Günther Weisenborn

 

 

Deutscher Schriftsteller; schrieb, nachdem seine Werke 1933 von der nationalsozialistischen Diktatur verboten und verbrannt worden waren, unter den Pseudonymen W. Bohn und Christian Munk. Nach Emigration in die USA 1936 kehrte er 1937 zurück, schloß sich der Widerstandsbewegung Rote Kapelle an und war von 1942 bis 1945 aus diesem Grunde im Zuchthaus (Memorial, 1948). Weisenborn schrieb Romane und Dramen.Der lautlose Aufstand (1953) behandelt den deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

Werke u.a.: Das Mädchen von Fanö (1935), Der Verfolger (1961), U-Boot S 4 (1928), Die Neuberin (1934), Die Illegalen (1946).

Zurück zur Personenliste                           

Gustav Schwab

                    

Deutscher Schriftsteller; der Sohn des Geheimen Hofrats Johann Christoph Schwab und dessen Gemahlin Friederike, Nichte von Johann Heinrich Dannecker; .wuchs in einem von humanistischen Idealen geprägten Elternhaus heran und studierte in Tübingen an der Eberhard-Karls-Universität zwei Jahre Philologie und Philosophie, später Theologie. 1818 wurde er Gymnasiallehrer für Latein in Stuttgart. Ab 1825 wirkte er über einen Zeitraum von zwanzig Jahren an den von Friedrich Arnold Brockhaus herausgegebenen Blättern für literarische Unterhaltung mit, und Anfang 1828 wurde er Redaktionsmitglied in Johann Friedrich Cottas Verlag, der das Morgenblatt für gebildete Stände verlegte. Zusammen mit Adelbert von Chamisso gab er von 1833 bis 1838 den Deutschen Musenalmanach heraus. Ab 1837 wirkte Schwab als Pfarrer in Gomaringen bei Tübingen. 1841 erhielt er das Stadtpfarramt in Stuttgart und wurde 1842 Dekan und schließlich 1845 Oberkonsistorialrat der höheren Schulen in Württemberg.

Gustav Schwab verfaßte teilweise volkstümliche Romanzen und Lieder z.B. Der Reiter und der Bodensee. Populärer und bis heute immer wieder neu aufgelegt sind seine Nacherzählungen Die schönsten Sagen des klassischen Altertums, die zuerst zwischen 1838 und 1840 in 3 Bänden erschienen, für die er die großen Epen der Antike aus Originaltexten zusammengetragen und ins Deutsche übersetzte, und Die Deutschen Volksbücher (2 Bde., 1836-37). Schwab gehörte dem Schwäbischen Dichterbund an, der sich um Justinus Kerner und Ludwig Uhland gebildet hatte und dem später u.a. auch Wilhelm Hauff und Eduard Mörike angehörten.

Zurück zur Personenliste

Gerra Piano (Kt. Tessin)

Anna Louisa Karsch gen. Karschin née Dürbach

            

Deutsche Dichterin; die Tochter eines Gastwirts  lernte erst Lesen und Schreiben bei ihrem Großonkel, zu dem sie nach dem Todes ihres Vaters geschickt worden war. Als ihre inzwischen wiederverheiratete Mutter sie zurückholte, mußte sie bei ihr u.a. als Kuhmagd arbeiten. Nach zwei gescheiterten Ehen kam sie 1761 auf Vermittlung von Baron von Kottwitz nach Berlin, wo sie u.a. durch Gotthold Ephraim Lessing gefördert und als ”deutsche Sappho” gefeiert wurde. Friedrich der Große hatte ihr bei einer Audienz - sie hatte patriotische Gesänge auf ihn verfaßt - eine Pension und ein Haus versprochen, löste das Versprechen jedoch nicht ein. Erst sein Nachfolger Friedrich Wilhelm II., der ihre Gedichte schätzte, ließ für sie ein Haus auf der Neuen Promenade erbauen, in dem sie bis zu ihrem Tode nur noch zwei Jahre leben konnte.

