Bilder: Hartmut Riehm (04/2007)

Theodor Wilhelm Paul Parey

Deutscher Verleger; einer Berliner Kaufmannsfamilie entstammend, begann er 1859 nach dem Abitur eine Ausbildung zum Buchhändler in der Amelangschen Buchhandlung. Anschließend ging er nach Genf, wo er in der Buchhandlung Georg & Co. arbeitete. Nach Ableisten seines Wehrdienstes und seiner Teilnahme am Deutschen Krieg im Jahre 1866 sowie einer kurzeitigen Tätigkeit im Verlag des Bazar, trat er 1867 als Geschäftsführer in die Firma Wiegandt & Hempel ein, einen Verlag für theologische und landwirtschaftliche Schriften. Allerdings wurde er erneut eingezogen und nahm als Reserveoffizier am Deutsch-Französischen Krieg teil, in dem er verwundet und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde. Nach dem Ende des Kriegs kehrte er an seine alte Arbeitsstelle im Verlag Wiegandt &, Hempel zurück. Als Gustav Hempel, der seinen Verlag 1846 gegründet hatte, 1877 starb, wurde Paul Parey alleiniger Inhaber des Verlages, den er 1881 in Paul Parey Verlag umbenannte. In der Folge entwickelte sich der Verlag mit seinen Fachzeitschriften und -büchern auf den Feldern der Landwirtschaft und des Jagdwesens, darunter die erstmals 1894 erschienene Zeitschrift Wild und Hund, die sich über die Jahre zur auflagenstärksten Zeitschrift aus dem Jagdwesen entwickelte, zu einem bedeutenden Unternehmen des Buchhandels, das heute über 1.000 Verlagsobjekte publiziert.

Parey war jahrelang in den Vorständen des Vereins Berliner Buchhändler, der Korporation Berliner Buchhändler und im Börsenvereins der Deutschen Buchhändler (heute Börsenverein des Deutschen Buchhandels). Er unterstütze die Bestrebungen des damaligen Ersten Vorsitzendes des Börsenvereins Adolf Kröner bei der Einführung der Buchpreisbindung, die 1888 in Deutschland realisiert wurde und bis auf den heutigen Tag gilt.

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Berlin-Schöneberg, Alter St. Matthäus Kirchhof

Conrad Nicholson Hilton

 

US-amerikanischer Hotelier; der Sohn eines Norwegers und einer deutschstämmigen Norwegerin besuchte das New Mexico Military Institute, das St. Michael’s College (heute: College of Santa Fe) und die New Mexico School of Mines (heute: New Mexico Tech). In seinen frühen 20er Jahren war er Repräsentant des neu geschaffenen Staates New Mexico. Vom Eintritt der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg 1917 bis zum Jahre 1919 war er Offizier der US-Army, u.a. 1918 in Frankreich. Sein Einstieg in die Hoteleriebranche begann mit dem Kauf des Mobley-Hotels in Cisco in Texas im Jahre 1919. Im November 1930 eröffnete er das erste hochgeschossige Hotel, das El Paso Hilton (jetzt: Plaza Hotel). 1946 gründete er die Hilton Hotel Corporation mit weltweit etablierten Niederlassungen im hochpreisigen Segment. Verheiratet war Hilton von 1925 bis 1934 mit Mary Adelaide Barron, von 1942 bis 1947 mit der Schauspielerin Zsa Zsa Gabor und ab 1976 bis zu seinem Tode mit Mary Frances. Einer seiner beiden Söhne, Conrad Nicholson Hilton Jr. (*1926, †1969) war neun Monate lang der erste Ehemann der Schauspielerin Elizabeth Taylor. Conrad Hilton ist der Urgroßvater von Paris Hilton (*1981)

Autobiographie: Be My Guest, (1957, dt. Conrad Hilton – Die Welt zu Gast bei mir).

