Gerard Kornelis van het Reve

 

Niederländischer Schriftsteller; der einem kommunistisch-atheistischem Elternhaus entstammende Reve konvertierte er 1966 zum römisch-katholischen Glauben und gehört zusammen mit Willem Frederik Hermans (*1921, †1995) und Harry Mulisch (*1927) zu den “Großen Drei“ der modernen niederländischen Literatur. Sein Debüt gab er mit dem Roman Terugkeer (1940, dt. Poesie). Mit seinem Roman Nader tot U (dt. Näher zu Dir) löste er in den Niederlanden eine Parlamentsdebatte aus und mußte mußte sich auch vor Gericht gegen den Vorwurf der Blasphemie verteidigen, da er in dem Roman die geschlechtlichen Vereinigung mit Gott in Gestalt eines “einjährigen, mausgrauen Esels“ beschrieben hatte. Mit dem Argument, in seiner Literatur sein persönliches Gottesbild darstellen zu dürfen, gewann er den Prozeß. Ebenfalls eine öffentliche Diskussion löste sein Roman De avonden, den er unter dem Pseudonym Simon van het Reve veröffentlichte, aus. In ihm beschreibt er eine Gesellschaft, in der insbesondere die Kinder gleichgültig, ohne moralische Grundsätze erzogen werden - er selber empfand seine Kindheit als hart und lieblos. Das Buch, das über fünfzig Auflagen erfuhr, gehörte einst zu den Schulklassikern, wird aber heute in den Schulen kaum noch gelesen. Wegen seiner harschen Kritik an den Intellektuellen in seinem Lande, insbesondere an den Niederländern, die sich nicht mit der Vergangenheit während der Besetzung des Landes durch die Deutschen auseinandersetzten, geriet er ebenfalls in die Kritik. Seine Werke wurden wegen des schwer zu übersetzender Sprache kaum im Ausland publiziert.

Werke u.a.: Op weg naar het einde (1963), De taal der liefde (1972), Lieve jongens (1973), Het lieve leven (1974) und Ik had hem lief (1975).

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Bilder: Chris van de Riet (03/2009)

Machelen aan de Leie, Nieuwe Begraafplaats

Johann Gottfried Kinkel

                                    

Deutscher Schriftsteller; Sohn eines Pastors; studierte ab 1831 in Bonn Theologie und wechselte 1834 nach Berlin. Ab 1837 war er Dozent für Kirchengeschichte an der theologischen Fakultät der Universität Bonn. 1839 lernte Kinkel die katholische und in Scheidung lebende Johanna Mockel kennen. Da ihr wegen ihres Glaubens eine erneute Ehe untersagt war, konvertierte sie zum Protestantismus, so daß die beiden 1843 heiraten konnten. Wegen dieser Ehe war Kinkel allerdings für die theologische Fakultät der Universität nicht mehr tragbar, so daß er der philosophischen Fakultät zugeordnet wurde. Ab 1846 wirkte Kinkel als außerordentlicher Professor für Kunst- und Literaturgeschichte an der Universität Bonn. 1848 wurde er Redakteur der Bonner Zeitung und in die preußische Nationalversammlung gewählt. Wegen seiner Beteiligung am pfälzisch-badischen Aufstand 1849 wurde er zu lebenslänglicher Festungsstrafe verurteilt, 1850 jedoch von Carl Schurz aus dem Gefängnis in Spandau (heute z. Berlin) befreit. Es gelang ihm, nach England zu fliehen. Nach dem Tode seiner Frau heiratete er 1860 die in London lebende, aus Königsberg stammende Minna Werner. 1861 beauftragte ihn die britische Regierung mit Vorträgen zur älteren und neueren Kunstgeschichte im South-Kensington-Museum. Damit wurde der Grundstein für das Unterrichtsfach "Kunstgeschichte" in Großbritannien gelegt. 1863 wurde er als Examinator an die Universität London berufen. 1866 verließ er London, um in Zürich am dortigen Polytechnikum eine Professur für Kunstgeschichte zu übernehmen.

