Bilder: Jochen Kliebisch (03/2007)

Eugen Richter

Deutscher Politiker und Publizist; von Haus aus Jurist, gehörte der als ein Vertreter des “Manchestertums" galt und als Liberaler ab 1867 dem Reichstag des Norddeutschen Bundes und ab 1869 auch dem preußischen Abgeordnetenhaus angehörte, galt als einer der einflußreichsten Führer der Deutschen Fortschrittspartei und seit 1884 zusammen mit Stauffenberg der Deutschfreisinnigen, und nach deren Auseinanderfallen seit 1893 der rechtsliberalen Freisinnigen Volkspartei. Nach dem Todes Leopold Freiherr von Hoverbecks im Jahre 1875 übernahm er 1875 den Vorsitz der liberalen Reichstagsfraktion. Er war einer der schärfsten Kritiker der Politik Otto von Bismarcks, der Nationalliberalen und der Sozialdemokraten. Von 1885 bis 1904 leitete er die Freisinnige Zeitung. Er war ein unbequemer Politiker: für seine Schrift Über die Freiheit des Schankgewerbes erhielt er einen Verweis und die Magdeburger Spukgeschichte von 1862, die in der Niederrheinischen Volkszeitung und in der Magdeburger Zeitung veröffentlicht wurde, brachte ihm ein Disziplinarverfahren ein. Als er zum Bürgermeister von Neuwied gewählt wurde, wurde er für dieses Amt vom Regierungspräsidenten nicht bestätigt. Richter, der als Parlamentsberichterstatter der Elberfelder Zeitung nach Berlin ging, brachte 1891 seine Schrift Sozialdemokratische Zukunftsbilder heraus.

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Hagen OT Delstern (Westf.) Friedhof

Bild: Stuart Jones (01/2003) flickr.com

Thomas Woodrow Wilson

1912

28. US-amerikanischer Präsident (1913-21); der Sohn eines presbyterianischen Pfarrers lehrte ab 1885 Geschichte, Rechts- und politische Wissenschaften, ab 1890 lehrte er als Professor an der Princeton-Universität in New Jersey und von 1902 bis 1910 Präsident der Universität. 1910 kandidierte er als Demokrat erfolgreich für das Amt des Gouverneurs von New Jersey. 1912 gewann er als Kandidat der Demokraten gegen William H. Taft und Theodore (“Teddy”) Roosevelt die Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Als solcher initiierte er wichtige Gesetze, die der Kongreß 1913 verabschiedete: den Underwood-Simmons Tariff Act, der den Zolltarif neu ordnete, den Federal Reserve Act zur besseren Kontrolle des Bankensystems sowie 1914 den Federal Trade Commission Act, der eine neue Ära der bundesstaatlichen Wirtschaftsregulierung einleitete. 1916 konnte er das Verbot von Kinderarbeit durchsetzen sowie die Einführung des Achtstundentages für Angestellte und Arbeiter der privaten Eisenbahngesellschaften - damals ein wichtiger Servicebereich. Außenpolitisch führte die Verquickung des reformerischen Impulses mit wirtschaftlichen Interessen zu zahlreichen, zum Teil gewaltsamen Einmischungen in die Angelegenheiten anderer Staaten, besonders Zentralamerikas und der Karibik (Interventionen in Haiti 1915 und in Mexiko 1916). Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges proklamierte Wilson die Neutralität der USA und hielt zunächst an diesem Kurs fest, obwohl die deutsche Seekriegführung das deutsch-amerikanische Verhältnis zunehmend belastete (Lusitania-Zwischenfall 1915). Erst mit der Wiederaufnahme des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs durch das Deutsche Reich, der Februarrevolution und dem Zimmermann-Telegramm änderte sich die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staate, und am 6.4.1917 traten die Vereinigten Staaten unter seiner Führung in den Ersten Weltkrieg ein. Im Januar 1918 schlug er als Basis eines Friedens mit den Achsenmächten ein 14-Punkte-Programm vor, das u.a. das Selbstbestimmungsrecht der Völker und die Schaffung eines Völkerbundes zur Verhinderung weiterer Kriege vorsah. Bei den Verhandlungen, die zum Friedensvertrag von Versailles führten, konnte er jedoch nur einen Teil seiner Vorschläge realisieren. Die Hoffnung der deutschen Bevölkerung auf einen milden Frieden realisierte sich nicht: Nachdem das Deutsche Reich Rußland 1918 im Frieden von Brest-Litowsk harte Bedingungen aufgezwungen hatte, änderte sich Wilson Position gegenüber Deutschland; er war jetzt der Meinung, auch das deutsche Volk müsse für den Krieg bestraft werden (“disciplining Germany“). Wegen gesundheitlicher Probleme bemühte sich Wilson nicht mehr um eine zweite Amtsperiode. Sein Nachfolger im Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten wurde 1921 der Republikaner Warren G. Harding.