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Dallas, Calvalry Hills Cemetery

Bilder: Joseph A Johnson (05/2007)

Julius Michael Johannes Maggi

Schweizer Unternehmer; das jüngste von fünf Kindern eines italienischen Einwanderers aus der Lombardei, der es als Mühlenbesitzer in der Schweiz zu Wohlstand und Ansehen gebracht hatte, und einer Züricher Lehrerstochter übernahm, nachdem er eine kaufmännische Lehre in Basel abgebrochen, dann aber eine Tätigkeit in einem Budapester Mühlenbetrieb als Direktor erfolgreich hinter sich gebracht hatte, mit 23 Jahren dessen Hammermühle im Schweizerischen Kempttal und gründete die Firma Julius Maggi & Cie. Nachdem er erkannt hatte, daß aufgrund der veränderter sozialen Situation (Zuzug in die Städte, Schichtarbeit etc.) in der Zukunft immer weniger Zeit zum Kochen bleiben würde, begann er 1882 mit Versuchen, aus Leguminosenmehlen (Mehl aus Hülsenfrüchte) kochfertige Suppen herzustellen (Carl Knorr hatte bereits 1873 Suppenpräparaten aus Hülsenfrüchten, Gemüse und Gewürzen hergestellt). 1886 wurde die erste kochfertige Suppe aus Gemüsemehlen (Erbsen und Bohnen) in Kempttal hergestellt und vertrieben, und wenige Monate später schon konnte Maggi dem Markt über zwanzig verschiedene Sorten anbieten. Etwa zur gleichen Zeit erfand er die Maggi-Würze, für die er selbst die heute noch bekannte Flasche mit dem gelb-roten Etikett und dem Kreuzstern entwarf - gemäß seines Mottos: “Durch das Kreuz zum Erfolg.” 1900 wurde schließlich der erste Suppenwürfel eingeführt. Sehr früh auch begann der Pionier der industriellen Lebensmittelproduktion mit einer intensive Markenwerbung. Mitarbeiter seines “Reclame- und Pressebureaux’” war eine Zeit lang der später als Dramatiker berühmte Frank Wedekind. Der schnelle Erfolg der Produkte Julius Maggis setzte sich auch im benachbarten Deutschen Reich fort, nachdem er 1887 in Singen am Hohentwiel die erste deutsche Niederlassung gegründet hatte, in der im "Gütterli-Hüsli" ein Verwalter und sieben Arbeiterinnen mit der Abfüllung und dem Versand von "Maggi's Suppenwürze" begannen. Maggi war zweimal verheiratet und hatte vier Töchter und zwei Söhne, wobei letztere im Alter von vier Monaten bzw. 36 Jahren verstarben. 1947 fusionierten die Stammfirmen von Maggi und Nestlé in der Schweiz zur Nestlé Alimentana AG.

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Lindau (Kt.Zürich) Gemeindefriedhof

Heinrich Albert

 

Deutscher Unternehmer; 13. von 15 Kindern eines Oberförsters im fürstlich Leiningschen Dienst in Amorbach; Vater des erfolgreichen Radrennsportler Paul Albert; besuchte in seiner Geburtsstadt die Lateinschule bis zu seinem 9. Lebensjahr und wurde 1850 Lehrling in der Amorbacher Hofapotheke, dessen Eigentümer die besonderen Fähigkeiten des Jungen bemerkte und ihm gestattete, im Laboratorium der Apotheke Experimente durchzuführen. Er ging nach München und studierte an der Universität München bei Justus Liebig, 1858 gründete er - mit einem Pachtvertag über dreieinhalb Jahre in der Tasche - gemeinsam mit seinem Bruder Eugen Albert in Biebrich (heute zu Wiesbaden) die später als Chemische Werke Albert bezeichnete Düngerfabrik in der Lohmühle bei Biebrich. Da bereits nach wenigen Jahren eine Erweiterung der Produktionsstätte notwendig wurde, ihm aber die Errichtung einer solchen in Biebrich untersagt wurde, verlegte er die Firma 1861 auf das angrenzende, damals hessische Gebiet in Amöneburg am Rheinufer (heute zu Wiesbaden), wo sich das Unternehmen rasch zur größten Düngemittelfabrik Deutschlands entwickelte.

Albert, der 1872 das Doppelsuperphosphat erfunden hatte, beschäftigte bereits vor 1914 mehr als 2.000 Arbeiter und unterhielt über 30 Filialen im In- und Ausland. Albert ist auch die Ansiedlung der Portland-Zementwerke Dyckerhoff & Söhne des aus Mannheim stammenden Unternehmers Wilhelm Gustav Dyckerhoff und dessen Kompagnons Carl Brentano in Amöneburg im Jahre 1863 zu verdanken, dem ebenfalls eine Ansiedlung in Biebrich verwehrt worden war.

