Leo Perutz eigentl. Leopold Perutz

 

Österreichischer Schriftsteller; der älteste Sohn einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie kam 1901 mit seinen Eltern nach Wien, wo er Versicherungsmathematik studierte. Nach seiner schweren Verwundung im Erste Weltkrieg schwer verwundet, war er nach seiner Wiederherstellung im Jahre 1917 im Kriegspressequartier beschäftigt, in dem auch Hugo von Hofmannsthal, Robert Musil, Rainer Maria Rilke und Franz Werfel Dienst taten und mit denen er teilweise noch lange in Briefkontakt stand. Nach Ende des Krieges arbeitete er bis 1923 bei einer Versicherungsgesellschaft in Wien. Seine erste Erzählung, Der Tod des Messer Lorenzo Bard, hatte Richard Beer-Hofmann bereits im Jahre 1907 in der Wiener Zeitung Die Zeit veröffentlicht. Seinen literarischen Durchbruch hatte er jedoch erst 1923 mit seinem phantastischen Roman Der Meister des Jüngsten Tages. Zusammen mit anderen Autoren verfaßte er u.a. Theaterstücke. Perutz, der ein begeisterte Besucher der Wiener Cafés war (sein Stammcafé war das Café Herrenhof) und als “Womanizer” galt, schloß Freundschaft u.a. mit Alexander Lernet-Holenia. Nach der “Machtergreifung” durch die Nationalsozialisten wurden seine Werke in Deutschland boykottiert. Vor dem Anschluß Österreichs und der deutschen Besetzung der Tschechoslowakei erschien dort und in Ungarn allerdings noch sein historische Roman Der schwedische Reiter (1936). 1938 ging zunächst nach Venedig und emigrierte dann weiter nach Palästina, einem damals weitgehend agrarischem Land, niederließ. In Tel Aviv, wo er schließlich wohnte, war er wieder als Versicherungsmathematiker tätig und arbeitete zugleich an seinem Künstlerroman Der Judas des Leonardo, der 1959 posthum erschien. 1940 nahm er die dortige Staatsbürgerschaft an. Die Staatsgründung Israel, die mit einer Vertreibug der arabischen Bevölkerung einherging, lehnte er ab, war für einen gemeinsamen Staat der Juden und Palästiner. Er kehrte ach Österreich zuück ud nahm 1951 wieder die österreichische Staatsbürgerschaft an. Seie letzte Jahre verbrachte er in Wien und im Salzkammergut. Seine spannenden Romanen, von denen einige auch verfilmt wurden, wurden seit Mitte der 1980er Jahre für ein größeres Publikum wiederentdeckt. Zu seinen Bewunderern gehörte u.a. Ian Fleming, der Erfinder des MI5-Agenten James Bond, und Jorges Luis Borges, der ihn durch Übersetzungen auch in Argentinien bekannt machte.

Werke u.a.: Die dritte Kugel (1915), Das Mangobaumwunder. Eine unglaubwürdige Geschichte (1916), Das Gasthaus zur Kartätsche. Eine Geschichte aus dem alten Österreich (1920), Der Marques de Bolibar (1920), Die Geburt des Antichrist (1921), Der Meister des Jüngsten Tages (1923), Wohin rollst Du, Äpfelchen ... (1928), St. Petri-Schnee (1933), Der schwedische Reiter (1936), Nachts unter der steinernen Brücke. Ein Roman aus dem alten Prag (1953), Der Judas des Leonardo (1959 postum erschienen).

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Bad Ischl, Friedhof

Bild: Alexander Krischnig (2007)

Alphonse Marie Louise Prat de Lamartine

                 

