Nikita Sergejewitsch Chruschtschow [russ. Никита Сергеевич Хрущёв]

          1961

Sowjetischer Politiker, Generalsekretär der KPdSU (1953-64), Ministerpräsident der UdSSR (1958-64); Sohn eines einer Bauernfamilie entstammenden Bergarbeiters, der 1908 aus Westrußland in die Ukraine in das dortige wichtige Steinkohlen- und Industriegebiet übergesiedelt war. Nach einer Ausbildung zum Maschinenschlosser arbeitete Nikitia Chruschtschow zunächst als Monteur und Mechaniker im selben Bergbaubetrieb wie sein Vater, später in verschiedenen Bergwerksbetrieben des Donezgebietes als Ingenieur. Zu jener Zeit schloß er der Bergarbeiter-Gewerkschaft an. In Jusowka, das 1924 in Stalino umbenannt wurde und heute Donezk heißt, lernte er den Bolschewiken Lasar Kaganowitsch kennen, der sein Protégé wurde, ihn förderte und mit dem er über lange Jahre hinweg im Politbüro zusammenarbeitete, bevor er mit anderen Altstalinisten Anfang der 1960er Jahren seines Posten enthoben und abgeschoben wurde. 1918 trat Chruschtschow in die Kommunistische Partei (KP) sowie in die Rote Armee ein und nahm als Freiwilliger an der Südfront am Bürgerkrieg teil. Anschließend besuchte er ab 1922 die Arbeiterfakultät in Charkow und wurde nach deren Abschluß 1925 zum Parteisekretär des Bezirks Petrowo-Marinsk im Gebiet Stalino ernannt. Im selben Jahr reiste er nach Moskau und nahm dort am XIV. Parteitag der KPdSU teil, auf dem er erstmals Stalin sah. Zwei Jahre später, im Dezember 1927, erlebte er auf dem XV. Parteitag die Auseinandersetzungen mit der Linken in der Partei und deren Niederlage, die dazu führte, daß Leo Trotzkij das ZK der Partei verlassen mußte, 1928 nach Kasachstan verbannt und mittels Beschluß vom 20.1.1929 der Sowjetunion verwiesen wurde. Chruschtschow wurde zu einem treuen Anhänger Stalins, der ihn in den Parteiapparat der Ukraine befördert. Von 1929 bis 1932 studierte er an der Parteihochschule in Moskau. Hier lernte er auch Stalins zweite Frau Nadeschda Allilujewa kennen. 1931 wurde er Parteichef des Industriebezirks Krasnaja Presnja, eines der wichtigsten Parteibezirke Moskaus, 1932 Zweiter Sekretär 1936 mit Stalindes Stadtparteikomitees, 1933 Chef des Moskauer Gebietsparteikomitees. 1934 erfolgte die Wahl in das Zentralkomitees (ZK) der KPdSU. 1935 wurde Chruschtschow schließlich erster Sekretär der der Moskauer Parteiorganisation (nochmals von 1949-53) und war als solcher bis 1938 u.a. für die Städteplanung zuständig (für seine Verdienste um den Bau der Moskauer Untergrundbahn erhielt er seinen ersten Lenin-Orden). 1938 erfolgte seine Ernennung zum Ersten Parteisekretär der Ukraine, 1939 wurde er Mitglied des Politbüros der KPdSU. Während der gesamten Säuberungsaktionen, die Stalin in der Partei durchführte, um alte Weggefährten auszuschalten, blieb Chruschtschow unbeirrt Parteigänger Stalins und übersteht unbeschadet die Zeit, in der viele, Stalin nahestehenden Genossen ausgeschaltet, verbannt oder eliminiert werden. Während des “Großen Vaterländischen Krieges” war er von 1941 bis 1945 politischer Kommissar und im Rang eines Generalleutnants an verschiedenen Frontabschnitten tätig. Nach dem Ende des Krieges baute er die KP der Ukraine wieder auf und bekämpfte erfolgreich die ukrainischen Partisanen, wurde aber, als er die sich zuspitzende Hungersnot nicht in den Griff bekam, im Februar 1947 vorübergehend von Kaganowitsch als Erstem Sekretär der Ukraine abgelöst, kehrte aber bereits im Dezember des selben Jahres auf seinen Posten zurück. Am 16.12.1949 wurde er in Moskau Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU. Nach dem Tode Stalins wurde das Sekretariat des ZK von sechs auf vier Mitglieder verkleinert, wobei Chruschtschow