Winifred Marjorie Wagner née Williams

Schwiegertochter Richard Wagners; einzige Tochter des englischen Journalisten John Williams und dessen Frau Emily Florence Karop; nach dem Tode Siegfried Wagners übernahm sie 1930 als seine Witwe bis 1944 die Leitung der Bayreuther Festspiele, die sie während der folgenden Jahre quasi zu einer Kultstätte des Nationalsozialismus’ machte. Dieses Verhalten und ihr besonders enges Verhältnis zu Hitler, den sie 1923 kurz nach dem Deutschen Tag in Bayreuth kennengelernt hatte und der ab 1933 jeder der Festspiele in Bayreuth bis 1940 als ihr persönlicher Gast beiwohnte, brachte sie insbesondere nach dem Ende des Dritten Reichs in die Kritik. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde sie gezwungen, die Leitung der Festspiele in die Hände ihrer Söhne Wieland und Wolfgang zu legen; sie selbst zog sich weitgehend aus dem öffentlichen Leben zurück. Noch Jahre später, in einem Interview, zeigte sie sich, was ihr Verhältnis zum Dritten Reich und Hitler anbelangte, uneinsichtig: “Wenn der Hitler zum Beispiel heute zur Tür hereinkäme, ich wäre genauso fröhlich und glücklich, ihn hier zu sehen und zu haben wie immer ...“, gab sie 1975 in der Filmdokumentation des Filmemacher Hans-Jürgen Syberberg zum Besten.

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Bayreuth, Stadtfriedhof (Alter Friedhof)

Cosima Wagner née de Flavigny

wagner_cosima4_bd  1877   1905   1926

Zweite Ehefrau Richard Wagners; Tochter des Komponisten Franz Liszt aus dessen Beziehung mit der Gräfin Marie d’Agoult, der Tochter Maria Elisabeth Bethmanns; wurde mit ihren Geschwistern Blandine (*1835, †1862) und Daniel (*1839, †1859) von ihrer Großmutter, Anna Liszt, erzogen, bevor ihre Erziehung später in einem Pariser Institut fortgesetzt wurde. Erst 1844 legitimierte sie ihr Vater, so daß sie ab diesem Zeitpunkt den Namen Liszt trug. 1854 heiratete sie in Berlin den Pianisten und Dirigenten Hans von Bülow. Im Sommer 1862 besuchte sie Wagner, der mit ihrem Mann befreundet war, in Biebrich (heute zu Wiesbaden), wo er in einer unmittelbar am Rhein liegenden Villa an den Meistersingern arbeitete. Zwei Jahre später besuchte sie mit ihren beiden, aus der Ehen mit von Bülow stammenden Töchtern Daniela und Blandine Wagner am Starnberger See, wo er im Pellet'sche Landhaus in der Nähe seines Mäzens König Ludwig II. wohnte. Aus der Beziehung ging 1865 ihr erstes gemeinsames Kind, Isolde, hervor. Ihr heimlich geführtes Doppelleben endete mit ihrem Auszug aus dem Bülowschen Haus 1867. Nach der Scheidung 1870 heiratete sie ihren 24 Jahre älteren Geliebten am 25.8. gleichen Jahres. In enger Zusammenarbeit mit ihm, bei dem sie in Tagebüchern jede seiner Äußerungen tagtäglich festhielt, organisierte sie die ersten 1876 stattfindenden Bayreuther Festspiele. Nach Isolde wurden noch Eva und Siegfried geboren. Als Wagner 1883 starb, übernahm Cosima bis 1906 die Leitung der Bayreuther Festspiele, wobei ihr starres Festhalten an den künstlerischen Prinzipien ihres verstorbenen Mannes zu einer gewissen Erstarrung der Festspiele führte, die erst durch Siegfried, der 1908 die Leitung übernahm, nachdem er bereits seit 1896 als Dirigent gearbeitet hatte, aufbrach. Eva, ihre Tochter mit Richard Wagner, war mit Houston Stewart Chamberlain verheiratet. Wie ihr Mann hatte sie eine starke antisemitische Haltung, legte nach seinem Tode sogar seine Schrift Das Judentum und die Musik (1850) noch einmal auf.

