Bilder: Günter Strack

Charlotte Brontë

                                                Photographie aus dem Jahre 1854

Englische Schriftstellerin; sie und ihre Geschwister - Anna, Emily Jane und Patrick Branwell - zwei ältere Schwestern, Maria (*1814, †1825) und Elizabeth (*1815, †1825), waren früh gestorben - entstammten einem streng puritanischen Pfarrhaus, dem sie zu entkommen trachteten, indem sie gedanklich die Reiche “Angria” und “Gondal” erschufen und Gedichte und Romane verfaßten. 1835 nahm sie in Roe Head eine Stelle als Lehrerin an. 1839 und 1841 arbeitete sie als Gouvernante, bevor sie den Vorsatz faßte, in Haworth eine eigene Schule zu eröffnen. In Vorbereitung dieses Planes reiste sie 1842 gemeinsam mit ihrer Schwester Emily nach Brüssel, um am “Pensionnat de Demoiselles“ der Madame Heger ihre Französischkenntnisse zu verbessern. Eine unerwiderte Liebe zu Monsieur Heger verarbeitete sie in ihrem Roman The Professor, der allerdings 1860, nach ihrem Tode veröffentlicht wurde. Ein Jahr vor ihrem Tode heiratete sie Arthur Bell Nicholls, den Hilfspfarrer ihres Vaters.

Zeichnung von Chartlotte Brontë der Ashburnham Church aus dem Jahre 1846, Madame Heger zugeeignet.

Charlotte gab eine Lyrikanthologie (auch mit Gedichten ihrer Schwestern) heraus; schrieb u.a. den viel gelesenen Roman Jane Eyre (3 Bde., 1847). Charlotte Brontës letzter Roman Emma blieb unvollendet; er erschien 1860 posthum. 

Emily Jane Brontë

         vermutlich Emily Bronte

Englische Schriftstellerin; die mittlere der überlebenden Schwestern; besuchte zusammen mit ihrer Schwester Charlotte die Internatsschulen Cowan Bridge und Roe Head. 1838 arbeitete sie als Lehrerin am Internat Law Hill. 1842 ging sie mit Charlotte nach Brüssel, um dort in der Schule der Madame Heger zu studieren. Emily kehrte einige Monate vor ihrer Schwester nach Haworth zurück, wo sie sich fortan um den Familienhaushalt und die Finanzen der Familie kümmerte.

Charlotte, Anne und Emily Jane gemalt von Bruder Patrick Branwell Bronte

Die literarisch bedeutendste der Schwestern verfaßte den überwiegenden Teil der in der Lyrikanthologie gesammelten Gedichte der Geschwister; ihr Hauptwerk ist der Romanbronte_emily_zeichnung_kl Wutherin g Heights (3 Bde., 1847, dt. Die Sturmhöhe), in dem sich Schaueratmosphäre und psychologische Charakteranalyse in der Darstellung der dämonischen Haßliebe zweier Menschen vor dem Hintergrund der Moor- und Heidelandschaft Yorkshires verbinden. Alle ihre Werke veröffentlichte sie unter dem Pseudonym Ellis Bell.

 

        Zeichnung Emily Brontës (1837) zoom

 

 

 

 

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Bad Nenndorf, Bergfriedhof

Haworth, Church of St. Michael and All Angels

Edgar Allan Poe

                        

