Alfred Willi Rudolf “Rudi Dutschke

Bild:  Petar Marjanovicno_copyright

 

Deutscher Studentenführer; der Sohn eines Postbeamten wuchs in der DDR auf, wo ihm als Wehrdienstverweigerer ein Studium verweigert wurde, so daß er das Abitur in West-Berlin wiederholte und sich an der dortigen Freien Universität im Fach Soziologie immatrikulierte. Als 1961 die Mauer errichtet wurde, blieb er in West-Berlin. 1963 schloß er sich der “Subversiven Aktion”, die ein Jahr später im SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund) aufging, an und entwickelte sich zu dessen führendem Theoretiker. Während der sog. 68er Bewegung trat er mehr und mehr durch seine Agitationen gegen das Establishment in das Bewußtsein der Öffentlichkeit. So organisierte er als Agitator der APO (Außerparlamentarische Opposition) studentische Protestaktionen u.a. gegen die Presse Axel Springers, die letztlich am 11.4.1968 zu einem Attentat auf ihn durch den durch die Springer-Kampagnen aufgehetzten 23-jährigen Anstreicher Josef Bachmann führten (Bild-Zeitung: ”Stoppt Rudi Dutschke”), der ihn mit den Worten “Du dreckiges Kommunistenschwein!” ansprach und drei Schüsse auf ihn abgab, die ihn am Kopf lebensgefährlich verletzten (2009 stellte sich heraus, daß der Attentäter gem. Stasi-Akten Kontakt zu Rechtsradikalen hatte). Während er sich innerhalb der nächsten drei Jahre durch harte Training sein Sprachzentrum langsam erholte, titelte das Massenblatt Bild zynisch: ”Dutschke flucht schon wieder.” Nach seiner Genesung von den schweren Verletzungen lud der Komponist Hans Werner Henze ihn, seine Frau Gretchen und seinen Sohn nach Rom ein. Schließlich erhielt er von der Universität Cambridge die Zulassung zur Promotion, die allerdings wegen der politischen Veränderungen in England widerrufen wurde. Er zog daher 1971 ins dänische Århus, erhielt eine Assistentenstelle an der Universität und begann, sich wieder politisch zu engagieren. Allerdings hatte sich mittlerweile das politische Klima in Deutschland verändert; der SDS hatte sich 1970 aufgelöst, aber auch Dutschke selbst hatte sich verändert: Er war weniger selbstsicher, ja ängstlich geworden, konnte nicht mehr vor einer größeren Zuhörerschaft sprechen. Ernst Bloch, dessen Schüler er gewesen war, und der ihn in Århus besuchte, versuchte, ihm wieder Mut zu machen. 1973 hielt er seine erste öffentliche Rede nach dem Attentat auf ihn auf einer Anti-Vietnam-Demonstration in Bonn. 1976 hielt er einen Vortrag in Freiburg, ging aber auf aktuelle Probleme in Deutschland nicht ein. Anfang der 1980er Jahre glaubte Dutschke, einst im SDS als “Putschke” apostrophiert, bei den Grünen eine neue politische Heimat zu finden, findet aber kaum noch Gehör. Kurz vor seinem geplanten Beitritt zur Partei der Grünen in Bremen, starb Dutschke an den Spätfolgen des Attentats während eines epileptischen Anfalls in der Badewanne. Von Dutschke stammt das Schlagwort vom ”Marsch durch die Institutionen”, das er Gedenktafel am Ort des Attentatsseit 1967 in Anlehnung an den Langen Marsch Mao Zedongs verwendete. Im Laufe dieses ”Marsches” sollte das ”repressive System” der Bundesrepublik Deutschland allmählich abgebaut werden.

Gedenkplakette an der Stelle, an der auf Dutschke geschossen wurde.

 

 

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Berlin, St. Annen Kirchhof, Dahlem-Dorf

Julius August Walther von Goethe

       

Großherzoglich-sächsischer Geheimer Kammerrat; einziges von fünf Kindern aus der Verbindung Goethes mit Christiane Vulpius, das das Kindbett überlebte. August erhielt eine vorzügliche Ausbildung, die ihn auf einen Posten bei Hofe vorbereiten sollte. Da August jedoch eher "praktisch begabt" war, schickte sein Vater ihn auf Reisen, um ihn bei Amtsgeschäften zu vertreten. Im Alter von 27 Jahren heiratete er Ottilie Freiin von Pogwisch. Die Ehe war unglücklich, da die literarisch interessierte und sehr ambitionierte Ottilie ihn zunehmend überforderte, so daß August sich ihr durch Reisen entzog oder dem Alkohol zusprach. Sogar eine Scheidung wurde von Ottilie in Erwägung gezogen. Trotz der privilegierten Geburt und seiner Talente, stand er stets im Schatten seines berühmten Vaters.

