Marianne von Willemer née Maria Anna Katharina Theresia Jung

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Tochter einer Schauspielerin; kam mit ihrer Mutter, als deren Mann verstorben war, von Wien, wo die Mutter kein Engagement mehr fand, 1798 nach Frankfurt am Main. Dort stand die 14jährige Marianne erstmals auf der Opernbühne. Ihre Auftritte fanden das wohlwollende Interesse des Publikum der Freien Reichsstadt und der Kritiker. Im Frühjahr 1800 erlebte u.a. auch Goethes Mutter, Catharina Elisabeth, sie im Ballett Harlekin aus dem Ei. 1800 “kaufte” der verwitwete Frankfurter Bankier Johann Jacob Willemer sie von ihrer Mutter gegen 2000 Gulden und eine Leibrente, machte sie zu seiner “Ziehtochter” (Pflegetocher) und schließlich im Jahre 1814 zu seiner dritten Gattin. Dort wurde sie gemeinsam mit der etwa gleichaltrigen Tochter aus der ersten Ehe des Bankiers erzogen und in der für die Zeit typischen Art i Gesang und Klavierspiel ausgebildet. Nachdem Goethe nach 17 Jahren im Sommer 1814 erstmals wieder nach Frankfurt kam, um Freunde wiederzusehen und in Wiesbaden eine Badekur zu machen, besuchte ihn Willemer, der Goethe kannte, gemeinsam mit Marianne in Wiesbaden und lud diesen auf die am Mainufer zwischen Frankfurt und Offenbach gelegene Gerbermühle, die ihm gehörte, ein; am 12. August folgte Goethe der Einladung. Beeindruckt von ihr und der Atmosphäre auf der Gerbermühle (“Mondschein und Sonnenuntergänge; die auf Willemers Mühle … unendlich schön“) begann er, nachdem er am 20. Oktober nach Weimar zurückgekehrt war, mit ihr eine regelmäßige Korrespondenz. Am 24. Mai des Folgejahres kam er erneut in das Rhein-Main-Gebiet und wiederum hielt er sich - länger als geplant - auf der Gerbermühle auf, Am 28. August 1815 feierte er dort seinen 66. Geburtstag, wobei Willemer die Feier mit einer Ansprache eröffnete. Dort arbeitete er auch am West-östlichem Divan arbeitete, den er im Vorjahr begonnen hatte. Marianne von Willemer wurde seine Vertraute, und sie wird in Goethes West-östlichem Divan als Suleika besungen; sie erwiderte mit eigenen Liedern, die Goethe in seine Sammlung aufnahm.

Ein letztes Mal sahen sich Marianne und Goethe, als sie und ihr Mann Goethe wenig später nach Heidelberg folgten, wohin er vorausgereist war. Ein für das nächste Jahr geplante Wiedersehen scheiterte: Goethe kehrte, als seine Kutsche auf dem Wege nach Frankfurt einen Achsbruch erlitt, dies als Omen deutend, wieder um. Nach dem Todes ihres Mannes im Jahre 1838 bezog sie eine Wohnung in der Alten Mainzergasse 42 und erteilte Unterricht in Klavier und Gesang. Im Herbst 1860 fuhr sie noch einmal nach Heidelberg und stieg auf den Schloßberg, wo sie Goethe 1815 zum letzten Mal gesehen hatte.

 

Plakette am Geburtshaus Marianne von Willemers in Linz

 

 

Inschrift:

Die Liebe höret nimmer auf

 

     

 Gerbermühle im Jahre 1817 (pinxit Sulpiz Boisserée)

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Frankfurt am Main, Hauptfriedhof

Prag, Alter Jüdischer Friedhof

Judah Löw oder Jehuda ben Bezal´el Löw gen. Rabbi Löw

 

Kabbalist und Hoher Rabbi, entstammte einer berühmten, vermutlich aus Worms stammenden rabbinischen Familie; soll ein ihm dienstbares künstliches Wesen, den Golem, geschaffen haben, das er schließlich jedoch zerstören mußte. In Prag leitete er die Talmudschule “Klaus“, die sein Freund Mordechai Maisel erbaut hatte und finanziell unterstützte. Der jüdische Historiker und Astronom David Gans berichtet in der Chronik Zemach David zum Jahr 5352 (christl. Zeitrechnung 1592), daß Kaiser Rudolf II. nach Rabbi Löw sandte, um mit ihm zu sprechen. Über Grund und Inhalt des Gespächs ist nichts bekannt. Die Geschichte um den Golem wurde u.a. von Gustav von Meyrink in dem gleichnamigen Roman beschrieben und mehrfach filmisch umgesetzt.

