Maria I. Tudor gen. Bloody Mary

                                

Königin von England (1553-58); Tochter Heinrichs VIII. aus dessen erster Ehe mit Katharina von Aragonien, dem jüngsten Kind Ferdinands II. von Aragón und Isabellas I. von Kastilien und Ururenkelin Eduards III. von England; als sie neun Jahre alt war, erhielt sie eine eigene Hofhaltung in Wales, auf Ludlow Castle. Zunächst wurde sie sorgfältig erzogen, lernte Latein, Französisch und Italienisch, wurde in Musik unterrichtet, erhielt aber auch Unterweisungen in den Wissenschaft, u.a. durch Erasmus von Rotterdam. Um eine einseitige Erziehung zu verhindern, schaltete sich immer wieder ihre Mutter ein; so holte sie den spanischen Humanisten Juan Luís Vives nach England. Nachdem Heinrich sich von ihrer Mutter getrennt hatte, um die Hofdame Anna Boleyn zu heiraten, wurde auch Maria von ihrer Mutter getrennt, die sie niemals wiedersehen wird, zu einem illegitimen Bastard erklärt und mußte nach Hatfield umziehen, während ihre Halbschwester Elisabeth, die Tocher Anna Boleyns, nun zur Thronerbin erklärt wurde. Erst als auch Anna Boleyn bei Heinrich in Ungnade gefallen und hingerichtet war, und ihre Nachfolgerin Jane Seymor Eduard, der kurzzeitig als Eduards VI. König sein wird, zur Welt gebracht hatte (*1537), wurde auch Elisabeth zur Bastardin erklärt. Erst 1536 - jetzt zwanzigjährig - durfte sie an den Hof zurückkehren und mußte sogar ihren Vater bei den Trauerfeierlichkeiten anläßlich des Todes von Jane Seymor vertreten, wurde allerdings noch einmal kurzzeitig in Herford Castle als Gefangene gehalten. In seinem letzten Testament regelte Heinrich VIII. dann doch noch die Thronfolge für seine drei Kinder: Eduard, Maria und Elisabeth sollte nacheinander die Krone erben. Als Eduard, von 1547 bis 1553 König, starb, versuchte John Dudley, Herzog von Northumberland, dies zu verhindern. Der Kronrat brachte Dudleys 16-jährige Schwiegertochter Lady Jane Grey am 6.7.1553 als Gegenkönigin auf den Thron, wozu der Erzbischof von Caterbury, Thomas Cranmer, seinen Segen gab. Auf den Kopf Marias wurde ein Preis ausgesetzt; sie entkam jedoch ihren Verfolgern und richtete einen Brief an den Kronrat, in dem sie ihre Rechte einforderte: Dudley wurde verhaftet und enthauptet. Am 19.7. schwenkte der Kronrat zu Maria über und feierte sie als rechtmäßige Königin. Maria heiratete 1553 den Sohn Karls V., Philipp II. von Spanien, damit er sie in ihrem Bemühen, England zu rekatholisieren, unterstütze. Nachdem sich der Widerstand dagegen zunehmend gewaltätig äußerte, trat das von Lordkanzler Gardiner “For the Punishment of Heretics” entworfene Gesetz, das die Ordnung wieder herstellen sollte, mit der Unterschrift Marias und Philipps am 22.1.1555 in Kraft; ab diesem Zeitpunkt wurden wenigstens 300 Ketzer verbrannt, darunter auch Thomas Cranmer - was Maria den Namen Bloody Mary eintrug. In Karikaturen wurde sie auch als Maria Ruina Angliae bezeichnet. Andererseits hat sie erfolgreich Reformen in der Finanzverwaltung durchgeführt und die Universitäten von Oxford und Cambridge, die Flotte und die ersten Handelskompagnien gefördert - Aktivitäten, die ihrer Nachfolgerin auf dem Thron, ihrer Halbschwester Elisabeth I., zugute kamen. Mit den Sakramenten ihrer Kirche versehen, starb Maria im St James’ Palace.

Symbol des Hauses Tudor, die Rose, in der rechten Hand Marias.

