Bilder: Alexander Krischnig (10/2007)

Alexandros Zaimis [griech. Ἀλέξανδρος Ζαΐμης]

Griechischer Politiker; der Sohn des Thrasivoulos Zaimis, des ehemaligen, zweimaligen griechischen Premierministers (von 1869 bis 1870 sowie von 1871 bis 1872) wurde bereits in jungen Jahren Politiker; 1885 wurde er Mitglied des Parlaments und 1897 erstmals Premierminister. 1906 wurde er Hochkommissar auf Kreta. 1917 wurde er erneut griechischer Premierminister unter König Georg I., während Eleftherios Venizelos eine Gegenregierung in Nordgriechenland etablierte. Im Juni des selben Jahres gab er sein Amt unter Druck der Entente zugunsten Venizelos auf. Als moderater Konservativer übernahm er das Amt des Premierminister erneut von 1926 bis 1928 in einer Koalitionsregierung der Venizelisten mit moderat Konservativen. Er amtierte als Staatspräsident von 1929 bis zur Wiedererrichtung der Monarchie im Jahre 1935.

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Athen, Erster Friedhof

Ernst Heinrich Freiherr von Weizsäcker

Deutscher Diplomat; Bruder von Viktor Weizsäcker, Vater von Carl Friedrich Weizsäcker und Richard von Weizsäcker; diente ab 1900 als Seekadett bei der Kaiserlichen Marine und war u.a. in China, Japan, Rußland, Burma, Indonesien, Thailand und Indien eingesetzt. Ab 1912 gehörte er dem Marinekabinett Kaiser Wilhelms II. in Berlin an. Während des Ersten Weltkrieges folgten verschiedene Tätigkeiten in der Kaiserlichen Marine, u.a. nahm er als Zweiter Flaggoffizier an Bord des Flottenflaggschiffes Friedrich der Große an der Skagerrak-Seeschlacht teil. Ab August 1918 gehörte er wieder dem Admiralstab der Seekriegsleitung unter Admiral Reinhard Scheer an und war von Juni 1919 bis April 1920 Marineattaché in Den Haag, um noch im selben Jahr in den Dienst des Auswärtigen Amtes berufen zu werden. In der Weimarer Republik übernahm er eine Reihe von diplomatischen Aufgaben: Anfang 1921 war er Konsul in Basel, Ende 1924 Gesandtschaftsrat in Kopenhagen, und ab Februar 1927 arbeitete er in Genf im Abrüstungsreferat. Es folgten Tätigkeiten als Gesandter in Oslo (1931) und als Gesandter in der Schweiz (1933). Mitte 1936 vertraute ihm Konstantin Freiherr von Neurath (*1873, †1956) die vorläufige Leitung der Politischen Abteilung an. Anfang März 1937 mußte Weizsäcker nach Bern zurückkehren. Von 1938 bis 1943 war er schließlich Staatssekretär des Auswärtigen Amts und von 1943 bis 1945 Botschafter beim Vatikan; er suchte u.a. durch Warnung Großbritanniens den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zu verhindern beziehungsweise Friedensverhandlungen zu fördern, konnte sich jedoch dem Vorwurf ambivalenter Haltung zum nationalsozialistischen Regime nicht entziehen. Nach Ende des Krieges wurde er 1949 in einem der Nachfolgeprozesse der Nürnberger Prozesse, dem sog. Wilhelmstraßen-Prozeß, zu sieben Jahren Haft verurteilt, aber bereits 1950 im Zuge einer allgemeinen Amnestie entlassen.

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Bild: Steffen Giesler (10/2007)

Stuttgart, Solitudefriedhof

Bild: Ambrett (06/2007)

Jekaterina Alexejewna Furzewa [russ. Екатерина Алексеевна Фурцева]

