Aleksandr Aleksandrowitsch Fadejew eigentl. A.A.Bulyga

                               

Russischer Schriftsteller; kämpfte als kommunistischer Partisan im Fernen Osten und schilderte die Kämpfe in seinem Roman Die Neunzehn (1927), war von 1936 bis 1944 und von 1946 bis 1954 erster Sekretär des Schriftstellerverbandes und als solcher Sprecher des stalinistischen Kurses in der Kulturpolitik, wurde deswegen nach Stalins Tod angegriffen und beging Selbstmord mit einer Schußwaffe. Fadejew litt über Jahre hinweg an schwerem progressiven Alkoholismus.

Werke u.a.: Der letzte Udehe (1929 ff.), Die junge Garde (1946).

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Wjatscheslaw Jakowlewitsch Schischkow

Russischer Schriftsteller; schilderte in Romanen und Erzählungen das Leben in Sibirien und anderen Gegenden Rußlands.

Werke u.a.: Taiga (1916), Der Peipussee (1924), Emeljan Pugatschow (1938-45).

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Friedrich Gottlieb Klopstock

                      

Deutscher Schriftsteller; nach dem Besuch des Gymnasiums seiner Heimatstadt und ab 1739 demjenigen in Schulpforta studierte er Theologie in Jena (1745/46) und Leipzig (1746-48), war danach Hauslehrer in Langenselza und lebte 1750 für einige Zeit in Zürich, ab 1751 Gast des Ministers Johann Hartwig Ernst Graf von Bernstorff (1712-72) in Kopenhagen, wo er vom dänischen König eine Jahresrente erhielt und, nun finanziell unabhängig, das Zentrum eines deutsch-dänischen Kreises von Dichtern und Aufklärungsphilosophen bildete. 1754 heiratete Klopstock die Hamburger Kaufmannstochter Margarethe (Meta) Moller (*1728, †1758), die er in seiner Odendichtung als Cidli verewigte. Zwischen 1759 und 1763 lebte er in Halberstadt, Braunschweig und Quedlinburg und übersiedelte 1764 für vier Jahre wiederum nach Dänemark, siedelte jedoch 1770 nach Hamburg über. Auf Einladung des badischen Markgrafen Karl Friedrich unternahm er 1774 eine Reise nach Süddeutschland, auf der u.a. Johann Wolfgang von Goethe in Frankfurt am Main besuchte. 1791 heiratete er die verwitwete Johanna Elisabeth von Winthem. Das Lebensgefühl Klopstocks, der sich als “der Lehrling der Griechen“ fühlte, wurde beherrscht von freudiger Bejahung der Welt und bildete damit einen starken Gegensatz zum Pietismus und Skeptizismus der Aufklärung seiner Zeit. Seine Gedichte sind - anders als die der zeitgenössischen Lyrik - beherrscht von tiefer Empfindung und Streben nach Unendlichem und Göttlichem. Sein Hauptwerk ist derMessias in zwanzig hexametrischen Gesängen (4 Bde., zw. 1748 und 1773), ein Gedicht von Sünde und Erlösung. Sein Schaffen hatte großen Einfluß auf eine ganze Generation junger Dichter, darunter auch Goethe. Sein Begräbnis wurde zu einem pompösen, nationalen Ereignis.

Inschrift: Bei seiner Meta und seinem Kinde ruht Friedrich Gottlieb Klopstock.

Werke u.a.: Hermanns Schlacht (1769), Hermann und die Fürsten (1784), Hermanns Tod (1787), Oden (1771), Die deutsche Gelehrtenrepublik. Ihre Einrichtung, ihre Gesetze (1774).

Die frühen Gräber

 Willkommen, o silberner Mond,
  Schöner, stiller Gefährt der Nacht!
   Du entfliehst? Eile nicht, bleib, Gedankenfreund!
    Sehet, er bleibt, das Gewölk wallte nur hin.
 
 Des Maies Erwachen ist nur
  Schöner noch, wie die Sommernacht,
   Wenn ihm Tau, hell wie Licht, aus der Locke träuft,
    Und zu dem Hügel herauf rötlich er kömmt.
 
