Thomas Gray

                   

Englischer Dichter; studierte nach der schulischen Ausbildung in Eton, die er für die glücklichste Zeit seines Lebens bezeichnete, an der Universität in Cambridge, wo er die meiste Zeit seines Lebens als Akademiker verbringen wird. Ab 1741/1742 begann er Gedichte zu verfassen, auch solche in englischer Sprache - zuvor wurden sie in Latein geschrieben. Er bearbeitete ein Fragment einer Tragödie von Racine, das 1775 unter dem Titel Agrippina erschien, und er verfaßte seine ersten Oden. Im Jahr 1750 vollendete er seine bekannteste Dichtung Elegy Written in a Country Churchyard (Elegie auf einem Dorfkirchhof), die auf den Tod fokussiert und der Gleichheit aller im Tode, und mit der Gray zu einem der Wegbereiter der Romantik wurde. Sein Freund Horace Walpole, mit dem er seit der Studienzeit trotz einer Trennung während einer gemeinsamen sogenannten Grand Tour durch Frankreich und Italien befreundet war, bestärkte ihn, das Werk zu veröffentlichen, was 1751 geschah. 1754 folgte Grays panegyrisches, d.h. in festlicher Art verfaßtes Werk The Progress of Poesy. 1757 schlug er eine Berufung als Poeta laureatus aus, nahm aber im Jahre 1768 eine Professur sine cura für Geschichte und moderne Sprachen in Cambridge an; wenn es die Zeit zuließ, unternahm er immer wieder ausgedehnte Reisen durch sein Heimatland und hielt seine Eindrücke in Reisetagebüchern (Journal, 1775) fest. Gray, der auch altnordische und walisische Dichtungen übersetzte, gilt als Wegbereiter der Romantik und als einer der einflußreichsten englischen Dichter un der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Werke u.a.: Ode on a Distant Prospect of Eton College (1747), Sonnet on the Death of Richard West (1775), Ode The Bard (1757, dt. Der Barde).


    Epitaph: aus Elegy Written in a Country Churchyard
        Here rests his head upon the lap of Earth
        A youth, to Fortune and to Fame unknown;
        Fair science frown’d not on his humble birth,
        And Melancholy mark’d him for her own.
       
        Large was his bounty, and his soul sincere;
        Heaven did a recompense as largely send:
        He gave to Misery all he had, a tear,
        He gain’d from Heaven, ‘twas all he wish’d, a friend.
       
        No farther seek his merits to disclose,
        Or draw his frailties from their dread abode,
        (There they alike in trembling hope repose),
        The bosom of his Father and his God.
       


     Grabschrift
        Sanft legt sein Haupt hier in der Erde Schoß
        Ein Jüngling, der nie Glück und Ruhm gekannt;
        Der Muse Lächeln war sein bestes Los,
        Und Schwermut hat zum Liebling ihn ernannt.
       
        Groß war sein Herz und seine Seele schlicht;
        Des lohnt’ ihm auch des Himmels Güte sehr.
        Mit Armen weint’ er, und mehr konnt er nicht;
        Es ward ein Freund ihm, und er bat nicht mehr.
       
        Sucht sein Verdienst nicht weiter darzutun,
        Gebt seine Schwachheit nicht dem Tadler bloß;
        Lasst beide sie in banger Hoffnung ruhn
        In seines Vaters, seines Gottes Schoß.

Übersetzung: Johann Gottfried Seume

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Hinweis: Grays sterblichen Überreste befinden sich in dem diesem Stein gegenüber liegenden Grab an der Seite seiner Mutter (s.u.)

Bilder: UKgeofan (03/2008) wikipedia.en

Stoke Poges (Buckinghamshire), St Giles Churchyard

Hinweis: In die Seiten dieses Monuments ist Grays Elegie eingraviert.

