Adnan Menderes

 

Türkischer Politiker; war 1946 Mitbegründer der Demokratischen Partei, die am 14.5.1950 die ersten wirklich freien Wahlen mit überwältigender Mehrheit gewann, und von 1950 bis 1960 Ministerpräsident. Infolge der zunehmend autoritären Machtausübung der Regierung und ihres immer weitergehenden Abweichens von den Prinzipien Atatürks kam es am 27.5.1960 zur Machtübernahme durch das Militär. Allen Ministern und Abgeordneten der gestürzten Regierung wurde von 1960 bis 1961 der Prozeß gemacht. 15 Todesurteile wurden verhängt, drei vollstreckt, und zwar gegen Menderes sowie die Minister Zorlu und Polatkan. Schon bald begann eine Rehabilitierung im öffentlichen Bewußtsein, seit den 1980er-Jahren auch ganz offiziell: Straßen wurden nach Adnan Menderes benannt, eine Universität in seiner Heimatstadt und der internationale Flughafen von Izmir. Er und die beiden anderen 1961 hingerichteten wurden am 17.9.1990 (dem 29. Jahrestag seiner Hinrichtung) mit einem Staatsakt vor den Stadtmauern von Istanbul in das für sie errichtete “Anit Mezar” (etwa: Grabmonument) überführt.

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Bild: Dr. Hans-Peter Laqueur (04/2001)

Istanbul, Anit Mezar

Bilder: Claus Harmsen (stones&art, 03/2007)

Petra Karin Kelly née Lehmann

  Quelle: de.wikipedia

Deutsche Politikerin; die Stieftochter eines US-amerikanischen Offiziers, der in Deutschland stationiert war und mit der Familie in die USA zurückgekehrt war, war nach ihrer Heimkehr in die Heimat 1971 als Beamtin bei der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel tätig. Kelly, seit Anfang der 1970er Jahre Mitglied des BBU und später dessen Vorstand, war bis 1979 Mitglied der SPD, trat dann aus der Partei aus, wurde und im gleichen Jahr Gründungsmitglied der Partei “Die Grünen” sowie von 1980 bis 1982 eine ihrer Vorsitzenden. Nachdem die Grünen 1983 mit 5,6 Prozent der Stimmen den Sprung in den Deutschen Bundestag schafften, war sie bis zu ihrem Ausscheiden 1990 dessen Mitglied. Kelly engagierte sich besonders in der Friedens-, Menschenrechts- und Ökologiebewegung (erhielt 1982 den alternativen Nobelpreis). Am 19.10.1992 wurde sie zusammen mit ihrem Mitstreiter und Lebensgefährten Gert Bastian tot aufgefunden; die Staatsanwaltschaft ging davon aus, daß Kelly von Bastian erschossen wurde, der sich anschließend selbst tötete.

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Würzburg OT Heidingsfeld, Waldfriedhof

Michail Alexandrowitsch Bakunin [russ. Михаил Александрович Бакунин]