 

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London, Westminster Abbey

Hinweis: Das Bild Marias mit der Rose derTudors hat Maria von Ungarn (*1505, †1558), die Schwester und Statthalterin Kaiser Karls V. in den Niederlande, und Tante König Philipps II. von ihrem Hofmaler Anton Mor anfertigen lassen, den sie extra deswegen nach England entsandte. Es sollte Philipps Neugierde auf seine Braut befriedigen. Maria I., die englische Königin, erhielt ihrerseits ein Bild, das Tizian von Philipp in Augsburg gemalt hatte.

Heinrich II., der Heilige

 mit Kaiserin Kunigunde

Deutscher König (7.6.1002-24) und Kaiser (ab 14.2.1014), letzter Sachsenkaiser; Sohn des bayerischen Herzogs Heinrich II., gen. der Zänker; ließ sich bei der Königswahl 1002 in Mainz gegen die Ansprüche von Markgraf Ekkehard von Meißen und Hermann von Schwaben von seinen bayerischen und fränkischen Anhängern Ottos III. zum König wählen und am 7. Juni 1002 durch den Mainzer Erzbischof Willigis salben und krönen. 1007 gründete er das Bistum Bamberg, stärkte mit seinen Schenkungen an Bistümer und durch eine Klosterreform die königliche Macht; setzte sowohl in Italien als auch in Deutschland als Bischöfe und Äbte fast ausschließlich Persönlichkeiten aus seiner Umgebung ein und schuf dadurch eine feste Stütze seiner Macht und das ottonisch-salischen Reichskirchensystem. Heinrich führte drei Italienzüge durch; als Nachfolger für Papst Sergius VI. entschied er sich für Benedikt VIII., der ihn und seine Frau Kunigunde in Rom zum Kaiser bzw. zur Kaiserin krönte.

Als einziger Kaiser des Heiligen Römischen Reiches wurde Heinrich 1146 heiliggesprochen.

Kunigunde

kunigunde_luxemburg_us

Deutsche Kaiserin, Tochter des Grafen Siegfried von Lützelburg; heiratete 999 Kaiser Heinrichs II., wurde 1002 in Paderborn von Erzbischof Willigis von Mainz zur Königin geweiht und 1014 in Rom an der Seite ihres Gemahls von Papst Benedikt VIII. zur Kaiserin gekrönt. Sie nahm erheblichen Einfluß auf die politischen Entscheidungen ihres Mannes 1017 gründete sie die Benediktinerinnenabtei Kaufungen.

Die Ehe blieb kinderlos. 1200 wurde sie von Papst Innozenz III. heiliggesprochen.

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Bamberg, Dom

Hinweis: Der Sarkophag wurde von Tilman Riemenschneider geschaffen.

