Friedrich August von Staegemann

Deutscher Politiker; Vater der Schriftstellerin und Salonnière Hedwig von Olfers; Großvater der Schriftstellerin Marie von Olfers; wurde nach dem frühen Verlust seiner Eltern von Verwandten in das Schindlersche Waisenhaus nach Berlin gebracht. Nach Absolvierung des Gymnasiums studierte er in Halle-Wittenberg Rechtswissenschaften und war ab 1785 Referendar bei der Regierung in Königsberg, dann später Kriminalrat und schließlich Syndikus der Ostpreußischen Generallandschaft. In Königsberg traf er seine spätere Frau, Elisabeth Graun "eine der edelsten Frauengestalten der Zeit", die einen Kreis angesehener und bedeutender Persönlichkeiten um sich sammelte, zu denen auch der Philosoph Immanuel Kant zählte. 1806 wurde Staegemann zum Chef der Preußischen Bank in Berlin ernannt. Im Folgejahr wurde Staegemann Mitglied der auf Vorschlag von Karl August von Hardenberg eingesetzten Immediatkommission, die unter Mitarbeit Karl Freiherr vom Steins den preußischen Staat neu gestalten sollte. 1812/1813 war er an der Vorbereitung der Befreiungskriege gegen Napoléon beteiligt und wurde in diesem Zusanmmenhang für seine Verdienste in den Adelsstand erhoben.

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Berlin, Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirchengemeinde

Enver Hoxha

 

Albanischer Politiker; studierte ab 1930 Naturwissenschaften in Montpellier und Jura in Brüssel, wo er sich der kommunistischen Partei anschloß und von 1934 bis 1936 Botschaftssekretär war. Als er aus politischen Gründen entlassen wurde, nahm er in Albanien eine Stellung als Französischlehrer an. Als zu Beginn des Zweiten Weltkrieges Albanien von italienischen und später von deutschen Truppen besetzt wurde, ging er in den Untergrund und leitete die Widerstandsbewegung. 1941 gründete er mit jugoslawischer Unterstützung die Albanische Kommunistische Partei, deren Generalsekretär er 1943 wurde. Als die Besatzungstruppen 1944 abzogen, wurde Hoxha Ministerpräsident, ein Amt, das er bis 1954 innehatte (zugleich war er von 1946 bis 1954 Außenminister seines Landes). Ab 1954 dann Erster Sekretär der Partei, war er faktisch Staatschef. Bereits in seiner Eigenschaft als Ministerpräsident leitete er die Umwandlung Albaniens in einen Staat nach marxistisch-leninistischem Muster ein und errichtete ein diktatorisches Regierungssystem, indem er rücksichtlos jegliche Opposition ausschaltete. Sein wichtigster politischer und wirtschaftlicher Verbündete war die Sowjetunion war, bis diese sich nach dem Tode Stalins unter Nikita Chruschtschow vom Stalinismus abwandte. 1961 kam es schließlich zum Bruch mit der Sowjetunion und Albanien orientierte sich bis in die 1970er Jahre hinein am kommunistischen China Mao Zedongs. Sein Kurs strikter Unabhängingkeit führte das Land schließlich in eine politische und wirtschaftliche Isolation. Als aufgrund des Besuchs von Richard Nixon China mit den Vereinigten Staaten diplomatische Beziehungen aufnahm, kühlte sich auch die Beziehung zu China ab. Trotz der internationalen Isolierung des Volkes, dessen katastrophaler wirtschaftlichen Situation und des Versuchs eines Staatsstreichs im Jahre 1974 gelang es Hoxha, bis zu seinem Tode seine Macht zu erhalten. Allerdings wurden schon bald nach seinem Ableben die Erinnerung an ihn nach und nach ausgelöscht: das ihm gewidmete pompöse Museum wurde in ein Kulturzentrum umgewandelt, Straßen erhielten ihren alten Namen zurück, nach ihm benannte Institutionen umbenannt.

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Tirana (Albanien)

Bild: Albinfo (06/2006)

Hinweis: Zuvor war Hoxha bis zur Umbettung 1992 auf dem Friedhof der Kriegshelden beigesetzt.