Lion Feuchtwanger

Deutscher Schriftsteller; Sohn eines jüdisch-orthodoxen Margarinefabrikanten; nach Abitur an einem humanistischen Gymnasium in seiner Geburtsstadt studierte er Geschichte, Philosophie und Deutsche Philologie in München und Berlin, promovierte 1907, konnte sich jedoch als Jude aufgrund der Bestimmungen nicht habilitieren. Er schrieb Theaterrezension, und ab 1908 gab er die Kulturzeitschrift Der Spiegel heraus, deren Erscheinen er allerdings aus finanziellen Gründen nach 15 Nummern einstellen mußte. Er arbeitete danach an Siegfried Jacobsohns Die Schaubühne mit. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde er in Turin interniert, konnte aber entfliehen. Zurück in München wurde er vom Kriegsdienst aus gesundheitlichen Gründen suspendiert und begann wieder mit der Übersetzung von Dramen aus dem Spanischen, Griechischen und Indischen. Außerdem schrieb er einige Stücke und Antikriegsdichtungen, und er verlagerte seinen Schwerpunkt auf den historischen Roman; so schrieb er u.a. Die häßliche Herzogin Margarete Maultasch (1923) und 1921/22 Jud Süß, einen 1925 veröffentlichten Roman über den unglücklichen Joseph Süß Oppenheimer. In diesem Jahr zog er nach Berlin um, wo er sich 1932 im Grunewald niederließ. Früh, schon während seiner Münchner Zeit, erkannte er die von Hitler und der NSDAP ausgehenden Gefahren. In seinem Roman Erfolg. Drei Jahre Geschichte einer Provinz, den er zwischen 1927 und 1930 schrieb und der 1930 erschien, zeichnet er eindrucksvoll ein Bild von der völkischen Gesellschaft in Bayern (so trägt Rudolf Kutzner deutlich Züge Hitlers, und die Beschreibung seines Aufstandes entspricht dem Hitler-Ludendorff-Putsch von 1923, und das Verhalten Kulturminister Flauchers erinnert an dasjenige von Gustav Ritter von Kahr). Ab November 1932 war er im Ausland auf Vortragsreise, und als die Nationalsozialisten Ende Januar 1933 die Macht “ergriffen”, entschied er sich, von einer Rückkehr nach Deutschland abzusehen. Seine Bücher wurden verboten, sein Eigentum und sein Haus eingezogen. Er ließ sich zunächst in Südfrankreich nieder, wo sich viele deutsche Exilianten aufhielten. Von November 1936 bis Februar 1937 hielt er sich in der Sowjetunion auf. Während seines Aufenthaltes dort wurde er Zeuge des Schauprozesses gegen Karl Radek, für dessen Person er keinerlei Sympathie aufbringen konnte. In seiner Schrift Moskau 1937, Ein Reisebericht für meine Freunde hielt er später seine Eindrücke fest und rechtfertigte die Schauprozesse gegen die angeblichen Trotzkisten, worauf Arnold Zweig, Franz Werfel und Bruno Frank mit Empörung reagierten. Noch während des Prozesses empfing Stalin ihn zu einem persönlichen Gespräch. Er sprach ihn u.a. auf den ihn betreffenden Personenkult an und gab seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß bei der gerade stattfindenden Rembrandt-Ausstellung eine überdimensionierte Stalin-Büste aufgestellt worden sei. Die Audienz hinterließ bei Feuchtwanger eine gewisse Irritation, dennoch blieb er von Stalin und der Entwicklung in der UdSSR überzeugt. 1940 wurde er nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Frankreich interniert; er kam in das Lager Les Milles. Unter abenteuerlichen Umständen gelang es ihm und seiner Frau nach Marseille, dann Spanien und Portugal zu entweichen und schließlich 1941 in die Vereinigten Staaten. Hier geriet der Linksintellektuelle als “Kommunist” und wegen seiner Reise in die Sowjetunion in das Visier der Kommunistenjäger um Senator Joseph McCarthy. Zuvor hatte er bereits Schwierigkeiten bei der Einbürgerung. Verheiratet war Feuchtwanger seit 1912 mit der Kaufmannstochter Marta Löffler.

Werke u.a.: Die Geschwister Oppermann (1933), Josephus-Trilogie: Der jüdische Krieg (1931-32), Die Söhne, (1934-35), Der Tag wird kommen (1939-41), Die Füchse im Weinberg (1944-46), Goya oder der arge Weg der Erkenntnis (1951), Die Jüdin von Toledo (1955).