bakunin1838_bd bakunin1843_bd ~1863 lks. Selbstportrait

bakunin_us

Russischer Revolutionär und Theoretiker des Anarchismus; altem Landadel entstammend - der Vater war Landbesitzer, seine Muttebakunin_mutter_bdr Varvara (née Murawjowa), entstammte einer alten russischen Familie von Staatsbeamten und Militärs. 1829, im Alter von 15 Jahren, wurde er Kadett an der Sankt Petersburger Artillerieschule, 1834 wurde er wegen Sorgfaltspflichtverletzung und übermütigem Verhalten in die Provinz versetzt; ein Jahr später verabschiedete er sich gegen den Willen seines Vaters aus dem Offiziersdienst, ging nach Moskau und schloß sich dem von Nikolaj Stankewitsch (*1813, †1840) geleiteten Zirkel von “Westlern” an, die philosophische Studien zu Johann Gottlieb Fichte und Georg Wilhelm Friedrich Hegel betrieben. Seit 1840 lebte Bakunin in Berlin, hörte dort an der Universität, 1842 ging er nach Dresden, 1843 in die Schweiz und 1844 nach Paris, wo er mit Pierre Joseph Proudhon und Karl Marx in Verbindung kam. 1848 nahm er am Slawenkongreß in Prag teil. Wegen seiner Mitwirkung am Dresdner Aufstand im Mai 1849, bei dem er mit Richard Wagner auf den Barrikaden stand, wurde er von Gerichten in Sachsen und und nach seiner Auslieferung nach Österreich in Olmütz (heute Olomouc, Tschechien) zum Tod verurteilt, vor der Vollstreckung des Urteils jedoch 1851 nach Rußland ausgeliefert, wo er in Sankt Petersburg, an der Zellenwand der Peter-und-Paul-Festung angekettet, inhaftiert wurde. Dort verfaßte er auf Aufforderung des Zaren Alexander I. seine vielumstrittene “Beichte”, in der er seine Ansichten über die Revolution niederlegte; die Todesstrafe wurde aufgehoben, Bakunin 1857 nach Sibirien verbannt. 1861 konnte er jedoch fliehen und ging über Japan und die Vereinigten Staaten nach London, wo er von 1862 bis 1863 mit Alexander Herzen zusammenarbeitete und sich an der Planung des polnischen Aufstand von 1863 beteiligte. Während seines anschließenden Aufenthaltes in Italien (1864-67) bildeten sich seine anarchistischen Grundauffassungen heraus. Er gelangte zu der Überzeugung, daß eine absolute Freiheit nicht möglich sei, solange es irgendeine Herrschaft gäbe; daher müsse auch der Staat zerstört werden. Diese Ansicht hatte starken Einfluß auf die revolutionäre Entwicklung im Rußland des 19. Jahrhunderts. 1868 trat er der Ersten Internationalen bei, wurde aber 1872 wegen seiner stärkeren Zuwendung zum Anarchismus und des Bruchs mit Marx wieder ausgeschlossen. Im Gegensatz zu Marx forderte Bakunin einerseits die Abschaffung jeglicher staatlicher Obrigkeit, aller politischer, sozialer und auch religiöser Institutionen, andererseits die Schaffung einer Föderation unabhängiger bäuerlicher und industrieller Zusammenschlüsse. Seine Verbindung zu Sergej Netschajew (*1847)1, der im Frühjahr 1869 in die Schweiz gereist war und dort Kontakt zu ihm und Herzen aufgenommen hatte, und ihm vorlog, er sei aus der Haft der zaristischen Polizei geflohen und vertrete in Rußland eine mächtige revolutionäre Organisation und der sich als Held feiern ließ, brachte ihm schließlich die Ablehnung auch der “Internationalen”. Zu seiner zunehmenden Isolierung trug auch seine Sympathie für die Revolution der Polen im russischen Teil Polens bei; er hatte den Kontakt zu den Vorgängen in Rußland verloren und den zunehmenden russischen Nationalismus nicht realisiert.

Ab November 1869 lebte Bakunin in Locarno; 1873 erwarb er die Villa La Baronata in Minusio, und als sich sein gesundheitlicher Zustand im Sommer 1876 dramatisch verschlechterte, kam er in eine Krankenpension in Bern, wo er wenig später starb. 

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1 Netschajew, in Wirklichkeit ein skrupelloser krimineller Terrorist, von Marx gar als “vulgärer Mörder” bezeichnet, hatte mit Hilfe der Tochter Herzens, Natalja, die Reservekasse der russischen Emigranten, den Bachmetowschen Fond, an sich gebracht und Briefe und wichtige Dokumente erschlichen und kehrte im August 1869 mit diesen Unterlagen und dem “Revolutionäre Katechismus”, einer Schrift mit Kampfregeln für netschajew_bddie Revolutionäre und einer Einteilung der Gesellschaft in sechs Kategorien, je nach der Revolution zu erfolgender Behandlung, nach Rußland zurück und gründete dort die Geheimorganisation Narodnaja Rasprawa (dt. Volksrache). Als Iwan I. Iwanow diese Organisation aufgrund von Meinungsverschiedenheiten verließ, wurde er von Netschajew erschossen (Dostojewskij schilderte dieses Ereignis in später seinem Roman Бесы (dt. Die Dämonen). Wera Sassulitsch, der er Liebe vorgetäuscht hatte, schrieb in ihren Memoiren später über ihn: “Er gehörte nicht zu uns, zur Intelligentsia... Sein Haß erwuchs nicht nur gegen die Regierung, gegen die Bürokraten, gegen einzelne Ausbeuter des Volkes, sondern gegen alle Gebildeten, gegen Reiche und Arme, Konservative, Liberale und Radikale. Er war ein Verführer der Jugend. Er kannte kein Mitleid, sondern nur Verachtung der Menschen”.

