Alexander Koch

 

Deutscher Verleger; Herausgeber von Kunstzeitschriften; gab ab 1890 die Zeitschrift Innen-Dekoration heraus, die als erste deutschsprachige Zeitschrift für Innenausstattung gilt, und Deutsche Kunst und Dekoration, die sich zu Sprachrohren des neuen Stils entwickelten. Koch, der den Förderern der Kunstgewerbereform angehörte, regte die Gründung der Darmstädter Künstlerkolonie an.

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Darmstadt, Alter Friedhof

Junipero Serra

Spanischer Franziskanermönch; gilt als Gründer San Franciscos, trat mit 16 Jahren am 14.9.1730 dem Franziskanerorden bei, änderte ein Jahr später seinen Taufnamen Miguel José in den des Franziskusbegleiters Junipero, wurde am 17.3.1736 zum Priester geweiht, studierte, promovierte und predigte in Palma. Seit 1744 Professor an der Universität vom Palma, entschied sich aber für die Mission und reiste 1749 nach Mexiko, wo er zwei Jahrzehnte lang als Missionar tätig war. Eine seiner Reisen führte ihn von Mexiko Stadt bis zur Baja California. In wenigen Jahren errichtete er 22 Missionsstationen, 1769 leitete er eine Expedition nach Nordkalifornien. Er gründete u.a. Missionsstationen in San Diego, Los Angeles und San Francisco. Am 25.9.1988 wurde er durch Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Eine Büste von ihm steht vor dem Kapitol in Washington (Denkmal in der Hall of Fame in Washington D.C., 1931; weitere Denkmäler u.a. in Monterey und Palma).

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San Francisco, bei der Missionskirche San Francisco de Asis

Karl Ludwig Sand

                                 

 

Deutscher Theologiestudent; jüngstes von acht Geschwistern eines Justizrats; studierte Theologie zunächst in Tübingen und ab 1815 in der eher konservativen Universität Erlangen, wo er in der Nacht zum 27.8.1816 eine burschenschaftliche Verbindung gründete, die von den gegnerischen, eher unpolitischen Landsmannschaften spöttisch "Teutonia" genannt wurde und wenig Zulauf hatte, und in der die am 1.12.1817 in Erlangen gegründete "Allgemeinen Burschenschaft" aufging; er war antinapoleonischen gesonnen und führend an der Burschenschaftsbewegung beteiligt. Im Herbst 1817 zog Sand nach Jena, wo gerade die Vorbereitungen für ein großes Fest auf der Wartburg getroffen wurden, mit dem der Jahrestag des Sieges über die Franzosen, aber auch die 300. Wiederkehr des Tages der Reformation gefeiert werden sollte. Nach dem Wartburgfest vom 18.10.1817, auf dem die Forderungen nach einem deutschen Einheitsstaat in freiheitlicher Ordnung laut wurden, immatrikulierte sich Sand an der Universität Jena. Dort nahm seine Radikalität weiter zu: Zum Ziel seines Hasses auf Obrigkeit und und Nichteinlösung der versprochenen, aber nicht eingelösten Versprechungen nach einer liberalen Verfassung wurde August von Kotzebue, einen im Dienste Zar Alexander I. stehenden Staatsrat, da dieser die liberalen Ideen und die Ideale der Burschenschaften verspottete. So wuchs in ihm der Plan eines Attentats auf Kotzebue. “Wenn ich so sinne, so denke ich oft, es sollte doch einer mutig über sich nehmen, dem Kotzebue das Schwert ins Gekröse zu stoßen.“ Anfang März brach er nach Mannheim auf, um “einen Brand zu schleudern in die jetzige Schlaffheit.” Am Vormittag des 23.3.1819 betrat er Kotzebues Haus, traf diesen jedoch nicht an. Am später Nachmittag des Tages kehrte er zurück in das Haus zurück und erklärte dem öffnenden Diener, er wolle einen wichtigen Brief übergeben; mit einem Dolch stach er Kotzebue nieder, der wenige Minuten später starb. Nach dem Attentat, dem ersten politische Mord in Deutschland, richtet er, nachdem er wieder auf der Straße war, einen zweiten Dolch gegen sich. Schwer verletzt wurde Sand in ein Hospital gebracht und operiert; aber er erholte sich nicht mehr von der Verletzung, konnte nicht mehr aufstehen. Aber er wurde zu einem Volkshelden. Er wurde zum Tode verurteilt und bewacht von 2.500 Soldaten am 20. Mai 1820 zum Richtplatz gebracht. wo er mit zwei Streichen enthauptet wurde. Seine Tat erwies sich als vergebens; die liberal-national Opposition wurde zerschlagen, führende Patrioten, wie Friedrich Ludwig Jahn, verhaftet Schließlich führte das Attentat in letzter Konsequenz zu den Karlsbader Beschlüssen, die die Unterdrückung freiheitlicher Bestrebungen durch Pressezensur, Burschenschaftsverbot und Überwachung der Universitäten zur Folge hatten.

