Iwan Alexandrowitsch Gontscharow [russ. Иван Aлeксандрович Гончаров]

Russischer Schriftsteller; der Sohn eines reichen Getreidehändlers war nach Ende seiner Ausbildung (1834) an der Universität Moskau 30 Jahre lang Staatsbeamter in Sankt Petersburg; ab 1856 arbeitete er als Zensor der Pressebehörde bis er sich schließlich 1867 aus diesem Amt zurückzog. Gontscharow war einer der Schöpfer und Hauptvertreter des russischen realistischen Romans. In Oblomow (1859) schilderte er einen reichen, begabten, aber energielosen Menschen, der im Nichtstun (O blomowschtschina), der Langeweile versinkt.

Werke u.a.: Eine alltägliche Geschichte (1847), Fregat Pallada (1858; dt. Die Fregatte Pallas), Die Schlucht (1869).

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Michail Jewgrafowitsch Saltykow-Schtschedrin, eigentl. Michail Jewgrafowitsch Saltykow, Pseudonym N. Schtschedrin [russ. Михаил Евграфович Салтыков-Щедрин]

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Russischer Schriftsteller; entstammte einer adligen Familien von gutsherren; nach dem Abschluß seiner Studien am renommierten Lyzeum Zarskoje Selo arbeitete er ab 1844 in der Kanzlei des Kriegsministeriums in Sankt Petersburg. Wegen seiner kritischen Aussagen als Beamter wurde er von 1884 bis 1886 nach Wjatka strafversetzt. Von dort konnte er erst nach dem Tode Nikolaus’ I. wieder nach Sankt Petersburg zurückkehren und war im Innenministerium an den Vorbereitungen für die Bauernreform, die u.a. die Abschaffung der Leibeigenschaft betraf, beschäftigt. 1858 wurde er Vizegouverneur in Rjasan, von 1860 bis 1862 in Twer. Seit 1868 arbeitete er als freier Schriftsteller; er verfaßte kritische, sozialutopische Publikationen, zumeist von Gesellschaftsskizzen (Skizzen aus dem Gouvernement, 2 Bde., 1857), auch Chroniken ( Die Geschichte einer Stadt, 1870), Märchen und Roman (Die Herren Golowjow, 1880).

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Sankt Petersburg, Wolkowo-Friedhof

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Sankt Petersburg, Wolkowo-Friedhof

Alexander Nikolajewitsch Radischtschew [russ. Алекса́ндр Никола́евич Ради́щев]

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Russischer Schriftsteller und Philosoph; Sohn eines Moskauer Gutsbesitzers studierte in Leipzig Rechtswissenschaften, war dort Kommilitone Goethes. Sein Hauptwerk Reise von Petersburg nach Moskau (1790) ist eine scharfe Anklage gegen die gesellschaftlichen Mißstände (z.B. die Leibeigenschaft) unter der Zarin Katharina II., der Großen. Sie ließ ihn wegen des Gedankenguts des Buches - die Französische Revolution hatte im Jahr zuvor begonnen - zum Tode verurteilen, dann jedoch für 10 Jahre nach Sibirien verbannen; nach ihrem Tode wurde er schließlich 1796 durch Paul I. begnadigt. Da er die Aussichtlosigkeit seiner Ideen erkannte, nahm sich Radischtschew aus Verzweiflung das Leben.

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Sankt Petersburg, Wolkowo-Friedhof

Iwan Andrejewitsch Krylow [russ. Иван Андреевич Крылов]

Russischer Dichter; entstammte ärmlichen Verhältnissen; war als Beamter und Journalist und ab 1812 als Bibliothekar tätig. Zunächst versuchte er sich erfolglos an Opernlibretti, Tragödien, Komödien und Erzählungen. Erst seine Fabeln (erste Einzelveröffentlichung 1806, erste Sammlung 1809), einige nach dem griechischen Dichter Äsop und Jean de La Fontaine , machten ihn bekannt und wurden durch ihre volkstümliche, witzige und farbenreiche Sprache zum Muster dieser Gattung in der russischen Literatur.

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Robert Graves, eigentl. Robert von Ranke-Graves

 

Englischer Schriftsteller und Publizist; Urenkel des deutschen Historikers Leopold von Ranke; studierte Geschichte und Philosophie in Oxford, wandte sich danach zunächst der Lyrik zu, begann geistreich-interlektuelle, formschöne, experimentelle Gedichte zu verfassen. Seine Erlebnisse im Ersten Weltkrieg kamen in seinem satirischen Kriegstagebuch Good-Bye to All That (1929, dt. Strich drunter) zum Ausdruck. Den größten Erfolg hatte er jedoch mit seinen historischen Romanen Ich, Claudius, Kaiser und Gott (1934) und Nausikaa und ihre Freier (1955); Graves schrieb auch Biographien, Kurzgeschichten sowie Beiträge zur Literatur und Mythologie. Für seinen Roman The Golden Fleece (1944, dt. Das goldene Vlies) recherchierte er umfangreich in der Mythologie und Geschichte. Diese Recherchen verwendete er auch für Abhandlungen über die keltische und griechische Mythologie. Graves lehrte an den Universitäten von Kairo und Oxford und lebte ab 1929 bis zu seinem Tode auf Mallorca, mußte während des Spanischen Bürgerkriegs nur einmal sein Haus in Deiá verlassen.