Auszeichnungen u.a.: Nationalpreis der DDR 1. Klasse für Kunst und Literatur (1953).

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Ernst August Friedrich Klingemann

                      

Deutscher Schriftsteller und Bühnenleiter; Sohn eines Kopisten und einer aus der Musikerfamilie Weinholtz stammenden Mutter; entwickelte bereits als Schüler am Collegium Carolinum in Braunschweig, in dem er später Professor sein sollte, Interesse am Theater, das sein ganzes Leben anhalten sollte. 1795 erschien der Roman Wildgraf Eckard von der Wölpe. 1796 begann er mit dem Schauspiel Die Asseburg. Historisch-romantisches Gemählde aus dem dreizehnten Jahrhundert (2 Bde., 1796–97). Nach Ende der Schulausbildung 1798 ging er nach Jena, wo er Jura und Philosophie studierte und u.a. Vorlesungen von Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Wilhelm Schelling und August Wilhelm von Schlegel hörte und sich mit Clemens von Brentano anfreundete; gemeinsam gaben sie 1800 die Zeitschrift Memnon heraus, von der aber nur ein einziger Band erschien. Auch brach er 1801 das Studium ab und kehrte in seine Geburtsstadt zurück, wo er für die Zeitung für die elegante Welt tätig war. 1802 veröffentlichte er die Abhandlungen Über Schillers Tragödie: Die Jungfrau von Orleans und Was für Grundsätze müssen eine Theaterdirektion bei der Auswahl der aufzuführenden Stücke leiten? 1810 heiratete er die Schauspielerin Elise Anschütz, die in der von Friedrich Walther als Wanderbühne gegründeten Waltherschen Gesellschaft spielte, deren Oberregisseur im selben Jahr geworden war. Aus dieser Gesellschaft ging das Braunschweiger Nationaltheater hervor, dessen Direktion Klingemann 1818 übernahm. In dieser Eigenschaft wurde 1829 die Tragödie Faust von Johann Wolfgang von Goethes, der den ersten Teil bereits 1808 abgeschlossen hatte, erstmals öffentlich aufgeführt, während der Dichter nach einer langer Pause bereits an der Vollendung des zweiten Teils arbeitete. Selber verfaßte Klingemann Ritterromane und romantische Dramen. U.a. veröffentlichte er unter dem Pseudonym “Bonaventura” im Journal von neuen deutschen Original-Romanen sein berühmtestes Werk, Die Nachtwachen des Bonaventura (1804), das allerdings u.a. auch Clemens von Brentano zugeschrieben wurde.

Werke u.a.: Die Maske (1797), Albano der Lautenspieler (2 Bde., 1803), Heinrich der Löwe (1808), Don Quixote und Sancho Pansa. Dramatisches Spiel mit Gesang (1815), Ferdinand Cortez, oder: Die Eroberung von Mexiko (1818).

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Santa Monica, Woodlawn Cemetery

Bilder: Bernd Schwibbe (10/2009)