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Bayreuth, Park der Villa Wahnfried

Fromet Mendelssohn née Guggenheim

Ehefrau Moses Mendelssohns; älteste Tochter Abraham Guggenheims (~1700 in Wien, †1766 in Hamburg); lernte ihren späteren Mann während dessen Aufenthaltes in Hamburg im Jahre 1761 kennen. Das Paar heiratete am 22.6.1762. Aus der Ehe gingen zehn Kinder hervor, von denen sechs überlebte, u.a. Dorothea und Abraham, der Vater von Fanny Hensel und Felix Mendelssohn. Bei Abwesenheit ihres Mannes übernahm sie auch dessen geschäftliche Korrespondenz. Nachdem ihr Mann 1786 gestorben war, lebte sie zwischen 1787 und 1800 bei ihrer Tochter Recha Meyer in Neustrelitz, kehrte aber nach deren Scheidung nach Altona zurück.

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Bild: Sebastian Panwitz (12/2008) flickr.com/photos/panwitz/

Hinweis: Das Grab, das während des Zweiten Weltkrieges durch Kampfeinwirkungen beschädigt wurde, ist inzwischen restauriert worden.

Hamburg-Altona, Jüdischer Friedhof

Conrad Ahlers

 

Deutscher Journalist; Sohn eines Exportkaufmanns und einer Pastorentochter; nach dem Abitur im Jahre 1941 meldet er sich freiwillig zum Kriegsdienst in einer Fallschirmtruppe. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges studierte er in Hamburg Volkswirtschaft. 1947 war er Mitbegründer der Jungen Union. Nach diversen Tätigkeiten als Journalist, u.a. bei der BBC, wurde er Chef vom Dienst im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung und 1952 Referrent im Amt Blank, dem Vorläuferamt des Verteidigungsministeriums. Ab 1954 wurde er Mitarbeiter in der außenpolitischen Redaktion der in Hamburg erscheinenden Tageszeitung Welt, wechselte 1957 als Bonner Korrespondent des Spiegel, und wurde 1959 innenpolitischer Redakteur der Frankfurter Rundschau, bevor er 1962 stellvertretender Chefredakteur beim Spiegel wurde. Dort verfaßte er den Artikel Bedingt abwehrbereit, der zur sogenannten Spiegel-Affäre führte, in deren Verlauf er als Verfasser und Rudolf Augstein als Herausgeber auf Betreiben des damaligen Verteidigungsministers Franz Josef Strauß verhaftet und die Redaktionsräume des Spiegel von der Polizei besetzt und durchsucht wurden (1965 wurde das Verfahren als unbegründet eingestellt). Nach der Bildung der Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD im Jahre 1966 trat er der SPD (1968) bei und war stellvertretender Leiter des Bundespresseamtes und schließlich in der 1969 gebildeten sozial-liberalen Koalition Staatssekretär und Leiter des Presse- und Informationsamtes. Nach deren Ende betätigte sich Ahlers als Kolumnist für verschiedene Zeitungen, u.a. für das WochenmagazinStern, war zugleich Chefredakteur des Boulevardblattes Hamburger Morgenpost sowie Mitglied der Chefredaktion der Wirtschaftswoche. Im Dezember 1970 zum Intendanten der "Deutschen Welle" gewählt, gab er aus rechtlichen Gründen sein Bundestagsmandat auf.

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Bilder: Peter Gassen (05/2008)

Hoimar Gerhard Friedrich Ernst von Ditfurth

 

Deutscher Publizist und Arzt; Sohn des Altphilologen Hans-Otto von Ditfurth; Vater von Jutta Ditfurth (*1951); nach dem Abitur an einem humanistischen Gymnasium 1939 in Potsdam studierte er Medizin, Psychologie und Philosophie an den Universitäten Berlin und Hamburg, schloß dort 1946 mit der Promotion zum Dr. med. ab. Von 1948 bis 1960 war er an der Universitätsklinik Würzburg tätig, zuletzt als Oberarzt. Nach der Habilitation 1959 an der dortigen Universität wurde er Privatdozent für Psychiatrie und Neurologie. Im Jahre 1960 war er in Mannheim beim Pharmakonzern C. F. Boehringer als Leiter des "Psycholabors" für die interne Entwicklung und anschließende klinische Erprobung von Psychopharmaka tätig; ein Angebot, Mitglied der Geschäftsführung bei Boehringer zu werden, lehnte er ab. 1967 wurde von Ditfurth an der Universität Heidelberg zum außerordentlichen Professor für Psychiatrie und Neurologie ernannt. Im Laufe der nächsten Jahre entwickelte er sich zu einem der profiliertesten Wissenschaftsjournalisten Deutschlands, und als 1970 sein erstes Buch, Kinder des Weltalls, erschienen war, wurde er rasch als Autor von Sachbüchern bekannt. Außerdem war er Herausgeber und Mitarbeiter diverser wissenschaftlicher Zeitschriften und Publikationen. Ab Ende der 1970er Jahre wandte er verstärkt umweltpolitischen Themen zu und wurde Kritiker der ungehemmten Fortschrittsgläubigkeit; er vertrat die Ansicht, daß ein solcher Weg unweigerlich zur Zerstörung der Umwelt führen werde.

