Knut Hamsun eigentl. Knud Pedersen

                   1890

Norwegischer Schriftsteller; viertes von sieben Kindern eines Handwerkers; wuchs in Hamsund, einem Dorf auf der Insel Hamaröy, wo seine Eltern den Hamsundhof erwarben, auf (den Namen des Ortes wählte er später zu seinem Namen). Im Alter von neun Jahren wurde er als Pfand für die Schulden der Eltern zu seinem Onkel Hans Ohlsen nach Presteide gegeben. Später arbeitete er als Gehilfe bei dem Kaufmann Walsøe in Tranøy. Ab 1873 zog er ruhelos umher, erkundete die Landschaften seiner Heimat und betätigte sich u.a. als Hafenarbeiter, fahrender Händler und als Gemeindeschreiber. 1882 ging er in die USA, arbeitete dort u.a. als Straßenbahnschaffner in San Francisco. Nachdem er sich eine Lungenentzündung zugezogen hatte, kehrte er 1885 nach Norwegen zurück. Als seine Gesundheit wieder hergestellt war, arbeitete er kurzzeitig in Oslo als Journalist, reiste dann aber 1886 erneut in die USA. Da er dort nicht Fuß fassen konnte und außerdem den “American Way of Life” ablehnte, kehrte er schließlich 1888 nach Norwegen zurück. Noch im selben Jahr veröffentlichte Hamsun, der sich, gefördert auch durch den deutschen Verleger Albert Langen, in dessen neuem Verlag 1894 seine erste Publikation Mysterien (1892) erschienen war, zu einem der bedeutendsten norwegischen Schriftsteller des frühen 20. Jahrhunderts entwickelte, in Kopenhagen Teile seines bereits aufsehenerregenden, stark autobiographischen Romans Sult (1890, dt. Hunger) sowie streitbare Kampfschriften über das amerikanische Geistesleben, das er auf seinen beiden Aufenthalten in den Vereinigten Staaten beobachtet hatte. In den nächsten Jahren hielt Hamsun sich mehrere Jahre in Paris auf und unternahm anschließend ausgedehnte Reisen durch Finnland, Rußland, die Türkei und Persien. 1889 heiratete er Bergljot Bech, und - nach der Scheidung von ihr - drei Jahre darauf die um 22 Jahre jüngere Schauspielerin Marie Andersen (*1881, †1969), die als Kinderbuchautorin unter dem Namen Marie Hamsun bekannt wurde. 1918 kaufte Hamsun das Gut Nørholm bei Grimstad in Südnorwegen, das er zu einem Musterbetrieb wandelte. 1920 erhielt er den Nobelpreis für seinen Roman Markens Grøde (1917, 2 Bde., dt. Segen der Erde). Hamsun war immer betont deutschfreundlich und ein entschiedener Gegner Englands, betont deutschfreundlich und ein entschiedener Gegner Englands; noch gegen Ende des Ersten Weltkrieges schrieb er in einem Vorwort zu einer Neuauflage im Jahre 1917 von Johann Gustav Droysens 1833 erschienenem Werk Geschichte Alexanders des Großen: “In Hindenburgs Vaterland, in diesem Deutschland, das mit unsterblicherm Ruhm seinen Kampf fast gegen die ganze übrige Welt auskämpft....” Als er anläßlich der Besetzung Norwegens durch deutsche Truppen im Jahre 1940 seine Landleute aufrief, diesen freundlich zu begegnen, und dieser Aufruf in Zeitungen der Quisling-Partei veröffentlicht wurde, machte er sich bei den Norwegern unbeliebt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er verhaftet und 1948 als Landesverräter zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Er versuchte zwar später, seine Einstellung zu erklären, entschuldigte sich für sie jedoch nicht. Bereits über 80 Jahre alt, wurde Hamsun vorübergehend in die psychiatrische Klinik in Grimstad eingewiesen.

 

mit seiner Frau Marie (1909)

 

 

 

Werke u.a.: Aftenrøde (1898, dt. Abendröte), Victoria, Die Geschichte einer Liebe (1898), Sværmere (1904, dt. Schwärmer), Det vilde kor (1904, dt. Der wilde Chor), Landstrykere (1927, dt. Landstreicher), August (1930, dt. August Weltumsegler), Men livet lever (1933, 2 Bde., dt. Nach Jahr und Tag), Ringen sluttet (1936, dt. Der Ring schließt sich).