Auszeichnungen u.a.: Friedensnobelpreis (1919) ”für seine Verdienste um die Beendigung des Ersten Weltkriegs und die Gründung des Völkerbunds“.

Während der Verhandlungen in Versailles 1919 (von links: Lloyd George, Orlando, Clemenceau, Wilson)

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Washington (DC), National Cathedral

Bilder: Dr. Hans-Peter Laqueur

Eduard Lasker eigentl. Isaak Lasker

Preußischer Politiker und Jurist; der Sohn des Kaufmanns studierte ab 1847 Mathematik und Philosophie an der Universität Breslau. Beeinflußt durch die politischen Ereignisse der Revolution von 1848, die er in Wien erlebte, begann er ein Jurastudium. Nach dessen Beendigung lebte er ab 1853 in England, kehrte 1857 nach Berlin zurück, legte am dortigen Amtsgericht sein zweites juristisches Staatsexamen ab. Da er jedoch als Jude nicht in den Staatsdienst übernommen wurde, betätigte er sich journalistisch. Im Verfassungskonflikt 1865 wurde Lasker bei der Nachwahl als Mitglied der Deutschen Fortschrittspartei, der er bis 1866 angehörte, in das Preußische Abgeordnetenhaus gewählt. 1866 gehörte er zusammen mit dem Politiker Hans Victor von Unruh u.a. zu den liberalen Abgeordneten, war der Führer deren linken Flügels, bis er sich 1880 von ihnen trennte. Von 1867 bis 1884 war er Mitglied des Reichstages (MdR).

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Berlin, Jüdischer Friedhof, Schönhauser Allee

Bild: Melody Carter (08/2005)

Llanystumdwy (Wales)

David Lloyd George

Britischer Politiker; 1. Earl Lloyd George of Dwyfor (seit 1945); wurde 1890 Mitglied des Unterhauses (Liberal Party). Begann als walisischer Nationalist und Sozialreformer. Bekannt wurde er durch seinen Redefeldzug gegen den Burenkrieg. Ende 1905 trat er als Präsident des Handelsamts in das Kabinett von H. Campbell-Bannerman ein und rückte 1908 unter H.H. Asquith zum Schatzkanzler auf. Durch die Steuerbelastung der besitzenden Klassen in seinem Budget von 1909 rief er einen heftigen Kampf mit dem Oberhaus hervor, der 1911 mit der Beschränkung des Vetorechts des Oberhauses endete. Nach deutschem Vorbild führte er eine große Sozialreform durch (Alterspensionsgesetz 1908, Zwangsversicherung gegen Krankheit und Arbeitslosigkeit 1911). Lloyd George wurde während des Ersten Weltkrieges zum Premierminister gewählt und war der letzte Liberale, der dieses Amt innehatte.

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Franklin Delano Roosevelt

1933 

US-amerikanischer 32. Präsident (1933-45); studierte ab 1900 an der Harvard Universität und anschließend an der Columbia School of Law und wurde 1907 als Anwalt in New York zugelassen. 1910 als demokratischer Kandidat in den Senat von New York gewählt. Im Wahlkampf von 1912 unterstützte er den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Woodrow Wilson und wurde von 1913 bis 1920 in dessen Kabinett Unterstaatssekretär der Marine. 1920 bewarb er sich erfolglos um die Vizepräsidentschaft. 1921 erkrankte Roosevelt an Kinderlähmung mit der Folge einer schweren Gehbehinderung. Trotz dieses handicaps kehrte er in die aktive Politik zurück, wurde 1928 und erneut 1930 zum Gouverneur von New York gewählt und gewann unter Ankündigung eines “New Deal” genannten Reformprogramms 1932 die Präsidentschaftswahlen gegen Herbert C. Hoover. Roosevelt, der aus einer reichen und einflußreichen Familie stammte und keinerlei Kontakt zu der “normalen” Bevölkerung hatte, erfuhr erst von seiner Frau Eleanor, die sich sozial engagierte, von der kritischen und bedrückenden und kritischen Situation des amerikanischen Volkes.