Maximilian I., gen. Der letzte Ritter

pinxit Albrecht Dürer               

Römischer König (seit 1486) und Kaiser (seit 1508) aus dem Hause Habsburg; Sohn Kaiser Friedrichs III. und Eleonore Helenas von Portugal; Vater Philipps I., dem Schönen von Spanien und Margaretes von Österreich; Großvater der Kaiser Karl V. und Ferdinand I.; Bruder Kunigundes von Österreich; trat nach seiner Krönung zum König in Aachen am 19.8.1493 die Nachfolge im Reich an. Nach dem frühen Tod seiner Frau Maria von Burgund sicherte er sich im Vertrag von Senlis 1493 die Grafschaften Charolais, Nevers und Artois sowie die Freigrafschaft Eleonore Helena von PortugalBurgund, während das Herzogtum Burgund und die Picardie bei Frankreich verblieben; ferner gelang ihm die Rückeroberung der habsburgischen Erblande nach dem Tod Matthias I. Corvinus am 6.4.1490, und nach dem Tod seines Vaters (1493) sowie seines Vetters beherrschte er alle habsburgischen Länder. Vorher (1491) hatte Maximilian bereits im Frieden von Preßburg (heute Bratislava) die habsburgischen Erbfolge in Ungarn gefestigt (seitdem Titularkönig von Ungarn). 1490 heiratete Maximilian per procurationem Anne de Bretagne; die Ehe wurde aber nicht vollzogen, sondern aufgelöst (Anne heiratete den französischen König Karl VIII.). Durch wechselnde Allianzen versuchte er vergeblich, die Reste seiner burgundischen Erbschaft zu gewinnen und Landgewinne in Oberitalien zu machen. Auch seine Vermählung mit Bianca Maria Sforza von Mailand im Jahre 1493 brachte ihn diesem Ziel nicht näher: 1516 fiel Mailand an Frankreich und Verona an Venedig. Gemäß des Matthias Corvinus zugeschriebenen Mottos “Bella gerant aliis, tu felix Austria nube! Nam quae Mars aliis, dat tibi regna Venus”1 gewann Maximilian durch Heiratspolitik 1506/16 auch die spanische Krone sowie 1515 die Anwartschaft auf Böhmen und Ungarn. Obwohl die Reichsstände ihn in seiner dynastischen Politik nicht unterstützten, wurde aber immerhin mit Hilfe des Mainzer Kurfürsten Berthold von Henneberg 1495 auf dem Wormser Reichstag der Ewige Landfriede beschlossen und ein vom Kaiser unabhängiges Reichskammergericht eingerichtet, dem Maximilian 1497 den Reichshofrat entgegenstellte. Am 4.2.1508 nahm Maximilian ohne päpstliche Krönung, aber mit der nachträglichen Billigung Julius' II., den Kaisertitel (Erwählter Römischer Kaiser) im Dom zu Trient an.

Der Kaiser interessierte sich schon von Jugend an für “modernes” Kriegsgerät; besonders galt sein Interesse der “Artalerey” so daß er zur Unterbringung der Geschütze sogar viele Zeughäuser errichten ließ. Aufgrund der neuen Kriegstechniken wurden auf dem Schlachtfeld die Ritter zu Dinosaurier aus einer fernen Zeit: Das Zeitalter der Ritterschaft neigte sich dem Ende zu. So war Maximilan nicht nur der “letzte Ritter” sondern wurde auch zum “Vater der Langsknechte”.

Maximilian war ein gebildeter, aber auch fröhlicher und unbekümmerter Fürst; die Mittel für seinen aufwendigen Lebensstil wurden durch seine zweite Frau, Bianca Maria, in die Ehe eingebracht. Durch Jakob Fugger, der ihn finanzierte, machte er sich von der frühkapitalistischen Wirtschaft abhängig, war aber auch in der Lage als Anhänger des Humanismus die Kunst (u.a. Albrecht Dürer) und Wissenschaften zu fördern.

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1 Kriege führen mögen andere, du glückliches Österreich heirate. Denn was Mars den anderen, gibt dir die göttliche Venus.

Familie Kaiser Maximilians I.

Von links (obere Reihe): Kaiser Maximilian, Philipp der Schöne, erste Gemahlin Maria von Burgund, (untere Reihe): Ferdinand I. Karl V., Schwiegerenkel Ludwig II. von Böhmen und Ungarn. (pinxit Bernhard Strigel, 1515)