Werke u.a.: Im Anfang war der Wasserstoff (1972), Wir sind nicht nur von dieser Welt (1981), So laßt uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen (1985).

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Bilder: Matthias Bauer (09/2008)

Staufen im Breisgau, Friedhof

Tina Modotti eigentl. Assunta Adelaide Luigia Modotti Mondini

Photographin und Revolutionärin; kam 1913 in die Vereinigten Staaten, wohin sie ihrem Vater gefolgt war, und arbeitete zunächst als Näherin, trat aber schon auf Bühnen in San Franciscos Stadtteil “Little Italy“ auf. Ab 1918 lebte sie mit dem Maler und Dichter Roubaix del' Abrie Richey, den sie 1917 geheiratet hatte, in Los Angeles. Dort wirkte sie 1920 erstmals in Filmen mit. Sie wurde Lieblingsmodell und Geliebte des Photographen Edward Weston, mit dem sie nach dem Tode ihres Mannes 1923 nach Mexiko ging und sich in Mexiko-Stadt niederließ und u.a. David Alfaro Siqueiros, Diego Rivera und José Clemente Orozco kennenlernte. In Mexiko begann sie intentiv mit dem Fotografieren, verkaufte ihre Photos an Magazine und Zeitungen und stellte sie aus. Sie lernte den Schriftsteller John Dos Passos (*1896, †1970), die Schauspielerin Dolores Del Rio und die Malerin Frida Kahlo kennen und hatte ab September 1928 eine Liebesbeziehung zu dem aus Kuba emigrierten Revolutionär Julio Antonio Mella, der wenig später auf offener Straße unmittelbar vor ihren Augen erschossen wurde. Sie verließ die Hauptstadt und begann das einfache Leben der Landbevölkerung mit der Kamera zu dokumentieren. Nach dem Verbot der Kommunistischen Partei Mexikos im Jahre 1929 und dem erfolglosen Mordanschlag auf den mexikanischen Staatspräsidenten Pasqual Ortiz Rubio im Februar 1930 wurde sie zunächst verhaftet und dann des Landes verwiesen. Zunächst in Berlin, wo die Arbeiter-Illustrierte-Zeitung ihre Fotos veröffentlichte, ging sie schließlich nach Moskau. Bevor sie nach Mexiko zurückkehrte, nahm sie auf der Seite der Republikaner am Spanischen Bürgerkrieg teil. In Mexiko erlag sie im Alter von nur 45 Jahren während einer Fahrt mit einem Taxi einem Herzleiden.

Inschrift:

        Tina Modotti, hermana,
        no duermes, no, no duermes.
        Tal vez tu corazón
        oye crecer la rosa
        de ayer, la última rosa
        de ayer, la nueva rosa.
        Descalza dulcemente
        hermana.

        Puro es tu dulce nombre,
        pura es tu frágil vida.
        De abeja, sombra, fuego,
        nieve, silencio, espuma,
        de acero, línea, polen
        se construyó tu férrea,
        tu delgada estructura.
        Pablo Neruda

Tina Modotti, Schwester, du schläfst nicht, nein, du schläfst nicht. Vielleicht hörte dein Herz die Rose wachsen, die letzte Rose wachsen, die neue Rose. Ruhe süß, Schwester.

Rein ist dein süßer Name, rein dein zerbrechliches Leben. Aus der Imme, dem Schatten, dem Feuer, dem Schnee, der Ruhe, dem Schaum, von Stahl, der Linie, dem Blütenstaub war dein unbändiges, dein feingliedriges Wesen geschaffen.