Sowjetische Politikerin; die gelernte Weberin, die schon mit 14 Jahren Komsomolsin wurde und bald schon verschiedentlich mit Jugendabordnungen im Kreml auftrat, wurde 1930 Mitglied der Kommunistischen Partei der Sowjetunion – KPdSU. Furzewa, die u.a. von 1933 bis 1936 Assistentin der Politabteilung des Luftfahrttechnikums bei Aeroflot war und von 1937 bis 1942 chemische Feintechnologie in Moskau studierte, stieg innerhalb der Nomenklatura der Partei rasch auf. Während der Stalin-Ära fordete die Hardlinerin (Journalisten nannten sie Rußlands “rote Zarin") u.a. die "ideologische Umerziehung" von Wissenschaftlern und war an Säuberungsaktionen Stalins beteiligt. Nach der Ernennung Nikita Chruschtschows zum neuen "starken Mann" war sie von 1950 bis 1954 zunächst Zweite und von 1954 bis 1957 Erste Stadtsekretärin der Moskauer Parteiorganisation. In dieser Funktion war sie bis zu deren durch den Tod Stalins ausgelöste vorzeitige Beendigung für die Verfolgung der angeblichen "Mörderärzte" verantwortlich. Von 1956 bis 1960 war sie als erste Frau Mitglied im Sekretariat des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, und von 1956 bis 1957 als erste Frau Kandidat des Politbüros der KPdSU, des höchsten Parteigremiums. 1957 wurde sie - gefördert von Chruschtschow - bis 1961 als erste Frau in das Politbüro der KPdSU gewählt. Zugleich war sie ab Mai 1960 Kultusministerin und für zwei Jahre stellvertretende Ministerpräsidentin, verlor diese Amt jedoch, bis sie 1966 wiedergewählt wurde. Das Amt einer Unions- und Republikministerin für Volksbildung bekleidete sie von 1960 bis 1964 im Kabinett Chruschtschow und von 1964 bis zu ihrem Tode im Jahr 1974 im Kabinett von Kossygin. Bei den Wahlen zum ”Obersten Sowjet" im Juni 1974 wurde sie als Kandidatin nicht mehr nominiert. Sie behielt zwar das Amt als Kulturministerin, übte ihr Ministeramt jedoch überwiegend nur noch repräsentativ aus. Auf Initiative Furzewas geht das ”Internationale Moskauer Filmfestival“ zurück und die Gründung des ”Internationalen Tschaikowskij-Musikwettbewerbs“. Außerdem betrieb und realisierte sie den Bau des Sportstadions im Moskauer Stadtteil Luschniki.

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Moskau, Friedhof am Neujungfrauenkloster

Bilder: Kay (11/2007)

Louis Auguste Blanqui

                   

Französischer Sozialist; Bruder des Nationalökonomen Jérôme Adolphe (*1798, †1825); studierte Jura und Medizin. Er war ein führendes Mitglied der Republikaner, wirkte am Sturz Karls X. in der Juli-Revolution von 1830 mit und beteiligte sich auch in führender Position am Aufstand von 1848, wurde festgenommen und verurteilt. Nach seiner Freilassung und einer erneuten Verurteilung und Inhaftierung in den Jahren 1861 bis 1865 ging er ins Exil nach Belgien, um von dort aus seinen Kampf weiterzuführen. Nach der Generalamnestie des Jahres 1869 kehrte er wieder nach Frankreich zurück. Wegen seiner Teilnahme am Aufstand der Pariser Kommune von 1871 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt, aber bereits 1879 begnadigt. Seine Anhänger, die Blanquisten, gingen 1901 im Parti socialiste de France (Sozialistische Partei Frankreichs) auf.

Werke u.a.: Critique sociale (2 Bde., 1885; dt. 1886).

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Paris, Cimetière du Père Lachaise

Hermann Ehlers

 

Deutscher Politiker (CDU) und Jurist; der Sohn eines preußischen Postbeamten war nach dem Jurastudium in Berlin im Staatsdienst tätig, bis er 1939 endgültig vom Staatsdienst suspendiert wurde, und zugleich in der Zeit des Nationalsozialismus Mitglied der Bekennenden Kirche und für diese als Rechtsberater tätig. Ab 1945 bis zu seinem Tod war er Oberkirchenrat in Oldenburg, ab 1949 Mitglied des Bundestages (MdB); im Oktober 1950 wurde er in das Amt des Bundestagspräsidenten gewählt, das er bis zu seinem plötzlichen Ableben innehatte. In dieser Eigenschaft ließ er seine kirchlichen Ämter ruhen.

Inschrift: Ich weiß. dass mein Schöpfer lebt.