Netschajew, der sich nach dem Bruch mit Bakunin in Frankreich und England aufhielt, wurde 1872 nach seiner Rückkehr in die Schweiz verhaftet und an Rußland ausgeliefert. Dort wurde er in der Peter-und-Paul Festung inhaftiert, in der er 1882 starb.

Inschrift: Rappelez-vous de celui qui sacrifia tout pour la liberté de son pays (Erinnern Sie sich an jenen, der alles für die Freiheit seines Landes opferte).

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Bern, Bremgartenfriedhof

Fritz Baade

~1960 

Deutscher Politiker und Wirtschaftswissenschaftler; nach Studien der Volkswirtschaft, Medizin, Theologie und weiterer Fächer in Göttingen, Berlin, Heidelberg und Münster und Wehrdienst als Soldat im Ersten Weltkrieg wurde er 1918 Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates in Essen. Nach der Promotion in Göttingen war er ab 1925 hauptamtlich für die SPD und den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB) mit Schwerpunkt Agrarpolitik tätig. 1929 wurde er in das Reichsernährungsministerium als Leiter der "Reichsforschungsstelle für landwirtschaftliches Marktwesen", Reichskommissar der "Deutschen Getreide-Gesellschaft" und Vorsitzender der "Deutsch-Polnischen Roggenkommission" berufen und war von 1930 bis 1933 Reichstagsabgeordneter der SPD für den Wahlkreis Magdeburg. Unter Reichskanzler Heinrich Brüning 1931 gehörte er zu den Autoren des vom ADGB initiierten “WTB-Plans” (Akronym, gebildet aus den Namen der Autoren: Woytinsky, Tarnow, Baade), dessen Ziel der Abbau der Massenarbeitslosigkeit war, indem durch kreditfinanzierte Staatsinvestitionen in Höhe von 2 Milliarden RM eine Wiederbelebung der Konsumgüterindustrie erreicht werden sollte. Nach seiner Entlassung durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933 arbeitete er zunächst erneut als Landwirt, ehe er 1935 vom türkischen Wirtschaftsministerium engagiert wurde (bis 1939). Bis 1946 war er als privater Wirtschaftsberater in der Türkei tätig, anschließend bis 1948 als freier Publizist in den USA. 1948 wurde er in den Verfassungskonvent von Schloß Herrenchiemsee berufen, und von 1949 bis 1965 gehörte er dem Deutschen Bundestag an. Von 1948 bis 1961 war er der Leiter des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel und nach seiner Emeritierung Direktor des Forschungsinstituts für Wirtschaftsfragen der Entwicklungsländer. Baade war Aufsichtsratsmitglied der Howaldt-Werke AG, Vorsitzender der Deutsch-Türkischen Gesellschaft, Senator der Fraunhofer-Gesellschaft und Kuratoriumsmitglied der Deutsche Ibero-Amerika-Stiftung.

mit Theodor Heuss in Kiel (ca. 1952)

 

 

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Bild: Dr. Hans-Peter Laqueur

Kiel, Nordfriedhof

Bild: Dr. Hans-Peter Laqueur

Ignaz Auer

 

Deutscher Politiker; der Sohn eines Fleischermeister 1869 trat nach dem Besuch des Volksschule, einer eine Ausbildung zum Sattler von 1859 bis 1863 und einer Wanderschaft durch Deutschland und Österreich 1869 in die Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) ein. Auf dem Kongreß der SDAP 1878 in Eisenach wurde er in die Programmkommission gewählt. Er war maßgeblich an den Einigungsverhandlungen mit den sogenannten Lassalleanern beteiligt. Auf dem Gothaer Vereinigungskongreß 1875 wurde er in die Funktion eines der beiden Parteisekretäre gewählt, ein Amt, das er bis Ende 1877 ausübte. Anfang 1877 wurde Auer erstmals Mitglied des Reichstags (MdR); er gehörte diesem ferner 1878, 1880/1881, sowie von 1884 bis 1887 und von 1890 bis 1906 an. Aufgrund im Sinne des Sozialistengesetztes von 1878 illegaler Aktivitäten wurde der "bajuwarische Dickschädel" (Rosa Luxemburg), aus Berlin ausgewiesen, anschließend auch aus Hamburg (im Oktober 1880) und aus Harburg (im März 1881). Nach München übergesiedelt, wurde er dort 1886 zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Der St. Gallener Parteitag wählte ihn 1887 neben August Bebel und Wilhelm Liebknecht in die Kommission zur Ausarbeitung eines neuen Parteiprogramms.