 Ihr Edleren, ach es bewächst
  Eure Male schon ernstes Moos!
   O wie war glücklich ich, als ich noch mit euch
    Sahe sich röten den Tag, schimmern die Nacht.
[Klopstock: Ausgewählte Oden und Elegien]

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Moskau, Friedhof am Neujungfrauenkloster

Bild: KN (11.09.2001)

Bettine von Arnim eigentl. Catharina Elisabetha Ludovica Magdalena

           

Deutsche Dichterin; 13. Kind des Peter Anton Brentano, eines Angehörigen einer weitverzweigten Kaufmannsfamilie aus Tremezzo am Comer See, und 7. Kind der Maximiliane Brentano, Enkelin der Sophie von La Roche und Schwester des Romantikers Clemens Brentano, Mutter von Maximiliane, Armgart (*1821, † 1880) und Gisela von Arnim sowie von vier Söhnen; wurde nach dem Tode ihrer Mutter ab 1794 zunächst im Pensionat des Ursulinenklosters in Fritzlar erzogen, kam dann 1797 zu ihrer Großmutter nach Offenbach und lebte ab 1802 überwiegend in Frankfurt am Main, wo sie Privatunterricht erhielt und v.a. musisch erzogen wurde. 1811 heiratete sie Achim von Arnim, den Freund ihres Bruders. Bettine schrieb emsig Briefe, und sie las sehr viel; sie besaß eine umfangreiche, viele Wissensgebiete umfassende Bibliothek, die ihr Zugang zu umfänglichem Wissen gab und die Wißbegierde förderte - selbst das noch neue Gebiet der Homöopathie interessierte sie. Ein Weiteres tat der Umgang mit zahlreichen Persönlichkeiten der Zeit u.a. mit Ludwig Tieck, Friedrich Schleiermacher, Wilhelm von Humboldt, Karl Friedrich von Savigny und den Brüdern Grimm (Ludwig E. Grimm hat sie des öfteren gemalt). Ihr Briefwechsel mit Goethe, zu dem sie sich stark hingezogen fühlte und den sie in Weimar 1807 und 1810 besuchte sich dann aber bei ihrem letzten Besuch dort 1811 mit ihm überwarf (sie hatte einen handfesten Krach mit Christiane v. Goethe anläßlich abwertender Bemerkungen beim gemeinsamen Besuch einer Kunstausstellung im Fürstenhaus, und sich später rächte, indem sie äußerte, eine ”Blutwurst sei wild geworden und hätte sie gebissen”), und zu Aja Goethe, die sie 1806 bzw. 1807 kennengelernt hatte, legte sie in dem prosaartigen Buch Goethes Briefwechsel mit einem Kinde (1835) nieder. Nach der Abwendung von der Romantik verfaßte sie politische Abhandlungen und beschäftigte sich mit frauenrechtlichen Themen. Nach zwanzig Jahren Ehe, sieben Schwangerschaften und endlich einem durch die Erträge aus dem Wiepersdorfer Gutes gesicherten Lebens wandte sich Bettine, in deren Salon Unter den Linden 21 Leute aller Schichten ein- und ausgingen - dort lernte sie u.a. den 30-Jährigen Franz Liszt im Januar 1842 kennen - kompromißlos der sozialen Not der niederen Bevölkerungsschichten zu. Bereits als 1831 die Cholera in Berlin wütete, an der u.a. der Philosoph Georg Friedrich Hegel verstarb und vor der Arthur Schopenhauer nach Frankfurt am Main floh, hatte sie sich besorgt über die Situation der Unterprivilegierten geäußert. So auch besonders über die Auswirkungen des Aufstands der Weber in Schlesien (1847), die in elenden Umständen zu leben gezwungen waren und zunehmend als sog. Lumpenproletariat in die Städte zogen. Ihr war klar geworden, daß die von Damen der Gesellschaft betriebenen Benefizveranstaltungen, Weihnachtsbazare etc. nicht mehr ausreichten, sondern daß aktive Hilfe zu leisten, das Übel an der Wurzel zu packen sei. In ihrem Buch Dies Buch gehört dem König (1843) läßt sie in einem fiktiven Dialog zwischen Goethes Mutter und der Mutter des Königs (Friedrich Wilhelm IV.) Kritik an der damaligen sozialen Situation deutlich erkennen, weil sie in der zunehmenden Verarmung weiter Schichten sozialen Sprengstoff erkannte; das Buch wurde in Bayern verboten, in Preußen auch in einer gekürzten Fassung. Wie sehr sie die Thematik beschäftigte, zeigt, daß sie auch weiterhin Material für ein Armenbuch sammelte, dessen Publizierung im Blick auf die Nachereignisse des Weberaufstandes jedoch unterblieb. Sie veröffentlichte jedoch 1848 anonym die kritische Schrift An die aufgelöste Preußische National-Versammlung. Sie vertrat das Prinzip der Gleichheit aller Stände; sie stand den Ideen der Frühsozialisten nahe, hielt zugleich aber am Volkskönigtum fest (vermutlich traf sie sich im Sommer 1842 in Bad Kreuznach mit Karl Marx). Einen Tag vor Achims achtzehntem Todestag starb sie in Berlin. Sie wurde nach Gut Wiepersdorf überführt und dort an der Seite ihres Mannes bestattet.

