Grigorij Konstantinowitsch “Sergo” Ordschonikidse [russ. Григорий Константинович (“Серго”) Орджоникидзе]

 

Sowjetischer Politiker; Sohn eines mittellosen georgischen Adeligen; studierte in Tiflis am medizinischen Michailow Klinikum, wo er in Kontakt mit radikalen politischen Kreisen kam. 1903 schloß er sich der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands an, unterstützte die Fraktion der Bolschewik. 1904 wurde er wegen des Besitzes von illegaler Literatur verhaftet, aber bald wieder auf freien Fuß gesetzt .1905 beteiligte er sich aktiv an der Revolution von 1905. 1906 reiste er illegal in Deutschland ein, von wo er 1907 nach Rußland zurückkehrte und sich in Baku der Organisation der SDAPR anschloß und erneut verhaftet, aber schnell wieder aus der Haft entlassen wurde. Ende des Jahres 1910 ging er nach Paris. Im Frühjahr 1911 war er in der leninistischen Parteischule in Longjumeau

errichtete im Auftrag Stalins 1920/21 mit Hilfe der Roten Armee die bolschewistische Herrschaft in Armenien, Aserbaidschan und Georgien. Von 1930 bis 1937war er Mitglied des Politbüros der KPdSU, von 1930 bis 1932 Vorsitzender des Obersten Volkswirtschaftsrates sowie von 1932 bis 1937 Volkskommissar für Schwerindustrie. und trieb als solcher die Industrialisierung der Sowjetunion voran.

Verheiratet war Ordschonikidse mit Sinaida Gawrilowa Pawlutschkoj.

(von links nach rechts) Anastas Mikojan, Stalin, Ordschonidske, Stalin, (1925)

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Bild. Tothkaroj (08/2015) Wikipedia.org

Moskau, Nekropole an der Kremlmauer

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Gerhard Jahn

 

 

Deutscher Jurist, Politiker (SPD); ältester Sohn des evangelischen Arztes Ernst Jahn und der jüdischen Ärztin Lilli Jahn, née Schlüchterer, (*1900), die 1944 im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet wurde (ihre Briefe gelten als wichtiges literarisches Zeitzeugnis) wuchs mit seinen Schwestern in Immenhausen (Ldkrs. Kassel) auf, wo seine Eltern eine allgemeinmedizinische Praxis unterhielten. Auch nach der Scheidung von seiner jüdischen Frau im Jahre 1942, waren die Kinder aus dieser “privilegierten Mischehe” Drangsalierungen ausgesetzt. Jahn ging auf das humanistische Friedrichsgymnasium in Kassel, wurde aber 1943/44 mit seinem Jahrgang als Luftwaffenhelfer einberufen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war er bis 1946 als Landarbeiter und dann als Verwaltungsangestellter in Immenhausen tätig. Das Abitur konnte er erst 1947 nachholen. Anschließend studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Marburg; in dieser Zeit wurde er Mitglied im Sozialistischer Deutscher Studentenbund (SDS) und 1950 deren Vorsitzender. 1949 schloß er sich der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) an. Nach dem Referendarexamen 1950, dem Referendardienst und der Großen Juristischen Staatsprüfung 1956 arbeitete er ab 1957 als Rechtsanwalt. Bereits ab 1954 war Jahn kommunalpolitisch für die SPD tätig 1957 wurde er für seinen Wahlkreis in den Bundestag gewählt, dem er bis 1990 angehören wird.

1967 wurde er Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Auswärtigen unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger und anschließend ab 1969 bis 1974 Bundesminister der Justiz im .Kabinett Brandt.

