Klaus Heinrich Thomas Mann

 Bild: Dep. of Defense

Deutscher Schriftsteller; der älteste Sohn von Thomas Mann und dessen Frau Katia lebte nach dem Besuch einer Privatschule von 1912 bis 1914, der Bogenhausener Volksschule und der reformpädagogischen Odenwaldschule in Oberhambach bei Heppenheim von 1925 an als Theaterkritiker in Berlin und gründete dort zusammen mit seiner Verlobten Pamela Wedekind (*1906, †1986), seiner Schwester Erika Mann und deren Ehemann Gustaf Gründgens ein Theaterensemble. Als bekennender Gegner des Nationalsozialismus bereits 1930 vom Völkischen Beobachter diffamiert, notierte Klaus Mann, der nicht an einen Wahlsieg der Nationalsozialisten geglaubt hatte, am 30. Januar 1933 in sein Tagebuch:“...Hitler Reichskanzler. Schreck!“ verließ am 13. März Deutschland und flüchtete zunächst nach Paris ins Exil, dann nach Amsterdam. Von 1933 bis 1935 war er Mitherausgeber der Emigrantenzeitschrift Die Sammlung, die von Annemarie Schwarzenbach finanziell unterstützt wurde. 1936 ging er schließlich in die USA, wo er 1943 amerikanischer Staatsbürger wurde. 1938 berichtete er als Berichterstatter über den Spanischen Bürgerkrieg und redigierte 1941/42 die avantgardistische Zeitschrift Decision. Nachdem er 1942 in die US-Armee eingetreten war, nahm er 1944/45 an den Kämpfen in Italien teil. Seine Probleme mit dem sehr dominierenden Vater führten zu einer Trennung von diesem und zu einer Absage an dessen bürgerliche Ideale und Normen. Die Loslösung gelang jedoch erst, nachdem Klaus Mann sich im Exil gegen den Faschismus engagierte. In dieser Zeit entstanden seine bedeutendsten Romane. Die Verbreitung seines - auch verfilmten - Romans Mephisto, Roman einer Karriere wurde 1966 in der Bundesrepublik Deutschland mit Rücksicht auf Gustaf Gründgens verboten; erst 1981 erfolgte ein Nachdruck des Romans. Klaus Mann, der seit frühester Jugend von dem Gefühl der Einsamkeit und von Todesgedanken beherrscht war, nahm sich das Leben mit einer Überdosis Schlaftabletten.

Seine Schwester Erika ließ die folgende Inschrift anbringen.

Inschrift:

        For whosoever will save his life shall
        lose it; but whosoever will lose his
        life, the same will find it.
       
        Lukas IX, 24

Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert [um meinetwillen], der wird es erhalten.

Werke u.a.: Anja und Esther (1925), Revue zu Vieren (1926), Alexander. Roman der Utopie. Berlin (1929), Treffpunkt im Unendlichen (1932), Symphonie pathétique (1935), Der Vulkan (1939), Mephisto. Roman einer Karriere (1936, verfilmt 1980 von István Szabó mit Klaus Maria Brandauer), The turning Point (engl.1942; dt. herausgegeben als Der Wendepunkt, 1952).

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Peter Bamm eigentl. Curt Emmrich

 

 

Deutscher Schriftsteller; wuchs in Sachsen auf, wo er in Bautzen das Gymnasium besuchte. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Kriegsfreiwilliger teil. Anschließend studierte er in München, Göttingen und Freiburg im Breisgau von 1919 bis 1923 Medizin und Sinologie. Bereits während seiner Ausbildung zum Facharzt für Chirurgie verfaßte er für die Deutsche Allgemeine Zeitung feuilletonistische Aufsätze. Nach Abschluß des Studiums unternahm er als Schiffsarzt zahlreiche Weltreisen und ließ sich dann als Facharzt für Chirurgie in Berlin-Wedding nieder. Ab 1932 arbeitete er als freier Schriftsteller, schrieb Essays, Reiseberichte und historische Werke, die auch während der Nazi-Diktatur veröffentlicht wurden, obwohl Bamm dem Regime unbequem war. Während des Zweiten Weltkrieges diente er als Stabsarzt an der Ostfront, wobei er später seine Erlebnisse in Die unsichtbare Flagge (1953) niederschrieb. Nach dem Krieg unternahm er zwischen 1952 und 1957 Studienreisen in den vorderen und mittleren Orient, zu denen ihn der Nordwestdeutsche und der Bayerischen Rundfunk veranlaßt hatten; Ergebnis dieser Reise war u.a. der mit der Kenntnis eines im Sinne einer humanistischen Bildung Erzogenen der kenntnisreiche Band Frühe Stätten der Christenheit (1955). Anschließend arbeitete er als Feuilletonist bei verschiedenen Berliner Zeitungen.

