Sigurd Hoel

 

Norwegischer Schriftsteller; Sohn eines Lehrers; da er sich nach der Beendigung der Schule ein Studium nicht leisten konnte, arbeitete er zunächst als Versicherungsagent. Auch als er 1910 mit dem Studium begann, mußte er sich immer wieder mit Nebenjobs den Lebensunterhalt finanzieren. Seine literarische Karriere begann mit seiner Kurzgeschichte Idioten (1918, dt. Der Idiot), mit der er einen Schreibwettbewerb gewann. Im selben Jahr erhielt er bei der Zeitschrift Socialdemokraten eine Anstellung als Literatur- und Theaterkritiker. Der Verleger Harald Grieg, ein Verwandter des Komponisten Edvard Grieg, verschaffte ihm schließlich eine Beraterstelle in seinem Gyldendal Norsk Forlag. Zugleich wurde er Herausgeber der kommunistischen Zeitung Mot Dag. 1924 reiste Hoel nach Berlin, um dort die sozialistischen Aktivitäten zu beobachten; dort schrieb er Syvstjernen, seinen ersten Roman. Sein Durchbruch erfolgte mit dem Roman Syndere i sommersol (1927, dt. Sünder am Meer), der zweimal verfilmt wurde: 1932 und 2002. In dem 1931 erschienenen Roman En dag i oktober (dt. 2001, Ein Tag im Oktober) beschreibt Hoeg, von Sigmund Freud und dessen psychoanalytischen Schriften beeinflußt, in einzelnen Episoden die Ereignisse in einem Osloer gutbürgerlichen Miethaus im Jahr 1930. Als der Psychoanalytiker Wilhelm Reich, 1933 aus Deutschland emigriert, sich 1935 in Oslo niederließ, zählte Hoel zu dessen engsten Mitarbeitern und war ab 1937 auch Herausgeber der von Reich gegründeten Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie. Während der Besetzung durch deutsche Truppen während des Zweiten Weltkrieges gehörte er dem norwegischen Widerstand an; 1943 mußte er nach Schweden fliehen. Nach dem Krieg war er einer der Begründer des norwegischen Schriftstellerverbandes, und er gehörte von 1956 bis 1959 dem Riksmålsforbundet an, einer 1907 von dem Literaturnobelpreisträger Bjørnstjerne Bjørnson gegründete sprachliche, kulturelle und politische Vereinigung in Norwegen, die sich für den inoffiziellen norwegischen schriftlichen Standard Riksmål einsetzt.

Werke u.a.: Den Enes Død (1920), Veien til verdens ende (1933, dt. 1983: Der Weg an das Ende der Welt), Møte ved Milepelen (1947, dt. 1970: Begegnung am Meilenstein), Trollringen (1958, dt. 1980: Der Trollring).

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Bilder: Meinhard Siegel (2009)

Oslo, Var Frelsers Gravlund

Karl May eigentl. Carl Friedrich May

1875       1907     1912

Deutscher Jugendschriftsteller; wuchs in ärmlichen Verhältnissen als das fünfte von vierzehn Kindern eines Webers auf, war angeblich bis zu seinem 5. Lebensjahr blind - ausgelöst vermutlich wegen Vitamin-A-Mangels. Ab 1856 studierte er als Proseminarist am evangelischen Lehrerseminar in Waldenburg, wurde jedoch dort 1859 wegen Unterschlagung von sechs Kerzen ausgeschlossen. Anschließend konnte er auf dem Gnadenweg am Lehrerseminar Plauen bis 1861 weiterstudieren. Nach einer kurze Zeit als Hilfslehrer wurde er 1862 wegen eines Uhrendiebstahls zu einer sechswöchigen Haftstrafe verurteilt und mußte die Tätigkeit aufgeben, da er als nunmehr Vorbestrafter aus der Liste der Lehramtskandidaten gestrichen wurde. Die folgenden zwölf Jahre verbrachte er wegen verschiedener Eigentumsdelikte in Haft. Zwischen 1875 und 1877 war er Redakteur bei dem Verleger Münchmeyer, einem Herausgeber von Kolportageromanen in Dresden, wo er nebenbei mit Reiseerzählungen seine Laufbahn als Schriftsteller begann. Zu Erfolg gekommen, erbaute er seine Villa Shatterhand in Radebeul. Krankheit, Prozesse und die Scheidung von seiner ersten Frau Emma verdüsterten seine letzten Lebensjahre; er starb als Folge einer Lungenentzündung, die er sich während der Fahrt zu einer Lesung in Wien zugezogen hatte, wo er vor 2.000 Menschen sprach, unter denen sich auch Bertha von Suttner befand.

