Wasili Makarowitsch Schukschin

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Russischer Schriftsteller, Filmregisseur und -schauspieler; der Sohn eines Kleinbauern besuchte nach Beendigung seiner siebenjährigen Ausbildung in einer Dorfschule eine Technikerschule in Bjisk (Sibirien), brach diese Ausbildung jedoch nach 2½ Jahren ab und arbeitete auf einer Kolchose. Nach weiteren diversen Tätigkeiten und Militärdienst bei der Marine besuchte er das Wsjesojusnij gosudarstwjennij institut kinematografii (WGIK, Staatliches All-Unions Institut für Kinematographie) in Moskau, an dem einst Sergej Eisenstein unterrichtet hatte, und schloß es 1960 ab. Noch während seines Studiums trat er 1958 erstmals in einem Film auf, in dem Streifen Dwa Fjodora (Die beiden Fjodors). 1973 fand sein Film Kalina Krasnaja, in dem er auch die Hauptrolle des Jegor spielte, international Beachtung und wurde zum Kultfilm des sowjetischen Realismus und war zugleich einer von Rainer Werner Fassbinders Lieblingsfilmen. Schukschin, der 1958 auch sein erstes Werk veröffentlichte, gilt als Vertreter der sog. Dorfprosa, gestaltete in Kurzgeschichten ungewöhnliche Situationen des Alltags.

Werke u.a.: Roter Holunder (herausgegeben 1975), Bruderherz (deutsche Auswahl 1978), Gespräche bei hellem Mondschein (2 Bde., deutsche Auswahl 1979).

Auszeichnungen u.a.: Rotbanner-Orden der Arbeit (1967).

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Vittorio Graf Alfieri

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Italienischer Dichter; der Sohn reicher Eltern wurde an der Militärakademie in Turin (bis 1766) erzogen; er gilt als bedeutendster Tragödiendichter des 18. Jahrhunderts, der seine umfassende Bildung auf ausgedehnten Reisen durch Europa gewann und aufgrund des Einflußes durch seine langjährige alfieriluisabdVerbindung zur Gräfin Louisa von Albany (*1753, †1824), der Tochter des Prinzen Gustav Adolf von Stolberg-Gedern und Ehefrau des englischen Thronprätendenten Karl Eduard, dem sie entflohen war. Er begrüßte zunächst die Französische Revolution - so schrieb er eine Ode (Parigi sbatigliati, 1789) -, fühlte sich jedoch abgestoßen durch die späteren Exzesse. Alfieri, der sehr stark von den Schriftstellern Montesquieu (*1689, †1755), Voltaire und Jean-Jacques Rousseau beeinflußt war, versuchte durch seine Dichtung, dem fremdbeherrschten italienischen Volk den Glauben an die Freiheit zurückzugeben. Seine klassizistischen Tragödien hatten großen Einfluß auf die nationale Freiheitsbewegungen des 19. Jahrhunderts, besonders im italienischen Risorgimento; später verfaßte er Komödien von geringer Bedeutung. Seine Autobiographie allerdings gehört zu den wichtigsten Selbstzeugnissen italienischer Künstler.

Werke u.a.: Cleopatra (1775), Agamemnon, Filippo (dt. Philipp der Zweite), Saul, Antigone (alle 1783), Bruto primo (1787-89, dt. Brutus, der Ältere) , Bruto secondo (1789, dt. Brutus, der Jüngere), Della tirannide (1789, dt. Über die Tyrannei), Del principe e delle lettere (1795).

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Friedrich Wolf

 

Deutscher Schriftsteller und Arzt; Vater des Regisseurs Konrad Wolf und des nachmaligen DDR-Abwehrchefs Markus Wolf; der Sohn eines Kaufmanns studierte von 1907 bis 1912 Medizin, Philosophie und Kunstgeschichte in München, Tübingen, Bonn und Berlin. 1913 war er zunächst Schiffsarzt bei der Handelsmarine, 1914 wurde er Truppenarzt an der Westfront und entwickelte sich zu einem entschiedenen Kriegsgegner. 1917 veröffentlichte er die ersten Prosastücke. Nach Ende des Ersten Weltkrieges arbeitete er als Arzt in Remscheid und Hechingen. 1929 leitete sein Drama Cyankali eine öffentliche Diskussion über den Abtreibungsparagraphen § 218 StGB ein; er wurde sogar kurzzeitig - gewerbsmäßiger Abtreibung bezichtigt - verhaftet. Als Mitglied der KPD emigrierte er 1933 nach Moskau, war nach der Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg im sowjetischen Propagandadienst tätig (1941 in Moskau und dort Mitbegründer des Nationalkomitees Freies Deutschland) und nach 1945 am Wiederaufbau des Rundfunk- und Theaterwesens in der DDR beteiligt. Anschließend war er bis 1951 Botschafter der DDR in Warschau. Wolf schrieb radikale zeit- und sozialkritische Erzählungen und Dramen sowie Romane.