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Bilder: KN (02.06.2007)

Wiesbaden, Nordfriedhof

Bild: Angelo Mercado (06/2007) flickr.com
Bild: Angelo Mercado (06/2007) flickr.com

New Haven (Connecticut) Grove Street Cemetery

Noah Webster

 

US-amerikanischer Verleger; der Sohn eines Bauern und Webers, Abkömmling des Gouverneurs von Connecticut, John Webster, arbeitete nach einem durch den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg unterbrochenen Studium an der Yale-Universität zunächst als Anwalt, wurde dann jedoch Lehrer. 1806 veröffentliche er sein erstes Wörterbuch; eine stark erweiterte Fassung erschien 1828 als An American Dictionary of the English Language. Es wurde ein solcher Erfolg, daß im amerikanischen Sprachgebrauch "Webster" ("Webster's") bald zum Synonym und Begriffsmonopol für "Wörterbuch" wurde. Webster, der der Meinung war, daß der amerikanische Nationalismus dem europäischen wegen seiner höheren Werte überlegen sei, sah seine Wörterbücher auch als Mittel, seinen Landsleuten eine intellektuelle Basis für einen selbstbewußten amerikanischen Nationalismus zu bieten.

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Bild: Stefan Plogmann.

Augsburg, Sankt Anna-Kirche, Fuggerkapelle

Jakob Fugger II. der Reiche

fugger_jakob_bd pinxit Albrecht Dürer (~1520

Deutscher Handelsherr und Bankier; Reichsgraf (seit 1514); Onkel von Anton Fugger; das neunte von zehn Kindern Jakob Fuggers d.Ä. (*1398, †1469) und dessen Frau Barbara Bäsinger (*1419, †1497), Tochter des Münzmeisters Franz Bäsinger übernahm nach einem Ausbildungsjahr in Italien und Reisen zu den Filialen des Unternehmens 1485 die Leitung der fuggerschen Faktorei in Innsbruck und nach dem Tode seiner Brüder Georg (†1506) und Ulrich (†1511) als Alleininhaber die Leitung des Handelshauses. Konsequent baute er das Unternehmen zu einer wirtschaftlichen Macht aus und übte durch sein enormes Vermögen erheblichen Einfluß auf die Reichspolitik aus. Er verbündete sich mit Erzherzog Maximilian, dem späteren Kaiser Maximilian I., dem er 1490 zu Tirol verhalf und dessen Italienfeldzug (1509) er, nunmehr Bankier des Kaisers geworden, mit 170.000 Gulden finanzierte. Er wurde aber auch zum Finanzier der Päpste und der römischen Kurie. 1519 finanzierte er mit einem Darlehen von über 543.000  Gulden die Wahl Karls I. von Spanien als Karl V. zum Römischen König, der ihm als Gegenleistung spanische Salz-, Kupfer- und Goldbergwerke verpfändete und sie ihm für 400.000  Gulden 1521 auf dem Wormser Reichstag übereignete. Fugger wurde damit Monopolist auf dem europäischen Markt für Kupfer. Dennoch schuldete Kaiser Karl Jakob Fugger weiterhin 200.000  Gulden, zuzüglich acht Prozent Zinsen. Gewinne aus dem Kupfergeschäft und seine Beteiligung am ostindischen Gewürzhandel trugen dazu bei, daß sich das Geschäftskapital des Fuggerschen Handelshauses zwischen 1494 und 1527 von ca. 54.000 Gulden auf rund zwei Millionen Gulden erhöhte. 1519 schuf er als tiefgläubiger Katholik, getrieben auch von der Vorstellung, vom Himmelreich wegen seiner irdischen Reichtümer ausgeschlossen zu werden, die “Fuggerei”, eine in Augsburg heute noch bestehende Wohnsiedlung für bedürftige Ausburger, stiftete die Fuggerkapelle in der Sankt Anna-Kirche und tat manch anderes Gute.