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Innsbruck, Hofkirche

8/2003

Ruprecht von der Pfalz gen. Clem

Römischer König (1400-10); der Dynastie der Wittelsbacher entstammend; Kurfürst von der Pfalz; folgte 1398 seinem Vater Ruprecht II. als Ruprecht III. in der Kurwürde. Von den rheinischen Kurfürsten in Rhens als Nachfolger des wegen Unfähigkeit abgesetzten Wenzels (1348-1400) zum Römischen König gewählt, wurde er aber nur in einem Teil des Reiches anerkannt. Um seine Stellung aufzuwerten, zog er nach Italien, um sich dort zum Kaiser krönen zu lassen. Nach einem durch Geldmangel verzögerten Alpenübergang, währenddessen sich die oberitalienischen Städte rüsten konnten, kam es vor dem befestigten Brescia zu großen Verlusten. Der Erzbischof Friedrich von Köln und Herzog Leopold von Österreich kehrten entmutigt nach Hause zurück, während Ruprecht in Padua überwinterte und vergeblich versuchte, in Gesprächen mit Florenz und Venedig Geld für die Truppen zu erhalten; im April 1402 kehrte auch er unverrichteter Dinge nach Deutschland zurück. Im Kirchenschisma - anders als die Mehrheit des deutschen Klerus, die Alexander V. stützten - auf der Seite Gregors XII. stehend, geriet Ruprecht weiter ins Abseits. Als der Erzbischof Johann von Mainz seine Absetzung vorbereitete, schien eine kriegerische Auseinandersetzung unvermeidlich. Bevor es hierzu jedoch kommen konnte, starb Ruprecht im Alter von 58 Jahren auf der Rückreise vom Nürnberger Fürstentag nach Heidelberg. Sein Nachfolger wurde der jüngere Bruder Wenzels von Luxemburg (*1361, †1419), Sigismund von Luxemburg (*1368, †1437). 1398 hatte Ruprecht ein Kollegiatsstift für die Heidelberger Universität gestiftet und den Grundstein zum Hallenchor der Stiftskirche Heiliggeist (vollendet 1410) gelegt. Hier beigesetzt wurde auch seine Gemahlin Elisabeth, née von Hohenzollern-Nürnberg.

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Heidelberg, Stiftskirch Heiliggeist

Heinrich V.

                         

Römischer König (1106-25), Kaiser (seit 1111), Sohn von Heinrich IV.; letzter Salier; 1098 zum König gewählt, 1099 gekrönt, erhob sich 1104 gegen seinen Vater, erreichte 1105 durch den Anschluß an die kirchliche Partei die Anerkennung, lehnte aber später wie sein Vater das kirchliche Investiturverbot ab. Heinrich zog 1110 nach Italien, wo er mit Papst Paschalis II. einen Vertrag über die Rückgabe der Besitzungen und Rechte an die Bischöfe, wobei im Gegenzug der König die Wahl freigeben und auf die Investitur verzichten sollte. Die Realisierung dieses Vertrages scheiterte am Widerstand der Bischöfe. Als der Papst nun die Krönung verweigerte, setzte er ihn fest und erzwang das Privileg der Investitur. Daraufhin wurde Heinrich am 13.4.1111 zum Kaiser gekrönt. Eine römische Synode widerrief den Vertrag. Im Reich erhoben sich die sächsischen und thüringischen Fürsten und besiegten ihn unter Führung von Lothar (III.), dem späteren Kaiser, in der Schlacht am Welfesholz in der Nähe von Eisleben (11.2.1115). Verhandlungen mit Papst Kalixt II. führten 1122 zum Wormser Konkordat, das den Investiturstreit beendete. Da Heinrichs Ehe mit Mathilde, der Tochter Heinrich I. von England, kinderlos blieb, starb mit ihm das salische Kaisergeschlecht aus.

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Speyer, Dom

 Wiener Neustädter Burg, Hochaltar in der St. Georgskapelle

Bild: Alexander Krischnig (02/2007)

Hinweis: Bei der großartigen Grabanlage in der Innsbrucker Hofkirche handelt es sich um einen Zenotaph. Maximilians sterbliche Überreste befinden sich unter dem Hochaltar in der St. Georgskapelle der Wiener Neustädter Burg (heutige Militärakademie). Unter den das Grabmal in der Hofkirche umstehenden Personen befinden sich Philipp III., der Gute, und dessen Sohn Karl der Kühne, Namensgeber für den späteren Kaiser Karl V..

Qin Shinhuang (Ch'in Shih Huang-ti) [chin. 秦始皇帝 ]

 

Chinesischer Kaiser (221-210 v.Chr.); trug als König (seit 246 v.Chr.) des nordwestchinesischen Staates Qin den Namen Zheng und nahm 221 v.Chr. den Titel Göttlich Erhabener (Huangdi) an, seitdem Selbstbezeichnung der gesamtchinesischen Herrscher. Er unterwarf ganz China, das er mit der Ideologie des Legalismus (bedeutendste Theoretiker Han Feizi und Shang Yang) in einen zentralistischen Einheitsstaat umwandelte, indem er das für Qin herrschende Verwaltungssystem auf die gesamte damalige chinesische Welt ausdehnte. Entgegen seines schlechten Nachrufs, hat er bis heute wirkende positive Signale gesetzt: er ließ einheitliche runde Kupfermünzen prägen (mit einem quadratischen Loch in der Mitte), schaffte eine Vereinheitlichung der Hohl- und Längenmaße und eine neue, einheitliche Schriftform. Wie bei späteren Herrschern obligatorisch, kümmerte er sich um ein funtionierendes Bewässerungswesen und veranlaßte den Bau der Großen Mauer in den nördlichen Grenzgebieten.