Selbstbildnis

 

 

Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt!

Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt!
Hinab ins Tal, mit Rasen sanft begleitet,
Vom Weg durchzogen, der hinüber leitet,
Das weiße Haus inmitten aufgestellt,
Was ist's, worin sich hier der Sinn gefällt?

Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt!
Erstieg ich auch der Länder steilste Höhen,
Von wo ich könnt die Schiffe fahren sehen
Und Städte fern und nah von Bergen stolz umstellt,
Nichts ist's, was mir den Blick gefesselt hält.

Auf diesem Hügel überseh ich meine Welt!
Und könnt ich Paradiese überschauen,
Ich sehnte mich zurück nach jenen Auen,
Wo Deines Daches Zinne meinem Blick sich stellt,
Denn der allein umgrenzet meine Welt.

 

Werke u.a.: Die Günderode (1840), Clemens Brentanos Frühlingskranz (1844), Gespräche mit Dämonen (1852).

Literatur: Ingeborg Drewitz; Bettine von Arnim, München, ISBN 3-548-60261-4

Bettine von Arnim auf dem bis zum 31.12.2001 geltenden 5 DM-Schein.

 

 

 

 

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Bild: Michail Jungierek (05/2007)
Bild: Michail Jungierek (05/2007)
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Niederer Fläming OT Wiepersdorf, Schloß

Ludwig (Joachim) Achim von Arnim

                                

Deutscher Schriftsteller; lernte während des Studiums der Naturwissenschaften in Halle (1798/99) und in Göttingen (1800/01) Clemens Brentano kennen, dem er in lebenslanger Freundschaft verbunden blieb und dessen Schwester Bettine er 1811 heiratete. Er von 1806bildete zusammen mit Joseph Görres und seinem Freund Brentano das Zentrum der deutschen Romantik. Mit letzterem gab er die Zeitung für Einsiedler (1808) heraus, die als Buch unter dem Namen Trösteinsamkeit erschien. Zwischen 1806 und 1808 gab er eine Sammlung von 600 deutschen Volkslieder in drei Bänden heraus: Des Knaben Wunderhorn, 1809 eine Sammlung von Novellen: Der Wintergarten.

Zwischen 1808 und 1812 hatte Arnim Verbindung zu einem Berliner Kreis patriotischer Schriftsteller, die sich für die Befreiung Preußens einsetzten, darunter Heinrich von Kleist, zog sich nach Beendigung der Befreiungskriege jedoch auf seine bei Jütersbog gelegenen Güter in Wiepersdorf zurück.

Werke u.a.: Der Wintergarten (1809), Armut, Reichtum, Schuld und Buße der Gräfin Dolores (1810), Der tolle Invalide auf dem Fort Ratonneau (1818).

              Der Kirschbaum

      Der Kirschbaum blüht, ich sitze da im Stillen,
        Die Blüte sinkt und mag die Lippen füllen,
        Auch sinkt der Mond schon in der Erde Schoß
        Und schien so muntert, schien so rot und groß;
        Die Sterne blinken zweifelhaft im Blauen
        Und leiden’s nicht, sie weiter anzuschauen.