Bild: Courtesy Justin Buetter (10/2007)

Slobodan Miloševic

Serbischer Politiker; der Sohn eines aus Montenegro stammenden Vaters, eines serbisch-orthodoxen Popen, der sich 1962 umbrachte (Miloševic’ Mutter nahm sich 1973 das Leben), trat 1959 dem Bund der Kommunisten Jugoslawiens (BDKJ) bei, der KP des Landes. 1964 beendete er sein Jurastudium mit dem Staatsexamen an der Universität Belgrad. Ab 1969 war er Vizedirektor, ab 1974 Generaldirektor von Technogas und von 1978 bis 1983 Direktor der Beogradska Banka. 1984 wurde er zum Leiter der Belgrader Regionalgruppe des BDKJ gewählt und 1987 zu deren Parteisekretär. Im Jahr 1989 übernahm er dann das Präsidentenamt der jugoslawischen Teilrepublik Serbien, wurde 1990 Vorsitzender der Sozialistischen Partei Serbiens im Dezember 1990 bei den ersten freien Wahlen seit dem Zweiten Weltkrieg mit 65 Prozent der Wählerstimmen im Amt bestätigt. Miloševic hatte bereits ab 1987 durch einen extrem serbisch-nationalistischen Kurs immer mehr Einfluß gewonnen. Am 28. Juni 1989, dem 600. Jahrestags der Schlacht auf dem Amselfeld, hielt er die sogenannte “Amselfeld-Rede”, die von vielen als ein als Beleg für seine militant nationalistische Gesinnung und daraus folgernde Politik gehalten wird, so u.a. die Aufhebung der Autonomie im Kosovo 1989/90). Insofernn trug er in der Folge seiner Politik hohe Mitverantwortung an den von 1991 bis 1995 ausgetragenen blutigen Kriegen in Kroatien sowie Bosnien und Herzegowina; 1995 sah er sich unter internationalem Druck schließlich gezwungen, zusammen mit dem bosnischen Präsident Alija Izetbegovic und dem kroatische Präsident Franjo Tudjman das Abkommen von Dayton (21.11.) zu unterzeichnen, beziehungsweise zum Frieden von Paris (14.12.) genötigt. Als Präsident Jugoslawiens ab Juli 1997 war Miloševic hauptverantwortlich für die Eskalation der internationalen Kosovokrise (1998/99). Nach Protesten und Massendemonstrationen wurde er am 5.10.2000 durch einen Volksaufstand gestürzt, nachdem er sich zuvor zum Sieger der Präsidentschaftswahlen vom 24.9. 2000 erklärt hatte. Nachfolger im Amt wurde Vojislav Kostunica. Wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verstößen gegen das Kriegsvölkerrecht im Kosovo wurde Miloševic vom Internationalen Kriegsverbrechertribunal für Jugoslawien in Den Haag bereits im Mai 1999, aber erst 2001 wurde er verhaftet und an den Internationalen Gerichtshof ausgeliefert. Das Verfahren konnte allerdings nicht mehr zu Ende geführt werden, da Miloševic, der ein multipler Kranker war, am Morgen des 13.3.2006 leblos in seiner Zelle im Gefängnis des UN-Kriegsverbrechertribunals aufgefunden wurde. Verheiratete war Milosevic seit 1965 mit ein Jahr jüngeren Marjana Markovic, einer Klassenkameradin aus der höheren Schule, die aus einer der führenden serbischen Kommunistenfamilie stammte und eine kommunistische Aktivistin war.

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Pozarevac, Auf dem Familienanwesen

Jean-Baptiste Nicolas Robert Schuman

 