Heute gilt Rabbi Löw allgemein als einer der bedeutendsten Denker und Rabbiner des Judentums. D

 

Szenenbild aus Der Golem, dargestellt von Paul Wegener, der den Golem in Filmen von 1914 und 1920 darstellte

 

 

 

 

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Anastasia, eigentl. Franziska Schanzkowska - Anna Anderson

            1920

Polnische Landarbeiterin, gab sich nach einem Selbsttötungsversuch in einem Berliner Kanal im Februar 1920 als die Großfürstin Anastasia,, Tochter des letzten russischen Zars, Nikolaus II., aus. Als Anna Anderson lebte sie zunächst fast 20 Jahre in Unterlengenhardt bei Bad Liebenzell und ließ sich danach unter diesem Namen im amerikanischen Charlottesville nieder. Ende der 1960er Jahre heiratete sie den US-Historiker John Manahan und lebte mit ihm bis zu ihrem Tod 1984 in Amerika. Das Geheimnis um ihre wahre Identität wurde erst zehn Jahre nach ihrem Tod mit Hilfe der Gen-Analyse gelüftet.

Die Geschichte ihres Lebens wurde in zahlreichen Filmen, u.a. in einem Hollywoodfilm mit Ingrid Bergman und Yul Brynner oder in Deutschland mit Lilli Palmer und Ivan Desny darstellt.

 

Die echte Anastasia, Tochter Nikolaus II.

 

 

 

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Seeon - Klostersee (Obb.)

Bilder: KN
Bild: Matthias Kohler
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Rückseite

Gisèle Freund eigentl. Gisela Freund

 

Französische Photographin deutscher Herkunft; entstammte einem wohlhabenden jüdischen Elternhaus; studierte ab 1931 Soziologie und Kunstgeschichte in Freiburg im Breisgau, wechselte aber ein Jahr später nach Frankfurt am Main an die Johann Wolfgang Goethe-Universität, nahm im Institut für Sozialforschung als Gast an Seminaren Horkheimers teil und wurde Mitglied des sozialistischen Studentenbundes. 1933 emigrierte sie nach Paris, wo sie ihr Studium an der Sorbonne fortsetzte und begann, mit Photoreportagen ihren Lebensunterhalt zu sichern. 1935 entstand mit dem Portrait von André Malraux ihr erstes von vielen, in den nächsten Jahrzehnten folgenden Schriftstellerportraits. 1936 schloß sie ihr Studium mit einer noch heute anerkannten und wichtigen Arbeit über die kulturgeschichtliche Bedeutung der Photographie ab. Sie arbeitete jetzt als freie Mitarbeiterin u.a. für die Zeitschriften Life, Weekly Illustrated, oder Paris-Match. 1940, nach der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht, verließ sie Frankreich und kam 1942 nach Argentinien, arbeitete dort als Kameraassistentin. 1950 mußte Freund, die seit 1947 Mitglied der Agentur Magnum war, nachdem sie sich in einer in der Zeitschrift Life veröffentlichten Reportage kritisch über Evita Peron geäußert hatte, das Land verlassen. Als sie versuchte von Mexiko aus, wohin sie ausgereist war, in die Vereinigten Staaten einzureisen, verweigerte man ihr dort die Einreise wegen ihrer Kontakte zu kommunistischen Künstlern. Als auch Magnum ihr 1954 die weitere Zusammenarbeit verweigerte, arbeitete sie in Japan und im Nahen Osten, machte dort Photoreportage und Portraitaufnahmen. Erst 1987/88 wurde ihr aufgrund einer Einladung der Getty-Foundation ein Studienjahr in den USA ermöglicht, in dem sie ihre Recherchen zum Thema Photographie und Gesellschaft fortsetzte. Heute zeigen viele Museen in aller Welt ihre Portraitaufnahmen insbesondere von Schriftstellern und Künstlern.

Werke u.a.: Photographie und Gesellschaft (1974). 

