Sir Joseph Austen Chamberlain (seit 1925)

Britischer Politiker (Konservative Partei); Sohn Joseph Chamberlains (*1836, †1914); Stiefbruder Neville Chamberlains, des späteren Außenministers (“Freedom in our times”); studierte Geschichtswissenschaften am Trinity College der Universität Cambridge und anschließend an der École des Sciences Politiques in Paris sowie ein Jahr in Berlin. Als er 1887 nach Birmingham zurückkehrte, arbeitete er zunächst als Privatsekretär seines Vater Joseph Chamberlain und war dann Bürgermeisters von Birmingham. Ab 1892 wurde er als Abgeordneter in das House of Commons für die Liberalen Unionisten gewählt. Ab 1900 war er Finanzsekretär im Schatzamt und von 1903 bis 1905 (erneut von 1919 bis 1921) Schatzkanzler. Ab 1912 vertrat er im Parlament als Abgeordneter die Konservativen. Von 1915 bis 1917 arbeitete er als Staatssekretär für Indien und wurde 1918 Mitglied des Kriegskabinetts. Im Ersten Weltkrieg trat Chamberlain entschieden für eine britische Beteiligung ein. Nach dem Krieg war er von 1919 bis 1921 Finanzminister und setzte sich für eine stringente Steuerpolitik zur Zurückzahlung von Staatsschulden ein. 1921 wurde er für ein Jahr Parteiführer der Konservativen Partei und im gleichen Jahr Lordsiegelbewahrer. Als Außenminister (1924-29) unter Premierminister Stanley Baldwin (*1867, †1947) hatte er zusammen mit seinen französischen und deutschen Amtskollegen Aristide Briand bzw. Gustav Stresemann maßgeblichen Anteil am Abschluß der Locarno-Verträge im Jahre 1925. Mit dem US-amerikanischen Finanzpolitiker Charles Gates Dawes hatte er bereits zuvor einen Plan ausgearbeitet, der eine Stabilisierung der Währung in Deutschland herbeiführen sollte und der als Voraussetzung für die Verträge von Locarno diente.

Werke u.a.: Down the Years (1935), Politics from Inside, An Epistolary Chronicle, 1906-14 (1936), Seen in Passing (1937).

Auszeichnungen u.a.: Friedensnobelpreis (1925) zusammen mit Mit C.G. Dawes.

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London-Finchley, Saint Marylebone Cemetery

Arthur Neville Chamberlain

 

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Britischer Politiker (Konservative Partei); Sohn Joseph Chamberlains (*1836, †1914); Halbbruder Austen Chamberlains; wurde 1915 Bürgermeister von Birmingham und zog 1918 als Mitglied der konservativen Partei ins britische Unterhaus ein. Von 1922 bis 1923 war er Generalpostmeister, von 1924 bis 1929 und erneut 1931 Gesundheitsminister und von 1923 bis 1924 sowie von 1931 bis 1937 Schatzkanzler. 1937 wurde er als Nachfolger Stanley Baldwins (*1867, †1947) Premierminister. In dieser Eigenschaft verfolgte er gegenüber Deutschland eine Politik des “Appeasements”. Zurück aus München, wo er und die Regierungschefs Frankreichs und Italiens am 30.9.1938 mit Hitler-Deutschland das Münchener Abkommen geschlossen hatte, verkündete er, als er dem Flugzeug entstieg und mit dem Abkommen wedelte, in Verkennung der tatsächlichen politischen Intensionen Hitlers den “Peace in our times”. Chamberlain mußte jedoch sehr bald seinen Irrtum einsehen, als die deutsche Wehrmacht im März 1939 in die Tschechoslowakei einmarschierte. Er gab daraufhin eine Garantieerklärung für Polen ab, was nach dem Einmarsch der Deutschen in Polen am 1.9.1939 zwei Tage später in die Kriegserklärung Großbritanniens gegenüber dem Deutschen Reich mündete. Nachdem die Wehrmacht anfangs große militärische Erfolge, vor allem bei der Besetzung Norwegens und Frankreichs verzeichnen konnte, verlor Chamberlain auch seitens der eigenen Partei zunehmend an Unterstützung, so daß er im Mai 1940 zugunsten einer Allparteienregierung unter Winston Churchill zurücktreten; in dessen neuen Kabinett übernahm Chamberlain das Amt des Lordpräsidenten, zog sich aber im Oktober 1940 aus gesundheitlichen Gründen aus der Politik vollständig zurück.