Französischer Politiker luxemburgisch-lothringischer Abstammung; studierte an der Universität Bonn, dann in München, Berlin und Straßburg Rechtswissenschaften, promovierte 1910 in Berlin und arbeitete zunächst als Rechtsanwalt in Metz. Während des Ersten Weltkrieges arbeitete Schuman am Bezirkspräsidium in Bolchen und war Offizier in der kaiserlichen deutschen Armee. 1918 wurde er Mitglied des Stadtrates von Metz. Als Elsaß-Lothringen 1919 zu Frankreich kam, nahm Schuman die französische Staatsangehörigkeit an und wurde Abgeordneter Lothringens in der französischen Nationalversammlung, bis er 1941 von der Gestapo verhaftet wurde. Aus der Haft in Neustadt an der Weinstraße gelang ihm 1942 die Flucht. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er erneut Abgeordneter der französischen Nationalversammlung und Präsident des Finanzausschusses. 1946 wurde Schuman Finanzminister und 1947 Ministerpräsident von Frankreich. Zwischen 1948 und 1952 war er Außenminister in acht der kurzlebigen Kabinette der politischen Mitte. Bekannt wurde er als Politiker unter anderem durch die Schaffung des nach ihm benannten Schuman-Plans. Am 9. Mai 1950 veröffentlichte Schuman die historische Erklärung für die Neukonstruktion Europas, beginnend mit der Montanunion, die politisch zur Föderation Europas führen sollte. Da seine Idee, eine Europäische Gemeinschaft zu schaffen, im damaligen Frankreich kein Verständnis fand, legte er 1952 sein Amt nieder. 1953 war er maßgeblich an der Straßburger Konvention für Menschenrechte und bürgerliche Grundfreiheiten von 26 europäischen Staaten beteiligt. Immer wieder warb er auch für die Idee eines geeinten Europas. 1955 wurde er zum Justizminister berufen. 1958 wurde Schuman der erste Präsident des Europäischen Parlaments.

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Scy-Chazelles b. Metz, Église Saint Quentin (Kapelle)

Bilder: © Pim de Bie-Holland
Bilder: Jürgen Pferdekamp (05/2008)

Gaston Thorn

 

Luxemburgischer Politiker; nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, in dem er mehrere Monate in einem Konzentrationslager inhaftiert war, studierte er Jura in Montpellier, Lausanne und Paris. 1953 wurde er Präsident der Studentenvereinigung UNEL. 1959 wurde er Mitglied des Europäischen (EP) und des Luxemburger Parlaments; im EP verblieb er bis 1969. Thorn war von 1961 bis 1980 Vorsitzender der Demokratischen Partei Luxemburgs. 1969 wurde Thorn Sport- und Außenminister des Großherzogtums. Nach den Wahlen 1974 übernahm er zusätzlich das Amt des Premierministers. Diese Ämter hielt er bis 1979 inne. Thorn leitete 1975 als Präsident die 30. UN-Generalversammlung. 1979/1980 war Thorn Luxemburgs Wirtschafts-, Justiz- und Außenminister. Von 1985 bis 1987 war er Vorsitzender der Europäischen Bewegung, der Europäischen Kommission (Kommission Thorn). 1987 wurde Thorn Generaldirektor von Radio Luxemburg und der Medienholding CLT und nach der 1997 erfolgten  Fusion zur CLT-UFA, zu der RTL Television und seit 2000 Teil der RTL Group gehören, wurde er Vorsitzender des Verwaltungsrats des Unternehmens. 2004 trat Thorn in den Ruhestand.

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Luxemburg OT Limpertsberg, Friedhof Notre Dame

Bild: Peter Malaschitz (05/2008)

Giovanni Spadolini

 

Italienische Politiker und Historiker; studierte bis 1949 Jura. Mit 25 Jahren wurde er Professor für zeitgenössische Geschichte an der Universität von Florenz. Von 1955 bis 1968 war er Chefredakteur der Regionalzeitung Il Resto del Carlino in Bologna, bevor er 1968 zum Corriere della Sera in Mailand wechselte. Er wurde für seine Partei, der Partito Repubblicano Italiano (Republikanische Partei), 1972, 1976 und 1979 in den italienischen Senat gewählt. Von 1974 bis 1976 gehörte er dem Kabinett als Minister für Umwelt und Kulturgüter an. Ab 1979 war er Sekretär der Partei und trat im selben Jahr erneut in die Regierung als Minister für Öffentliche Bildung ein, war von 1981 bis 1982 Ministerpräsident, von 1983 bis 1987 Verteidigungsminister und von 1987 bis 1994 Senatspräsident, sowie, als der Parteivorsitzende der Republikaner Ugo La Malfa im September 1979 starb, bis 1988 sein Nachfolger. Spadolini trat für den NATO-Doppelbeschluß (1979) ein und setzte die Stationierung von amerikanischen Cruise Missile auf dem US-amerikanischen Stützpunkt Comiso bei Ragusa auf Sizilien gegen heftigen Widerstand durch. Sein Nachfolger als Ministerpräsident wurde Amintore Fanfani (*1908, †1999). Als Historiker befaßte Spadolini sich v.a. mit der Zeit des Risorgimentos.