einer der Vier unter dem neuen Regierungschef Georgi M. Malenkow wurde. Außerdem wurde das Politbüro umgebaut, indem die Anzahl der Vollmitglieder reduzierte wurde. Am 26.6.1953 wurde Stalins gefürchteter Innenminister und Geheimdienstchef Lawrenti Beria verhaftet. Im Januar 1955 kritisierte er öffentlich den "Neuen Kurs" Malenkows, und nachdem am 8.2. auf einer Sitzung des Obersten Sowjet ein Brief Malenkows verlesen wurde, in dem dieser Selbstkritik übte und seinen Rücktritt erklärte, wurde der bisherige Verteidigungsminister Nikolaj Bulganin zum neuen Regierungschef gewählt. Um die Sowjetunion aus ihrer Erstarrung nach dem Tode Stalins zu lösen, beschloß Chruschtschow eine Änderung des politischen Kurses. Dem Politbüro legte er einen Untersuchungsbericht die Herrschaftsmethoden und die Verbrechen Stalins vor und kündigte an, diese auf dem im Februar 1956 stattfindenden XX. Parteitag öffentlich zu machen. Da alle Politbüromitglieder, wie er selbst auch, in irgendeiner Weise in diese Verbrechen verstrickt waren, wollte er alle Schuld alleine Stalin zuschieben. Trotz dieser Zusicherung waren alle dagegen, da sie auch Auswirkungen auf die Blockstaaten befürchteten. Chruschtschow aber ließ sich nicht beirren. In Absprache mit ihm hielt Anastas Mikojan einen stalinkritischen Vortrag und kritisierte den Personenkult Stalin - sozusagen als Vorbereitung auf die von Chruschtschow geplante Rede. Am letzten Tag des Parteitags, dem 25.2., erfolgte dann von den fast 1.500 Delegierten Chruschtschows mehrstündige Rede, in der er mit Stalin abrechnete (die Delegierten waren zuvor aufgefordert worden, sich keinerlei Notizen zu machen, die Rede wurde dann jedoch über polnische Kanäle auch in der westlichen Welt bekannt). Wie erwartet, hatte seine Ausführungen Auswirkungen nicht nur auf die größte kommunistische Partei im Westen, diejenige in Frankreich, sondern v.a. auf diejenigen Parteien im Ostblock. So führte sie schließlich zu Unruhen in Polen und zum Ungarischen Volksaufstand. 1957 verdrängte er Kritiker seiner Politik aus Partei und Regierung, und als Bulganin 1958 zurücktrat, übernahm Chruschtschow als Ministerpräsident auch die Regierungsgeschäfte. Außenpolitisch setzte Chruschtschow auf ”friedlichen Koexistenz”, stimmte 1955 der Souveränität Österreichs zu. Die Entspannungspolitik hatte jedoch seine Grenzen in der Niederwerfung des Ungarischen Volksaufstandes im Jahre 1956, im Berlin-Ultimatum von 1958 und dem Bau der Berliner Mauer 1961. 1962 kam es zu einer Konfrontation mit den U.S.A. durch die Stationierung von Raketen auf Kuba (Kubakrise); schon am Rande einer kriegerischen Auseinandersetzung, möglicherweise auch mit atomaren Waffen, lenkte Chruschtschow am 28.10.1962 in Geheimverhandlungen, in denen Robert Kennedy im Auftrage seines Bruders einem Abzug von Jupiter-Raketen aus der Türkei als Gegenleistung zustimmte, gegenüber dem US-Präsidenten John F. Kennedy ein. In seiner Amtszeit verschärfte sich der ideologischen Konflikt mit der Bruderpartei in China, der KPCh, aus dem eine Auseinandersetzung um den Anspruch auf die Führung der kommunistischen Weltbewegung entstand. Da außerdem die Sowjetunion zunehmend unter wirtschaftlichen Problemen litt, wurde Chruschtschow am 14.10.1965 durch das Zentralkomitee der KPdSU vom Amt des Staats- und Parteichefs enthoben. Neuer Regierungschef wurde der bisherige Erste stellvertretende Ministerpräsident, Alexej N. Kossygin (*1904, †1980), neuer Parteichef der bisherige Vorsitzende des Präsidiums des Obersten Sowjet und einstiger Schützling Chruschtschows, Leonid I. Breschnew (*1906, †1982). Seitdem wurde Chruschtschow in der sowjetischen Öffentlichkeit als “Unperson” behandelt.