Braunschweig, Dom-Friedhof

Martin Opitz von Boberfeld

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Deutscher Dichter; Sohn eines Metzgers; ab 1605 war er Schüler zunächst an der Lateinschule seiner Vaterstadt, dann ab 1614 am Maria-Magdalenen-Gymnasium zu Breslau, schließlich ab 1617 am akademischen Gymnasium zu Beuthen an der Oder (heute Bytom Odrzanski). Nach einer kurzen Zeit als Hauslehrer in Frankfurt (Oder), studierte er Philosophie und Jura in Frankfurt/Oder (1618) und Heidelberg (1619); dort machte er Bekanntschaft mit dem Heidelberger Humanistenkreis (v.a. J.W. Zincgref, Caspar von Barth, *1587, 1658). 1620 bereist er Holland und Jütland. Nach 1622 wurde er Lehrer in Weißenburg. 1625 krönte ihn Kaiser Ferdinand II. in Wien zum poeta laureatus, nachdem ein Jahr zuvor sein poetologisches Hauptwerk, das Buch von der deutschen Poeterey, erschienen war. Zwei Jahre später wurde er geadelt und durfte sich fortan Opitz von Boberfeld nennen. Obwohl er Protestant war, war er von 1626 bis 1632 Sekretär und Gesandter des Grafen Karl Hannibal von Dohna, des durch seine Protestantenverfolgungen berüchtigten Führers der Gegenreformation in Schlesien. 1629 war er in die Fruchtbringende Gesellschaft aufgenommen worden, einem Sprachorden, dessen Ziel es war, der deutschen Sprache und Literatur gesellschaftlich zu Ansehen zu verhelfen. Auf einer seiner zahlreichen Reisen, begegnete er 1630 Hugo Grotius in Paris, dessen Über die Wahrheit der christlichen Religion er in deutsche Verse übertrug. 1633 trat er in die Dienste der schlesischen Piastenherzöge. Ab 1636 an war Opitz Diplomat des polnischen Königs Wladislaw IV., als dessen Historiograph er in Danzig lebte, wo er an den Folgen der Pest starb. Opitz, der zunächst wie die meisten seiner Zeitgenossen nur in neulateinischer Sprache schrieb und seine späteren Werke zweisprachig, d.h. in deutscher wie neulateinischer Sprache verfaßte, gilt als der Begründer der Schlesischen Dichterschule und bedeutender Dichter des Barock. Seine Vorbilder waren die Schriften der Antike und der Neuzeit, u.a. Aristoteles, Horaz, Quintilian, Petrarca, J.C. Scaliger, D. Heinsius, Pierre de Ronsard. Bedeutend sind Opitz' Übersetzungen und Bearbeitungen, z.B. die Antigone des Sophokles (1636) und John Barclays (*1582, †1621) Roman Argenis (1626-32, 2 Bde.), sowie seine Schäferdichtung (Schäfferey von der Nimfen Hercinie, 1630) und das Opernlibretto Dafne (1627, vertont von Heinrich Schütz). Die Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges fanden ihren Niederschlag in Trostgedichte in Widerwärtigkeit des Krieges (1633).

Werke u.a.: Strenarum libellus (1616), Aristarchus (1617), Teutsche Poemata und Aristarchus wieder die verachtung Teutscher Sprach... (1624),

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Bilder: Martina Schulz (10/2009)

Danzig / Gdansk, Oberpfarrkirche St. Marien

Bild: Alexander Gordon (09/2009)

John Galsworthy

Englischer Schriftsteller; einer wohlhabenden Familien entstammend, besuchte er eine Privatschule in Harrow. Anschließend studierte er am New College der Universität Oxford Jura und wurde 1890 Barrister, ein vor einem Gerichtshof zugelassenen Rechtsanwalt. Nach Abschluß des Studiums erhielt er 1890 auch seine Zulassung als Anwalt, ging aber zur See, wo er den polnischen Schriftsteller Joseph Conrad kennenlernte, der sein Interesse an der Literatur weckte. Seine frühen Werke publizierte er unter dem Pseudonym John Sinjohn. Mit seiner 5-bändigen Familienchronik Die Forsyte Saga (1906-21) sowie deren Fortsetzungen Moderne Komödie (3 Tle., 1924-28) und Das Ende vom Lied (3 Tle., 1931-33) brachte er Kritik an der sozialen Lage, aber v.a. am britischen Klassensystem der ausgehenden Viktorianischen Epoche zum Ausdruck. Ende der 1960er Jahre wurde Teile des Romans Die Forsyte Saga für das Fernsehen in 26 Folgen adaptiert. Galsworthy schrieb außerdem Novellen, Essays und Dramen. 1921 wurde er der erste Präsident der internationalen Schriftstellervereinigung P.E.N. Die letzten Jahr verbrachte Galsworthy in seinem großen Haus in Bury in der Graftschaft West Sussex.

  

Werke u.a.: The Silver Box (1906, Der Zigarettenkasten), The Man of Property (1906), Das Herrenhaus (1907), Strife (1909, dt. Kampf), Justice (1910, dt. Justiz), The Pigeon (1912), Old English (1924), The Roof (1929), Maid in Waiting (1931), Flowering Wilderness (1932), Over the River (1933).

Auszeichnungen u.a.: Nobelpreis für Literatur (1932).

