Olga Havlová née Olga Šplíchalová

 

Erste Ehefrau des tschechischen Schriftstellers und Präsidenten der Tschechischen Republik von 1993 bis 2003, Václav Havel, der sie in seinen Briefen an Olga verewigte, die er während seiner insgesamt fünf Jahre währenden Haft aus dem Gefängnis schrieb und die ein literarische Zeugnis dieser Zeit wurden. Nach Abschluß des Gymnasiums machte sie eine Lehre in der Bata-Fabriken, in der sie anschließend arbeitete. In den 1950er Jahren ging sie mannigfaltigen Beschäftigungen nach, u.a. als Verkäuferin und Buchhalterin. Von 1961 bis 1969 arbeitete sie als Platzanweiserin im Prager Theater Divadlo Na zábradlí (Auf der Balustrade), in dem auch Václav Havel beschäftigt war. Kennengelernt hatte sich beide jedoch schon 1956 im Café Slavia in Prag, verheiratet waren sie seit 1964. Während des Prager Frühlings und in den folgenden Jahren des Widerstandes gegen das kommunistische Regime unterstütze sie ihn. Nach der Wahl ihres Mannes zum Präsidenten im Jahre 1993 setzte sie sich vehement für die “Zukurzgekommenen” ein. So gründete sie im April 1994 die Organisation Výbor dobré vule (Kommittee des guten Willens).

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Bilder: Alexander Krischnig (03/2007)

Prag, Vinohrady Friedhof

Robert Stephenson Smith Baron Baden-Powell (seit 1929)

     baden-powell2_bd The National Archives

Britischer Soldat und Gründer der Pfadfinderbewegung;  plante nach Besuch der Charterhouse School in London, an der Universität Oxford zu studieren, bestand jedoch die Aufnahmeprüfung nicht. Er trat daher in die Militärakademie von Sandhurst ein. Im Jahre 1876 wurde er zunächst nach Indien versetzt, diente dort im Regiment der 13. Husaren. Weitere Stationen waren Afghanistan, Zululand und Ashanti. 1900 nahm er in Südafrika am Burenkrieg teil (Verteidigung der heutigen Stadt Mafikeng). Gegen Ende des Krieges baute er die südafrikanische Polizei auf und wurde 1903 Generalinspekteur der Kavallerie. Im Mai 1910 nahm er seinen Abschied vom Militärdienst. 1907 gründete er die Pfadfinderbewegung (Boy Scouts), deren Ziel es u.a. war, durch diverse Aktivitäten männlichen Jugendlichen Selbstvertrauen und einen moralischer Verhaltenskodex zu vermitteln. Im August 1907 fand mit 22 Jungen aller sozialen Schichten auf Brownsea Island in Südengland das erste Jugendzeltlager statt. Im Jahre 1910 unterstützte er seiner Schwester Agnes bei deren Bemühung eine gleiche Organisation für Mädchen zu gründen (Girl Guides). Während des Ersten Weltkrieges diente er im britischen Nachrichtendienst. Während des Ersten Weltkrieges diente er im britischen Nachrichtendienst.

In Deutschland regte Alexander Lion zusammen mit Maximilian Bayer die Gründung der Pfandfinderbewegung durch die Übersetzung von Baden-Powells Buch Scouting for Boys an.

Werke u.a.: What Scouts Can Do (1921), Scouting and Youth Movement (1929).

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Bilder: Lee Braverman (03/2007)

Nyeri (Kenia), Saint Peter’s Churchyard

Bilder: Ulrich Bork (04/2007)

Günter Guillaume

 

