Simone de Beauvoir

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Französische Schriftstellerin; einer streng katholischen, wohlhabenden, aber verarmten Familie entstammend (der Vater hatte in Rußland angelegte Wertpapiere im Zuge der Oktoberrevolution verloren), war sie die Theoretikerin des Feminismus und Vertreterin des Existentialismus. Sie studierte Philosophie an der Pariser Universität Sorbonne und arbeitete anschließend als Lehrerin in Marseille und in Rouen, bis sie 1936 wieder nach Paris zurückkehrte, um am Lycée Molière zu unterrichten. Ihren literarischen Durchbruch erzielte sie mit ihren beiden existenzialistischen Romanen L’invitée (1943, dt. Sie kam und blieb) und Le sang des autres (1945, dt. Das Blut der anderen). Für ihren Roman Les mandarins (1954, dt. Die Mandarins von Paris) erhielt sie den Prix Goncourt. Mit Jean-Paul Sartre, den sie während ihres Studiums 1929 an der Sorbonne kennengelernt hatte, lebte sie bis zu dessen Tode zusammen und prägte mit ihm zusammen das geistige Leben in Frankreich. Sie setzte sich engagiert für persönliche Freiheit, aber auch Verantwortung politisch wie sozial ein, trat für die Straflosigkeit der Abtreibung ein und unterstützte die feministische Bewegung. In ihrem 1949 erschienenen Werk Le deuxième sexe (dt. Das andere Geschlecht) gelang ihr eine umfassende feministische Analyse. Mit Sartre zusammen engagierte sie sich gegen den US-amerikanischen Vietnam- und den französischen Algerienkrieg. In La cérémonie des adieux (1981, dt. Die Zeremonie des Abschieds) schilderte sie mit großer Offenheit die letzten Lebensjahre Sartres, die von seiner Krankheit gezeichnet waren. So entstand ein Dokument der bedingungslosen Freundschaft und Verehrung zu ihm sowie der Versuch, das Leben und den unweigerlichen Abschied von einem geliebten Menschen wahrhaftig zu beschreiben.

Werke u.a.: Tous les hommes sont mortels (1946, dt. Alle Menschen sind sterblich), Le belles images (1966, dt. Die Welt der schönen Bilder), La femme rompue (publiziert 1967, dt. Eine gebrochene Frau).

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Jorge Amado

 

Brasilianische Schriftsteller; einer der bekanntesten Schriftsteller Brasiliens, sein Werk wurde in rund 50 Sprachen übersetzt. Amado, der mehrmals für den Nobelpreis für Literatur gehandelt wurde, begann bereits im Alter von 15 Jahren zu schreiben. Wegen seiner sozialistischen Gesinnung befand er sich während der Diktatur Getulio Vargas (1930-45) kurze Zeit in Haft, emigrierte später nach Paris, reiste durch Europa und Asien und kehrte schließlich nach Brasilien zurück. In seinen Romanen beschreibt Amado die afro-brasilianische Kultur seines Heimat-Bundesstaates Bahia. ”Ich bin ein Schriftsteller, der über das Leben und den Charakter meines Volkes geschrieben hat”, sagte Amado einst der Nachrichtenagentur Reuters .

Werke u.a.: Gabriela wie Zi

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Kasimir Edschmid eigentl. Eduard Schmid

 

Deutscher Schriftsteller; der Vorkämpfer des von der Lyrik dominierten Expressionismus studierte Romanistik in Deutschland und Frankreich, gab zwischen 1919 und 1923 die Tribüne der Kunst und Zeit heraus und schrieb u.a. Biographien und Reisebücher. Nach der “Machtergreifung” durch die Nationalsozialisten wurden seine Schriften verboten, außerdem erhielt er Redeverbot. Zwischen 1950 und 1957 edschmid_titelwar Edschmid Generalsekretär, dann Vize- und schließlich Ehrenpräsident des deutschen PEN-Zentrums; darüber hinaus war er Vize- bzw. Ehrenpräsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.

