Alberto Moravia eigentl. Alberto Pincherle

 

Italienischer Schriftsteller; der Sohn eines Architekt und Malers, als Kind an Tuberkulose erkrankt, verbrachte viele Jahr in Sanatorien, nutzte diese Zeit zu eifrigem Lesen und begann zu schreiben. Sein erster Roman Gli indifferenti (1929, dt. Die Gleichgültigen; verfilmt 1964 mit Claudia Cardinale, Rod Steiger und Shelley Winters), in dem er sich mit den Brüchen in der italienischen Gesellschaft auseinandersetzte, wurde in Italien gleich ein großer Erfolg. Moravia, der als Zeitungskorrespondent u.a. Amerika, China und Afrika bereiste und von 1959 bis 1962 Vorsitzender des internationalen P.E.N.-Clubs war, gilt als einer der erfolg- und einflußreichsten italienischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Sein Werk, in dem er sich auch mit Krieg und Faschismus auseinandersetzte, beeinflußte den Neorealismus maßgeblich. Viele seiner Werke beinhalten - für die Zeit ihrer Entstehung - sehr freizügige Szenen z.B. in La romana (1947, dt. Adriana, ein römisches Mädchen, auch unter dem Titel Die Römerin). Moravia war auch Dramatiker, Essayist und Filmkritiker. Viele seiner Romane und Erzählungen waren Vorlagen zu Filmen, so für Le Mépris (1963, unter der Regie von Jean-Luc Godard, mit Brigitte Bardot, Jack Palance und Michel Piccoli) oder Ieri, oggi, domani (1963, unter der Regie von Vittorio de Sica, mit Sophia Loren und Marcello Mastroianni).

Werke u.a.: Racconti romani (1954, dt. Die Mädchen vom Tiber), La ciociara, 1957; dt. Cesira), L'attenzione (1965, dt. Inzest), L'uomo che guarda (1985, dt. Der Zuschauer).

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Rom, Cimitero al Campo Verano

Kornej Iwanowitsch Tschukowskij [russ. Корней Иванович Чуковский]

Russischer Dichter; Vater der Schriftstellerin Lidija Tschukowskaja; zog mit seiner Mutter nach der Trennung der Eltern nach Odessa, wo er das Gymnasium besuchte, von dem er jedoch wegen “zu einfacher” Abstammung relegiert wurde. Er bildete sich daraufhin selber, erlernte das Englische und Französische im Selbststudium. 1901 begann er bei der Zeitung “Odjesskije Nowosti” (Odessaer Nachrichten) zu arbeiten und wurde 1903 als deren Korrespondent auf ein Jahr nach London gesandt. 1905 gründete er, auch unter dem Eindruck der Russischen Revolution des Jahres 1905, die satirische Zeitschrift “Signal”, wurde jedoch wegen regimekritischer Äußerungen und Beleidigung des Zaren angeklagt, jedoch freigesprochen. Während seines Aufenthalts in Karelien befreundete er sich mit dem Maler Ilja Repin und dem Schriftsteller Wladimir Korolenko (*1853, †1921). Um eben diese Zeit übersetzte er Werke Walt Whitmans und begann Kinderbücher zu schreiben. 1916 schrieb er sein erstes Märchen Das Krokodil und übernahm im gleichen Jahr auf Einladung Maxim Gorkis die Kinderbuchabteilung des Verlages “Parus”. Unter Stalins Gewaltherrschaft geriet er in Ungnade, und viele seiner Werke wurden verboten. Erst nach dem Tode Stalins konnte seine Werke wieder publiziert werden, und 1957 wurde Tschukowskij mit dem Leninorden ausgezeichnet. Sein Haus in der Künstlerkolonie von Peredelkino ist heute ein Museum.

Werke u.a.: Moidodir (dt. Waschblitzsauber), Tarakanischtschje Der Riesenkakerlak), Aibolit (Dr. Auweh).