Deutscher Spion; der Sohn eines Musikers wurde noch 1944/45 im Zweiten Weltkrieg als Flakhelfer eingezogen. Als er 1945 nach Berlin zurückkehrte, arbeitete er dort zunächst als Fotograf. 1950 wurde er Redakteur im Verlag Volk und Welt in Ost-Berlin. 1951 heiratete er die Sekretärin Christel Boom, die ebenfalls vom Ministeriums für Staatssicherheit (MfS, “Stasi”) als Agentin ausgebildet worden war. 1956 siedelte der Offizier der NVA und Mitarbeiter des MfS in den Westen Deutschlands nach Frankfurt am Main über, wo er mit seiner Frau zunächst einen Kaffeeladen (“Booms am Dom”) betrieb. 1957 trat er der SPD bei. Seit 1964 hauptamtlich als Parteifunktionär für die SPD tätig, wurde er 1972 persönlicher Referent des Bundeskanzlers Willy Brandt. Guillaumes Enttarnung löste die sogenannte Guillaume-Affäre aus, eine beispiellose Hetzjagd auf den Kanzler, wobei sie wohl nicht der alleinige Grund, für den Rücktritt des Kanzlers war. Im Jahre 1981 wurde das Ehepaar Guillaume im Rahmen eines Agentenaustauschs in die DDR entlassen, wo man beide offiziell als “Kundschafter des Friedens“ gefeierte. Im gleichen Jahr ließ sich seine Frau von ihm scheiden. 1986 heiratete Guillaume die Krankenschwester Elke Bröhl und nahm deren Familienname als neuen Nachnamen an.

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Berlin-Marzahn, Parkfriedhof

Marion Yorck von Wartenburg née Marion Winter

 

Deutsche Juristin und Widerstandskämpferin; die Tochter des Generalverwaltungsdirektor der Königlichen Bühnen in Berlin studierte nach dem Besuch des Grunewald-Gymnasium in Berlin, in dem Dietrich Bonhoeffer einer ihrer Klassenkameraden war, Rechtswissenschaften, und schloß das Studium 1929 mit Promotion ab. 1930 heiratete sie Peter Yorck von Wartenburg, den sie während einer Hochzeitsfeier in Schlesien kennengelernt hatte. Ab 1933 waren beide aktiv im Widerstand gegen die Nationalsozialisten; ihr Haus wurde zum ständigen Treffpunkt von Gleichgesinnten des sog. Kreisauer Kreises, darunter Helmuth James von Moltke. Während ihr Mann am 8.8.1944 nach einem Schauprozeß vor dem Volksgerichtshof von Roland Freisler hingerichtet wurde, wurde sie für drei Monate im Moabiter Gefängnis inhaftiert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitete sie im Auftrag der Alliierten 1946 in Berlin als Richterin am Amtsgericht Lichterfelde. 1952 wurde sie als erste Frau Deutschlands Landgerichtsdirektorin und leitete 17 Jahre die 9. Große Strafkammer am Landgericht Berlin. Als solche galt sie als streng und unnachgiebig und bekämpfte die seinerzeit nach § 175 StGB als noch strafbare geltende Homosexualität mit exemplarisch abschreckenden Strafen.

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Berlin, St. Annen Kirchhof, Dahlem-Dorf

Clara Petacci gen. Claretta

Geliebte Benito Mussolinis; die Tochter eines römischen Klinikdirektors und Leibarztes des Papstes, verheiratet mit dem Leutnant der italienischen Luftwaffe Riccardo Federici (Scheidung 1936), lernte den Duce, der seit 1915 mit Rachele Guidi (*1890, †1979) verheiratet war, 1932 persönlich kennen, nachdem sie ihm zuvor zahlreiche Briefe geschrieben hatte, die von seinem Sekretariat jedoch abgefangen worden waren. Später, nachdem sie Mussolinis Geliebte geworden war, trafen sie sich immer wieder heimlich in Rom zum Tête-à-tête im Palazzo Venezia, bis 1943 Mussolinis Amtssitz. Nach der Gefangennahme der Beiden in Dongo am Comer See wurden sie an der Uferpromenade des an der Nordseite des Comer Sees ca. 20 Kilometer südlicher gelegenen Ortes Giulino di Mezzegra mit Maschinenpistolen erschossen. Die Leichen beider wurden am folgenden Tag nach Mailand gebracht, dort auf der Piazzale Loreto von einer aufgebrachten Menschenmenge mit Fußtritten, Schlägen mit dem Gewehrkolben etc. geschändet und anschließend zusammen mit drei anderen Faschisten kopfüber vom Dach einer Tankstelle herunterhängend für Fotos zur Schau gestellt. Ihr Leben wurde 1984 unter dem Titel Claretta mit Claudia Cardinale (*1939) verfilmt.