Werke u.a.: Kleine Weltlaterne (1935), Ex ovo (1955), Welten des Glaubens (1959), An den Küsten des Lichts (1961), Alexander oder die Verwandlung der Welt (1965).

Autobiographie: Eines Menschen Zeit (1972).

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Carl Ludwig Schleich

                                        

Deutscher Arzt und Schriftsteller; der Sohn eines Augenarztes studierte nach dem Abitur, das er 1879 in Stralsund ablegte, zunächst in Zürich, wo er mit Gottfried Keller befreundet war, dann in Greifswald und bis zum 1. Staatsexamen 1886 an der Charité in Berlin Medizin. 1887 promovierte er in Greifswald und blieb dort als Assistent bis 1889, um im selben Jahr eine private Klinik für Frauenkrankheiten und Chirurgie in Berlin-Kreuzberg zu eröffnen, die er bis 1901 betrieb.. 1892 erfand er die Infiltrationsanästhesie für lokale Anästhesie; seit 1900 war er Leiter der chirurgischen Abteilung am Krankenhaus in Groß-Lichterfelde und wurde 1901 Professor.

Schleich betätigte sich auch als populär-wissenschaftlicher Schriftsteller und Philosoph, verfaßte mit beachtlichem Erfolg Essays und Schriften, die zunächst ausschließlich in Zeitschriften wie Die Zukunft von Maximilian Harden oder in Die neue Rundschau, herausgegeben von Samuel Fischer, oder auch Die Gartenlaube veröffentlicht wurden. Seine Lebenserinnerungen Besonnte Vergangenheit (1920) wurden vom Publikum mit großem Interesse aufgenommen.

Werke u.a.: Von der Seele (1910), Es läuten die Glocken. Phantasien über den Sinn des Lebens (1912), Aus Asklepios’ Werkstatt. Plaudereien über Gesundheit und Krankheit (1916), Das Problem des Todes (1920), Besonnte Vergangenheit. Lebenserinnerungen eines Arztes (1920), Bewußtsein und Unsterblichkeit (1920).

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Cannes, Cimetière de Grand Jas, Carré des Americains

Bilder: Günter Strack

Hannover, Stöckener Friedhof

Gerhart Hauptmann

no_copyright Bild: Nicola Perscheid (1914)

Deutscher Dichter; der Sohn eines Gastwirts begann nach dem Besuch der Realschule in Breslau zunächst eine landwirtschaftliche Ausbildung auf dem Rittergut eines Onkels im schlesischen Lohnig (heute Łagniewniki Średzkie bei Udanin), besuchte dann ab 1880 in Breslau die Bildhauerklasse an der Königlichen Kunst- und Gewerbeschule, die er 1882 wieder verließ. 1881 verlobte er sich mit Marie Thienemann, der Tochter eines Großkaufmanns, die ihn finanziell unterstützte, so daß er zum Wintersemester 1882/83 ein Studium der Philosophie und der Literaturgeschichte an der Universität Jena beginnen konnte, das er aber auch bald abbrach und mit finanzieller Unterstützung seitens seiner Verlobten 1883 eine Mittelmeerreise antrat und sich in Rom als Bildhauer niederließ. Ohne den erwartenten Erfolg kehrte Hauptmann nach Deutschland zurück und studierte 1884 an der Kunstakademie in Dresden. Im Folgejahr heiratete er Marie und zog mit ihr nach Erkner, einer kleinen Gemeinde südlich von Berlin und kam in Kontakt mit dem naturalistischen Berliner Literaturverein "Durch". 1891 bezog er das gemeinsam mit seinem Bruder Carl gekaufte Haus im schlesischen Riesengebirge gelegene Schreiberhau, wobei er sich im Sommer überwiegend auf Hiddensee aufhielt. Nachdem Margarete Marschalk 1893 Hauptmanns Geliebte geworden war, reiste seine Frau in die Vereinigten Staaten, wohin er ihr später folgte. Nach der Rückkehr von dort, trennte er sich von ihr, heiratete 1904 Margarete und zog mit ihr nach Agnetendorf (heute Jagniątków).

Haus in Agnetendorf (Photo: Dr. Herta Lepie, 08/2011)

Als wichtigster Vertreter des deutschen Naturalismus erzielten Hauptmanns sozialkritische Werke spektakuläre Wirkung. Sein Drama Vor Sonnenaufgang (1889) brachte seinen literarischen Durchbruch. Hauptmanns Einstellung zur Weimarer Republik war zunächst positiv; obwohl er 1933 vom nationalsozialistischem Gedankengut beeindruckt war, blieb er unpolitisch und zog sich bis 1945 zurück. Allerdings arrangierte er sich mit dem System, um seine Werke nicht zu gefährden, was seine ins Exil gegangenen Freunde enttäuschte.

