Hanns Dieter Hüsch

 Bild: Wilfried Wittkowsky (GNUFDL)

Deutscher Polit-Kabarettist, Schriftsteller und Schauspieler; Sohn eines Verwaltungsdirektors der Kreisverwaltung in Moers, studierte auf Wunsch der Eltern Medizin an der Universität Gießen, das er jedoch bereits nach einem Semester abbrach, um in Mainz mit dem Ziel Operregisseur zu werden, Theaterwissenschaft, Literaturgeschichte und Philosophie zu studieren. In Mainz, wo er im Stadtteil Bretzenheim 31 Jahre wohnen wird und von wo er erst nach dem Tode seiner Frau an den Niederrhein zurückkehrte, beteiligte er sich am Studenten-Kabarett Die Tol(l)eranten und trat bereits 1949 als Chansonnier mit seinem ersten Soloprogramm Das literarische Klavier auf. Bis zu seiner letzten Tour im Jahr 2000 folgten diesem Programm mehr als 70 weitere.

Hanns Dieter Hüsch gilt als einer der bedeutendsten deutschen Kleinkünstler (”Lieber groß auf einer kleinen, als klein auf einer großen Bühne”) geltende Hüsch stand über 53 Jahre auf der Bühne. Mit 70 eigenen Programmen war er nicht nur einer der produktivste und erfolgreichste Vertreter des literarischen deutschen Kabaretts, sondern auch einer der scharfzüngig (”Sprachwitzenschaftler”) das Kleingeistigkeit und Spießertum auf den Arm nahm.

Auszeichnungen u.a.: Deutscher Kleinkunstpreis (1972 und 1982), Bundesverdienstkreuzes am Bande (1998), Stern der Satire – Walk of Fame des Kabaretts (in der Fußgängerzone entlang des Proviantamts in Mainz)

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Thomas Brasch

 

 

Schriftsteller; der Sohn des österreichischer Emigranten Horst Brasch, der in der DDR später stellvertretender Ministers für Kultur war. Brasch, der seit 1947 in der DDR lebte, besuchte von 1956 bis 1960 die Kadettenschule der Nationalen Volksarmee und arbeitete nach dem Abitur zunächst als Schlosser, Meliorationsarbeiter und Schriftsetzer, bevor er sich 1964 an der Karl-Marx-Universität Leipzig im Fach Journalistik immatrikulierte. Bereits im Folgejahr wurde er wegen ”Verunglimpfung führender Persönlichkeiten der DDR“ wurde relegiert und arbeitete anschließend u.a. als Kellner und im Straßenbau. Von 1967 bis 1968 studierte er Dramaturgie an der Hochschule für Film und Fernsehen Babelsberg. 1968 wurde er wegen der Verteilung von Flugblättern gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in der CSSR verhaftet und zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Nachdem er 1969 auf Bewährung entlassen worden war, wurde er sogenannten Erziehungsmaßnahmen unterworfen. 1976 war Brasch einer der Unterzeichner der Resolution gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann. Da er in der DDR für sich keine Zukunft sah, stellte er einen Ausreiseantrag und konnte 1976 nach Westberlin ausreisen.

Brasch schrieb Lyrik, Erzählungen (Vor den Vätern sterben die Söhne, 1977), Theaterstücke (Rotter, 1977; Mercedes, 1988) und drehte Spielfilme (Engel aus Eisen, 1981; Der Passagier, 1988).

Werke u.a.: Liebe macht Tod oder Das Spiel von Romeo und Julia. Nach Shakespeare (1990), Brunke wohnt. Brunke weint. Brunke will was (1993).

Auszeichnungen u.a: Kleist-Preis (1987).

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Bild: (04/2010)
Bilder Mitte u. unten: Dirk Josef Schmitz (02/2007)

Eugen Roth

 

Deutscher Schriftsteller; Sohn eines Münchener Journalisten und Schriftstellers; studierte nach der Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg, in dem er im Oktober 1914 schwer verwundet wurde, Germanistik und Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Bevor er ab 1927 als Redakteur bei den Münchner Neuesten Nachrichten arbeitete, wo man ihn nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 entließ, unternahm er zahlreiche Reisen durch die Länder Nord- und Südeuropas und Afrikas. Roth, der in der Tradition von Wilhelm Busch und Christian Morgenstern achternsinnige, humorvolle Gedichte schrieb, veröffentlichte seine Gedichte Ein Mensch zuerst im Simplicissimus, bevor sie 1935 in einem Sammelband publiziert wurden.

