem Beinamen “la Pompe Funèbre“ [franz.. “die Trauerpumpe“, in Anspielung auf ”les Pompes funèbres“, Begriff für Beerdigungsinstitut], bedacht.

Zeitgenössische Darstellung im Petit Journal des plötzlichen Todes Félix Faures im Élysée-Palast

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Paris, Cimetière du Père Lachaise

Bild: Jorge C Galvez (08/2006)
Bilder: Alexander Krischnig (01/2008)
Bilder: Finn Larsen (05/2010)

Næstved, Kloster Herlufsholm

Arild (auch Arvid) Huitfeldt

Dänischer Politiker und Historiker; wurde zunächst von Privatlehrern erzogen, bevor er 1562 auf das Gymnasium in Straßburg kam. Anschließend studierte er in Tübingen und ab 1566 in Orléans Latein und Rechtswissenschaften. Um 1570 kehrte er nach Dänemark zurück, wo er in Kopenhagen Sekretär in der Kancelli (Kanzleramt) wurde und als solcher u.a. zuständig für das Schulwesen, die Kirche und die Wissenschaft. Nachdem er das Amt 1580 niedergelegt hatte, und sich in das Privatleben auf seine Güter zurückgezogen hatte, wurde er 1586 Mitglied des Reichsrates und schließlich Kanzler des Reiches. Zugleich fungiert er auch als Richter am königlichen Gerichtshof. Nachdem Christian IV. 1596 die Regierungsgeschäfte übernahm, war er dessen Ratgeber und war in vielen zahlreichen diplomatischen Missionen unterwegs. Nach einem Schlaganfall im Dezember 1606 zog sich Huitfeldt aus allen öffentlichen Ämtern zurück.

Huitfeldt verfaßte in Art eines Fürstenspiegels eine Reihe historischer Chroniken, die sich mit den dänischen Königen befassen. Angeregt worden war er hierzu durch den Juristen und Historiker Poul Cypræus (*1536, †1609) und den Historiker und Theologen David Chyträus (*1530, †1600), den er 1576 auf einer seiner Reisen in Güstrow kennengelernt hatte.

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Bilder: Nicolas Clementy (11/2011)

Carl Theodor Anton Maria Reichsfreiherr von Dalberg

            

 

Deutscher Erzbischof und Staatsmann; Sohn des kaiserlichen Kammerherrn Franz Heinrich; Bruder von Wolfgang Heribert von Dalberg; studierte zunächst von 1759 bis 1761 in Heidelberg Rechtswissenschaften, die er von 1761 bis 1762 in Mainz und von 1763 bis 1764 in Pavia fortsetzte. In dieser Zeit besuchte er auch Rom, wo er Johann Joachim Winckelmann kennenlernte. Anfang 1765 zurück in der Heimat, trat er in kurmainzische Dienste, wurde 1754 Domizellar in Mainz und damit auch als kurmainzischer Statthalter für Erfurt zuständig. In dieser Zeit war er um eine Neuorganisation der Universität bemüht, förderte die Volksbildung und die Wohlfahrt, und er pflegte nachbarliche Verbindungen zum Musenhof in Weimar und stand mit Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried Herder, Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller in geistigem Austausch. 1779 wurde Dalberg Domherr in Würzburg und 1787 auf Betreiben des preußischen Gesandten Johann Friedrich vom Stein Koadjutor des für Mainz und Worms neubestellten Erzbischofs Friedrich Karl Josef von Erthal und sowie 1788 Koadjutor von Konstanz. Nach dessen Tod im Jahre 1802 war er Erzbischof und Kurfürst von Mainz sowie Bischof von Worms. Auch nach der Säkularisierung durch Napoléon blieb er Kurfürst und Reichserzkanzler. Als solcher betrieb Dalberg mit Protektion Kaiser Napoléons die Gründung des Rheinbunds und wurde 1806 Fürstprimas für Deutschland, 1810 bis 1813 Großherzog von Frankfurt am Main; nach der Völkerschlacht bei Leipzig im Jahre 1813 wurde er zur Abdankung gezwungen, blieb aber Erzbischof von Regensburg bis zu seinem Tode. Dalberg, der Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Akademien war, war vorübergehend Mitglied des Illuminatenordens.