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Bergen OT Sülze (Ldkrs. Celle)

Bilder: Heiko Bockstiegel (11/2007)

Nicolae Andruta Ceausescu

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Rumänischer Politiker; einer einfachen Bauernfamilie entstammend; wurde 1955 Mitglied des Politbüros und nach dem Todes des Führers der rumänischen Kommunisten, Gheorghe Gheorghiu-Dej (*1901, †1965), den Ceausescu bereits während seiner Inhaftierung von 1940 bis 1944 kennengelernt hatte, 1965 als dessen Nachfolger zunächst Erster Sekretär, dann Generalsekretär der KP. 1967 wurde er auch Staatsoberhaupt (1967-74 Vorsitzender des Staatsrats, ab 1974 Staatspräsident). Außenpolitisch führte die Durchsetzung einer “nationalen Linie” besonders gegenüber der UdSSR zu einer Sonderstellung Rumäniens innerhalb des Ostblocks. Im Westen war er wegen seiner von Moskau vergleichsweise unabhängigen Außenpolitik bis in die Jahre der Perestroika lange ein angesehener Staatsmann, zumal er sich 1968 auch nicht an der militärischen Intervention in der CSSR beteiligte. Innenpolitisch prägte ein zunehmender Personenkult, Byzantinismus und Vetternwirtschaft das gesellschaftliche, kulturelle und ökonomische Leben des Landes. Während er und seine Frau Elena, die seit 1980 als stellvertretende Ministerpräsidentin fungierte, in großem Luxus lebten und das Land in Manier absolutistischer Könige regierten, litt das Volk unter dem radikalen Versuch, Rumänien von einem Agrarland in einen modernen Industriestaat zu transformieren. Ceausecu ließ z.B. in Bukarest rücksichtslos ganze, historisch gewachsene Stadtviertel niederreißen, um den monumentalen Palast der Republik zu bauen und der Hauptstadt ein weltstädtisches Gepräge zu geben. Ebenso wurden ethnische Minderheiten, wie die der Rumäniendeutschen und Rumänienungarn, verfolgt. Ab 1988 wurden Bauern in Wohnblocks der “Agroindustriellen Zentren” zwangsweise umgesiedelt. Jegliche Opposition wurde mittels der Geheimpolizei “Securitate” im Keime erstickt. Ab Herbst 1989 äußerte sich die Unzufriedenheit im Lande mehr und mehr in Form von Demonstrationen gegen den “großen Führer” (Conducator). Am 17.12. erteilte Ceausescu anläßlich einer Demonstration in Timisoara (Temesvar) den Befehl, von den Schußwaffen Gebrauch zu machen, wobei zahlreiche, meist Jugendliche starben. Seit dem 18.12.1989 griffen die Unruhen dann auch auf andere Städte des Landes über. Ceausescu, von einem Kurzbesuch aus Teheran zurück, berief in Verkennung der Lage am 21.12. im Zentrum von Bukarest eine Versammlung ein. Als er vom Balkon des Palast der Republik aus vor 100,000 Menschen eine Rede zu halten versuchte, schlug nach kurzer Zeit fir Stimmung der Verdammelten um; sie begannen zu Pfeiffen, so daß er irritiert den Versuch abbrach, seine Rede fortzusetzen.Auch die Direktübertragung im Fernsehen wurde abgebrochen. Die Securitate eröffnete das Feuer auf die Menge, während das Militär unter Verteidigungsminister Vasile Milea sich weigerte, ebenfalls Gewalt einzusetzen. Auch der Versuch Ceausecus, die aufgebrachten Massen durch eine Ansprache am folgenden Tag zu beruhigen, scheiterte; vielmehr stürmten sie das Parteigebäude, und das Diktatorenpaar versuchte darauhin, mit einem Hubschrauber aus der Hauptstadt zu fliehen. Am 22.12.1989 wurde Ceausescu schließlich gestürzt und verhaftet, nachdem sich am Abend zuvor auch in Bukarest erstmals Demonstranten versammelten, die seinen Rücktritt forderten, regimetreue Einheiten brutalen Gebrauch von ihren Schußwaffen machten und auf dem Universitätsplatz ein nächtliches Massaker anrichteten. Nach einem Geheimprozeß, von dem allerdings Filmaufnahmen existieren, wurde er gemeinsam mit seiner Frau, standrechtlich hingerichtet.