Werke u.a.: Die sechs Mündungen (1915), Das rasende Leben (1916), Timur (1916), Die Fürstin (1918), Die doppelköpfige Nymphe. Aufsätze über die Literatur und die Gegenwart (1920), Lord Byron (1929), Feine Leute und die Großen dieser Erde (1931). Darüber hinaus erschienen zahlreiche Reisebücher: Afrika – nackt und angezogen (1929), Zauber und Größe des Mittelmeeres (1932), Italien. Seefahrt. Palmen. Unsterblichkeit. (1948), Der Zauberfaden (1949), Der Marschall und die Gnade (1954).

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Paris, Cimetière du Montparnasse

Michail Afanasjewitsch Bulgakow

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Russischer Schriftsteller; der Sohn eines Dozenten an der Kiewer Geistlichen Akademie studierte ab 1909 Medizin an der Universität seiner Heimatstadt und übte den Arztberuf zunächst auf dem Land im Gebiet Smolensk aus, bevor er zur Zeit des Russischen Bürgerkrieges als Arzt in die Ukrainische Republikanische Armee einberufen wurde, von dort desertierte und zunächst in der Roten Armee, dann bei den südrussischen Weißen Garden tätig war. Ende Oktober 1921 zog er nach Moskau und arbeitete für eine Reihe von Zeitungen und Zeitschriften, bis er seinen Beruf schließlich ganz zugunsten einer Schriftstellerlaufbahn aufgab; seine Romane, Dramen und eine Romanbiographie über Molière durften erst nach 1962 erscheinen und machten ihn mit einem Schlag bekannt. Aufgrund der positiven Schilderung einer antibolschewistischen Gruppe weißer Offiziere während des Bürgerkriegs in seinem Roman Dni Turbinych (1926, dt. Die Tage der Geschwister Turbin) sowie dem Fehlen eines kommunistischen Helden wurden sowohl die Aufführung des Stückes als auch die Verbreitung des Romans von der sowjetischen Zensurbehörde verboten. Obgleich sich Bulgakows Werke großer Beliebtheit erfreuten, wurde der Autor ab 1930 wegen seiner satirischen Beschreibungen der sowjetischen Wirklichkeit mit einem Publikationsverbot belegt. Dieses Verbot wurde erst nach dem Tode Stalins wieder aufgehoben.

Werke u.a.: Djawolinada (1925, dt. Teufelsspuk), Master i Margarita (posthum 1966, dt. Der Meister und Margarita), Pochoschdenija Tschitschikowa (1925, dt. Tschitschikows Abenteuer), Poslednie dni (Uraufführung 1943, posthum 1955, dt. Die letzten Tage), Sobatschje serdtzje (posthum 1968, dt. Hundeherz; verfilmt 1988).

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Salvador de Bahia (Brasilien), Asche im Garten seines Hauses verstreut

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Moskau, Friedhof am Neujungfrauenkloster

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Darmstadt, Alter Friedhof

Ilja Gregorjewitsch Ehrenburg [russ. Илья́ Григо́рьевич Эренбу́рг]

           