Memoiren (in engl. Sprache): Khrushchev Remembers (1970, dt. Chruschtschow erinnert sich - Die authentischen Memoiren).

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Benito Mussolini

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Italienischer Politiker; der Sohn eines Schmiedes war 1900 bereits in die Partita Socialista Italiana (PSI) eingetreten, arbeitete 1901 zunächst in seinem Heimatland als Volksschullehrer, emigrierte 1902 dann aber in die Schweiz, wo er sich mit den Gedanken Georges Sorels (*1847, †1922), Louis Auguste Blanquis, Friedrich Nietzsches und Karl Marx’ beschäftigte und unter den dortigen italienischen Arbeitern für den Sozialismus Agitation betrieb, so daß er 1904 schließlich ausgewiesen wurde. Zurück in Italien, leistete er 1905/06 seinen Militärdienst ab und arbeitete anschließend in Norditalien als Lehrer und Journalist. 1908 ging er in das damals zu Österreich gehörende Trentino, wo er für die nationalistische Irredenta kämpfte, wurde 1909 aber auch dort wegen seiner agitatorischen Aktivitäten ausgewiesen. In Forlì gründete er die sozialistische Wochenzeitung Lotta di Classe (Klassenkampf). Als er den italienischen Kolonialkrieg in Libyen (1911/12) offen kritisierte, wurde er 1911 vorübergehend inhaftiert. Auf dem Parteitag der PSI 1912 hatte Mussolini als Führer des internationalistischen, revolutionären Flügels der Partei maßgeblichen Anteil am Sturz der Parteiführung und bestimmte fortan den Kurs der Partei. Er wurde Chefredakteur der sozialistischen Parteizeitung Avanti!, die er bis zu seinem Ausscheiden aus der Redaktion 1914 auf eine Auflage von 100.000 Exemplare steigern konnte. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, an dem er ab 1915 teilnahm und 1917 verwundet aus der Armee entlassen wurde, gründete er im März 1919 in Mailand die nationalistische, antiliberale und antisozialistische Bewegung Fasci di Combattimento, die 1921 in den Partido Nazionale Fascista umgewandelt wurde, und legte sich selbst den Titel Duce (Führer) zu. Mit dem faschistischen Marsch auf Rom am 27./28.10.1922 setzte Mussolini die Regierung so unter Druck, daß König Viktor Emanuel III. ihn am 31.10.1922 zum Ministerpräsidenten ernannte. Gestützt auf die konservativen Eliten aus Wirtschaft, Armee und Kirche, bildete Mussolini eine Koalitionsregierung mit den konservativ-bürgerlichen Parteien. 1922 richtete Mussolini den Gran Consiglio del Fascismo ein. Mussolini, der sich mehrmals mit Hilter in chamberlain_mussolini_bdDeutschland und Italien getroffen hatte, war vom nationalsozialistischen Pomp so beeindruckt, daß er sich fortan von Hitler beeinflussen ließ.

mit Chamberlain

Zunächst neutral, dann aber geblendet von den deutschen Kriegserfolgen, trat Italien am 10.6.1940 an der Seite Deutschlands in den Zweiten Weltkrieg ein, erklärte 1941 auch der Sowjetunion und den USA den Krieg. Er entsandte Kompanien nach Nordafrika und Griechenland und nach dem Beginn des Rußlandfeldzugs im August 1941 zwölf schlecht vorbereitete Kompanien an die dortige Front. Nach militärischen Niederlagen, inneren Krisen und angesichts der wachsenden Opposition nach der Landung der Alliierten im Süden Siziliens ab 10.7.1943 sprach der faschistische Großrat dem Duce das Mißtrauen aus; der König setzte ihn am 25.7.1943 ab, ließ ihn verhaften und verbannte Mussolini zunächst auf die Insel Ponza, auf der er an seinem 60. Geburtstag eintraf. Die faschistische Partei wurde aufgelöst, und König Viktor Emanuel selbst übernahm den Oberbefehl über die Armee. Am 3.9. schloß der neue Ministerpräsident Pietro Badoglio (*1871, †1956) einen Waffenstillstand mit den Alliierten, die inzwischen Süditalien besetzt hatten. Da Hitler in Norditalien eine faschistische Republik installieren wollte, ließ er Mussolini am 12.9.1943 von deutschen Fallschirmjäger unter der Beteiligung von Otto Skorzeny aus dem Campo Imperatore am Gran Sasso d'Italia befreien und mit einem Fieseler Storch ausfliegen. Wenige Tage danach begründete Mussolini die faschistische, von Deutschland abhängige Repubblica Sociale Italiana (Republik von Salò). In dieser Zeit wurden einige von denen, die zu seinem Sturz beigetragen hatten, vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Unter den Verurteilten befand sich auch Graf Ciano (*1903, †1944), u.a. ehemaliger Außenminister Mussolinis und verheiratete seit 1930 mit dessen Lieblingstochter Edda (*1910, †1995). Dennoch beugte sich Mussolini dem Wunsche Hitlers und ließ auch Ciano erschießen. Nach dem Zusammenbruch der Italienfront im April 1945 versuchte Mussolini - versteckt auf einem Fahrzeug einer deutschen Flakeinheit und in einen  Wehrmachtsmantel gekleidet - zusammen mit seiner Geliebten Clara Petacci - über das Veltlin in die Schweiz zu fliehen, wurde jedoch am 28.4.1945 in Dongo am Comer See von Partisanen gefangengenommen und an der Uferpromenade des an der Nordseite des Comer Sees ca. 20 Kilometer südlicher gelegenen Nachbarortes Giulino di Mezzegra ohne Gerichtsverfahren mit Maschinenpistolen erschossen. Die beiden Leichen wurden am folgenden Tag auf der Piazzale Loreto in Mailand öffentlich für Photos zur Schau gestellt, von der aufgebrachten Bevölkerung mit Tritten malträtiert und schließlich zusammen mit drei anderen Faschisten kopfüber vom Dach einer Tankstelle aufgehängt.