Werke u.a.: Der Grobschmied von Antwerpen (1842), Otto der Schütz (1846), König und Dichter (1851), Selbstbiographie 1838-48 (herausgegeben 1931).

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Bilder: Meinhard siegek (03/2009)

Zürich, Friedhof Sihlfeld

Paula von Preradovic

 

Österreichische Lyrikerin und Erzählerin; Ehefrau des Verlegers Ernst Molden, Mutter von Fritz und Otto Molden; die Enkelin des kroatischen Schriftstellers Petar Preradovic übersiedelte mit ihren Eltern im Alter von zwei Jahren nach Pula (Istrien, Kroatien), wo sie aufwuchs. 1916 heiratete sie den Historiker und Journalisten Ernst Molden. Während des Ersten Weltkrieges hielt sie sich in Kopenhagen auf, von wo sie erst 1920 nach Wien zurückkehrte. 1947 wurde der von ihr verfaßte Text eines Gedichtes zur österreichischen Nationalhymne “Land der Berge, Land am Strome”, durch Beschluß des Ministerrates zur Hymne der 1945 gegründeten Zweiten Republik Österreich.

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Bilder: Otto Prohaska (03/2009)

Wien, Zentralfriedhof

Walter Rheiner eigentl. Walter Heinrich Schnorrenberg

 

Deutscher Dichter; nach einer Ausbildung zum Kaufmann in Köln, die er in Lüttich, Paris und London fortsetzte, arbeitete er zunächst als Angestellter, begann aber bereits im Alter von 16 Jahren mit schriftstellerischen Arbeiten. Als er zu Beginn des Ersten Weltkrieges einberufen werden sollte, nahm er Rauschmittel und gab, um dem Kriegsdienst zu entgehen, vor, drogensüchtig zu sein. Dennoch wurde er eingezogen und kam an die russische Front. Als sein Simulation 1917 aufgedeckt wurde, wurde er allerdings vom Dienst suspendiert, zog nach Berlin, war dort ein “literarischer Nomade" und häufiger Besucher des Romanischen Cafés, wo er auch - völlig mittellos - bettelte und mit zahlreichen Literaten in Kontakt kam. Zwischen 1918 und 1921 hielt er sich hauptsächlich in Dresden auf, wurde einer der führenden Köpfe der spätexpressionistischen Künstlervereinigung “Gruppe 1917” und lernte den Verleger Felix Stiemer kennen, der seine Werke veröffentlicht. Während seiner letzten Jahre führte er ein unstetes Wanderleben in materieller Not. Aufgrund seiner Drogenabhängigkeit wurde er entmündigt und zeitweise in eine geschlossene Anstalt eingewiesen; schließlich nahm er sich 1925 mit einer Überdosis Morphium das Leben.

Werke u.a.: Kokain (1918), Das tönende Herz (1918), Insel der Seligen. Ein Abendlied (1918), Das schmerzliche Meer (1918), Der inbrünstige Musikant (1918), Der bunte Tag (1919), Das Fo-Buch (1921).

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Vittoria Colonna

               

 