Inschrift: Goethes Sohn, Dem Vater vorangegangen, Gestorben im 40. Lebensjahr.

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Hannelore Kohl

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Frau des Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl; die Tochter des Direktors und Prokuristen des größten mitteldeutschen Rüstungsbetriebs während des Zweiten Weltkrieges und seit 1944 Wehrwirtschaftsführer. Nach einem aus wirtschaftlichen Gründen abgebrochenem Sprachstudium absolvierte Hannelore Kohl, die in Leipzig aufgewachsen und mit ihrer Familie 1945 in die Pfalz geflüchtet war, eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin. 1960 heiratete sie den späteren Bundeskanzler Helmut Kohl, den sie bereits 1948 kennengelernt hatte. Als Gattin des Kanzlers engagierte sie sich für Menschen mit Schädel-Hirn-Verletzungen, für die sie 1983 das Kuratorium ZNS gründete und Millionenbeträge sammelte. Sie wählte aufgrund der sogenannten Lichtallergie, unter der sie sehr litt, den Freitod.

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Ludwigshafen-Friesenheim, Friedhof

August von Goethes Grab (rechter Hand) auf einem Stich aus dem 19. Jahrhundert

Rom, Cimitero Acattolico per gli Stranieri - Friedhof an der Cestiuspyramide (Testaccio)

Bild: Ulrich Bork (10/2004)
Bilder: Josef Aschenbrenner (06/2005)

Georg Ludwig von Trapp

                              

 

Österreichischer k.k. Marineoffizier; Sohn des Fregattenkapitäns August von Trapp; nach einer Ausbildung an der Marineakademie der österreichisch-ungarischen Kriegsmarine in Fiume ab 1894, die er als Seekadett 2. Klasse 1898 abschloß. nahm er 1900 als Mitglied des aus acht Staaten zusammengesetzten Militärkorps an der Erstürmung des Taku-Forts während des Boxeraufstandes in China teil. Vom 1.7.1910 bis 2.7. 1913 war ihm der Oberbefehl über das U-Boot SM U 6 übertragen. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges befehligte von Trapp das Torpedoboot T 52, bevor ihm am 17.4.1915 das Kommando über das U-Boot SM U 5 übertragen wurde. Mit ihm gelang ihm die Zerstörung des italienischen Panzerkreuzer Leon Gambetta und die Torpedierung das italienische U-Boot Nereide. Ab 14.10.1915 war er Kommandant des französischen, von Österreich erbeuteten und in U 14 umbenannten U-Boots Curie. Am 1.5.1918 wurde von Trapp zum Korvettenkapitän befördert, und er erhielt das Kommando über die U-Boot-Station in der Bucht von Cattaro (Kotor). In der Folge der Weltwirtschaftskrise verlor von Trapp, der sich Anfang der 1920er Jahre an Reedereien beteiligte, 1934 sein von seiner Ersten Frau geerbtes Vermögen. Als Ausweg aus der finanziellen Krise gründete seine Frau Maria 1935 den Chor Trapp, der zwei Jahre später unter der künstlerischer Leiter des Hauskaplans Franz Wasner (*1905, †1992) in Salzburg den ersten Preis des Volkssängerwettbewerbs der Salzburger Festspiele. Da er Hitler und den Nationalsozialismus ablehnte, nutzte von Trapp eine Konzertreise nach Italien, um mit seiner Frau und den Kindern nach dem “Anschluß” Österreichs an das Deutsche Reich in die Vereinigten Staaten zu emigrieren. Bevor die Familie sich 1941 in Stowe niederließen, wohnte sie kurzzeitig in Merion (Pennsylvania). In Stowe erbaute Georg v. Trapp dann ein Haus, das er “Cor Unum“ (Ein Herz) nannte, und gründete dort ein Hotel, welches bis heute als "Trapp Family Lodge" weltbekannt ist. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges organisierte die Familie Hilfsmaßnahmen für die österreichischen Bevölkerung; unter dem Namen “Trapp Family Austrian Relief Inc” wurden Kleidungsstücke gesammelt und Nahrungsmittel bereitgestellt. Maria von Trapp begann bald mit dem Familienchor, der als “Trapp Family Singers" bekannt wurde, in den USA erfolgreiche Konzertreisen. Weltweite Berühmtheit erlangte sie durch den Hollywood-Film Sound of Music, besetzt mit Julie Andrews und Christopher Plummer (später wurde unter dem Titel Sound 2 of Music (1965, dt. Die Trapp-Familie in den USA) noch ein weiterer Film gedreht, der dann in 25 Sprachen synchronisiert wurde). In Deutschland wurde 1956 unter der Regie von Wolfgang Liebeneiner mit Ruth Leuwerik und Hans Holt in den Hauptrollen der Streifen Die Trapp-Familie und Die Trapp-Familie in Ameria zu einem sehr großen Erfolg der Nachkriegszeit.