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Lidija Kornejewna Tschukowskaja [russ. Лидия Корнеевна Чуковская]

Russische Schriftstellerin; Tochter Kornej Tschukowskijs; bekannt wurde Tschukowskaja, die lange Zeit mit der Dichterin Anna Achmatowa (*1889, †1966) befreundet war und deren Schriften zusammengestellt hat, in ihrer Heimat besonders durch ihre Kinderbücher, als ihr Hauptwerk allerdings gilt der Roman Sofia Petrowna (1939/40), der Stalins Große Säuberungen zum Inhalt hat. Aufgrund ihrer systemkrischen Einstellung wurde sie immer wieder verfolgt. In der Chruschtschow-Zeit setzte sie sich immer wieder für die Dissidenten ein; im Januar 1974 wurde sie aus den Schriftstellerverband ausgeschlossen (diese ausschluß wurde erst im Frebruar 1989 wieder aufgehoben). Verheiratet war sie seit den späten 1930er Jahren bis zu seiner Hinrichtung mit dem Physiker Matwej Bronstein (*1906, †1938), nachdem die 1929 geschlossene ehe mit dem Literaturhistoriker Tzesarja Samoilowitsch Volpe in die Brüche gegangen war.

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 Peredelkino bei Moskau

Anna Andrejewna Achmatowa [russ. Анна Андреевна Ахматова] eigentl. Anna Andrejewna Gorenko

pinxit: Kuzma Petrow-Wodkin (1922)                      

Russische Lyrikerin; drittes von sechs Kindern eines Marineingenieurs. 1890 übersiedelte die Familie nach Zarskoje Selo bei Sankt Petersburg, wo Achmatowa bis zu ihrem 16. Lebensjahr in großbürgerlichem Umfeld aufwuchs und das dortige Lyzeum besuchte. Als sich ihre Eltern 1905 trennten, lebte sie mit ihrer Mutter und den Geschwistern zunächst ein Jahr lang in Jewpatorija auf der Krim, bevor sie von 1907 bis 1910 in Kiew in “Höheren Frauenkursen“ Jura studierte. 1910 heiratete sie den ihr seit der Kindheit persönlich bekannten Dichter Nikolai Gumiljow (*1886), von dem sie sich 1918 wieder scheiden ließ (er wurde 1921 wegen angeblicher konterrevolutionärer Aktivitäten erschossen). Mit ihm besuchte sie Paris und bereiste Italien, wo sie u.a. Amedeo Modigliani traf, der von ihr Zeichnungen anfertigte. Zusammen mit ihrem Mann und Ossip Mandelstam (*1891, †1938) wurden sie zu den zentralen Vertretern der Literaturbewegung des Akmeismus, der als Reaktion auf den Symbolismus einfache und klare Form in der Dichtung fordert. Seit Beginn der Gründung der Sowjetunion war sie Repressalien ausgesetzt; zwischen 1922 und 1940 wurden ihre Gedichte nicht mehr gedruckt, da es ihnen lt. der kommunistischen Führung an gesellschaftlicher Relevanz fehle, ein Vorwurf, der 1946 auch von Andrej Alexandrowitsch Schdanow, einem enge Mitarbeiter Stalins, wiederholt wurde, der sie als “bourgeois” bezeichnete. Erst 1940 erschien wieder ein schmaler Auswahlband, und ihr Gedichtzyklus Rekviem (Reqiem), eine dichterische Auseinandersetzung mit dem Terror der Stalinzeit, den sie zwischen 1935 und 1961 geschrieben hatte, konnte in der Sowjetunion erst Ende der 1980er Jahre publiziert werden, obwohl sie bereits vorher rehabilitiert und 1958 wieder in den sowjetischen Schriftstellerverband aufgenommen worden war. Bis in das hohe Alter schrieb sie Gedichte, darunter Poema bes geroja (1963, dt. Poem ohne Held). 1964 durfte sie nach Italien reisen, um in Taomina den Ätna-Taormina-Preis entgegenzunehmen. Auf dieser Reise traf sie in Rom mit Ingeborg Bachmann zusammen, die ihr zu Ehren das Gedicht Wahrlich schrieb. Ein Jahr später erhielt sie die Ehrendoktorwürde der Universität von Oxford und wurde für den Nobelpreis für Literatur nominiert.