Eleanor als Schülerin (1898)

Konfrontiert mit den Folgen der durch den Börsenzusammenbruch am 25.10.1929, des sog. Black Friday, andauernden “Great Depression” versuchte Roosevelt - maßgeblich von den Theorien des US-amerikanischen Ökonomen und Soziologen Thorstein Veblen (*1857, †1929), der die Ansicht vertrat, daß die Kapitalisten die nützliche Arbeit anderer durch ihr räuberisches Verhalten ausnützten und so eine positive Entwicklung für alle gesellschaftlichen Teile behinderten, beeinflußt - in der ersten Phase seiner Amtszeit der Stagnation in Wirtschaft und Landwirtschaft und ihren erheblichen gesellschaftlichen Auswirkungen mit einer Politik der Verknappung und gleichzeitig verstärkten Investitionen entgegenzuwirken (National Industrial Recovery Act (NIRA, 1933). 1936 wurde er mit großer Mehrheit wiedergewählt. In seiner zweiten Amtsperiode gelang ihm gegen heftige Widerstände der Wirtschaft, der Demokratischer Partei und des Kongresse innenpolitisch die Umorientierung seines Landes vom “Laissez-faire” zum Prinzip des Sozialstaats. Die Einrichtung einer Arbeitslosenversicherung (Social Security Act) und gesetzliche Bestimmungen zu den Arbeitsbedingungen (Fair Labor Standards Act) 1938 sicherten ihm jedoch die Unterstützung der Arbeiter. Außenpolitisch gab er die Politik des Isolationismus auf und begann 1933 u.a. eine “Politik der guten Nachbarschaft” gegenüber Lateinamerika. Im November 1933 erfolgte die Anerkennung der UdSSR. Als das Deutsche Reich 1940 Frankreich besetzte, konnte er sich gegen die Isolationisten durchsetzen: Der Kongreß genehmigte materielle Unterstützung für Großbritannien gegen Deutschland. Nach dem japanische Angriff der Japaner auf Pearl Harbor am 7.12.1941 trat en die Vereinigten Staaten an der Seite von Großbritannien und der Sowjetunion in den Zweiten Weltkrieg ein. Zuvor (1940) war Roosevelt - als bislang einziger Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten - für eine 3. Amtsperiode wiedergewählt worden. Zusammen mit Winston Churchill verkündete er im August 1941 in der Atlantikcharta die gemeinsamen Kriegsziele, und auf der Konferenz von Casablanca im Januar 1943 einigten sich Roosevelt und Churchill auf die bedingungslose Kapitulation der Achsenmächte (Deutsches Reich, Italien und Japan) als Kriegsziel. In Jalta legten die beiden und Stalin im Februar 1945 schließlich ihre Pläne für eine Nachkriegsordnung vor, wobei Roosevelt eine harte Linie gegenüber Deutschland befürwortete und den sog. Morgenthau-Plan (vorgelegt von und benannt nach Henry Morgenthau jr.) unterstützte. Zugleich setzte er sich für ein System ein, das künftig kriegerische Auseinandersetzungen durch Verhandlungen verhindern sollte. Auf diese Idee geht die Gründung der Vereinten Nationen (United Nations, UN) und deren Sicherheitsrat zurück. Verheiratet war er seit 1905 mit Eleanor Roosevelt (*1884, †1962), einer entfernten Verwandten, die von 1946 bis 1951 Vorsitzende der UN-Menschenrechtskommission war.

 

potsdamer konferenz archiv uk

Von links nach rechts: Churchill, Roosevelt, Stalin; im Hintergrund: 2. von links Molotow (Potsdam 1945) The National Archives UK

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Hyde Park (Dutchess County) Franklin D. Roosevelt National Historic Site

Hinweis: In dem Doppelgrab ist auch der in New York verstorbene Politiker und Jounalist Eduard Lasker, ein Freund und Kampfgefährte Ludwig Bambergers beigesetzt. Die Grabstätte wurde 2002 von der Deutschen Bank AG restauriert.

Bilder: Mel Mashman (06/2006)