Italienische Dichterin; Marchesa di Pescara; entstammte einem alten römischen Adelsgeschlecht. 1509, mit 17 Jahren heiratete sie Fernando Francesco d’Ávalos, Marchese di Pescara, mit dem sie bereits aus politischen Gründen als Kind im Alter von drei Jahren verlobt worden war, den sie aber erst viel später auf Ischia kennenlernte, wo ihre Mutter mit ihr und ihren Schwestern, vor den Soldaten König Karls VIII. von Frankreich, die auch Marino zerstörten, flüchtend, bei der Tante ihres Verlobten, Costanza d'Avalos, Unterschlupf und Sicherheit fand. Nach der Heirat nahm das Paar bis 1511 auf Ischia seinen Wohnsitz. Ihr Gemahl, mit dem sie während seiner Abwesenheit umfangreich korrespondierte, schloß sich der gegen die Franzosen gebildeten Liga an, wurde 1525 in der Schlacht von Pavia verwundet und starb an seinen schweren Verletzungen in Mailand. Nach seinem Tode lebte sie zunächst weiter auf Ischia, wo die Familie nach dem Sacco di Roma viele Flüchtlinge aus Rom und Latio bei sich aufgenommen hatte, bevor sie im Jahre 1529 zunächst nach Rom zurückkehrte und die kommenden Jahre dann an verschiedenen Orten lebte. 1537 reiste sie mit einigen anderen Damen nach Venedig, um von dort aus in das Heilige Land weiterzureisen. Angesichts ihrer gesundheitlichen Verfassung nahm sie allerdings von diesem Vorhaben Abstand und kehrte im Folgejahr wieder nach Rom zurück. Sie starb im Kloster von San Silvestro, in dem sie sich gewöhnlich aufhielt.

pinxit Michelangelo

Vittoria Colonna verfaßte Sonette und Kanzonen im Stil Francesco Petrarcas (u.a. Rime, 1538) mit teils religiösem Inhalts, teils geprägt von Liebeslyrik. Zu dem Bekanntenkreis der vielgelesenen Dichterin gehörten zahlreiche berühmte Gelehrte und Künstler; zu ihren literarischen Freunden gehörten u.a. Pietro Bembo, Luigi Alamanni, Baldassare Castiglione und Margarete von Angoulême.1538 lernte sie in Rom Michelangelo kennen, mit dem sie zeit ihres Lebens eng befreundet war, der sie sehr verehrte und ihr ein Gedicht zueignete, deren erste Strophe wie folgt lautet:.

  Tanto sopra me stesso
  mi fai, donna, salire,
  che non ch'i' 'l possa dire,
  nol so pensar, perch'io non son più desso.

[dt. von Rainer Maria Rilke: So weit über mich machst du mich, Herrin, steigen. Worte sind mir nicht eigen dafür, nicht Gedanken; ich bin doch nicht mehr dasselbe Ich.]

Zudem war sie mit einigen Personen befreundet, die sich für eine Reform der katholischen Kirche einsetzten. Die einsetzenden Bestrebungen Pauls III. mittels der 1542 eingerichtete Römische Inquisition das Vordringen des Protestantismus in Italien zu verhindern, begannen jedoch noch kurz vor ihrem Tode das helle Licht der Renaissance zu verdunkeln.

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Rom, Benediktinerkonvent Sant‘Anna de’ Funari

Hinweis: Obwohl ihr Leichnam zunächst in Sant‘ Anna de’ Funari in Rom beigesetzt, vielleicht auch nur aufgebahrt wurde, ist umstritten, ob er dort verblieben ist. Es wird auch die Meinung vertreten, die sterblichen Überreste seien später nach Neapel in die Kirche S. Domenico Maggiore überführt worden.

Genet, Jean

 

