Thomas Mann

in einer amerik. Rundfunkstation

Deutscher Schriftsteller; einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie entstammend: der Vater, Senator Heinrich Mann, leitete eine Getreidegroßhandlung, die Mutter Julia, née da Silva-Bruhns (*1851, †1923), entstammte dem brasilianisch-deutschen Großbürgertum. Nach dem frühen Tod des Vaters infolge einer Sepsis übersiedelte die Familie 1894 von Lübeck nach München. Zuvor war Mann bei der Musterung zweimal wegen ”Herznervosität” durchgefallen, beim dritten Mal wurde er für tauglich erklärt, aber bereits drei Monate später wegen einer Sehnenscheidenentzündung wieder entlassen. Ein für die noch nicht volljährigen Kinder bestellter Vormund bestimmte, daß Thomas nach dem Schulabschluß einen bürgerlichen Beruf ergreifen sollte. Er nahm deshalb in München eine Stelle als Volontär bei einer Feuerversicherungsgesellschaft an, obwohl die Bürotätigkeit ihn langweilte, und belegte parallel dazu Vorlesungen an der Technischen Universität. 1894 gab er sein Debüt als Schriftsteller mit der Novelle Gefallen. Sie wurde in dem literarischen Magazin Die Gesellschaft veröffentlicht, die schon 1893 sein Gedicht Zweimaliger Abschied publiziert hatte. Daraufhin wurden ihm weitere Veröffentlichungen in der Kunstzeitschrift Pan angeboten. Nach einem Aufenthalt in Rom und Palestrina (1896-98) zusammen mit seinem Bruder Heinrich, wurde er 1898/99 Mitarbeiter an Albert Langens satirischer Zeitschrift Simplicissimus und kam mit Münchener Künstlerkreisen in Kontakt. Er setzte sich mit den Schriften Arthur Schopenhauers und Friedrich Nietzsches auseinander und verfaßte erste Erzählungen, bevor ihm 1901 mit den Buddenbrooks der literarische Durchbruch gelang. Die1905 Begegnung mit der aus einem jüdischen Elternhaus stammenden Katia Pringsheim prägte seine Zukunft, da ihm der Zugang zu den besten Kreisen der Stadt und finanzielle Unabhängigkeit ermöglicht wurde. Im Februar 1905 ging das Paar die Ehe ein, aus der sechs Kinder hervorgingen (Elisabeth, Erika, Golo, Klaus, Michael, Monika). Ein traumatisches Erlebnis, das ihn jahrelang beschäftigte, war der Freitod seiner Schwester Clara im Jahre 1920; fünf Jahre nach dem Tode seiner Mutter nahm sich auch die ältere Schwester Julia das Leben. Zum Zeitpunkt der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Januar 1933 befand Mann sich auf einer Vortragsreise im Ausland und kehrte, da sich seine moralische Position nicht mit der des Nationalsozialismus vertrug, nicht wieder zurück (die offizielle Ausbürgerung erfolgte 1936). Er lebte zunächst in Südfrankreich, danach in der Schweiz und unternahm zahlreiche Reisen in die USA. 1938 folgte er einem Ruf an die Universität Princeton (New Jersey) und lebte von 1942 bis 1952 im kalifornischen Pacific Palisades (ab 1944 war er amerikanischer Staatsbürger). Während des Krieges versuchte er mittels zahlreicher Rundfunkansprachen, die das deutschsprachige Programm der BBC ausstrahlte, die Menschen in Deutschland über die wahren Absichten und Ziele des Nationalsozialismus zu informieren. Erst 1946 besuchte er anläßlich der Verleihung der Goethe-Preise die Städte Frankfurt am Main und Weimar. Mann kehrte zwar 1952 aus den Vereinigten Staaten nach Europa zurück, jedoch nicht nach Deutschland, da ihm konservative Künstlerkreise heftig seinen damaligen ”Rückzug” ins Exil vorwarfen. Bis zu seinem Tode lebte er in der Schweiz, zunächst in Erlenbach im Kanton Zürich und ab 1952 in Kilchberg am Zürichsee.