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Wohnhaus Hamsuns; unterhalb des Hauses sein mit einer Stele gekennzeichnetes Grab.

Gut Nørholm bei Grimstad

http://www.hamsun.de/

Alistair MacLean [irisch Alasdair MacGill-Eain]

 

Schottischer Schriftsteller; Sohn eines Pfarrers; wuchs in den schottischen Highlands nahe Inverness auf und besuchte die Hillhead High School in Glasgow. Im Zweiten Weltkrieg diente er ab 1941 in der Royal Navy, war zunächst Torpedooperator und nahm später u.a. an den Kämpfen in Burma, Britisch-Malaya und Sumatra teil. Außerdem will er in japanische Gefangenschaft geraten und gefoltert worden sein (diese Behauptungen wurden allerdings später sowohl von seinem Sohn als auch MacLeans Biographen als ”Aufschneiderei” abgetan). Schließlich war er an der Befreiung von Kriegsgefangenen aus dem Changi-Gefängnis in Singapur beteiligt. Nach seiner Entlassung aus dem Dienst in der Royal Navy im Jahre 1946 studierte er Englisch an der Universität von Glasgow und war anschließend als Lehrer in Rutherglen tätig. Schon als Student hatte er, um sein Einkommen aufzubessern, mit dem Schreiben von Kurzgeschichten begonnen. 1954 gewann er mit seiner Erzählung Dileas einen vom “Glasgow Herald” ausgeschriebenen Wettbewerb. Und als ihn der Verlag Collins aufforderte, einen Roman zu schreiben, legte er sein Buch HMS Ulysses (dt. 1955, Die Männer der Ulysses) vor, in dem er eigene Erfahrungen während des Krieges verarbeitet hatte. Der Roman wurde zu einem großen Verkaufserfolg, und MacLean wandte sich jetzt ganz dem Schreiben zu und schrieb zahlreiche Kriegs- und Spionageromane. 1957 erschien einer seiner bekanntesten Romane, The Guns of Navarone (dt. Die Kanonen von Navarone), der, wie andere auch, verfilmt wurde. In den 1980er Jahren gehörten MacLeans Romane mit 30 Millionen verkauften Exemplare seinerzeit zu den meistverkauften Bücher.

Werke u.a.: Ice Station Zebra (1963, Eisstation Zebra), When Eight Bells Toll (1966, Das Mörderschiff), Where Eagles Dare (1967, dt. Agenten sterben einsam), Goodbye California (1978, dt. Goodbye Kalifornien), Santorini (1986, dt. Der Santorin Schock).

Auszeichnungen u.a.: Ehrendoktorwürde der Universität Glasgow (1983).

Inschrift: Come, My Friends, 'Tis not too Late to Seek a Newer World [dt. Auf geht’s, meine Freunde, es ist nicht zu spät, eine neuere Welt zu suchen (Zitat aus dem Gedicht Ulysses von Alfred Lord Tennyson).

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Bild: Georg Stein (02/2009)

Celigny (CH), Vieux Cemetière

Paris, Cimetière du Père Lachaise

Cesare Pavese

 

Italienischer Schriftsteller; studierte in Turin Literaturgeschichte und schloß das Studium 1930 mit einer Promotion über den amerikanischen Dichter Walt Whitman ab und schrieb ab 1930 Beiträge über amerikanische Literatur für die Zeitschrift La Cultura. Als Antifaschist war er von 1935 bis 1936 nach Kalabrien verbannt. Seit 1938 arbeitete er in fester Anstellung für den Verlag Einaudi. Während des Zweiten Weltkrieges lebte er zurückgezogen auf dem Land. 1945 wurde Pavese Mitglied der italienischen KP, obwohl er grundsätzlich eher apolitisch war. Mit Übersetzungen von Herman Melvilles Moby Dick sowie Werken von John Dos Passos, William Faulkner, Sinclair Lewis, Daniel Defoe, James Joyce und Charles Dickens sowie John Steinbeck und Gertrude Stein machte er sich rasch einen Namen. 1950 erhielt er für seinen Roman La bella estate (1949, dt. Der schöne Sommer) den Literaturpreis Premio Strega. Pavese nahm sich in einem Turiner Hotel das Leben.