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Florenz, Cimitero Monumentale delle Porte Sante

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Ditlev Gothard Monrad

                  

Dänischer Politiker und Bischof; Sohn eines Anwalts, der später an Schwermut (Melacholie) erkrankte; auch seine beiden Schwester litten an eine psychischen Störung; wurde von seiner Tante und deren Gatten, einem Kaufmann erzogen, dessen Lebensmittelladen er übernehmen sollte. Da man sein Talent erkannte, sandte man ihn jedoch zum Studium auf die theologische Fakultät der Universität, das er 1831 abschloß. Da er aber nicht als Pfarrer wirken wollte, studierte er Orientalistik und unternahm anschließend Reisen durch Europa. 1840, dem Jahr, in dem er die wohlhabende Emilie Nathalia Lütthans heiratete, wurde er politischer Redakteur des Fædrelandet und gab ab 1843 das Danish Folkeblad heraus. Von 1842 bis 1848 war er Mitglied des Kopenhagener Stadtrat, sowie von 1842 bis 1848, von 1850 bis 1853, von 1853 bis 1865 und erneut von 1882 bis 1886 des Parlaments. Im Jahre 1855 wurde er Staatssekretär im Ministerium für Kultur. Monrad, der als der Vater des dänischen Grundgesetzes von 1849 gilt, war einer der führenden Personen der Nationalliberalen und gehörte zu denjenigen Kräften, die mit der Märzrevolution den Absolutismus beendeten und mit dem “Märzministerium“ die Ära der konstitutionellen Monarchie einläuteten. Während des vom Deutschen Bund unter Führung von Otto von Bismarck gegen Dänemark geführten Deutsch-Dänischen Krieges von 1864 war Monrad dänischer Premierminister. Nach der schweren Niederlage, an der er eine Mitverantwortung trug, emigrierte er nach Neuseeland, wo er Land erwarb, um als einfacher Farmer dem alten Leben zu entsagen, kehrte jedoch 1869 in die Heimat zurück, wurde Pfarrer in Brøndby und ab Februar 1871 Bischof in Lolland-Falster. 1886 zog er sich ganz aus dem politischen Leben zurück, nachdem er zuvor 1881 noch einmal für Middelfart in das Folketing (Reichstag) gewählt worden war.

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Nykøbing (Falster), Østre Kirkegård

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Bild: W. Bauermeister (stones & art , 1997)

Heiner” Heinrichjosef Georg Geißler

Bild: CDU Pressestelle Bonn (1989) 

Deutscher Politiker (CDU); viertes von fünf Kindern eines Oberregierungsrats; kam mit 16 Jahren auf das Jesuitenkolleg St. Blasien im Schwarzwald, wo er das Abitur ablegte. Anschließend studierte er Philosophie und Rechtswissenschaften in München und Tübingen, wo er auch zum Vorsitzenden des Ringes Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) gewählt wurde. Nach seiner Promotion 1960 zum Dr. jur. und der 2. juristischen Staatsprüfung 1961 begann seine beruflichen Tätigkeit, nachdem er zunächst als Richter am Amtsgericht in Stuttgart.tätig war, als Leiter des Ministerbüros des Arbeits- und Sozialministers von Baden-Württemberg. Von 1961 bis 1965 stand er in Stuttgart von 1961 bis 1965 an der Spitze der Jungen Union (JU), der gemeinsamen Jugendorganisation der CDU und CSU, in Baden-Württemberg. 1965 erhielt er als Kandidat des Wahlkreises Reutlingen-Tübingen zum ersten Mal ein Bundestagsmandat. 1967 übernahm Geißler in Rheinland-Pfalz den Ministerposten für Soziales, Gesundheit und Sport (bis 1977) und war Mitglied des Bundesrats. 1977 wurde er als Nachfolger von Kurt Biedenkopf zum Generalsekretär der CDU gewählt, Als solcher bestritt er drei für die CDU erfolgreiche Bundestagswahlen, Das Amt bekleidete er bis 1989. Von 1982 bis 1985 war er zugleich Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit im Kabinett Kohl. Von 1991 bis 1998 war er stellvertretender CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender, und seit 1994 gehört er dem Bundesvorstand der CDU an.

In seiner Freizeit betätigte sich Heiner Geßler u.a. als Gleitschirmflieger, Bergsteiger und -kletterer.

