Johanna Kessler née Kolligs

 pinxit W. Busch (1874)

Frankfurter Bürgerin; die Ehefrau des Bankiers Johann Daniel Heinrich Kessler hatte Otto Busch, den jüngeren Bruder Wilhelm Buschs, 1867 als Hauslehrer für ihre Kinder eingestellt. Wilhelm Busch, der 1868 seinen Bruder dort erstmals besuchte, wohnte von 1869 bis zum Frühjahr 1871 zunächst im Gastzimmer der Familie Kessler und hatte sein Atelier im Kettenhofweg. Hier entstanden u.a. Buschs Bilder zur Jobsiade und einige heute im Besitz des Städelschen Kunstinstituts befindliche bemerkenswerte Ölgemälde. Im Oktober richtete er einen eigenen Hausstand im leerstehenden ehemaligen Kutscherhaus auf dem Kesslerschen Grundstück in der Wiesenau 3 (später Wiesenau 15) ein. Dort entstand im Winter 1869/70 die Fromme Helene, in der zahlreiche Anspielungen auf das gesellschaftliche Leben in Frankfurt am Main enthalten sind. Eines seiner damals entstandenen plastischen Werke ist eine Büste Johanna Kesslers, die er ihr aus Dankbarkeit für ihre Gastfreundschaft schenkte. 1877 kam es zum Verwürfnis der Kesslers mit Wilhelm Busch, so daß dieser selbst zur Beerdigung seines Bruders im Jahre 1879 nicht nach Frankfurt reiste. Nur mit Johanna fand ein noch reger Briefwechsel zwischen und “Eins, Zwei, Drei", wie er Johanna Kessler und deren Töchter Ferdinanda und Letitia nannte, statt. Erst Franz von Lenbach gelang es, die zerrissenen Fäden zwischen den Kesslers und Wilhelm Busch nach 13 Jahren Trennung im Jahre 1891 wieder miteinander zu verknüpfen.

 

Johanna Kessler mit ihren Töchtern (pinxit W. Busch, 1870, Bilder: W.Busch-Museum).

 

Inschrift: Gleichwie mich mein Vater liebet, also liebe ich euch auch. Bleibet in meiner Liebe. Ev. Johannes 15, V. 9

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Otto Busch

busch_otto_jung_bdmit freundl. Genehmigung des Wilhelm Busch Geburtshauses

 

Jüngerer Bruder Wilhelm Buschs; war ab 1867 im Hause des Frankfurter Bankiers Johann Daniel Heinrich Kessler und dessen Ehefrau Johanna als Hauslehrer für dessen zwei Töchter Ferdinanda und Letitia tätig. Dort besuchte ihn sein älterer Bruder erstmals 1868, bevor er sich vorübergehend in Frankfurt niederließ. Otto Busch wurde nach seinem Tode im Familiengrab der Kesslers beigesetzt.

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Charles Monroe Schulz

 New York World-Telegram and the Sun

US-amerikanischer Comiczeichner; der Sohn eines aus Deutschland stammenden Einwanderers, eines Friseurs, und dessen norwegischer Ehefrau, wurde nach Absolvierung der High School 1943 zur US-Armee eingezogen und kam mit der 20. US-Panzerdivision nach Europa, wo er an Kampfhandlungen in Frankreich, Deutschland und Österreich teilnahm. 1945 nahm er an der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau teil. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete er zunächst bei einem katholischen Verlagshaus in der Hauptstadt des Staates Minnesota, Saint Paul, in der er aufgewachsen war. Dort schrieb er für das christliche Comicheft Timeless Topix Sprechblasentexte. Nachdem ihm an der Art Instruction Schools, Inc., an der er während seiner Schulzeit bereits Fernkursen in “Komischem Zeichnen“ belegt hatte, eine Stellung angeboten wurde, arbeitete er dort tagsüber als Korrektor von Arbeiten der Anfängerkurse, während er abends weiterhin für Timeless Topix tätig war. Schulz eigene Zeichnungen wurde erstmals in dem bekannten Comicmagazin Ripley's Believe It or Not! publiziert. Ende der 1940er Jahre schickte er seine Comics an die Saturday Evening Post. Seine Comic-Strip-Serie Peanuts, die sich zu einer weltweit erfolgreiche Comicserie entwickeln sollte, erschien erstmals am 2.10.1950. Für sie verwandte Schulz Charaktere aus seinem Umfeld: “Charlie Brown”, Friseur von Beruf wie sein Vater, nannte er nach einen Kollegen an der Art Instruction Schools, der Hund “Snoopy” nach einer schwarz-weißen Promenadenmischung, die er 1934 geschenkt bekam und die er “Spike” genannt hatte, hinter dem “Little Red-Haired Girl" verbarg sich Donna Johnson, eine Buchhalterin an der Art Instruction Schools, mit der er ein Verhältnis gehabt hatte, “Linus” und “Shermy” waren die Namen zweier seiner Freunde, den Namen “Lucy” hatte seine erste Frau Joyce Halverson beigesteuert. Schulz’ Zeichnungen - ein erster Sammelband war bereits 1952 publiziert worden -, erschienen im Laufe der Zeit weltweit in mehr als 2.600 Zeitungen in 75 Ländern und machten ihn zu einem der bekanntesten Menschen. Sie wurden sogar in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen. Außerdem gab es zahlreiche Ausstellungen, Filme und Bücher über die Peanuts. Nach seinem Tode wurde in Santa Rosa, der Stadt, in der er sich niedergelassen hatte, das Charles M. Schulz Museum eröffnet (2002). In November 1999 erlitt Schulz einen Schlaganfall, nachdem er sich bereits Anfang der 1980er Jahre einer Bypass-Operation hatte unterziehen müssen. Schulz verstarb schließlich an den Folgen eines Herzschlages.