Russischer Schriftsteller und Journalist; der Sproß einer jüdischen Bürgerfamilie verbrachte seine Jugendzeit überwiegend in Moskau, besuchte dort das ehrenburg-titelGymnasium. 1908 wurde er wegen seiner revolutionären Tätigkeit verhaftet und emigrierte nach seiner Entlassung aus der Haft nach Paris. Nach seiner Rückkehr nach Rußland war er von der Revolution und deren Verlauf enttäuscht, so daß er 1921 wiederum nach Frankreich und auch nach Belgien ging. In Paris, das zum Schauplatz vieler seiner Erzählungen wurde, arbeitete er als Journalist für die sowjetische Zeitung Iswestija, berichtete über den Spanischen Bürgerkrieg und den Zweiten Weltkrieg. Neben Romanen schrieb er Gedichte, Essay und zahlreiche Artikel in Zeitungen. Er war in den 1920er Jahren in der Sowjetunion ein bekannter und vielgelesener Schriftsteller, wurde aber auch im Ausland wahrgenommen. Besonders erfolgreich war sein Roman Любовь Жанны Ней (1924, dt. Die Liebe der Jeanne Ney), der 1927 von Georg Wilhelm Pabst mit der französischen Schauspielerin Édith Jéhanne als Jeanne Ney, Brigitte Helm als deren blinder Cousine und Fritz Rasp in der Rolle des weißgardistischen Spitzels Chalybieff in Paris und in Deutschland verfilmt. wurde. Obwohl ihn seine Schriften bei der sowjetischen Machthabern immer wieder in Mißkredit brachten, trat Ehrenburg während der Zeit des Stalinismus als Verteidiger des Regimes auf. Während des Zweiten Weltkrieges verfaßte er angesichts der Zerstörungen und Grausamkeiten seitens der deutschen Wehrmacht zahlreiche mit Haßtiraden angefüllten Pamphlete, um die demoralisierten sowjetischen Soldaten, die sich bis zur Wende in Stalingrad in der Defensive befanden, moralisch zu stärken. Nach Stalins Tod schrieb er 1954 mit seinem Roman Tauwetter einen Roman, der sich kritisch mit dem Führungskader der Partei der UdSSR auseinandersetzte und dessen Titel der Epoche einen Namen gab.

Titelblatt: Die ungewöhnlichen Abenteuer des Julio Jurenito (1922)

 

 

Werke u.a.: 13 Pfeifen (1923), Der Raffgierige (1925), Die Gasse am Moskaufluß (1927), Das bewegte Leben des Lasik Roitschwanz (1928), Der Fall von Paris (1941).

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Moskau, Friedhof am Neujungfrauenkloster

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Hinweis: Der Fels, aus dem der Grabstein gefertigt wurde, lag urspr. auf dem Grab Gogols im Danilow Kloster. Als Gogol 1931 dort exhumiert und auf den Neujungfrauenfriedhof überführt wurde, hat man den Fels nach dem Tode Bulgakows, der ein Verehrer Gogols war, als Stein für sein Grab verwendet.

Marie von Olfers

                     1892

Deutsche Schriftstellerin und Illustratorin; Tochter des Generaldirektor der königlichen Museen Ignaz von Olfers und der Schriftstellerin Hedwig, née von Staegemann, die ihre Talente und ihr Interesse an der Musik, der Malerei und der Poesie früh förderten. Zu ihren Jugendfreundinnen zählten Gisela, Armgart und Maximiliane, die Töchter Bettine von Arnims, die 1843 in Berlin zuerst als "Jungfrauen-Orden" den exklusiven “Kaffeterkreis” gegründet hatten, in dem regelmäßig die Töchter des Berliner Bürgertums und der Aristokratie trafen zu Lesungen und Diskussionen einfanden; später wurden auch Männer zugelassen. in der saloneigenen Kaffeterzeitung veröffentlichte Marie von Olfers erste kleinere Arbeiten unter dem Pseudonym Mario. Ab 1860 gab sie Gedichte, Kinderbücher und Novellen heraus, die sie auch selbst illustrierte und die meist unter ihrem Pseudonym Maria Werner erschienen.

Nach dem Tod ihrer Mutter, mit der sie zusammen gelebt hatte, führte sie deren Salontradition fort. Ernst von Wildenbruch, die Familie Begas, Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke, Richard Voß zählten neben vielen anderen Künstlern, Gelehrten und Angehörigen der Militär- und Hofgesellschaft zu ihren Gästen und Verehrern. Ihr zu Ehren wurde anläßlich des 80. Geburtstages die Marie-von-Olfers-Stiftung zur Förderung von Kinderbüchern ins Leben gerufen.

Marie von Olfers kam durch die Folgen eines Kaminbrands in ihrer Wohnung zu Tode.