Literatur: H.Baumgart, Bettine Brentano-Achim von Arnim, Lehrjahre einer Liebe, Berlin 1999, ISBN 3-8270-0271-0.

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Bild: Michail Jungierek (05/2007)

Niederer Fläming OT Wiepersdorf, Schloß

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Bilder: KN

Hamburg-Ottensen, Friedhof a.d. Christuskirche

Begräbnis in Ottensen (heute z. Hamburg)

R. Dehmel (r) und D. v. Liliencron am Grabe Klopstocks

Moskau, Friedhof am Neujungfrauenkloster

Bild: Frattaglia (09/2009) flickr.com/photos/frattaglia/

John Dryden

                                

Englischer Dichter und Literaturkritiker; Sproß einer puritanischen Familie; besuchte die Westminster School und wechselte später an das Trinity College in Cambridge. Um 1657 lebte er im Umfeld des Lordprotektors Oliver Cromwell, er war in London Schreiber dessen dessen Kämmerers. Nach dem Tod Cromwells, dem er seine erste bedeutende Dichtung Heroic Stanzas (1659) gewidmet hatte, und der Restitution der Monarchie in England wandelte sich Dryden zum Royalisten, was er u.a. in den Karl II. gewidmeten Gedichten Astraea redux (1660) und Panegyric on the Coronation (1661) zum Ausdruck kam. 1663 heiratete er Lady Elizabeth Howard, die Schwester des Dramatikers Sir Robert Howard. 1668 wurde Dryden als erster Dichter offiziell in den Stand eines Poeta laureatus erhoben. Zwei Jahre später erhielt er ein Amt als königlicher Geschichtsschreiber. Was seine Glaubensüberzeugung anbelangte, so verhielt er sich auch hier opportunistisch; obwohl er in seinem religiösen Lehrgedicht Religio Laici, or, A Layman’s Faith (1682, dt. Die Religion eines Laien) als Protestant bekannte, trat 1685, in dem Jahr, in dem der katholische König Jakob II. den Thron bestieg, zum katholischen Glauben über. Zwei Jahre später, 1687, veröffentlichte er The Hind and the Panther (dt. Die Hindin und der Panther), ein Werk mit allegorisch-satirischem Charakter als eine laudatio auf den Katholizismus. Nach der Glorious Revolution 1688/89, in der die Gegner des königlichen Absolutismus in England den seit Beginn des 17. Jahrhunderts geführten Machtkampf mit dem Stuart-Königtum endgültig zu ihren Gunsten entschieden, und während der Regierungszeit des protestantischen Königs Wilhelm III. blieb Dryden Katholik, ging jedoch aufgrund dieses Verhaltens nicht nur seiner Position als Poeta laureatus verlustig, sondern erhielt auch keine weiteren finanziellen Zuwendungen mehr. 1699 schrieb er sein letztes Werk, Fables Ancient and Modern, in dem er Werken antiker (Homer, Ovid) oder zeitgenössische Werke (Boccaccio, Chaucer) – in metrischer Form – verwandte.

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London, Westminster Abbey, Poet’s Corner

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Alfons Hermann Paquet

pinxit Emil Stumpp  

 