Werke u.a.: Tristan (1903), Königliche Hoheit (1909), Der Tod in Venedig (1912), Das Wunderkind (1914), Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (1922, erweitert 1936, neue Fassung 1954), Zauberberg (1924), Unordnung und frühes Leid (1926); Mario und der Zauberer (1930), Lotte in Weimar (1939), Joseph und seine Brüder (Trilogie, 1933 bis 1943), Adel des Geistes (1945), Dr. Faustus (1947).

Auszeichnungen u.a: Nobelpreis für Literatur (1929).

Literatur: Michael Stübbe: Die Manns, Genealogie einer deutschen Schriftstellerfamilie, Selbstverlag, ISBN 978-3-00-052256-7

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Erika Mann

 Bild: NYWTS no_copyright

Deutsche Schriftstellerin und Schauspielerin; das ältestes Kind von Thomas Mann und seiner Frau Katia erhielt nach dem Abitur eine schauspielerische Ausbildung bei Max Reinhardt. Danach stand Erika Mann, die von 1925 bis 1928 mit Gustaf Gründgens verheiratet war, in Berlin, Hamburg und München auf der Bühne, so spielte sie in München 1929 die Königin Elisabeth in Friedrich von Schillers Don Carlos. Zu Beginn der 1930er Jahre trat sie dann in kleinen Rollen in Filmen auf, so in Mädchen in Uniform und Peter Voß, der Millionendieb. Am 1. Januar 1933 gründete sie unter Beteiligung ihres Bruders Klaus sowie Therese Giehses und des Pianisten Magnus Hennings in der Bonbonniere in München das politisch-literarische Kabarett Die Pfeffermühle. Noch im selben Jahr mußte sie das Kabarett wieder schließen und verließ mit ihrem Bruder Klaus Deutschland, um einer drohenden Verhaftung zu entgehen. Im Hotel Hirschen in Zürich sowie in Basel setzte sie ihre Arbeit mit Therese Giehse fort, was ihr am 11.6.1935 den Entzug der deutschen Staatsbürgerschaft durch die deutschen Behörden einbrachte. 1935 heiratete sie den englischen Schriftsteller Wystan Hugh Auden (*1907, †1973), wodurch sie englische Staatsbürgerin wurde. Ein Jahr später übersiedelte sie in die USA. In New York City fand zwar am 5.1.1937 die Premiere der Peppermill statt, das Projekt scheiterte jedoch bald an dem geringen Interesse der Amerikaner. Sie arbeitete daraufhin als Journalisti und  schrieb Jugendbücher und Essays. Von Oktober bis August 1940 und Juni bis September 1941 arbeitete Erika Mann als Korrespondentin für die britische BBC in London an Propagandasendungen und ab 1942 war sie für die US-Propagandabehörde Office of War Information in New York und später bis 1945 als Kriegsberichterstatterin für diverse Zeitungen tätig. 1945 berichtete sie für den Londoner Evening Standard über den ersten Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß. Von Mai bis August 1947 begleitete sie ihren Vater Mann auf seiner ersten Europareise. Erika Mann verließ mit ihren Eltern 1952 die USA.1952 verließ sie mit ihren Eltern endgültig die Vereinigten Staaten und ließ sich mit ihnen in Kilchberg am Zürichsee nieder. Nach dem Tode ihres Vaters verwaltete sie dessen schriftlichen Nachlaß.