Als auf dem Reichstag zu Nürnberg 1523 die Reichsstände über eine Begrenzung des Handelskapitals und der Zahl der Niederlassungen von Firmen berieten, hielt Jakob Fugger es für angebracht, den Kaiser in seinem sog. Mahnbrief1 vom 24. April 1523 an die jenem seinerzeit gewährte Wahlbeihilfe zu erinnern, um so den Bestrebungen das Handelsmonopol entgegen zu wirken: “Es ist auch wissentlich und ligt am tag, dass Ew(re). Kay(serliche). M(ajestät). die Römisch Cron ausser mein nicht hette erlangen mögen ... So hab ich auch hierin mein aigen nutz nit angesehen; dann wo ich von dem haus Oesterreich absteen und Frankreich fürdern hette wollen, wollte ich gross guott und gelt, wie mir dann angeboten worden, erlangt haben. Wass aber Ew. Kay. Majestät und dem haus Oesterreich nachtail daraus entstanden were, das haben Ew. Kay Majestät aus hohem Verstandt wol zu erwegen” Mit der gleichzeitig erhobenen Forderung auf sofortige Begleichung der offenen Verbindlichkeiten Karls V. gelang es Fugger, daß die Überlegungen zur Monopolbeschränkung nicht weiterverfolgt wurden.

Jakob Fugger, der seit 1498 mit Sibylle Artzt (*~1480, †1546), der Tochter eines angesehenen Augsburger Patriziers, verheiratet war, starb kinderlos; seine Neffen Raymund (*1489, †1535) und Anton (*1493, †1560) wurden 1526 seine Nachfolger.

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1 Der eher ungewöhnliche, an seinen Souverän gerichtete Brief Jakob Fuggers liegt nicht im Original vor, sondern nur in einigen Abschriften, wird aber von den Historiker überwiegend als authentisch eingestuft.

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Bilder: Dieter Georg (06/2007)

Ferdinand Piatnik

 

 

Österreichisch-ungarischer Fabrikant; Sohn des in Ofen (heute zu Budapest) 1819 geborenen Ferdinand Piatnik (†1885), eines Kartenmalers, der 1843 die Kartenmalerei Anton Mosers, in der er gearbeitet hatte, nach dessen Tod und der Heirat mit dessen Witwe übernahm und die Wiener Spielkartenfabrik Ferd. Piatnik & Söhne gründete. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Adolf (*1859, †1940) übernahm Ferdinand Piatnik (II.) das Unternehmen 1885 nach dem Tode des Vaters. 1899 übernahmen beide die Spielkartenhersteller Ritter & Cie in Prag, 1904 Österreichische Spielkartenfabriksgesellschaft in Wien und eine Papierfabrik im österreichischen Ratschach. 1917 wurde das Unternehmen in eine AG gewandelt, mit Ferdinand Piatnik als Präsident des Verwaltungsraten. 1939 erfolgte die rechtliche Umwandlung des Wiener Stammhaus in eine Familien-Kommanditgesellschaft unter dem Firmennamen Wiener Spielkartenfabrik Ferd. Piatnik & Söhne. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gingen die ausländischen Betriebsstätten verloren. Heute befinden sich die Firmenanteile des inzwischen als Piatnik Unternehmensverwaltungs-GmbH firmierenden Unternehmens im Eigentum der Familie.

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Bilder: Otto Prohaska (02/2014)

Wien, Hietzinger Friedhof

Udo Walz

walz_udo_bdBild: Udo Grimberg (10/2014)

 

Deutscher Friseur; Sohn eines Berufskraftfahrers und einer Fabrikarbeiterin; nach seine Friseurlehre - die Meisterprüfung legte er nie ab - arbeitete er als 18-Jähriger in St. Moritz. Nachdem er nach Berlin gekommen war, kümmerte er sich bald um die Models, die als Coverbild auf die Frauenzeitschrift Brigitte kamen und diejenigen, die im Otto-Katalog Mode vorstellten.

Bekannt als Starfriseur wurde Walz durch seine Kundschaft aus der Welt der Prominenten aus Politik, Gesellschaft, Show-Business im In- und Ausland. So zählten unter die prominenten Kunden Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeskanzler Gerhard Schröder, damals noch in St. Moritz Marlene Dietrich, Romy Schneider, später Claudia Schiffer, Twiggy, Heidi Klum, Julia Roberts, sowie die spätere RAF-Terroristin Ulrike Meinhof, die er nicht kannte und die sich ihr Haar umfärben ließ.

Udo Walz war in Inhaber mehrerer Friseursalons, von denen er den ersten 1985 auf dem Kurfürstendamm gründete (für diesen mußte er im Dezember 2020 im Zuge der COVID-19-Pandemie Insolvenz anmelden), dem in Berlin drei weitere Salons folgten, ein weiterer .in Potsdam, einer auf Mallorca. Außerdem richtete er im März 2005 einen Salon auf dem Kreuzfahrtschiff Deutschland und am Roseneck in Berlin-Grunewald ein. 2014, anlässlich seines 70. Geburtstags ließ er wissen, alle seine Läden in Berlin zu schließen und dafür einen großen Udo-Walz-Megastore am Kurfürstendamm zu eröffnen, einschließlich Terrasse, Café und Bistro.