Mays Romane und Erzählungen bildeten häufig Stoff für Kinofilme; allein zwischen 1912 und 1968 wurden in Deutschland 23 Filme produziert. In der Mehrheit der in der Nachkriegszeit gedrehten Filme besetzte der US-Schauspieler Lex Barker (*1919, †1973) die Hauptrolle, meist als der treue Old Shatterhand, Freund des edlen Apachenhäuptlings Winnetou, verkörpert von dem französische Schauspieler Pierre Brice. Karl May selber war 1974 Gegenstand eines Films von Hans-Jürgen Syberberg.

Werke u.a.: Winnetou 1-3 (1883), Der Schatz im Silbersee (1890/91), Der Schut (1892), Durchs wilde Kurdistan (1892).

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Bilder: Ulrich Bock (07/2007)

Radebeul, Friedhof

Anna Maria Lenngren

Schwedische Schriftstellerin; Tochter des Universitätslehrers Magnus B. Malmstedt, der ihr eine umfangreiche klassische Bildung vermittelte. Sie begann früh zu schreiben und wandte sich auch der Übersetzung zu. Der Durchbruch gelang ihr 1775 mit dem satirischen Gedicht The-Conseillen, und ein Jahr später wurde sie in die literarische Gesellschaft “Ultime Dulci” aufgenommen, in der die intellektuelle Elite der damaligen Zeit versammelt war. In den nächsten Jahren widmete sie sich vor allem der Übersetzung von Theaterstsücken und Opern. 1780 heiratete sie Carl Petter Lenngren, der die damals führenden Zeitung, der Stockholms Posten, 1795 nach dem Tode des Dichter und bedeutenden Aufklärers Johan Henrik Kellgren (*1751, †1795), der mit seiner Zeitung die Literaturkritik revolutionierte, übernommen hatte. Sie wurde deren Mitarbeiterin und eine der wichtigsten literarischen Mitarbeiter des Blattes, in dem sie ihre Beiträge zunächst anonym veröffentlichte. Sie widmete sich im Laufe der Zeit mehr und mehr der Satire und dem Epigramm und wurde zu einem der bedeutenden Mitglieder der dem französischen Klassizismus nahestehenden Akademie, der u.a. Carl Gustaf af Leopold, Graf Johan Gabriel Oxenstierna (*1750, †1818) und Frans Michael Franzén (*1772, †1847) angehörte. In ihrer Dichtung griff sie u.a. den Adel und das Großbürgertum an, das die Romantik der Aufklärung mit deren von der Französischen Revolution geprägten Idealen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, die sich über Europa zu verbreiten begannen, vorzog,

Werke u.a.: Rosalie (1794), Några ord till min kära dotter - ifall jag hade någon (1798, dt. Einige Worte an meine liebe Tochter – wenn ich eine hätte), Pojkarne (1796, dt. Die Knaben), Kråkan (1814 (dt. Die Krähe).

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Bild: Raphael Saulus (04/2009)

Stockholm, Klara Kyrkogård

Carl Gustaf af Leopold (seit 1809)

                 pinxit J.G. Sandberg (1832)

Schwedischer Schriftsteller; Sohn eines Zollbeamten; studierte ab 1773 an der Universität von Uppsala und war nach dem Studium zunächst als Hauslehrer tätig. Er trat zuerst mit für die Zeit üblichen Huldigungsgedichten hervor und machte sich 1778 einen Namen mit einem Gedicht anläßlich der Geburt des schwedischen Kronzprinzen Gustav Adolf. 1786 war er eines der Gründungsmitglieder der vom König Gustav III. gestifteten, dem französischen Klassizismus nahestehenden Schwedischen Akademie an, zu deren Mitglieder u.a. die Schriftsteller Graf Johan Gabriel Oxenstierna (*1750, †1818), Frans Michael Franzén (*1772, †1847) und Anna Maria Lenngren zählten. Leopold war ein Vertreter der schwedischen Aufklärung und verfaßte Gedichte im Stil des französischen Klassizismus. Nach der Ermordung des Königs war er auch unter der Vormundschaftsregierung Herzog Carls und Freiherr Gustaf Adolf Reuterholms als Schriftsteller anerkannt, ebenso wie unter König Gustav IV. Adolf und der konstitutionellen Monarchie nach dem Staatsstreich vom 1809. 1801 verfaßte er im Auftrag der Schwedischen Akademie eine Schrift, die der Rechtschreibung der schwedischen Sprache Maßstäbe setzte. 1809 war Leopold an der Ausarbeitung des Artikels über die Pressefreiheit in der schwedischen Verfassung beteiligt. 1821 erblindete er. Leopold verfaßte auch Dramen, Novellen und Kirchenlieder.