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Bilder: Stadtwanderer (2007) flickr.com/photos/stadtwanderer

James Harold Wilson Baron Wilson of Rievaulx (seit 1983)

 The National Archives UKno_copyright (Ausschnitt)

Britischer Politiker (Labour Party) und Wirtschaftswissenschaftler; studierte am Jesus College in Oxford und lehrte ab 1937 Wirtschaftswissenschaften in Oxford. Während des Zweiten Weltkrieges war er in verschiedenen Ministerien tätig. 1945 wurde er für die Labour Party ins Parlament gewählt und war bis 1983 Mitglied des Unterhauses, von 1947 bis 1951 Handelsminister, von 1963 bis 1976 Führer der Labour Party. Während seiner Zeit als Premierminister (von 1964 bis 1970 und nochmals ab 1974) versuchte er durch Preis- und Lohnstopp sowie Wiederverstaatlichung der Eisen- und Stahlindustrie die Wirtschaft zu sanieren und das englische Pfund zu stabilisieren. Zugleich mußte er sich mit den Unruhen in Nordirland auseinandersetzen. Im April 1976 trat er überraschend als Premierminister und auch als Parteiführer zurück, behielt aber seinen Sitz im Parlament; sein Nachfolger im Amt des Premierministers wurde sein Parteigenosse James Callaghan. Mitte 1976 wurde Wilson in den Adelsstand erhoben und 1983 zum Peer auf Lebenszeit und Mitglied des Oberhauses.

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Isles of Scilly, St. Mary’s, Old Church

Bild: Jon (04/2007)

Hans Christoph Ernst Freiherr von Gagern

 

Deutscher Staatsmann und politischer Schriftsteller; Sohn eines Lutheraners und einer Calvinistin; Vater von Heinrich von Gagern; besuchte die Jesuitenschule in Worms und anschließend ab 1779 die Ecole militaire in Colmar, bevor er 1781 ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Leipzig begann und in Göttingen fortsetzte. Im April 1785 trat er in den nassau-weilburgischen Staatsdienst, 1791 war er Gesandter beim Reichstag in Regensburg, ab 1801 nassauischer Unterhändler in Paris und bald darauf als Ministerpräsident in Weilburg des Fürstentums Nassau-Weilburg bis 1811 tätig, als ihn ein von Napoléon erlassenes Dekret, demzufolge es allen linksrheinisch Geborenen verboten war, in irgendeinen Staatsdienst zu treten außer in Frankreich, um Entlassunf aus dem Dienst des Fürstentums nachzusuchen. Er ging daraufhin nach Wien, wo er sich 1812 an den Entwürfen zu einem neuen Aufstand der Tiroler beteiligte - mit der Folge, daß er 1813 aus Österreich ausgewiesen wurde. Er begab sich daraufhin in das preußisch-russische Hauptquartier. 1813 war er nach dem Sieg über Napoléon Mitglied des Verwaltungsrates für die befreiten deutschen Gebiete unter Freiherrn vom Stein. Danach wechselte er nach England, wo er in die Dienste des Kronprinzen Wilhelm Friedrich von Oranien-Nassau trat und für dessen Wiedereinsetzung in den Niederlanden tätig war, und danach ernannte ihn Wilhelm, inzwischen seit 30.3.1814 als Willem I. König der Niederlande, zum leitenden Minister der vier oranischen Fürstentümer in Deutschland mit Sitz in Dillenburg. 1815 nahm er als Vertreter Wilhelm von Oranien-Nassau am Wiener Kongreß teil und erwirkte aufgrund seiner geschickten diplomatischen Verhandlungsweise die Vergrößerung des neuen Königreichs der Niederlande durch die belgischen Provinzen und die Begründung des Herzogtums Nassau als oranischem Mittelstaat zwischen Preußen und Frankreich, den er bis 1818 als Gesandter beim deutschen Bundestag in Frankfurt vertrat. 1818 pensioniert, erwarb er das Gut Hornau bei Kelkheim (Taunus) und Höchst am Main im Nassauischen. (heute Hessen), das bis 1866 im Besitz der Familie verblieb, beschäftigte sich mit literarischen Arbeiten über die Vergangenheit und Zukunft der Nation und stand mit vielen bekannten Zeitgenossen in lebhaftem schriftlichem Verkehr.