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Bilder: Anzor E.R. (01/2009)

Mexiko-Stadt, Panteón Civil de Dolores

Hinweis: Tina Modottis Grab befindet sich auf dem allgemeinen Teil des Friedhofs Panteón Civil de Dolores. Die Absicht, eine Umbettung in die Rotonda de los Hombres Ilustres vorzunehmen, ist bislang gescheitert. Unter dem Flachrelief mit dem von Leopoldo Méndez geschaffenen Porträt ist der erste und der dritte Vers eines Gedichtes von Pablo Nerudas in den Grabstein gemeißelt. Die Grabplatte wurde leider durch Vandalismus beschädigt.

Bei dem links abgebildten, auf dem Cimitero Italiano gesetzten Stein handelt es sich nur um einen Gedenkstein.

Mexiko-Stadt, Cimitero Italiano

Hamburg, Friedhof Ohlsdorf

Heinrich Hoffmann

 

 

Deutscher Photograph; Sohn eines Photographen; machte auf Wunsch seines Vater eine Lehre im elterlichen Betrieb, obwohl er lieber Malerei studiert hätte. Nach einer mehrjährigen Wanderschaft, die ihn u.a. nach London führte, wo er im Betrieb des renommierten, aus Deutschland stammenden Photographen E.O. Hoppé arbeitete, ließ er sich 1906 in München nieder, wo er zugleich zwei Photoateliers leitete, bevor er beschloß Pressephotograph zu werden und ein eigenes Atelier eröffnete. 1913 gründete er den Bilderdienst Photobericht Hoffmann und spezialisierte sich auf Pressephotographien und Portraits. Zudem leitete er einen großen Postkartenvertrieb und belieferte neben der Münchner Illustrierten Zeitung auch Agenturen in Berlin und im Ausland, so auch in Österreich. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, in dem er 1917 noch als ungedienter Landsturmmann zur “Fliegerersatzabteilung I“ eingezogen und an die Westfront abkommandiert worden war, nahm er seine Tätigkeit als Pressephotograph wieder auf und konzentrierte sich dabei auf die politische Revolution der Kommunisten in München. Bekannt wurde Hoffmann, der 1920 der NSDAP beigetreten war und deren Parteigrößen abgelichtet hatte, als Photograph Adolf Hitlers. In seinem Photoatelier lernte Hitler 1929 die damals 17-jährige Eva Braun kennen, die dort in die Lehre ging. Hoffmann gründete den Heinrich Hoffmann Verlag, der im Auftrag der NSDAP zahlreiche Bildbände veröffentlichte, u.a. Ein Volk ehrt seinen Führer oder den Bildband mit dem Titel Die olympischen Spiele 1936. Außerdem vertrieb er zahllose Postkarten mit Bilder des “Führers” und dessen Entourage. Gleichzeitig war er aber auch an der Beschlagnahme zahlreicher Kunstobjekte beteiligt und war Mitglied der Kommission zur ”Verwertung der beschlagnahmten Werke entarteter Kunst“, die teilweise ins Ausland verkauft wurde, um Devisen einzunehmen. Beim Zusammenbruch des Nazi-Regimes wurde er im April 1945 von US-amerikanischen Truppen in Bayern, wohin er sich abgesetzt hatte, gefangengenommen In einem Entnazifizierungsverfahren wurde er zunächst als Hauptschuldiger eingestuft und zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt; außerdem wurde ihm der Professorentitel aberkannt. Nachdem er Rechtsmittel eingelegt hatte, wurde die Strafe auf vier Jahre bei Konfizierung seines gesamten Vermögens reduziert 1950 wurde Hoffmann aus der Haft entlassen und ließ sich inder Nähe von München nieder. Später wurden ihm 20% seines Vermögens zugesprochen und Gemälde aus der Staatsgalerie, die sich einst in seinem Besitz befunden hatten. Ermittlungen wegen NS-Raubkunst wurden gegen Heinrich Hoffmann allerdings zu keinem Zeitpunkt eingeleitet.

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Bilder: Hajo Rackel (06/2014)

München, Nordfriedhof

Bild: Sebastian Panwitz (05/2009) Wikipedia.de

Hamburg-Altona, Jüdischer Friedhof

Sonstige LXXIV

Omnibus salutem!