Werke u.a.: Die Dinge, die unendlich uns umkreisen (1918), Die Frau in der Weltgeschichte. Ein heiteres Buch (1936), Der Wunderdoktor (1939), Mensch und Unmensch (1948), Der letzte Mensch (1964).

      Ein Mensch erblickt das Licht der Welt-
      Doch oft hat sich herausgestellt
      Nach manchem trüb verbrachten Jahr,
      Daß dies der einzige Lichtblick war.

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Moers-Hülsdonk, Hauptfriedhof

Bild: Hanns-Eckard Sternberg (12/2005)

Rudi Strahl

 

Deutscher Schriftsteller; Sohn eines Schlossers; studierte Literaturwissenschaften, arbeitete als Landarbeiter und Werkzeugschlosser, war Hauptmann in der NVA (Nationale Volksarmee der DDR). Er verfaßte Gedichte, Erzählungen, Romane, Theaterstücke, Lust- und Hörspiele.

Werke u.a.: In Sachen Adam und Eva, Arno Prinz von Wolkenstein oder Kader entscheiden alles.

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Berlin, Friedhof Dorotheenstädt. u. Friedrichwerdersche Gemeinde

Ernst Jünger

 zwischen 1914 u.1918

Deutscher Schriftsteller; meldete sich 1913 bereits als Gymnasiast bei der Fremdenlegion, nahm als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teil und wurde mit dem Orden Pour le mérite ausgezeichnet. Seine Erfahrungen im Kriege verarbeitete er in seiner 1920 erschienenen und später kritisierten Tagebuchskizze In Stahlgewittern (Grauen als Erlebnis). Er blieb Mitglied der auf einhunderttausend Mann reduzierten Reichswehr bis 1923 und studierte anschließend bis 1925 Zoologie und Philosophie in Leipzig und Neapel; danach lebte er als freier Schriftsteller. Nachdem er 1923 im Völkischen Beobachter den Artikel Revolution und Idee veröffentlicht hatte, versuchten die Nationalsozialisten ihn später, allerdings vergeblich, zu vereinnahmen. Gegenüber den Machthabern des Dritten Reichs und deren Ideologie blieb er auf Distanz, war aber repräsentativer Ideologe einer antidemokratischen Rechten. Sein 1939 erschienener Roman Auf den Marmorklippen wurde als ein Werk inneren Widerstands gegen den Nationalsozialismus verstanden und folgerichtig verboten - allerdings erst, nachdem bereits 250.000 Exemplare verkauft worden waren. Während des Zweiten Weltkriegs hielt er sich als Offizier der Deutschen Wehrmacht und Mitglied des Stabes des deutschen Befehlshabers im besetzten Frankreich überwiegend in Paris auf, hatte u.a. Kontakt zu Jean Cocteau und Pablo Picasso. Nach dem gescheiterten Putsch gegen Hitler am 20. Juli 1944 wurde er aus der Armee wegen ”Wehrunwürdigkeit” entlassen (Jünger hatte Kontakt zu den Widerständler, verurteilte jedoch den ”Tyrannenmord”. Jünger zog sich daraufhin in den Schwarzwald zurück und gab sich der Insektenforschung hin. Bis zu seinem Tode blieb er umstritten, obwohl er zu seinem 100. Geburtstag Ehrungen auch von offizieller Seite erfuhr: u.a. besuchte ihn der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl, ebenso der israelische Staatspräsident Chaim Herzog.

Werke u.a.: Der Kampf als inneres Erlebnis (Essay, 1922), Der Arbeiter (Abhandlung, 1932), Auf den Marmorklippen (Roman, 1939), Heliopolis (1949), Strahlungen (1949), Das Sanduhrbuch (1954), An der Zeitmauer (1959), Subtile Jagden (1967), Die Zwille (1973), Siebzig verweht (5 Bde., 1980-97).