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Giovanni Boccaccio

Italienischer Dichter und Humanist; unehelicher Sohn des aus Certaldo stammenden Florentiner Kaufmanns Boccaccio di Chellino und einer Frau aus einfachen Verhältnissen (das Gerücht, sie sei eine französische Prinzessin gewesen, ist wohl auf eine frühzeitige Mythisierung seiner Person zurückzuführen). Um 1327 begann er eine kaufmännische Ausbildung in Neapel, wandte sich jedoch bald dem kanonischen Recht und dem Studium der klassischen Sprachen zu. Eine Liebesbeziehung zu Maria de Conti d’Aquino, der unehelichen Tochter Roberts, des Königs von Neapel, ist nicht belegt; sie könnte jedoch das Vorbild für die Fiammetta in seinen Schriften sein. Zwischen 1339 und 1341 kehrte er nach Florenz zurück und war für die Florentiner Stadtregierung in verschiedenen diplomatischen Funktionen tätig. Mit Petrarca, den er 1350 kennengelernt hatte, verband ihn bis zu dessen Tod 1374 eine enge Freundschaft und das Bemühen, das Studium der Antike voranzutreiben; so regte er u.a. die erste vollständige Übersetzung der Schriften Homers ins Lateinische an. 1351 wurde er Stadtkämmerer Mailands, reiste als Gesandter zu Ludwig dem Bayern, gründete 1359 am Studio Fiorentiono den ersten Lehrstuhl für Griechisch, reiste 1363 nach Neapel, um die Königin Joanna von Neapel als Mäzenin zu gewinnen, was jedoch fehlschlug. Er kehrte auf seinen Landsitz in Certaldo zurück. Während seiner letzten Lebensjahre suchte er Zuspruch in Religion und Meditation. 1373 wurde ihm, dem Bewunderer Dantes und Verfasser der Vita di Dante (1360, Urheberschaft umstritten), ein Lehramt an der Florentiner Universität angeboten; diesen ersten Lehrstuhl zur Erklärung von Dantes Divina Comedia (dt. Göttlicher Komödie) mußte er jedoch 1374 aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands aufgeben und die Vorlesung beim 17. Gesang der Hölle abbrechen. Boccaccios Decamerone gilt als Beginn der italienischen Kunstprosa und als eines der bedeutendsten Werke der Weltliteratur. Es beeinflußte viele namhafte Literaten u.a. Geoffrey Chaucer, François Rabelais (*~1494, †1553), Miguel de Cervantes und William Shakespeare.

Werke u.a.: Elegia di Constanza (1332).

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Francesco Petrarca

Italienischer Humanist und Dichter; der Sohn eines Florentiner Notars, der mit seiner Familie mehrmals den Wohnort wechselte, 1310 nach Pisa, 1311 nach Avignon (er war 1302 - vermutlich aufgrund persönlicher Konflikte, aus Florenz verbannt - studierte zunächst ab 1316 Jus in Monpellier, anschließend ab 1320 in Bologna. In Avignon, der Stadt, in die sich die Päpste aus dem unsicheren Rom zurückgezogen hatten und wohin Petrarca nach dem Todes des Vaters zurückgekehrt war, trat er 1326 in den Dienst der Kirche. Am Karfreitag, dem 6.4.1327, kam es in der Kirche der heiligen Klara zur ersten Begegnung mit Laura (*1308), jener Frauengestalt, die im Zentrum seiner Lyrik steht (Rime in vita e morta di Madonna Laura); sie starb gemäß seiner Angabe auf den Tag genau 21 Jahre später. Zwischen 1330 und 1368 unternahm er zahlreiche Reisen, so bereiste er Frankreich, Flandern und das Rheinland. Auf einer seiner Reisen zu diversen Bibliotheken entdeckte er in Verona Handschrift von Ciceros Briefen an Atticus, Quintus und Brutus. Am 8.4.1341 wurde er in Rom auf dem Kapitol zum Dichterkönig (Poeta Laureatus) gekürt. Wegen seiner Begeisterung für den römischen Senator Cola di Rienzo (*1313, †1354), der die adligen Senatoren vertrieben und den Titel eines Tribunen angenommen hatte, überwarf er sich mit seinem alten Freund Kardinal Giacomo Colonna und verließ 1353 Avignon für immer. 1353 trat er in den Dienst der Visconti in Mailand, für die er u.a. 1356 als Gesandter zu Kaiser Karl IV. nach Prag reiste. Ab 1362 lebte er in Venedig, ab 1368 in Padua und schließlich auf seinem kleinen Landgut in Arquà. Petrarca war der erste der Humanisten, die nach antiken Schriften forschten und sich bemühten, deren Inhalte zu verbreiten. Er war ein Bewunderer der antiken civitas romana und verherrlichte die römische Republik. Sein Ziel war es, das antike Epos zu erneuern. So hatte er auch mit Giovanni Boccaccio, der ebenso wie er um die Wiederentdeckung des klassischen Altertums bemüht war, korrespondiert, wurde dessen Freund und dessen Gast (1350) in Florenz.