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London, Westminster Abbey, The Nave

Rede Chamberlains am 3.9.1939 anläßlich der Kriegserklärung Großbritanniens gegenüber dem Deutschen Reich.

Bilder: Simon White (05/2008)
Bilder: Klaus Decker (05/2008)

Carl Schurz

            

US-amerikanischer Politiker und Publizist deutscher Herkunft; Sohn eines Dorfschullehrers, von dem er erstmasl von dem Land hörte, in dem es keine Kaiser, Könige oder Fürsten, sondern nur die Freiheit gäbe. 1847 begann er ein Studium der Philologie und Geschichte an der Universität Bonn. 1848 schloß er sich unter Einfluß Gottfried Kinkels (*1844, †1891), einem Professor für Kunst- und Literaturgeschichte, den er im Wintersemester 1847/48 kennengelernt hatte, der demokratischen Bewegung an, und nachdem Friedrich Wilhelm IV. die von der Nationalversammlung in Frankfurt am Main vorgeschlagene Wahl zum “Kaiser der Deutschen” im April 1849 endgültig abgelehnt hatte, schlossen er und der von ihm bewunderte Kinkel sich den Aufständigen an, deren Ziel es war, die erste freie deutsche Verfassung zu verteidigen. In der Festung Rastatt, die die Preußen einnahmen, drohte ihm die Erschießung, aber es gelang ihm, durch einen nach außen führenden Abwasserkanal zu entfliehen und nach dem pfälzisch-badischen Aufstand 1849 in die Schwei zu kommen. Nach der Befreiung Kinkels aus der Festungshaft in Spandau emmigrierte er 1850 zunächst nach Großbritannien, dann in die USA, wo er am 17.9.1852 in New York eintraf und beschloß, “die Vereinigten Staaten zu meiner bleibenden Heimat zu machen. Amerika “ist eine neue Welt, eine freie Welt, eine Welt großer Ideen und Zwecke. In dieser Welt gibt’s wohl für mich eine neue Heimat. “Ubi libertas, ibi patria“ (Lebenserinnerungen, Kap. Der Abschied von der alten Welt). Dort schloß er sich als Gegner der Sklaverei der Republikanischen Partei an und trug wesentlich zur Wahl Abraham Lincolns bei. Von 1861 bis 1862 war er Gesandter in Madrid. Im Sezessionskrieg befehligte er eine deutsch-amerikanische Division. Von 1869 bis 1875 war Schurz Senator von Missouri. Als Innenminister (1877-81) förderte er durch Reformen die Schaffung eines unpolitischen Berufsbeamtentums und setzte sich für die Integration der Indianer in die amerikanische Gesellschaft ein; als Journalist war er u.a. Mitherausgeber der New York Evening Post

Mark Twain, der ab 1855 eine Zeitlang als Lotse auf dem Mississippi gearbeitete hatte, verfaßte einen Nachruf auf ihn, in dem er ihn als ”einen politischen Fahrwasserfinder” bezeichnete..

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Sleepy Hollow (New York), Sleepy-Hollow-Cemetery

Bild: Benhyse11 (01/2007)

Gerald Rudolph Ford jr. eigentl. Leslie Lynch King Jr.