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Berlin, Friedhof Dorotheenstädt. u. Friedrichwerdersche Gemeinde

München, Nymphenburger Friedhof

Lena Christ

Deutsche Schriftstellerin; unehelich als Tochter einer Köchin geboren, wuchs sie bei ihrer Großmutter auf. Nachdem ihre Mutter geheiratet hatte, holte sie das Kind jedoch nach München, wo sie in der Gastwirtschaft ihres Stiefvaters schwere Arbeiten verrichten muß. Sie floh und trat ins Kloster in Ursberg (Lkrs.Günzburg) ein, verließ dieses jedoch wieder nach eineinhalb Jahren. Ihre erste, 1901 geschlossene Ehe mit einem trinksüchtigen Buchhalter scheiterte nach acht Jahren; als sie den Schriftsteller Peter Jerusalem kennenlernte, den sie 1912 heiratete, gab dieser ihr die Anregung, ihre schweren Kindheitserlebnisse niederzuschreiben. Mit Hilfe von Ludwig Thoma erschienen 1912 die Erinnerungen einer Überflüssigen. In den Folgejahren erschienen weitere Lebenserinnerungen und Romane über das einfache, zugleich schwere Leben in ihrer Zeit. Der einzige heitere Roman war Madam Bäuerin (1919), der 2001 vom BR verfilmt wurde Als sie in einem Lazarett einen jungen Soldaten kennenlernte, verließ sie bei Kriegsende ihrem Mann. An Tuberkulose erkrankt, in wirtschaftliche Schwierigkeiten verstrickt und von einer Gefängnisstrafe wegen Fälschens von Bilder bedroht, nahm sie sich durch Einnahme von Zyankali auf dem Münchner Waldfriedhof das Leben.

Werke u.a.: Lausdirndlgeschichten (1913), Mathias Bichler (1914), Unser Bayern anno 14/14 (1915), Rumplhanni (1916).

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München, Waldfriedhof (Alter Teil)

Bilder: Christoph Gilles

Wilfingen b. Biberach

Bilder: Heiko Bockstiegel (06/1996)

Breslau, Alter Jüdischer Friedhof

Friederike Kempner

Deutsche Dichterin; von ihrer Mutter erzogen, zog sie nach dem Tod ihrer Elter 1864 auf das der Familie gehörende Gut Friederikenhof. Kempner verfaßte zahlreiche von historischen und biblischen Vorlagen geprägte Dramen, u.a. Berenize (1850), Antigonos (1880), Jahe (1886), Der faule Fleck im Staate Dänemark oder: Eine lustige Heirat (1888). Geblieben sind ihre Werke als Lyrikerin. Ihre Gedichte erschienen 1873 und erfuhren immer wieder neue Auflagen. Bei den Literaturkritikern brachten diese ihr allerdings den Spottnamen “Schlesische Nachtigall“ und “Schlesischer Schwan” ein. Sie verfaßte Ende der 1880er Jahre auch zahlreiche Novellen, so Nettelbeck. Miß Maria Brown (1893), In der Goldenen Gans oder Eine Frage Friederich’s des Großen (beide 1898). Sie widmete sich aber auch sozialen Aufgaben, so kümmerte sie sich um Kranke und Arme und setzte sich in ihrer Schrift Gegen die Einzelhaft (1884) für eine Reform des Gefängniswesens ein. 1871 wurde sie für ihr Engagement im Deutsch-Französischen Krieg mit der “Gedenkmünze für Pflichttreue im Kriege“ ausgezeichnet.

Inschrift: Ihr Leben war geistiger Arbeit und Werken der Nächstenliebe geweiht.

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Ralph Giordano

 

 

Deutscher Schriftsteller und Publizist; Sohn einer jüdischen Mutter und eines aus Sizilien stammenden Vaters; wurde von der Gestapo verfolgt, konnte aber der Ermordung entgehen, da es ihm und seiner Familie gelang, sich bis zur Befreiung Hamburgs durch die englischen Truppen in einem Keller zu verstecken. Nach dem Ende des Nazi-Terrorregimes arbeitete er zunächst als Fernsehdokumentarist (Sammlung Die Spur Reportagen aus einer gefährdeten Welt, 1984). Giordano bemüht sich v.a. um Aufhellung der nationalsozialistischen Judenverfolgung; schrieb den Familienroman Die Bertinis (1982), mit dem er bekannt und der 1988 verfilmt wurde. Außerdem schrieb er über die Nahost-Problematik und veröffentliche zahlreiche Arbeiten zu tagespolitischen Themen.