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Oxford, New College

Hinweis: Auf dem obigen Bild ist eine Erinnerungsplakette abgebildet. Auf dem Highgate Cemetery, Western Section gibt es ebenfalls einen an ihn erinnernden Kenotaph. Die Asche Galsworthys wurde vom Flugzeug aus über den South Downs in Südengland verstreut.

Bilder: Klaus Decker (11/2009)

Saul (Salomon) Bellow

 

US-amerikanischer Schriftsteller; Sohn einer aus Sankt Petersburg emigrierten jüdischen Familie; als er neun Jahre alt war, zog seine Familie mit ihm von Kanada nach Chicago. Erst dort erlernte er das Englische; zuvor konnte war er nur dew Hebräischen mächtig. Er studierte Anthropologie und Soziologie an der Northwestern University und lehrte anschließend als Literaturdozent – u.a. für sogenanntes Creative Writing – an verschiedenen Universitäten. 1944 veröffentlichte er sein Romandebüt Dangling Man (dt. Mann in der Schwebe), in dem er die bevorstehende Einberufung eines Mannes und dessen Angst vor dem Verlust seiner bürgerlichen Existenz zum Thema machte. 1947 folgte The Victim (dt. Das Opfer). In Eurpoa, wo Bellow sich dank eines Guggenheim-Stipendiums einige Zeit aufhalten konnte, verfaßte er den überwiegenden Teil seines bekanntesten Werkes The Adventures of Augie March (1953, dt. Die Abenteuer des Augie March). Bellow beschäftigte sich in seinen kulturkritischen Werken überwiegend mit Charakterstudien vornehmlich amerikanischer, im Milieu von Großstädten lebenden Juden, aber er schrieb auch Erzählungen und Dramen.

Werke u.a.: Seize the Day (1956, dt. Das Geschäft des Lebens), Henderson the Rain King (1959, dt. Der Regenkönig), Herzog (1964), Die letzte Analyse (1965), Mr. Sammlers Planet (1970), Humboldt’s Gift (1975, dt. Humboldts Vermächtnis), The Dean’s December (1982, dt. Der Dezember des Dekans), Mehr noch sterben an gebrochenem Herzen (1987), Die Bellarosa-Verbindung (1989), Something to Remember Me By (1991), The Actual (1997), Die einzig Wahre (1998).

Auszeichnungen u.a.: Pulitzer-Preis, Nobelpreis für Literatur (beide 1976).

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Brattleboro, Morningside Cemetery

Carlo Goldoni

 

Italienischer Dramatiker; studierte Philosophie und Rechtswissenschaften und wirkte von 1744 bis 1748 als Anwalt in Pisa, wobei er sich aber schon früh zum Theater hingezogen fühlte - im Alter von 14 Jahren hatte er sich schon einmal einer reisenden Schauspielertruppe angeschlossen. Neben seiner Arbeit als Anwalt begann er Dramen zu verfassen. Mit der erfolgreichen Aufführung seines Stückes Belisario (1734) versuchte er, der italienischen Komödie neue Wege zu weisen. Er bemängelte an der Commedia dell'Arte die platte Handlung, die plumpen, polternden Späße und den Mangel an sittlichem Gehalt. Seine Reformbestrebungen verteidigte er in der Komödie Il teatro comico (1751, dt. Das Theater. Ein komisches Stück). Diese neue Art der Komödie nannte er “Commedia del carattere”. Zwischen 1748 und 1753 schrieb er für das Teatro Sant'Angelo, von 1753 bis 1756 für das Teatro San Luca. Anfeindungen des Lustspieldichters Pietro Chiari (*1712, †1785) und der Accademia dei Granelleschi veranlaßten ihn, nach Parma, dann nach Rom überzusiedeln; 1759 kam er nach Venedig zurück, nahm aber wegen anhaltender scharfer Auseinandersetzungen mit dem Theaterdichter Carlo Gozzi (*1720, †1776) und den Anhängern der traditionellen Märchen- und Maskendichtung nahm er 1762 eine Berufung an das Théâtre des Italiens in Paris an, das er bis 1764 leitete. Goldoni verfaßte über 150 Stücke verschiedener Prägung, darunter sein wohl bekanntestes StückIl servitore di due padroni (1753, dt. Der Diener zweier Herren).