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Bratislava, Slavicie udolie

Tschiang Kai-Schek [chin. 蔣介石] eigentl. Jiang Jieshi

                    

Chinesischer Politiker und General; der Sohn eines Salzhändler studierte nach Absolvierung der nationalen Militärakademie in Baoding Militärwissenschaft in Japan, wo er Sun Yatsen traf und sich dessen “Revolutionärer Liga” (Tongmeng hui) anschloß, der Vorläuferin der chinesischen Nationalpartei “Kuomintang” (KMT). Bei Ausbruch der Revolution von 1911 kehrte Tschiang nach Shanghai zurück und war 1912 am Sturz der kaiserlichen Regierung und an der Errichtung der Republik China beteiligt. 1912 nahm er an der zweiten Revolution und 1915/16 am Feldzug gegen den Politiker und Kriegsherrn Yuan Shikai (*1859, †1916) teil. 1923/24 hielt er sich in Moskau im Auftrag Sun Yatsens auf, um u.a. von der Sowjetregierung Unterstützung für China zu erhalten. Zurückgekehrt wurde er 1924 Leiter der mit sowjetischer Hilfe errichteten Militärakademie in Whampoa, dem Ausbildungslager der Armee der KMT. Nach dem Tode Sun Yatsens im März 1925 übernahm er die Führung und den Oberbefehl der KMT, ließ sich 1928, nachdem er Südchina und zwischen 1926 und 1928 die Militärmachthaber im Norden besiegt und die Gebiete in den Herrschaftsbereich seiner 1927 in Nanking errichteten Nationalregierung einbezogen hatte, zum Präsidenten der “Chinesischen Republik” wählen. Bis Mitte der 1930 Jahre setzte Tschiang seinen Kampf gegen die chinesischen Kommunisten unter Mao Tse-tung und Zhou Enlai u.a. mit Unterstützung deutscher Militärs (Generaloberst Hans von Seeckt) fort, versuchte den Japanern Widerstand zu leisten, die 1931 die Mandschurei besetzt hatten und trieb 1934 die Kommunisten auf ihren Langen Marsch. Als er 1936 von seinem General Zhang Xueliang (“Zwischenfall von Xi’an”) gefangengenommen wurde, sah er sich zu einem “Burgfrieden” mit den Kommunisten gezwungen und mit ihnen eine Einheitsfront gegen die Japaner zu bilden. Im Japanisch-Chinesischen Krieg (1937-45) fand Tschiang Anerkennung als Führungspersönlichkeit. Er mobilisierte Chinas Bevölkerung zur Abwehr der japanischen Invasion und versuchte zugleich, die Kommunisten zurückzudrängen. 1942 wurde er Oberbefehlshaber der alliierten Truppen in China. Als Japan 1945 kapitulierte, kam es erneut zum Bürgerkrieg in China. Ab 1947 gelang es den Kommunisten durch eine Generaloffensive bis 1949 das gesamte Festland zu erobert, so daß Tschiang sich gezwungen sah, mit seiner Frau Song Meiling, der Schwester der Ehefrau Sun Yatsens, Qingjing, nach Taiwan zu fliehen. Dort proklamierte er im Dezember 1949 die provisorische Regierung der Republik China, mit einer vorübergehenden Hauptstadt Taipei und betrieb zwischen 1950 und 1975 offiziell eine Politik der Rückeroberung von China (Mainland China), die von den USA finanziell und materiell unterstützt wurde. Als Anfang der 1970er Jahre immer mehr Staaten die Volksrepublik China anerkannten, verloren Taiwan und Tschiang immer mehr an Bedeutung.

mit seiner Frau Meiling

 

 

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Alexander Dubček

mit Breschnew und Kossyginmit Alexej Kossygin (Mitte) und Leonid Breschnew

Tschechoslowakischer Politiker; Schlosserlehre, von 1958 bis 1970 Mitglied des Zentralkomitees und von 1963 bis 1969 Mitglied des Politbüros der tschechoslowakischen KP. Zunächst von Parteichef Antonín Novotny gefördert, wurde er Sprecher des Reformflügels innerhalb der tschechoslowakischen KP. Im Januar 1968 wurde er Nachfolger Novotnýs und leitete eine Demokratisierung von Gesellschaft und Staat und eine Liberalisierung der Wirtschaft mit dem Ziel ein, Sozialismus und Demokratie miteinander zu kombinieren - einen “Sozialismus mit menschlichem Antlitz” (sog. Prager Frühling). Dabei stellte er weder die Führungsrolle der KPÈ noch das Bündnis mit der UdSSR in Frage. Dann aber setzte sich Gustáv Husák von Dubčeks Reformplänen ab, und die Sowjetunion, die um ihre Vorherrschaft im Ostblock fürchtete, ließ nach anfänglichem Wohlwollen 21. August 1968 - gestützt auf die Breschnew-Doktrin - Truppen des Warschauer Paktes in die ČSSR einmarschierten In der Folge kam es in Prag zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den einem Aufruf zum zivilen Widerstand gefolgten Pragern und den mit ihren Panzern in die Innenstadt eingerückten sowjetischen Soldaten; fast 100 Menschenleben waren zu beklagen. Dubček verlor seine Funktion als Chef der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei; und übernahm den Vorsitz in der Nationalversammlung. Er wurde gemeinsam mit anderen Reformern mit einem sowjetischen Militärflugzeug nach Moskau gebracht, wo sie das sog. Moskauer Protokoll unterzeichnen mußten; lediglich der Vorsitzender der Nationalen Front Frantisek Kriegel verweigerte die Unterschrift. Am 27.8.1968 kehrten die Reformer in die Tschechoslowakei zurück. Dubček kehrte auf seinen Posten als Erster Parteisekretär zurück, wurde jedoch 1969 aller Ämter enthoben, 1970 aus der KP ausgeschlossen und in die Forstverwaltung abgeschoben. 1989 wurde er rehabilitiert und neben Václav Havel zu einer der führenden Persönlichkeiten in der postkommunistischen Tschechoslowakei; im Dezember 1989 einstimmig zum Präsidenten des neuen, demokratischen Parlaments gewählt, mußte er dieses Amt jedoch nach den Wahlen vom Juni 1992 abgeben. Er starb an den Folgen eines Verkehrsunfalls.