Französischer Schriftsteller; wuchs, da der Vater unbekannt war und die Mutter, eine Prostituierte, ihn abgab, zunächst bei Pflegeeltern und dann in einer Erziehungsanstalt auf, aus der er jedoch ausbrach. 1924 begann er in Paris eine Ausbildung zum Drucker in einem im Ausbildungszentrum der öffentlichen Fürsorge, von dem er bereits zwei Wochen später entfloh. Nach mehreren Aufenthalten in Erziehungsheimen wegen Diebstahls, trat er 1929 in die Fremdenlegion ein, desertierte jedoch nach kurzer Zeit und führte Jahre lang das Leben eines Vagabunden in mehreren Ländern. Bereits als Jugendlicher ging er mit gegen ihn vorgebrachten Anklagen als “vouloir être” (So-sein-Wollen) freimütig um, ebenso mit den Titulierung als Dieb, Bettler, Zuhälter, und er stand zu seiner Homosexualität. Während seiner Zeit im Gefängnis schrieb Genet und veröffentlichte er zahlreiche Werke. 1942 wurde er wegen Diebstahls im Wiederholungsfalle, Schmuggels und Zuhälterei zu lebenslänglicher Haft verurteilt, jedoch 1948 aufgrund von Intervention u.a. von Jean-Paul Sartre und Jean Cocteau durch den französischen Staatspräsidenten begnadigt. Nach 1961 ließ seine Schaffenskraft nach, so daß er nur noch wenig publizierte. Von 1970 bis 1972 sowie erneut 1982 hielt Genet sich in Jordanien auf Einladung der PLO auf, worüber er in seinem Essay Un captif amoureux (1986, dt. Ein verliebter Gefangener. Palästinensische Erinnnerungen), berichtete. Außerdem stand er politisch mit der Partei der Black Panther in Verbindung. Sein Roman Querelle de Brest (1947, dt. Querelle) wurde unter der Regie von Rainer Werner Fassbinder u.a. mit Jeanne Moreau 1982 verfilmt. Genet starb in einem kleinen Hotel in der Av. Stéphen Pichonin in Paris, als er auf dem Weg ins Bad wohl stolperte und mit dem Hinterkopf auf den Boden aufschlug; sein Leichnam wurde erst am Morgen des 16. April aufgefunden.

Werke u.a.: Lyrik: Poèmes (1948, dt. Auswahl mit dem Titel: Der zum Tode Verurteilte). Romane: Miracle de la rose (1946, dt. Wunder der Rose); Pompes funèbres (1947, dt. Das Totenfest), Notre-Dame des Fleurs (1948). Dramen: Les bonnes (1948, dt. Die Zofen), Haute surveillance (1949, dt. Unter Aufsicht); Le balcon (1956, dt. Der Balkon), Les nègres (1958, dt. Die Neger), Les paravents (1961, dt. Wände überall).

Autobiographie: Journal du voleur (1949, dt. Tagebuch eines Diebes).

Auszeichnungen u.a.: Grand Prix National des Lettres (1983).

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Bilder: Colin Hepburn (05/2007)

Larache (Region Tanger), Marokko

Berlin-Charlottenburg, Ev. Kaiser-Wilhelm-Gedächnis Kirchengemeinde

Henri Charrière

 

Französischer Schriftsteller; Sohn eines Lehrerehepaars; war er längere Zeit als Tresorknacker tätig, bis er innerhalb des Unterweltmilieus in einen Mord an einem Dieb und Zuhälter verwickelt wurde. Zur Strafe wurde er 1932 zu lebenslanger Verbannung auf einer Sträflingsinsel in Französisch-Guayana verurteilt. Ab Herbst 1933 war er in der Strafkolonie und flüchtete mehrmals auf schwierigen Wegen, die ihn teilweise bis nach Kolumbien und Venezuela führten. Dabei lebte er unter anderem für sieben Monate unter Indios. Im Herbst 1944 gelang ihm schließlich die endgültige Flucht nach Britisch-Guayana, einer britischen Kolonie. Nach kurzer Internierung wurde er dort am 18.10.1945 endgültig freigelassen. Nach einer kleineren Odyssee durch und um Britisch-Guayana herum gelang es ihm schließlich, sich in Venezuela eine Existenz aufzubauen und die venezolanische Staatsbürgerschaft zu erwerben. Allerdings lebte er wohl niemals auf völlig legale Art und Weise und war u.a. in dieser Zeit an einem mißglückten Bankraub beteiligt. 1970 veröffentlichte Charrière seinen Bestseller Papillon und erlangte damit internationale Bekanntheit. 1972 veröffentlichte er eine Fortsetzung unter dem Titel  Banco, 1971 versuchte sich Charrière auch als Schauspieler: Im Film Popsy Pop, einem Abenteuerfilm im Diamantenhändlermilieu Südamerikas, spielte er eine Hauptrolle neben Claudia Cardinale und Stanley Baker.