Drei Märchen. Zum Besten einer armen Waise hrsg. v. Maria von Olfers (1862)

 

 

Werke u.a.: Herr Mops. Ein Mährchen (1863), Frau Evchen. Eine sehr alltägliche Historie (1865), Backfische und Alte Jungfern. Novellen ( 1897),

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Berlin, Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirchengemeinde

Hinweis: Marie von Olfers wurde im Grab ihres Großveters, des Politikers Friedrich August von Staegemann beigesetzt.

Lina Sommer

 

Deutsche Schriftsteller; verbrachte ihre Kindheit in Speyer und ihre Jugendjahre in Mannheim, Heidelberg und Würzburg. Ihre Mutter verlor sie früh - sie nahm sich 1875 das Leben. 1887 heiratete Lina den Geschäftsmann Adolph Sommer (†1904). Da er sie und die gemeinsamen drei Kinder nicht ernähren konnte, begann Lina Sommer mit dem Schreiben. Ab 1900 verfaßte sie Gedichte und schrieb Geschichten; 1905 erschien ihr erstes Buch, und ab 1910 war sie so erfolgreich, daß sie von den Einnahmen aus ihrer schriftstellerischen Tätigkeit leben konnte. Ihre in Mundart und Hochdeutsch verfaßten Werke verkauften sich sehr gut, nachdem sie in einem Karlsruher Verlag publiziert wurde. Ab 1923 lebte Lina Sommer in Karlsruhe, in einem Damenstift der Diakonissen, in dem sie 70-jährig starb.

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Bilder: Bernd Wolter (09/2011)

Jockgrim (Lkrs. Germersheim), Gemeindefriedhof

Alexej Michajlowitsch Remisow [russ. Алексей Михайлович Ремизов]

Russischer Schriftsteller; Sohn eines Kaufmanns; studierte nach dem Besuch einer Handelsschule an der Moskauer Universität Mathematik und Physik, wurde jedoch 1897 aufgrund seiner Teilnahme an einer Studentendemonstration für sechs Jahre nach Nordrußland (Pensa, Wologda, Ust-Sysolsk) verbannt. Nach erneuter Beteiligung an einem Streik wurde die Verbannung verlängert, so daß er erst 1905 entlassen wurde und sich in Sankt Petersburg niederließ. Er versuchte sich zunächst als Schauspieler, Bühnen- und Maskenbildner, Sänger und Maler, begann dann aber eine ernsthafte literarische Karriere. Er veröffentlichte Geschichten, Legenden und Romane sowie dramatische Werke im Geiste der mittelalterlichen Mysterienspiele . Remisow gehörte dem russischen Symbolismus an, reicht zeitlich jedoch auch in den Surrealismus hinein. Er verkehrte u.a. mit Alexander Blok, Anna Achmatowa, Iwan Bunin und Michajl Kusmin. 1921 emigrierte Remisow zunächst nach Berlin, ließ sich dann aber 1923 in Paris nieder.

Werke u.a.: Посолонь (dt. Posolon), Докука и балагурье (dt. Dokuka und Joker), Николины притчи (dt. Nikolinas Gleichnis), Трагедия о Иуде, принце Искариотском (dt. Die Tragödie von Judas Prinz Iskariot ), Царь Максимилиан (dt. König Maximilian).

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Sainte-Geneviève-des-Bois, Russischer Friedhof

Bilder: Bernd wolter (05/2012)

Karl Heinrich Waggerl

 

Österreichischer Schriftsteller; besuchte das Lehrerseminar in Salzburg, nahm als Leutnant am Ersten Weltkrieg teil und ließ sich nach seiner Freilassung aus italienischer Kriegsgefangenschaft in Wagrain, wo er 1940 kurzzeitig auch einmal Bürgermeister seinWohnhaus Waggerls wird, nieder. Dort wurde er 1920 als Lehrer tätig war, mußte diese Tätigkeit aber bereits 1923 krankheitsbedingt wieder aufgeben. Nach seiner Entlassung aus dem Schuldienst begann er mit dem Schreiben. 1936 wurde der konservative, von seiner bäuerlichen Herkunft bestimmte Waggerl, dessen Spätwerk z.T. antisemitische Züge trägt, Mitglied des Bundes deutscher Schriftsteller Österreichs und 1938 nach dem “Anschluß” Österreichs an das Deutsche Reich Mitglied der NSDAP. 1939 wurde er Landesobmann für Schriftsteller im NS-Gau Salzburg.

