Eugène Ionesco eigentl. Eugen Ionescu

 

Französischer Schriftsteller rumänischer Herkunft; der Sohn eines Rumänen und einer Französin studierte in Bukarest, wo er später Gymnasialdirektor war, und Paris Romanistik, und lebte seit 1938 in Frankreich. Ursprünglich Journalist, wirkte er später als Korrektor und freier Schriftsteller; ab den 1980er Jahren wandte er sich verstärkt der Malerei zu.

Werke u.a.: La cantatrice chauve (1953, dt. Die kahle Sängerin), La leon (1953, dt. Die Unterrichtsstunde), Les chaises (1954, dt. Die Stühle), Victimes du devoir (1954, dt. Opfer der Pflicht), Tueur sans gages (1958, dt. Mörder ohne Bezahlung), Rhinocéros. (1959, dt. Die Nashörner), Le roi se meurt (1963, dt. Der König stirbt), Le salon de l'automobile (1966), La soif et la faim (1966, dt. Hunger und Durst).

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Maximilian Harden eigentl. Felix Ernst Witkowski

           

 

Deutscher Publizist und Schriftsteller; Sohn eines Seidenhändlers; machte zunächst ab 1874 ein Schauspielausbildung und wirkte- anfang als Mitglied einer Wanderbühne - von 1875 bis 1888 als Schauspieler. 1889 war Harden, der 1878 zum Protestantismus konvertierte, Mitbegründer der Berliner Freien Bühne. Mit seiner Wochenzeitschrift Die Zukunft, die von 1892 bis 1922 erschien, attackierte er in vielen Vorträgen (Pseudonym ”Apostata”) das persönliche Regiment Wilhelms II. und seiner engen, persönlichen Berater Helmut von Moltke und Philipp zu Eulenburg; letzteren machte er zum Mittelpunkt einer von ihm provozierten Affäre - angeblich angeregt hierzu von der ”grauen Eminenz” des Kaiserreichs, Friedrich von Holstein. Nach dem Ende des Kaiserreichs wurde er zu einem heftigen Kritiker der Weimarer Republik, war aber zugleich auch Zielscheibe rechtsnationaler, antisemitischer Kreise. Nur wenige Tage nachdem sein früheren Freund Walther Rathenau ermordet worden war, erfolgte am 3.7.1922 ein Mordanschlag auf Harden vor seinem Haus in Berlin-Grunewald von Anhängern der Freikorps, das er mit schweren Kopfverletzungen nur knapp überlebte. Harden stellte in der Folge im September 1922 Die Zukunft ein, und 1923 zog er sich in die Schweiz zurück, wo er seine letzten Jahre verbrachte.

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Joseph Brodsky eigentl. Iosif Alexandrowitsch Brodskij

 

Russischer Lyriker und Literaturwissenschaftler; der Sohn eines Photographen und späteren Marineoffiziers arbeitete nach dem vorzeitigen Verlassen der Schule in verschiedenen Jobs, u.a. als Fabrikarbeiter und Angestellter eines Krankenhauses; als Teilnehmer an geologischen Expeditionen, lernte Brodski, der Ende der 1950er Jahre er erste Gedichte schrieb, in der Zeit zwischen 1957 und 1960 große Teile der Sowjetunion kennenlernte. Ab Ende der 1960er Jahre geriet Brodky, der auch westliche Gedichte übersetzte, zunehmend in das Visier der Kritik; 1972 wurde er aus der Sowjetunion ausgewiesen, lebte seitdem in den Vereinigten Staaten, wo er 1977 die amerikanische Staatsbürgerschaft erwarb. Er schrieb v.a. persönliche Bekenntnislyrik sowie religiös bestimmte Gedichte. Er war auch Essayist und Dramatiker und arbeitete als Übersetzer.

Werke u.a.: Ausgewählte Gedichte (1966), Einem alten Architekten in Rom (1978), Römische Elegien und andere Gedichte (1985), Marmor (1984).