Werke u.a.: Paesi tuoi (1941, dt. Unter Bauern), La spiaggia (1942, dt. Am Strand), Il compagno (1947, dt. Der Genosse), Prima che il gallo canti (1949, dt. Da er noch redete, krähte der Hahn), Trilogie: La bella estate (1949) Tl. 1: La bella estate (dt. Der schöne Sommer), Tl. 2: Il diavolo sulle colline (dt. Der Teufel auf den Hügeln), Tl. 3: Tra donne sole (dt. Die einsamen Frauen), La luna e i falò (1950, dt. Junger Mond).

Inschrift: Ho dato poesia agli domini [dt. Ich habe die Poesie dem Herrn gegeben].

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Santo Stefano Belbo (Prov. Cuneo)

Peter Rühmkorf

Bild: Claus Harmsen (1974)

 

Deutscher Schriftsteller; unehelich geborener Sohn einer Lehrerin; studierte ab 1951 Kunstgeschichte, Pädagogik, Germanistik und Psychologie in Hamburg, brach das Studium jedoch vorzeitig ab und arbeitete als Lektor unter einem Pseudonym für den Studentenkurier, der sich später Konkret nannte. Außerdem gab er gemeinsam mit Werner Riegel zwischen 1952 und 1956 die Zeitschrift Zwischen den Kriegen. Blätter gegen die Zeit heraus. Ab 1958 war er Lektor des Rowohlt-Verlags, bevor er sich 1964 als freier Schriftsteller in Hamburg niederließ. In den folgenden Jahren hatte er immer wieder Gastprofessuren im In- und Ausland, so z.B. im texanischen Austin (1969/1970), Hamburg (1975), im mittelenglischen Warwick (1978) oder Frankfurt am Main (1980). Rühmkorf, der 1960 Mitglied der “Gruppe 47” geworden war, war auch Mitglied im PEN-Zentrum der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. In den 1960er Jahren engagierte er sich gegen die Nutzung der Atomkraft, für gesellschaftliche Erneuerungen. In seiner Lyrik verband er - experimentierend und oftmals parodistisch - zeitkritische Themen mit poetischen Traditionen. Verheiratet war er seit 1964 mit Eva-Marie Titze, die später unter ihrem Ehenamen Eva Rühmkorf als SPD-Politikerin Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur in der von Ministerpräsident Björn Engholm (*1939) geführten Regierung Schleswig-Holsteins war.

Werke u.a.: Irdisches Vergnügen in g (1959), Kunststücke (1962), Haltbar bis Ende 1999 (1979), Einmalig wie wir alle, (1989), Wenn aber dann. Vorletzte Gedichte (1999), Lombard gibt den Letzten (1972), Der Hüter des Misthaufens. Aufgeklärte Märchen (1983), TABU I. Tagebücher 1989-1991 (1995), TABU II. Tagebücher 1971-1972 (2004).

Auszeichnungen u.a.: Erich-Kästner-Preis (1979), Arno-Schmidt-Preis (1986), Georg-Büchner-Preis (1993), Joachim-Ringelnatz-Preis (2002), Ehrendoktor der Universität Gießen (1989).

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Bilder: Udo Grimberg (03/2009)

Hamburg-Altona, Hauptfriedhof

Alexander Iwanowitsch Herzen eigentl. A.I. Jakowlew

 