 

38. US-amerikanischer Präsident (1974-77); studierte zwischen 1935 und 1941 Jura an der University of Michigan und an der Yale University. Während des Zweiten Weltkrieges war er bei der US-Navy. 1948 wurde er als Mitglied der Republikanischen Partei in das Repräsentantenhaus gewählt und war dort von 1965 bis 1973 deren Führer. Als streng konservativer Kongreßabgeordneter war er Gegner einer staatlichen Förderung des Schulwesens und des Wohnungsbaues, die Anhebung des Mindesteinkommens, stimmte gegen die Einführung der Alterskrankenversicherung Medicare, und stellte sich gegen mehrere Umweltschutzgesetze. 1973 wurde Vizepräsident und 1974 nach dem Rücktritt von Richard Nixon aufgrund der Watergate-Affäre Präsident. Innenpolitisch umstritten war Fords Entscheidung, Nixon zu begnadigen, was seine strafrechtliche Verfolgung als Drahtzieher der Affäre verhinderte, während Untergebene verfolgt und gerichtlich verurteilt wurden. Innenpolitisch versuchte Ford der zunehmenden Inflation u.a. durch Kürzung der Sozialausgaben zu begegnen. Außerdem bildeten steigende Arbeitslosigkeit und eine Energiekrise Kernpunkte seiner Präsidentschaft. Seine Programme zur Bewältigung der Krisen stießen immer wieder auf Widerstand im Senat. Immerhin gelang es ihm mit seinem Programm gegen die Inflation (1979), die Inflationsrate von 11,2 auf fast die Hälfte zu senken. Außenpolitisch führte Ford zusammen mit seinem Außenminister Henry Kissinger (*1923) die unter seinem Vorgänger begonnene Entspannungspolitik (Détente) mit der UdSSR fort, und es gelang ihm im Jahre 1975 die Unterzeichnung der Helsinki-Schlußakte, in der die Nachkriegsgrenzen in Europa anerkannt und Menschenrechtsfragen geregelt wurden. 1976 setzte sich Ford bei der Nominierung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten zwar gegen seinen Mitbewerber Ronald Reagan durch, unterlag dann jedoch bei den Wahlen Jimmy Carter (*1924).

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Grand Rapids (Michigan)

Bild: Joel Martinez, Air Force (03/2007)

Lyndon Baines Johnson

                      1972 

36. US-amerikanischer Präsident (1963-69); war kurzzeitig Lehrer an einer High School und von 1930 bis 1935 Mitarbeiter des US-Kongresses. 1937 wurde er für die Demokraten in das Repräsentantenhaus gewählt, und von 1949 bis 1961 war er Senator von Texas, 1953 wurde er Fraktionsvorsitzender seiner Partei im Senat. Nach seiner Niederlage gegen John F. Kennedy bei der Nominierung des demokratischen Präsidentschaftskandidaten im Jahre 1960 kandidierte Johnson völlig überraschend für die Vizepräsidentschaft und gewann mit Kennedy knapp die Wahl. Nach Kennedys Ermordung wurde er Ende 1963 Präsident der Vereinigten Staaten und konnte sich bei den Präsidentschaftswahlen von 1964 gegen den republikanischen Kandidaten Barry M. Goldwater mit deutlicher Mehrheit durchsetzen und holte Hubert H. Humphrey in das Amt des Vize-räsidenten.. Nach seiner Wiederwahl setzte er sein unter dem Schlagwort “Great Society” bekanntgewordenes Vorhaben, Reformen insbesondere im sozialen Bereich wie dem Wohnungsbau, der Krankenversicherung, Bekämpfung der Armut und dem Bildungswesen durchzusetzen, fort und konnte eine ganze Reihe von Gesetzesvorlagen durchbringen. Allerdings behinderte die Auswirkungen des Vietnamkrieges, Staatsverschuldung und Inflation, den Gang der Reformen. Entgegen seiner Wahlversprechungen verstärkte Johnson - unterstützt durch seinen Verteidigungsminister Robert McNamara - das amerikanische Engagement in Vietnam und stockte das Truppenkontingent bis 1968 stufenweise auf 550.000  Mann auf. Insbesondere erwies sich die von ihm angeordnete systematischen Bombardierung Nordvietnams und des Einsatzes der US-Air Force mit dem Entlaubungsmittel “Agent Orange” trotz seiner Behauptung “The enemy cannot win, now, in Vietnam” (Der Feind kann in Vietnam jetzt nicht siegen) als falsch. In der Folge hatte Johnson nicht nur mit wachsenden, inneramerikanischen Unruhen seitens der Jugend, der Studenten und Prominenter wie Joan Baez oder Jane Fonda zu kämpfen, sondern auch mit einem politischen Widerstand in anderen Teilen der Welt. Zudem hatte der stest loyale McNamara erklärt, die von ihm jahrelang verfolgte Politik sei falsch und seine Strategie für den Krieg gescheitert. Schließlich sah Johnson sich am 31.3.1968 veranlaßt, in einer Fernsehansprache seinen Verzicht auf eine neue Präsidentschaftskandidatur zu verkünden sowie den einseitigen Rückzug der USA aus Vietnam anzukündigen. Im Mai 1968 leitete er White House Photo Office collection	in Paris die Friedensgespräche zwischen den USA und Nordvietnam ein. Anfang 1969 zog sich Johnson aus der Politik zurück.