          Belloisens Lebenslauf (1761/62)

        Ich ward geboren ohne feierliche Bitte,
        Des Kirchspiels, ohne Priesterflehn
        Hab ich in strohbedeckter Hütte
        Das erste Tageslicht gesehn,
        Wuchs unter Lämmerchen und Tauben
        Und Ziegen bis ins fünfte Jahr,
        Und lernt’, an einen Schöpfer glauben
        Weil’s Morgenroth so lieblich war,
        So grün der Wald, so bunt die Wiesen,
        So klar und silberschön der Bach!
        Die Lerche sang für Belloisen,
        Und Belloisen sang ihr nach.
        Die Nachtigall in Elsensträuchen
        Erhub ihr süsses Lied, und ich
        Wünscht’ ihr im Tone schon zu gleichen.
        Hier fand ein alter Vetter mich
        Und sagte: du sollst mit mir gehen.
        Ich ging und lernte bald bei ihm,
        Die Bücher lesen und verstehen,
        Die unsern Sinn zum Himmel ziehn.
        Vier Sommer und vier Winter flogen,
        zu sehr beflügelt an uns vorbei;
        Des Vetters Arm ward ich entzogen
        Zu einer Bruderwiege neu.
        Als ich den Bruder groß getragen,
        Trieb ich drei Rinder auf die Flur,
        Und pries in meinen Hirtentagen
        Vergnügt die Schönheit der Natur.
        Ward früh ins Ehejoch gespannet,
        Trug’s zweimal nacheinander schwer,
        Und hätte mich wol nichts ermannet,
        Wenn’s nicht den Musen eigen wär,
        Im Unglück und in bittern Stunden
        Dem beizustehn, der ihre Huld
        Vor der Geburt schon hat empfunden.
        Sie gaben mir Mut und Geduld,
        Und lehreten mich Lieder dichten,
        Mit kleinen Kindern auf dem Schoß.
        Bei Weib- und Magd- und Mutterpflichten,
        Bei manchem Kummer, schwer und groß,
        Sang ich den König und die Schlachten,
        Die Ihm und seiner Heldenschar
        Unsterblichgrüne Kränze brachten,
        Und hatte noch manch saures Jahr,
        Eh frei von andrer Pflichten Drang
        Mir Tage wurden zu Gesang!

Zurück zur Personenliste

Christoph Martin Wieland

                      

Deutscher Schriftsteller; entstammte einem pietistischen Landpfarrhaus. Der Vater, der als Pfarrer nach Biberach versetzt wurde, wo der junge Wieland aufwuchs, unterrichtete ihn, bevor ein Privatlehrer den Unterricht fortsetzte, ab dem dritten Lebensjahr zunächst selber; 1747 wurde er in das Schulinternat des Klosters Berge (b. Magdeburg) geschickt und studierte zwei Jahre später für ein Semester Philosophie in Erfurt. Er folgte jedoch 1750 dem Wunsch der Eltern und begann in Tübingen mit dem Studium der Rechtswissenschaften. In dieser Zeit lernte er während eines kurzen Aufenthalts in der Heimat seine Cousine Marie Sophie Gutermann von Gutershofen, die spätere Sophie von La Roche, kennen, mit der er sich verlobte; sie blieben einander auch dann ein Leben lang freundschaftlich zugeneigt, als im Jahre 1753 die Trennung erfolgte. Nach Beendigung des Studiums in Tübingen folgte Wieland 1752 einer Einladung Johann Jakob Bodmers (*1698, †1783) nach Zürich und blieb dort bis 1758; 1759 ging er als Hauslehrer nach Bern, wo er sich mit Julie von Bondeli verlobte, löste aber auch hier die Verlobung (1760). Im selben Jahr wurde Wieland Senator und kurz darauf Kanzleidirektor in Biberach an der Riß; konfessionelle Streitigkeiten, finanzielle Schwierigkeiten und persönliche Konflikte bestimmten jedoch jene Zeit. Schließlich heiratete er 1765 die Tochter eines Augsburger Patrizier, Anna Dorothea von Hillenbrand (*1746, †1801), die er weder liebte noch achtete (“Meine Frau weiß...nicht auszudrücken, was sie fühlt...Von Natur aus beschränkt und wenig lebhaft...Mangel an Geist...” schrieb er an Sophie von La Roche); aus dieser Ehe gingen 14 Kinder hervor. Als Sophie bei einem Besuch bei ihm erlebte, wie er seine kleine Tochter, die bei einem Gedichtvortrag durch ihr Spielen störte, behandelte, verließ sie stante pede das Haus: “Ich danke dem Himmel, daß er Sie mir nicht zum Gatten gegeben hat.” 1769 wurde Wieland als ordentlicher Professor der Philosophie und kurmainzischer Regierungsrat an die Universität in Erfurt berufen, von wo aus er Beziehungen zum sog. Halberstädter Kreis, dem J.W.L. Gleim und J.G. Jacobi angehörten, aufnahm. 1772 berief ihn Herzogin Anna Amalia, die auf seine Roman Der goldene Spiegel (1772), aufmerksam geworden war, zum Erzieher ihrer beiden Söhne nach Weimar. Als der damals 18jährige Carl August 1775 als Großherzog die Regentschaft übernahm, lebte Wieland weiterhin als freier Schriftsteller in Weimar. 1797 erwarb er ein Landgut nahe der Stadt in Oßmannstedt, auf das er sich immer wieder zurückzog. Nachdem 1801 sein Frau Dorothea gestorben war, geriet Wieland, der sich mit dem Kauf des Gutes übernommen hatte, an den Rand eines Ruins, so daß er wieder nach Weimar ziehen mußte. Von großer Bedeutung für die Orientierung von Geist und Geschmack des deutschen Bürgertums war seine 1773 ff. nach französischem Vorbild erscheinende Zeitschrift Der Teutsche Merkur, in der Wieland viele seiner Werke und Schriften zuerst veröffentlichte.

