Bilder: Donald Merritt (01/2008)
Bild: Thomas Haas

Ernst Ulbricht

 

Vater von Walter Ulbicht, dem nachmaligen Staatsratsvorsitzenden der DDR, von Beruf Schneider.

Pauline Ulbricht

 

Mutter Walter Ulbrichts, dem nachmaligen Staatsratsvorsitzenden der DDR, von Beruf Schneiderin.

Inschrift: Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.

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Leipzig, Südfriedhof

Vanozza dei Cattanei

                      als Witwe

Italienische Mätresse; die Tochter des Jacopo, eines Malers aus dem Ponte-Viertel in Rom, war die langjährige Geliebte des Kardinals Rodrigo Borgia (*1431, †1503) und späteren Papstes Alexander VI.. Seit 1474 war sie mit Domenico d’Arignano verheiratet, und nach dessen Tode im Jahre 1480 heiratete sie den Kurienbeamten Giorgio della Croce, mit dem sie auf dessen Weingut in der Nähe von S. Petro in Vincoli wohnte. Sie besaß zudem Immobilien und auch Gasthöfe. Für ihr Seelenheil stiftete sie u.a. für das Hospital S. Salvator in Rom.

Den aus Spanien stammenden Rodrigo Borja lernte sie vermutlich im Winter 1473 oder im ersten Halbjahr 1474 nach seiner Rückkehr aus Spanien kennen, wo er als Legat im Auftrag Papst Sixtus’ IV. politische Verhandlungen geführt hatte. Aus der langjährigen Beziehung gingen vier Kinder hervor, die der Vater zwar nicht öffentlich legalisieren konnte, den Nachwuchs allerdings als seine Kinder anerkannte, so daß sie seinen Namen tragen konnten und zum Aufbau einer Dynastie beitragen sollten: Cesare, Giovanni (*1476), Lucrezia und Jofré (*1481). Auf dem Weingut verbrachte Lucrezia, ihre ersten Jahre, zusammen mit ihren älteren Geschwistern. Vanozza verstand es immer wieder, ihren Geliebten - auch nachdem er zum Papst gewählt worden war - an sich zu fesseln. Dabei schreckte sie auch nicht vor Erpressung zurück, um Vorteile für sich und ihre Kinder zu erreichen; so wurde ihr Sohn Cesare bereits im Alter von 17 Jahren Erzbischof von Valencia (1492) und mit 18 Jahren Kardinal (1493). Es sind zahlreiche Liebesbriefe erhalten, die ihre diversen subtilen und weniger feinfühligen Bitten an den verliebten Kardinal und später auch alternden Papst Alexander dokumentieren. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, drohte sie u.a. auch damit, zu ihrem Mann zurückzukehren, was der Papst ihr bei Androhung der Exkommunikation verbot. Als Alexander VI. starb, hatte er für sie vorgesorgt, obwohl schon längst andere, jüngere Frauen seine Favoritinnen geworden waren, u.a. “La bella” Giulia (Julia) Farnese (*1475, †1525), die Schwester von Alessandro Farnese, des späteren Papstes Paul III.. Solchermaßen abgesichert, starb Vanozza im für damalige Verhältnisse hohen Alter von 76 Jahren.

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Rom, S. Marco Evangelista al Campidoglio

Hinweis: Vanozza war zunächst unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit in der römischen Kirche Santa Maria del Popolo beigesetzt worden, in der auch ihr Sohn Giovanni lag (“Gestern begrub man sie in S. Maria del Popolo und sie wurde mit allem Pomp, fast wie ein Kardinal...” so in einem Brief).Während des Sacco di Roma (1527) wurde das Grab zerstört, und die Gebeine der Beiden gingen verloren; der Grabstein wurde jedoch in die Basilica di San Marco Evangelista al Campidoglio (vulgo S. Marco) gebracht und dort in dem dortigen Portikus eingemauert, so daß er bis auf den heutigen Tag erhalten blieb. Entdeckt worden war er bei Restaurationsarbeiten im Jahre 1948. Heute ist die Grabplatte, auf der der heute noch die Wörter Vanotiae Cathaneae, prudentiae und Lucretiae Ferrariae lesbar sind, an der rechten Seitenwand von S. Marco eingelassen.