1930 erschien im Insel-Verlag in Leipzig sein erster, von Knut Hamsun inspirierter Roman unter dem Titel Brot. Hier wie in den folgenden Werke schildert Waggerl das einfache Leben der Menschen mit und in der Natur. Seine Bücher waren seinerzeit sehr populär; heute allerdings sind im wesentlichen nur noch seine Weihnachtsgeschichten allgemein bekannt; in erster Linie das Buch Und es begab sich, das u.a. die berühmten Weihnachtslegenden Worüber das Christkind lächeln mußte oder Warum der schwarze König Melchior so froh wurde enthält, als ein Meisterwerk des Genres gilt und längst der klassischen Weihnachtsliteratur angehört.

Werke u.a.: Schweres Blut (1931), Das Jahr des Herrn (1933), Wagrainer Tagebuch (1936), Fröhliche Armut (1948), Wagrainer Bilderbuch. Eine Bildchronik von 1921-1971 (1973). 

Autobiographie: Ein Mensch wie ich (1963).

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Bild: Karl Schroeding (05/2012)
Bild: Karl Schroeding (05/2012)

Wagrain (Pongau), Friedhof

Otto Erich Hartleben

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Deutscher Schriftsteller und Journalist; wuchs nach dem frühen Verlust seiner Eltern zunächst bei seinem Großvater, Senator Eduard Angerstein in Hannover, auf, bevor er von 1879 bis 1881 zur Erziehung nach Jever zu einem Freund seines verstorbenen Vaters geschickt wurde. Nach dem Abitur im Jahre 1885 studierte Hartleben ab 1886 Rechtswissenschaften an den Universitäten von Leipzig und Berlin. 1889 wurde er Gerichtsreferendar in Stolberg (Harz) und Magdeburg, hing aber die Juristerei an den Nagel, da ihn das Elend der “Leute auf der Anklagebank” dauerte, ließ sich 1890 in Berlin als freier Schriftsteller nieder und verfaßte gesellschaftskritische Dramen, Novellen in der Art von Guy de Maupassant. Ein großer Theatererfolg war die Offizierstragödie Rosenmontag (1900). Daneben war er von Juli 1897 bis März 1900 gemeinsam mit Rudolf Steiner Herausgeber der wöchentlich erscheinenden Literaturzeitschrift Magazin für Litteratur und steuerte Beiträge für die Zeitschrift Jugend bei.

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Bild: Detlef Gerd Stechern (ca. 1985)

Göttingen, Stadtfriedhof

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Hinweis: Die Urne mit der Asche Hartlebens (links neben dem Grab der Familie), existiert nicht mehr.

Bild: Harald Lankisch (06/2014)
Bilder: Günter Bihn (08/2011)

Jewgenij Alexandrowitsch Jewtuschenko [russ. Евгений Александрович Евтушенко]

 

 