Werke u.a.: Briefe von Verstorbenen an hinterlassene Freunde (1753), Sympathien (1756), Empfindungen eines Christen (1757), Lady Johanna Gray (1758), Der Sieg der Natur über die Schwärmerey oder Die Abentheuer des Don Sylvio von Rosalva (1764), Geschichte des Agathon (2 Bde., 1766/67), Alceste (1773), Agathodämon (1799).

Inschrift: Liebe und Freundschaft umschlang / Die verwandten Seelen im Leben / Und ihr Sterbliches deckt dieser gemeinsame Stein.

Zurück zur Personenliste 

Stuttgart, Hoppenlaufriedhof

Bilder: Wolfgang Prokosch (2005)

Lulu von Strauß und Torney

Deutsche Schriftstellerin; Enkelin des Schriftstellers Viktor von Strauß-Torney; schrieb Erzählungen und Romane aus der niederdeutschen Landschaft sowie Balladen. In ihren Novellen und historischen Romanen zeichnete sie in vortrefflicher, einfühlsamer Weise die Landschaften und deren Menschen. Sie war seit 1916 mit dem Verleger Eugen Diederichs verheiratet.

Werke u.a.: Bauernstolz (Novellensammlung, 1901), Lucifer (1907), Der jüngste Tag (1922).

Zurück zur Personenliste

Oßmannstedt, Park des Guthofes

Bild: Martina Schulz (06/2005)

Berlin, Alter Sophienkirchhof

Theodor Herzl

         

Österreichischer Schriftsteller und Publizist jüdischer Herkunft; studierte Jura in Wien, wo er 1884 promovierte, und arbeitete danach als Feuilletonist für die Neue Freie Presse. 1891 wechselte er als Korrespondent nach Paris und berichtete von dort über den Dreyfus-Prozeß, unter dessen Eindruck er zum Begründer des politischen Zionismus (Der Judenstaat, 1896) wurde, da er zu der Überzeugung gelangte, daß die Gründung eines jüdischen Staates notwendig - und auch realisierbar - sei. 1897 berief er den 1. Zionistischen Weltkongreß nach Basel ein. Er wurde erster Präsident der neugegründeten Zionistischen Weltorganisation, die die ökonomischen Grundlagen für den zukünftigen Staat bereitstellen sollte; so wurde eine jüdische Bank gegründet und ein Fonds, der die Mittel für den Ankauf von Land in Palästina beschaffen sollte. In seinem Roman Altneuland (1902) entwickelte er seine Ideen über einen aristokratisch geleiteten jüdischen Zukunftsstaat. Dabei ging er - völlig bar jedes Realitätssinns - davon aus, daß die in Palästina lebenden Araber die neuen jüdischen Siedler freudig begrüßen würden.