Ermordung August von Kotzebues

Hinrichtung Karl Ludwig Sands (Bild: Preußischer Kulturbesitz)

Inschrift: Alles Irdische ist vollendet Und das Himmlische geht auf!

Literatur: Jörg von Uthmann, Attentat, Berlin, 1996

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Mannheim, Hauptfriedhof

Charlotte Albertine Ernestine von Stein

                               

Hofdame der Herzogin Anna Amalia; älteste Tochter des Hofmarschalls J. Chr. von Schardt; heiratete 1764 den Stallmeister Friedrich Freiherr von Stein. Von ihren sieben Kindern überlebten nur drei Söhne. Goethe, durch den sie in die Literaturgeschichte eingegangen ist, lernte sie kurz nach dessen Ankunft in Weimar im November 1775 kennen; es entwickelte sich zwischen den Beiden eine sehr enge, vertrauensvolle Freundschaft. Als Goethe 1786 heimlich bei Nacht und Nebel ohne sie zu informieren zu seiner Italienreise aufbrach, war sie allerdings so tief gekränkt, daß ihre Freundschaft zu dem Dichter zerbrach. Ihre Enttäuschung über die Trennung fand ihren Niederschlag in der von ihr 1794 verfaßten Tragödie Dido (= sagenhafte Gründerin Karthagos, die sich aus Verzweiflung über die Abfahrt des Aeneas tötete). Nach Goethes Rückkehr verkehrten sie nur noch sachlich-kühl miteinander. Sie forderte zudem alle ihre Briefe von Goethe zurück und verbrannte sie.

 

Der Weimarer Musenhof (1860, pinxit Theobald von Oer)

Friedrich Schiller deklamiert im Tiefurter Park. Neben Anna Amalia Christoph Martin Wieland, hinter Goethe (rechts, stehend) Charlotte von Stein (mit Schultertuch).

 

 

 

 

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Weimar, Alter Friedhof

Bilder: Günter Strack

Esther Jehuda “Amalia Beer [hebr. אסתר יהודה אסתר]

Deutsche Salonière; Tochter des preußischen Hoffaktors (am Hof für die Geld- und Finanzgeschäfte tätiger Kaufmann) Liepmann Meyer Wulff und dessen Gemahlin Esther, née Bamberger; Mutter des Komponisten Giacomo Meyerbeer; führte neben dem Salon der Familie Mendelssohn Bartholdy einen musikalischen Salon, in dem sich in den 1820er Jahren zahlreiche berühmte Habitués einfanden. Dort spielten u.a. Johann Nepomuk Hummel, Louis Spohr und Niccolò Paganini und sangen Henriette Sontag und Wilhelmine Schroeder-Devrient. Alexander von Humboldt, Eduard Gans und August Wilhelm Schlegel und auch Rahel Varnagen waren häufig zu Gast bei ihr. Als “Mama Beer” hatte Amelie Beer den Ruf eines Berliner Originals. Verheiratet war sie mit dem Zuckerfabrikanten Jacob Herz Beer

Amalia Beer wurde für ihr Engagement in der Verwundetenfürsorge während der Befreiungskriege mit dem Louisenorden. Allerdings zog sie der Prozeß der Ordensverleihung, da sie jüdischen Glaubens war, über eineinhalb Jahre hin.