Russischer Schriftsteller und Journalist; Sohn des russischen Grundbesitzers und Gardeoffiziers Iwan Jakowlew und der Stuttgarter Bäckerstochter Luise Haag, die er in Deutschland zwar geheiratet hat, aber die Verbindung in Rußland nicht hat legitimieren lassen. Der kleine Alexander erhielt den Familiennamen Herzen, weil Jakowlew seine Frau immer “Mein Herz” genannt hatte. Herzen erhielt in Moskau eine ausgezeichnete Erziehung, sprach deutsch und französisch fließend, las die Werke Voltaires und Jean-Jacques Rousseaus und begeisterte sich für die Gedichte Puschkins und die des 1826 hingerichteten Dekabristen Rylejew. Gerade als Herzen 1834 sein Studium an der physikalisch-mathematischen Fakultät der Universität Moskau abschließend wollte, wurde er wegen kritischer Äußerungen verhaftet. Herzen, der Moskau zum Mittelpunkt des literarischen und zugleich des politischen Lebens und radikaler Vertreter einer Gruppe, die sich für eine westliche Orientierung Rußlands einsetzten und in der heimischen Literatur als “Westler” bezeichnet wurden, geworden war, geriet in das Visier der Polizei. Außerdem hatte er sich für ein heikle Thema eingesetzt: Die Abschaffung der Leibeigenschaft (90% der Bevölkerung Rußlands bestand aus Leibeigenen, “Seelen”, wie sie genannt wurden) und die Selbstverwaltung der Dorfkommunen. Nach 10-monatiger Untersuchungshaft wurde er als Schreiber in das sibirische Wjatka verbannt. 1840 wurde ihm die Rückkehr erlaubt, aber bereits ein Jahr später wurde er erneut aus Moskau verbannt, diesmal nach Nowgorod. 1847 entkam er der Verbannung, indem er vorgab, seine Frau sei Krank und bedürfe eines Kuraufenthaltes im Ausland; so wurde ihm die Erlaubnis erteilt, vorübergehend Rußland zu verlassen. Er aber verließ seine Heimat dauerhaft und ließ sich in Westeuropa nieder, wo er in London die Freie Russische Druckerei gründete, in der er zwischen 1855 und herzen_kolokol18571862 und nochmals 1869 den Almanach Polarstern und von 1857 bis 1867 die Zeitschrift Колокол (Kolokol, Die Glocke) herausgab; beide Publikationen übten in Rußland großen Einfluß aus. Herzen war stark vom deutschen Geistesleben, v.a. Friedrich von Schiller, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Ludwig Feuerbach, und vom französischen utopischen Sozialismus, v.a. Henri de Saint-Simon, beeinflußt. Aber in seinem Werk Vom anderen Ufer (1850) warf er den westlichen Staaten vor, den Humanismus verraten zu haben. Herzen, der mit Karl Marx, Giuseppe Garibaldi, Giuseppe Mazzini, Lajos Kossuth befreundet war, entwarf ein sozialrevolutionäres Programm auf der Grundlage der russischen Gemeindeverwaltung. Er verfaßte auch Erzählungen sowie den Roman Кто виноват? (1847, Kto winowat?, dt. Wer hat Schuld?). Er gilt als Ahnherr des Наро́дничество (Narodnitschestwo, Populismus) und Vorbild der Narodniki (Volkstümler) in Rußland.

Herzens Leben war vor zahlreichen Schicksalsschlägen geprägt: Seine Mutter und sein staubstumm geborener Sohn ertranken bei einem Schiffsunglück. Seine Frau Natalja brannte mit Georg Herwegh durch, dem er bei sich Unterschlupf und finanzielle Unterstützung gewährt hatte (erst kurz vor ihrem Tode kehrte Natalja wieder zu ihrem Mann zurück). Für die Erziehung seiner Tochter Olga engagierte Herzen während seines Aufenthaltes in London Malwida von Meysenbug. Sie reiste mit Olga 1862 nach Italien, wo sie sich niederließ. Olga heiratete 1873 den Historiker Gabriel Monod

Autobiographie: Erlebtes und Erdachtes (1854-1870).

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Bilder: andrey (08/2006)

Nizza, Cimetière du Chateau

Hinweis: Herzen war urspr. auf dem Cimetière du Père Lachaise in Paris beigesetzt worden. Seine Asche wurde jedoch hierher überführt.