Verheiratet war Hans von Gagern seit 7.12.1793 mit Caroline, gen. Charlotte, Freiin von Gaugreben (*1776, †1881); aus der Ehe gingen zehn Kinder hervor – sechs Sühne und vier Töchter.

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Kelkheim (Taunus) OT Hornau, Friedhof

Bilder: Timm Kaiser (01/2012)

Berlin, Zentralfriedhof Friedrichsfelde (Gedenkstätte der Sozialisten)

Kurt Hager

 

 

Deutscher Politiker (DDR); Sohn eines Arbeiters; nach Besuch von Volks- und Oberrealschule legte Hagen, der bereits Mitglied des Sozialistischen Schülerbundes und seit 1930 Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschland (KPD) war, 1931 das Abitur ab und arbeitete anschließend als Journalst. 1932 trat er auch in den Roten Frontkämpferbund ein. 1933 wurde er verhaftet und in das KZ Heuberg eingeliefert. weil er eine im Radio übertragene Rede Hitlers gestört hatte.; er wurde jedocb wenig später wieder entlassen.

 

Hager hat als Mitglied des Zentralkomitees (ZK) und des Politbüros des ZK der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) die Kultur- und Bildungspolitik in der DDR maßgeblich mitbestimmt. Er galt als Chefideologe der SED.

 

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Bilder: Klaus Meinert (03/2018)

Berlin-Lichtenberg, Zentralfriedhof Friedrichsfelde

Victor Schœlcher

1885

 

Französischer Politiker; einer bürgerlich-katholischen Familie entstammend; Sohn des aus Füssenheim (Oberrhein) im Elsaß stammenden Marc Schœlcher, des Eigentümers einer Porzellanfabrik, die er nach dem Tode des Vaters erben wird. Schœlcher studierte am lycée Condorce, einer weiterführenden Bildungseinrichtung in Paris. In Paris knüpfte er Kontakt zu Intellektuellen und Schriftstellern, lernte u.a. George Sand, Hector Berlioz und Franz Liszt, der sich dort bereits in den 1820er Jahren aufhielt, kennen.

Nachdem ihn sein Vater als Vertreter des Familienunternehmens  auf eine Geschäftsreise geschickt hatte, die ihn zwischen 1829 und 1831 nach Mexiko, Kuba und die Südstaaten der USA führte, und er in diesem Rahmen die dortige Situation der Sklaven kennengelernt hatte, entwickelte er sich allmählich zu einem Gegner der Sklaverei in den französischen Kolonien. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich arbeitete er als Journalist und verfaßte Bücher, und er schloß sich der Pariser Freimaurerloge Les Amis de la Vérité an, die sich zu dieser Zeit politisch sehr aktiv engagierte, und später der Loge La Clémente Amitié, zog sich jedoch 1844 von der Freimaurerei ganz zurück.

Bereits 1832 hatte er die geerbte Fabrik verkauft, um sich ganz seiner journalistischen gegen die Sklaverei gerichteten Arbeit und seinen philanthropischen Aktivitäten widmen zu können. Zwischen 1833 und 1847 verfaßte er zahlreiche Schriften und Artikel, in denen er die Abschaffung der Sklaverei forderte. Da ihm jedoch bewußt war, daß zur Erhaltung der Wirtschaftskraft in Ländern mit intensiver “Sklavenhaltung” sowohl soziale, wirtschaftliche als auch politische Veränderungen in den karibischen Kolonien vornehmen wären; vertrat die Ansicht, daß beispielweise die Zuckerproduktion in den Kolonien fortgeführt werden sollte, aber neue, modernere Zentralfabriken errichtet werden sollten, in denen Sklavenarbeit vermieden wenden könnte.