Werke u.a.: Der arme Konrad (1924), Doktor Mamlocks Ausweg (Uraufführung 1934 unter dem Titel Professor Mamlock; in Moskau 1935 erschienen).

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Moskau, Friedhof am Neujungfrauenkloster

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Albert Camus

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Französischer Schriftsteller und Philosoph; einer Arbeiterfamilie entstammend, studierte er Philosophie in Algier; er arbeitete in Algerien in den 1930er Jahren zunächst als Journalist und schrieb für Sud, Alger républicain und Le Soir républicain. Als er aus dem Kreis der algerischen Journalisten wegen seiner abweichenden Meinung zum Thema der zum Volk der Berber zählenden Kabylen ausgeschlossen wurde, ging er nach Frankreich und schloß sich dort der Résistance an und arbeitete an deren Zeitung Combat mit. 1944 lernte er u.a. den Dichter René Char (*1907, †1988), den Schriftsteller und Politiker André Malraux sowie Jean-Paul Sartre kennen, mit dem es allerdings wegen dessen Sicht der Revolte als Revolution im Sinne des Marxismus zum Bruch kam. Camus lehnte den Algerienkrieg leidenschaftlich ab und unternahm zahlreiche Vermittlungsversuche zwischen den Kombattanten. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte sein Verleger Gaston Gallimard, ihn als Lektor und Direktor seiner Sammlung Espoir ein. Zeitlebens schrieb Albert Camus, Romane, Essays und Artikel, auch für das Theater und führte eine umfangreiche Korrespondenz mit zahllosen Freunden. 1957 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Camus, der eigentlich mit der Eisenbahn aus der Provence nach Paris zurückfahren wollte, das Billett schon in der Tasche hatte, ließ sich von seinem Freund Michel Gallimard, dem Neffen seines Verlegers, überreden, mit ihm und seiner Familie im Auto die Rückreise anzutreten und wurde, als der Wagen mit einer Geschwindigkeit vom 130 Km/h gegen einen Alleebaum prallte, getötet; Gallimard wurde aus dem Auto geschleudert, überlebte den Unfall allerdings nicht; er starb sechs Tage später im Krankenhaus an den Unfallfolgen.

Werke u.a.: Le mythe de Sisyphe (Essay, 1942; dt. Der Mythos von Sisyphos), La peste (1947; dt. Die Pest), L'homme révolté (Essay, 1951; dt. Der Mensch in der Revolte).

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Henri Bosco

 

Französischer Schriftsteller; Sohn eines Steinmetzen; studierte Klassischen Philologie und Italianistik in Avignon, Grenoble und Florenz. Anschließend lehrte er zunächst an der Universität Belgrad, dann in Grenoble und Neapel. Ab 1931 bis 1955 lebte Bosco in Rabat, wo er die marokkanische Alliance Française gründete, die sich die Verbreitung der französischen Sprache im Ausland zum Ziel gesetzt hatte. Bosco schildert in seinen Romanen die Provence als das verlorene Paradies Arkadien, eine Provence, in der alles symbolhaft erscheint. Er setzte bevorzugt provenzalisch-mediterrane Motive ein.

Werke u.a.: Der Esel mit der Samthose (1937), Der Hof Théotime (1942), Der verzauberte Garten (1952).