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Gleisweiler (Ldkrs. Südliche Weinstraße), Friedhof

Adam Gottlob Graf von Moltke

 

Dänischer Staatsmann und Diplomat deutscher Abstammung; Sohn des Oberleutnants Joachim von Moltke und dessen dänischer Gemahlin Magdalene Sophie von Cothmann; kam 1722 nach Kopenhagen und wurde dort am Hof von König Friedrich IV. Page des Kronprinzen Christian. Als dieser 1730 als Christian VI. den Thron bestieg, wurde Moltke Kammerpage des 7-jährigen Kronprinzen Friedrich und als Friedrich nach dem Tode seines Vaters Christian VI. 1746 als König Friedrich V. den dänischen Thron bestieg, wurde Moltke von ihm zum Hofmarschall ernannt und zugleich mit dem Krongut Bregentved bei Haslev mit über 6.000 ha Wald- und Ackerland ausgestattet, das bis heute seinen Nachfahren gehört.

Moltke erwarb in Dänemark erhebliches Ansehen; so war er Präses der Stockholmer Bank, der Asiatischen Kompanie und der Westindisch-Guinesischen Kompanie in Kopenhagen, des Frederiks Hospital, der Ackerakademie und der Königlichen Akademie der Künste. 1784 wurde er Ehrenmitglied der Königlich Dänischen Akademie der Wissenschaften und war außerdem in Deutschland Mitglied der Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina.

Moltke, der 1750 in den dänischen Grafenstand erhoben wurde, galt zur Zeit der Regentschaft Friedrichs V., der die Staatsgeschäfte mehr und mehr zu vernachlässigen und zu trinken begann als die ”graue Eminenz“ und unterstützte loyal die Politik des Außenministers Johann Hartwig Ernst von Bernstorff. Nach dem Tode Friedrichs V. entließ ihn dessen Nachfolger, der psychisch labile Christian VII., bereits kurz nach seinem Regierungsantritt. Moltke zog sich daraufhin auf sein Gut Bregentved zurück.

Moltke war zweimal verheiratet, in erster Ehe mit Christiane Friederike von Brüggemann (1712–1760) und danach mit Sophie Hedwig von Raben (1732–1802; aus beiden Ehen entstammten insgesamt 15 Kinder, darunter Friedrich Ludwig von Moltke und der dänischen Staatsminister Otto Joachim Moltke.

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Bilder: Finn Larsen (06/2010)

Faxe Kommune OT Karise (Region Sjælland), Friedhof, Kapelle

Fidel Alejandro Castro Ruz

 

Kubanischer Politiker und Revolutionär; unehelicher Sohn des aus Galizien (West-Spanien) eingewanderten Zuckerrohrpflanzers Ángel Castro Argiz und dessen Hausköchin Lina Ruz González, von der Fidel streng katholisch erzogen wurde. Er kam auf katholische Schulen, zuletzt auf das von Jesuiten geführte Kolleg El Colegio de Belén in Havana. Anschließend studierte er ab 1945 Rechtswissenschaften an der Universität in Havanna 1950 wurde Castro zum Doktor des Zivilrechts, Spezialgebiet Diplomaten- und Konsularrecht promoviert und eröffnete in Havanna eine Rechtsanwaltskanzlei, die er bis 1953 führte. Castro war bereits während seine Studienzeit in der revolutionären Studentenbewegung aktiv. Nachdem Fulgencio Batista y Zaldívar 1952 in Kuba ein diktatorisches Regime errichtet hatte, übernahm Castro die Führung der oppositionellen Untergrundbewegung zum Sturz Batistas. Am 26. Juli 1953 leitete er einen Angriff auf eine Kaserne in Santiago; der Angriff scheiterte jedoch und Castro wurde verhaftet und zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Die Verteidigung vor Gericht übernahm er selbst. Sein Satz ganz zum Schluß seines Plädoyers “La historia me absolverá!“ [Die Geschichte wird mich freisprechen"], wurde zum zentralen politischen Schlagwort der revolutionären Bewegung. Castro wurde zu 15 Jahren Zwangsarbeit auf der Isla de Pinos verurteilt, kam jedoch bereits nach zwei Jahren im Rahmen einer Generalamnestie wieder auf freien Fuß und ging ins Exilnach Mexiko, wo er eine Guerilla-Bewegung organisierte, die “Bewegung des 26. Juli", mit der er - insgesamt waren sie 82 Mann - am 11.12.1956 auf Kuba landete; voon diesen kamen 70 bei den Kämpfen mit Batistas Truppen ums Leben.. die überlebenden, darunter auch Castros Bruder und Che Guevara, zogen sich in die Sierra Maestra zurück, von wo auscastro_che_bd sie ihren Kampf gegen Batista fortsetzten und dank der Unterstützung durch die Bevölkerung erfolgreich waren. Im Dezember 1958 marschierten sie in Habana ein und stürzten im Januar 1959 Batista;