US-amerikanischer Schriftsteller; Sohn eines Schauspielerehepaar; nachdem der Vater die Familie 1810 verlassen hatte und seine Mutter 1811 an den Folgen der Tuberkulose verstorben war, wuchs Poe im Haus des vermögenden Tabakhändlers Frances AllanJohn Allan in Richmond (Virginia) auf - da die Ehe kinderlos war, hatte dessen Frau Frances ihren Mann gebeten, Edgar Poe in die Familie aufzunehmen. Von 1815 bis 1820 lebte er mit seinen Pflegeeltern, die wegen der von Napoléon verhängten Kontinentalsperre finanzielle Einbußen haben hinnehmen müssen und daher in ihr Heimatland zurückkehrten, von 6. bis zum 11. Lebensjahr in Schottland und England. 1820 kehrte die Familie schließlich nach Richmond zurück. 1826 begann Poe ein Studium an der University of Virginia in Charlottesville, mußte die Universität, die kurz zuvor von Thomas Jefferson gegründet worden war, jedoch verlassen, nachdem er mit Allan gebrochen hatte und ohne Mittel dastand (später nahm Poe aus Dankbarkeit dennoch den Namen Allan als zweiten Vornahmen an). Er trat daraufhin 1827 in die Armee ein und begann ab 1830 eine Ausbildung an der Militärakademie in West Point, wurde jedoch 1831 wegen Aufsässigkeit relegiert und versuchte sich als einer der Ersten als freier Schriftsteller und schrieb und arbeitete Virginia Clemmals Redakteur für verschiedene Zeitschriften; so z.B. für den Southern Literary Messenger, der jedoch in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, so daß Poe ihn verlassen mußte und mit seiner Familie nach New York zog, wo sich allerdings seine Aussicht, Redakteur beim New York Review zu werden, wegen des Bankenkrachs vom 6.4.1837 zerschlug. Bereits zuvor, am 16.5.1836 hatte er seine 13-jährige Cousine Virginia Clemm (†1847) geheiratet. Ihre Mutter Maria Clemm, eine Schwester seines Vaters, hielt mit einer kleinen Pension die Familie finanziell zwar über Wasser; dennoch verließ Poe die Stadt und zog mit der Familie im Sommer 1838 nach Philadelphia. Poe, der schon als 17-jähriger Student zu trinken begonnen und ein Jahr nach dem Tod seiner Frau einen schweren Nervenzusammenbruch erlitten hatte, erlitt 1849 während einer Vortragsreise in Philadelphia einen Anfall von Verfolgungswahn und mußte wegen Trunkenheit eine Nacht auf einer Polizeiwache verbringen. Wenige Monate später fand man ihn in Baltimore als ”hilflose Person” auf der Straße. Im Krankenhaus versank er in ein Delirium und verstarb einige Tage darauf. Obwohl Poe einer der wichtigsten Schriftsteller der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war, wurde er nicht etwa in seinem Heimatland, sondern zuerst in Europa anerkannt, u.a. durch Charles Baudelaire und Stéphane Mallarmé, die seine Werke übersetzten. Seine Bedeutung umfaßt sowohl sein erzählerisches und lyrisches Werk wie literaturtheoretische Schriften. Selbst beeinflußt vonSamuel Taylor Coleridge und Lord Byron, beeinflußte er seinerseits u.a. die französischen Symbolisten und das Science-Fiction-Genre und begründete die moderne Detektivgeschichte.

Werke u.a.: The Mask of the Red Death (1842, dt. Die Maske des roten Todes), The Pit and the Pendulum (1842, dt. Grube und Pendel), The Raven (1845, dt. Der Rabe), The Fall of the House of Usher (1839, dt. Der Untergang des Hauses Usher), The Gold Bug (1843, dt. Der Goldkäfer), The Murders in the Rue Morgue (1841, dt. Der Doppelmord in der Rue Morgue).

Inschriften: Im Bogen über dem Raben:”Quoth the Raven, Nevermore”; Auf dem Stein: ”Original Burial Place of Edgar Allan Poe from October 9, 1849 until November 17, 1875. Mrs. Maria Clemm, his mother-in-law, lies upon his right and Virginia Poe, his wife, upon his left under the monument erected to him in this cemetery."

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Baltimore, W. Lafayette/Green Str.

Baltimore, urspr. Grabstätte bis 1875

Thomas Edward Lawrence gen. Lawrence of Arabia

      