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Lourmarain, Cimetière

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Lourmarain

Daniel Defoe (eigentl. Foe)

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Englischer Erzähler; sollte nach den Vorstellungen seiner Vaters, eines Wachsziehers und Kerzenhändlers, presbyterianischer Geistlicher werden, entschied sich aber 1683, sich als Kaufmann niederzulassen; er betrieb Handelsgeschäfte und industrielle Unternehmungen, machte jedoch bereits nach einigen Jahren Bankrott. Defoe trat für religiöse und politische Freiheit ein, veröffentlichte Pamphlete und Flugblätter, in denen er aktuelle religiöse, politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Themen kritisch aufgriff, und die ihn ins Gefängnis und auch an den Pranger brachten. Um überleben zu können, wandte er sich in der Folgezeit verstärkt dem Journalismus zu und gab zwischen 1704 und 1713 im Auftrag des ihm wohlgesinnten Harley die dreimal wöchentlich erscheinende Zeitschrift The Review heraus, für die er auch die meisten Artikel schrieb. 1709 verfaßte er die History of the Union (dt. Geschichte der Union), eine Abhandlung über die 1707 erfolgte Union zwischen England und Schottland. Außerdem verfaßte er volkswirtschaftliche und soziale Schriften. Erst im 59. Lebensjahr begann er, seinen ersten Roman zu schreiben, The Life and Strange Surprising Adventures of Robinson Crusoe (1719, dt. Das Leben und die seltsamen Abenteuer des Robinson Crusoe), der ihn schlagartig berühmt machte. Als Vorlage zu diesem Werk diente ihm ein Ereignis, das seine Zeitgenossen aufgewühlt hatte: Weil der aus Schottland stammende Matrose Alexander Selkirk (*1676)1 sich geweigert hatte, weiter mit auf dem von Bohrmuscheln zerfressenen Schiff Cinque Ports zu fahren, ließ ihn der Kapitän kurzerhand auf der einsamen, im Fernandéz-Archipel vor der Küste Chiles gelegenen Insel Más a Tierra aussetzen, wo er vier Jahre und vier Monate ausharren mußte, bis ihn im Februar 1709 schließlich ein Kaperschiff aufnahm (an Bord befand sich im übrigen der inzwischen degradierte Kapitän, der ihn seinerzeit hatte aussetzen lassen).

 
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Defoe am Pranger (pinxit James Charles Armytage, 1862)

Werke u.a.: Captain Singleton (1720, dt. Kapitän Singleton), Memoirs Of A Cavalier (1720), The Fortunes and Misfortunes of the Famous Moll Flanders (1722, dt. Glück und Unglück der berühmten Moll Flanders), A Journal of the Plague Year (1722, dt. Die Pest zu London, 1722), Lady Roxana (1724).

Inschrift: This monument is the result of an appeal in the ”Christian World” newspaper to the boys and girls of England, for funds to place a suitable memorial upon the grave of Daniel De Foe. It represents the united contributions of seventeen hundred persons, Sept 1870.

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Selkirk, der nicht gestrandet, sondern von seinem Kapitän wegen Subordination ausgesetzt worden war, fuhr ab 1717 wieder zur See. Er starb - inzwischen Leutnant - am 13.12.1721 an Bord des königlichen Schiffs Weymouth vermutlich an Gelbfieber und fand ein Seemannsgrab vor der Westküste Afrikas.

Bild: Jacun (02/2011) Wikipedia.de
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Zur Erinnerung an Alexander Selkirk, Seemann, aus Largo in der Grafschaft Fife in Schottland gebürtig, der auf dieser Insel in vollständiger Einsamkeit vier Jahre und vier Monate lebte. -- Er kam an Land gekommen von der Cinque Ports Gallay, 97 Tonnen, 16 Kanonen, A.D. 1704 und wurde aufgenommen von dem Freibeuter Duke am 12. Februar 1709. – Er starb als Leutnant von HMS Weymouth A.D. 1722 im Alter von 41 Jahren -- Die Tafel ist in der Nähe seiner Blockhütte von Commander Powell und den Offizieren der HMS Topaze (?) im Jahre 1853 errichtet worden.

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Florenz, Basilica Santa Croce

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London, Bunhill Fields Burial Ground

Undine Gruenter

 

 

Deutsche Schriftstellerin; Tochter eines Germanisten und einer Schriftstellerin; studierte Jura, Literaturwissenschaft und Philosophie an den Universitäten Heidelberg, Bonn und in Wuppertal; wo ihr Vater Rektor war. 1986 erschien ihr Erstlingswerk Ein Bild der Unruhe; im selben Jahr wurde sie mit dem Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für Literatur. ausgezeichnet. Im Folgejahr ließ sie sich in Paris nieder.