Werke u.a.: Fairies and Fusiliers (1917), King Jesus (1946, dt. König Jesus), The Greek Myths (1955, dt. Griechische Mythologie).

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Olga Fjoderowna Berggolz (auch Bergholz) [russ. Oльга Фёдоровна Берггольц]

                    

Russische Lyrikerin; die Tochter eines Arztes arbeitete nach Abschluß ihres Studiums an der Leningrader Universität als Korrespondentin in Kasachstan, später in ihrer Heimatstadt. Bekannt wurde sie durch ihre Gedichte über die Belagerung Leningrads durch die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.

Werke u.a.: Kak Wanja posorilsja s baranami (1929, dt. Wie sich Wanja mit den Hammeln zankte), Uglitsch (1932), Gody schturma, (1932, dt. Jahre des Sturms), Notsch w Nowom mire (1935, dt. Eine Nacht im Nowy mir), Fewralski dnewnik (1942, dt. Februartagebuch), Leningradskaja poema (1942, dt. Leningrader Poem), Dnewnyje swjosdy (1959, dt. Tagessterne).

Auszeichnungen u.a.: Stalinpreis 3. Klasse (1951)

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Die Plakette besagt: “Hier auf diesem Gelände des Wolkow-Friedhofs wurde im Jahr 1802 der Schriftsteller Alexander Nikolajewitsch Radischtschew beigesetzt.” (Das Grab ist nicht mehr erhalten).

Sankt Petersburg, Tichwiner Friedhof am Aleksander Newskij Kloster

Bild: Martina Schulz

Sankt Petersburg, Wolkowo-Friedhof

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Deiá, Mallorca

Hector Henri Malot

 

Französischer Schriftsteller; Sohn eines Notars; besuchte - ohne daß er durch besondere Leistungen aufgefallen wäre - das Lycée Corneille in Rouen, das vor ihm u.a.Gustave Flaubert besucht hatte. 1853 zog er nach Paris, wo er zunächst vergeblich versuchte, ein erstes Stück vorzustellen. Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, schrieb er für Tageszeitungen und Zeitschriften, u.a. als Kritiker für Lloyd Francais und L'Opinion Nationale. Schließlich ging er zu seinen Eltern zurück, wo er seine erste Trilogie Les Victimes d'amour verfaßte, deren erster Teil 1859 erschien. Der seinerzeit sehr populäre Malot legte insgesamt mehr als 70 Titel vor; sein bei weitem erfolgreichstes Werk war Sans Famille, das 1878 erschien und das Leben eines Waisen zum Inhalt hat. Er verfaßte Kinderbücher, aber hauptsächlich schrieb er für Erwachsene. Viele seiner Bücher wurden in diverse Sprachen übersetzt, darunter auch ins Deutsche; die meisten seiner Werke sind jedoch der Vergessenheit anheim gefallen. Einige erschienen allerdings wieder in Zeitungen, einege wurden in Frankreich wieder aufgelegt, so u.a. Un Miracle, Complices, Baccara oder Un Beau-Frère. Seine Werke enhalten Schilderungen des Lebens unterschiedlicher sozialer Gesellschaftsschichten, vor allem aber der Bourgeoisie in Paris und auch in der Provinz.

Wegen seines unbeirrten Eintretens für soziale Gerechtigkeit belegte ihn eine Jounalistin mit dem Beinamen “Malot-la-Probité” (Malot-Die Rechtschaffenheit). Jules Vallès, Mitglied der Pariser Kommune, unterstütze er materiell und ideel, als dieser nach London ins Exil gehen mußte.

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Bilder: philippe48 (10/2010) wikipedia.fr

Fontenay-sous-Bois, Cimetière communal

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Rudolf Hans Bartsch

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Österreichischer Offizier und Schriftsteller; Sohn eines Militärarztes; war Soldat und war von 1895 bis 1911im Range eines Oberleutnats der k.u.k Armee im Kriegsarchiv in Wien tätig. Sein schriftstellerisches Werk umfaßt Romane, Erzählungen und Novellen. Sein erster Roman mit dem Titel Als Österreich zerfiel ...1848, in Form von Erinnerungen geschrieben, erschien 1905 noch anonym; für seinen Roman Zwölf aus der Steiermark erntete er lobende Worte des Schriftstellers und Kritikers Hermann Bahr, der Bartsch als “die neue Stimme Österreichs” lobte. Sein 1911 erschienener Schubert-Roman Schwammerl diente als eine der Vorlagen für die Operette Das Dreimäderlhaus (1916) des Komponisten Heinrich Berté. Bartsch verfaßte außerdem Drehbücher für mehrere Filme; so wurde sein Roman Die Geschichte von Hannerl und ihren Liebhabern (1913) 1936 mit Hans Moser, Albrecht Schoenhals, Olga Tschechowa, Jane Tilden und Hans Holt untere dem Titel Hannerl und ihren Liebhabern bzw.Saison in Grinzing verfilmt.