Werke u.a.: Il canzoniere (Liederbuch; herausgegeben 1470, dt. Italienische Gedichte), Triumphi (entstanden zwischen 1357 und 1374, dt. Sechs Triumphe ), Epistolae metricae (entstanden 1333-54, dt. Poet. Briefe), Africa (begonnen 1338, unvollendet gedruckt 1496), De viris illustribus (entstanden 1338 bis nach 1351, herausgegeben 1874-79 in 2 Bänden unter dem Titel Le vite degli uomini illustri..., italienisch und lateinisch, unvollendet, bis Caesar), De remediis utriusque fortunae (entstanden 1354-66, dt. Von der Artzney bayder Glück des guten und widerwertigen, auch unter dem Titel Heilmittel gegen Glück und Unglück).

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Bilder: Dieter Georg (2004)

Kilchberg am Zürichsee, Friedhof

Bild: Dieter Georg (2004)

Kilchberg am Zürichsee, Friedhof

Bilder: Alejandro Bárcenas (2004)

Arquá Petrarca (Prov. Padua)

Certaldo, Chiesa San Michele e Jacopo

Graf Alexej Konstantinowitsch Tolstoi [russ. Алексей Константинович Толстой]

                              

Russischer Schriftsteller; Vetter von Leo Tolstoi; nach der Trennung seines Vaters wurde er unter die Vormundschaft seines Onkels Alexej Perowski,eines Schriftstellers, und seiner Mutter gestellt, auf deren Gut er aufwuchs. 1826 kam er nach Sankt Petersburg, wo er einer der Spielgefährten des späteren Zaren Alexander II. wurde. Später dann lebte er bei seinem Onkel in der Ukraine, wo er von Hauslehrern ausgebildet wurde, und begleitete seinen Onkel auf dessen Reisen ins Ausland, .darunter nach Italien und Deutschland, wo er u.a. Johann Wolfgang von Goethe traf. Angeregt und gefördert durch die künstlerischen Umgebung, begann Tolstoi früh mit dem Schreiben. Im Alter von 17 Jahren schickte man ihn zum Studium ins Archiv des Moskauer Außenministeriums; 1835 legte er eine Prüfung ab und wurde in den diplomatischen Dienst übernommen.Einen ersten kleineren Posten übernahm Tolstoi 1837, als er bis 1840 von seiner Dienststelle als Beobachter beim Bundesparlament in Frankfurt am Main wurde. Danach nahm er Urlaub und bereiste in den folgenden Jahren Deutschland, Frankreich, Italien und auch Rußland, um sich seiner literarischen Tätigkeit zu widmen, blieb aber weiterhin in diplomatischem Dienst. Als der Krimkrieg (1853-56) ausbrach, meldete sich Tolstoi freiwillig zum Heer, wurde aber wegen einer Typhuserkrankung nicht an der Front eingesetzt. Nach seiner Rückkehr war er Flügeladjutant während der Krönungszeremonie Alexanders II.. und wurde später zum kaiserlichen Jägermeister befördert. 1861 zog Tolstoi sich ins Privatleben auf seine Güter in der Nähe von Sankt Petersburg und im Gouvernement Tschernigow zurück und widmete sich fortan seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Bereits vorher, 1841, war unter dem Pseudonym Krasnogorskij seine erste Erzählung Упырь (dt. Der Vampir) erschienen. Tolstoi entwickelte sich zu einem Vertreter des L'art pour l'art; er verfaßte historische Gedichte, Versepen, sowie den historischen Roman Князь Серебряный (1863, dt. Fürst Serebrjanij) und veröffentlichte unter dem Pseudonym Kosma Prutkow gemeinsam mit seinen beiden Vettern Alexej und Wladimir Schemtschuschnikow parodistische und literaturkritische Texte in den Literarturzeitschriften Современник (Sowremennik) und Искра (Iskra). 1862 erschien sein Drama Дон Жуан (dt. Don Juan), 1866 folgte die Trilogie Смерть Иоанна Грозного (dt. Der Tod Iwans des Schrecklichen) und 1868 Царь Федор Иоаннович (dt. Zar Fjodor) bzw. 1870 Царь Борис (dt. Zar Boris).

Tolstoi starb an einer falsch dosierten Dosis Morphin, die er wegen eines schweren Anfalls von Kopfschmerzen eingenommen hatte.