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Bruno Kreisky

Porträt aus Copyrightgründen leider nicht verfügbar

 

 

 

Österreichischer Politiker (SPÖ) und Bundeskanzler von Österreich (1970-1983); Sohn wohlhabender jüdischer Eltern; war als Mitglied der Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ) nach der gewaltsamen Unterdrückung des sozialdemokratischen Februaraufstandes (1934) durch die Regierung Dollfuß von 1935 bis 1937 in Haft. Nach dem “Anschluß” Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 wurde er erneut verhaftet und emigrierte nach seiner Entlassung im August 1938 nach Schweden, wo er Willy Brandt kennenlernte. Von 1946 bis 1951 war Kreisky als Legationssekretär an der österreichischen Botschaft in Stockholm tätig, und war 1951 politischer Berater des Bundespräsidenten Theodor Körner, 1953 Staatssekretär für Auswärtige Angelegenheiten im Bundeskanzleramt. Bei den Moskauer Verhandlungen im Jahre 1955, die zum Österreichischen Staatsvertrag führten, spielte eine wichtige Rolle. Von 1956 bis 1983 war er Mitglied des Nationalrat, von 1959 bis 1966 Außenminister, von 1967 bis 1983 Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Österreichs und von 1970 bis 1983 Bundeskanzler, danach bis 1987 Ehrenvorsitzender der SPÖ.

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Sir Winston Leonard Spencer Churchill