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Bild: Hydro (07/2010) Wikipedia.ord
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Marburg, Hauptfriedhof

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Andrew Jackson

US-amerikanischer Politiker (Demokrat); 7. Präsident der Vereinigten Staaten; Sohn von Eltern schottischer Herkunft; wuchs nach dem Tode seiner Eltern bei seinem Onkel auf, einem wohlhabenden und einflußreichen Grund- und Sklavenbesitzer. Im Alter von 20 Jahren er Anwalt und stieg bald zu einer der führenden Persönlichkeiten im neuen Staat Tennessee auf. Nationalen Ruhm erlangte er 1814 während der Kämpfe gegen die Indianer und durch seinen Sieg über die Briten bei New Orleans im Jahre 1815. Sein Bekanntheitsgrad steigerte sich weiter aufgrund bravouröser Unternehmungen gegen das spanische Florida. 1821 wurde Jackson zum Gouverneur von Florida ernannt, das 1819 von Spanien an die Vereinigten Staaten abgetreten worden war. 1823 wurde Jackson in den Senat gewählt und ging im Folgejahr als einer von insgesamt fünf Präsidentschaftskandidaten in den Wahlkampf, unterlag jedoch John Quincy Adams wurde Präsident. Mit der gut organisierten, von ihm gegründeten neuen Demokratischen Partei gelang es ihm schließlich 1828, in das höchste Amt des Staates gewählt zu werden. Als Präsident betrieb Jackson eine gemäßigt liberale und antimonopolistische Politik; partikularistischen Bestrebungen der Südstaaten trat er 1832 entschieden entgegen. Weder sein Regierungsstil noch die von ihm betriebene harte Indianerpolitik schadeten seinem Ansehen als Führer der Demokratischen Partei. Obwohl ihn der Removal Act von 1830 ermächtigte, Verhandlungen über den Tausch der Indianergebiete im fruchtbaren südöstlichen Waldland der Südstaaten gegen Gebiete im kargen, trockenen sogenannten Indianer-Territorium (heute Oklahoma) zu führen, nutzte Jackson diese Vollmacht, um Umsiedlungs-Verträge zu erzwingen, bei denen die Indianer alles verloren. So vertrieb Jackson die Indianer im Süden gewaltsam von ihrem Land, das ihnen durch Bundesverträge und Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes garantiert worden war. Außerdem war er für die Beibehaltung der Sklavenwirtschaft. 1832 wurde Jackson in seinem Amt bestätigt. 1837 schied er als noch immer außerordentlich beliebter Präsident aus dem Amt und zog sich auf sein Landgut Hermitage bei Nashville zurück.

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Bild: JW1805 (09/2004) Wikipedia.en

nahe Nashville (Tennessee), Auf dem Anwesen der Hermitage

Jakob JockelFuchs

 

 

Deutscher Politiker (SPD); Oberbürgermeister; wurde nach dem Abitur 1938 zum Reichsarbeitsdienst und später zur Wehrmacht eingezogen, in der er zuletzt im Range eines Leutnants beim Luftnachtichtendienst war. 1947 aus französischer Kriegsgefangenschaft entlassen, war er ab 1948 zunächst als Volontär bei der sozialdemokratischen Zeitung Freiheit tätig und wurde deren Chefredakteur 1955 zog er als Mitglied der Fraktion der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) in den rheinland-pfälzischen Landtag ein, deren Fraktionsvorsitzender er in den Jahren von 1970 und 1971 war; von 1966 bis 1970 war er Vorsitzender der SPD Rheinland-Pfalz und gehörte elf Jahre dem SPD-Bundesvorstand an. 1962 wurde er Mitglied des ZDF-Fernsehrates, und ab 1976 bis zu seinem Ausscheiden im Jahre 1992 war er auch dessen Vorsitzender. Im Mai 1965 wurde Fuchs zum Oberbürgermeister von Mainz gewählt. und erfreute sich als solcher großer Beliebtheit; dieses Amt hatte er bis Mai 1987 inne. Ihm verdankt die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt in den 1960er und 1970er Jahren die Entwicklung zu einer modernen Großstadt. In seine Amtszeit fiel u.a. 1961 die Ansiedlung des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) auf dem Lerchenberg und der IBM.