1974 wurde östlich von Lintong eine zu der gigantischen Grabanlage des Kaisers Qin gehörende Armee von mehreren Tausend unterirdischen Terrakottakriegern entdeckt: Die Grabstätte selbst wurde noch nicht freigelegt, da eine Störung der Ahnen als großer Frevel gilt.

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Berg Li, Lintong bei Xi’an, Prov. Shaanxi

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Bilder: Daderot (03/2008) Wikipedia.it
Bild: Alexander Krischnig (02/2007)
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Bild: Reinhard Kirchner (05/2007) Wikipedia.de
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Bild: Henricus (2008) Wikipedia.de
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Hinweis: Der Sarkophag Kunigundes befindet sich im Diözesanmuseum in Bamberg

Haakon VII.  Christian Frederik Carl Georg Valdemar Axel

 

König von Norwegen; Prinz von Dänemark; entstammte der Dynastie Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg. Sohn des dänischen Kronprinzen Friedrich und späteren Königs Friedrich VIII. sowie dessen Gemahlin Prinzessin Louise Josephine von Schweden; verheiratet war er seit dem 22.7.1896 mit seiner Cousine ersten Grades, Prinzessin Maud von Großbritannien und Irland, die jüngste Tochter des zukünftigen britischen Königs Eduard VII. und Alexandra von Dänemark, seiner Tante. Aus der Ehe ging nur ein einziges Kind hervor; Prinz Alexander, der spätere König Olav V.. Nachdem 1905 die norwegisch-schwedische Staatenunion zerbrochen war und Norwegen sich unabhängig erklärte, wurden er und seine Gemahlin am 22.6.1906 im Trondheimer Nidaros-Dom zum König bzw. zur Königin von Norwegen gekrönt. Haakon ist damit Stammvater der aktuellen norwegischen Königsfamilie.

Im Ersten Weltkrieg verhielt er sich neutral und setzte sich erfolgreich für ein neutrales Verhalten der anderen skandinavischen Staaten ein. Nachdem zu Beginn des Zweiten Weltkrieges die deutsche Wehrmacht 1940 ohne Kriegserklärung auch in Norwegen einmarschiert war und Oslo erobert hatte, mußte Haakon die Stadt verlassen. Aufgefordert von deutschen Botschafter, zu kapitulieren und einer Ernennung des nationalsozialistisch gesinnten Politikers Vidkun Quisling zum Ministerpräsidenten zuzustimmen, verweigerte er sich und entzog sich auch der Festnahme; erst zwei Monate spter konnten er und seine Familie sowie die Regierungsmitglieder mittels des britischen Schweren Kreuzer HMS Devonshire nach London ins Exil gebracht werden, wo er eine Exilregierung einrichtet. Aufgrund seines unnachgiebigen Widerstands gegen die deutschen Forderungen wurde Haakon zum wichtigen Symbol des norwegischen Widerstands gegen die deutsche Besetzung. In Oslo scheiterte zugleich der Versuch, den König durch das Parlament absetzen zu lassen. Am 7.6.1945 kehrten Haakon und seine Familie auf dem britischen Schweren Kreuzer HMS Norfolk in ihre Heimat zurück, wo sie im Hafen von Oslo von einer großen Menschenmenge jubelnd begrüßt wurden. Zum Dank für seine Verdienste während des Zweiten Weltkrieges schenkte ihm das norwegische Volk 1948 die britische Privatyacht Philante, die in Norge umbenannt wurde.