Französischer Schriftsteller; war zunächst Offizier und dann in diplomatischen Missionen tätig (1820/21 in Neapel, 1825-28 in Florenz). 1820 erschienen seine von der Liebesbegegnung mit der früh verstorbenen Julie Charles (1817) inspirierten Méditations poétiques (dt. Poetische Betrachtungen), die seinen literarischen Ruhm begründeten; 1830 wurde er Mitglied der Académie française. Nach dem Ausbruch der Julirevolution 1830 wandte er sich der aktiven Politik zu jund wurde 1833 als Abgeordneter in die Kammer gewählt, wo er eine von christlichem Idealismus geprägte liberale Position vertrat und als Redner eine außergewöhnliche Popularität erlangte. Aufgrund der ideologischen Wirkung seiner Histoire des Girondins (1847, dt. Geschichte der Girondisten) hatte er Anteil am Sturz der Julimonarchie. Nach der Februarrevolution 1848 wurde er Chef der provisorischen Regierung, dann Außenminister der Republik, konnte sich jedoch bei den Präsidentschaftswahlen gegen Louis Napoléon Bonaparte nicht durchsetzen und zog sich nach dessen Staatsstreich 1851 aus der Politik zurück.

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Saint-Point (Bourgogne), Friedhof

Bilder: B. Wolter (08/2007)

Romain Rolland

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Französischer Schriftsteller; der Sohn eines Notars begann bereits im Alter von 11 Jahre mit dem Schreiben. Er besuchte die École Normale Supérieure, an der er später Kunstgeschichte lehrte. Bevor er von 1903 bis 1912 Professor für Musikwissenschaft an der Sorbonne in Paris war. Von 1886 bis 1889 hielt er sich in Rom auf. Von 1914 bis 1937 lebte er, seiner pazifistischen Überzeugung folgend, in der Schweiz, wo er sich gegen Militarismus, Krieg und den wachsenden Nationalismus in Europa engagierte. Später unternahm er zahlreiche Reisen, u.a. 1935 in die Sowjetunion, wo er auch mit Maxim Gorki zusammentraf. Seine Lebenserinnerungen Mémoires erschienen 1956 posthum. Sein Hauptwerk erschien unter dem Titel Jean-Christophe (10 Bde., 1904-12, Johann Christof).

Werke u.a.: Les loups (1898, dt. Die Wölfe), Vie de Beethoven (1903, dt. Beethoven), L’âme enchantée (1922-33, dt. Verzauberte Seele).

Auszeichnungen u.a.: Nobelpreis für Literatur (1915).

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Bilder: B. Wolter (08/2007)

Brève (Dép. Nièvre), Cimitière de Village

Ambroise Paul Toussaint Jules Valéry

 

Französischer Schriftsteller; nach dem Studium in Montpellier zog er 1892 nach Paris, wo er sich mit André Gide und Stéphane Mallarmé, der ihm geistiges und ästhetisches Vorbild wurde, anfreundete; zugleich gehörte zum Kreis um den Maler Edgar Degas. Von 1897 bis 1900 war Valéry als Beamter im Kriegsministerium tätig und war von 1900 bis 1922 als Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Agence Havas tätig, danach als freier Schriftsteller. Seit 1937 war er Professor für Poetik am Collège de France.

Werke u.a.: La soirée avec Monsieur Teste (1896, dt. Herr Teste), Introduction à la méthode de Léonard de Vinci (1895, dt. Leonardo), La jeune Parque (1917; dt. Die junge Parze), La conquête allemande (1897, dt. Eine methodische Eroberung), Album de vers anciens (1920, dt. Album alter Verse), L’âme et la dance (1923, dt. Die Seele und der Tanz), Variété I-V (1924-44), L’Idée fixe (1932, dt. Die fixe Idee oder Zwei Männer am Meer), Pièces sur l'art (1931, dt. Über Kunst), Tel Quel (2 Bde., 1941-43, dt. So wie es ist).

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Sète, Cimetière Marin

Bild: Florrie Bassingbourn (04/2004) flickr.com

Henry Bataille

 

Französischer Schriftsteller; wollte ursprünglich Maler werden; so veröffentlichte er 1901 ein Album mit Lithographien unter dem Titel Têtes et pensées (dt. Köpfe und Gedanken) mit Porträts berühmter Literaten seiner Zeit u.a. denen von Jules Renard, André Gide, Octave Mirbeau, wandte sich schließlich aber der schreibenden Zunft zu und entwickelte sich zu einem erfolgreichen Boulevarddramatiker während der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert. In seinen frühen Stücken stellte er die Leidenschaft gegen die gesellschaftlichen Zwänge, später die Werte der Moral in den Mittelpunkt. Zentrales Thema seiner Stücke ist die psychologische Analyse der Leidenschaft als treibende Kraft des menschlichen Verhaltens.