Steve McQueen spielte in einer seiner bekanntesten Filme an der Seite von Dustin Hoffman in dem Sträflingsfilm Papillon (1973) die Rolle des Henri Charrière.

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Bilder: Bernd Wolter (05/2012)

Lanas (Dép. Ardèche), Cimetière communal

Bilder: Dr. Herta Lepie (06/2011)

Das Castello Aragonese in Ischia-Ponte, auf dem Vittoria Colonna gelebt hat. In der Kirche des Castello wurden Vittoria Colonna und Ferrante de Avalos im Jahre 1509 zwischen Weihnachten und Neujahr getraut. Ihre Hochzeit war eine der prächtigsten der italienischen Renaissance und wurde auf dem Castello gefeiert.

Bilder: Dr. Herta Lepie  (06/2011)

Kirche San Girolamo in Ischia Porto. Die an der Sirnseite der Kirche 1909 angebrachte Gedenktafel erinnert an die 400 Jahre zuvor stattgefundene festliche Hochzeit von Vittoria Colonna mit Ferrante d’Avalos.

Bild: Dr. Herta Lepie (06/2014)

Kachelbild der Colona Vittoria in Ischia Porto (gegenüber der Kirche), gestiftet 2009 vom Comitato Vittoria Colonna anläßlich der vor 500 Jahren erfolgten Vermählung Vittorias mit Ferrante.

Max Mannheimer

 

 

Deutscher Schriftsteller und Maler; ältestes von fünf Kindern einer deutsch-jüdischen Kaufmannsfamilie entstammend; besuchte von 1934 bis 1936 die Handelsschule in Neutitschein (heute Nový Jičín, Tchechien) und arbeitete ab 1936 in einem Kaufhaus der Firma J. Schön & Co. in Znoimo-Starý Šaldorf/Znaim-Alt-Schallersdorf. Nach dem “Anschluß” Österreichs an das Deutsche Reich wurde sein Vater im Zuge der Verhaftungsaktionen während der Novemberpogrome 1938 inhaftiert und im Dezember 1938 jedoch wieder freigelassen, mußte aber innerhalb von acht Tagen den vom Deutschen Reich besetzten Teil des Landes verlassen und floh nach Ungarisch Brod, dem Geburtsort der Mutter. Die restliche Familie folgte ihm am 27.1.1939. Nachdem die Tschechoslowakei im März 1939 zerschlagen worden war, arbeitete Max Mannheimer im Sommer 1939 im Straßenbau, da es Juden nur erlaubt war, körperliche Arbeit auszuüben. Im Januar 1943 wurden Mannheimer und seine Familie in das Konzentrationslager Theresienstadt und dann nach Auschwitz deportiert. Nachdem er 1945 nach jahrelanger KZ-Haft von US-Soldaten in Oberbayern befreit worden war, verließ er Deutschland und wollte das Land der Nazidiktatur nie wieder betreten. Seine Eltern, seine Geschwister und seine Frau waren in Auschwitz ermordet worden. Nur Mannheimer und sein Bruder Edgar überlebten den Holocaust Ende 1946 kehrte er jedoch nach Deutschland zurück; zu diesem Schritt hatte ihn seine zweite Ehefrau, eine deutsche Sozialdemokratin, überredet.

Ab Mitte der 1980er Jahre begann er, in Schulen und kirchlichen Einrichtungen über seine KZ-Inhaftierungen und die NS-Diktatur und den Holocaust zu sprechen, nachdem ihn der Historiker Wolfgang Benz und von Barbara Distel, damals Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, gebenten hatten, seine Aufzeichnungen aus der Zeit des Nationalsozialismus freizugeben. Sie wurden daraufhin veröffentlicht, in der Folge hielt Mannheimer Vorträge – vor allem vor Schülern – über seine KZ-Inhaftierungen.