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Bild: ekpah (02/2012) Wikipedia.de

Aschaffenburg, Stiftskirche St. Peter und Alexander

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Hinweis: Seine Gebeine wurde im Dom in Regensburg beigesetzt.

Gyula Horn

Bild: Aleph (05/2007) Wikipedia.orgcc_somerightsreserved

 

Ungarischer Politiker; Sohn eines Transportarbeiters und einer Fabrikarbeiterin; sein Vater wurde 1944 von der Gestapowegen kommunistischer Aktivitäten verhaftet und verschwand spurlos. Er besuchte zunächst eine Techikerschule in Ungarn, bevor er in der UsSSR an der Hochschule in Rostow am Don Wirtschaft und Finanzen studierte. Nach seiner Rückkehr in die Heimat war er zunächst im Finanzministerium tätig. Nach der Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstands in Jahre 1956 trat er der berüchtigten und im Volke verhaßten Miliz des Innenministeriums bei, und ab 1959 arbeitete er im Außenministerium. Von 1985 bis Oktober 1989 gehörte er dem Zentralkomitee an und machte sich in dieser Zeit einen Namen als Reformer. Von 1985 bis 1989 war Horn Mitglied des ZK der KP und Staatssekretär im Außenministerium. von 1989 bis 1990 war Außenminister in der letzten kommunistischen von Miklós Németh (*1948) geleiteten Regierung Ungarns. Am 27. Juni 1989 durchtrennte er eigenhändig den Stacheldraht an der ungarisch-österreichischen Grenze und ermöglichte am 10./11.9. DDR-Bürgern die Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland, womit er mit zum Umsturz in der DDR beitrug. 1990 wurde Horn Vorsitzender der neugegründeten ungarischen Sozialdemokratischen Partei (MSZP), die aus der Kommunistischen Partei hervorgegangen war. Als die Partei bei den Wahlen zum Parlament im Mai 1994 die absolute Mehrheit erreichte, wurde Horn vom Staatspräsident Arpád Göncz mit der Regierungsbildung beauftragt, und am 15.7.1994 wurde Horn als Ministerpräsident vereidigt. Die von ihm eigeleiteten Maßnahmen zur Reduzierung der Staatsschulden kosteten ihn Sympathien bei den Wählern. So mußte seine Partei bei den Parlamentswahlen im Mai 1998 beträchtliche Einbußen hinnehmen und wurde nur mehr zweitstärkste Fraktion hinter den rechtsliberalen Jungdemokraten FIDESZ, dessen Vorsitzender Viktor Orbán (*1963) im Juni 1998 das Amt des Ministerpräsidenten übernahm; im September 1998 legte Horn dann auch den Parteivorsitz nieder.

Auszeichnungen u.a.: Internationaler Karlspreis in Aachen (1990).

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Budapest, Kerepesi Temetö

Fritz Schloß

 

 

Deutscher Politiker (SPD); war 1919 Gründungsmitglied der und bis 1923 Vorsitzender der Jungsozialisten von Groß-Berlin. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der ehemalige Magistratsrat im Januar 1946 von den alliierten Besatzungsmacht zum Bezirksbürgermeister des damaligen Bezirks Tiergarten von Berlin ernannt und später in einer Wahl im Amt bestätigt. 1952 trat das langjährige SPD- und Senatsmitglied aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt als Bürgermeister zurück, lehrte er noch bis 1954 an der Hochschule für Politik als Dozent.

1955 wurde auf dem Gebiet, auf dem sich früher ein Militärgelände befand, ein Park geschaffen, der ihm zu Ehren den Namen Fritz-Schloß-Park erhiel und der für zahlreiche sportliche Aktivitäten Verwendung findet.

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Bilder: Claus Harmsen (stones&art, 2016)

Berlin, Waldfriedhof, Potsdamer Chaussee

Bilder: Klaus Meinert (05/2016)
Politiker XXXVIII

Omnibus salutem!