Zeichnung Modiglianis (1911)

 

 

Werke u.a.: Wjetscher (1912, dt. Abend),Tschetki (1914, dt. Rosenkranz), Bjelaja staja (1917, dt. Die weiße Schar), Anno domini MXMXXII (1922), Ich lebe aus dem Mond, du aus der Sonne. Hundert Gedichte über die Liebe (auf deutsch erschienen 2000).

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Komarowo b. Sankt Petersburg

Torquato Tasso

               

Italienischer Dichter; der Sohn des Dichters Bernardo Tasso (*1493, †1569) wurde u.a. am Hofe von Urbino erzogen, studierte dann zunächst an der Universität von Bologna und ab 1560 Jura und Philosophie an der Universität von Padua. Dort verfaßte er 1562 sein erstes Werk, das Ritterepos Rinaldo. 1565 trat er in Ferrara als sog. Hofkavalier in die Dienste des Kardinals Luigi d’Este, wechselte dann aber 1572 in den Dienst des Herzogs Alfonso II. d'Este von Ferrara, einem Bruder des Kardinals, über. Im Jahr 1573 vollendete Tasso das Schäferspiel Aminta, eine Darstellung des höfischen Lebens in Versen, das mit großem Erfolg am Hofe aufgeführt wurde. Als Ende des Jahres 1575 bei Tasso erste Anzeichen einer psychischen Erkrankung auftraten und er zeitweise gewalttätig wurde, isolierte man ihn im Franziskanerkloster der Stadt, von wo aus er jedoch fliehen konnte. 1578 kehrte er nach einem ruhelosen Wanderleben nach Ferrara zurück. Bereits im Folgejahr wurde er wegen seines Verfolgungswahns in das Irrenhaus von Sant' Anna eingeliefert. Erst im Juni 1586 - nach sieben Jahren - konnte er auf Betreiben des Herzogs von Mantua, der ihn nach Mantua mitnahm, das Irrenhaus endlich verlassen. In Mantua vollendete er die bereits Jahre zuvor begonnene Verstragödie Il re Torrismondo (1587). 1587 verließ er Mantua bereits wieder. Ende Januar 1578 verspürte Tasso allerdings den Wunsch, seine Gedichte zu vollenden, und begab sich deshalb nach Rom.

Bild: Dr. Herta Lepie (04/2013)

Ospite del cardinale Scipione Gonzaga soggiorno più volte e a lungo in quesro palazzo dal MCLXXXVII al MDXC [dt. Als Gast des Kardinal Scipione Gonzaga mehrfache Aufenthalte sowie einen ausgedehnten in diesem Palast von 1587 bis 1590]

Dort wohnte er zwei Jahre als Gast im Palast des Kardinals Scipione Gonzago und später bei Giulio Masetti, dem Botschafter von Ferrara. Während dieser Jahre arbeitete er an der Umarbeitung seines Hauptepos weiter, das schließlich 1593 in Rom unter dem Titel La Gerusalemme conquistata publiziert wurde. Tasso, der als der bedeutendste Vertreter der italienischen Renaissance gilt, verfaßte mehr als 1.700 Gedichte. Um ihn zu ehren, wurden ab 1594 Vorbereitungen zu seiner Dichterkrönung durch Papst Klemens VIII. getroffen; kurz vor der Ehrung starb Tasso jedoch. In 18. und 19.  Jahrhundert wurde der Dichter zur Symbolfigur für die Tragik eines von der Welt mißverstandenen Genies. Seine Werke beeinflußten u.a. Lord Byron, Carlo Goldoni (*1707, †1793) und Goethe; letzterer schuf ihm mit seiner dramatischen Bearbeitung Torquato Tasso, angesiedelt im Lustschloß Belriguardo der Herzöge von Ferrara, ein bleibendes Denkmal (das Lustschloß war ein Lieblingsaufenhalts Ort von Lucrezia Borgia).

Werke u.a.: Rime (2 Bde., 1581/82), Rime et prosa (1583), Rime spirituali (1597), Dialoghi (1581), Discorsi dell’arte poetica e in particolare sopra il poema eroica (1587, überarbeitet 1594, dt. Über die Dichtkunst, insbesondere das Heldenepos).