Georg von Trapp war zweimal verheiratet: Im Januar 1911 hatte er Agathe Whitehead, Tochter des Industriellen und Torpedofabrikanten John Whitehead und Enkelin des Erfinders des Torpedos, Robert Whitehead, die er auf einem Ball kennengelernt hatte, geheiratet. Sie zog zu Beginn des Krieges vom kroatischen Pula, dem Geburtsort der Tochter Agathe (*1913, †2010), die als Vorbild für die 16jährige Liesl von Trapp aus dem US-Film Sound of Music, der in Salzburg spielt, diente, in dem sie das Lied "Edelweiß, Edelweiß, du grüßt mich jeden Morgen, sehe ich dich, freue ich mich, und vergess meine Sorgen" sang, das bis heute im Ausland das Bild von Österreich prägt, sowie des Sohnes Rupert (*1911, †1992), nach Zell am See zu ihrer Mutter, die dort einen Gutshof besaß. Dort kamen die Kinder Maria Franziska (*1914), Werner (*1915, †2007), Hedwig (*1917, †1972) und Johanna (*1919, †1994) zu Welt, und nach Ende des Krieges zog die Familie nach Klosterneuburg, wo sie das Martinsschlössel bezog; hier wurde 1921 Martina (†1951) geboren. Nachdem Agathe 1922 aufgrund einer Ansteckung durch eines der Kinder an Scharlachfieber gestorben war, zog von Trapp mit seinen fünf Kindern in die Villa Trapp nach Aigen bei Salzburg. Dort heiratete er 1927 Maria Augusta Kutschera, die er 1925 als Lehrerin für seine Tochter Maria eingestellt hatte. Sie gebahr ihm zwei weitere Töchter: Rosemarie (*1929) und Eleonore (*1931), beide noch in Salzburg geboren, und 1939 schon in den USA als letztes Kind den Sohn Johannes.

  
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Georg v. Trapp 1915 auf dem Turm von U-Boot SM U 5.

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Stowe (Vermont), auf dem Familienanwesen

Wilhelm Baron von Gloeden

1891                  

 

Deutscher Photograph; aus niederem mecklenburgischen Adel stammend; studierte Kunstgeschichte und Malerei; übersiedelte wegen eines Lungenleidens 1876 nach Taormina. Dort begann er ab 1880 in klassische Gewänder gekleidete Jünglinge, aber auch sizilianische Landarbeiter und die Landschaft Siziliens zu photographieren. Als seine Familie in wirtschaftlicher Not geriet, ~1900 machte er sein Hobby zu seinem Beruf und reüssierte bald durch Ausstellungen seiner Bilder in London und Berlin, wurde aber auch durch Postkarten, die er bald fertigte, bekannt. Nachdem der Baedeker sein Atelier in Taormina erwähnte, wurde dieses zum Ziel zahlreicher Besucher aus dem Kreise der Prominenten, u.a. von Oscar Wilde, Friedrich Alfred Krupp, Richard Strauss und Wilhelm II.. Aufgrund des Ersten Weltkrieges war von Gloeden gezwungen, das Land zu verlassen und konnte erst 1918 wieder nach Sizilen zurückkehren, ohne jedoch seine alte Arbeit in gewohntem Umfang wieder aufzunehmen. Von der teilweise bedrückenden Armut der sizilianischen Bevölkerung bedrückt, zahlte er Teile aus seinen Einnahmen auf für seine Modelle eingerichtete Konten ein.