Hans Victor von Unruh

Deutscher Politiker; legte bei Karl Friedrich Schinkel sein Baumeisterexamen ab, ohne jedoch anschließend bei ihm zu arbeiten; vielmehr unternahm er Studienreisen nach England und Frankreich. Nach seiner Rückkehr wurde er trat er in den preußischen Staatsdienst und wurde Wasserbauinspektor bei der Regierung in Breslau. Ab 1844 ließ er sich aus dem Staatsdienst beurlauben, um als verantwortlicher technischer Leiter den Bau der Eisenbahnstrecke von Potsdam nach Magdeburg zu übernehmen. Zwei Jahre später wurde er vom Magdeburger Oberbürgermeister Franke aufgefordert, für die Eisenbahn die Planung und den Bau der Strecke von Magdeburg nach Wittenberge zu übernehmen; um Erfahrungen für den Bau der Brücke über die Elbe bei Wittenberge zu gewinnen, begleitete er August Borsig nach Belgien, Frankreich und England. 1848 wurde er in die preußische verfassungsgebende Versammlung gewählt, deren Präsident er vom 28.10. bis 5.12. war. 1849 wurde er in die zweite Kammer des Preußischen Landtags gewählt. Nach dessen Auflösung war er politischen Repressalien in Preußen (insbesondere vom Handelsminister von der Heydt) ausgesetzt. So werden Verordnungen direkt auf seine Person zugeschnitten und die Wahl zum Magdeburger Oberbürgermeister verhindert. 1851, auf dem Höhepunkt der Anfeindungen durch den preußischen Staat, verließ er die Politik und wechselte in die Industrie über und gründete zusammen mit Wilhelm Oechelhaeuser die Deutschen Continental-Gas-Gesellschaft (Conti) in Dessau. 1859 war er Mitbegründer des Deutschen Nationalvereins und später der Deutschen Fortschrittspartei (von 1861 bis 1863 erster Vorsitzender). Von 1863 bis 1873 war er Mitglied der zweiten Kammer des preußischen Abgeordnetenhauses. 1866 söhnte er sich mit Otto von Bismarck aus, der die Liberalen für seine Politik der "Revolution von oben" braucht. 1867 gründete er zusammen mit R. von Benningsen die Nationalliberale Partei.

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Bild: Martina Schulz

Dessau, Neuer Begräbnisplatz

Ulrich Graf Brockdorff-Rantzau

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Deutscher Diplomat, Jurist; aus altem schleswig-holsteinischen Adel entstammend; Sohn eines Regierungsassessor, der bereits im Alter von 32 Jahren verstarb; studierte ab 1888 Rechtswissenschaft in Neuchâtel (Neuenburg), Freiburg im Breisgau, Berlin sowie in Leipzig. Von 1891 bis 1893 diente er im preußischen Heer beim 1. Garderegiment zu Fuß, das er im Range eines Leutnants verließ. 1894 trat er als Attaché in den Dienst des Auswärtigen Amtes ein. Sein erster ausländischer Dienstort war Brüssel. 1897 wurde er zum Legationssekretär in Sankt Petersburg, 1901 zum Legationsrat in Wien ernannt, wo er später auch als Botschaftsrat diente. Von 1909 bis 1912 bekleidete er das Amt des Generalkonsuls in Budapest. Anschließend wurde er Gesandter in Kopenhagen. Ab Februar 1919 führte der parteilose Diplomat nach der Abdankung Kaiser Wilhelms II. als erster Reichsaußenminister der Weimarer Republik die deutsche Delegation bei den Friedensverhandlungen in Versailles, trat jedoch im Juni 1919 als Gegner der Unterzeichnung des Versailler Vertrages zurück. Von 1922 bis 1928 war er Botschafter in Moskau. Aufgrund der Einschränkungen durch den Versailler Friedensvertrag wandte sich die Politik des Deutschen Reiches der jungen Sowjetunion zu. 1922 schloß Deutschland mit der UdSSR den sog. Vertrags von Rapallo, der u.a. Passagen über eine Zusammenarbeit auf militärischem Gebiet enthielt. Brockdorff-Rantzau war ein Gegner der militärischen Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern - er sah den Ausgleich mit den Westmächten gefährdet -, trat aber entscheidend für ein Zustandekommen des sog. Berliner Vertrages ein, der 1926 schließlich geschlossen wurde. In ihm sicherte die Weimarer Republik der Sowjetunion im Falle eines von ihr geführten Krieges gegen einen Drittstaat Neutralität zu.

Brockdorff-Rantzau starb im Alter von nur 59 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls während er zu Besuch bei seinem Bruder in Berlin war.