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Rom, S. Onofrio

Roald Dahl

 

Walisischer Schriftsteller norwegischer Abstammung; das dritte Kind eines norwegischen Emigranten wurde im Alter von vier Jahren Halbwaise. Ab 1933 war er für die Shell Oil Company tätig und für das Unternehmen zwischen 1937 und 1939 in Tansania. Während des Zweiten Weltkrieges war er als Kampfpilot, u.a. in Ägypten und Griechenland eingesetzt. Nachdem er 1940 bei einem Abschuß schwer verletzt wurde, wurde er 1942 als Attaché nach Washington versetzt. Seine Kriegserlebnisse hielt er unter dem Titel Shot Down Over Libya (1942) in der Saturday Evening Post fest, und er schrieb seinen ersten Roman, The Gremlins (1943). Nach dem Ende des Krieges lebte er in England und in New York. Zum Bestseller wurde die Sammlung von Kurzgeschichten Someone Like You (1953) Dahls, der in der Folge makabre Erzählungen mit witzigen Pointen verfaßte, aber auch 19 Kinderbücher, u.a. James and the Giant Peach (1961, dt. James und der Riesenpfirsich) und Charlie and the Chocolate Factory (1964, dt. Charly und die Schokoladenfabrik) sowie Drehbücher, u.a. für den James Bond-Film You Only Live Twice (1967; James Bond 007 - Man lebt nur zweimal), nach einer Romanvorlage von Ian Fleming und Gedichte. Ansonsten wurden u.a. einige seiner Erzählungen und Romanen verfilmt, wie 36 Hours (1964) mit James Garner (*1928) und Mathilda (1996) unter der Regie von Danny deVito (*1944), der zugleich die Hauptrolle spielte.

Werke u.a.: Kiss Kiss (1960, dt. Küßchen, Küßchen!), Switch Bitch (1974, dt. Kuschelmuschel), My Uncle Oswald (1979, dt. Onkel Oswald und der Sudan-Käfer), The Witches (1983, dt. Hexen lauern überall).

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Great Missenden, Buckinghamshire

 Peredelkino bei Moskau

Quelle

Bild: Aleksandr Evgenievich Bravo (12/2006) Wikipedia.org

Julius Hart

 

Deutscher Schriftsteller und Literaturkritiker; Sohn eines Rechnungsrates; Bruder des Schriftstellers Heinrich Hart; bereits während seiner Gymnasialzeit in Münster arbeitete er bei der von seinem älteren Bruder herausgegebenen Schülerzeitschrift Herz und Geist mit, und 1877 gaben beide dann ihre erste Literaturzeitschrift, Deutsche Dichtung, heraus. Voller Elan zogen sie dann 1877 nach Berlin, mußten jedoch bald aus Geldmangel wieder in ihre Geburtsstadt zurückkehren, wo sie die Zeitschrift Deutsche Monatsblätter in den Jahren 1878 und 1879 auf den Markt brachten. 1879 riefen sie den Deutschen Literaturkalender ins Leben, der 1881 nach seiner Übernahme durch Joseph Kürschner unter dem Namen Der Kürschner berühmt wurde. Literaturgeschichtlich von Bedeutung war v.a. die zwischen 1882 und 1884 gemeinsam herausgegebene Literaturzeitschrift Kritische Waffengänge, in der sie ausschließlich eigene Beiträge veröffentlichten. Die Zeitschrift entwickelte sich zu einem Wegbereiter des Naturalismus. 1889 waren die Brüder Mitbegründer der Freien Bühne, deren Leitung dann Otto Brahm übernahm. Außerdem gehörten die Brüder zum literarischen Verein, der Friedrichshagener Kreis, dem u.a. Gerhart Hauptmann, Arno Holz und Johannes Schlaf angehörten. Die in Friedrichshagen herausgegebene Zeitschrift Die neue Gemeinschaft stieß allerdings auf nur geringes Interesse.

Julius Hart verfaßte pantheistische Gedankenlyrik, die er in Gedichtsammlungen veröffentlichte (Sansara, 1879, Homo sum, 1889), Dramen und Novellen sowie eine Geschichte der Weltliteratur und des Theaters (2 Bde., 1893-96).

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Bild: Heiko Bockstiegel (05/2007)

Berlin-Zehlendorf, Städtischer Friedhof, Onkel-Tom-Str.

Schriftsteller CV

Omnibus salutem!