Aber auch seine Auftritte in den unterschiedlichsten Medien trugen zu seiner Popularität bei. Am 10.5.2010 hatte Walz einen Gastauftritt in der RTL-Seifenoper Gute Zeiten, schlechte Zeiten; Anlaß war das „Erwachsenwerden“ der Seifenoper.[16] Außerdem hatte Walz einen kurzen Gastauftritt in der dritten Episode der 6. Staffel von Pastewka. in der Folge Um Haaresbreite der Krimiserie SOKO Stuttgart war Walz 2012 in einer Nebenrolle als Kunde eines gehobenen Friseursalons zu sehen und 2015 hatte er einen weiteren Gastauftritt in der FolgeWo ist Papa? der Fernsehserie Notruf Hafenkante in der Rolle eines Alkoholiker; zudem war er 2016 zu Gast in der ARD-Vorabendquizshow Paarduell. So wurde Udo Walz selber zum Promi.

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Bilder: Klaus Meinert (12/2020)

Berlin-Dahlem, Städtischer Waldfriedhof (UGA)

Johann Froben latinisiert: Johannes Frobenius

Bild: Hans Holbein, der Jüngere

 

Schweizer Buchdrucker und Verleger: Froben, über dessen Eltern und Jungendzeit nichts bekannt ist, der nur eine bescheidene Bildung hatte und lediglich über rudimentäre Kenntnisse der lateinischen Sprache verfügte, absolvierte seine Gesellenzeit in der Druckerei des Anton Koberger in Nürnberg. Vermutlich zwischen 1482 und 1486 kam er nach Basel, wo ihn sein Landsmann Johann Petri (*1441, †1511), der in Mainz, in der Zeit als Johannes Gutenberg noch lebte, den Buchdruck und Schriftguß erlernt hatte, förderte, und er war als Gehilfe von Johann Amerbach (um 1440, †1513), der 1482 das lateinisches Wörterbuch Vocabularius breviloquus druckte, und in dessen Umkreis tätig. Amerbach gehörte unter anderem das Haus "zum Sessel" am Totengässlein, wo heute das Pharmazie-Historische Museum beheimatet ist. 1507 erwarb Froben von Johannes Amerbach das Haus inklusive dessen zweiter Druckerei. Nachdem er 1521 drei weitere Häuser erworben hatte, überließ er eines davon Erasmus von Rotterdam1,

1491 hatte er bereits sein erstes eigenes Werk, eine lateinische Bibel gedruckt und war im Mai des Folgejahres in der Zunft zu Safran aufgenommen, der auch Amerbach angehörte. 1516 druckte er u.a. das von Erasmus bearbeitete Neue Testament in der griechischen Ursprache sowie die Gesamtausgabe des Kirchenvaters Hieronymus in neun bänden. 1518 druckte Froben gesammelte Schriften von Martin Luther.

Bekannt wurde Froben aufgrund seines hervorragenden Drucks, der künstlerischen Ausstattung und der wissenschaftlichen Genauigkeit, Eigenschaften, die seine Auftragsgeber zu schätzten wußten. Dementsprechend stieg die Anzahl der von ihm gedruckten Werke: Waren zwischen 1491 und 1512 dreißig Titel mit seinem Namen erschienen, so produzierte seine Offizin von 1513 bis 1520 153 Titel und von 1521 bis zu seinem Tod 1527 weitere 145.

Johann Froben starb zwei Tage, nachdem er einen Schlaganfall erleiden mußte, an dessen Folgen.

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1 Erasmus wohnte dort, bis er Basel 1529 verließ, nachdem es mit Luther zum Bruch gekommen war, lebte dann bis 1535 in Freiburg im Breisga, bevor er schließlich nach Basel zurückkehrte.

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Basel, Peterskirche

Bild:  Oporinus (10/2020) Wikipedia.de

Hinweis: Die in hebräischer, griechischer und lateinischer Sprache verfaßte Inschrift auf der Grabplatte wurde im Oktober 1527 erstellt.