Deutscher Schriftsteller und Journalist; Sohn eines Handschuhfabrikante, dessen Wohn- wie Geschäftsräume sich in dem Haus Ecke Gemeindebadgäßchen/ Langgasse befanden; besuchte bis zur Obersekunda die Oberrealschule in Wiesbadens und machte anschließend, um eines Tages das Geschäft des Vaters weiterführen zu können, nach einem halben Jahr an einer Handelsschule in London eine 2-jährige Lehrzeit in Wiesbaden und in Mainz, danach eine in Berlin auch noch eine kaufmännischen Ausbildung. Danach wandte er sich gegen den Willen des Vaters dem journalistischen Metier zu und wurde im thüringischen Mühlhausen Lokalreporter der Mühlhäuser Zeitung. Nach einer Veröffentlichung eines Bändchen mit Erzählungen im Jahr 1901 erhielt er eine Anstellung als Redakteur der in Düsseldorf erscheinenden Kunstzeitschrift Die Rheinlande. Nunmehr regelmäßige und bessere Einkünfte ermöglichten es ihm jetzt, das Abitur, das ihm sein Vater versagt hatte, nachzuholen; Er bezog 1902/3 die Universität Heidelberg, bereiste dann im Auftrag einiger Zeitungen den ostasiatische Teil Rußlands, besuchte in Nordamerika u.a. die Louisiana Purchase Exposition und die in Asien liegenden Landesteile der Türkei. Zum Wintersemester 1904/5 setzte er seine Studien in München und in Jena fort, bevor er wieder auf Reisen ging, bis er schließlich an der Universität Jena mit einer wirtschaftsgeschichtlichen Dissertation 1907 sein Studium abschloß. 1908 unternahm er im Auftrag der Frankfurter Zeitung eine weitere Ostasienreise, und 1909 war er als Privatsekretär von Wilhelm Merton, Präsident der Metallgesellschaft, in Frankfurt am Main tätig. 1910 heiratete er Marie, née Steinhausen, die Tochter des Malers Wilhelm Steinhausen und ließ sich mit ihr in Dresden nieder, wo er für den Deutschen Werkbund tätig wurde. In den 1920er Jahren schrieb Paquet vermehrt für das Theater; 1926 brachte Erwin Piscator sein Drame Sturmflut zur Aufführung auf der auf der Volksbühne in Berlin mit Heinrich George als Matrose und Ellen Widmann, Enkelin des Schriftstellers Josef Viktor Widmann. als Revolutionärin. Von seiner Gründung im Jahre 1926 in Koblenz bis zu seiner Auflösung im Jahre 1933 stand er dem Bund Rheinischer Dichter vor, in dem sich 100 Autoren zusammen geschlossen hatten. 1927 wurde er zum Kuratoriumssekretär des gerade begründeten Goethepreises berufen, ein amt, das er fünf Jahre bekleidete. 1932 wurde Paquet zum Mitglied der Sektion für Dichtkunst an der Preußischen Akademie der Künste gewählt, legte aber im Folgejahr nach der “Machtübernahme” der Nationalsozialisten die Mitgliedschaft nieder. 1935 wurde Paquet, den Nazis als Pazifist und Quäker verdächtig, kurzzeitig von der Gestapo verhaftet. 1943 veröffentlichte er in der Frankfurter Zeitung bis vor ihrer von den Nazi angeordneten Schließung zum 1. September eine Reihe von Stadtportraist zur Erinnerung an das schöne mittelalterlich geprägte Frankfurt, das gerade die ersten schweren Bombenangriffe hatte erleiden müssen, und die rheinischen Städte, an denen sein Herz hing. Alfons Paquet starb an einem Herzanfall nach einer Angriffswelle in im Luftschutzkeller seines Hauses Schaumainkai 17. die beiden katastrophalen Bombenangriffe vom März 1944, in der die gotische Altstadt in Schutt und Asche gelegt wurde und Tausende starben, mußte er nicht mehr miterleben.

Werke u.a.: Auf Erden - Ein Zeit- und Reisebuch in 5 Passionen (1906), Li oder im neuen Osten (1911), Kamerad Fleming (1911), Im kommunistischen Rußland. Briefe aus Moskau (1919), Der Rhein als Schicksal (1920), Der Rhein eine Reise /1923), Gedichtband Amerika (1925), Fluggast über Europa (1934), Paquets persönlichstes Rheinbuch: Die Botschaft des Rheins (1941).

Inschrift (auf der Rückseite des Grabsteins):

Sehend lebe der Mensch der Sonne
Und dem unmöglichen Tode zu
Nicht alleine wird er geboren
Noch stirbt er allein,
Ihm folgt die Gerechtigkeit,
Und zu Helden macht uns alle
Das Unvollkommene.
 