 

Fernsehansprache am 31.3.1968 no_copyright

 

 

Memoiren: The Vantage Point. Perspectives of the Presidency 1963-1969 (1971, dt. Meine Jahre im Weißen Haus).

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Stonewall, Johnson Family Cemetery, LBJ-Ranch

Frankfurt am Main, Hauptfriedhof

Otto Brenner

 

 

Deutscher Gewerkschaftler; von Haus aus Elektriker, war er seit 1920 Mitglied der sozialistischen Arbeiterjugend, seit 1922 des Deutschen Metallarbeiterverbandes und seit 1926 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Brenner, der sich autodidaktisch bildete, wechselte 1931 zur der zur SPD in Opposition stehende Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD). 1933 wurde er verhaftet und zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Bis 1945 war er als Tiefbauarbeiter in Frankfurt am Main eingesetzt, war jedoch gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wieder in Hannover. Dort war er nach 1945 Mitbegründer der Gewerkschaften und der SPD in Niedersachsen. In der Landeshauptstadt gehörte er dem Rathaus bis 1953 als Ratsherr an und war bis 1954 Mitglied des niedersächsischer Landtags. 1952 wurde er zunächst Zweiter Vorsitzender der IG Metall und blieb - im gleichen Jahr zum Ersten Vorsitzenden gewählt - über dreißig Jahre hinweg, von 1952 bis 1972, deren Vorsitzender. 1961 wählte man ihn zum Präsident des Internationalen Metallarbeiterbundes und 1971 zum Vorsitzender des Europäischen Gewerkschaftsbundes (bis 1972). Unter seiner Ägide beteiligte sich die IG Metall an diversen Protestaktion, so z.B. gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland, die Stationierung von Atomwaffen auf bundesdeutschem Gebiet. Insbesondere war Brenner ein entschiedener Gegner der Notstandsgesetze von 1968.

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Bilder: KN (21.09.2008)
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Manfred Rommel

 

Deutscher Politiker (CDU); Sohn des Generalfeldmarschalls Erwin Rommel; bereits im Alter von 14 Jahren wurde er während des Zweiten Weltkrieges als Luftwaffenhelfer eingezogen, desertierte jedoch nach der Verhaftung und der durch die Nazis erzwungenen Selbsttötung seines Vaters, dem eine Beteiligung an der Verschwörung des 20. Juli 1944, des Attentats auf Hitler, vorgeworfen wurde, und geriet in französische Kriegsgefangenschaft. 1947 legte er das Abitur ab und studierte in Tübingen Rechts- und Staatswissenschaften. Nach Tätigkeiten in der Landesverwaltung Baden-Württembergs und als Referent des damaligen Innenministers Hans Filbinger wurde er 1971 Ministerialdirektor im Finanzministerium und dort später Staatssekretär. 1974 wurde er als Nachfolger des verstorbenen Arnulf Klett zum Oberbürgermeister von Stuttgart gewählt und in diesem Amt bis 1996 bestätigt. Außerdem war er mehrmals Präsident des Deutschen Städtetags. In seiner Amtszeit prägte er nicht nur entscheidend die liberale Grundhaltung Stuttgarts mit dem bundesweit höchsten Ausländeranteil, sondern suchte immer wieder auch die Zusammenarbeit mit den Kollegen von der SPD und FDP, was allerdings nicht immer unbestritten blieb, so stellte er sich auf die Seite des Schauspieldirektors am Schauspiel Stuttgart, Claus Peymann, und setzte sich nach der Selbsttötung der RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan Raspe im Hochsicherheitsgefängnis Stammheim 1977 für deren Beisetzung auf dem Dornhaldenfriedhof in Stuttgart mit dem Worten ein, daß nach dem Tod "jede Feindschaft ende". Er wertete auch den Rang Stuttgart als Veranstaltungsort für internationale Ereignisse auf: 1993 holte er die Internationale Gartenausstellung und die Leichtathletik-Weltmeisterschaften nach Stuttgart. Rommel war auch Verfasser zahlreicher Bücher, die zu Bestsellern wurden, wobei besonders seine humorvollen Sprüche und Gedichte beliebt waren. Außerdem äußerte er sich in einer Kolumne in der Stuttgarter Zeitung immer wieder zu aktuellen Themen der Politik, Wirtschaft und Kultur.