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Adolph Claus J. Spreckels

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US-amerikanischer Fabrikant deutscher Herkunft; erstes von sechs Kindern von John Diederich Spreckels (*1802, †1873) und dessen Frau Gesche, née Baak (*1804, †1875), die ein Gehöft - seit Generationen im Familienbesitz - betrieb. Spreckels wuchs in bescheidenen finanziellen Verhältnissen auf und erhielt eine Grundschulausbildung und fand 1843 eine Anstellung als Landarbeiter. Da er jedoch auf Dauer keine Zukunft für ein gesichertes Leben erwartete, insbesondere nach den Mißernten der Jahre 1845 und 1846 in Europa, als die nachfolgende Teuerungs- und Hungerkrise im Jahr 1847 ihren Höhepunkt erreichte, faßte er den Beschluß, wie viele seiner Landsleute auszuwandern. Er lieh sich Geld und bestieg 1948 als 19-Jähriger ein Schiff in die Vereinigten Staaten. Dort lebte er zunächst in Charleston, South Carolina, konnte kein Englisch und hatte nur deutsches Geld im Wert von umgerechnet 75 Cent in der Tasche Er hatte jedoch das Glück, eine Anstellung als “junior clerk” in einem von Deutschen geführten Lebensmittelgeschäft zu finden, bekam aber in den ersten sechs Monaten keinen Lohn, sondern nur Unterkunft und Verpflegung. Nachdem der Eigentümer des Ladens sich zurückgezogen hatte, kaufte Spreckels das Geschäft auf Kredit, den er innerhalb eines Jahres tilgen konnte. Den Lebensmitteladen betrieb Spreckels gemeinsam mit seiner Jugendfreundin Anna Christina Mangels (*1830, †1910), die er 1852 geheiratet hatte; sie war gemeinsam mit ihrem Bruder um 1849 auch nach New York City ausgewandert und hatte als Hausmädchen gearbeitet. 1855 verkaufte er den Laden, da er verbotenerweise auch an Schwarze bedient hatte, und übersiedelte nach New York. dort übernahm er ein Groß- und Einzelhandelsgeschäfts in Manhattan, das er gemeinsam mit seinem Schwager Claus Mangels leitete. Aber schon im Folgejahr verkaufte er das wieder und zog mit seiner Familie nach San Francisco, wo er wiederum einen Lebensmittelhandel erwarb, den er 1857 für 50.000 Dollar verkaufte. Hier gründete er 1857 gemeinsam mit seinem Bruder Peter Spreckels und wieder mit seinem Schwager Claus die Albany Brewery, die sich gut etablieren konnte und auf dem regionalen Markt für mehrere Jahre Marktführer war. 1863 verkaufte er seinen Anteil an der Brauerei für 75.000 Dollar, nachdem ihm klar geworden war, daß mit Zuckermehr Profit zu machen sei (in den USA wurde im Gegensatz zu Europa wesentlich mehr Zucker als Bier konsumiert). Bei einem Deutschlandaufenthalt informierte er sich über den Anbau von Zuckerrüben und vertiefte seine Kenntnisse in der Zuckerraffination bei Jacob Hennige & Co in Magdeburg. Nachdem er nach New York zurückgekehrt war, studierte er das Geschäft der Zuckerherstellung in einer großen Raffinerie. Er kaufte nun Maschinen der bankrotten United States Refinery und brachte sie nach San Francisco. 1867 errichtete er an der 8. Straße/Ecke Brannan Street die California Sugar Refinery, die anfänglich eine Kapazität von 9.000 Tonnen pro Jahr; ihm gelang es jedoch, den Produktionsprozeß mit neuen Maschinen, die er sich patentieren ließ, und mittels mit effizienterer Organisation zu beschleunigen. 1881 entwickelte er die modernsten Anlagen in den USA, darunter eine Zucker-Zentrifuge, die die Zuckererzeugung erheblich beschleunigte. Zu seinen Innovationen gehörte auch die Einführung des Würfelzuckers in den USA; zuvor mußte die gewünschte Zuckermenge meist von groben Zuckerblöcken abgeschlagen werden. Spreckels betrieb damit die modernste amerikanische Anlage seiner Zeit, und er war der “Zuckerkönig“ Kaliforniens geworden. Bereits in den späten 1870er Jahren war seine Produktionskapazität für seinen ersten Standort zu klein, so daß er am Potrero Point in San Francisco sein Unternehmen, das jetzt als California Sugar Refinery firmierte, erheblich ausbaute. Auf Hawaii erwarb er Ländereien, wo er baute Zuckerrohr anbaute, auf der Insel Maui 40.000 Hektar Land und errichtete ein Bewässerungssystem. Das auf den Inseln geerntete Zuckerrohr wurde in seinen vier Fabriken in und um San Francisco verarbeitet. 1881 entwickelte Claus Spreckels, der jetzt als der “Sugar King“ von Hawaii und Kalifornien apostrophiert wurde, die modernsten Anlagen in den USA, darunter eine Zucker-Zentrifuge, die die Zuckererzeugung erheblich beschleunigte. Zu seinen Innovationen gehörte auch die Einführung des Würfelzuckers in den USA; zuvor mußte die gewünschte Zuckermenge meist von groben Zuckerblöcken abgeschlagen werden.