Inschrift: Die Menschen bauen zu viele Mauern und nicht genügend Brücken.

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Bilder: KN (01/2006)

Mainz, Hauptfriedhof

Hermann August Franz Wilhelm Gotthard Bracke

 

Deutscher Politiker, Verleger und Publizist; studierte nach dem Besuch des Gymnasiums entgegen des Wunsches seines Vaters, eines Müllers und Getreidehändlers; eine kaufmännische Ausbildung zu absolvieren, um später den väterlichen Betrieb weiterführen zu können, Physik oder Chemie am Collegium Carolinum (heute Technische Universität Braunschweig) Er wurde Mitglied des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV), der 1883 von Ferdinand Lassalle gegründet worden war. 1861 war er Mitbegründer der Braunschweiger Burschenschaft Germania. Am 6.9.1865 gründete er in Braunschweig eine Sektion des ADAV. Oppositionelle Ansichten innerhalb des Vereins, die er mit August Bebel und Wilhelm Liebknecht teilte, führten zur Abspaltung einer Gruppe von Mitgliedern und zur Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschlands (SDAP), an der er maßgeblich beteiligt war; der Gründungsparteitag fand vom 7. bis 9. August 1869 in Eisenach statt. Wilhelm Bracke wurde zum Sprecher der SDAP gewählt, als deren erster Sitz Braunschweig bestimmt wurde. Am Vorabend des Ausbruchs des Deutsch-Französischen Krieges wurde er wegen eines Aufrufs zum Frieden verhaftet und zu drei Monaten Haft verurteilt. Nach der Entlassung aus der Haft gründete er einen Verlag sowie die Zeitung Braunschweiger Volksfreund. Er veröffentlichte u.a. die erste Biographie von Karl Marx, den er bereits 1869 in Hannover bei dem Arzt und Sozialdemokrat Louis Kugelmann kennengelernt hatte. Im Jahr 1872 wurde er als erster Sozialdemokrat zum Mitglied des Rates der Stadt Braunschweig gewählt und 1877 Abgeordneter im Reichstag in Berlin. Während der Diskussion im Reichstag über das von Reichskanzler Otto von Bismarck eingebrachte Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie, das sogenannte Sozialistengesetz, das am 21.10.1878 in Kraft trat und erst 1890 wieder aufgehoben wurde, verkündete er seine Meinung über das Gesetz mit den Worten: ”Meine Herren, ich will Ihnen sagen: wir pfeifen etwas auf das ganze Gesetz”..1879 gab Bracke aus gesundheitlichen Grüdnen sein Mandat zurück.

Portraits sozialistischer Gegner des Deutsch-Französischen Krieges und Protagonisten der frühen SDAP. Von oben, im Uhrzeigersinn: Karl Marx, Johann Jacoby, Wilhelm Liebknecht, Samuel Spier, Wilhelm Bracke, August Bebel (Ende 1870)

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Bild:  Brunswyk (08/2006), Wikipedia.de
Bild:  Brunswyk (08/2006), Wikipedia.de

Braunschwieg, Petrifriedhof

Georg Ferdinand Duckwitz

 

 