Im Alter von 19 Jahren              

Britischer Staatsmann, Premierminister von Großbritannien (1940-45 und 1951-55); der ältester Sohn von Lord Randolph Churchill und der US-Amerikanerin Jennie Jerome besuchte die Königliche Militärakademie in Sandhurst, diente in Indien und im Sudan: 1899 nahm er Abschied vom Militär und war während des Burenkrieges Korrespondent in Südafrika. Ab 1900 zunächst Mitglied des Unterhauses für die Konservative Partei, wechselte er 1904 zur Liberalen Partei, war von 1908 bis 1910 Handelsminister unter dem Liberalen Herbert Henry Asquith und Innenminister (1910/11). Als Erster Lord der Admiralität (Marineminister, 1911-15) war er mitverantwortlich für die Torpedierung der Lusitania (7.5.1915) durch das deutsche U-Boot 20, welches in der Folge den Kriegseintritt der USA bedeutete. Er modernisierte die Marine und betrieb ihre Aufrüstung, mußte aber nach Scheitern der Gallipoli-Kampagne als Erster Lord der Admiralität zurücktreten, war anschließend Bataillonskommandeur in Frankreich, wurde 1917 durch Premierminister David Lloyd George ins Kabinett zurückgerufen, 1917/18 Munitionsminister, von 1918 bis 1921 Kriegs- und Luftfahrtminister. kehrte er 1924 zur Konservativen Partei zurück, war 1924 Schatzkanzler im konservativen Kabinett von Stanley Baldwin, verlor jedoch bei der Übernahme der Regierung durch die Labour Party 1929 sein Ministeramt. Nach der Kriegserklärung Großbritanniens an Deutschland im September 1939 wurde er unter dem Druck der Öffentlichkeit als Erster Lord der Admiralität wieder Regierungsmitglied, trat am 10.5.1940 die Nachfolge Neville Chamberlains als Premierminister einer Allparteienregierung an, war zugleich Verteidigungsminister. Als nach der Niederlage Frankreichs und des seitens der neuen französischen Regierung unter Marschall Philippe Pétain mit Deutschland geschlossenen Waffenstillstands, unterschrieb er am 5.8.1940 einen Vertrag über den Wiederaufbau der polnischen Armee in Großbritannien. In der Folge dienten in der Armee und Luftwaffe des Vereinigten Königreichs exilierte polnische Offiziere und Soldaten. Insbesondere in der Air Force gab es nur wenige gut ausgebildete Piloten, so daß im beginnenden Luftkampf um England gegen die erfahrenen deutschen Piloten polnische Flieger eingesetzt waren. Als das Massaker von Katyn vom April und Mai 1940 bekannt wurde, bei dem etwa 4.400 polnische Militärs und Intellektuelle liquidiert wurden, ließ Churchill die Version verbreiten, daß die deutsche Wehrmacht hierfür verantwortlich sei, obwohl er wußte, daß es von Angehörigen des NKWD der Sowjetunion durchgeführt worden war. Wladyslaw Sikorski, Ministerpräsident der polnischen Exilregierung, seinen polnischen Verbündeten, der ebenfalls den wahren Verursacher des Gemetzels kannte, hinderte er daran, die Wahrheit zu verbreiten; Churchill wollte auf jeden Fall eine Verärgerung Josef Stalins, seines wichtigste Verbündete gegen das Deutsche Reich vor dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg, verhindern. Churchill, nunmehr das Symbol des Widerstands gegen Hitler und Nazi-Deutschland und des britischen Durchhaltewillens, forderte die französische Flotte auf, sich den Briten zu unterstellen oder sich selbst zu versenken, um eine Beteiligung an einer befürchteten deutschen Invasion Großbritanniens zu verhindern. Als sich die vor dem algerischen Hafen Mers-El-Kebir ankernden Teile der französischen Flottenverbände weder zu dem einen noch dem anderen Ultimatum, ein Handeln zu erkennen gab, kam die von ihm ausgearbeitete “Operation Catapult” zur Anwendung, im deren Laufe britische Kriegsschiffe am 3.7.1940 auf die - eigentlich verbündeten - französischen Schiffe das Feuer eröffneten, das Schlachtschiff Bretagne versenkten, das Schlachtschiff Dunkerque und mehrere Zerstörer schwer beschädigten. Bei der Aktion kamen auf französischer Seite fast 1.300 Seeleute zu Tode, weitere 350 wurden verwundet. Die Folge war, daß das Vichy-Regime die diplomatischen Beziehungen zu Großbritannien abbrach. Zusammen mit dem US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt unterzeichnete Churchill im August 1941 die Atlantikcharta; in der Folge erhielt Großbritannien, das seit der Niederlage Frankreichs auf sich gestellt war, umfangreiche militärische, wirtschaftliche und moralische Unterstützung aus den USA. Nach dem Kriegseintritt der USA und der UdSSR 1941 bildete Churchill die “Große Allianz” zwischen Großbritannien, den USA und der UdSSR, bestimmte zusammen mit Roosevelt auf der Konferenz von Casablanca 1943 die Kriegsziele der Alliierten: Im Juli 1945, während der Potsdamer Konferenz, verloren die Konservativen die Wahl, und Churchill mußte zurücktreten, war jedoch von 1951 bis 1955 nach einem erneuten Wahlsieg der Konservativen erneut Premierminister, mußte jedoch wegen eines Schlaganfalls im gleichen Jahr zurücktreten und widmete sich in seinen letzten Jahren der Malerei und dem Schreiben.

Werke u.a.: The Second World War (1948-54, 6 Bde., dt. Der Zweite Weltkrieg), A History of the English-Speaking Peoples (1956-58, 4 Bde., dt. Geschichte der englischsprachigen Völker).

Auszeichnungen u.a.: Nobelpreis für Literatur (1953).

 

Februar 1945 in Jalta (v.l. Churchill, Roosevelt, Stalin), am linken Bildrand Molotow.

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Wien, Zentralfriedhof

Predappio, Friedhof, Cripta Mussolini

Moskau, Friedhof am Neujungfrauenkloster

Bladon (Oxfordshire), Saint Martin’s Churchyard

Rede Churchills zur Aufrüstung Europas gegen Nazi-Deutschland

Tzuho (Cihhu), Taoyuan County, Tschiangs Landhaus am See des Wohlwollens

Bilder: Peter Malaschitz
Bild: Jiang (06/2005) GNU-FDL
Bild: Jiang (06/2005) GNU-FDL
Bilder: Karen Brinkman Rogers (05/2006)
Bild: KN (1979)
Bild: Mike Gonzalez (05/2003)
Bilder: KN (1996)
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Friedrich Graf von Reventlou