Werke u.a.: Die Weber (1892, 1. Fassung in schlesischer Mundart 1892 unter dem Titel De Waber), Bahnwärter Thiel (1888), Der Biberpelz (1893), Fuhrmann Henschel (1898), Rose Bernd (1903), Die Ratten (1911), Iphigenie in Delphi (1941), Iphigenie in Aulis (1943), Agamemnons Tod, Elektra, herausgegeben 1948, beides zusammen 1949).

Auszeichnungen u.a.: Nobelpreis für Literatur (1912).

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Kloster auf Hiddensee

Jeremias Gotthelf eigentl. Albert Bitzius

Schweizerischer Erzähler; der Sohn eines Pfarrers studierte Theologie in Bern und Göttingen, war danach Vikar an verschieden Orten und ab 1832 Pfarrer in seiner Geburtsstadt. Seine Erzählungen sind in Menschendarstellung und Erzählkunst vergleichbar mit denen der großen russischen Schriftsteller. Ursprünglich liberal eingestellt, wurde Gotthelf ein scharfer Gegner des schweizerischen Freisinns und dessen Fortschrittsglaubens.

Werke u.a.: Der Bauern-Spiegel oder Lebensgeschichte des J. Gotthelf (1837), Wie Uli der Knecht glücklich wird (1841, Neufassung 1846 unter dem Titel Uli der Knecht), Uli der Pächter (1849).

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Lützelflüh b. Burgdorf (Kt. Bern)

Bild: Martina Schulz

Stahnsdorf (Ldkrs. Potsdam-Mittelmark), . Südwestkirchhof

Alexej Nikolajewitsch Graf Tolstoi [russ. Алексей Николаевич Толстой]

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Russischer/sowjetischer Schriftsteller; Großvater der Schriftstellerin Tatjana Nikititschna Tolstaja [Татьяна Никитична Толстая] (*1951); schrieb in der Emigration (1918-23) die autobiographische Erzählung Nikitas Kindheit (1922). Die Trilogie Der Leidensweg (1920-41) behandelt das Schicksal russischer Intellektueller der Vorkriegs-, Kriegs- und Revolutionszeit und mündet in die Anerkennung des Bolschewismus. Sein Hauptwerk ist der historische Roman Peter I. (3 Bde., 1929-45, unvollendet). Tolstois bedeutendstes Drama Iwan der Vierte (2 Teile, 1941-43) weicht stark von der historischen Wirklichkeit ab.

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Moskau, Friedhof am Neujungfrauenkloster

Mira Lobe née Hilde Mirjam Rosenthal

 

 

Österreichische Kinderbuchautorin; Tochter des Mitinhabers einer Brennerei für Alkoholika, Chorleiters und Organisten. Nach dem Abitur ging Mira, die schon in der Schule gerne Aufsätze geschrieben hatte, nach Berlin, um dort Journalistik zu studieren. Allerdings wurde ihr bald von den Nazis das Studium untersagt, so daß sie statt dessen die Näh-und Modeschule in Berlin besuchte. Zur gleichen Zeit schloß sie sich einer zionistischen Jugendbewegung an und begann die hebräische Sprache zu erlernen. 1936 wanderte sie nach Palästina aus und nahm diverse Arbeiten an, um überleben zu können. 1940 heiratete sie den Schauspieler und Regisseur Friedrich Lobe. Nach der Geburt ihrer beiden Kinder (1944 und 1947) begann sie mit dem Schreiben von Büchern für Kinder, wenn sie abends von ihrer Arbeit in einer Druckerei nach Hause kam. 1948 erschien in Israel ihr Buch Insu-Pu., das 1951 unter dem Titel Insu-Pu, die Insel der verlorenen Kinder dann auch auf Deutsch erschien. Nachdem ihr Mann ein Engagement amTheater in der Scala erhalten hatte, kam sie gemeinsam mit ihren beiden in Israel geborenen Kindern nach Wien, wo sie auch weiterhin schrieb. Als das Theater in der Scala 1957 geschlossen wurde, folgte ihr Mann einem Engagement an das Deutsche Theater in der DDR; die Familie zog nach Ostberlin. Als aber ein Jahr später Friedrich Lobe ein Angebot vom Theater in der Josefstadt in Wien erhielt, ließ die Familie sich dort dauerhaft nieder. Dort erschien 1972 der Titel Das kleine Ich-bin-ich, der zu einem Klassiker unter den Kinderbüchern wurde. Für diesen Titel wurde Mira Lobe 1972 mit dem Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnet. Viele andere der fast einhundert titel, die sie verfaßte,wurden ebefalls ausgezeichnet.