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Bild: Sofia Juraschewitsch (09/2009) Wikipedia.ru
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Krasnij Rog (Gebiet Brjansk), auf dem Areal des Museums

Peter Otto Chotjewitz

 

Deutscher Schriftsteller und Übersetzer; Sohn eines Malermeisters und einer Kontoristin; kam Ende 1945 mit seinen Eltern in ein Dorf in Nordhessen. Er absolvierte zwischen 1948 und 1950 eine Anstreicherlehre, die er mit der Gesellenprüfung abschloß, und besuchte parallel dazu das Abendgymnasium in Kassel, an dem er 1955 das Abitur ablegte. Danach verließ er Norhessen und ging nach Frankfurt am Main und studierte an der Johann-Wolfgang Goethe-Universität sowie an der Ludwig-Maximilians-Universität München Rechtswissenschaften. Ab Referendar am Berliner Kammergericht; studierte er nebenher Publizistik, Geschichte und Philosophie an der FU Berlin. Nach der Zweiten Juristischen Staatsprüfung im Jahre 1965 lebte er als freier Schriftsteller. Ende der 1960er Jahre war er Stipendiat in der Villa Massimo und lebte von 1967 bis 1973 in Rom. Bekannt geworden ist Peter O. Chotjewitz durch parodistisch-ironische, experimentelle, zum Teil provozierende Prosa, Gedichte und Hörspiele.Außerdem schrieb er für die Wochenzeitungen Jungle World und Freitag. Als Übersetzer machte er sich eine n Namen mit seinen Übertragungen der Werke des Nobelpreisträgers Dario Fo (*1926) ins Deutsche. In 1970er Jahren kehrte er noch einmal in seinen erlernten Beruf zurück: Er wurde Wahlverteidiger von Andreas Baader und Peter Paul-Zahl .In dieser Zeit setzte er sich intensiv mit mit der Geschichte der RAF auseinander. Zuletzt schrieb Chotjewitz für die Monatszeitschrift konkret sowie

Werke u.a.: Hommage à Frantek (1965), Die Trauer im Auge des Ochsen (1972), Die Herren des Morgengrauens (1978), Mein Mann ist verhindert (1985), Die Rückkehr des Hausherrn. Monolog einer Fünfzigjährigen (1991), Das Wespennest (1999), Als würdet ihr leben (2001), Alles über Leonardo aus Vinci (2004), Die Herren des Morgengrauens (1978), Mein Freund Klaus (2007).

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Bilder: Thomas Haas (09/2012)

Stuttgart, Dornhaldenfriedhof

Ernst Hinterberger

 

Österreichischer Schriftsteller und Drehbuchautor; Sohn eines Schriftsetzers, der bereits verstarb, als sein Sohn erst sieben Jahre alt war; nach einer Ausbildung zum Elektroinstallateur besuchte Hinterberger ab 1950 die Wiener Polizeischule, mußte diese jedoch 1952 verlassen, als bei ihm eine Sehschwäche festgestellt worden war. Anschließend arbeitete er als Hilfsarbeiter. Um sich weiterzubilden, besuchte er die Büchereischule der Gemeinde Wien und war zehn Jahre lang als Büchereileiter in den Volksbildungshäusern Ottakring und Margareten tätig. Als beide Büchereien 1968 geschlossen wurden, war er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1991 als Expedient einer Fabrik tätig, obwohl bereits 1965 und 1966 seine Romane Beweisaufnahme und Salz der Erde erschienen waren und er Hörspiele verfaßt hatte, die 1971 mit dem Förderungspreis der Stadt Wien ausgezeichnet wurden, und er mit dem Anton-Wildgans-Preis für seinen Erzählband Wer fragt nach uns ausgezeichnet worden war. Seinen literarischen Durchbruch erlangte er mit der Geschichte des fiktiven Elektrikers Edmund ”Mundl“ Sackbauer, die unter dem Titel Ein echter Wiener geht nicht unter als Fernsehserie zwischen 1975 und 1979 von der ORF in 24 Episoden von jeweils 45 Minuten Länge mit Karl Merkatz (*1930) in der Hauptrolle ausgestrahlt wurde und in Österreich Kultstatus erreichte. Zwischen 2000 und 2005 wurde im Auftrag der ORF die Kriminalreihe Trautmann produziert, zu der Hinterberger die Drehbücher verfaßt hatte. Eigentlich hätte die Serie ab 2002 in einer Gemeinschaftsproduktion mit der Krimireihe Tatort gedreht werden und den bisherigen Ermittler Chefinspektor Moritz Eisner, dargestellt von Harald Krassnitzer, ersetzen sollen; dieser Plan wurde jedoch nicht realisiert, da nach Auffassung der ARD aufgrund des starken österreichischen Dialekts zu befürchten sei, daß die deutschen Zuschauer der Handlung nicht folgen könnten.; dieser Plan wurde jedoch nicht realisiert, da nach Auffassung der ARD aufgrund des starken österreichischen Dialekts zu befürchten sei, daß die deutschen Zuschauer der Handlung nicht folgen könnten. Bereits mit der Fernsehserie Kaisermühlen-Blues - von 1992 bis 1999 ausgestrahlt - war ihm ein großer Erfolg gelungen. Neben seiner Tätigkeit als Drehbuchautor verfaßte Hinterberger ein Reihe von Kriminalromanen und einige Bühnenstücke.