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Paris, Cimetière du Montparnasse

Alice Babette Toklas

Library of Congress, van Vecten collectionno_copyright

US-amerikanische Lebensgefährtin und Sekretärin der Schriftstellerin Gertrude Stein; einer bürgerlichen jüdischen Familie entstammend, erhielt sie zunächst eine Ausbildung an öffentlichen Schulen und studierte dann Musik an der Universität von Washington. 1907 ging sie nach Paris, wo sie Gertrude Stein kennenlernte und deren Geliebte wurde. Zwei Jahre nach ihrem Kennenlernen zog sie in deren Wohnung in der rue de Fleurus 2, in der Gertrude mit ihrem Bruder Leo eine private Bildersammlung zusammengetragen hatte und einen Saloin führten, in dem sie zahlreiche Künstler und Literaten empgingen, so z.B. Pablo Picasso, Henri Matisse, George Braque, Guillaume Apollinaire sowie die in Paris lebenden US-amerikanischen Schriftsteller Ernest Hemingway, John Dos Passos und F. Scott Fitzgerald, während sich Alice Toklas zwar ihre Muse und auch Kritikerin war, sich aber als Sekretärin und Haushälterin im Hintergrund hielt. Im Jahr 1913 verließ Leo den gemeinsamen Haushalt, da er nach einer 4-jähriger ”menage à trois“ keine Möglichkeit des Zusammenlebens mehr sah und außerdem die schriftstellerische Tätigkeit seiner Schwester verurteilte. Hausrat und Kunstsammlung wurden aufgeteilt, und die beiden Frauen führten den Salon alleine weiter. 1938 mußten sie aufgrund der Kündigung die vertraute Wohnung verlassen und zogen in die rue Christine 5. 1954 veröffentlichte Alice Toklas, die schon seit geraumer Zeit Rezepte gesammelt hatte, einMit G. Stein (r) 1908 in Venedig erstes Kochbuch unter dem Titel The Alice B. Toklas Cookbook, dem 1958 Aromas and Flavors of Past and Present folgte. 1963 erschienen Toklas’ Memoiren What is Remembered , die aber mit dem Jahr 1949, dem Todesjahr ihrer Freundin enden. Sie war von Gertrude Sein gemeinsam mit deren Neffen Allan Stein als Verwalterin des Nachlasses eingesetzt, zog sich aber schon kurz nach deren Tod von dieser Aufgabe zurück. Nach dem Tod Allan Steins im Jahre 1951 erwirkte dessen Frau, daß die ihr verbliebenen Bilder, die eigentlich ihrer Alterssicherungs hatten dienen sollten, ihr zugesprochen wurden; als Toklas 1964 die Wohnung gekündig wurde, mußte sie in die rue de la Conventio ziehen, wo sieihre letzten Jahre in Armut verbringen mußte.

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Bild: André Krajewski (05/1991)

Paris, Cimetiére du Père Lachaise

Bild: Thomas Haas (04/2012)

Hinweis: Alice Toklas wurde im Grab von Gertrude Stein beigesetzt, ihr Name auf der Rückseite des Grabsteins eingraviert.

Paul-Ferdinand Gachet

           

Französischer Arzt; studierte an der Universität von Paris und arbeitete danach an den Kliniken Bicêtre und Salpêtrière und schloß seine Studien in Montpellier 1858 mit der ArbeitÉtude sur la Mélancolie ab. Er kehrte nach Paris zurück und eröffnete dort eine Praxis, in der zahlreiche Intellektuelle und Künstler seine Patienten waren, u.a. Gustave Courbet, Champfleury, Victor Hugo. Während der Pariser Kommune war er als Amtsarzt bestellt worden. 1872 kaufte er ein Haus in Auvers-sur-Oise, damit seine kranke Frau bessere Luft atmen könne; (in dem Haus richtete Gachet, der ein Ambitionierter Freizeitmaler war, sich ein Atelier ein, in dem in dem anfang der 1870er Jahre auch Cézanne arbeiten durfte). Die Praxis in Paris aber behielt er, ebenso wie seine Patienten, zu denen u.a. die Mutter von Camille Pissarro gehörte. 1882 war Auguste Renoir sein Patient, als dieser unter einer Lungenentzündung litt. Außerdem war er mit Henri Nestlé befreundet, dessen Babymilch er einigen seiner kleinen Patienten verschrieb. Bekannt geworden ist Paul Gachet allerdings als Arzt von Vincent van Gogh. Dessen Bruder Theo van Gogh, hatte Gachet um seinen Rat gebeten. Aber auch er konnte Gogh weder bestimmen, mit dem Trinken und Rauchen aufzuhören, noch konnte er verhindern, daß der seelisch Kranke sich das Leben nahm.