Deutscher Diplomat; Staatssekretär; einer alten Kaufmannsfamilie entstammend; studierte an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau Nationalökonomie, brach das Studium jedoch vorzeitig ab und trat 1927 in die 1906 gegründete  Kaffee-Handels-Aktien-Gesellschaft (Kaffee HAG) ein. Bereits im Folgejahr wurde er Leiter deren Niederlassung in Kopenhagen. 1932 wurde er Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Ab 1933 war er im dem von Alfred Rosenberg geleiteten Außenpolitischen Amt der NSDAP (APA) als Skandinavienreferent tätig. Nach dem Röhm-Putsch im Jahre 1934 begann Duckwitz, sich innerlich von der Partei abzuwenden, blieb aber weiterhin Mitglied der Partei. 1935 quittierte er den Dienst für die NSDAP, wechselte ins Reedereigeschäft und übernahm in New York City die dortige Geschäftsstelle der Hamburg-Amerika-Linie (HAPAG). Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs kehrte er nach Dänemark zurück und arbeitete für deutschen Auslandsgeheimdienst. Nachdem die deutsche Wehrmacht Dänemark im April 1940 besetzt hatte, wurde Duckwitz zum Schifffahrtsachverständigen ernannt. Als die Deutschen im Spätsommer 1943 die Deportation der dänischen Juden beschlossen, warnte Duckwitz dänische Politiker, zu denen er guten Kontakte hatte, vor den bevorstehenden Maßnahmen der Besatzungsmacht und reiste persönlich zu einem Treffen mit dem schwedischen Ministerpräsidenten um eine mit Schweden koordinierte Rettungsaktion in Gang zu setzen. Duckwitz leistete damit einen wesentlichen Beitrag zur Rettung von ca. 7.000 dänischen Juden vor dem Abtransport in die Vernichtungslager; .fast alle dänischen Juden konnten nach Schweden geschmuggelt werden.Dafür wurde er von der Gedenkstätte Jad Vaschem (וַשֵׁם) in Jerusalem in den Kreis der “Gerechten unter den Völkern“ aufgenommen. Nach dem Ende des Krieges blieb er zunächst in Kopenhagen, und war dort als Vertreter der westdeutschen Handelskammern mit dem Ziel tätig, wieder wirtschaftlicher Kontakte zwischen den beiden Ländern herzustellen. Nach der Wiedergründung des Auswärtigen Amtes wurde er dort eingestellt und begann seine Tätigkeit beim Generalkonsulat in Kopenhagen als Leiter der Wirtschaftsabteilung, bevor er 1953 als Konsul nach Helsinki wechselte. 1955 kehrte er nach Kopenhagen zurück und wurde dort Botschafter der Bundesrepublik Deutschland. 1958 wurde er Leiter der Ostabteilung des Auswärtigen Amtes in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn und war ein wichtiger Berater von Willy Brandt in Fragen der Ostpolitik

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Bild: Joern M. (02/2015) Wikipedia.de
Bild: Joern M. (02/2015) Wikipedia.de

Bremen, Riensberger Friedhof

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Arthur Griffith [irisch Art Ó Gríofa]

 

Irischer Politiker; Sohn eines bei der Zeitung The Nation beschäftigten Druckers; wurde schon in jungen Jahren Mitglied der 1858 gegründeten Irish Republican Brotherhood (IRB), die für ein unabhängiges Irland eintrat. Nach em Tode von Charles Stewart Parnell, dessen liberalen Ansichten er zunächst vertrat, reiste er 1897 nach Südafrika, um sich dort von seiner Tuberkulose zu erholen. Während seines dortigen Aufenthalts unterstützte er als großer Bewunderer von Paul Krugers die Buren gegen die britische Expansionismus. Nach seiner Rückkehr nach Irkand im Jahre 1898 war er 1899 Mitbegründer der Wochenzeitung United Irishman, für die er namhafte irische Schriftsteller wie George William Russel und William Butler Yeats gewinnen konnte, die Artikel für die Zeitung beisteuerten. Er selbst verfaßte zahlreiche Leitartikel, in denen er seine Landsleute aufforderte, für die Autonomie Irlands einzutreten, und in der er die politischen Ziele definierte, die schlißlich 1905 zur Gründung der Partei Sinn Féin, führten, “to establish in Ireland's capital a national legislature endowed with the moral authority of the Irish nation"1. Die Bewegung verfolgte anfangs noch das Ziel eines autonomes Irland unter britischer Krone. Obwohl Griffith nicht offen am Osteraufstand von 1916 teilnahm, inhaftierten ihn die Briten. Im folgenden Jahr wurde er auf freien Fuß gesetzt, aber 1918 erneut. verhaftet. Bei den allgemeinen Wahlen vom Dezember 1918 gewann Sinn Féin die Mehrheit und Griffith wurde zum Vizepräsidenten einer noch zu gründenden Irischen Republik unter Ministerpräsident Eamon De Valera gewählt. 1921 leitete er die Delegation, die mit der britischen Regierung den Vertrag über die Errichtung des Irischen Freistaates und die Trennung von Nordirland aushandelte. Als Nachfolger von de Valera war er von Januar bis August 1922 von den Briten nicht anerkannter Präsident des First Dáil und der Irischen Republik und damit Regierungschef, während Michael Collins gleichzeitig die von den Briten geforderte Provisorische Regierung des Irischen Freistaats als Vorsitzender führte. Kurz vor seinem Tode wurde er im Januar 1922 zum ersten Ministerpräsidenten des Freistaates gewählt.