Werke u.a.: Die zweite Schuld oder Von der Last ein Deutscher zu sein (1987), Israel. Um Himmelswillen Israel (1991), Wir sind die Stärkeren (1998).

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Köln, Südfriedhof

Kjeld Abell

 

 

Dänischer Dramatiker; besuchte die Kunstakademie, studierte Politische Wissenschaften und arbeitete anschließend als Theaterdekorateur zwischen 1927 und 1932 in Paris und London. Danach war er in einer Werbeagentur bis 1937 und von 1941 bis 1949 in der Direktion des Tivoli in Kopenhagen tätig. Seinen Durchbruch als Dramatiker hatte er mit seinem gesellschaftskritischen Märchenspiel Melodien der blev væk (Die Melodie, die verloren ging), die 1935 im “Riddersalen” ihre Uraufführung hatte.

Abell, der als einer der bedeutendsten Dramatiker Dänemarks im 20. Jahrhundert gilt, setzte sich in seinen Dramen häufig mit dem Faschismus und religiösen Fragen auseinander. Bereits vor der Besetzung Dänemarks durch die deutsche Wehrmacht, aber auch während der Besatzungszeit protestierte er mit seinen Stücken gegen den Verlust der Freiheit, so in.Anna Sophie Hedvig (1939), in dem er die Gewalt als Verteidigung der Freiheit gegen die Tyrannei akzeptierte, und Dronning gaar igen (1943). In Erinnerung bleiben wird auch sein Stück

Abell war während der Besatzungszeit- wegen seiner Werke verfolgt - gezwungen, sich immer wieder zu verstecken. In Silkeborg (1946) erhob er Anklage nicht nur wegen dere Passivität der Dänen während der Besetzung, sondern auch, weil sich ein Teil der Bevölkerung mit den Deutschen arrangiert hatte.

Er schrieb auch Drehbücher für einige Filme.

Werke u.a.: Judith (1940), Den blå pekingeser (1954, dt. Der blaue Pekinese), Skrige (1961, dt. Der Schrei).

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Bilder:  Norbert Seydinovic (05/2015)

Kopenhagen, Assistens-Friedhof

Graf Maurice Polydore Marie Bernard Maeterlinck

 

Belgischer Schriftsteller; eines von drei Kindern wohlhabender französischsprachiger katholischer Eltern; kam 1874 auf die unter Leitung von Jesuiten stehende Schule Sint-Barbara in Gent; Erfahrungen, die er dort sammelte bestimmten seine spätere abneigung des Katholizismus mit seinen strengen Regeln. Bereits während seiner Studienzeit begann er Gedichte und kurze Erzählungen zu verfassen, die er später vernichtete und von denen nur Fragmente erhalten sind. Nach dem Ende seines Jurastudiums, das er 1885 abschloß, lebte er einige Monate in Paris, wo er einige Mitglieder der neuen literarischen Bewegung des Symbolismus kennenlernte, darunter Stéphane Mallarmé und Villiers de l'Isle-Adam. 1890 wurde er mit seinem Schauspiel La princesse Maleine (dt. Prinzessin Maleine) berühmt.

Maeterlincks Werk gehört zu den wesentlichen Zeugnissen des Symbolismus, besonders seine handlungsarmen, düster-pessimistischen Dramen.

Werke u.a.: Pelleas und Melisande (1892, dt. Oper von Debussy, 1902), Der blaue Vogel (1909), Das Leben der Bienen (1901), Das Leben der Ameisen (1930)

Auszeichnungen u.a.: Nobelpreis für Literatur (1911).

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Bilder: Bernd wolter (05/2015)

Nizza, Auf dem Gelände des Palais Maeterlinck

Bilder: Wilfried Paque (11/2015)
Schriftsteller LXIV

Omnibus salutem!