Anläßlich der Heirat des späteren Königs Ludwig  XVI. mit der österreichischen Erzherzogin Maria Antonia (Marie Antoinette) verfaßte er 1770 in französischer Sprache die Komödie Le bourru bienfaisant (dt. Der gutherzige Polterer). 1787 schrieb Goldoni unter dem Titel Mémoires pour servir à l'histoire de sa vie et celle de son théâtre (1787, dt. Geschichte meines Lebens) in Versailles seine Lebenserinnerungen nieder. Nachdem die 1787 ihm vom König zuerkannten Pensionszahlungen in Höhe von Gehalt von 3.600 Livres zu Beginn der Französischen Revolution wieder gestrichen wurden, starb, durch die Revolutionswirren verarmt, im Elend.

Werke u.a.: La bottega del caffè (1743, dt. Das Kaffeehaus), La vedova scaltra (1750, dt. Die schlaue Witwe); La locandiera (1753, dt. Mirandolinan), Le donne curiose (1753, dt. Die neugierigen Frauen); Il giuocatore (1753, dt. Der Spieler), Il bugiardo (1756, dt. Der Lügner), Le baruffe chiozzotte (1761/176, dt. Skandal in Chioggia), I rusteghi (1762, dt. Die vier Grobiane); Il ventaglio (1789, dt. Der Fächer), Le bourru bienfaisant (1771, dt. Der gutherzige Polterer).

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Paris, Cimetière Sainte-Catherine

Ida Marie Louise Sophie Friederike Gustave Gräfin von Hahn auch Gräfin Hahn-Hahn

              

Deutsche Schriftsteller und Lyrikerin; Tochter des “Theatergrafen” Karl Friedrich Graf von Hahn. Nachdem dessen Leidenschaft zum Theater und seiner Verschwendungssucht die Familie an den Rand des wirtschaftlichen Ruins gebracht hatte, lebte sie nach der Scheidung ihrer Eltern mit ihrer Mutter und den Geschwistern in Rostock, Neubrandenburg und Greifswald in bescheidenen Verhältnissen. 1826 wurde sie mit ihrem Vetter Friedrich Graf von Hahn (*1804, †1859) verheiratet; bereits 1829 wurde die Ehe nach der Geburt einer Tochter wieder geschieden (dieser Verbindung verdankte sie ihren doppelten gleichlautenden Familiennamen). Noch im selben Jahr lernte sie in Wiesbaden den aus dem Kurland stammenden Adolf Baron Bystram (†1849) kennen; mit dem sie eine freie Ehe führte, um ihren Anspruch auf die Rente nicht verlustig zu gehen. Ihren 1830 geborenen Sohn gab sie in Pflege. 1836 begann sie ein Verhältnis mit dem späteren Reichsregenten Heinrich Simon, den sie aber nicht heiraten wollte. Nach Bystrams Tod konvertierte die Protestantin in Berlin 1850 unter geistlicher Führung des späteren Mainzer Bischofs Wilhelm Emmanuel, Freiherr von Ketteler zum Katholizismus und ließ sich im katholischen Mainz; wo sie 1854 das heute nicht mehr bestehende Kloster ”Zum guten Hirten” gründete (auf dem Gelände befindet sich heute das Kinderneurologisches Zentrum Mainz).

Wiederholte, ausgedehnte Reisen führten sie u.a. nach Frankreich, Italien, Spanien, England und in den Orient. Sie verfaßte zahlreiche Reisebücher, in denen sie von den Landschaften und dem Leben deren Völker und Kultur berichtete. Mit ihren in der zweiten Lebenshälfte publizierten Romanen wurde sie zu einer der meistgelesenen Autorinnen ihrer Zeit. Ihre Werke wurden ab 1844 in zahlreiche Sprachen übersetzt, u.a. ins Englische, Französische, Italienische, Polnische, Russische, Schwedische und ins Ungarische.

Werke u.a.: Venezianische Nächte (1836), Der Rechte (1839), Aus der Gesellschaft (1838), Gräfin Faustine (1840), Ulrich (2 Bde., 1841), Erinnerungen aus und an Frankreich (1842), Sigismund Forster (1843), Orientalische Briefe (1844), Sibylle (2 Bde., 1846), Von Babylon nach Jerusalem“ (1851).