Werke u.a.: L’Enchantement (1900), Maman Colibri (1904); La marche nuptiale (1905), La femme nue (1908), La divine tragédie (1917), La possession (1921), La chair humaine (1922).

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Moux (Dép. l'Aude)

Bild: Con Ryan (09/2006)
Bilder: Klaus Decker

Richard Horatio Edgar Wallace

wallace_edgar_bdQuelle: Bundesarchivcc_somerightsreserved

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Englischer Schriftsteller; der unehelicher Sohn des Schauspielers Richard Horatio Edgar wurde von dem Lastträger Georg Freeman adoptiert und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Nachdem er im Alter von zwölf Jahren die Schule ohne Abschluß verlassen hatte, arbeitete er u.a. als Drucker, Schuhverkäufer und Matrose. Während des Burenkrieges war er in Südafrika als Korrespondent für die Nachrichtenagentur Reuters tätig. Später wurde er Herausgeber der Rand Daily Mail. Nach England zurückgekehrt, publizierte er The Four Just Men (1906, dt. Die vier Gerechten), dem neben Kurzgeschichten und Theaterstücken und Südafrikaromanen (u.a. Sanders Of The River, 1911, dt. Sanders vom Strom); The Keepers Of The King's Peace (1917, dt. Hüter des Friedens) über 170 meist triviale Kriminalgeschichten folgten, wobei er zahlreiche dieser Romane in kurzer Folge veröffentlichte. Viele seiner Werke erfuhren erfolgreiche Theateraufführungen in England und wurden verfilmt u.a. The Gaunt Stranger (1925, dt. Der Hexer) und The Squeaker (1926, dt. Der Zinker), The Door With Seven Locks, (1926, dt. Die Tür mit den sieben Schlössern). In Deutschland entstand bereits 1929 der erste Edgar Wallace-Film, Der rote Kreis, noch als Stummfilm; 1931 entstand unter der Regie des tschechischen Regisseurs Karel Lamac (*1897, †1952) der erste Wallace-Tonfilm Der Zinker, gefolgt 1932 von dem Leinwandstreifen Der Hexer. Wallace, der an Diabetes litt, starb während der Arbeit an dem Drehbuch für den Film King Kong. Obwohl Wallace über sehr gute Einkünfte aus Tantiemen verfügte, hinterließ er aufgrund seiner Spielleidenschaft Schulden in Höhe von mehr als £140.000.

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Little Marlow, Fern Lane Churchyard

Bilder: Klaus Decker

Ian Lancaster Fleming

 

Englischer Schriftsteller; der Sohn eines Unterhausabgeordneten der Konservativen Partei wurde in Eton, das er ebenso vorzeitig verlassen mußte wie die Militätakademie Sandhurst, erzogen; anschließend studierte er Sprachen in München und Genf. Zunächst war er journalistisch tätig. Von 1929 bis 1933 arbeitete Fleming als Korrespondent für die Nachrichtenagentur Reuters in Moskau. Bis 1945 bekleidete er in London eine Position im Finanzwesen. Während des Zweiten Weltkrieges war er persönlicher Assistent des Geheimdienstleiters der britischen Marine. Danach arbeitete er wieder als Journalist für The Sunday Times, bis er sich schließlich in Jamaika niederließ. Flemings weltweiter Bekanntheitsgrad gründet sich auf seine Romane um den Geheimagenten James Bond, der als Mitglied des britischen Geheimdienstes MI5 nicht nur über eine “Lizenz zum Töten” verfügte, sondern Liebling der Sekretärin im MI5, Miss Moneypenny, war und über einen wahren Reigen weiblicher Geliebter verfügte. Viele seiner Romane wurden erfolgreich verfilmt, u.a. mit Sean Connery, Roger Moore, Timothy Dalton und Pierce Brosnan in der Titelrolle.