Die von der Kritik gelobte Undine Gruenter starb im Alter von nur 50 Jahren, kurz nachdem sie ihren Roman Der verschlossene Garten hatte vollenden können, der dann posthum erschien.

Werke u.a.: Nachtblind (1989), Das gläserne Cafe. Erzählungen (1991), Vertreibung aus dem Labyrinth. (1992), Das Versteck des Minotauros (2001), Sommergäste in Trouville (posthum, 2003)

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Bilder: Herbert Herterich (03/2014)

Paris, Cimetière de Montmartre

Erich Loest

 

 

Deutscher Schriftsteller und Journalist; Sohn eines Kaufmanns, besuchte in seiner Geburtsstadt die Oberschule und wurde Mitglied der HJ (Hitler-Jugend). Im Zweiten Weltkrieg gehörte Loest, der im April 1944 Mitglied der NSDAP wurde, noch als sogenannter Werwolf in den letzten Monaten des Krieges in einer nationalsozialistischen Kampforganisation eingesetzt. Nachdem er aus US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden war, arbeitete er zunächst in einem landwirtschaftlichen Betrieb in der Nähe von Leipzig und in den Leuna-Werken. Außerdem holte er in dieser Zeit sein Abitur nach. 1946 wurde er Volontär bei der Leipziger Volkszeitung und lebte ab 1950 als freischaffender Schriftsteller in Leipzig. Bekannt wurde er in der DDRzuerst durch sein Werk Jungen, die übrig blieben (1950). Loest, Vorsitzender des Schriftstellerverbandes Leipzig, war zunächst ein überzeugter Anhänger der Politik der DDR. Das änderte sich erst mit den Ereignisses des Volksaufstands vom 17 Juni 1953, dessen Zeuge er bei einem Aufenthalt in Ostberlin wurde. Er begann die SED-Führung öffentlich zu kritisieren. Die Vorgänge in den “sozialistischen Brudervölkern” Polen (“Polnischer Oktober”) und Ungarn zerstörten sein einst idealistisches Bild von einer neuen sozialistischen Gesellschaft, wie sie unter der Führung der Sowjetunion propagiert wurde. 1957 in Untersuchungshaft genommen, wurde er anschließend wegen angeblich "konterrevolutionärer Gruppenbildung" zu einer 7-jährigen Haftstrafe im Zuchthaus Bautzen verurteilt. Nach seiner Entlassung aus der Haft im Jahre 1964 schrieb er teilweise unter den Pseudonymen humoristische Kurzgeschichten und, Kriminal- und Abenteuerromane, die in der DDR sehr populär waren. 1981 verließ Erich Loest die DDR, 1984 wurde er in den Vorstand des Verbandes deutscher Schriftsteller gewählt. Nach seiner Rehabilitierung nach der Wende im Jahre 1989 durch das Oberste Gericht der DDR kam er zwar zu Lesungen in seine alte Heimat, behielt aber zunächst seinen Wohnsitz in der Bundesrepublik bei; erst im Frühjahr 1990 ließ er sich wieder in Leipzig nieder. Eich Loest starb an den Folgen eines Sturzes aus dem zweiten Stock der Leipziger Universitätsklinik.

Einige seiner Werke wurden für das Fernsehen verfilmt, so 1987 Völkerschlachtdenkmal (1984), 1989 Zwiebelmuster" (1985) oder der Roman Fallhöhe"(1989).

Werke u.a.: Die Westmark fällt weiter (1952), Es geht seinen Gang oder Mühen in unserer Ebene (1978), Durch die Erde ein Riß (1981), Zorn des Schafes (1990), Nikolaikirche (1995), Reichsgericht (2001) Löwenstadt (2009), Man ist ja keine Achtzig mehr (2011)

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Bilder: Thomas Haas (04/2014)

Mittweida, Neuer Friedhof

Gustav Regler

 

 