Noordwijk, Begraafplaats Parochie St. Jeroen

Bild: Hans-Christian Seidel (04/2008)

Adolf Karl Heinrich Slaby

Deutscher Elektrotechniker; der Sohn eines Buchbinders studierte an der Berliner Gewerbeakademie, der Vorläuferin der Technischen Hochschule Charlottenburg, Maschinenbau und Mathematik. Nach der Promotion begann er eine Lehrtätigkeit für Mathematik und Mechanik an der Gewerbeschule Potsdam. 1888 wurde er ordentlicher Professor für Theoretischen Maschinenbau und Elektrotechnik, ein Lehrstuhl, der unter Mitwirkung von Werner von Siemens entstanden war. 1897 nahm er an Guglielmo Marconis Versuchen mit der drahtlosen Telegraphie vor der englischen Kanalküste teil, die er - unterstützt von seinem Assistenten Georg Graf von Arco - in Berln wiederholte und näher untersuchte und ab 1897 ein System drahtloser Telegrafie entwickelte. Beide gehörten 1903 zu den Gründern der Firma Telefunken. 1898 wurde Slaby, der stets gute Beziehungen zu Kaiser Wilhelm II. hatte, Mitglied im preußischen Herrenhaus auf Lebenszeit. 1912 emeritierte Slaby.

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Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf, Luisenfriedhof II

Bild: A. Sdobnikov (07/2008)

Jewgenij Sergejewitsch Botkin

Russischer Arzt; studierte Medizin an der Universität von Sankt Petersburg, sowie an den Universitäten von Berlin und Heidelberg. Später wurde er zum Chefarzt am St. Georgiewski Hospital in Sankt Petersburg ernannt und diente als solcher während des Russisch-Japanischen Krieg. Nach Ende des verlorenen Krieges arbeitete er als Privatdozent an der Medizinischen Militärakademie und war seit 13.4.1908 der Leibarzt der Familie des letzten russischen Zaren Nikolaus II., die er nach ihrer Verhaftung durch revolutionäre Truppen nach Jekaterinburg begleitete, wo er mit ihnen im Keller des sogenannten Ipatjew-Hauses erschossen wurde, nachdem der dortige Befehlshaber und Tschekist Jakow Michailowitsch Jurowskji (*1878, †1938) alle aufgefordert hatte, sich in den Keller des Hauses zu begeben, da in der Stadt geschossen würde.

Jurowskij (1918)

 

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Sankt Petersburg, Tichwiner Friedhof am Aleksander Newskij Kloster

Maria Montessori

 

Italienische Pädagogin; begann zunächst an der Universität Rom 1890 ein Studium der Naturwissenschaften, weil der Zugang zum Medizinstudium Frauen damals noch verwehrt war. Nach der Promotion zum Dr. med. im Jahre 1896 war sie dann die erste praktizierende Ärztin in Italien. Bereits während ihrer letzten beiden Studienjahre arbeitete sie in einer Praxis an der psychiatrischen Klinik der Universität Rom, die sie 1901 verließ, um ein Zweitstudium der Anthropologie, Psychologie und Erziehungsphilosophie zu beginnen. 1907 übernahm sie in einem Armenviertel Roms ein im selben Jahr eröffnetes Kinderhaus, die “Casa dei Bambini”, in dem sie ihre pädogischen, noch theoretischen Überlegungen erstmals in praxi anwenden konnte. Aufgrund des großen Erfolgs ihres Werks Il metodo della pedagogia scientifica applicata all’educazione infantile (1909, dt. dt. Selbsttätige Erziehung im frühen Kindesalter, später unter dem Titel La scoperta del bambino, 1950, dt. Die Entdeckung des Kindes) wurden sie und ihre Ideen bekannt, so daß in den folgenden Jahren weitere Kinderhäuser in Italien eröffnet und ihre Lehrmethoden an Schulen in Italien, Deutschland, der Schweiz, in England, den Vereinigten Staaten und in weiteren Ländern eingeführt wurden und die ersten nationalen Montessori-Gesellschaften entstanden. Im Jahr 1911 gab sie ihre Praxis auf, 1916 schließlich auch die Dozentur, zog nach Barcelona und widmete sich verstärkt der Verbreitetung ihrer Erziehungsmethode, indem sie sie auf Vortragstourneen durch Europa, die Vereinigten Staaten und Indien erfolgreich bekanntmachte. Diese positive Entwicklung erlitt allerdings im nationalsozialistischen Deutschland und dem faschistischen Italien einen gravierenden Rückschlag, als dort 1933/34 die Montessori-Schulen geschlossen wurden. Als dann der Spanischen Bürgerkrieges ausbrach, verließ sie 1936 Barcelona und lebte von 1939 bis 1946 in Adyar (Indien) und anschließend bis zu ihrem Tode in Amsterdam.

Werke u.a.: L’autoeducazione nelle scuole elementari (1919, dt. Montessori-Erziehung für Schulkinder).