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1  in der irischen Hauptstadt einen nationalen Legislative zu etablieren, ausgestattet mit der moralischen Autorität der irischen Nation.

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Emil Krebs

 

Deutscher Diplomat und Dolmetscher; Sohn eines Zimmermeisters; begann bereits in der Dorfschule sich seine besondere Sprachbegabung abzuzeichnen, als er sich mit der französischen Sprachen anhand eines Wörterbuch beschäftigte. Von 1878 bis 1880 besuchte er die Höhere Realschule in Freiburg (Schlesien) und anschließend bis 1887 das Evangelische Gymnasium in Schweidnitz. Neben den obligatorischen Sprachen Latein, Altgriechisch, Hebräisch und Französisch, beschäftigte sich Krebs sich während der Zeit als Gymnasiast mit Neugriechisch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Russisch, Polnisch, Arabisch und Türkisch. Als er 1887 das Abitur ablegte, waren ihm bereits zwölf Fremdsprachen geläufig. Nach dem Abitur studierte er ein Semester Theologie und Philosophie an der Universität Breslau und begann ab dem Wintersemester 1887 ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Berlin und gleichzeitig des Chinesischen an dem neugegründeten Seminar für Orientalische Sprachen. Nach dem Ersten Juristischen Staatsexamen an der Universität Berlin kam Krebs als Gerichtsreferendar an das Königlich-preußischen Amtsgericht in Gottesberg (Preußen, heute Boguszów, Polen). 1892 wurde er Referendar am Kammergericht in Berlin und Mitglied der türkischen Klasse beim Seminar für Orientalische Sprachen. Die Prüfung legte er nicht mehr ab, da er 1893 als Dolmetscher-Aspirant nach Peking entsandt wurde. Dort stieg er dank seiner Kenntnisse des Chinesischen und bald auch des Mandschurischen, Mongolischen und Tibetischen zum Chefdolmetscher auf. Wegen des Ersten Weltkrieges mußte er 1917 nach 25 Jahren seiner dortigen Tätigkeit China verlassen und arbeitete anschließend bis zu seinem Tode als Dolmetscher und Übersetzer im Sprachendienst des Auswärtigen Amtes. Insgesamt beherrschte Emil Krebs 68 Sprachen.

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Bild: Membeth (05/2010) Wikipedia.de
Bild: Membeth (05/2010) Wikipedia.de

Stahnsdorf, Südwest-Friedhof

Bild: One Night In Hackney ((03/2008) Wikipedia.org
Bild: One Night In Hackney ((03/2008) Wikipedia.org

Dublin, Glasnevin Friedhof

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Günter Schabowski

 

 