Auszeichnungen u.a.: Nobelpreis für Literatur (1987)

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Ezra Loomis Pound

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US-amerikanischer Schriftsteller; studierte in Philadelphia (Pennsylvania) romanische Sprachen; lebte ab 1909 in Europa, bis 1920 in London, von 1920 bis 1924 in Paris und von 1924 bis 1945 in Rapallo; sympathisierte mit dem italienischen Faschismus und wurde wegen antiamerikanischer Propagandareden, die er während des Zweiten Weltkriegs über Radio Rom gehalten hatte, 1945 in Pisa in einem amerikanischen Militärlager interniert. Die Anklage wegen Hochverrats führte nicht zur Verurteilung, sondern zur Einweisung in die Nervenheilanstalt Saint Elizabeth's in Washington (DC). Nach der Entlassung 1958 lebte er wieder in Italien. Pound wurde bereits mit seinen frühen Gedichtbänden (Exultations und Personae, beide 1909) bekannt. In Europa widmete er sich zahlreichen literarischen Aktivitäten: er arbeitete für die Zeitschriften Poetry (1912-18) und The Little Review (1917-19), trat als Übersetzer altenglischer, französischer, italienischer, japanischer und chinesischer Literatur hervor und stand in enger Beziehung zu zahlreichen Schriftstellerkollegen (William Butler Yeats, James Joyce, T.S. Eliot, Ernest Hemingway u.a.). Pound war Begründer der literarischen Bewegungen des Imagismus und des Vortizismus. 1920 erschien sein Gedicht Hugh Selwyn Mauberley, in dem er den Verfall der Kultur beklagt. Pounds Hauptwerk, die ab 1915 entstandenen 117 Cantos (Gesänge), erschien im Lauf der nächsten Jahrzehnte in verschiedenen Teilsammlungen (darunter die Pisan cantos, 1948, dt. Die Pisaner Gesänge, auch unter dem Titel Pisaner Cantos); und wurde schließlich 1970 unter dem Titel The cantos of E. Pound gesammelt herausgegeben. Pound gilt als einer der führenden Vertreter des Avantgardismus des frühen 20. Jahrhunderts und als einer der wichtigsten Lyriker und Anreger der literarischen Moderne.

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Paris, Cimetière de Montparnasse

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Berlin, Charlottenburg-Wilmersdorf, Friedhof Heerstr.

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Armin Müller

 

Deutscher Schriftsteller und Maler; am Kriegsende aus seiner Heimat vertrieben, lebte er seit 1946 in Weimar. Sein Gedichtband Reise nach S., vor allem aber sein bedeutender Roman Der Puppenkönig und ich (1986) thematisieren Flucht und Vertreibung und spiegeln seinen Schmerz über den Verlust der Heimat wider. Der Roman wurde 1997 mit dem Eichendorff-Literaturpreis ausgezeichnet. Die Entwicklung der gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR, die Müller nach dem Krieg begeistert mitgestalten wollte, enttäuschte ihn jedoch zunehmend, so daß er sich zurückzog und sich ganz auf das Malen und Schreiben konzentrierte. Kurz vor seinem Tod wurden sein phantasiereichen Bilder in seiner heute polnischen Heimatstadt gezeigt; die Stadt Swidnica ernannte ihren ehemaligen Einwohner zum Ehrenbürger.

Werke u.a.: Meine verschiedenen Leben (1978), Der Magdalenenbaum (1979), Taube aus Papier (1981).

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Venedig, Insel San Michele

Inge von Wangenheim née Franke

 

Deutscher Schriftstellerin, Schauspielerin und Regisseurin; schloß sich in den 1920er Jahren dem Schauspielkollektiv um Erwin Piscator an und heiratete den kommunistischen Schauspieler und Regisseur Gustav von Wangenheim, emigrierte mit ihm über Paris nach Moskau. Nach ihrer Rückkehr nach Berlin im Jahre 1945 arbeitete sie als Schauspielerin, Journalistin und Regisseurin. Neben Romanen verfaßte sie Reportagen wie z.B. Kalkutta liegt nicht am Ganges (1970) oder Der goldene Turm, Eine Woche Paris (1988), sowie Essays, Schwänke und humoristische Geschichten. Sie lebte in Rudolstadt, zuletzt in Weimar.

Werke u.a.: Mein Haus Vaterland (1950), Das Zimmer mit den offenen Augen (1965), Die Entgleisung (1980).

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Venedig, Insel San Michele

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Weimar, Alter Friedhof

Weimar, Alter Friedhof

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Gertrud Vera Ferra-Mikura née Ferra

 

 

Österreichische Kinder- und Jugendbuchautorin; besuchte nach der Volks- und Hauptschule Abendkurse der Handelsakademie und arbeitete in der Tierhandlung ihrer Eltern. Wwährend des Zweiten Weltkriegs arbeitete sie als Stenotypistin, bevor sie nach dem Ende des Krieges als landwirtschaftliche Hilfskraft auf einem Gut in der Wachau und dann in Wien als Redaktionssekretärin und Lektorin im Wiener Festungsverlag tätig war. Ab 1948 war sie als freie Schriftstellerin tätig. In den Jahren 1948 und 1949 war Ferra-Mikura Gesellschafterin des von Karl Konrad Bauer gegründeten Mont Blanc Verlages. Bekannt wurde sie v.a. lmit den Geschichten über die Stanisläuse, Unsere drei Stanisläuse (1963, Besuch bei den drei Stanisläusen (1964) Die Mäuse der drei Stanisläuse (1965), Veronika, Veronika, Veronika, rufen die drei Stanisläuse (1995).