Werke u.a.: Casino Royale (1953), From Russia with Love (1957, dt. Liebesgrüße aus Moskau), Dr. No (1958, dt. 007 James Bond jagt Doktor No), Goldfinger (1959, dt. James Bond contra Goldfinger), Thunderball (1961, dt. Feuerball), You Only Live Twice (1964, dt. Du lebst nur zweimal), The Man with the Golden Gun (posthum 1965, dt. 007 James Bond und der Mann mit dem goldenen Colt).

Inschrift: Omnia pertunctus vitae praemia marces.

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Sevenhampton, Saint Andrew's Churchyard

Bilder: Bernd Wolter (08/2007)

Brigitte Reimann

Bild  Bundesarchiv 183-B0204-015-006 / CC-BY-SA cc_somerightsreserved

Deutsche Schriftstellerin; ältestes von vier Geschwistern; arbeitete nach dem Abitur zunächst als Lehrerin, bevor sie mit dem Schreiben begann und mit 22 Jahren ihr erstes Buch - Der Tod der schönen Helena - publizierte. 1953 wurde sie in die Arbeitsgemeinschaft Junger Autoren des Schriftstellerverbandes Magdeburg aufgenommen und beschloß nun, fortan als freie Schriftstellerin zu arbeiten. 1956 wurde sie Mitglied im Schriftstellerverband der DDR und 1963 in den Vorstand gewählt, nachdem sie 1961 ihren ersten Literaturpreis erhalten hatte. Ein Jahr zuvor war sie nach Hoyerswerder gezogen, wo sie im VEB Gaskombinat Schwarze Pumpe arbeitete, um aus dem Zusammenarbeiten mit der arbeitenden Bevölkerung Anregung für Ihre schriftstellerische Tätigkeit zu ziehen. 1961 erschien auf der Grundlage dieser Erfahrungen ihre Erzählung Ankunft im Alltag, die eine eigene Gattung in der DDR-Literatur begründete, die “Ankunftsliteratur”. 1963 erschien ihre Erzählung Die Geschwister, für den sie mit dem Heinrich-Mann-Preis ausgezeichnet wurde. 1965 veröffentlichte sie ihre Eindrücke von einer Studienreise durch Sibirien, an der sie als Delegierte des Zentralrats der Freien Deutschen Jugend (FDJ) teilgenommen hatte, unter dem Titel Das grüne Licht der Steppen, Tagebuch einer Sibirienreise. U.a. nahm auch Christa Wolf an dieser Reise teil, wobei die beiden Frauen sich anfreundeten und in regem brieflichem Kontakt blieben.

Brigitte Reimann war dreimal verheiratet: Nachdem sie sich 1958 von ihrem ersten Mann, dem Maschinenschlosser Günter Domnik hatte scheiden lassen, heiratete sie 1959 den Schriftsteller Siegfried Pitschmann, mit dem sie mehrere gemeinsame Werke, auch Hörspiele, schuf. Die Ehe wurde 1964 geschieden. Vier Jahre später verließ sie Hoyerswerder und zog nach Neubrandenburg, wo sie bis zu ihrem Tod lebte. Auch ihre dritte Ehe ging in die Brüche; sie wurde 1970 geschieden.

 2004 wurde über ihr Leben der FernsehfilmHunger auf Leben mit Martina Gedeck (*1961) in der Hauptrolle gedreht.

Werke u.a.: Die Frau am Pranger (1956), Das Geständnis (1960), Die Geschwister (1963); ihre Tagebuchaufzeichnungen der Jahre 1955 bis 1963 Ich bedaure nichts und 1964 bis 1970 Alles schmeckt nach Abschied erschienen posthum, ebenso wie ihr Roman Franziska Linkerhand (1974).

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Bilder: Thomas Haas (06/2012)

Oranienbaum-Wörlitz OT Oranienbaum, Friedhof

Hinweis: Brigitte Reimann wurde zunächst in Burg b. Magdeburg beigesetzt, bevor ihre Urne 1991 in die Grabstätte ihrer Eltern nach Oranienbaum überführt wurde.

Schriftsteller XCV

Omnibus salutem!