Vergil eigentl. Publius Vergilius Maro

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Römischer Dichter; aus bäuerlichem Milieu stammend; sein Vater ermöglichte ihm eine Ausbildung in Mantua, Cremona und Mailand. Nach dem Anlegen der toga virilis (der Kleidung der männlichen Erwachsenen) am 15.10.55 v. Chr. kam Vergil zwischen 55 und 50 nach Rom, wo er dem Kreis der Neoteriker nahestand und sich mit Rhetorik, Medizin und Astronomie befaßte. 50 schloß er sich dem Kreis der Epikuräer um den angesehenen Lehrer Siro (griech Siron) an, die in der Nähe von Neapel ein Anwesen besaßen. Spätestens seit 42 v. Chr. hatte er u.a. Verbindungen zu Asinius Pollio, Cornelius Gallus und Varius Rufus, der ihn in den Kreis des Maecenas einführte, ihn großzügig unterstützte und förderte. Zu seinen Freunden zählten u.a. Oktavian, der spätere Kaiser Augustus, sowie viele römische Dichter wie Horaz und Properz. Sein Ruhm als bedeutendster Dichter des antiken Rom begründet sich hauptsächlich auf sein Nationalepos Aeneis, in der er in zwölf Büchern von den Taten und Irrfahrten des Aeneas, des Stammvaters der Römer, berichtet und auf die künftige Größe der gens populi Romani, des römischen Volkes, hinwies. Vergil, der sich im Alter zurückgezogen vorwiegend in Neapel aufhielt, starb nach der Rückkehr von einer Reise nach Griechenland. Vergils Werke galten von ihrer Entstehung bis in die Zeit des Barock als Inbegriff der Dichtung; im Hoch- und Spätmittelalter haben sich Dante in seiner Divina Comedia (Die göttliche Komödie) und während der italienischen Renaissance Torquato Tasso mit ihm und seinen Werke auseinandergesetzt.

 
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Vergil mit den Musen Klio (Geschichte, l.) und Melpomene (Dichtung)

(2. Jhdt n. Chr., aus Utica b. Karthago). Auf den Knien hält er das Manuskript mit der berühmten Passage aus dem Anfang der Aeneis (1,8-11):

        Musa, mihi causas memora, quo numine laeso,

die wie folgt weitergeht:

        quidquid dolens regina deum tot volvere casus
        insignem pietate virum, tot adire labores
        impulerit. Tantaene animis caelestibus irae?
      
[dt. Muse, nenne mir die Gründe, die die Götterkönigin so verletzte, was sie so kränkte, den durch Frömmingeit ausgezeichneten Mann in solche Nöte zu stürzen. Eines solch großen Grolls sind die Herzen der Himmlischen fähig?]

Werke u.a.: Bucolica, Georgica.

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Johann Gottfried Seume

                   