Britischer Schriftsteller, Abenteurer, Orientalist, Soldat und politischer Agent; der 1911 als Archäologe bis 1914 an Ausgrabungen in Syrien teilnah. Nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges und dem Kriegseintritt des Osmanischen Reiches gehörte Lawrence seit Dezember 1914 dem britischen Nachrichtendienst in Kairo an. Nachdem sich im Juni des Jahres 1916 Scherif Hussein, der Emir von Mekka sich mit mit seinen Söhnen auf der arabischen Halbinsel gegen den osmanischen Sultan erhoben hatte, wurde jener von den Briten mit Geld und Militärberatern unterstützt und Lawrence, der über ein vetrauensvolles Verhältnis zu Faisal I., einem der Söhne des Emirs, verfügte, auch wegen seiner exzellenten Orts- und Sprachkenntnisse als Verbindungsmann ausgewählt. Rasch avancierte er zu einer der Schlüsselfiguren des arabischen Unabhängigkeitskampfes. Da Lawrence über keine besondere Militärerfahrung verfügte und die Beduinen nicht nur schlecht organisiert waren sondern auch wegen ihrer militärischen Schwäche keine offenen Feldschlachten wagen konnten, übernahm er Taktiken des Guerillakrieges. Im Winter 1917 richtete er sein Hauptquartier in der Festung Qasr al-Azraq ein, wo sich sein Arbeitszimmer in einer Kammer über dem Torhaus befand. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges setzte er sich 1919 bei den Pariser Friedensverhandlungen vergeblich für König Faisal I. und die arabische Unabhängigkeit ein 1921 kam er zum britischen Kolonialministerium, das er wegen Meinungsverschiedenheiten über die britische Orientpolitik allerdings bereits 1922 wieder verließ. Seit 1922 diente er als einfacher Soldat in der britischen Luftwaffe, ging, bevor er 1935 seinen Abschied nahm, nach Indien.

Lawrence kam bei einem Motorradunfall wegen überhöhter Geschwindigkeit ums Leben. Gerüchte, ein schwarzer PKW sei an dem Unfall beteiligt gewesen, gelten als frei erfunden.

In seinem 1926 unter dem Titel Seven Pillars of Wisdom (dt. Die sieben Säulen der Weisheit).erschienenen autobiographischen Kriegsbericht, beschrieb er die Ereignisse während der kriegerischen Auseinandersetzung der Briten mit den osmanischen Streitkräfte und die Unterstützung Emir Faisals und seiner Stammesangehörigen bei der Organisation und Durchführung von Angriffen auf die osmanischen Streitkräfte von dem Zug von Aqaba im Süden bis nach Damaskus im Norden. 1927 erschien eine gekürzte Version mit dem Titel Revolt in the Desert (dt.: Aufstand in der Wüste), die auch für eine breite Leserschaft erschwinglich sein sollte.

Die Zeit seines Aufenthaltes und seiner Aktivitäten im Vorderen Orient stellt der 1962 gedrehte und mit 7 Oscars ausgezeichnete Film Lawrence von Arabien, mit Peter O’Toole (*1932, †2013) in der Hauptrolle sowie Alec Guinness, Anthony Quinn und Omar Sharif (*1932, 2015 ),dar.

Auszeichnungen u.a.: Distinguished Service Order, Most Honourable Order of the Bath

Inschrift: Auf dem Grabstein: The hour is come & now is when the dead shall hear the voice of the son of god. And they that hear shall live.

Auf der Platte: Dominus illuminatio mea (Der Herr [ist] meine Erleuchtung).

Festung Qasr al-Azraq (Hofansicht), Bild: Dr. Herta Lepie (04/2018)

Festung Qasr al-Azraq (Torhaus) Bild: Dr. Herta Lepie (04/2018)

Felsformation der sog. Sieben Säulen der Weisheit im Wadi Rum (Jordanien)

Wadi Rum (Jordanien): In den Fels geschlagenes Portrait T.E.Lawrences. Bilder: Dr. Herta Lepie (04/2018)

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Bild: Renauld Camus (07/2007)
Bild: Lilacamlime  (02/2007) flickr.com
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Bild: eNil (10/2007)
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Moreton (Dorset), Friedhof der Saint Nicholas Kirche