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Bilder: Josef Aschenbrenner (08/2005)

Berlin, Jüdischer Friedhof, Schönhauser Allee

Danielle Émilienne Isabelle Mitterrand née Gouze

 

Französische Widerstandskämpferin und Autorin; Tochter eines Schuldirektors; Gattin des französischen Staatspräsidenten François Mitterrand; 1940 schloß sie sich im Alter von 17 Jahren der Résistance, der französischen Widerstandsbewegung gegen die Wehrmacht und die faschistische Kollaborationsregierung, an. In dieser Zeit lernte sie den späteren französischen Staatspräsidenten, der aus deutscher Kriegsgefangenschaft geflohen war, kennen, und am 28.10.1944 heirateten sie zunächst im Rathaus, später in der Kirche Saint-Séverin in Paris. 1986 gründete sie die Stiftung France Libertés, deren Ziel der Aufbau einer gerechteren Welt, in der jeder unter Berücksichtigung der Rechte anderer sich frei entfalten kann, ist. Sie setzte sich stets für Flüchtling und unterdrückte Minderheiten ein, so holte sie z.B. 300 Kurden kurzerhand aus einem türkischen Flüchtlingslager nach Frankreich. Überhaupt galt Danielle Mitterrand in Frankreich als “Hort der Menschenrechte.” Im Gegensatz zu ihrem Mann, dem Staatspräsidenten, sagte sie stets, was sie dachte; so prangerte sie Anfang der 1980er Jahre lauthals den "US-Imperialismus" an und kritisierte den früh schon den Kapitalismus. Lange hatte sie sich auch für die Revolution in Kuba und die dortige Leninistisch-Marxistische Regierung Fidel Castros eingesetzt, und sie unterstützte die Sandinisten im Kampf gegen die US-amerikanischen umfangreiche Militärhilfe der dortigen Regierung. Auch nach dem Tode ihres Mann blieb sie politisch aktiv. Bei der Abstimmung zu dem Referendum über den Entwurf einer europäischen Verfassung, im Jahr 2005, stimmte sie mit “Nein”

Autobiographie: Le Livre de ma mémoire (2007).

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Bilder: Bernd Wolter (05/2012)

Cluny, Cimetière communal

Anton Josef Tichler

Bild: Mit freundl. Genehmigung BPD Wien

 

Österreichischer Polizei- und Sicherheitsbeamter; als im Dezember 1975 in Wien eine Konferenz der OPEC-Minister stattfand, drangen am 21.12. der venezolanischen Terrorist Ilich Ramirez Sanchez gen. Carlos und sein sechsköpfiges Kommando, das sich "Arm der arabischen Revolution" nannte, zu dem auch die deutsche Terroristin Gabriele Kröcher-Tiedemann gen. Nada und der deutsche Terrorist Hans-Joachim Klein, der während der Aktion verletzt wurde, gehörten, in die am Wiener Dr.-Karl-Lueger-Ring gelegene OPEC-Zentrale mit dem Auftrag ein, die dort tagenden OPEC-Minister als Geiseln zu nehmen; die Ölminister des Iran und Saudi-Arabiens, Amouzegar und Yamani, sollten getötet werden. In dem Gebäude befanden sich zahlreiche Journalisten sowie zwei Beamte in Zivil, die die Gänge und den Konferenzsaal bewachten: der 59-jährige Josef Janda und der kurz vor seiner Pension stehende Anton Tichler. Als der Kriminalbezirksinspektor Tischer dem heranstürmenden Carlos die Maschnenpistole entreißen wollte, kam durch eine Metalltür vom Treppenhaus her die RAF-Terroristin Kröcher-Tiedemann und richtete an ihn die Frage: “Sind Sie Polizist?“ , schoß ohne ein weiteres Wort aus ihrer Makarow-Pistole auf Tichler aus nächster Nähe und traf ihn ins Genick. Dann stieß sie den sterbenden Tichler in den Aufzug und schickte den Aufzug ins Parterre. Der libysche Regierungsbeamte Jusu Ismirli, der einem der Täter die Schußwaffe entreißen wollte, wurde von Carlos erschossen. Ebenfalls erschossen wurde der OPEC-Angestellte Alaa Hassan Khafali, ein Iraker, der sich dem Terrorkommando ebenfalls in den Weg gestellt hatte. Anschließend gelang es den schwerbewaffneten Terroristen, 62 Personen in ihre Gewalt zu bringen, darunter alle elf Minister der OPEC-Staaten sowie weitere Delegationsmitglieder und deren Mitarbeiter.