Sowjetischer Dichter und Schriftsteller; Sohn des deutschstämmige Alexander Rudolfowitsch Gangnus, eines Geologen, und dessen Ehefrau Zidaina Jewtuschenka, einer Geologin; verbrachte seine frühe Kindheit in Sima bei seiner Großmutter, die dafür sorgte, das Jewgenij den Geburtsnamen seiner Mutter erhielt, um eventuellen Repressalien aufgrund des nicht slawisch klingenden Namens zu vermeiden; außerdem wurde sein Geburtsdatum offiziell auf 1933 vorverlegt, um 1944 einen Umzug nach Moskau zu ermöglichen. Dort war er Schüler an den Moskauer Schulen Nr. 254 und Nr. 607, war ein schlechter Schüler, verhielt sich aufsässig und wurde 1948 in der Schule Nr. 607 zu Unrecht verdächtigt, Schulzeitschriften mit Markierungen in Brand gesteckt zu haben, weshalb er im Alter von 15 Jahren der Schule verwiesen wurde, arbetiete danach in einem Kolchos, dann in einem Sägewerk und nahm dann 1948 und 1950 an geologischen Expeditionen seines Vaters in Kasachstan und dem Altai teil, bevor er nach Moskau zurückkehrte, um sich dort der Poesie zu widmen. 1949 erschien dann sein erstes Gedicht in der Zeitschrift Советский спорт (Sowjetsport). Sein 1952 erschienener erster Gedichtband Разведчики грядущего (Kundschafter der Zukunft) wurde zwar von der Kritik gelobt, war aber bei der Leserschaft aber wenig erfolgreich. Obwohl ohne Schulabschluß, wurde Jewtuschenko aufgrund seiner Veröffentlichungen in den Schriftstellerverband und in das Maxim-Gorki-Literaturinstitut aufgenommen, wo die Gelegenheit erhielt, seinen Stil und seine Themen zu überdenken. Als er es 1956 wagte, den Roman Не хлебом единым (Der Mensch lebt nicht vom Brot allein) von Wladimir Dudinzew, der über einen Zeitraum von acht Jahre die Konflikte des jungen Ingenieurs Lopatkin mit dem sowjetischen Wirtschafts- und Parteiapparat schildert, zu loben, wurde Jewtuschenko aus dem Maxim-Gorki-Literaturinstitut entfernt

Jewtuschenko sprach mit seiner politisch engagierten Poesie, die die stalinistische Vergangenheit zum Inhalt hat, besonders die Jugend an. Mit seinen Dichtungen Станция Зима (1963, Stalins Erben) und mitБабий яр (1961, Babi Jar), in dem er sich gegen den herrschenden sowjetischen Antisemitismus wandte und diesen mit der Vernichtung von 34 000 ukrainischen Juden durch die Nationalsozialisten in Zusammenhang brachte. Babi Jar erschien in der einflußreichen Literaturnaja Gaseta und wurde von Dmitrij Schostakowitsch in dessen 13. Sinfonie, die den Untertitel Babi Jar hat, vertont. Mit diesem Werk und mit Хотят ли русские войны? (Meinst Du, die Russen wollen Krieg?).stellte sich 1961 schließlich der Durchbruch ein.

Er verfaßte aber auch formal besonders von Boris Pasternak beeinflußte Liebes- und Naturlyrik; sowie Prosa wie die Romane Ягодные места (1981, Beerenreiche Gegenden), Не умирай прежде смерти (1993, Stirb nicht vor deiner Zeit), und Волчий паспорт (1999, Der Wolfspass, Abenteuer eines Dichterlebens). Außerdem war er Regisseur der Filme Детский сад (1984, Kindergarten) und Похороны Сталина (1991, Stalins Beerdigung) und wirkte auch in einigen als Darsteller mit. 

Von 1989 bis zur Auflösung der Sowjetunion im Jahre 1991 war Jewtuschenko Abgeordneter des Obersten Sowjets, nachdem er bei den Wahlen am 14.5.1989 mit großem Abstand in einem Charkower Wahlkreis gewählt worden war.

Bis 1991 lebte und arbeitete Jewtuschenko, der zu Dichterlesungen durch die Sowjetunion und auch nach Westeuropa und in die Vereinigten Staaten gereist war, in Moskau, später vorwiegend in Tulsa (USA), wo er starb.

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Bild: Bogdanov-62 (08/2018) Wikipedia.ru
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 Peredelkino bei Moskau, Friedhof

Schriftsteller XVII

Omnibus salutem!