George Orwell eigentl. Eric Arthur Blair

 National Archives UK no_copyright           

Englischer Schriftsteller; nach seiner Erziehung an der Eliteuniversität Eton diente er seit 1922 als Beamter der britischen Polizei in Birma, die er aus Protest gegen deren Kolonialmethoden 1927 verließ. Er kehrte nach England zurück und wollte Schriftsteller werden. Er lebte mit den Armen in London, fühlte als Stadtstreicher ein “Gefühl von Befreiung und Abenteuer”, und um die Situation der Armen kennenzulernen, half er bei der Hopfenernte in Kent, anschließend reiste er nach Paris, lebte dort bettelarm als Tellerwäscher und Buchhandelsgehilfe und versuchte sich mit Englischunterricht über Wasser zu halten. Seine Erlebnisse hielt er in dem 1933 erschienenen Buch Down and Out in Paris and London (dt. Erledigt in Paris und London) fest (um seine Familie nicht in Verlegenheit zu bringen, veröffentlichte er es unter dem Namen, den er künftig als Pseudonym verwendet wird: George Orwell).. Anfang des Jahres 1936 reiste er im Auftrag seines Verlegers, des Sozialdemokraten und Humanisten Victor Gollancz (*1893, †1967), in den Norden Englands, um auch dort die bedrückenden Lebensbedingungen der Fabrikarbeiter kennenzulernen. Seine Erlebnisse ließen ihn zum Sozialisten werden; zeitweilig war Orwell Anhänger der Kommunistischen Internationalen, von der er sich allerdings wieder abwandte. In dieser Zeit lernte er Eileen O’Shaughnessy (*1905, †1945) kennen und bezog mit ihr ein Haus in Wallington (Grafschaft Herfordshire), in dem beide einen kleinen Laden eröffneten, der allerdings wenig abwarf. und auf dem Geländeverschiedene Tiere hielten. Im Dezember 1936 reiste er nach Spanien, wo er sich während des Spanischen Bürgerkrieg nicht der Internationalen Brigase anschloß, sondern in Barcelona der Partido Obrero de Unificación Marxista (P.O.U.M.), einer kleinen linken Gruppierung, die allerdings nicht den von Stalin unterstützten und gelenkten Kämpfern angehörte. Mit seiner militärischen Erfahrung wurde er zunächst deren Ausbilder, dann deren Vorgesetzter. 1937 kam auch seine Frau in das von den Auseinandersetzungen noch weitgehend verschonte Barcelona und arbeitete als Sekretärin für die P.O.U.M.. Als sich allerdings die republikanischen und anarchistischen Gruppen gegeneinander kehrten, entstand auch dort eine gefährliche Lage, der viele Menschen zum Opfer fielen. Als die blutigen Straßenkämpfe beendet waren, erklärten sich die Kommunisten zum Sieger und schoben der P.O.U.M. die Schuld an den vergangenen Kämpfen zu. Orwell kehrte daraufhin an die Front zurück, wo er durch einen Schuß in den Hals verletzt wurde und nach Barcelona zurückkehrte. Jetzt von den Kommunisten als Trotzkist bezeichnet, sollte er verhaftet werden; es gelang ihm jedoch, mit seiner Frau im Juni 1937 rechtzeitig nach Frankreich zu fliehen und von dort nach England zurückzukehren. Dort schrieb er seine Erlebnisse in Spanien in dem Buch Homage to Catalonia (1938, dt. Mein Katalonien), nieder, konnte sie jedoch nicht publizieren, weil dies nicht erwünscht war. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Orwell wegen seines schlechten Gesundheitszustands nicht eingezogen, er blieb in London, wo er die Bombardierung der Stadt durch die deutsche Luftwaffe miterlebte. Aber er wurde Mitglied der homeguard, des zivilen Verteidigungsdienstes. 1941 wurde er Journalist bei Auslandsdienst der British Broadcasting Corporation (BBC), gab die Stellung aber 1943 wieder auf und wurde für die linksgerichtete Zeitung Tribune tätig. Anfang 1945 wurde er Kriegsberichterstatter für denObserver und die Manchester Evening News, und berichtete aus dem besetzten Deutschland, u.a. aus dem total zerstörten Köln. Als seine Frau während einer Operation überraschend verstarb, kehrte er vorzeitig nach England zurück., um sich um den von dem Paar, das keine eigenen Kinder bekommen konnte, adoptierten Robert zu kümmern. 1946, ein Jahr nach Eillens Tod mietete er für sich und seinen Ziehsohn Richard auf der vor der Westküste von Schottland liegenden Insel Jura ein einfaches Haus. 1949 mußte er die Insel verlassen und sich wegen seines schlechten Gesundheitszustands in ein Sanatorium begeben. Sechs Wochen vor seinem Tod heiratete Orwell seine langjährige Bekannte Sonia Brownell (*1918, †1980) im Universal Krankenhaus in London, das er nicht mehr lebend verlassen würde.