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Mainz, Hauptfriedhof

Bilder: Bernd Wolter (03/2016)

Friedrich Wilhelm Weber

 

Deutscher Schriftsteller, Dichter, Arzt und Poilitiker; Sohn eines Försters; studierte ab 1834 Medizin in Greifswald und ab Wintersemester 1836/1837 in Breslau, wo er 1839 zum Dr. med. ”summa cum laude” promovierte. In Breslau schloß er Freundschaft mit Gustav Freytag. und lernte Heinrich Hoffmann von Fallersleben kennen, der an der dortigen Universität deutsche Literatur und Sprache lehrte. Anschließend unternahm er als Begleiter eines wohlhabenden Freundes eine Italienreise, und besuchte in deren Verlauf u.a. Venedig, Rom, Neapel sowie Pompeji, das bei Italienreisenden zu einem beliebten Reiseziel geworden war, nachdem die Franzosen während der Besatzungszeit Anfang des 19. Jahrhunderts dort mit gezielten Ausgrabungen begonnen hatten. Bevor er die Heimreise antrat, segelte er von Neapel aus nach Marseilles und reiste von dort nach Paris weiter, wo er bei Tätigkeiten in dortigen Krankenhäusern und Vorlesungen namhafter Ärzte seine medizinischen Kenntnisse erweiterte. Nach seiner Rückkehr eröffnete er in Alhausen eine Praxis, war aber auch in Driburg ärztlich tätig. 1848 wurde Weber, der sich bereits während seiner Studienjahre in Greifswald für bürgerliche Freiheitsrechte und eine nationale Einheit Deutschlands eingesetzt hatte, Mitglied des Driburger demokratischen Vereins. 1854 erfolgte seine Wahl in die Stadtverordnetenversammlung Driburgs, der er sechs Jahre angehören wird. Von 1862 bis 1893 war er als Mitglied der Deutschen Zentrumspartei Abgeordneter des Wahlkreises Höxter/Warburg im preußischen Landtag. 1887 bezog er in Nieheim ein eigenes Haus.

Einbanddeckel der Originalausgabe Dreizehnlinden von 1878

Weber, der bis 1857 bei seiner schriftstellerischen Tätigkeit das Pseudonym ”B. Werder“. verwendete, verfaßte neben seiner medizinischen und politischen Arbeit bereits als Gymnasiast sein erstes Gedicht. 1878 erschien im Verlag Ferdinand Schöningh sein um 900 nach Christus und zwischen Egge und Corvey angesiedeltes Epos Dreizehnlinden, das Rekordauflagen erzielte, was allerdings auch der Tatsache geschuldet war, daß es in manchen Gegenden Deutschlands zur obligatorischen Schullektüre zählte. Zuvor war er überwiegend als Übersetzer poetischer Werke tätig, so übersetzte er u.a. die Erzählungen Enoch Arden, Aylmers Field und Maud von Alfred Tennyson oder des Schweden Esaias Tegnérs (Axel – Eine poetische Erzählung). Neben seinen Prosawerken veröffentlichte Weber, der Ende des 19. und im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zu den meistgelesenen deutschen Dichtern. gehörte, auch zahlreiche Gedichte. Sein Sammelband Gedichte, erschienen 1882, kam 1902 - acht Jahre nach seinem Tode - in der 26. Auflage auf dem Markt. Weber sammelte zudem auf hohem Niveau die Ausdrucksweise der klassisch-romantischen Dichtung. Insbesondere seine Spruchdichtung hat an therapeutischem Wert bis heute nichts eingebüßt. Die "Vereinigung der Freunde des Dichters F. W. Weber" (Bad Driburg) sorgt für Neuauflagen des Weberschen Werkes.

Werke u.a.: Die Arminiusquelle zu Lippspringe (1858), Marienblumen (1885), Das Vaterunser (1887), Goliath (1892), Das Leiden unseres Heilandes (1892)

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Bild: Heiko Bockstiegel /03/1993)

Nieheim (Krs. Höxter), Friedhof

Schriftsteller CXXXI

Omnibus salutem!