Deutscher Politiker (SED); Journalist; Sohn eines Klempners; war als Jugendlicher Mitglied der Hitlerjugend, zuletzt in der Funktion eines Scharführers; 1946 legte Schabowski sein Abitur ab und wurde im selben Jahr Mitglied des im März 1946 in Aachen gegründeten Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB), bei dessen Tageszeitung Die freie Gewerkschaft er 1946/47 als Volontär arbeitete. 1947 wurde er Redakteur der Gewerkschaftszeitung Tribüne., deren stellvertretender Direktor er 1953 wurde. 1950 trat er der DDR-Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend (FDJ) bei Ein Fernstudium an der Karl-Marx-Universität in Leipzig schloß er 1962 als Diplomjournalist ab. Nach einer Ausbildung zwischen 1967 und 1968 an der Parteihochschule der KPdSU in Moskau wurde er stellvertretender Chefredakteur beim SED-Zentralorgan, der Tageszeitung Neues Deutschland, 1978 deren Chefredakteur. Zugleich wurde er Mitglied des Zentralvorstands des Verbandes der Journalisten der DDR (VDJ). 1981 wurde Schabowski Abgeordneter der Volkskammer der DDR und zugleich als Mitglied in das Zentralkomitees (ZK) der SED berufen, 1984 wurde er Mitglied des Agitationskomitees beim Politbüro des ZK der SED. 1985 legte er seine Tätigkeit beim Neuen Deutschland nieder und wurde nach dem Sturz von Konrad Naumann Erster Sekretär der Bezirksleitung der SED von Ost-Berlin und damit auch Vorsitzender der Bezirkseinsatzleitung Berlin. Seit 1986 Sekretär des ZK, unterstand er direkt dem Generalsekretär. Aufgrund dieser Position war er zeitweise als Nachfolger Erich Honeckers für die Position des Staatsratsvorsitzenden und Generalsekretärs der SED im Gespräch.

Schlagartig der Allgemeinheit in der Bundesrepublik und im Ausland bekannt wurde Günter Schabowski, als er am 9. November 1989 im Rahmen der Fernsehübertragung einer Pressekonferenz verkündete, daß für Privatreisen nach Westdeutschland ab sofort vereinfachte Verfahren der Ausreise aus der DDR gelten. Noch in derselben Nacht öffneten Grenzübergangsstellen unter dem Druck der Menschenmassen, die sich dort angesammelt hatten, die Schlagbäume und gaben den Weg nach Westberlin frei. Am 14. November 1989 wurde er zum Sekretär des ZK der SED für Informationswesen und Medienpolitik gewählt. Im Dezember trat er gemeinsam mit dem gesamten Zentralkomitee der SED zurück. Von 1992 bis 1999 war Schabowski, der sich als einer der wenigen ehemaligen DDR-Funktionäre zu seiner Mitverantwortung an den Geschehnissen in der DDR bekannte, als leitender Redakteur im hessischen Rotenburg erscheinenden, von ihm mitbegründeten Wochenzeitschrift Heimat-Nachrichten tätig. 1997 wurde er wegen Totschlags zu einer Strafe in Höhe von drei Jahren verurteilt, aber bereits nach einemknappen Jahr in den offenen Vollzug entlassen Ebenfalls im Jahre 1997 wurde ein gegen ihn seit 1993 wegen der Fälschung der Ergebnisse der DDR-Kommunalwahlen im Mai 1989 laufendendes Verfahren eingestellt.

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Berlin, Städtischer Waldfriedhof Dahlem

Guido Westerwelle

Bild: Claus Harmsen          Bild: Udo Grimberg

 