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Bukarest, Friedhof Ghencea

Bild: Giamesh (06/2006) flickr.com

Hinweis: Da der älteste Sohn Ceausescus Zweifel daran geäußert hatte, daß sein Vater hier beigesetzt worden ist, wurde der Leichnam am 21.7.2010 exhumiert. Nachdem die Identifizierung positiv erfolgt war, ist der ehemalige Diktator - jetzt gemeinsam mit seiner Frau - wieder auf dem Ghencea-Friedhof, jedoch an anderer Stelle, beigesetzt worden.

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Bilder: Winfried Münch (09/2011)

Elena Ceausescu geborene Lenuța Petrescu

 

Rumänische Politikerin; einer armen Familie entstammend; war seit 1945 mit Nicolae Ceausescu verheiratet; den sie 1939 kennengelernt hatte; die Schule hatte sie bereits nach nur vier Klassen verlassen. Bis zu der Ernennung ihres Mannes zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei Rumäniens arbeitete sie im rumänischen Außenministerium als Sekretärin. Ab 1969 sammelte eine Reihe von Ämtern an, war u.a. Vorsitzende der rumänischen Akademie der Wissenschaften und erhielt - ohne je studiert zu haben - einen Doktortitel im Fach Technische Chemie (Acad. Dr. Ing), ein Fach, das eigens für sie kreiert wurde. Es erschienen mehrere, angeblich von ihr verfaßte wissenschaftliche Publikationen zum Thema Polymerisation. Ab 1971 bekleidete Elena Ceaușescu, um die der gleiche absurde Personenkult betrieben wurde, wie um ihren Mann, hohe Posten innerhalb der kommunistischen Partei und in der Regierung Rumäniens.

Nachdem Ceausescu am 21.12.1989 bei einer Rede vom Balkon des Palast der Republik ausgepfiffen wurde und die Securitate auf die versammelten Massen schoß und sich die Lage auch am nächsten Tage als äußerst kritisch erwies, als sich die Unzufriedenen am folgenden Tag Zugang zum Palast verschafften, versuchte das Diktatorenpaar mit einem Hubschrauber aus der Hauptstadt zu entkommen, was allerdings scheiterte. Die Ceaușescus wurden schließlich in Târgoviște verhaftet und in einem Schnellverfahren zum Tode verurteilt. Noch kurz vor ihrer standrechtlichen Erschießung fragte Elena, die sich vom Volk stets als “liebende Mutter der Nation“ hatte feiern lassen, die Soldaten des Exekutionskommandos, ob diese nicht wüßen, daß sie auch deren “Mutter“ sei.

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Christopher von Gabel

 

 

Dänischer Diplomat; Sohn eines Kartographen; von Haus aus Kaufmann; war er ab 1639 im Erzbistum Bremen beim damaligen Erzbischof, Herzog Friedrich von Dänemark, als Friedrich III. später König von Dänemark, als Kammerschreiber tätig, bis Dänemark im Lübecker Frieden vom 12.5.1629 auf seine dortigen Ansprüche verzichtete. Spätestens ab 1642 erledigte Gabel die Geschäfte Friedrichs auf dem Kieler Umschlag. 1646 wurde er nach Kopenhagen entsandt, um bei Friedrichs Vater Christian IV. Geld zu beschaffen. Nach dem Tode Christians im Jahre 1648 und Friedrichs Thronbesteigung folgte er diesem nach Kopenhagen, wurde dessen Königlicher Kammerschreiber und Umschlagsverwalter und erledigte die verschiedensten diplomatische Aufgaben für ihn. So führte er nach dem Frieden von Roskilde 1658 im Auftrag Friedrichs III. dreimal geheimer Verhandlungen mit König Karl X. Gustav von Schweden über Gebietsabtretungen - ohne zu wissen, daß dieser unmittelbar vor dem Kriegszug gegen Dänemark stand. In Holland gelang es ihm, in Zusammenarbeit mit den dortigen dänischen Gesandten die Generalstaaten davon zu überzeugen Dänemark gegen Schweden zu unterstützen. Als er im Oktober mit der holländischen Flotte nach Kopenhagen zurückkehrte um dem König von dem Erfolg zu berichten, hatte Karl X. Gustav die Stadt bereits seit August 1658 belagert. Während der über anderthalb Jahre währenden Belagerung Kopenhagens stieg Gabel Bedeutung und seine Macht stetig: Als einer der Königlichen Kommissare sorgte er für die Beschaffung von finanziellen Mittels für die Kriegsführung durch drastische Erhörung der Steuerabgaben, was ihm beim Volk wenig Sympathien einbrachte. Am 13.11.1659 gaben sich die Schweden schließlich geschlagen. Inzwischen war Gabels Einfluß so bedeutend, daß er an den Verhandlungen zum Frieden von Kopenhagen (6.6.1660) teilnahm, der das Ende des Kriegszustands zwischen den Königreichen von Schweden und von Dänemark-Norwegen im Zweiten (kleinen) Nordischen Krieg markierte; Trondheim und Bornholm gingen zwei Jahre nach dem Frieden von Roskilde wieder in dänischen Besitz über.