 

Herzl 1901 in Basel

 

 

 

 

       

Titelblatt der Erstausgabe von 1896

Zurück zur Personenliste                   

Bild: Wolfgang Prokosch (2005)

Jena, Nordfriedhof

Bild: B. E.
Bild: P.Robert Jauch OEM (03/2006)

Jerusalem, Herzlberg (Mount Herzl National Cemetery)

08/2005

Wien, Döblinger Friedhof

Hinweis: Theodor Herzl wurde 1949 vom Döblinger Friedhof in Wien nach Jerusalem umgebettet.

Hinweis: Beigesetzt sind hier außer Wieland seine zuvor gestorbene Frau Dorothea und die bei einem Besuch auf dem Rittergut Oßmannstedts im Jahre 1800 verstorbene Sophie Brentano, Enkelin Sophie von La Roches.

Carl Weitbrecht

 

Deutscher Schriftsteller und Literaturhistoriker; studierte an der Universität Tübingen Theologie und Germanistik und war ab 1874 zwölf Jahre lang in Schwaigern bei Heilbronn als Diakon tätig, bevor er 1886 einem Ruf nach Zürich folgte, um dort eine Stelle als Rektor der höheren Töchterschule (heute Kantonsschule Hohe Promenade) und des Lehrerinnenseminars anzutreten. Im Jahre 1894 wechselte er als ordentlicher Professor auf den Stuhl für deutsche Literatur an die Technische Hochschule Stuttgart; ab 1902 leitete er als Nachfolger von Jakob Johann von Weyrauch zugleich die Hochschule bis zu seinem Tode als Rektor.

Bereits während seiner Zeit als Diakon gab er gemeinsam mit seinem Bruder - ebenfalls Schriftsteller - sowie mit Eduard Paulus mehrere Bände mit Geschichten und Gedichten aus dem Schwabenland heraus. Später wandte er sich mehr der Form der Novelle zu, schuf aber auch Texte zu Kriegs- und Heimatliedern. Als er in Zürich lebte, versuchte er sich auch als Dramaturg mit einigen Werken. Nach seiner Rückkehr nach Stuttgart betätigte er sich verstärkt - bedingt auch aufgrund seiner Tätigkeit als Professor - als Literaturhistoriker, wobei ihm allerdings im Rahmen einer Buchrezension über seine beiden Bände der Deutschen Literaturgeschichte durch Rudolf Steiner antisemitische Tendenzen vorgeworfen wurden.

Werke u.a.: Lieder von Einem, der nicht mitdarf (1870), Was der Mond bescheint. Gedichte zu Bildern von Hugo Knorr (1873), Gedichte ( 1875), Verirrte Leute (1882), Geschichtenbuch (1884) Der Kalenderstreit in Sindringen (1885) Heimkehr (1886), Sigrun (1891), Schiller in seinen Dramen (1897), Das deutsche Drama (1900). Schwarmgeister (1900), Schiller und die deutsche Gegenwart (1901).

Zurück zur Personenliste                   

Stuttgart, Pragfriedhof

Bild: Mseses (04/2011) wikipedia.de
Bild: Mseses (04/2011) wikipedia.de

Jacques Delille

 

Französischer Dichter und Übersetzer; in einem Garten der Stadt Aigueperse gezeugte Kind der aus der Famile des Kanzlers Michel de l'Hospital abstammenden Hebamme Marie-Hiéronyme Bérard. Das unehelche Kind wurde von Antoine Montanier, Rechtsanwalt am Parlament von Clermont-Ferrand, an Kindesstatt angenommen. Montanier starb wenig später und hinterließ seinem Ziehsohn eine bescheidene Pension von 100 Ecu. Bis zum Alter von zwölf oder dreizehn Jahren wuchs er dann bei einer Krankenschwester in dem 60 Kilometer, südlich von Clermont-Ferrand gelegenen Dorf Chanonat auf, wo ihm der Dorfpriester ersten Unterricht erteilte. Dann wurde er nach Paris geschickt; dort machte er am collège de Lisieux mit hervorragenden Leistungen auf sich aufmerksam. Er wurde maître de quartier am collège de Beauvais, später Professor, zunächst am collège d'Amiens, dann am collège de la Marche in Paris; zu jener Zeit hatten sich seine besonderen Talente, namentlich auf dem Gebiet der didaktischen Poesie, bereits herumgesprochen. 1774 wurde er im zweiten Anlauf in die Académie Française gewählt, trotz des Widerstands Richelieus, der ihn als zu jung betrachtet hatte. Der Aufstieg Delilles beschleunigte sich noch mehr nach dem Tod Voltaires, seinem einzigen Widersacher. Er rettete sich durch die Revolutionszeit, indem er von seinen Ideen Abstand nahm und ein dithyrambisches Gedicht zum Ruhm des "Höchsten Wesens" in Auftrag nahm.