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Maud Charlotte Mary Victoria

Königin von Norwegen; Prinzessin von Großbritannien und Irland; Großmutter König Haralds V. von Norwegen (*1937). jüngste Tochter von König Eduard VII. und Prinzessin Alexandra von Dänemark, Tochter Christians IX.; Enkelin Königin Victorias; Schwester des späteren Königs Georg V. von Großbritannien. Verheiratet war sie seit 22. 7.1896 mit ihrem Cousinmaud_gb_denkmal ersten Grades, Prinz Carl von Dänemark, den späteren König von Norwegen Haakon VII.; nachdem 1905 die norwegisch-schwedische Staatenunion zerbrochen war und Norwegen sich unabhängig erklärte, wurden ihr Mann und sie am 22.6.1906 im Trondheimer Nidaros-Dom zum König bzw. zur Königin von Norwegen gekrönt.

Slottsparken (Schloßpark) in Oslo

Aus der Ehe ging nur ein einziges Kind hervor; Prinz Alexander, der spätere König Olav V..

Nach ihr wurde zwei norwegische Besitzungen benannt: das Königin-Maud-Land und das Königin-Maud-Gebirge - beide in der Antarktis.

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Olav V.  Alexander Edvard Christian Frederik

 

 

König von Norwegen (1957-91); Prinz von Dänemark aus dem Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg; Sohn von König Haakon VII. und dessen Gemahlin Maud; erhielt zunächst Privatunterricht, wechselte dann jedoch in eine bürgerliche Privatschule. Er studierte auf dem Balliol College an der University of Oxford Politikwissenschaften, Bereits mit dem Erreichen der Volljährigkeit nahm er an den wöchentlich stattfinden Sitzungen des statsråd (Staatsrates) teil. Seine Verbindung mit seiner Cousine Prinzessin Märtha von Schweden - die Hochzeit fand am 21.3.1929 statt - hatte einen günstigen Einfluß der nunmehr politisch getrennten Länder. Nach dem ohne Kriegserklärung erfolgten Einmarsch der deutschen Wehrmacht auch in Norwegen im Mai 1940 blieben er und sein Vater zunächst im Lande, wurden jedoch am 7.6.1940 gemeinsam mit allen Regierungsmitgliedern von den britischen Kreuzer HMS Devonshire im nordnorwegischen Tromsø aufgenommen und nach Großbritannien ins Exil gebracht. Wenige Tage nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte Olav am 12.5.1945 nach Norwegen zurück. Am 21. September 1957 folgte er seinem verstorbenen Vater nach deiner traditionellen Krönungszeremonie im Dom von Trondheim (Nidarosdom) als Olav V. auf den norwegischen Thron. Aber die nach dem Kriege veränderte politische Situation im Lande beschränkten die Gestaltungsmöglichkeiten des ”Folkekonge“ (Volkskönig); sie bewegten sich nur noch im Rahmen der Verfassung, d.h. sie waren nur noch formeller Natur. Seine - im Gegensatz zu seinem Vater - eher wenig formelle und direkte Art machten ihm beim Volk beliebt. Typisch für Olav war, daß er während der ersten großen Ölkrise im Jahre 1973 bei privaten Unternehmungen mit der U-Bahn fuhr.

Sein Nachfolger auf dem norwegischen Thron war Harald V.

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Märtha Sofia Lovisa Dagmar Thyra

1929

 

Kronprinzessin von Norwegen; Prinzessin von Schweden; zweites von vier Kindern ihrer Eltern Prinz Carl von Schweden und Prinzessin Ingeborg von Dänemark; Schwester von Astrid von Schweden; heiratete am 21.3.1929 ihren Cousin Olav (V.) von Norwegen; verließ Norwegen mit ihren Kindern kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und floh zunächst nach Schweden und von dort aus auf Einladung Präsident Franklin D. Roosevelts, den sie bereits im Rahmen einer Reise 1939 kennen gelernt hatte, weiter in die Vereinigten Staaten, wo sie sich für die Zeit des Krieges in Europa im Weißen Haus in Washington (DC) niederließ und für das Rote Kreuz tätig war. 1945 kehrte sie aus den USA nach Norwegen zurück

Slottsparken (Schloßpark) in Oslo

Dort wurde sie von der Bevölkerung wie eine Heldin empfangen und als ”Mutter der Nation“ bezeichnet.