Werke u.a.: Wir verwirrten Deutschen (1989), Die Grenzen des Möglichen. Ansichten und Einsichten (1995), Trotz allem heiter. Erinnerungen (1998), Gedichte und Parodien (2006).

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Stuttgart-Sillenbuch, Ostfilderfriedhof

Ernst-Franz Sedgwick Hanfstaengl

 

Deutscher Politiker; aus großbürgerlichem Hause entstammend, sein Vater war der Verlegers und Kunsthändlers Edgar Hanfstaengl; nach dem Abitur übersiedelte er in die Vereinigten Staaten und studierte bis 1909 an der Universität von Harvard, an der u.a. der spätere US-Präsident Franklin D. Roosevelt sein Kommilitone war. Nach Kunststudien in Wien, Florenz und Rom sowie der Ableistung eines einjährigen, freiwilligen Militärdienstes in Deutschland kehrte er in die Vereinigten Staaten zurück und übernahm in New York City bis 1918 die dortige Filiale der elterlichen Firma, den Hanfstaengl-Kunstsalon, wo bekannte Persönlichkeiten zu seinen Kunden zählten, u.a. Henry Ford, Arturo Toscanini oder der junge Charlie Chaplin. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wurde der Kunstsalon 1918 enteignet, und Hanfstaengl kehrte im Folgejahr nach Deutschland zurück, wo er an der Universität von München von 1921 bis 1927 Geschichte studierte und das Studium 1928 mit einer Promotion zum Dr. phil. abschloß. Schon 1922, begeistert von einer Rede, die Hitler im Münchner Bürgerbräukeller gehalten hatte, der NSDAP beigetreten, gelang es ihm, die Aufmerksam des späteren Diktators zu gewinnen. Im November 1923 beteiligte er sich am Hitlerputsch und floh nach dem Scheitern des Versuchs, in Bayern die Macht zu erlangen, nach Salzburg. Nach der Entlassung Hitlers aus der Festungshaft in Landsberg am Lech tat sich Hanfstaengl hauptsächlich als finanzieller Unterstützer Hitlers hervor. Im Jahr 1931 ernannte Hitler “Putzi”, wie Hanfstaengl im Freundeskreis genannt wurde, zum Auslands-Pressechef der NSDAP In dieser Eigenschaft versuchte er u.a. im März 1932 ein Treffen zwischen Hitler und Winston Churchill – er war mit dessen Sohn Randolph befreundet – in München zu arrangieren, das jedoch nicht zustande kam. Nach der “Machtergreifung” der Nationalsozialisten im Jahre 1933 verschlechterte sich sein Verhältnis zu Joseph Goebbels, der seit 1930 Propagandaminister der NSDAP war Die ständigen Meinungsverschiedenheiten führten schließlich dazu, daß Hanfstaengl aus der Entourage Hitlers entfernt wurde - zumal Unity Mitford, Hitlers glühende Bewunderin, ihn in Mißkredit gezogen hatte. Nachdem Goebbels Hanfstaengl bezichtigte, abfällige Äußerungen über den Kampfwillen der in Spanien eingesetzten Legion Condor gemächt zu haben, floh Hanfstaengl im März 1937 schließlich über die Schweiz nach England, wo er bei Beginn des Zweiten Weltkrieges interniert und dann nach Kanada überführt wurde. 1942 wurde er auf Betreiben Roosevelts in die USA überstellt und war dort als politischer und psychologischer Kriegsberater der Alliierten tätig. Außerdem erstellte der US-Geheimdienst nach Auskünften von Hanfstaengl ein Dossier über den Charakter Hitlers. Mittels dieser Informationen wollte man versuchen, die Handlungen und Ziele Hitlers zu verstehen und Schlüsse daraus für dessen zukünftige Handlungen zu ziehen. Im September 1045 kehrte Ernst Hanfstaengl schließlich nach Deutschland zurück und wurde 1949 von der Spruchkammer Weilheim rehabilitiert