Delille war Übersetzer von Werken Vergils, John Miltons und Alexander Popes, sowie Verfasser von Dichtungen didaktischen Charakters wie z.B. Les Trois régnes de la nature.

Zurück zur Personenliste                   

Paris, Cimetière du Père Lachaise

Bild: Pierre-Yves Beaudouin (10/2011), Wikipedia.fr
Bild: Pierre-Yves Beaudouin (10/2011), Wikipedia.fr
Bild: Pierre-Yves Beaudouin (10/2011), Wikipedia.fr

Bjørnstjerne Martinius Bjørnson

          1901

 

Norwegischer Dichter; Sohn eines Pfarrers; besuchte von 1850 bis 1852 ein privates Gymnasium in Christiania (heute Oslo). Sein Studium brach er zugunsten der journalistischen und literarischen Tätigkeit ab. In dieser Zeit lernte er auch Henrik Ibsen kennen. Bereits während seines Studiums war er als Literaturkritiker tätig, schrieb 1854 für das Morgenbladet und verfaßte Erzählungen für verschiedene andere Zeitungen. Von 1857 bis 1859 war er als Nachfolger Ibsens künstlerischer Leiter des Theaters in Bergen und Theaterleiter in Oslo von Theaterdirektor von 1865 bis 1867 sowie von 1870 bis 1872. In den folgenden Jahre engagierte er sich politisch; er stand der Venstre, der liberalen Linken, nahe und agitierte für den Grundtvigianismus von N.F.S. Grundtvig, der die Kirche und das Erziehungswesen in Dänemark nachhaltig beeinflußte, und den Skandinavismus. Als politischer Agitator stand er in der Tradition von Henrik Arnold Wergeland, trat für ein von dänischen kulturellen und schwedischen politischen Einflüssen freies Norwegen ein. Mit seinem politischen Engagement trug Bjørnson, der zeitweise in Deutschland, Italien, Frankreich, den USA lebte, dazu bei, daß sich Norwegen 1905 von Schweden löste und als selbständiger Staat etablierte. Mit seinen Bauernerzählungen im Stil des poetischen Realismus war er nicht nur bahnbrechend für die Entwicklung der norwegischen Prosa, sondern weckte die Vaterlandsliebe seiner Landsleute. Er verfaßte zwischen 1859 (erste Fassung) und 1868 die norwegische Nationalhymne Ja, vi elsker dette landet (Ja, wir lieben das Land) und war der Begründer des Riksmålsforbundet, die sprachliche, kulturelle und politische Vereinigung in Norwegen. Er engagierte sich außerdem für Schulreformen, die Frauenfrage, für eine neue Sexualmoral und die Arbeiterbewegung. In seinen sozialkritischen Dramen und Romane griff er aktuelle Probleme auf. Seine Bühnenstücke gehören zu den frühesten und zugleich wichtigsten Beispielen des norwegischen Dramas. Weltweit berühmt wurde Bjørnson mit den zwei Dramen En fallit (1875, dt. Ein Faillisement, auch Ein Bankrott) und Redaktøren (1875, dt. Der Redakteur), die er im selbst gewählten italienischen Exil verfaßte, wohin er sich für zwei Jahre zurückgezogen hatte, um in Ruhe seiner schriftstellerischen Arbeit nachgehen zu können. 1874, nach seiner Rückkehr aus Deutschland, erwarb er das Anwesen Aulestad, das sich im Laufe der Zeit zu einem geistigen Zentrum Norwegens entwickeln sollte. Im Jahre 1906 hielt Bjørnson, Mitglied des norwegischen Nobelkomitees, die Festrede anläßlich der Überreichung des 1905 zuerkannten Friedensnobelpreises an Bertha von Suttner.