Deutscher Schriftsteller; der Sohn eines Bauern studierte - finanziell von Graf Wilhelm von Hohental unterstützt - in Leipzig Theologie und klassische Literatur. Aufgrund einer religiösen Identitätskrise brach er das Studium jedoch ab, um in Metz die Arillerieschule zu besuchen, wurde aber auf dem Weg dorthin 1781 von hessischen Soldatenwerbern ergriffen und zwangsweise nach Nordamerika eingeschifft, um dort auf englischer Seite im amerikanisch-englischen Kolonialkrieg kämpfen zu müssen. Auf der Rückfahrt von Amerika desertierte er in Bremen, wurde von preußischen Soldaten gefangengenommen und nach Emden verschleppt; erst nach mehreren gescheiterten Fluchtversuchen ließ man ihn gegen Kaution 1784 frei. Er nahm 1787 das Studium in Leipzig wieder auf, studierte jedoch diesmal Jura, Philosophie, Philologie und Geschichte und promovierte 1791, gefolgt 1792 von der Habilitation - wieder gefördert durch Graf Hohenthal -, und arbeitete als Schriftsteller und ab 1790 als Erzieher des jungen Grafen Igelström. 1792 folgte er freiwillig dem in russischen Diensten stehenden General Heinrich Freiherr von Igelström, dem Onkel seines Schülers, als Adjutant nach Warschau. Nach 10-monatiger polnischer Gefangenschaft und Rückkehr nach Leipzig wurde seinem Wunsch nach Entlassung aus russischen Diensten entsprochen, jedoch ohne Anspruch auf Pension. Ab 1797 arbeitete Seume als Korrektor bei dem Verleger und Buchhändler Georg Joachim Göschen in Grimma, bei dem er einige Werke übersetzte und einige eigene Schriften veröffentlichte. Mit Hilfe eines Darlehens seines Freundes Johann Wilhelm Ludwig Gleim brach er im Dezember 1801 zu seume_denkmalseiner durch seine Schilderung Spaziergang nach Syrakus... (1803) berühmt gewordene Fußreise nach Sizilien auf, die er im August 1802 beendete. 1805 unternahm er eine weitere Reise per pedes nach Rußland, Finnland, Schweden, die er in Mein Sommer 1805 (1806) beschrieb. Diese Berichte seiner Reisen sind aufgrund der Darstellung der damaligen sozialen, ökonomischen und politischen Verhältnisse in den bereisten Ländern von besonderer kulturhistorischer Bedeutung. Ab 1808 leidend und bedürftig, versuchte er immer wieder, zunächst vergeblich, eine Pension für seine Zeit in russischen Militärdiensten zu erlangen. Erst als er sich zu einer Kur in Teplitz aufhielt und dort starb, wurde ihm die Pension gewährt, um die sich zuletzt Christoph Martin Wieland für ihn eingesetzt hatte.

Werke u.a.: Ueber das Leben und den Karakter der Kaiserin von Rußland Katharina II. (1797), Zwey Briefe über die neuesten Veränderungen in Rußland seit der Thronbesteigung Pauls des Ersten (1797), Gedichte (1801).

 
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Titelblatt und Frontispiz der Erstausgabe von 1803

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Neapel, Parco Vergiliano

Gottlob Ferdinand (Max) Maximilian Gottfried von Schenkendorf

Deutscher Lyriker; studierte von 1798 bis 1806 im damals preußischen Königsberg und trat anschließend in den Staatsdienst ein. Die schmachvolle Niederlage Preußens in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt im Jahre 1806 hinterließ bei Schenkendorf einen starken Eindruck. Seine 1807 zusammen mit Freiherrn Ferdinand von Schrötter (*1785, †1863) und mit Unterstützung von Achim von Arnim und Johann Gottlieb Fichte herausgegebene Zeitschrift Vesta enthielt scharfe Angriffe gegen Napoléon, so daß dieser sie alsbald verbieten ließ. Am 15.12.1812 heiratete Schenkendorf in Karlsruhe, wohin er ihr gefolgt war, die neun Jahre ältere Witwe Henriette Elisabeth Barclay (*1774, †1840), die er schon in Königsberg kennengelernt hatte (bei der Trauung war u.a. Johann Heinrich Jung-Stilling anwesend, durch dessen Verbindungen die Eheschließung erst möglich wurde - Fremde durften damals in Baden nicht heiraten). Obwohl als Folge eines Pistolenduells mit einem General seine rechte Hand gelähmt war, nahm er 1813 als Freiwilliger an den Befreiungskriegen gegen Napoléon teil; ab 1815 war er für das Militärgouvernement in Aachen und in Köln tätig. Ende des Jahres 1815 ließ er sich schließlich in Koblenz nieder: Schenkendorf verfaßte z.T. volkstümliche, patriotische aber auch religiöse Lieder.

Werke u.a.: Brich an du schönes Morgenlicht, In dcie Ferne möcht’ ich ziehen, Das Eiserne Kreuz, Der Königssohn, Frühlingsgruß an das deutsche Vaterland, Wenn alle untreu werden.

        Freiheit (1. & 2. Strophe)

        Freiheit, die ich meine,
        Die mein Herz erfüllt,
        Komm mit Deinem Scheine,
        Süßes Engelbild.

        Magst du nie dich zeigen
        der bedrängten Welt?
        Führest deinen Reigen
        nur am Sternenzelt?