Als Friedrich III. im Februar 1670 starb, fand Gabels Einfluß ein jähes Ende. Als gegen ihn allseits Vorwürfe erhoben wurden, entließ Christian V. Christopher von Gabel, der während seiner Amtszeit immer reicher geworden war, während sich im Volk große Armut ausgebreitete hatte, am 18. April 1670 sang- und klanglos; er wurde aller Titel und Privilegien beraub - mit Ausnahme der Finanzkontrolle über die Färöer, die er 1654 mit einem Pachtbrief für eine jährliche Pauschale von 1.000 Reichstalern als Belohnung für seine Dienste erhalten hatte, ohne das seine dortigen direkten Einnahmen von dieser Regelung tangiert worden wären.

Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Christopher von Gabel in Kopenhagen.

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Bild: Finn Halling Larsen (09/2015)

Hinweis: Seine Ruhestätte befindet sich eingelassen im Boden unterhalb der Messingplatte.

Kopenhagen, St.-Petri-Kirche

Helmut Heinrich Waldemar Schmidt

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Deutscher Politiker (SPD); älterer von zwei Söhnen eines Lehrerehepaares; besuchte in Hamburg die Lichtwarkschule und legte dort 1937 sein Abitur ab. Nach seinem Einsatz als Offizier der Wehrmacht im Zweiten  Weltkrieg, in dem er im April 1945 in Soltau in britische Kriegsgefangenschaft. geriet, schloß er sich bereits kurz nach seiner Entlassung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) an. Eigentlich hatte er Architekt werden wollen, jetzt aber, bereits 26 Jahre alt und verheiratet und mit einem Kind, scheute er eine erneute Trennung von der Familie, da er die besten Chance für dieses Studium nicht in Hamburg sah. So studierte Schmidt nicht aus Neigung, sondern wegen der relativen Kürze des Studiums .Ökonomie an der Universität Hamburg, wo er seine politische Laufbahn als Bundesvorsitzender des seinerzeit zur SPD gehörenden Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS), dessen Vorsitzender er 1947/48 war, begann. Nach seinem Studienabschluß als Diplomvolkswirt im Jahre 1949 leitete er von 1952 bis 1953 bei der Behörde für Wirtschaft und Verkehr das Amt für Verkehr. Schmidt, der von 1953 bis 1962 und von 1965 bis 1987 Mitglied des Deutschen Bundestags war, erwarb sich in seiner Zeit als Innensenator der Hansestadt Hamburg zwischen 1961 und 1965 bei der Bewältigung der Flutkatastrophe 1962 den Ruf eines “Machers”, so zog er kurzer Hand die Bundeswehr als Hilfe zur Bewältigung der Katastrophe heran und wurde bundesweit bekannt; seine unkonventionelle, zugleich bestimmende Art brachte ihm den Spitznamen Schmidt-Schnauze ein. Von Dezember 1961 bis Dezember 1965 amtierte er unter den Ersten Bürgermeistern Paul Nevermann und Herbert Weichmann als Senator der Polizeibehörde (ab Juni 1962 Innensenator) Hamburgs. Von 1967 bis 1969 war Schmidt Vorsitzender der Bundestagsfraktion der SPD und von 1968 bis 1984 stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD. Nachdem Willy Brandt nach der Bundestagswahl im September 1969 Bundeskanzler geworden war, führte Schmidt in dessen Regierung das Bundesverteidigungsministerium bis 1972, war anschließend, nachdem Karl Schiller das Amt 1972 niedergelegt hatte, das Wirtschafts- und Finanzministerium und von 1972 bis 1974 das Finanzministerium, das er mit großem wirtschaftlichem Sachverstand leitet. Nach dem aufgrund der Guillaume-Affäre erfolgten Rücktritt Willy Brandts als Regierungschef wählte der Bundestag Schmidt am 16. Mai 1974 mit 267 Ja-Stimmen zum fünften Kanzler der Bundesrepublik. Als Bundeskanzler setzte er wie sein Vorgänger Brandt auf eine Politik des Ausgleichs mit den Nachbarn im Osten und schloß Verträge mit der Tschechoslowakei im Jahre 1974 und 1976 mit Polen und führte 1981 weitere Gespräche mit den führenden Repräsentanten der DDR; im Rahmen dieser Gespräche besuchte er im Dezember 1981 gemeinsam mit Honnecker u.a. den Weihnachtsmarkt im mecklenburgischen Güstrow. Zugleich verfolgte er aber auch eine Position der Stärke im westlichen Bündnis und war einer der Urheber des NATO-Doppelbeschlusses. Nach dem Wahlsieg der Koalitionsparteien SPD und FDP 1980 entfernte er sich mit seinem Regierungsstil und seinen politischen Entscheidungen zunehmend von der Parteibasis. Der Rücktritt der vier FDP-Minister in seinem Kabinett leitete seinen Sturz ein: Nach einem konstruktiven Misstrauensvotum wurde er von Helmut Kohl (CDU) abgelöst . Ab 1983 war Schmidt Mitherausgeber der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit.