Werke u.a.: Mellem Slagene (1857, dt. Zwischen den Schlachten), Synnøve Solbakken (1857), Arne (1858); En glad gut (1860, dt. Ein fröhlicher Bursch), Maria Stuart i Skotland (1864, dt. Maria von Schottland), Fiskerjenten (1868, dt. Das Fischermädchen), Brudeslaaten (1872, dt. Der Brautmarsch), Over Ævne (I: 1883, II: 1895, dt. Über die Kraft, Über unsere Kraft), Det flager i byen og på havnen (1884, dt. Flaggen über Stadt und Hafen), På Guds veje (1889, dt. Auf Gottes Wegen), Paul Lange og Tora Parsberg (1898, dt. Paul Lange und Tora Parsberg).

Auszeichnungen u.a.: Nobelpreis für Literatur (1903).

Zurück zur Personenliste                   

Oslo, Vår Frelsers Gravlund

bjoernson_bjoernstjerna_gb

Fritz Erpenbeck

Bundesarchiv cc_somerightsreserved

 

Deutscher Schriftsteller, Publizist und Schauspieler; begann in Osnabrück eine Ausbildung als Schlosser, die er nach dem Ende des -ersten Weltkrieges fortsetzte. Parallel zur Ausbildung nahm er Schauspielunterricht, dem ab 1920 Engagements u.a. am Lessingtheater und der Piscator-Bühne in Berlin folgen, an der er auch als Regisseur und Dramaturg wirkte. 1927 Mitglied der KPD. Seit 1929 arbeitete Erpenbeck, der 1927 Mitglied der KPD wurde, auch journalistisch, 1931 bis 1933 war er Chefredakteur der Satirezeitschrift Roter Pfeffer. Nach der “Machtergreifung” der Nationalsozialisten emigrierte er 1933 zunächst nach Prag, 1935 mit seiner Frau dann in die Sowjetunion, wo er als Redakteur für verschiedene Zeitschriften tätig war. Als Mitglied des Nationalkomitees Freies Deutschland (NKFD) war er stellvertretender Chefredakteur des NKFD-Senders Freies Deutschland. 1945 kehrte er mit sogenannten Gruppe Ulbricht nach Deutschland zurück. Von 1946 bis 1958 war er Chefredakteur der Zeitschriften Theater der Zeit und Theaterdienst und gründete mit Bruno Henschel den Henschel Verlag. Seit 1951 war er Leiter der Hauptabteilung Darstellende Kunst und Musik beim Ministerrat der DDR. 1959 bis 1962 war er Chefdramaturg der Berliner Volksbühne, danach lebte er als freier Schriftsteller. Er verfaßte u.a. Erzählungen, Kriminalromane und Essays.

Verheiratet war Erpenbeck seit 1927 mit der Schriftstellerin Hedda Zinner.

Auszeichnungen u.a.: Lessing-Preis der DDR (1956), Ernst-Moritz-Arndt-Medaille (1957), Ehrenspange zum Vaterländischen Verdienstorden.(1972).

Zurück zur Personenliste 

__________________________________________________________________________________

Hedwig HeddaZinner

 

 

Deutsche Schriftstellerin, Schauspielerin, Kabarettistin, Journalistin, Regisseurin; Tochter eines kaiserlich-königlichen Beamten; wuchs ab 1906 in Wien auf und war als Schauspielerin mit Engagements zunächst in Wien tätig und stand später auch auf verschiedenen Bühnen im Deutschen Reich. 1927 heiratete sie den Schauspieler und Schriftsteller Fritz Erpenbeck, mit dem sie 1929 nach Berlin ging, wo sie der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und dem Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller bei trat. Sie verfaßte Artikel u.a. für die von von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg 1918 gegründete Zeitung Rote Fahne, das Organ der KPD, und trat auf Veranstaltungen der KPD, der Gewerkschaften, der Internationalen Roten Hilfe sowie der Internationalen Arbeiterhilfe als Rezitatorin, Sängerin und Agitatorin in Erscheinung, zuletzt noch am Tag des Reichstagsbrandes, bevor die Verfolgung der Kommunisten durch die Nazis exzessiv begannen..

 

Zurück zur Personenliste                           btn_up

Bilder: Klaus Meinert (08/2003)

Berlin, Friedhof der Dorotheenstädtischen. und. Friedrichswerderschen Gemeinden

Schriftsteller LVI

Omnibus salutem!