Gachets Kinder Paul und Margaret, die die große Gemäldesammlung ihres Vaters erbten, machten in den späten 1940er Jahren französischen Museen bedeutende Schenkungen; mehrere Gemälde van Goghs gingen an das Musée d'Orsay. Sein Haus in Auvers-sur-Oise ist seit 1991 ein historisches Monument.

Gachets Haus in Auvers-sur-Oise (pinxit Cézanne)

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Bilder: Thomas Haas (04/2012)

Paris, Cimetiére du Père Lachaise

Max Emil Friedrich von Stephanitz

Deutscher Offizier und Hundezüchter; schlug auf Wusch seiner Eltern die Offizierslaufbahn ein; nachdem er während eines Manövers Schäfer und deren Hunde bei ihrer effektiven Arbeit beobachtet hatte, kam er auf die Ide,e einen Hund mit bestimmten, für die Arbeit geeigneten Eigenschaften zu züchten. Am 15.1.1898 erwarb er von einem Züchter aus Frankfurt am Main einen 3-jährigen Hund, dem er den Namen “Horand von Grafrath” gab, nach der Stadt in deren Nähe er mit der Zucht begann. Dieser Hund und dessen Bruder “Luchs von Sparwasser“ wurden die Stammväter der Rasse, von denen die meisten der heutigen Deutschen Schäferhunde abstammen. Als Stammmutter gilt die Hündin “Mari von Grafrath“. Am 22.4.1899 wurde auf Initiative von Max von Stephanitz in Karlsruhe der Verein für Deutsche Schäferhunde (SV) gegründet, dessen erster Präsident von Stephanitz bis 1935 war. Der erste Rassestandard wurde auf der ersten Mitgliederversammlung des SV am 20. September 1899 in Frankfurt festgelegt. 1901 erschien sein Buch Der deutsche Schäferhund in Wort und Bild, in dem alle Aspekte der Herkunft, der Aufzucht und des Charakters des Schäferhundes behandelt werden.

Der deutsche Schäferhund in Wort und Bild (8. Aufl., 1921)

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Bilder: Steffi Eckold (05/2012)

Dresden, Trinitatis-Friedhof

Rainer Günzler

 

Deutscher Journalist und Fernsehmoderator; in den 1950er und 1960er Jahren war er im Motorsport als Rennfahrer aktiv, gelegentlich zusammen mit Karl Kling, Hans Herrmann oder Paul Frère. Günzler wurde dem deutschen Fernsehpublikum v.a. bekannt durch seine Moderation des Aktuellen Sportstudios des ZDF in den 1960er Jahren.Legendär ist sein Interview mit dem Boxer Norbert Grupe alias Wilhelm von Homburg, der während eines live-Interviews im Fernsehen nach seiner Niederlage in der dritten Runde gegen Óscar Bonavena auf keine der Fragen Günzlers antwortete, sondern immer nur lächelte; Günzler hatte sich in einem vorher ausgestrahlten Kommentar kritisch über die sportlichen Leistungen Grupes geäußert Günzler war auch derjenige, der gemeinsam mit dem Reporter Günther Jendrich über den Unfall des Rennfahrers Wolfgang Graf Berghe von Trips live berichtete. als dieser am 10.9.1961 in Monza tödlich verunglückte. Günzler, der mit dem Industriellen Harald Quandt befreundetwar und nach dessen Tod Lebensgefährte und Berater der Witwe Inge Quandt war, stellte im Rahmen der Sportsendung des ZDF auch Testergebnisse von neuen PKW vor. erst 7 Jahre nach dem Tod Günzlers wurde, daß er während seiner Tätigkeit als Autotester für das ZDF gemeinsam mit Peter Boenisch von 1972 bis zu seinem Tod im Jahre 1977 mehr als eine Million Mark von Daimler-Benz erhalten hatte, die er nicht versteuerte.

Günzler gehörte zu den engsten Freunden des Industriellen Harald Quandt und war schon zu Quandts Lebzeiten Geliebter von dessen Ehefrau Inge; nach dem Tode Quandts war er Lebensgefährte und Berater von Inge Quandt. Witwe.

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Bilder: Thomas Haas (05/2012)

Stuttgart-Degerloch, Waldfriedhof

Hinweis: Rainer Günzler wurde zunächst in Berlin beigesetzt. Im Februar 1997 erfolgte die Überführung in das Familiengrab in Stuttgart.

Bild: Postdlf (08/2008) Wikipedia.org
Bild: DMY (09/2009) Wikipedia.org
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Bilder: Herbert Herterich (04/2013)
Sonstige VI

Omnibus salutem!