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Rom, Cimitero Campo Verano

Bilder: Fabio Gismano
(c) P.Robert Jauch OFM (04/2007)

Ze’ev Wladimir Jabotinsky

Jüdischer Zionist und Schriftsteller russischer Abstammung; Gründer der Jüdischen Legion im 1. Weltkrieg. Studierte Rechtswissenschaften in Rom, wo er mit dem Geist des europäischen Liberalismus in Berührung kam, aber zugleich auch vom Nationalismus Garibaldis beeinflußt wurde, der zur Vereinigung Italiens geführt hatte. Dessen Erfolg habe ihn, Jabotinsky, zum Zionist werden lassen. Nach Beendigung seines Studiums arbeitete er in Odessa als Journalist und veröffentlichte unter dem Pseudonym Altalena für verschiedene Zeitungen zunächst auf russisch, dann auf jiddisch und schließlich auf hebräisch, das er als traditionell jüdisch erzogenes Kind erlernt hatte. 1903 nahm er am 6. Zionistenkongreß teil und identifizierte sich bei dieser Gelegenheit völlig mit der Persönlichkeit Theodor Herzls und seinem Programm des politischen Zionismus. 1909 besuchte er erstmals Palästina. Anfang des Ersten Weltkrieges war er Korrespondent für eine Moskauer Zeitung in Westeuropa. 1920 war er einer der Begründer der Haganah, von 1925 bis 1936 Präsident der Weltunion der Zionisten-Revisionisten und von 1931 bis 1943 Führer der Irgun Zwai Leumi, einer rechtsradikale zionistische Untergrundorganisation, die 1931 in Opposition zur Haganah gegründet worden war (ab 1943 bis 1948 war Menachim Begin Jabotinskys Nachfolger). 1935 spaltete sich eine revisionistische Gruppe unter seiner Führung von der zionistischen Bewegung ab und bildete die Neue Zionistische Partei. Jabotinsky forderte einen jüdischen Staat beiderseits des Jordans in den Grenzen des biblischen Palästina und geriet damit in Gegensatz zu den gemäßigten Zionisten um Chaijim Weizmann. Er setzte sich - allerdings erfolglos - für eine Massenauszug der europäischen Juden nach Palästina ein. Jabotinsky verfaßte auch patriotische hebräische Lieder sowie Romane; er betätigte sich auch als Übersetzer.

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Jerusalem, Herzlberg (Mount Herzl National Cemetery)

Bilder: Claus Harmsen (stones & art, 06/2007)

Alexander Franz Anton Lion

lion_bdMit freundlicher Genehmigung: Quelle

 