Mit Sprengstoff und Handgranaten drohten die Geiselnehmer das Gebäude in die Luft zu sprengen und erzwangen so die Verlesung eines sechseinhalbseitigen Komminiques alle zwei Stunden über das Radio, in dem die Friedenspolitik einiger arabischer Staaten gegenüber Israel angegriffen wurde, es war von einem “gewaltigen Komplott” die Rede, der die arabischen Völker vernichten würde, der Schah von Persien, Mohammed Reza Pahlavi, sowie der ägyptische Präsident Anwar al-Sadat wurden als Agenten des amerikanischen Imperialismus beschuldigt, und es wurde die Nationalisierung des Erdöls gefordert. Nach zähen Verhandlungen wurden schließlich österreichische und in Österreich lebende Geiseln freigelassen, während die Terroristen mit den restlichen Geiseln über den Luftweg das Land verlassen sollten. Am Vormittag des Folgetages verließen die Terroristen mit 33 Geiseln mit einem Flugzeug der Austrian Airlines Wien in Richtung Nordafrika.

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Bild: Maria Waygand (07/2012)

Wien, Zentralfriedhof

Savielly Grigoriewitsch Tartakower

 

Französischer Schachspieler polnischer Herkunft; Sohn eines österreichischen Vaters und einer polnischen Mutter; studierte Rechtswissenschaft und Literaturwissenschaft an der Universität Genf und in Wien, wo er zum Dr. jur. promoviert wurde. Während des Ersten Weltkrieges war er Offizier der österreichisch-ungarischen Armee. Bekannt wurde Tartakower als professioneller Schachspieler und gewann zahlreiche Turniere, darunter in den Jahren 1927 und 1928 das Turnier von Hastings. Er verfaßte auch einige Werke über Schach, darunter Die hypermoderne Schachpartie. Ab 1924 lebte Tartakower in Frankreich. Während des Zweiten Weltkrieges war er unter dem Pseudonym G. Cartier Angehöriger der Freien Französische Streitkräfte im Rang eines Leutnants . Nach dem Fall Frankreichs emigrierte er nach Großbritannien.

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Bild: Herbert Herterich (03/2015)

Pantin, Cimetière parisien de Pantin

Hinweis: Tartakower wurde "en pleine terre" beerdigt, d.h. ohne daß ein Grabstein gesetzt wurde.

Berthold Friedrich Brecht

 

Deutscher Kaufmann eines von neun Kindern eines Lithographen; Vater von Bertold Brecht; verließ früh seine Heimat und absolvierte eine kaufmännische Ausbildung in einem Unternehmen in Oberbayern, bevor er zwischen April 1989 und März 1890 in einer Papierfabrik in Oberachern und anschließend bis Juli 1893 in einer Papiergroßhandlung in Stuttgart arbeitete. Danach zog er nach Augsburg und trat dort in die Haindl'schen Papierfabrik als Kommis (Handlungsgehilfe) ein, wurde später zum Prokuristen ernannt und 1914 zum leitenden Direktor und avancierte 1917 schließlich zum kaufmännischen Direktor des Unternehmens. Er starb während eines Besuchs bei seinem jüngeren Bruder Walter in Darmstadt, der an der dortigen Technischen Hochschule eine Professur für Papierfabrikation bekleidete.

Verheiratet war Brecht seit 15.5.1897 mit Sofie, née Brezing, die Schwägerin seines jüngeren Kollegen Hermann Reitter, der als Techniker ebenfalls in der Haindl'schen Papierfabrik tätig war.

 

Sofie Wilhelmine Friederike Brecht née Brezing

 

Mutter von Bertold Brecht; eine von zwei Töchtern eines Königlich-Württembergischen Stationsvorstehers; Sofie starb bereits im Alter von knapp 49 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung, die sich bereits 1910 bemerkbar gemacht hatte.

Sofie war seit 15.5.1897 mit Berthold Friedrich Brecht verheiratet.

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Bilder: Chris van de Riet (07/2019)

Augsburg OT Hochfeld, Protestantischer Friedhof

Hinweis: Der Text entstammt Brechts “Lied von meiner Mutter

Sonstige VII

Omnibus salutem!