Werke u.a.: Tat gegen Tinte. (1934), Hitler in der Karikatur der Welt.(1935), Zwischen Weißem und Braunem Haus. Memoiren eines politischen Außenseiters. (1970).

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Bilder: Heiko Bockstiegel (07/1996)

München, Bogenhausener Friedhof

Hermann Höpker-Aschoff

 

 

Deutscher Politiker (DDP, FDP); Sohn eines Apothekers; studierte Rechtswissenschaften und Volkswirtschaftslehre in Jena, München und Bonn. Nach der Promotion im Jahre 1907 und dem Assessor-Examen. Danach trat er in den preußischen Justizdienst ein und war . an den Amtsgerichten in Vlotho und Höxter tätig.. Während des Ersten Weltkrieges diente er als Reserveoffizier in einem Artillerieregiment. Später war er Landrichter in Bochum und ab 1921 Oberlandesgerichtsrat in Hamm tätig. Bei der Landtagswahl am 20.2.1921 wurde er für einen westfälischen Wahlkreis in den preußischen Landtag gewählt, dem er bis 1932 angehörte. In den Jahren 1930 bis 1932 war er auch Reichstagsmitglied. Am 31.3.1925 wurde er zum preußischen Ministerpräsidenten gewählt, nahm die Wahl jedoch nicht an, sondern übernahm stattdessen unter Adam Stegerwald und Otto Braun das preußische Finanzministerium, das er bis 1931 leitete, als er zurücktrat und sich aus der Politik zurückzog. 1932 wurde Höpker-Aschoff als einer der Vertreter des Reiches in den Aufsichtsrat der Dresdner Bank gewählt und war zeitweise stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges dienstverpflichtet, war er ab 1940 als Chefjurist und Leiter der Abteilung VI der Haupttreuhandstelle Ost tätig, die für die Beschlagnahme, Verwaltung und Verteilung von eingezogenem Vermögen polnischer Staatsbürger und osteuropäischer Juden im Gebiet der an das Deutsche Reich angegliederten Gebiete (“eingegliederte Ostgebiete“) zuständig war. Dadurch war er unmittelbar in die nationalsozialistische Vernichtungs- und Vertreibungspolitik in den osteuropäischen besetzen Gebieten involviert. 1944 überwarf Höpker-Aschoff sich mit Martin Bormann, weil er das geraubte Kirchenvermögen aus der Enteignung ausnehmen wollte. Daraufhin wurde er versetzt. Das Kriegsende erlebte er in Wernigerode. Nach dem Ende des Krieges war er Finanzminister des 1947 aufgelösten Freistaates Preußen. In der Gründungsphase der Bundesrepublik Deutschland 1948 und 1949 war er Mitglied des Parlamentarischen Rates, von 1949 bis 1951 Mitglied des Bundestages und von 1951 bis 1954 erster Präsident des am 28. 9.1951 gegründeten Bundesverfassungsgerichts und übte diese Amt bis zu seinem Tode aus.

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Bilder: Heiko Bockstiegel

Herford, Friedhof Hermannstraße.