Werke u.a.: Die Bondi-Mädels (1957), Der ist ganz anders als ihr glaubt (1976), Valerie und die Gute-Nacht-Schaukel (1981), Die Geggis (1985), Die Omama im Apfelbaum (1965), Die Räuberbraut (1974), Die Sache mit dem Heinrich (1989).

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Bilder: Ernst Knisch (

Wien, Israelitischer Friedhof (am Zentralfriedhof)

Luis de Góngora y Argot

Spanischer Lyriker und Dramatiker; Sohn eines Richters; begann an der Universität Salamanca ein Studium der Rechtswissenschaften, das er abbrach, erhielt jedoch aufgrund von Beziehungen eine Pfründe im Kapitel der Kathedrale von Córdoba. 1603 kam er an den Hof, wo er sich mit F.G. de Quevedoy Villegas und Lope de Vega verfeindete, die seinen Stil heftig kritisierten. 1617 wurde er zum Priester geweiht und zum Ehrenkaplan Philipps III. ernannt, erreichte jedoch nicht die angestrebten Würden und Einkünfte. Verarmt, vom Hofleben angewidert und krank, kehrte er 1626 schließlich nach Córdoba zurück. Góngaras Werk umfaßt neben zwei weniger bedeutenden Theaterstücken fast ausschließlich lyrische Werke, über 300 Dichtungen - darunter viele volkstümliche Romances und Letrillas. Seine drei größeren Werken, Fábula de Polifemo y Galatea (1612; dt. Die Fabel von Polyphem und Galatea, auch Polyphem), den Soledades (Fragment, 1613/14) und dem Panegírico al duque de Lerma (1617) machten ihn zum bedeutendsten spanischen Barockdichter. Sein für die damalige Zeit neuer Stil wurde als Gongorismus oder Culteranismo bekannt, der den Gipfel der spanischen manieristischen Lyrik der Barockzeit darstellt, und Federico García Lorca bezeichnete Góngora als Vater der modernen Lyrik überhaupt.

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Bild: Pablo Rodríguez (10/2007) Wikipedia.en
Bild: joan ggk (08/2008) Wikipedia.en

Córdoba, San Bartolomé de la Mezquita

Friedrich Carl Maria Sieburg

 

Deutscher Schriftsteller und Journalist; einer Kaufmannsfamilie entstammend: studierte Philosophie, Geschichte, Literatur und Nationalökonomie in Heidelberg u.a. bei Max Weber und Friedrich Gundolf. Nach dem Ersten Weltkrieg, in dem er zunächst als Infanterist, ab 1916 dann als Fliegeroffizier im Einsatz war, lebte er bis 1923 zunächst als freier Schriftsteller in Berlin. Von 1924 bis 1942 war er Korrespondent der Frankfurter Zeitung; davon von 1932 bis 1939 als Auslandskorrespondent in Paris tätig. Ab Februar 1940 war der dem Nationalsozialismus nahestehende Sieburg, der 1939 in den deutschen Auswärtigen Dienst berufen worden war, an der Deutschen Botschaft in Brüssel als “Sonderbeauftragter“ des Auswärtigen Amtes tätig, 1940 wurde er zu Botschaftsrats in Paris ernannt und blieb bis 1942 im besetzten Teil Frankreichs, bevor er wieder nach Deutschland zurückkehrte und bis zu ihrem Verbot im Jahre 1943 wieder für dieFrankfurter Zeitung arbeitete. Nach dem Ende des Krieges wurde er von der französischen Besatzungsmacht bis 1948 mit Publikationsverbot belegt. Von 1948 bis 1955 war Sieburg Mitherausgeber der Zeitschrift Die Gegenwart und seit 1956 Leiter der Literaturbeilage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung; Bis zu seinem Tod galt er als einer der bedeutendsten Zeit- und Literaturkritiker, war gleichzeitig aber umstritten.

Werke u.a.: Die rote Arktis (1932), Es werde Deutschland (1933), Polen, Legende und Wirklichkeit (1934),Robespierre (1935), Neues Portugal (1937), Die stählerne Blume (1939), Schwarzweiße Magie. Über die Freiheit der Presse (1949), Die Lust am Untergang. Selbstgespräche auf Bundesebene (1954), Napoléon. Die hundert Tage (1956).

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Bilder Thomas Haas (05/2012)

Stuttgart-Degerloch, Waldfriedhof

Bilder: Herbert Schiefelbein (2003)
Schriftseller XXXIII

Omnibus salutem!