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Bild: Lutz Clausen

Schleswig, Im ehemaligen Park von Schloß Annettenhöh

Bild: Moofpocket (03/2006) Wikipedia.org
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Johannes von Widenmayer

 

Deutscher Politiker und Jurist; nach dem Besuch des St. Anna-Gymnasium in Augsburg und dem Abitur studierte er als Stipendiat der Stiftung Maximilianeum an der Universität von München Rechtswissenschaften, bevor er an die Universität Heidelberg wechselte und dort 1863 promovierte. Im Juni des selben Jahres wurde er zum Bürgermeister der Bodenseestadt Lindau gewählt, und 1870 erfolgte seine Wahl zum Zweiten Bürgermeister von München. Im Februar 1888 trat er nach dem Tode seines Vorgängers Alois von Erhardt das Amt des Ersten Bürgermeisters an. Unter seiner Ägide fanden eine Reihe von grundsätzlichen Veränderungen statt, aufgrund der starke Zunahme der Bevölkerung in der bayrischen Hauptstadt beschäftigte sich der Magistrat unter seiner Federführung erstmals mit der Stadtplanung und deren Erweiterung. 1890 wurden u.a. Schwabing und Neuhausen eingemeindet, 1892 wurde, nachdem die Prinzregentstraße angelegt worden war, auch Bogenhausen eingemeindet. Zuvor war auch noch der “Wiener Markt“, bis heute einer einer der vier ständigen Märkte für Lebensmittel und Blumen in München, angelegt. Die sanitäre Situation wurde durch den Bau der Schwemmkanalisation verbessert, und in seiner Amtszeit wurde auch die Neuordnung des Schulwesens, die bereits unter Erhardt begonnen hatte, u.a. wurde bereits seit 1870 kein Schulgeld mehr erhoben, fortgesetzt. Johannes von Widenmayer führte sein Amt bis zu seinem Tode aus; er erschoß sich.

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Bilder: Alex Toth (05/2014)

München, Alter Südlicher Friedhof

Hilmar Hoffmann

 

 

Deutscher Kulturpolitiker und -funktionär (SPD); einer von drei Söhnen eines Bremer Textilkaufmanns, der ein Textilgeschäft in der Hansestadt führte, das in Konkurs ging, als der Vater “spurlos verschwand”. Seine dann alleinerziehende Mutter pachtete zunächst eine Tankstelle im westfälischen Lünen und leitete später ein Waisenhaus in Oberhausen. Nach einem Notabitur 1943 an der damaligen Horst-Wessel-Oberschule in Oberhausen wurde er im Sommer 1944 zum Kriegsdienst herangezogen, diente in einer Fallschirmjägereinheit und geriet 1944 in der Normandie in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft und kam in ein Kriegsgefangenenlager in den Rocky Mountains. Nach dem Ende des Krieges studierte er Regie an der Folkwang Hochschule für Musik und Theater in Essen und arbeitete als Regieassistent an den Bühnen der Stadt Essen. 1951, im Alter von 26 Jahren, wurde er Direktor der Volkshochschule in Oberhausen, wo er 1954 die Kurzfilmtage gründete und 1965 Kultur- und Sozialdezernent wurde.

Ab 1970 war Hoffmann, Dezernent für Kultur und Freizeit und prägte über einen Zeitraum von 20 Jahren das Kulturleben der Main-Metropole; so initiierte er u.a. die kommunalen Kinos und das Museumsufer in Frankfurt und gründete das erste Filmmuseum, das erste Architekturmuseum und das erste jüdische Museum Deutschlands. Gemäß seines Mottos "Kultur für alle!" richtete er Stadtteilbibliotheken ein. Am Schauspiel Frankfurt führte er in den 1970er Jahren ein Mitbestimmungsmodell ein, indem er den Intendantenposten abschaffte; Entscheidungen wurden nunmehr durch ein Dreierdirektorium, bestehend aus einem Regisseur, einem Bühnenbildner und einem Schauspieler, getroffen. Hoffmann konnte das Amt aufgrund seines hervorragenden Rufs auch weiterführen, nachdem 1986 die CDU die Wahl des Stadtparlaments gewonnen hatte.

Nach 1990 fungierte er als Geschäftsführer der Stiftung Lesen, und von 1993 bis 2001 war er Präsident des Goethe-Instituts in München.. Im Folgejahr wurde er im Auftrag des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) Vorsitzender der Hessischen Kulturkommission. Von 1985 bis 2011 war Hoffmann Vorsitzender des Verwaltungsrats im Deutschen Filminstitut und ,museum in Frankfurt am Main. Außerdem war er von 1990 bis 2011 Vorsitzender des Programmbeirats der privaten Sender RTL (Köln) und Hit Radio FFH.

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Ignaz Seipel

Österreichischer Theologe (kath.); Politiker; Sohn eines Wiener Fiakers,

 

 

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Bilder: 07/2018

Frankfurt am Main OT Oberrad, Waldfriedhof

Bilder: KN (05/2006)

Wien, Zentralfriedhof

Politiker XXXIX

Omnibus salutem!