         Soldaten-Morgenlied

        Erhebt euch von der Erde
        Ihr Schläfer, aus der Ruh!
        Schon wiehern uns die Pferde
        Den guten Morgen zu,
        Die lieben Waffen glänzen,
        So hell im Morgenrot;
        Man träumt von Siegeskränzen,
        Man denkt auch an den Tod. -
        Komm mit Deinem Scheine,
        Süßes Engelbild.

        Ein Morgen soll noch kommen,
        Ein Morgen mild und klar;
        Sein harren alle Frommen,
        Ihn schaut der Engel Schar.
        Bald scheint er sonder Hülle
        Auf jeden deutschen Mann:
        O bricht, du Tag der Fülle
        Du Freiheitstag, brich an!

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Koblenz, Hauptfriedhof

Bild: Martina Schulz

Schenkendorfs Geburtshaus in Tilsit in der Packhofstraße, heute Uliza Gerzena

Paul Éluard eigentl. Eugène-Émile-Paul Grindel

 

Französischer Lyriker; als bei ihm 1912 Tuberkulose festgestellt wurde, kam er zu einem Kuraufenthalt in Davos, wo er 1913 die Russin Helene Dimitrownije Diakonowa (“Gala”) kennenlernte, die er 1917 heiratete und die sich 1932 von ihm wieder scheiden ließ, um Salvador Dali zu heiraten. Hier veröffentlichte er mit finanzieller Unterstützung seines Vaters, eines Immobilienmaklers, erstmals Gedichte. 1919 wandte er sich mit André Breton und Louis Aragon dem Dadaismus zu, nachdem er zuvor Max Ernst kennengelernt hatte, mit dem er in der Folge zusammenarbeitete. 1922 brach er mit dem Dadaismus und wandte sich dem Surrealismus zu, zu dessen führenden Vertreter er wurde. Politisch engagierte er sich seit den 1930er Jahren gegen den Faschismus und war seit 1940, nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Frankreich, in der Résistance aktiv. Dabei wurde er von seiner zweiten Frau, der deutschstämmigen, in Paris lebenden Schauspielerin Nusch née Maria Benz, die er 1934 geheiratet hatte, unterstützt, indem sie seine subversiven Schriften vor dem Zugriff durch die Nazis und französische Kollaborateure bewahrte, indem sie diese in Bonbonschachteln versteckte. 1942 wurde er erneut Mitglied der französischen KP, der er bereits von 1926 bis 1933 angehört hatte. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges unternahm er zahlreiche Reisen, um u.a. an Friedenskongressen teilzunehmen, u.a. 1948 zusammen mit Picasso in Warschau und Mexiko, wo er seine dritte Frau Dominique kennenlernte.

Werke u.a.: Hauptstadt der Schmerzen (1926), Die öffentliche Rose (1934), Sieben Liebesgedichte im Kriege (1943), Politische Gedichte (1948).

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Teplice (Teplitz-Schönau), Tschechien), Stadtpark

Gertrude Stein

Van Vechten Collection, reproduction number LC-USZ62-103680. no_copyright

US-amerikanische Schriftstellerin; jüngere Schwester des Kunstsammlers Leo Stein; einer wohlhabenden deutsch-jüdischen Familie entstammend, verlebte sie ihre Kindheit in Europa und Kalifornien und studierte an den Universitäten Harvard und John Hopkins Psychologie und Medizin. 1902 ging sie nach Paris und lebte dort - mit Ausnahme der Jahre von 1942 bis 1944, in denen sie während der deutschen Besatzung von Paris in Südfrankreich lebte - ab 1912 mit ihrer Lebensgefährtin Alice Toklas zusammen. In ihrem Pariser Salon trafen sich die Maler der Moderne wie z.B. Pablo Picasso, Henri Matisse, George Braque und in Paris lebende amerikanische Schriftsteller (u.a. Ernest Hemingway, John Dos Passos, F. Scott Fitzgerald), für die sie die Bezeichnung ”Lost Generation” kreierte und die von ihr literarisch beeinflußt wurde. Ihr Hauptwerk Three lives erschien 1909 (dt. Drei Leben). Ihr umfangreiches Werk, zu dem auch Lyrik, Opernlibretti und Theaterstücke zählen, übt bis heute eine deutliche Wirkung auf Literatur und Kritik aus.