Zahlreiche Denkmäler, u.a. auch eines in Washington (DC) vor der dortigen norwegischen Botschaft, künden von der Beliebtheit der Königin.

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Oslo, Akershus festning, Königl. Mausoleum

Oslo, Akershus festning, Königl. Mausoleum

Bilder: Peter Müller (08/2015)
Bilder: Peter Müller (08/2015)

Sigurd I. Jorsalfare gen. der Jerusalemfahrer [altwestnord Sigurðr Jórsalafari]

 

 

König von Norwegen und der Isle of Man (1103-30); Graf von Orkney; Sohn von Magnus III.. Barfot (Barfuß); regierte zunächst gemeinsam mit seinen Brüdern Øystein and Olaf (†1115), ab 1123, nach dem Tode Øystein, dann alleine. Die Zeit seiner Herrschaft gilt allgemein als ein goldenes Zeitalter für das mittelalterliche Königreich Norwegen, während dem sein Land zu Wohlstand gelangte und sich territorial ausweitete. 1098 begleitete er seinen Vater auf dessen Expedition auf die Orkney-Inseln, Hebriden und die Irische See und wurde von jenem als Jarl (Graf) von Orkney eingesetzt. Als solcher brachte er die Gebiete unter norwegische Kontrolle. 1107 nahm der damals 17-Jährige mit einer Flotte von angeblich 60 Schiffen am Ersten Kreuzzug teil, was ihm internationales Renomee einbrachte. 1110 traf er in Palästina ein, nachdem er in England, Galizien und Sizilien überwintert und gegen die andalusischen Mauren gekämpft hatte. In Palästina wurde er von König Balduin von Boulogne, Bruder Gottfrieds von Bouillon, des “Beschützers des Heiligen Grabes” und Königs von Jerusalem, empfangen, besuchte die heiligen Stätten und nahm an der Belagerung und Eroberung Sidons teil. Als Geschenk Gottfrieds von Bouillon erhielt er einen Splitter von “Heiligen Kreuz” zum Geschenk, den er mit in die Heimat nahm. Den Heimweg nach Norwegen trat er auf dem Landwege an, wobei er 1111 in Konstantinopel Station machte. Er widmete sich jetzt der Festigung der Kirche, führte in seinen Ländern den Kirchenzehnten ein und gründete u.a. auch das Bistum Garðar auf Grönland. Gemäß der Heimskringla, einem mittelalterlichem Werk über die Geschichte der norwegischen Könige, unterwarf er 1123 auch Småland. In seinen letzten Jahren litt Sigurd Jorsalafari unter einer Geisteskrankheit, die ihn rastlos und gewalttätig werden ließ.

Als Sigurd I. im Alter von 40 Jahren starb, folgte ihm sein Sohn als König auf dem Thron. Kurz vor seinem Tod war allerdings Harald Gille aus Irland am Königshofe erschienen und hatte behauptet, ein Sohn seines Vater aus dessen Beziehung mit seiner Geliebten Borghild Olavsdatter und somit sein Bruder zu sein. Zum Beweis legte er 1129 erfolgreich die Eisenprobe ab. Sigurd erkannte Harald als Bruder an und ordnete an, daß auch das Volk ihm huldigen solle. Harald mußte jedoch geloben,, zu Lebzeiten von Sigurd und seinem Sohn Magnus den Thron nicht zu beanspruchen. Nach seinem Tod brach allerdings zwischen Harald und Magnus dennoch der Streit um den Thron aus, der in einen langwierigen Bürgerkrieg mündete.

Sigurd trifft König Balduin von Jerusalem am Jordan.

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Bilder: Peter Müller (08/2015)

Oslo, Akershus festning, Königl. Mausoleum

Hinweis: Sugurd I. wurde ursprunglich in der Hallvardskirken, eine romanische Basilika in Oslo beigesetzt, die im Laufe des Norwegischen Bürgerkriegs (1130-1240) zerstört wurde und von der nur noch die Grundmauern vorhanden sind (heute Minneparken).

Adel / Regenten X

Omnibus salutem!