Schleswig-Holsteiner Staatsmann; entstammte einer Familie des alten schleswig-holsteinischen Ritteradels; Sohn des königlich dänischen Kammerherrn und Generalmajors Graf Heinrich von Reventlou; studierte ab 1816 Rechtswissenschaften, zunächst an der Georg-August-Universität Göttingen, wechselte aber zum Sommersemester 1818 nach Jena und im folgenden Semester schließlich an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. 1820 legte er sein erstes juristisches Staatsexamen ab, schlug die Justizlaufbahn ein und trat als Auskulator in das Obergericht in Glückstadt ein. Dort wurde er später auch zum Gerichtsrat ernannt, und im Jahr 1834 wurde er Mitglied des Oberappellationsgerichts in Kiel. Er spielte in den beratenden Ständeversammlungen seit 1834 eine bedeutende Rolle. Als die dänische Krone die historisch entstandenen Landesrechte der Herzogtümer Schleswig und Holstein ändern wollte, lehnte Reventlou, der seit 1836 Probst des evangelischen adeligen Damenstifts Preetz war, dieses Ansinnen ab, beantragte 1844 eine Protestnote gegen dieses Vorhaben und bekämpfte zugleich demokratische Tendenzen im Innern. Auch als ein neues Kataster zur gerechteren Steuerverteilung erstellt werden sollte, opponierte er dagegen, setzte sich aber andererseits für die Aufhebung der bisherigen Trennung von adligen und bürgerlichen Gutsbesitzern ein und plädierte für eine neue Landgerichtsordnung. Auch beim Protest im Jahr 1846 gegen Maßnahmen von König Christian VIII. den Status quo zu ändern, war er maßgeblich beteiligt. Die Protestadresse und die Beschwerde der Stände beim Bundestag in Frankfurt am Main gehen im wesentlichen auf ihn zurück. Weitere Verhandlungen mit der Krone lehnte er ab, solange das Mitbestimmungsrecht der Stände nicht gesichert sei. Die Situation verschärfte sich, als im Januar 1848 der König starb und dessen Nachfolger Friedrich VII. eine Verfassung für das gesamte Königreich ankündigte. Als sich die Situation nach dem Umsturz in Kopenhagen und dem Sieg der nationalen eiderdänischen Partei im März 1848 eneut veränderte, wurde in Schleswig und Holstein eine gemeinsame provisorische Regierung gebildet, deren Mitglie Reventlou war. Nachdem sich die provisorische Regierung am 22.10.1848 aufgelöst und Dänemark im März 1849 im Deutsch-Dänischen Krieg den Waffenstillstand aufgekündigt hatte, ernannte ihn die provisorische Zentralgewalt 1849 gemeinsam mit Wilhelm Hartwig Beseler zum Statthalter der Herzogtümer Schleswig und Holstein. Nach dem Scheitern des Versuchs, die Personalunion der Herzogtümer mit Dänemark völlig zu lösen und nach der Restitution der dänischen Herrschaft wurde er des Landes verwiesen und zog sich 1853 auf die von ihm erworbenen Gütern in der Niederlausitz zurück. Ab 1861 war Reventlou Mitglied des preußischen Herrenhauses.

 

  

Neben dem Eingang zum Klosters in Preetz steht dieses Denkmal, errichtet zum Gedenken an Friedrich Graf von Reventlou (Bilder: Klaus Beneke).

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Preetz (Schleswig-Holstein), Friedhof

Louis-Antoine-Léon de Saint-Just

                                                  

 