Werke u.a.: Thomas Thorild.

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Bilder: Carolyn Naumann (03/2010)

Berlin-Weißensee, Jüdischer Friedhof

Lina Morgenstern née Bauer

Deutsche Schriftstellerin und Frauenrechtlerin; drittes von sechs Kindern des jüdischen Kaufmanns Albert Bauer und dessen Frau Fanny, Tochter des Krakauer Senators Jakob Adler; besuchte ab dem sechsten Lebensjahr in ihrer Geburtsstadt die "Wernersche Höhere Töchterschule”. 1854 heiratete sie den Kaufmann Theodor Morgenstern, mit dem sie nach Berlin übersiedelte. Nachdem ihr Mann in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war, begann sie, Kindergeschichten und Märchen zu verfassen, um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern. Angetan von den Erziehungsmethoden Friedrich Fröbels, der in seinen Schriften (Keilhauer Schriften) und in Menschenerziehung (1826) seine Grundgedanken zur Kindererziehung postuliert hatte, gründete sie 1859 gemeinsam mit anderen den Frauenverein zur Beförderung Fröbelscher Kindergärten, um so gegen das seit 1851 in Preußen geltende Kindergartenverbot wegen angeblich atheistischer Tendenzen anzugehen und Fröbels Kindergartenidee zu fördern. Von 1861 bis 1866 war deren Vereinsvorsitzende; als das Verbot 1860 aufgehoben worden war, gründete sie acht Kindergärten sowie einer Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen. 1861 erschien ihr als Handbuch zur Ausbildung von Kindergärtnerinnen gedachtes Buch Das Paradies der Kindheit. 1868 folgte die Gründung einer Akademie zur Fortbildung junger Damen, 1869 die eines Kinderschutzvereins. Bei Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges 1870 nahm sie die Versorgung der durch Berlin reisenden Soldaten in Angriff und richtete eine Feldpoststelle ein und organisierte zudem die Versorgung Verwundeter, wobei sie von der preußischen Königin Augusta unterstützt wurde. Zuvor hatte sie bereits anläßlich des Preußisch-Österreichischen Krieges 1866 die Einrichtung von Großküchen als Volksküchen, die Mahlzeiten zum Selbstkostenpreis ausgeben sollte, angeregt, was ihr im Volke den Beinamen “Suppenlina” eingebracht hatte. Seit 1874 gab sie die Deutsche Hausfrauenzeitschrift heraus, die sie über 30 Jahre betreute. 1896 organisierte sie den Internationalen Kongreß für Frauenwerke und Frauenbestrebungen im Roten Rathaus in Berlin und wurde 1897 Vorstandsmitglied der Deutschen Friedensgesellschaft.

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Bild: Matt (06/2008) wikipedia.en

Katharine Lee Bates

 

US-amerikanische Dichterin und Textschreiberin; Tochter eines Priesters; war Englischlehrerin und Leiterin der Englisch-Fakultät des Wellesley College, an dem sie einst Schülerin gewesen war. Angeregt durch den herrlichen Ausblick vom Pikes Peak anläßlich einer Reise nach Colorado im Jahre 1893, verfaßte sie das Gedicht America the Beautiful. Nachdem es zwei Jahre später in der Zeitung The Congregationalist abgedruckt und 1904 nochmals von The Boston Evening Transcript veröffentlicht worden war, wurde es von der amerikanischen Bevölkerung angenommen. Die Musik, nach der es heute gesungen wird, wurde von dem Kirchenorganist und Chorleiter Samuel A. Ward komponiert.

Weitere Gedichte: Fairy Gold (1916), The Retinue (1918).