Miguel Ángel Asturias

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Guatemaltekischer Schriftsteller und Diplomat; der Sohn eines Juristen und einer Lehrerin studierte Rechtswissenschaften an der Universität seiner Heimatstadt. 1922 gründete er zusammen mit Freunden eine Volkshochschule, die Asociación de Estudiantes Universitarios, um auch ärmeren Bevölkerungsschichten einen Zugang zur Bildung zu ermöglichen. Ein 1923 in London begonnenes Studium der Politischen Ökonomie brach er nach wenigen Monaten ab und ging nach Paris, um an der Sorbonne Anthropologie zu studieren - mit Schwerpunkt präkolumbische Kulturen Lateinamerikas. 1933 kehrte er in seine Heimat zurück, wo er 1944 in den diplomatischen Dienst eintrat, dem er mit Unterbrechungen bis zum Ende der 1960er Jahre angehörte. Als 1954 die Regierung gestürzt wurde, ging er außer Landes und kehrte erst 1966 als Botschafter in Paris in den Dienst zurück. Im selben Jahr wurde er mit dem Lenin-Friedenspreis ausgezeichnet, eine 1949 vom Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR anläßlich des siebzigsten Geburtstags Josef Stalins gestiftete Auszeichnung. Asturias schrieb Werke im Stil des “magischen Realismus”, teils aufbauend auf indianischen Mythen, teils politisch beeinflußt und sozialkritisch. Er verfaße Romane, Erzählungen, Gedichte und Dramen.

Werke u.a.: Legenden aus Guatemala (1930), Der Herr Präsident (1946), Die Maismänner (1949), Bananen-Trilogie (1950-60), Der böse Schächer (1969).

Auszeichnungen u.a.: Nobelpreis für Literatur (1967).

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Bilder: Steffi Eckold (09/2013)

Hans-Georg von Oettingen

 

 

Deutscher Schriftsteller; Sohn eines Gynäkologen; studierte nach einer Ausbildung zum Koloniallandwirt an der Universität Marburg. Nach dem sechsmonatigen Reichsarbeitsdienst, zu dem ab 1935 alle jungen Männer herangezogen wurden, wurde er zur Wehrmacht eingezogen und nahm als Offizier am Zweiten Weltkrieg teil. 1944 wurde er wegen des Vorwurfs, ”Widerstand mit der Waffe gegen die Staatsgewalt“ geleistet zu haben, verhaftet und zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach seiner Flucht aus der Haft geriet er in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1946 entlassen wurde. Im von den US-Amerikaner besetzten Teil Westdeutschlands war er als Journalist und Verleger in Frankfurt am Main tätig und betrieb dort ab 1950 eine Werbeagentur. Später folgten Tätigkeiten als Unternehmensberater in Frankreich und der Schweiz. Dort wurde er im November 1964 unter dem Verdacht, für die Deutsche Demokratische Republik (DDR) Spionage betrieben zu haben, verhaftet, im Februar 1966 in Zürich rechtskräftig zu 27 Monaten Haft verurteilt, aber bereits im Mai gegen die Ausreise einer Gruppe von Schweizer Staatsbürgern aus der DDR vorzeitig entlassen. Er übersiedelte daraufhin in die DDR, wo er im Ostteil der geteilten Stadt Berlin als freier Schriftsteller lebte.

von Oettingen schrieb - vereinzelt auch unter seinen Pseudonymen Alexander von Mellin und H. G. von Reichenberg, - zahlreiche Romane, Erzählungen und Hör- und Fernsehspiele. Einer seiner Romane, Spielbankaffaire (1956), wurde 1957 von der DEFA mit Gertrud Kückelmann, Jan Hendriks, Peter Pasetti, Rudolf Forster und Willy A. Kleinau verfilmt.

Werke u.a.: Das Märchen von Goldi, dem ersten Frühlings-Sonnenstrahl (1949), Werbung - Bluff oder Wissenschaft? (1956), Rührt euch, wenn ihr könnt (1957), Kleines Hotel mit Herz (1958), Bitte sterben zu dürfen (1959), Nachts kamen die Ratten (1962), Rostiger Ruhm (1970).

Erinnerungen: Abenteuer meines Lebens: Irrwege und Einsichten eines Unbedachten (1981)..