Werke u.a.: Das Abbruchhaus (1977), Jogging (1984), Das fehlende W (1991), Und über uns die Heldenahnen (1992), Kleine Blumen(1993), Zahltag (1997), Die dunkle Seite (1998), Blutreigen (2011).

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Bilder: Otto Prohaska (10/2012)

Wien, Zentralfriedhof

François Mauriac

 

 

Französischer Schriftsteller; wurde von seiner streng katholischen Mutter, der Erbin eines Weinhandels in Bordeaux, während seiner Kindheit sehr umhütet, nachdem sein Vater, der mit Holzdauben (u.a. für Weinfässer) handelte und Besitzer von Ländereien in der Gascogne war, überraschend 1887 verstorben war. Er wurde im konservativen, glaubensstrengen und traditionsbewußten Milieu des katholischen Provinzbürgertum erzogen, besuchte eine katholische Privatschule in Bordeaux und absolvierte das Internatsgymnasium Grand-Lebrun, ein Ordenskolleg der "Brüderschaft der Heiligen Maria". Anschließend studierte er an der Universität Bordeaux sowie - zwecks einer weiteren Ausbildung zum Archivar - an der École des Chartes in Paris . Letzteres brach er jedoch ab, um sich dem literarischen Journalismus zuzuwenden. 1912 gründete er die katholische Zeitschrift Cahiers. Während des Spanischen Bürgerkrieges wandte er sich in scharfen Artikeln gegen die Politik General Francos, und während der Besetzung Frankreich durch die deutsche Wehrmacht arbeitete der gläubiger Katholik für die Résistance. Ab 1933 war er Mitglied der Académie française. 1948 gründete er die ZeitschriftLa table ronde. Mauriac bezog immer wieder klare Position zu Fragen der Tagespolitik. Politisch sprach er sich vehement gegen die Kolonialpolitik Frankreichs aus, forderte eine Neuregelung der Beziehungen, zwischen Frankreich und seinen Überseegebieten und verurteilte die Kompromißbereitschaft des Staates gegenüber von Interessensgruppen, die er als "Feudalmächte" bezeichnete. In einer demokratischen Linken gemeinsam mit Mendès-France und François Mitterand forderte er 1953 eine große Reform von Staat und Wirtschaft. Sein Versuch nach der Regierungsbildung durch Mendès-France im Jahre 1954 mit der katholischen Kreisen eine neue "Christliche Demokratie" mit linken Flügel der Volksrepublikaner (MRP) zu gründen, die sich mit den demokratischen Linksparteien verbünden sollte, schlug fehl und damit auch eine Erneuerung der Republik.

Seine größten Erfolge als Schridtsteller hatte Mauriac, der - beeinflußt von Francis Jammes und Maurice Barrès - seine schriftstellerische Arbeit als Lyriker begann, als Romancier. Schon seine ersten Romane, Le baiser au lépreux (1922, dt. Der Aussätzige und die Heilige) und Génitrix (1923, dt. Der Tod der jungen Frau), fanden begeisterte Zustimmung seitens der Kritiker und des Publikums. Schon 1925 verlieh ihm die Académie Francaise ihren "Grand Prix du Roman". Seine späteren Romane, in denen er sich mit dem Streben nach Macht und Geld und deren Auswirkungen auf die Menschen beschäftigte, zählen unter die hervorragendsten Romanwerken des 20.  Jahrhunderts. François Mauriac verfaßte aber auch Dramen, so z.B. Asmodée (1938, dt. Asmodi), Essays, eine Biographie über General de Gaulle (1964). Ebenso beschäftigte er sich mit Leben und Schriften von Marcel Proust (1926), Blaise Pascal (1926) und Jean Racine (1928) sowie mit dem Leben Jesu Christi (1936). 