Deutscher Schriftsteller und Journalist; Sohn eines Buchhändlers; nach dem Ende des Ersten Weltkrieges sympathisierte er in München, wo er sein in Heidelberg begonnenes Studium fortsetzte, mit der dortigen Räterepublik. Dort und in Heidelberg studierte er mit dem Abschluß einer Promotion zum Dr. phil. und war zeitweise als Lehrer und Journalist u.a. für das Berliner Tagblatt und die Nürnberg-Fürther Morgenpresse tätig. Bis zur Scheidung von der Tochter eines Leipziger Unternehmers im Jahre 1926 arbeitete in dessen Unternehmen und begann während dieser Zeit mit seiner schriftstellerischen Arbeit. 1928 lernte er bei einem Besuch in Worpswede Marieluise Vogeler, die Tochter des Malers Heinrich Vogeler und dessen erster Frau Martha kennen, die er noch im selben Jahr heiratete. Mit ihr übersiedelte er im Folgejahr nach Berlin, hatte dort Umgang mit linken Künstlern und wurde Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Als nach dem Reichstagsbrand in der Nacht vom 27.2 auf den 28.2.1933 die Nationalsozialisten die Jagd auf alle Kommunisten eröffnete, brachte er sich zunächst in Worpswede in Sicherheit. Als er dort denunziert wurde, floh er über das Saarland nach Paris. 1934 verfaßte er im Auftrag der KPD den politischen Agitationsroman Im Kreuzfeuer, in dem er die Ereignisse im Vorfeld der Abstimmung über das Schicksal des Saarlandes behandelte. Im November 1934 wurde er ausgebürgert. Regler, der - so Oskar Maria Graf - “ein kommunistischer Musterschüler“ war, reiste jetzt mehrfach in die Sowjetunion, nahm dort u.a. an Schriftstellerkongressen teil. Nach dem Putsch General Francos gegen die rechtmäßige Regierung Spaniens nahm Regler als Freiwilliger am Spanischen Bürgerkrieg teil, wo er in der XII Internationalen Brigade auf Seiten der Republik kämpfte und 1937 bei Huesca schwer verwundet wurde und nach Frankreich zurückkehrte, wo er zu Beginn des Zweiten Weltkrieges im südfranzösischen Lager Le Vernet interniert wurde. In Spanien lernte er u.a. Ilja Ehrenburg, der als Journalist für die sowjetische Zeitung Iswestija berichtete, und Ernest Hemingway kennen. Aus seinen Erfahrungen resultierte sein Roman Das große Beispiel - Roman einer internationalen Brigade (1940), zu dem Hemingway ein Vorwort verfaßte. Schon während seiner Internierung hatten ihn Zweifel überfallen, was die Richtigkeit des politischen Kurses des stalinistische System anbelangte; und als er von dem .Pakt zwischen dem faschistischen Deutschland und dem kommunistischen Sowjetunion, dem sog. Hitler-Stalin-Pakt, hörte, löste er sich von der Partei und trat 1942 offiziell aus der KP aus. 1940 verließ er mit seiner Frau Frankreich in Richtung Mexiko, wo sie zeitweise als Bauern in einem Dorf gemeinsam mit den Indios lebten und gemeinsam viele Reisen unternahmen. Erstmal kam er 1949 in das Nachkriegsdeutschland zu Besuch; in den 1950er Jahren lebte er dann auch wieder in Worpswede, kehrte jedoch bald wieder nach Mexiko zurück. Nach dem Tode seiner zweiten Frau heiratete er die US-Amerikanerin Margret ”Peggy“ Paul, mit der er zahlreiche Reisen unternahm. Regler starb auf einer Studienreise, die ihn nach Indien geführt hatte.

Reglers Autobiographie Das Ohr des Malchus (1958) über seine Lebensstationen zählt zu den bekanntesten seiner Werke; sie diente als Vorlage für den 1995 gedrehten Spielfilm Brennendes Herz – Tagebuch einer Flucht, der unter der Regie von Peter Patzak mit Helmut Griem in der Rolle des Gustav Regler entstand

Werke u.a.: Die Ironie im Werk Goethes (1923), Zug der Hirten (1928), Die Söhne aber gehen zu den Knechten (1929), Hahnenkampf. Abenteuer eines französischen Mädchens (1931), Die Saat. Roman aus den deutschen Bauernkriegen (1936), Amimitl oder Die Geburt eines Schrecklichen (1947), Verwunschenes Land Mexiko (1954), Aretino. Freund der Frauen, Feind der Fürsten (1955).

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Merzig (Saarland),Friedhof Propsteistraße

Berlin, Zentralfriedhof Friedrichsfelde (Gedenkstätte der Sozialisten)

Bilder: Christoph Gilles (09/2018)
Schriftsteller XXXIV

Omnibus salutem!