Verheiratet war sie seit 1948 mit dem Staatsoperntänzer Ludwig Mikura.

Werke u.a.: Bürgermeister Petersil (1952), Zaubermeister Opequeh (1956), Der seltsame Herr Sauerampfer (1957), Willi Einhorn auf fremden Straße (1958), Die zehn kleinen Negerlein (1958), Das rosa Haus in der Entengasse (1963), Kasperl macht Ferien (1977), Der Spion auf dem fliegenden Teppich (1984), Das Denken überlass nicht den Pferden! (1986).

Auszeichnungen u.a.: Literatur- und Förderpreis der Stadt Wien (1951), Kinderbuchpreis der Stadt Wien für Unsere drei Stanisläuse (1963), Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold (1988).

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2.) Bilder: Heinz Knisch (11/2015)

Wien, Südwestfriedhof

Rainer Kirsch

 

 

Deutscher Schriftsteller und Lyriker; legte sein Abitur an der Klosterschule Roßleben ab und studierte ab 1953 Geschichte und Philosophie in Halle (Saale) und Jena; von dort wurde er 1957 relegiert und im Folgejahr auch noch aus der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) ausgeschlossen. Danach arbeitete er als Hilfsarbeiter in einer Druckerei, als Chemiearbeiter und in der Landwirtschaft. Seit 1960 war er als freischaffender Schriftsteller tätig und veröffentlichte erste Gedichte. Von 1963 bis 1965 studierte er am Literaturinstitut Johannes R. Becher in Leipzig. 1973 wurde er nach Auseinandersetzungen um seine Komödie Heinrich Schlaghands Höllenfahrt erneut aus der SED ausgeschlossen. Nach der “Wende” wurde er 1990 Präsident des DDR-Schriftstellerverbandes, im selben Jahr auch Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Kirsch war außerdem Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste.

Kirsch, der als Vertreter der Sächsischen Dichterschule gilt, schuf neben seinen Dramen, den Erzählungen und seiner Lyrik Essays, Hörspiele und auch Kinderbücher. Außerdem übersetzte er zahlreiche Werk russischer Schriftsteller, so solche von Anna Achmatowa, Sergej Jessenin, Wladimir Majakowskij, sowie aus dem Englischen John Keats, Percy Bysshe Shelley und der französichen Sprache, darunter Nachdichtungen von Werken Molières.

Verheiratet war Rainer Kirch von 1960 bis 1968 mit der Schriftstellerin Sarah Kirsch.

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Bild: Günter Bihn (10/2015)

Berlin, Friedhof Dorotheenstädt.u. Friedrichswerdersche Gemeinden

Johan Herman Wessel

1784

Norwegischer Schriftsteller und Dichter; Sohn eines Pfarrers; Neffe des Mathematikers Caspar Wessel; übersiedelte nach dem Besuch des Gymnasiums in Kristiania (heute Oslo) im Alter von 19 Jahren nach Kopenhagen, um dort zu studieren, lebte das Leben eines “ewigen” Studenten und verließ die Universität schließlich ohne eine Prüfung abgelegt zu haben und ohne Abschluß. 1772 war er einer der Mitbegründer des Literaturklubs Det norske Selskab, eines einflußreichen Klubs, in dem sich die aus Norwegen stammenden Studenten trafen (Dänemark und Norwegen bildeten von 1380 bis 1813 eine Personalunion).

Titelblatt der Erstausgabe von 1772

Der Klub verstand sich als Gegenreaktion auf die sich von Deutschland aus beginnende Ausbreitung der Romantik in der Literatur und wählte als Motto “Vos exemplaria graeca” (dt. etwa Laßt Euch die Griechen als Beispiel dienen). Für die Veröffentlichungen des Klubs steuerte Wessel u.a. Verse, Epigramme und spontane Schriften bei. Im selben Jahr, in der der Klub seine Pforten öffnete, erschien das Werk, das als sein Hauptwerk gilt: Kierlighed uden Strømper (1772. dt. Liebe ohne Socken), ein “Sørgespil” (i.e. Tragödie) in fünf Akten über die sinnleeren Konventionen der Gesellschaft; sein bekanntestes Gedicht ist Smeden og Bageren (dt. Schmied und Bäcker). Finanziell war er nie sorgenfrei; so gab er, um sein Einkommen aufzubessern, Privatstunden und übersetzte für das Theater aus dem Ausland stammende Stücke. Insbesondere aufgrund von Erkrankungen ließ in den Jahren vor seinem Tode seine Schaffenskraft zunehmend nach.