Werke u.a.: Die Haindlkinder (1908), Vom sterbenden Rokoko (1909), Bittersüssen Liebesgeschichten (1910), Elisabeth Kött (1911), Das Deutsche Leid (1911), Die Apotheke zur blauen Gans. Roman aus seltsamem Grenzland (1928), Der große alte Kater. Eine Schopenhauer-Geschichte (1929), Die Verführerin. Eine Wiener Geschichte (1930), Der große und der kleine Klaus (1931), Wenn Majestäten lieben (1949)

Auszeichnungen: Peter-Rosegger-Literaturpreis (1951).

Inschrift:

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KN (07/2006)

Graz, Schloßberg

Ernst Conrad Friedrich Schulze

  

 

Deutscher Dichter; Sohn des Bürgermeisters von Celle; studiert nach dem Besuch des Gymnasiums Ernestinum ab 1806 an der Georg-August-Universität in Göttingen Theologie, gab aber 1808 das Theologiestudium auf und wandte sich der Philologie, Literaturgeschichte und Ästhetik zu und beschäftigte sich mit lateinischen Poeten und Schriftstellern, aber auch mit der Literatur von Petrarca bis in die Moderne sowie mit der griechischen Poesie. Schließlich nahm er ein Studium an der Philosophischen Fakultät auf. Nach seiner Promotion und der Habilitation wirkte Schulze ohne grße Engagement als Privatdozent. Vielmehr beschäftigte er sich mit seinen schriftstellerischen Ambitionen. 1813 erschienen die seinem Förderer Friedrich Bouterwek gewidmeten Gedichte, darunter die zwei Zyklen Elegieen und Episteln. Die Liebe des 22-Jährigen zu der 17-jährigen Cäcilie Tychsen, bestimmten fortan den Rest seines Lebens. Als sie im Dezember 1812 starb, beteiligte er sch im Gedenken an die Verstorbene am Freiheitskrieg gegen die Napoléon und diente ein halbes Jahr als Freiwilliger im Grubenhagenschen Jägerbataillon. Nach der Rückkehr aus dem Krieg zerschlug sich die Hoffnung auf eine Anstellung als Professor. So unternahm er 1814 Wanderungen durch das Wesertal und im Herbst 1816 durch die Rhein- und Maingaue. Als er von dort in die Heimat zurückkehrte ereilte ihn Ende November 1816 in Göttingen ein Blutsturz, von dem er sicht mehr erholte.

Werke u.a.: Psyche (1818), Die bezauberte Rose (1818.), Cäcilie: Ein romantisches Gedicht in zwanzig Gesängen (2 Bde.,1818–19).

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Bilder: Heiko Bockstiegel 03/1993)

Celle, Alter Bürgerfriedhof

Karl Joseph Simrock

 

Deutscher Dichter, Philologe und Übersetzer; jüngstes von dreizehn Kindern des Musikers und Musikverlegers Nikolaus Simrock; studierte nach dem Besuch das französischsprachige Lycée ab 1818 in Bonn Jura an der neu gegründeten Preußisch-Rheinischen Universität in Bonn; er hörte dort aber auch Geschichte bei Ernst Moritz Arndt und deutsche Sprache und Literatur bei August Wilhelm Schlegel. Ab 1822 setzte er sein Jurastudium in Berlin fort, schloss es 1826 erfolgreich ab und wählte die Richterlaufbahn und arbeitete nach Studienabschluß als Richter am Königlichen Kammergericht in Berlin. Simrock, der sich schon als Gymnasiast für mittelhochdeutsche Epen- und Märchenliteratur begeistert hatte, veröffentlichte 1827 das von ihm ins Neuhochdeutsche übersetzte Nibelungenlied , und er begann mit der Publikation eigener Gedichte und Balladen. Nachdem er 1830 ein Gedicht zum Lob der französischen Julirevolution veröffentlicht hatte, wurde er aus dem preußischen Staatsdienst entfernt. Ab 1852 war er Professor für altdeutsche Literatur in Bonn. Simrock übertrug altdeutsche und altgermanische Dichtungen ins Neuhochdeutsche: Nibelungenlied, Kudrun, und Edda sowie Werke von Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach und Gottfried von Straßburg und war Herausgeber der Deutschen Volksbücher (54 Tle., 1839-66); außerdem verfaßte er volkstümliche Gedichte.

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Bonn, Alter Friedhof

Bilder: Heiko Bockstiegel (07/1999)
Schriftsteller XL

Omnibus salutem!