Als Schriftsteller begann Orwell mit Sozialreportagen und schrieb zeitkritische Essays; er warnte vor totalitären Denk- und Lebensformen. In dieser Hinsicht sind seine Antiutopien Animal Farm (1945, dt. Farm der Tiere) und Nineteen Eighty Four (1949, dt. 1984), in denen er Schreckensvisionen einer bis in privateste Bereiche von einem totalitären System kontrollierten Gesellschaft zeichnete und verdeutlichte, was aus Intellektuellen werden kann, wenn es ihnen richtig schlecht geht, besonders eindrucksvoll. 1984 - auch zweimal verfilmt (1956 mit Edmond O’Brien als Winston und Jan Sterling als Julia bzw. 1984 mit John Hurt und Suzanna Hamilton in den Hauptroolen)  -- wurde ein Welterfolg, den Blair allerdings nicht mehr erlebte. In dem Essay The English People (erschienen 1947, dt. Die Engländer) setzte er sich kritisch mit den Zuständen in England und den Verhaltensweisen seiner Landsleute mit besonderem Blick auch auf die “Unterklasse” auseinander.

Werke u.a.: Burmese Days (1934, dt. Tage in Burma), Coming Up for Air (1938, dt. Auftauchen um Luft zu holen, auch Das verschüttete Leben).

Autobiographie: Such, Such Were the Joys (1953 posthum erschienen).

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Bild: Ian Clark (06/2007)

Sutton Courtenay (Oxfordshire)

Gertrude Margaret Lowthian Bell

1926

 

Britische Forschungsreisende, Schriftstellerin, Archäologin; entstammte einer angesehenen Familie britischer Industrieller; Enkelin des Mitbegründers und Miteigentümers der Firma Bell Brothers Sir Isaac Lowthian Bell; Tochter dessen ältesten Sohns, des Stahlmagnaten und Politikers Thomas Hugh Bell und der Kaufmannstochter Mary, née Shield, die bei der Geburt ihres zweiten Kindes, eines Mädchens, starb, als Gertrude noch nicht drei Jahre alt war. Ihre und die Erziehung ihrer Schwester Maurice wurde in die Hände von Kindermädchen gelegt. Mit der Schriftstellerin Florence Ollife, die ihr Vater 1876 heiratete und die drei eigene Kinder mit in die Ehe brachte, verstand sie sich gut und entwickelte zu ihrer Stiefmutter ein vertrautes Verhältnis. 1884 wurde sie auf das Queens College, eine Mädchenschule in London, geschickt, anschließend studierte sie – für die damalige Zeit eher ungewöhnlich – ab 1886 in Oxford, wobei sie allerdings nur als Gasthörerin an Vorlesen teilnehmen durfte. 1888 schloß sie ihr Studium der Zeitgeschichte als erste Frau mit der höchsten Auszeichnung ab, erhielt jedoch keinen akademischen Grad (ein solcher wurde weiblichen Studienabsolventen in Oxford erst seit 1920 zugebilligt). Anschließend unternahm sie eine mehrere Monate dauernde Reise nach Bukarest und weiter nach Konstantinopel (heute Istanbul). Danach beschloß sie, in den Orient zu gehen. 1882 begann sie in Teheran, sich mit der persischen Sprache zu beschäftigen. Dann kehrte sie zunächst nach England zurück und verfaßte 1894 ihre Reiseerzählung Persian Pictures, die zu einem Verkaufserfolg wurde.