Inschrift: Io prego i cari bambini, che possono tutto di unirsi a me la construzione della pace negli uomini e nel mondo [Ich bitte die lieben Kinder, die alles können, mit mir zusammen für den Aufbau des Friedens zwischen den Menschen und in der Welt zu arbeiten].

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Adele Spitzeder

Quelle: Die Gartenlaube (1873)

 

Deutsche Betrügerin; Tochter eines Schauspielerehepaars, das am Hoftheater in München, wohin sie bereits im früher Kindheit kam, engagiert war; auch sie ergriff den Beruf des Schauspielers, versuchte sich in verschiedenen Städten und Bühnen, kehrte aber nach diversen Fehlschlägen, darin Fuß zu fassen, 1869 nach München zurück. Dort begann für Geld, daß ihr anvertraut worden war, hohe Zinsen zu zahlen, so daß ihre Bank einen regelrechten Ansturm erlebte, zumal sie es verstand, einen vertrauenswürdigen Eindruck zu vermitteln; so bezeichnete der Volksmund ihr Kreditinstituts dann auch als “Dachauer Volksbank”. Tatsächlich aber nutzte sie die Gutgläubigkeit und Blauäugigkeit ihrer Hauptklientel, der bäuerliche Bevölkerung, völlig skrupellos aus. Ihre kriminellen Aktivitäten lösten einen handfesten Skandal aus, der nicht nur in Bayern, sondern im gesamten, gerade gegründeten Deutschen Reich mit großem Interesse verfolgt wurde; so berichtete Die Gartenlaube - sozusagen eine Lektüre für die ganze Familie, die u.a. auch in Cafés auslag -  ein Jahr nach dem 1872 erfolgten Zusammenbruch des Instituts, durch den 31.000 Anleger geprellt und sogar ganze Gemeinden mit in die Tiefe gerissen wurden. Insgesamt wurde ein Defizit von 15 Millionen Gulden festgestellt. Nach der Verbüßung einer Haftstrafe von drei Jahren setzte sich Adele Spitzeder zunächst ins Ausland ab, kehrte später aber wieder nach München zurück. Ihre Familie beantragte eine Namensänderung, der von seiten der Behörden stattgegeben wurde; der neue Familienname lautete Schmid.

Verfilmt: wurde die bemerkenswerte Geschichte 1972 unter dem Titel Adele Spitzeder mit Ruth Drexel und erneut 2012, diesmal unter dem Titel Die Verführerin Adele Spitzeder mit Birgit Minichmayr in der Rolle der Betrügerin,

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Bild: Peter Müller (10/2014)

München, Alter Südlicher Friedhof

Hinweis: Adele Spitzeder ist auf dem Grabstein nicht erwähnt.

Johann Georg von Langen

 

 

Deutscher Forst- und Oberjägermeister; ältester Sohn des Lehnherrn von Oberstadt und einer Hofdame der Herzogin von Sachsen-Meiningen, an deren hof er in seiner Jugend als Hofpage tätig war. Nach dem Tode der Herzogin wechselte er an den Hof deren Bruder, Herzog ; war in seiner Jugend war als Hofpage am Hof der Herzogin tätig. Nach deren Tod wechselte er an den Hof ihres Bruders, des Herzogs Ludwig Rudolf von Braunschweig-Lüneburg nach Blankenburg (Harz). Dieser gewährte seinem Jagdpagen - mindestens seit 1716 war er ein solcher - 1719 eine Bildungsreise, die ihn u.a. an die Höfe von Stuttgart, München und Wien führte und ihn im Jagdwesen weiterbilden sollte. Als von Langen nach vielen Jahren nach Blankenburg zurückkehrte, nahm er dort die Taxation und Vermessung der Harzforsten vor.

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Gentofte Kommune, Gentofte Kirke

Bilder: Finn Larson (11/2014)

Jeanne d’Arc [dt. Johanna von Orléans]

Französische Nationalheldin und Schutzpatronin;Tochter wohlhabender Bauern; hatte bereits als junges Mädchen Visionen und glaubte die Stimmen des heiligen Michael, der heiligen Katharina von Alexandria und der heiligen Margarete zu hören. Als Anfang 1429, während des Hundertjährigen Krieges, die Engländer kurz vor der Eroberung von Orléans standen, fühlte sie sich berufen, den späteren König Karl VII. von Frankreich - Karl war wegen Konflikten in den eigenen Reihen und wegen des englischen Anspruchs auf den französischen Thron noch nicht gekrönt worden - nach Reims zur Krönung zu führen und Frankreich von den Engländern zu befreien.