Französischer Revolutionär; Sohn eines Kavalleriehauptmanns; verbrachte seine Jugend in Blérancourt (Dép. Aisne) und besuchte von 1777 bis 1785 in Soissons die höhere Schule der Oratorier und riß, nachdem er wieder in sein Elternhaus zurückgekehrt war, nach Paris aus. Als er Silbergegenstände, die er von zuhause mitgenommen hatte, verkaufen wollte, wurde er von der Polizei aufgegriffen und seiner Mutter übergeben, die ihn in eine Nervenheilanstalt einweisen ließ. Dort verfaßte er das epische GedichtOrgant in zwanzig Gesängen, in dem er sich über die französische Monarchie und Aristokratie lustig machte, das 1789 veröffentlicht wurde. Im Oktober 1787 begann er an der Universität von Reims ein Studium der Rechtswissenschaften, das er bereits im April 1788 erfolgreich abschließen konnte. Nach Beginn der Französischen Revolution wurde er zum Leutnant der Nationalgarde in Blérancourt im Département Aisne ernannt. Erstmals in Kontakt mit Maximilien de Robespierre nahm er im August 1790 mit einem Brief auf (“Sie, der Sie das wankende Vaterland gegen den Sturzbach des Despotismus und der Intrige stützten, den ich nur wie Gott, nämlich aus Ihren Werken kenne“ und weiter „Ich kenne Sie nicht, aber Sie sind ein großer Mann. Sie sind keineswegs nur Abgeordneter einer Provinz, sondern der Menschheit und der Republik“). Wie Robespierre empfand er eine große Sympathie für die antiken Republiken Athens und Roms und für Brutus, derCaesar, der in Begriff war, eine Diktatur zu errichten, ermordete. Sein Ideal war die Errichtung einer Republik nach dem Vorbild des antiken Sparta, in der Tugendliebe und Gleichheit herrschten. Bei den Wahlen zur gesetzgebenden Versammlung im Jahre 1791 wurde er von seiner Gemeinde als Abgeordneter gewählt. Auf Einspruch hin wurde die Wahl wegen seines jugendlichen Alters zunächst nicht anerkannt, aber aufgrund der Änderung des Wahlbeschlusses wurde der Einspruch wieder aufgehoben, so daß er ein Jahr später 1792 als Abgeordneter für Aisne in den Nationalkonvent entsandt werden konnte. Am 18.9.1792 traf Saint-Just in Paris ein. Am 13.11.1792 wurde er in den Ausschuß im Jakobiner-Klub gewählt, der die neue Verfassung für Frankreich vorbereiten sollte, und im folgenden Jahr wurde Saint-Just, der dem engeren Kreis um den Jakobinerführer Robespierre angehörte, in den Wohlfahrtsausschuß berufen.Inspiriert von den Werken Jean-Jacques Rousseaus entwickelte er scharfe Angriffe u.a. gegen Ludwigs XVI.; ("Man kann nicht unschuldig herrschen... jeder König ist ein Rebell und ein Usurpator”), und setzte sich vehement und erfolgreich für dessen Hinrichtung ein. Als Mitglied des Ausschusses entsandte man ihn gemeinsam mit Philippe-François-Joseph Le Bas im Oktober 1793 zur Überwachung , Motivierung und Disziplinierung der Truppen ins Elsaß. In Straßburg ließ er Eulogius Schneider, Revolutionsführer im Elsaß und “Marat von Straßburg” genannt, der durch die von ihm angeordneten Massenexekutionen Unruhe auch bei Offiziere und Soldaten ausgelöst hatte, guillotinieren. Wenig später gelang es der Armee, im Rheinland einzumarschieren.Nach einer kurzen Rückkehr nach Paris ging er mit gleichen Zielen im April 1794 zur Nordarmee in Belgien, wo es ihm gelang, die französische Revolutionsarmee zu Siegen bei Charleroi und Fleurus zu führen. Aufgrund der militärischen Erfolge gestärkt. wurde Saint-Just am 19.2.1794 zum Präsidenten des Konvents gewählt. Ausgestattet mit dieser neuen Macht, brachte er erfolgreich im Februar bzw. März die lois de ventôse ein, mittels deren u.a. Eigentum eingezogen bzw. umverteilt werden konnte. Als einer der radikalsten Republikaner unterstützte er Robespierres Schreckensherrschaft und spielte 1794 eine entscheidende Rolle beim Sturz der Girondisten, die am 24.3. hingerichtet wurden, gefolgt am 24. März 1794 von der Exekution der Hébertisten; im April folgten dann die Verurteilung und Hinrichtung Dantons. 26.6.1794 nahm er an der Schlacht bei Fleurus teil, einem bedeutenden Sieg der französischen Revolutionsarmee, bevor er nach Paris zurückkehrte, wo er erkannte, daß sich Robespierres Position stark verändert hatte. Ebenso wie Robespierre führten auch ihn die unhaltbaren Zustände undLa Grande terreur zum Schafott. Unmittelbar nach Robespierres Sturz, stellte er sich an dessen Seite, und der Konvent ordnete am 27. Juli 1794 auch die Verhaftung Saint-Justs an; bereits einen Tag später wurde er gemeinsam mir Robespierre und anderen mittels Guillotine hingerichtet (man hatte die Guillotine, die am Abend vor der von Jacques-Louis David vorbereiteten Fête de l'Etre suprême (Fest des Höchsten Wesens), das am 8. Juni 1794 begangen wurde, an den südöstlichen Stadtrand geschafft worden war, eigens dieser Hinrichtung wieder auf der Place de la Révolution (heute Place de la Concorde) aufgestellt.

Rötelzeichnung, pinxit Christophe Guérin (Straßburg, Herbst 1793)

Saint-Just verfaßte zahlreiche Artikel zu Angelegenheiten der Revolution. In seiner Gedankensammlung L'Esprit de la Revolution , die am 20.6.1791 veröffentlicht wurde, entwickelte er seine radikalen Vorstellungen in Bezug auf eine egalitäre Gesellschaft, u.a. Regelungen über die Erziehung von Kindern (“Die Kinder gehören bis zum fünften Jahr ihrer Mutter und danach bis zu ihrem Tode der Republik“), über die Ehe, über Privatverträge, über die Verwendung von Privatvermögen in einem jährlichen Rechenschaftsbericht, über die staatliche Gewalt (“In jeder Revolution ist ein Diktator notwendig, um den Staat durch Gewalt zu retten, oder Zensoren, um ihn durch Tugend zu retten“), über das Verhalten von Soldaten etc..

 

Exekution am 28. Juli 1794: u.a. Lebas (5), Couthon (6), Augustin Robespierre (8), Hanriot (9), Maximilien Robespierre (10), Dumas (11), Saint Just (12).

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Hinweis: Urspr. wurde Saint-Just auf dem heute nicht mehr vorhandenen Cimetière des Errancis mit anderen in eine bereits vorbereitete Grube geworfen und mit gelöschtem Kalk überschüttet, “um zu vermeiden, daß eines Tages mit ihnen ein Kult getrieben wird.”

Anläßlich des Baus einer Straßenkreuzung am Boulevard Malesherbes wurden seine und die Gebeine anderer 1860 in die Katakomben von Paris überführt, wo sie nicht mehr lokalisierbar sind.

Politiker IV

Omnibus salutem!