Deutscher Politiker (FDP); Jurist; Sohn eines Rechtsanwalts und Volkswirts; studierte von 1980 bis 1987 Rechtswissenschaften in Bonn, ehe er sich nach der zweiten juristischen Staatsprüfung 1991 als selbständiger Rechtsanwalt in Bonn niederließ und 1994 promovierte. 1980 war er der Freien Demokratischen Partei (FDP) beigetreten, gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Jungen Liberalen und war von 1983 bis 1988, als er Mitglied des FDP-Bundesvorstands, wurde, deren Vorsitzender. 1993 erfolgte seine Wahl zum Kreisvorsitzenden der Bonner FDP gewählt, 1994 kandidierte er für den Deutschen Bundestag, verfehlte aber dieses Ziel, wurde jedoch am Ende des Jahres unter dem Bundesvorsitzenden und damaligen Bundesaußenminister Klaus Kinkel zum Generalsekretär der FDP ernannt. Anfang 1996 übernahm Westerwelle ein Bundestagsmandat. für einen ausscheidenden FDP-Mandatsträger. 2001 wurde er als Nachfolger des glücklosen Wolfgang Gerhardt Bundesvorsitzender der FDP  Im Bundestagswahlkampf 2002 trat die FDP unter seiner Leitung mit dem ”Projekt 18“ an. vermittelte das Bild einer “Spaßpartei”, da er den Wahlkampf von seinem in den Parteifarben blau-gelb lackierten sog. Guido-Mobil, einem Wohnwagenanhänger, aus führte und er u.a in Thomas Gottschalks Sendung “Wetten dass...? und bei Big Brother auftrat.Diese Aktionen waren auch in der eigenen Partei nicht unumstritten; immerhin erreichte die FDP bei vor den Wahlen durchgeführten Meinungsumfragen 10 bis 13 Prozent, in der Wahl allerdings verfehlte die Partei mit 7,4 Prozent ihr offiziell erklärtes Ziel von 18 Prozent der Stimmen deutlich, was unter anderem der Möllemann-Affäre zugeschrieben wurde. Nachdem sich nach der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 eine aus CDU/CSU und SPD gebildete Große Koalition unter Angela Merkel gebildet hatte (Kabinett Merkel I), war Guido Westerwelle von 2006 bis 2009 als Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion Oppositionsführer im Deutschen Bundestag. Bei der Bundestagswahl 2009 erreichte die Partei mit ihm als Spitzenkandidat 14,6 Prozent und damit ihr bisher bestes Ergebnis bei Bundestagswahlen. Westerwelle wurde im schwarz-gelben Kabinett Merkel II Bundesminister des Auswärtigen und war als solcher zugleich bis zum Mai 2011 auch Stellvertreter der Bundeskanzlerin. Nachdem die FDP u.a. wegen ihrer einseitigen Wahlthemen (Steuervereinfachung und -senkung) bei der Wählerschaft an Rückhalt verloren hatte - Verlusten der FDP im März 2011 bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz und der Landtagswahl in Baden-Württemberg - gab Westerwelle bekannt, nicht mehr für den Bundesparteivorsitz kandidieren zu wollen. Durch das Scheitern der FDP an der Fünfprozentklausel schied er mit der konstituierenden Sitzung des 18. Deutschen Bundestages am 22. Oktober 2013 aus dem Parlament aus.

Guido Westerwelle hatte einen Sitz im Fernsehrat des ZDF und war Mitglied der Theodor-Heuss-Stiftung in Stuttgart. Nach dem Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag bei der Bundestagswahl 2013 gründete Westerwelle gemeinsam mit dem Unternehmer Ralph Dommermuth die gemeinnützige Westerwelle Foundation – Stiftung für internationale Verständigung.

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1  In einem mit dem Magazin Spiegel (46/2015) geführten Interview gab Guido Westerwelle zu verstehen, daß er heute nicht mehr verstehe und auch damals gewisse Zweifel an der Art und der Wirkung solcher Aktionen gehegt habe: “Ich käme nicht mehr auf diese Idee. Ich würde mir auch keine 18 unter die Schuhe malen, für unser Projekt 18. Natürlich nicht. Und das war, nebenbei, damals schon daneben”.

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Köln, Friedhof Melaten

Bilder: Wilfried Paque (10/2017)
Bilder: Reinhard Finkskes 08/2019)
Politiker LXXI

Omnibus salutem!