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Frankfurt am Main, Hauptfriedhof

Bruno Frank

Deutscher Schriftsteller; Sohn eines Bankiers; studierte nach dem Abitur an einem humanistischen Gymnasium ab 1905 Rechtswissenschaften und Philosophie u.a. in Jena und München, wo er ab 1926 als Dramatiker und Romancier ganz in der Nähe von Thomas Mann im Herzogpark lebte, bis er im Jahre 1933, einen Tag nach dem Reichstagsbrand - wegen seiner jüdischen Herkunft verfolgt - das Land mit seiner Frau Elisabeth ”Liesl” Pallenberg, Tochter der berühmten Operettendiva Fritzi Massary, die er 1926 geheiratet hatte, verließ. Sie lebten zunächst vier Jahre in Österreich und England, bevor sie 1937 in die USA emigrierten, wo er seine Freunde Thoma Mann, an dessen Seite er in Flüchtlingsfonds mitarbeitet, und dessen Bruder Heinrich wiedertraf. Frank gehörte gemeinsam mit einer Gruppe von deutschen Exilanten, die die deutsche Exilliteratur repräsentierte. In seiner neuen Heimat fuhr er mit dem Schreiben fort, begann aber auch für die Filmindustrie zu arbeiten; so schrieb er u.a. das Drehbuch für den Film The Hunchback of Notre Dame (1939 , dt. Der Glückner von Notre Dame) Film), der unter der Regie: von William Dieterle mit Charles Laughton in der Hauptrolle nach dem Roman von Victor Hugo entstand.

Frank, der in der Weimarer Republik ein anerkannter Schriftsteller war und zu den einflußreichen Köpfen im Literaturbetrieb zählte, verfaßte Romane, Erzählungen, Novellen, Gedichte, Schauspiele und Biographien.

Werke u.a.: Im dunkeln Zimmer (1906). Die Nachtwache (1909), Flüchtlinge (1911), Der Himmel der Enttäuschten (1916), Tage des Königs (1924), Trenck, Roman eines Günstlings (1926), Sturm im Wasserglas (1930), Cervantes (1934), Der Reisepaß (1937), Die Tochter (1943)

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Glendale (CA), Forest Lawn Memorial Park

Bild: Scott Groll (2001) Wikipediaorg
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Bilder: KN (16.06.2016)

Rudolf Herzog

fecit Jacob Hilsdorf

 

Deutscher Schriftsteller und Journalist; Sohn eines Buchdruckereieigentümers und Fabrikaten und dessen Frau Maria Lisette , née Bewitt, die verstarb, als Rudolf 6 Jahre alt war; kam schon früh aufgrund von Kontakten seines Vaters mit verschiedenen Literaten in Berührung, wollte nach Beendigung der schulischen Ausbildung eigentlich einen künstlerischen Beruf ergreife, mußte jedoch auf Druck des Vaters .1883 eine Ausbildung als Farbentechniker beginnen, um einst das familiäre Geschäft übernehmen zu können. Diese Ausbildung absolvierte er als Gehilfe in der Apotheke von Friedrich Talpke in Düsseldorf, wo er auch seine ersten Gedichte im Kulturclub der Balduren schrieb und seiner Eigenbiographie zufolge einen seiner besten Freunde, den späteren Maler Ludwig Neuhoff, kennenlernte, und setzte ab 1887 eine kaufmännische Ausbildung bei der I.G Farbenindustrie fort. Statt nach erfolgter Ausbildung dem Wusch des Vaters weiter zu folgen, .begann Herzog, der bereits kleinere Werke verfaßt hatte, seine literarisches engagement zu intensivieren. 1892 erschien sein erster Roman unter dem Titel Frau Kunst. 1896 wurde er Feuilletonredakteur der Darmstädter Monatsschrift Schwarz-Rot, 1897 Chefredakteur der Hamburger Neuesten Nachrichten und 1899 Leiter des Feuilletons der Berliner Neuesten Nachrichten. In dieser Zeit schrieb er mehrere Heimatgedichte, Dramen sowie einige Romane, die sehr erfolgreich waren. In seinen Romanen vertrat Robert Herzog das national gesinnte Bürgertum und reüssierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem Erfolgsautor; die meisten seiner Bücher erreichten Auflagen von mehreren Hunderttausend. Diese erschienen zunächst meist in der Cotta’schen Verlagsanstalt, später im Vier-Falken-Verlag seines Sohnes. Am Ersten Weltkrieg nahm er zunächst an der Front, wobei er leicht verletzt wurde, später in der Etappe teil. Auchz während dieser Zeit veröffentliche er mehrere Romane. Bereits in der Weimarer Republik begann Herzog mit den Nationalsozialisten zu sympathieren und veröffentlichte nach der “Machtergreifung” ein Buch über Die Geschichte des deutschen Volkes und seiner Führer, in dem er ähnlich wie weiland Kaiser Wilhelm II. in Preußens Geschichte nunmehr Hitler in die Reihe der großen Männer der preußisch-deutschen Geschichte stellte. 1937 warb er in seinem Buch Ich sehe die Welt für den Kolonialgedanken.