Schœlcher war der erste europäische Abolitionist (i.e. Gegner der Sklavenhaltung), der einen großen Einfluß auf die Abolitionistenbewegungen in allen französischen Antillen ausübte. Als Abgeordneter der Nationalversammlung für Martinique war er 1848 Initiator des décret d’abolition de l’esclavage du 27 avril 1848 (Dekret zur Abschaffung der Sklaverei vom 27. April 1848), proklamiert am 22. Mai 1848, das die völlige Abschaffung der Sklaverei in Frankreich und seinen Kolonien festschrieb. 1849 und 1850 vertrat er Guadeloupe in der Nationalversammlung. als Unterstaatssekretär Nach dem Staatsstreich Napoléons III. im Jahr 1851 ging er nach Belgien und später nach London ins Exil und kehrte erst 1870 nach dem Ende der Herrschaft Napoléons III. wieder nach Paris zurück und war und von vertrat 1871 bis 1875 erneut die Interesse Martiniques in der Nationalversammlung. 1875 wurde er zum Senator auf Lebenszeit ernannt.

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Paris: Panthéon

Bilder: Aniie Grillet

Paris, Cimetière du Père Lachaise

Hinweis: Jukes Schœlcher wurde zunächst auf dem Cimetière du Père Lachaise in Paris beigesetzt. Am 20.5.1949 wurden seine sterblichen Überreste zur letzten Ruhe in das Panthéon umgebettet – zugleich mit der Asche des französischen, aus Ägypten stammenden Kolonialpolitikers Félix Éboué.

Robert Arthur Talbot Gascoyne-Cecil, 3rd Marquess of Salisbury

         

Britischer Staatsmann; Premierminister; wurde nach einer Schulausbildung am Eton College und dem Studium am Christ Church College, University of Oxford 1853 als Abgeordneter der Konservativen in das House of Commons (britische Unterhaus), gewählt und war von 1866 bis 1867 sowie von 1874 bis 1878 Indienminister. Als Außenminister in den Jahren 1878 bis 1880 im Kabinett Benjamin Disraelis verhinderte er eine russische Vorherrschaft über das Osmanische Reich und brachte Zypern unter britische Kontrolle. Von 1885 bis 1892, mit einer kurzen Unterbrechung 1886, war er Premierminister und gleichzeitig ab 1887 Außenminister. 1889 sicherte er Großbritannien das Besitzrecht an der späteren Kolonie Rhodesien, 1890 einigte er sich mit Deutschland auf eine Aufteilung Ostafrikas in eine britische und eine deutsche Einflußsphäre, und 1899 gewann er die Zustimmung Frankreichs für eine britisch-ägyptische Kontrolle über den Sudan. Im gleichen Jahr führte er sein Land in den Burenkrieg, mit dem ganz Südafrika unter britische Herrschaft kam und festigte damit weiter die Vormachtstellung Großbritanniens in Afrika. Kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Amt des Außenministers im Jahr 1902 schloß er ein Bündnis mit Japan, das bis nach dem Ersten  Weltkrieg Bestand hatte. Stets verfolgte er eine Politik de Splendid Isolation und des Imperialismus. Innenpolitisch lehnte er einevon Irland geforderte Home Rule (Selbstverwaltung) ab.

Salisbury gab seine Ämter aus gesundheitlichen Gründen am 11.7.1902 auf; Nachfolger wurde sein Neffe Arthur James Balfour.

1857 heiratete er Cecil Georgina Alderson, obwohl sein Vater die Heirat verhindern wollte, da er der Meinung war, die Braut sei nicht “standesgemäß”. Aus der Verbindung gingen fünf Söhne und zwei Töchter hervor.

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Bild:  Gareth E Kegg (09/2014) Wikipedia.en

 Old Hatfield (Hertfordshire), St Etheldreda Church

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Bilder: Andreas Laqueur (08/2019)

Kiel, vor dem Studentenheim Haus Weltclub

Hinweis: Der Grabstein wurde Ende Juli 2019 vom Nordfriehof auf den jetzigen Platz transferiert

Politiker XL

Omnibus salutem!