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Sebastopol (CA), Pleasant Hills Cemetery

Bilder: Zari Gani (07/2006)
Bilder: Dieter Georg (09/2004)

August Wilhelm Jaspert

 

Deutscher Pädagoge; war ab 1902 Lehrer an der Frankfurter Westendmittelschule und von 1908 bis 1933 Direktor der Kaufungerschule. Als Reformpädagoge und Anhänger der Jugendbewegung engagierte sich Jaspert bereits früh für soziale Belange, insbesondere für die Familien- und Kinderhilfe während des Ersten Weltkrieges und war als Vorsitzender des Ausschußes für Ferienwanderungen. Von 1924 bis 1928 und erneut von 1933 bis 1934 war er Mitglied des Frankfurter Stadtrates. Anfang der 1920er Jahre war er Gründer des Kinderdorfes Wegscheide bei Bad Orb im Hochspessart. Die Anlage, deren Name 1938 in Frankfurter Landschulheim Wegscheide geändert wurde, war ursprünglich als Teil eines Truppenübungsplatzes kurz vor Beginn des Krieges im Jahr 1914 errichtet worden. “Auf der Wegscheide” konnten bis zum Spätherbst 1939 Kinder aus Frankfurter Schulen zusammen mit ihren Lehrern und Lehrerinnen einen mehrwöchigen Erholungsurlaub genießen. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges diente die Wegscheide als Stammlager für Kriegsgefangene (Stalag) der Deutschen Wehrmacht, anschließend bis zum Jahre 1955 als Flüchtlingslager für Heimatvertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Ab da bis heute können wieder Frankfurter Schüler die Wochen genießen, an die sie sich als Erwachsene gerne erinnern, auch wenn sie allerlei Pflichten z.B. Bettenmachen, Essenholen, Abwaschen etc. unterworfen waren und ihnen während dieser Zeit weiterhin schulischer Unterricht erteilt wurde.

       

Klasse des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums im September 1956 auf der Wegscheide vor einem der typischen Unterkünfte.

Auszeichungen u.a.: Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main (1931).

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Frankfurt am Main, Bockenheimer Friedhof

Heinz Berggruen

 