Mit Che Guevara im April 1961 in Havanna (Bild: Alberto Korda, en.wikipedia)

Castro wurde Ministerpräsident der neuen kubanischen Regierung. Als Ministerpräsident führte er seit 1959 ein Verstaatlichungs- und Reformprogramm durch. Gestützt auf die Kommunistische Partei, deren 1. Sekretär er seit 1965 war und in Abhängigkeit von der Sowjetunion baute er einen kommunistischen Staat auf. Als seine bedeutendste innenpolitische Leistung gilt die annähernd einhundertprozentige Alphabetisierung der Bevölkerung des Karibikstaates. Außenpolitisch aber geriet Castro mit den Vereinigten Staaten nicht nur in Konflikt, weil sich vor deren Türen ein kommunistisches, von Moskau unterstütztes Regime etabliert hatte, sondern weil er US-amerikanische, auf Kuba angesiedelten Firmen und Großgrundbesitzer entschädigungslos enteignete. Die USA reagierten auf die Enteignungen mit der diplomatischen und wirtschaftlichen Isolierung Kubas Die bereits existierende Zusammenarbeit mit der Sowjetunion vertiefte sich noch, nachdem im April 1961 ein von der CIA vorbereiteter und der US-amerikanischen Regierung unterstützter Invasionsversuch in der Bahía de Cochinos (Schweinebucht), einer Bucht an der Südküste Kubas, westlich von Cienfuegos, von Exilkubanern zum Sturz Fidel. Castros unternommen worden war. Castro erbat von dem sowjetischen Ministerpräsidenten Nikita Chruschtschow nicht nur wirtschaftliche Hilfe, sondern auch militärische Unterstützung. Als die Sowjets mit der Aufstellung sowjetischer Raketen auf Kuba begann, eskalierte der Kubanisch-amerikanische Konflikt und mündete in die sogenannte Kubakrise. Seit Beginn der 1970er Jahre begann sich Kuba allerdings allmählich von der Sowjetunion ideologisch zu emanzipieren; es entstand ein eigene Weg zur gesellschaftlichen Veränderung, der sogenannte “Fidelismus”. Zugleich ließ Castro, der seit 1976 Vorsitzender des Staatsrats (Staatsoberhaupt) war, linksgerichtete Befreiungsbewegungen in Afrika (Angola, Äthiopien, Eritrea) und Lateinamerika sowohl politische als auch militärische Unterstützung zukommen. Während in dem ehemaligen “Bruderstadt” Sowjetunion mit Glasnost und Perestroika gesellschaftliche Veränderungen Platz griffen, lehnte Castro die Entwicklung ab; Kuba blieb bei seiner dogmatisch marxistischen Haltung, und obwolh sich seit dem Zusammenbruch des Ostblocks 1989/90 die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Kubas verstärkt haben, lehnte er eine Demokratisierung und Liberalisierung weiterhin ab. Die wirtschaftliche Krise zwang Castro dann schließlich doch, Wirtschaftsreformen zuzulassen; so wurde in der Periodo Especial en Tiempo de Paz (Sonderperiode in Friedenszeiten) oder kurz Periodo Especial der Besitz von Dollar gesattet, es konnten sog. Bauernmärkte entstehen, Touristen das Land besuchen und sogar in bescheidenem Umfang Auslandsinvestitionen erfolgen. Allerdings entstand in der Folge, obwohl Castro bis zu seinem Abtritt an seinen kommunistischen Positionen festhielt, seit den 1990er Jahren eine Schattenwirtschaft, die die Kluft zwischen arm und reich verschärfe.

 

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Bild: Christian Pirkl 12/2016) Wikipedia.de
Bild: Christian Pirkl [12/2016) Wikipedia.de

Santiago de Cuba, Cementerio Santa Ifigenia

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Bilder: Dirk Budde (12/2017)
Politiker LI

Omnibus salutem!