Verheiratet war Helmut Schmidt mit Loki née Glaser, die er bereits als Schüler der Lichtwarkschule in Hamburg 1929 kennengelernt hatte.

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Hamburg, Friedhof Ohlsdorf

Paul Hirsch

 

 

Deutscher Politiker (SPD); studierte Medizin, dann Sozialwissenschaften und Nationalökonomie an der Friedrich-Wilhelms-Universität und arbeitete ab 1892 als freier Schriftsteller und Journalist. In den 1890er Jahren schloß er sich der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) an. 1899 zog er als Abgeordneter in das Charlottenburger und Berliner Stadtparlament ein. 1908 wurde er als einer der ersten Sozialdemokraten in das preußische Abgeordnetenhaus gewählt, dem er bis November 1918 als Fraktionsvorsitzender der SPD angehörte. Am 12. November desselben Jahres übernahm er im Auftrag des Vollzugsrates der Arbeiter- und Soldatenräte gemeinsam mit dem USPD-Vertreter Heinrich Ströbel den Vorsitz der preußischen Staatsregierung, den Rat der Volksbeauftragten, als Ministerpräsident des Freistaats Preußen und war zugleich bis März 1919 preußischer Innenminister. In dieser Eigenschaft enthob er am 4.1.1919 den der USPD angehörenden Berliner Polizeipräsidenten Emil Eichhorn seines Amtes, worauf die USPD-Mitglieder die Regierung verließen. USPD und Spartakusbund riefen für den nächsten Tag zum Generalstreik auf und bildeten einen Revolutionsausschuß, der zum später so genannten Spartakusaufstand aufrief. Hirsch setzte sich für den Fortbestand Preußens ein. In den Auseinandersetzungen über den Versailler Vertrag sprach er sich gegen eine Unterzeichnung aus. Nach dem Kapp-Putsch trat er am 24.3.1920 mit seiner Regierung zurück, nachdem er wegen fehlender Wachsamkeit heftig kritisiert worden war, behielt aber seinen Sitz im preußischen Landtag bis 1924; sein Nachfolger wurde der SPD-Poiltiker Otto Braun. Von Juli 1920 bis April 1921 war er als parlamentarischer Staatssekretär im preußischen Ministerium für Volkswohlfahrt tätig. Bereits ab Februar 1921 amtierte er als stellvertretender Bürgermeister in Charlottenburg, bis er im November 1925 zum Bürgermeister von Dortmund gewählt wurde. Dieses Amt übte er bis zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 aus.

Nach der “Machtübernahme” der Nationalsozialisten antisemitischer Hetze und Repressonen ausgesetzt, starb er an Altersschwäche und Unterernährung. Seine Frau Lucie Hirsch, née Jacoby, nahm sich ein Jahr später das Leben, um sich der Deportation in ein Konzentrationslager zu entziehen.

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Bilder: Hajo Rackel

Berlin-Weißensee, Jüdischer Friedhof

Bild: Arne Weitzl (05/2012)
Bild: Arne Weitzl (11/2015)
Politiker XLVIII

Omnibus salutem!