Deutscher Kunstsammler und Mäzen; studierte ab 1932 Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte zunächst in Berlin, dann an den Universitäten Grenoble und Toulouse. Nach seinem Magisterabschluß arbeitete er als Volontär bei einer jüdischen Wochenzeitung in Berlin. Nach einer kurzen Zeit bei der Frankfurter Zeitung war er 1936 gezwungen, Deutschland zu verlassen. In den Vereinigten Staaten arbeitete er u.a. als Kunstkritiker für die San Francisco Chronicle und war Kurator am San Francisco Museum of Modern Art. Während dieser Tätigkeit lernte er 1940 den mexikanischen Maler Diego Rivera, für den er eine Ausstellung vorbereitete, und dessen Frau Frida Kahlo kennen, mit der er eine kurze Affäre hatte. Im selben Jahr erstand er sein erstes Gemälde: das Aquarell Perspective-Spuk von Paul Klee. Nach Ende des Krieges war Berggruen, der im Zweiten Weltkrieg als Sergeant mit der US-Armee nach Europa gekommen war, kurzzeitig Mitherausgeber der in München erscheinenden Kunstzeitschrift Heute. 1947 ließ er sich als Kunsthändler in Paris nieder, um 1996 schließlich nach Berlin zurückzukehren. Dort überließ man ihm einen Teil des Stülerbau, das heute als Museum Berggruen bekannt ist. 2000 verkaufte Berggruen, der abwechselnd in seiner Pariser Wohnung und in Berlin wohnte, seine Gemäldesammlung als “Geste der Versöhnung“ weit unter Wert an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

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Berlin-Dahlem, Städtischer Waldfriedhof

Bild: Hans-Christian Seidel (03/2007)

Gerhard Löwenthal

 

Deutscher Journalist; zeitweise wie sein Vater, ein jüdischer Kaufmann, im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert, überlebt er den Holokaust in Berlin, während seine Großeltern in Theresienstadt starben. Nach der Befreiung Berlins durch sowjetische Truppen im Frühjahr 1945 blieb er in der ehemaligen Reichshauptstadt. Unmittelbar nach Ende des Krieges begann Löwenthal ein Medizinstudium an der 1946 wieder geöffneten Humboldt-Universität im Ostteil der geteilten Stadt und parallel dazu für den RIAS (Radio im amerikanischen Sektor) zu arbeiten. Als er wegen seiner Tätigkeit als Reporter bedroht wurde, brach er das Studium ab und wurde in Westberlin einer der studentischen Mitbegründer der Freien Universität Berlin. 1951 wurde er stellvertretender Programmdirektor des RIAS und des Senders Freies Berlin (SFB). 1963 wechselte er zum neugegründeten Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF), das mit der Ausstrahlung von TV-Programmen im April 1963 begann. Zunächst war Leiter dessen Büros in Brüssel. Schließlich leitete und moderierte er von 1969 bis 1988 das politische ZDF-Magazin. In der Sendung, die insgesamt 585 mal ausgestrahlt wurde, beschäftigte er sich überwiegend mit Menschenrechtsverletzungen in der DDR und war Mitglied der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, die sich vorwiegend Menschenrechtsverletzungen in kommunistischen Ländern anprangerte. In Richtung der politischen Entwicklung in der Bundesrepublik polemisierte er vor allem gegen die damalige aus SPD und FDP bestehende Regierung, hier insbesondere deren Politik der neuen Ostpolitik. Löwenthal war sozusagen der Kontrapunkt zur vom Staatsfernsehen der DDR ab 1960 bis 1989 ausgestrahlten agitatorischen Sendung “Der Schwarze Kanal”, den Karl-Eduard von Schnitzler moderierte. Nachhaltig von seinen Erfahrungen während des Nationalsozialismus geprägt und äußerst skeptisch gegenüber der neuen von Moskau aus gesteuerten SED-Regierung in Ostberlin, setzte er sich ab Mitte der 1970er Jahre für die Verfolgten des kommunistischen Regimes der DDR ein. Von 1977 bis 1994 war Löwenthal, der mit der CSU sympathisierte und sich selbst ein “Mann der Mitte“ sah, Vorsitzender der konservativen Deutschland-Stiftung, legten den Vorsitz jedoch wegen deren Verbindungen zum Bund freier Bürger, dem eine Nähe zur rechtspopulistisch-nationalkonservative österreichische Partei FPÖ nachgesagt wurde, nieder. Sein Versuch, 1979 eine konservative Sammlungsbewegung unter dem Titel “Liberal-Konservative Aktion“ zu gründen, scheiterte. 1993 stand er dem Kongreß “Mut zur Ethik“ als Ehrenvorsitzender vor.

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Berlin, Jüdischer Friedhof, Heerstraße

Bild: Hans Christian Seidel (01/2008)
Bild: Dieter Georg (06/2008)
Bild: KN (21.09.2008)
Bild: Dieter Georg (06/2008)
Bild: Dieter Georg (06/2008)

Frankfurt am Main, Hauptfriedhof

Frankfurt am Main, Hauptfriedhof

Bild: Heiko Bockstiegel (06/2012)
Sonstige LX

Omnibus salutem!