Inschrift:

Han aad og drak, var aldrig glad
Hans Støvlehæle gik han skæve.
Han ingen Ting bestille gad.
Til sidst han gad ej heller leve.

[dt. Er aß und trank, war nie glücklich, seine Stiefelabsätze lief er schief. Er wollte nicht arbeiten. Schließlich störte es ihn, noch zu leben].

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 Bilder: Finn Halling Larsen (09/2015)
 Bilder: Finn Halling Larsen (09/2015)

Kopenhagen, Friedhof an der Trinitatis Kirke

Hinweis: Die beiden oberen Bilder zeigen die eigentlich Grabstätte. Da diese stark im Laufe der Jahre verwittert und die Inschrift unleserlich geworden war, errichtete man auf dem selben Friedhof 1863 einen Gedenkstein in Form einer Grabstätte. Später wurde der ursprüngliche Grabstein renoviert.

Berthe Amalie Skram  née Alver

       

Dänisch-norwegische Schriftstellerin und Frauenrechtlerin; eines von fünf Kindern des Betreibers eines Lanfhandels, der in Konkurs ging, als sie 17 Jahre alt war, und sich, um einer drohenden Gefängnisstrafe zu entgehen, alleine in die Vereinigten Staaten absetzte; sie wuchs in Bergen auf, wo sie auf ausdrücklichen wunsch ihrer Mutter 1864 den neun Jahre älteren Kapitän Müller heiratete, von dem sie sich aus der unglücklichen Ehe und psychischen Problemen nach 13 Jahren durch Scheidung löste und nach Kristiania (heute Oslo) zog. Hier kam sie mit Schriftstellern der Christiania-Bohème, wie Arne Garborg und Bjørnstjerne Bjørnson in Kontakt, der über Jahre bestehen blieb. 1884 zog sie nach Kopenhagen und heiratete den dänischen Schriftsteller Erik Skram. Auch in dieser Ehe zeigten sich bald Probleme; so litt sie unter der Unvereinbarkeit von Familie - neben zwei Söhnen aus der erste Ehe hatte sie eine Tochter aus der neuen Ehe - mit ihrer schriftstellerischen Tätigkeit, so daß sie sich schließlich in der psychiatrischen Klinik St. Krankenhaus Seine in der Näge von Roskilde behandeln ließ. . Im Jahre 1899 wurde auch diese Ehe wieder geschieden.

Amalie Skram schilderte in ihren im naturalistischen Stil verfaßten Romanen und Erzählungen das von Hoffnungslosigkeit gekennzeichnete Schicksal einfacher Menschen. Immer auch stand die Rolle der Frau in einer von Männern dominierten Gesellschaft im Zentrum ihrer Werke. Die betont weibliche Sicht auf viele Probleme der damaligen Zeit machte Amalie Skram wurde damit zu einer Kronzeugin der Frauenbewegung der europäischen frühen Moderne. Debütiert hatte sie 1882 unter dem Namen Amalie Müller mit der Erzählung Madam Høiers Leiefolk. Drei Jahre später folgte ihr erster Roman Constance Ring, der autobiographische Züge aufweist.

Werke u.a.: Hellemyrsfolket (2 Bde.; 1887-98, dt. Die Leute vom Felsenmoor), Lucie (1888), Fru Inez (1891), Forraadt (1892).

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Bilder: Finn Halling Larsen (09/2015)

Kopenhagen, Bispebjerg Kirkegård

Hinweis: Ihre Urne wurde zunächst auf dem Friedhof von Bispebjerg beigesetzt. Gemäß ihres Wusches lautete die Inschrift “Dansk borger, dansk undersaat, dansk forfatter” [dt.Dänische Bürgerin, dänische Gehilfin, dänische Schriftstellerin]. Als die Grabstätte 1927 aufgelassen wurde, kam ihre Asche in ein Massengrab. Das Denkmal erinnert heute an sie.

Schriftsteller LXI

Omnibus salutem!