 

mit Alice Toklas (l) 1908 in Venedig

 

 

 

Werke u.a.: The making of Americans (1925), The Autobiography of Alice B.Toklas (1933).

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Paris, Cimetiére du Père Lachaise

Giannis Ritsos

Neugriechischer Lyriker; der jüngste Sohn einer Landbesitzerfamilie sympathisierte in den 1930er Jahre mit der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) und war während der Besatzung Griechenlands durch deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg im Widerstand. Wegen seines linksgerichteten Engagements wurde er wiederholt verfolgt; so war er zwischen 1948 und 1952 auf verschiedene Inseln verbannt. Nach einer erneuten Verhaftung im Jahre 1967 während des Athener Militärregimes wurde er allerdings 1968 wieder freigelassen, mußte sich jedoch bis 1972 auf Samos zwangsweise aufhalten. Seine Dichtung umfaßt politische Lyrik, langzeilige Monologe, die die Umbeweglichkeit und Bequemlichkeit der griechischen Gesellschaft schildern, sowie kurze, aber prägnante Dichtungen, die zum Teil von Mikis Theodorakis (*1925) vertont worden sind. In Deutschland bekannt sind u.a. Zeugenaussagen (1968), Mit dem Maßstab der Freiheit (1972) und Erotika (1981).

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Paris, Cimetiére du Père Lachaise

Karl Ludwig von Knebel

                

Deutscher Lyriker und Übersetzer; begann in Halle 1764 ein Jurastudium, das er jedoch schon bald abbrach. 1765 wurde er in Preußen Offizier im Regiment des Prinzen von Preußen, begann in dieser Zeit bereits mit der Übersetzung römischer Klassiker und verfaßte erste eigene Werke. Nach der Beendigung seines militärischen Dienstes reiste er 1773 zu Christoph Martin Wieland nach Weimar und wurde dort im Folgejahr von Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach Hofmeister und mit der Erzieher deren Söhne Constantin und Carl August verpflichtet. Während eines Zwischenaufenthaltes auf einer Reise nach Paris, wohin er die beiden Prinzen 1774 begleitete, lernte er Johann Wolfgang von Goethe kennen, der ihn nach Weimar einlud. Knebel vermittelte später im Streit zwischen dem Dichterfürsten und Wieland. Nach Knebels Übersiedlung nach Weimar wurde er der engste Freund ("Urfreund") Goethes. Beide pflegten ein gemeinsames Steckenpferd - die Geologie. So berichtet Goethe, den Knebel öfters auf seinen Dienstreisen begleitete, in seinem Italienaufzeichnungen von Gestein, das Knebel ihm schenkte. Knebel, der von Carl August zum Major befördert wurde und eine lebenslange Pension erhielt, gab das Erzieheramt 1780 auf. 1789 heiratete er die Weimarer Kammersängerin Luise Rudorff und zog mit ihr nach Ilmenau, bevor beide 1805 sich in Jena niederließen.

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Karl Leberecht Immermann

       

Deutscher Schriftsteller und Theaterintendant; Sohn eines preußischen Kriegs- und Domänenrates; studierte Jura von 1813 bis 1817 an der Universität Halle (Saale) und trat anschließend in den preußischen Staatsdienst ein. Ab 1824 arbeitete er als Kriminalrichter in Magdeburg und wechselte 1827 nach Düsseldorf, wo er zunächst Landgerichtsrat war. Dort begründete er 1832 das Stadttheater, das er bis 1837 leitete. Sein zwischen Romantik und Realismus stehender Roman Die Epigonen (3 Bde., 1836) zeigt die Auflösung der alten Gesellschaftsformen. Der humoristische Roman Münchhausen (4 Bde., 1838/39) und das komische Heldenepos Tulifäntchen (1830) sind Zeitsatiren.

Werke u.a.: Das Thal von Ronceval (1819), Die Prinzen von Syracus (1821), Das Trauerspiel im Tyrol (1827), Alexis (1832).

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Monemvasia, auf der gleichnamigen griechischen Insel

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Düsseldorf, Golzheimer Friedhof

Jena, Alter Friedhof

Inschrift: В этом доме родился поэт... [In diesem Haus wurde Max v. Schenkendorf geboren]

Schriftsteller LXX

Omnibus salutem!