Gertrude Bell 1919 im Irak

Im Ersten Weltkrieg war Bell, die das Arabische - auf mehreren Reisen erworben - perfekt beherrschte, sich wie ein Beduine kleidete und – als ausgezeichnete Kamelreiterin – imstande war, lange Wüstenritte durchzustehen, zunächst inoffizielle Mitarbeiterin und politische Beraterin und Angehörige des britischen Secret Intelligence Service, später dann politischer Verbindungsoffizier sowie Orientsekretärin. Aufgrund ihrer auf einer Reihe von Reisen gewonnenen Kenntnisse des Nahen und Mittleren Ostens spielte sie ebenso wie der als Lawrence von Arabien bekannt gewordene Thomas Edward Lawrence während des Ersten Weltkriegs und danach eine große Rolle in der politischen Neuordnung dieser Region. Bereits 1917 wurde sie für ihre Leistungen mit dem Order of the British Empire (CBE) ausgezeichnet. Auf der Konferenz, die Winston Churchill 1921 in Kairo einberufen hatte, um den Mittleren Ostern neu zu ordnen, war sie maßgeblich an der Gründung des heutigen Iraks beteilig; es gelang ihr gemeinsam mit Lawrence von Arabien die Teilnehmer dafür zu gewinnen, mit Faisal ibn Hussein ein genehmes Mitglied der Haschemiten-Dynastie zu etablieren und mit ihm - er wurde am 23.8.1921 König des Irak - einen modernen Irak zu schaffen. Sie blieb auch später seine Vertraute und Beraterin. Als Archäologin entdeckte sie die Ruinen von Ukhaidir; außerdem hatte sie einen wesentlichen Anteil an der Entstehung des Irakischen Nationalmuseums in Bagdad und der Gründung der British School of Archaeology.

Bell, die von eher zierlicher Statur und Kettenraucherin war, erlitt wiederholt Anfälle von Malaria. Ihre umfänglichen Betätigungen - sie verfaßte Bücher und zahlreiche Zeitungsartikel, führte eine umfangreiche Korrespondenz sowie ihre Reisetätigkeit - untergruben ihre Gesundheit. Sie starb an einer Überdosis Schlaftabletten in ihrem Haus in Bagdad - nur zwei Tage vor ihrem 58. Geburtstag. Bekannt und als "Al Khatoun" (Königin) von den Irakern respektiert, wurde sie unter Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt.

2015 kam Werner Herzogs (*1942) Spielfilm Queen of the Desert in die Kinos, mit dem er die fast vergessene Gertrude Bell, dargestellt von Nicole Kidman (*1967), ins Bewußtsein der heutigen Zeit der Auseinandersetzungen im Vorderen und Mittleren Orient zurückruft.

Photo von den Ausgrabungen in Assur, das Gertrude Bell 1909 aufgenommen hat.

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Bilder: Julia Lewis (01/2014)

Bagdad (Irak), BezirkBab-al-Sharji, British Cemetery

Agnes Miegel

 

 

Deutsche Schriftstellerin und Lyrikerin; leitete von 1920 bis 1926 das Feuilleton der Königsberger Ostpreußischen Zeitung, siedelte 1948 nach Bad Nenndorf über. Sie beschrieb Ostpreußen, seine Menschen, die Landschaft, Sagen und dessen Geschichte, war eine Erzählerin mit Vorliebe für die Ballade. Ihre Werke lassen Tendenzen zur Blut-und-Boden-Romantik sowie Sympathien mit nationalsozialistischen und Museum Ideen erkennen.sowie Sympathien mit nationalsozialistischen und Museum Ideen erkennen. Als begeisterte anhängerin Adolf Hitlers, der sie 1944 in die Sonderliste der ”Gottbegnadeten-Liste“ mit den sechs wichtigsten deutschen Schriftstellern aufnahm, erfuhr sie zahlreich Ehrenbürgerschaften. Nach dem Ende des Nazi-Regimes wurden einige ihrer Werke in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt, während sie in der Bundesrepublik zunächst zahlreiche Ehrungen genoß; anläßlich ihres 100, Geburtstags gab die Deutsche Bundespost sogar ein Sonderbriefmarke heraus, und in dem ehemaligen Wohnhaus in Bad Nenndorf wurde ein als Agnes-Miegel-Haus bezeichnetes Literaturmuseum eingerichtet, Erst mit der seit den 1990er Jahren einsetzenden distanzierten Neubewertung von Personen, die im NS-Regime von Bedeutung gewesen waren, setzte sich eine ablehnende Haltung ihr gegenüber durch, in dessen Zuge auch viele ihrer Ehrenbürgerschaften kassiert wurden.

          Wohnhaus   

Werke u.a.: Geschichten aus Alt-Preußen (1926), Kirchen im Ordensland (1933), Heimkehr (1962).

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Schriftsteller XXXV

Omnibus salutem!