Max Mannheimer war Präsident der Lagergemeinschaft Dachau und seit 1995 Vizepräsident des Internationalen Dachau-Komitees.

 

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München, Neuer israelitischer Friedhof

Bilder: Parsifal von Pallandt (05/2018)

Berta (auch Bertha) Zuckerkandl-Szeps

 

Österreichische Schriftstellerin, Journalistin, Kritikerin und Salonnière; Tochter des Journalisten und Zeitungsverlegers Moriz Szeps und dessen Gemahlin Amalia, née Schlesinger; jüngere Schwester von Sophie, die Modell für Rodin gestanden hatte und später Paul Clemenceau, den Bruder des späteren französischen Ministerpräsidenten Georges Clemenceau heiratete; Berta wuchs in Wien auf und erhielt Privatunterricht durch Hauslehrer.

 

Verheiratet war Berta Szeps seit 1886 mit dem Anatomen und Universitätsprofessoren Emil Zuckerkandl.

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Paris, Cimetière du Père Lachaise, Columbarium

grabstaette nicht mehr

Dieter Wellershoff

 

 

Deutscher Schriftsteller, Literaturkritiker und Verlagslektor; 1930 zogen seine Elternr mit ihm und seinem jüngeren Bruder nach Grevenbroich am Niederrhein, wo Dieter aufwuchs und 1932 eingeschult wurde. Noch als Gymnasialschüler wurde er zunächst zum Arbeitsdienst herangezogen, meldete sich 1943 freiwillig zum Kriegsdienst in der Panzerdivision Hermann Göring und wurde 1944 in Litauen verwundet. 1945 gelang es ihm, sich gemeinsam mit Kameraden aus versprengten Truppenteilen der Wehrmacht in Richtung Westen abzusetzen. Dort geriet er in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft. Seine Erfahrungen im Krieg verarbeitete er später in dem autobiographischen Buch Der Ernstfall, das 1997 erschien. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann er 1947 ein Studium der Germanistik, Psychologie und Kunstgeschichte an der Universität Bonn, das er 1952 mit einer Promotion zum Dr. phil. über Gottfried Benn, dessen Werk er später betreute, abschloß. Zwischen 1952 und 1955 arbeitete Wellershoff als Redakteur der Deutschen Studentenzeitung. Während dieser Zeit entstanden erste literarische Arbeiten. 1959 kam Wellershoff ins Lektorat des Kölner Verlags Kiepenheuer & Witsch. Anfang der 1960er Jahre war er Initiator der sogenannten Kölner Schule, die innerhalb der deutschen Literatur einen “neuen Realismus” zu etablieren suchte . Seit 1981 lebte er als freier Schriftsteller in der Kölner Südstadt.

Wellershoff verfaßte Romane, Erzählungen und auch Autobiografisches, Hör- und Fernsehspiele sowie Essays. Bekannt wurde er v.a. durch seinen Roman Der Sieger nimmt alles (1983)..

Verheiratet war Dieter Wellershoff mit Maria, eine Schwester des Politikers Adolf von Thadden und Halbschwester der Widerstandskämpferin Elisabeth von Thadden und Reinold von Thaddens, dem Gründer des Deutschen Evangelischen Kirchentages.

Werke u.a.: Ein schöner Tag (1966), Die Schattengrenze (1969), Die Schönheit der Schimpansen (1977), Der schöne Mann (1988), Zikadengeschrei (1995), Der Liebeswunsch (2000). Essays: Die Wahrheit der Literatur (1980), Wahrnehmung und Phantasie (1987), Das Schimmern der Schlangenhaut. Existentielle und formale Aspekte des literarischen Textes. Frankfurter Vorlesungen (1996).

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Bilder: Wilfried Paque (07/2018)

Köln, Friedhof Melaten

Schriftsteller CXXV

Omnibus salutem!