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Bilder: Klaus Meinert (03/2007)

Berlin, Friedhof Dorotheenstädt. u. Friedrichswerdersche Gemeinden

Jon NonniSvensson eigentl. Jón Stefán Sveinsson

 

 

Isländischer Schriftsteller; eines von acht Kinder des Schreibers eines Amtmannes, von denen drei bereits im Kindesalter im Herbst 1680 an Diphtherie starben. Nachdem sein Vater 1868 gestorben war, ging er 1870 nach Kopenhagen, wo er auf das Ende des Deutsch-Französischen Krieges wartete, bis er nach Frankreich weiterreiste, um dort eine bessere Schule besuchen zu können. Nachdem er dort zum Katholizismus übergetreten und in den Jesuitenorden eingetreten war, studierte Theologie und empfing 1890 die Priesterweihe. 1906 begann er mit der Aufzeichnung seiner Kindheitserlebnisse auf Island, denen später Erinnerungen an nachfolgende Erlebnisse und seine Reisen folgten. Insgesamt erschienen zwölf sog. "Nonni-Bücher" - zunächst in deutscher Sprache, später in 30 Sprachen. Von 1936 bis 1938 unternahm Svensson, der noch zweimal sein Geburtsland aufsuchte - 1894 zu Pferd und 1930 auf Einladung der isländischen Regierung anläßlich der Tausendjahrfeier des Althing - eine ausgedehnte Welt- und Vortragsreise durch die USA sowie nach Kanada und Japan.

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Bilder: Ken Gilbert (08/2011)

Köln, Friedhof Melaten

Holger Henrik Herholdt Drachmann

        pinxit Peder Krøyer

Dänischer Poet und Maler; Sohn eines Marinearztes; studierte ab 1866 in Kopenhagen an der Akademie der bildenden Künste und wurde nach dem Studium Maler. Nachdem er die Bekanntschaft des Schriftstellers und Literaturkritikers Georg Brandes (*1842, †1927) gemacht hatte, wandte er sich jedoch nach und nach der Literatur und dem Journalismus zu. Reisen durch Europa, mit einem Aufenthalt in Frankreich und längeren Aufenthalt in England als Journalist, wo er die sozialen Mißstände wahrnahm und in Artikeln beschrieb, die er an dänische Zeitungen sandte. Nach seiner Rückkehr nach Dänemark ließ er sich zunächst als Marinemaler auf Bornholm nieder, veröffentlichte aber zugleich 1872 seinen ersten Gedichtband unter dem Titel Digtel und schloß sich dem Kreis junger radikaler Schriftsteller des “Modernen Durchbruchs” um Brandes an. Er verfaßte - beeindruckt von der Pariser Kommune - Huldigungen der revolutionären Vorgänge in Paris und ironische Angriffe auf die geistige Enge im Königreich Dänemark. Später wandte er sich der Liebes- und Naturlyrik zu, besang das Meer als Symbol für Unruhe, Freiheit und Stärke und verfaßte Erzählungen, in denen er die Heimatverbundenheit und das einfache Leben der Fischer zum Thema machte, beklagte aber auch Verfall der bürgerlichen Gesellschaft und prophezeite deren Untergang. Drachmann gilt neben Jens Peter Jacobsen, Karl Gjellerup und Herman Bang (*1857, †1912) gemeinsam mit Georg Brandes als Vorkämpfer von Realismus und Naturalismus.

Drachmann war zweimal verheiratet: 1871 heiratete er Vilhelmine Erichsen; aus der Ehe, die 1874 bereits wieder zerbrach, ging eine Tochter hervor. Seine zweite Frau, Emmy (†1928) lernte er in Hamburg kennen. Zuvor hatte er, ohne daß Emmy davon wußte, eine Beziehung zu deren Schwester Polly (er und Emmy adoptierten das Kind aus dieser Beziehung, sie selber hatten vier eigene Kinder). Außerdem hatte er eine lange Beziehung zu der Sängerin Amanda Nielsen ( †1953).

Werke u.a.: Dæmpede Melodier (1875), I Storm og Stille (1875), Ungt Blod (1876), Sange ved Havet; Venezia (1877), Derovre fra grænsen (1877), Midsommervise - Vi elsker vort land (1885), Vølund Smed (1894)

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Mild: Michael Hofmann (08/2006) Wikipedia.de
Bild: Trio (11/2006) Wikepedia.da
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Skagen (Nordjylland), in Strandnähe zw. Skagen und Gregen

Schriftsteller CXXIV

Omnibus salutem!