Geburtshaus            Denkmal vor der Taufkirche

Am 25.2.1429 wurde sie von Karl auf Schloß Chinon empfangen; wo sie den Dauphin von ihrer Sendung überzeugen konnte. Ihr wurde daraufhin die Erlaubnis erteilt, sich in Männerkleidung, in einer Rüstung und mit einem weißen Banner dem französischen Heer bewaffnet anzuschließen. Dank ihres Einflusses gelang es den Franzosen am 8.5.1429 die englischen Belagerung von Orléans aufzuheben und damit dem Krieg mit England eine Bild: Egbert May (09(2018)entscheidende Wendung zu geben. Nach dem glänzenden Sieg bei Patay am 18.6. konnte die Krönung Karls am 17.7 in der Kathedrale in Reims vollzogen werden.

Place du Vieux Marché, Hinrichtungsplatz

Sie wurde aus Dankbarkeit von Karl VII. mit einem Adelspatent qusgezeichnet, ihr Vater auf Lebenszeit von der Steuer befreit. Aber das Blatt wandte sich bald gegen sie: Obwohl Jeanne die Franzosen geschlossen hinter Karl gebracht und die englische Hoffnung auf die Vorherrschaft in Frankreich zunichte gemacht hatte, war Karl gegen eine Fortsetzung des Krieges gegen die Engländer. Jeanne ging daher 1430 ohne königlichen Beistand bei Compiègne gegen die Engländer vor, geriet am 23.5 bei Compiègne in die Gefangenschaft der mit den Engländern verbündeten Burgunder, die sie jenen verkauften.

Einzig bekannte zeitgenössische Darstellung der Johanna von Orleans (1429).

Die Engländer wiederum lieferten Jeanne an Rouen aus, wo sie von einem geistlichen Gericht unter der Leitung des Bischofs von Beauvais, Pierre Cauchon wegen Ketzerei und Hexerei gezogen wurde. Nach einem 14 Monaten währenden Verhör überführte man sie der Sünde, weil sie Männerkleidung getragen hatte, und der Ketzerei, weil sie glaubte, sie sei nur Gott allein und nicht der Kirche gegenüber verantwortlich. Das Gericht verurteilte sie zum Tode, doch Jeanne gestand reumütig ihre Sünden, und die Strafe wurde in lebenslängliche Haft umgewandelt. Dann aber widerrief sie ihr Geständnis, wurde an ein weltliches Gericht ausgeliefert und am 30.5.1431 als rückfällige Ketzerin auf dem Marktplatz von Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. 25  Jahre nach ihrem Tod nahm die Kirche ihren Fall erneut auf und erklärte Jeanne d'Arc für unschuldig; 1920 wurde sie von Papst Benedikt XV. heilig.gesprochen.

  

Statue der betenden Jeanne d’Arc in der Kathedrale von Toul, Dép. Meurthe-et-Moselle (Kopie aus dem Jahre 1890 nach einer Originalvorlage). Bilder: Dietlind Fischer-Koch (09/2015)

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Rouen, Asche in der Seine verstreut

Wilhelm Krützfeld

 

 

Preußischer Polizeibeamter; diente nach der Grundausbildung als Wehrpflichtiger bis 1907 zunächst in der preußischen Armee, wechselte dann aber in den Polizeidienst, war dort anfangs beim Landespolizeiamt, später dann im Bereich des Polizeipräsidiums tätig, bevor er 1930 dem 65. Revier zugeteilt wurde und 1938 im Range eines Oberleutnants im 16. Polizeirevier in Berlin Mitte seinen Dienst verrichtete. Als in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, in der sogenannten Reichspogromnacht, die Synagogen brannten, stellte er sich einer Gruppe von SA-Leuten entgegen, die gerade dabei waren, Feuer auch an die große Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin zu legen. Er zwang sie zum Rückzug und ließ die Feuerwehr kommen, die den beginnenden Brand noch löschen konnten, so daß das Gebäude nicht zerstört wurde; nächsttags wurde er lediglich mündlich wegen seines Vorgehens verwarnt. Krützfeld war aber auch ansonsten gefährdeten Juden behilflich. 1940 wurde er in ein anderes Revier versetzt, und 1943 ging er auf eigenen Wunsch “aus gesundheitlichen Gründen” vorzeitig in Pension. Nach dem Ende des Krieges wurde er wieder in den Polizeidienst übernommen und leitete die Inspektion Mitte im sowjetischbesetzten Teil Berlins.

Ihm zu Ehren wurde 1993 die Landespolizeischule im schleswig-holsteinischen Malente in “Landespolizeischule Wilhelm Krützfeld” umbenannt.

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Bilder: Klaus Meinert (09/2004)

Berlin-Weißensee, Georgen-Parochial-Friedhof III

Sonstige LXIV

Omnibus salutem!