Roman Herzog

Bild: Claus Harmsen (07/1998)

Deutscher Politiker (CDU), Bundespräsident, Jurist; Sohn eines kaufmännischen Angestellten und späteren Stadtarchivars; studierte ab 1953 Rechtswissenschaft in München und schloß das Studium 1957 mit dem ersten und 1961 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen ab. 1958 promovierte er zum Dr. jur., gefolgt bis 1964 von einer Tätigkeit als wissenschaftlicher Assistent bei Theodor Maunz an der Juristischen Fakultät der Universität München. Nach der zweiten juristischen Staatsprüfung im Jahr 1961 wirkte Roman Herzog am Evangelischen Staatslexikon mit. Nach seiner Habilitation lehrte er zwei Jahre bis 1965 zunächst als Privatdozent an der Universität München, bevor er - jetzt 32 Jahre alt - einem Ruf an die Freie Universität Berlin als ordentlicher Professor auf den Lehrstuhl für Staatsrecht und Politik folgte. Dort war Herzog von 1967 bis 1968 Dekan und anschließend bis 1969 Prodekan der Juristischen Fakultät. Aufgrund heftiger Konflikte mit Vertretern der Studentenbewegung folgte er 1969 dem Ruf der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer auf den Lehrstuhl für Staatslehre und Politik; von 1971 bis 1972 amtierte er als deren Rektor. 1978 bis 1983 war Herzog, von 1980 bis 1983 Mitglied des Landtages, Mitglied der Regierung in Baden-Württemberg, zunächst von 1978 bis 1980 als Minister für Schulen und Sport (197880), dann anschließend bis 1983 als Innenminister. Von 1983 bis 1994 war er als Richter am Bundesverfassungsgericht, 1983 wurde er zum Vizepräsidenten und 1988 zum Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts ernannt. Am 23.5.1994 von der Bundesversammlung zum Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt, trat er als Nachfolge Richard Weizsäckers das Amt am 1 .Juli an. Am 30.6.1999 verzichtete er auf die Wiederwahl. Nachfolger im Amt des Bundespräsident wurde der SPD-Politiker Johannes Rau (1999 bis 2004). Im Januar 1997 wurde Roman Herzog von der Stadt Aachen für seine Verdienste um ”ein Europa der Bürger" mit dem Karlspreis ausgezeichnet, und im Mai 1997 erhielt er gemeinsam mit dem tschechischen Präsidenten Václav Havel in New York den vom Institut für Ost-West-Studien (IEWS) verliehenen European Statesman Award.

Berühmt wurde die sogenannte ”Ruck-Rede“ Roman Herzogs, der sich Verdienste u.a. um die Förderung der inneren Einheit Deutschlands und die deutsch-polnische Aussöhnung. erwarb, die er am 26.4.1997 in Berlin hielt und in der er die Deutschen aufrief: “Durch Deutschland muß ein Ruck gehen. Wir müssen Abschied nehmen von liebgewordenen Besitzständen, vor allen Dingen von den geistigen, von den Schubläden und Kästchen, in die wir gleich alles legen. Alle sind angesprochen, alle müssen Opfer bringen, alle müssen mitmachen...”:

Verheiratet war Roman Herzog seit 1958 in erster Ehe mit Christiane, née Krauß; aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor, der 1959 geborene Markus und der 1964 geborene Hans Georg. Ab 2001 war er in zweiter Ehe mit Alexandra Freifrau von Berlichingen (*1941), née von Vultejus verheiratet.

Werke u.a.: Staaten der Frühzeit. Ursprünge und Herrschaftsformen (1988), Staat und Recht im Wandel. Einreden zur Verfassung und ihrer Wirklichkeit (1993); Vision Europa. Antworten auf globale Herausforderungen (1996); Das Land erneuern. Reden zur Lage der Nation (1997); Freiheit des Geistes. Reden zur Kultur (1999). 

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Jagsthausen (Ldkrs. Heilbronn), Friedhof

Bilder: Matthias Bauer (02/2017)
Bilder: Dirk Budde (09/2018)
Politiker LII

Omnibus salutem!