Werke u.a.: Die vom Niederrhein (1903), Die Wiskottens (1905), Hanseaten (1909), Die Burgkinder (1911), Die Stoltenkamps und ihre Frauen (1917), 1926 Das Fähnlein der Versprengten (1926), Wilde Jugend- Ein Lebensroman (1929), Horridoh Lützow! (1932), Elisabeth Welsers Weggenossen (1938).

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Bilder: Dirk Budde (01/2017)

Bad Honnef, Neuer Friedhof

Franz Josef Johannes Konrad Jung

 

 

Deutscher Schriftsteller; Sohn eines Uhrmachermeisters; nahm nach dem Abitur ein Musikstudium in Leipzig auf, wechselte aber bald zu Volkswirtschaft, Rechts-, Kunst- und Religionswissenschaften. 1908 ging er an die Universität Jena, wechselte jedoch im Folgejahr an die Universität Breslau und Ende 1911 an die Universität München, wo er in Kontakt mit Erich MühsamLeonhard Frank, Oskar Maria Graf, Karl Otten und dem Psychoanalytiker Otto Gross kam. 1912 debütierte Jung mit dem Prosaband Das Trottelbuch, entschied sich im selben Jahr als freier Schriftsteller zu arbeiten und zog nach Berlin. Dort engagierte er sich in der kommunistischen Bewegung; so war er für Errichtung einer Räterepublik am 9.11.1918 in Berlin als Straßenkämpfer aktiv, gehörte im Mai 1920 zur promarxistischen, aber antileninistischen Kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands (KAPD) und nahm im März 1921 an den Arbeiteraufständen in Sachsen und Thüringen teil. Zwischenzeitlich wurde er immer wieder inhaftiert. In Berlin begann er - teilweise unter den Pseudonymen Franz Larsz und Frank Ryberg - in expressionistischem Stil revolutionäre Romane, Dramen und Erzählungen. zu verfassen, In seinem 1918 erschienenen Werk prung aus der Welt entwarf er endgültig seine Konzeption einer radikal antibürgerlichen, dem Anarchismus Gustav Landauers zuneigenden Boheme-Existenz. Zwischen 1921 und 1923 hielt er sich in der UdSSR auf und verfaßte Essays sowie Berichte über die Entwicklung des Landes, u.a Hunger an der Wolga (1922) und An die Arbeitsfront nach Sowjetrußland (1922). In den 1920er Jahren erschienen zahlreiche Romane und Erzählungen. In den 1930er Jahren arbeitete Jung zugleich als Wirtschaftsjournalist und Börsenkorrespondent. Nach der “Machtergreifung” der Nationalsozialisten im Jahre 1933 ging er in den Berliner Untergrund, wo er u.a. Mitglied der Roten Kämpfer war. 1938 floh Jung nach Ungarn, um in Budapest ebenfalls im Widerstand und für die Exil-SPD zu wirken. Nach der Befreiung durch Truppen der US-Armx im Jahre 19645 aus dem Konzentrationslager Bozen, in dem er schließlich interniert war, lebte er zunächst in Italien, bevor er 1948 in die Vereinigten Staaten übersiedelte, aus denen er 1960 nach Deutschland zurückkehrte, wo er 1969 an Herzversagen verstarb.

Werke u.a.: Kameraden...! (1913), Sophie (1915), Saul (1916), Opferung (1916), Sprung aus der Welt (1918), Die rote Woche (1921); Der Fall Groß (1921), Wie lange noch? (1921), Proletarier (1921), Die Technik des Glücks (1921/1922), Die Eroberung der Maschinen (1923), Die Geschichte einer Fabrik (1924), Hausierer (1931).

Autobiographie: Der Weg nach unten (1961).

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Bild: Matthias Bauer (08/2002)

Stuttgart-Degerloch, Waldfriedhof

Schriftsteller XVIII

Omnibus salutem!