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Taormina (Sizilien), Friedhof

Louise Sébastienne Danton née Gély

 mit Adoptivsohn Antoine

Zweite Ehefrau des Revolutionärs Georges Danton; Tochter eines Platzanweisers im Parlament, dem Danton 1792 eine Tätigkeit als Diener im Marineministerium verschaffte. Am 1.7.1793, vier Monate nach dem Tode seiner ersten Frau Antoinette Gabrielle née Charpentier heiratete Danton die 16-Jährige; nur zehn Monate später war sie Witwe und wurde beschuldigt, seine Politik hintertrieben zu haben, indem er sich lieber ihr, dem Familienleben in Arcis-sur-Aube und dem Luxus zugewandt habe, als sich seinen Aufgaben im Konvent zu widmen.

Zwei Jahre nach Dantons Hinrichtung heiratete sie den Generalsekretär der Direktion der Abteilung für Paris, Claude-François-Etienne Dupin, der Baron des Kaiserreiches wurde.

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Bilder: Annie Grillet (02/2012)

Paris, Cimetière du Montparnasse

Elsa Brändström

1923 Bundesarchiv cc_somerightsreserved

Schwedische Philanthropin; Tochter eines im zaristischen Rußland akkreditierten schwedischen Militärattachés; nach dem Besuch eines Lehrerseminars in Schweden, kehrte sie 1908 zu ihren Eltern nach Sankt Petersburg zurück. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs meldete sie sich freiwillig als Krankenschwester in einem Lazarett der russischen Armee. 1915 reiste sie als Delegierte des Schwedischen Roten Kreuzes nach Sibirien und war dort maßgeblich an der Versorgung der deutschen oder österreichischen Kriegsgefangenen in den Lagern und deren Rückführung beteiligt, was ihr den Namen “Engel von Sibirien” einbrachte. Nach dem Ende des Weltkrieges beschaffte sie Mittel zur Gründung von Sanatorien und Waisenhäusern in Deutschland, indem sie u.a. 1923 auf eigene Kosten in die Vereinigten Staaten reiste, wo es ihr gelang, 100.000$ für ein Kinderheim zu sammeln. In der Zeit zwischen 1922 und 1929 arbeitete sie in Bad Marienborn in einer Rehabilitationsklinik für ehemalige Soldaten und betrieb in der in der Uckermark gelegenen und von ihr erworbenen “Schreibermühle“, die sie in ein Resozialisierungszentrum für ehemalige Kriegsgefangene umfunktionierte. 1929 heiratete sie den deutscher Germanisten und Erziehungswissenschaftler Robert Ulich (*1890, †1977) und zog zu ihm nach Dresden, wo er an der Universität lehrte. Als ihr Mann 1933 eine Professur an der Harvard University annahm, folgte sie ihm dorthin. In den USA kümmerte sie sich um Flüchtlingshilfe für ankommende Deutsche und Österreicher, so eröffnete sie 1939 an ihrem Wohnort den “Window-Shop“, ein Restaurant als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Flüchtlinge, die ohne Mittel und oftmals ohne englische Sprachkenntnisse in die USA kamen; diese Einrichtung wurde 1948 zu ihren Ehren in “Elsa Brandstrom Ulich Assistance Fund“ umbenannt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann sie erneut Geld zu sammeln; es kam Kindern in Deutschland zugute. Diese Tätigkeit war der Anlaß für die Gründungen der Hilfsorganisationen CARE International (Cooperative for American Relief in Europe) und CRALOG (Council of Relief Agencies Licensed for Operation in Germany). Noch kurz vor ihrem Tode unternahm sie eine weitere Reise durch Europa; bevor sie Deutschland besuchen konnte, starb sie.

Elsa Brändström wird nicht nur in Deutschland verehrt, auch ihre schwedische Heimat ehrte sie: So wurde sie nicht nur mit der von Gustav III. 1784 gestifteten Medaille Illis Quorum (meruere labores)1 geehrt, sondern auch zu Doctor honoris causa medicinae der Universität von Uppsala ausgezeichet.

Werke u.a.: Unter Kriegsgefangenen in Rußland und Sibirien 1914-20 (1921).

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1 Für diejenigen, deren Arbeit sie verdient machte.

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Bilder: Raphael Saulus Wikipedia)
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Solna, Norra begravningsplatsen (Nordfriedhof)

Sonstige III

Omnibus salutem!