Deutscher Militärarzt, Mitbegründer der deutschen Pfadfinderbewegung; zweiter Sohn von sechs Kindern einer jüdischen Bankiersfamilie; erhielt zunächst häuslichen Privatunterricht, bevor er das Gymnasium besuchte. Lion, der mit 16 Jahren die jüdische Gemeinde verließ, zunächst konfessionslos lebte und sich später katholisch taufen ließ, studierte von 1891 bis 1896 an den Universitäten von Würzburg, Berlin und Kiel Medizin. Noch während seiner Studienzeit trat er Ostern 1893 als Einjährig-Freiwilliger in das bayerische Heer ein. Von 1904 bis 1906 diente er als Stabsarzt in Deutsch-Südwestafrika (jetzt Namibia), wo er die Bekanntschaft von Maximilian Bayer machte, der dort im Range eines Hauptmanns diente. Durch den im März 1908 in der Times unter dem Titel Scouting as a Sport (Pfadfinden als Sport) veröffentlichten Zeitungsartikel wurde er auf den Begründer der Weltpfadfinderbewegung Robert Baden-Powell aufmerksam und nahm noch im selben Jahr schriftlich Kontakt mit diesem auf. Wenig später erschien Lions erste Pfadfinderschrift unter der Überschrift Koloniale Jugenderziehung, in der er das pfadfinderische Erziehungswesen behandelte. 1909 lernte er während einer einmonatigen Englandreise Baden-Powell persönlich kennen, der ihm zu diesem Anlaß mit dem Überreichen einer Pfadfinderlilie in die Pfadfinderbewegung aufnahm. Noch im selben Jahr veröffentlichte Lion gemeinsam mit Maximilian Bayer, zu dem er wieder Kontakt aufgenommen hatte, das Pfadfinderbuch, das ab 1911 unter dem Titel Jungdeutschlands Pfadfinderbuch weitere Auflagen erlebte. Um die im Deutschen Reich entstandenen Pfadfindergruppen zusammenzufassen, wurde 1911 der Deutsche Pfadfinderbund gegründet, zu dessen Gründungsmitgliedern Lion, der den Begriff “Pfadfinder” als deutsche Übersetzung des englischen Boy Scout prägte, zählte. Im Februar 1912 beteiligten sich Bayer, Lion und von Seckendorff als Autoren an dem von Elise von Hopffgarten herausgegebenen Pfadfinderbuch für junge Mädchen. Während des Ersten Weltkrieges diente Lion zunächst als Chefarzt des 12. Feldlazaretts im II. Königlich-Bayrischen Armee-Korps und ab 1915 als Chefarzt der 3. Sanitätskompagnie der II. Bayerischen Infanteriedivision, bevor er Ende des Jahres vom deutschen Stab im Osmanischen Reich angefordert wurde, in dem Colmar Freiherr von der Goltz, ein großer Förderer der deutschen Pfadfinderbewegung und Unterstützer Lions und Bayers kurz zuvor das Kommando der 6. in Mesopotamien operierenden osmanischen Armee übernommen hatte. Bei der türkischen Expedition gegen den Suezkanal übernahm Lion am 14.1.1916 als Chefarzt die Leitung des 212. deutschen Feldlazaretts. Nach weiteren Einsätzen an der siebenbürgisch-rumänischen Front, in Frankreich bei Reims und an der Somme und in den Vogesen, kehrte Lion, mehrfach dekoriert, nach Deutschland zurück. Nach seiner Entlassung aus der Reichswehr im Jahre 1920 arbeitete Lion ab 1921 als praktischer Arzt und Badearzt im Kurort Oberhof in Thüringen. Er war zudem Inspekteur des Deutschen Roten Kreuzes im Bezirk Gotha. Von 1923 bis 1926 war er aktives Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei. 1935 wurden ihm - als Juden eingestuft - aufgrund der Nürnberger Rassengesetze die Bürgerrechte entzogen. 1938 wurde er verhaftet und in die Zentrale der Gestapo nach Berlin überstellt. In einer Prozeß vor einem Sondergericht wurde er zu einer 10-monatigen Haftstrafe wegen Landesverrats verurteilt. Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war er bis Oktober 1949 Leiter des Kreisjugendamtes in Bad Aibling und wirkte am Aufbau des Bundes Deutscher Pfadfinder (BDP) mit, der ihn im Oktober 1948 zum Ehrenpräsidenten ernannte, und wurde zum Motor für den Wiederaufbau der Pfadfinderbewegung, zunächst in Bayern, mit Auswirkung für ganz Deutschland. Bereits 1946 war er als “Verfolgter des Nationalsozialistischen Regimes“ anerkannt worden und war bis 1948 Mitglied der Spruchkammer für Entnazifizierung in Bad Aibling.

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lion_alexander_gb

Fischach (Ldkrs. Augsburg), Friedhof

Mit freundlicher Genehmigung: Quelle

Sonstige LI

Omnibus salutem!