Werke u.a.: La chair et le sang (1920, dt. Fleisch und Blut), Le désert de l'amour (1925, dt. Die Einöde der Liebe), Le désert de l'amour (1925, dt. Die Einöde der Liebe), Thérèse Desqueyroux (1927, dt. Die Tat der Thérèse Desqueyroux), Le nœud de vipères (1932, dt. Natterngezücht), La fin de la nuit (1935, dt. Das Ende der Nacht), Les anges noirs (193, dt. Die schwarzen Engel), La pharisienne (1941, dt. Die Pharisäerin), L'agneau (1954, dt. Das Lamm), Un adolescent d'autrefois (1969, dt. Der Jüngling Alain).

Autobiographien: Mémoires intérieurs (1959;, dt. Bild meines Ichs), Nouveaux mémoires intérieurs (1965, dt. Die verborgenen Quellen), Mémoires politiques (1967, dt. Die düsteren Jahre), Souvenirs retrouvés (herausgegeben 1981).

Auszeichnungen u.a.: Literaturnobelpreis (1952), Großes Verdienstkreuz der Ehrenlegion (1958). 

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Bild: Benjism89 (2009) Wikipedia.fr
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Vémars (Val d’Oise), Cimetière communal

August Theodor Blanche

Schwedischer Schriftsteller und Journalist; unehelicher Sohn eines Predigers und späteren Pastors sowie des Dienstmädchens Catherine Hedberg, die den Schmied Blanck heiratete (später änderte der Stiefsohn seinen Namen in Blanche); trat nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Uppsala, für dessen Kosten sein leiblicher Vater aufkam, in den Staatsdienst ein, wandte sich dann jedoch dem Journalismus zu, indem er Mitglied der Redaktion der zweimal wöchentlich erscheinenden liberalen Zeitschrift Freya wurde und besonders als Chefredakteur des Blattes recht kämpferische, teils polemische Artikel gegen Carl Jonas Love Almqvist, einen Mitarbeiter des 1830 gegründeten sozialdemokratischen Aftonbladet, verfaßte, die sehr in das Persönliche ging (er hatte dessen ErzählungDet går an kritisiert, wobei Alqvist mit Blanches “illegitimer” Geburt konterte) und schließlich so eskalierte, daß Blanche Almqvist zu einem Duell aufforderte und diesen, als er auf die Aufforderung nicht reagierte, ins Gesicht spuckte. Das Ganze entwickelte sich zu einem Skandal aus, an dem auch die Öffentlichkeit regen Anteil nahm. 1842 zog Blanche sich aus dem Journalismus zurück und widmete sich jetzt ganz seiner schriftstellerischen Arbeit. Er veröffentlichte eine Reihe von Lustspielen, u.a. Hittelbarnet (1847), Rika Morbror (1845) und En tragedi i Wimmerby (1848), die ihn zu einem der beliebtesten schwedischen Erzählern machten; sein Lustspiel Ett resande teatersällskap (1848) wurde mehrmals verfilmt und wurde 1972 als Fernsehserie im schwedischen Fernsehen ausgestrahlt. Seine Komödien und Romane wurden seinerzeit auch ins Deutsche übersetzt. In seinen Erzählungen schilderte er das Leben von Menschen aus dem Volk im Stockholm zu Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Erzählungen, die seit 1857 in der Illustrerad Tidning, deren Herausgeber er von 1857 bis 1863. war, erschienen, kamen zwischen 1863 und 1865 in vier Bänden auch in Buchform auf den Markt. August Blanche war aber auch politisch aktiv; so war er mehrmals Reichstagsabgeordneter und trat für Reformen ein.

Er starb in der Apotheke Ugglan an der Drottninggatan, in die er sich begeben hatte, weil er sich unwohl fühlte.

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Bilder: Norbert Seydinovic (10/2012)

Solna (Stockholms län), Norra Begravningsplatsen

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Schriftsteller XXXVIII

Omnibus salutem!