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Falmouth (MA), Oak Grove Cemetery

Carl Theodor Victor Kurd Laßwitz Pseudonym L. Velatus

1903

Deutscher Schriftsteller; Sohn eines Fabrikanten und Eisengroßhändlers; studierte in Breslau und in Berlin Mathematik und Physik und promovierte 1873 “magna cum laude”. Nach dem Staatsexamen für den höheren Schuldienst in den Fächern Mathematik, Physik, Philosophie und Geographie war er ab 1876 zunächst als Gymnasiallehrer am Ernestinum in Gotha tätig. 1884 wurde er zum Gymnasialprofessor und 1909 zum Hofrat ernannt. In Gotha war er in der sogenannten, auch von ihm 1884 initiierten “Mittwochsgesellschaft zu Gotha” aktiv, in der er populärwissenschaftliche Vorträge über Naturwissenschaft, Literatur und Philosophie vortrug. Bekannt wurde er vor allen Dingen durch seinen Science-Fiction-Roman Auf zwei Planeten (1897, 2 Bde.) der in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Der Roman, der die Begründung des deutschsprachigen Science Fiction Romans markiert, inspirierte u.a. den Raumfahrtpionier Eugen Sänger. Außerdem verfaßte er Essays, wissenschaftliche Schriften und utopische Märchen.

Werke u.a.: Bis zum Nullpunkt des Seins (1871), Atomistik und Kriticismus (1874), Bilder aus der Zukunft. Zwei Erzählungen aus dem 24. und 39. Jahrhundert (1874), Geschichte der Atomistik vom Mittelalter bis Newton (1890), Aspira. Der Roman einer Wolke (1904), Was ist Kultur (1906), Sternentau. Die Pflanze vom Neptunsmond (1909).

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Gotha, Hauptfriedhof

Stockholm, Klara Kyrkogård

Jorge Semprún Maura

Bild: Dinkley (05/2009) Wikipedia.decc_somerightsreserved

Spanischer Schriftsteller; kam nach dem Sieg Francos im Spanischen Bürgerkrieg mit seiner Familie 1939 nach Paris, machte dort sein Abitur und studierte Philosophie. In dieser Zeit beschäftigte er sich vorwiegend mit den Schriften von Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Karl Marx und Georg Lukács. 1941 trat Semprun in die kommunistische Partei ein und schloß sich der Résistance an; nach der Verhaftung durch die Gestapo 1943 wurde er in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Nachdem er nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach Paris zurückgekehrt war, arbeitete er zunächst als Übersetzer bei der UNESCO. Als Mitglied der spanischen Exil-KP beteiligte er sich an der Organisation des Widerstandes gegen die Franco-Diktatur. Seine wachsende Kritik am stalinistischen Führungsstil der spanischen KP führte schließlich 1964 zum Ausschluß aus der Partei. Danach lebte er als freier Schriftsteller in Paris, war allerdings von 1988 bis 1991 spanischer Kulturminister.

Semprúns literarische Werk (meist in französischer Sprache) ist stark autobiografisch geprägt und setzt sich überwiegend mit der Zeitgeschichte auseinander. So setzte er sich in seinem Romandebüt Le grand voyage (1963, dt. Die große Reise) mit Erfahrungen der eigenen Deportation ins Konzentrationslager auseinander.Sein Roman Quel beau dimanche! (1980, dt. Was für ein schöner Sonntag) zieht Parallelen zwischen den Konzentrationslagern der Nazis und dem stalinistischen GULAGs . Semprún war aber auch als erfolgreicher Drehbuchautor (Der Krieg ist vorbei, 1966; Z, 1968) tätig. Aufgrund seiner Tätigkeit als Drehbuchautor entwickelte sich eine enge Freundschaft zu Yves Montand, über den er eine Biographie unter dem Titel Montand. La vie continue (1983, dt. Yves Montand. Das Leben geht weiter) schrieb.

Werke u.a.: Die Ohnmacht (1967), Der zweite Tod des Ramón Mercader (1969), Federico Sánchez: eine Autobiographie (1977), L'Algarabie (1981, dt. Algarabía oder Die neuen Geheimnisse von Paris), La montagne blanche (1986, dt. Der weiße Berg), Netschajew kehrt zurück (1987);

Auszeichnugen u.a.: Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1994).

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Garentreville (Dép. Seine-et-Marne), Cimetière comunal.

Bilder: Bernd Woltrer (05/2012)
Schriftsteller CXXXIV

Omnibus salutem!