Um 1876 kontrollierte er fast den gesamten Zuckerhandel - auch durch Bestechung gelang es ihm, seine wirtschaftliche Macht zum Monopol zu auszubauen und seine Stellung zu behaupten. Im Laufe der 1890er Jahre verlor er dann aber seine Monopolstellung in Hawaii und die Kontrolle über den dortigen Rohzuckermarkt. Die Farmer gründeten eigene Kooperativen und Zuckerraffinerien in Kalifornien und Hawaii. Mit der California and Hawaiian Sugar Company (C&H), die 1906 in Crockett in Südkalifornien gegründet wurde, war Spreckels Vormachtstellung im Zuckermarkt gebrochen. 1887 bildete sich ein Sugar Trust, vertreten durch die American Sugar Company of the East Coast, die in dritter Generation vom deutsch-amerikanischen Unternehmer Henry O. Havemeyer angeführt wurde. Spreckels lehnte eine angebotene Beteiligung am Sugar Trust ab, so daß es zu einem heftigen, teilweise gewalttätigegen Konkurrenzkampf kam; so zerstörten Agenten des Sugar Trust Maschinen in Spreckels Fabriken. Erst im März 1891 endete der ”Zuckerkrieg“. Der Sugar Trust Kalifornien mußte schließen. Nun war Spreckels Zuckerkönig des Westens. Der Sugar Trust der amerikanischen Ostküste kaufte 1892 seine Raffinerie in Philadelphia für rund 7 Mio. Dollar.

Ab 1896 errichtete Spreckels für 2,5 Mio. Dollar die weltgrößte Rübenzuckerraffinerie im Salinas Valley in Kalifornien. Zudem kaufte er weitere 6000 Hektar Ackerland. 1919 hatte sein Unternehmen 66.000 Hektar Land im Besitz oder unter Pacht. Investiert wurde zudem in ein Netz von Straßen und Eisenbahnlinien sowie in die Wasserversorgung (Brunnen, Pumpstationen, Bewässerungskanäle und Rohrleitungen) der neuen Unternehmensstadt. Die Western Sugar Refinery bestand bis 1951.

Spreckels hielt Kontakt zu seiner Heimatregion in Deutschland. Bremen war sein häufigstes Ziel. Er reiste mehr als zwei Dutzend Mal nach Deutschland, zuletzt im Mai 1908. Er lebte von 1869 bis 1871 für 18 Monate in Deutschland, um seine angeschlagene Gesundheit wiederherzustellen. Claus Spreckeld starb im Alter von 80 Jahren, nachdem er zwei Schlaganfällen überstanden hatte, an den Folgen einer Lungenentzündung.

Aus seiner Ehe mit Anna Christina Mangels gingen 13 Kinder hervor, von denen fünf das Erwachsenenalter erreichten: John Diedrich (*1853 †1926), Reeder, Zuckerfabrikant, Zeitungsbesitzer und dann führender Investor in San Diego; Adolph Bernard (*1857, †1924), Finanzier sowie Ölindustrieller; Claus August (*1858, †1946), unabhängiger Zuckerfabrikant in New York; Rudolph (*1872, †1958), führender Bankier und Repräsentant des ”Progessivism“ in Kalifornien sowie seine Tochter Emma C. Watson Ferris Hutton, die wegen ihrer ersten Heirat im heftigen Streit mit ihrem Vater lag und deshalb von 1898 bis 1904 in London lebte.

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Bild: Eric (11/2011) jericl cat flickr.com

Colma (Kalifornien) Cypress Lawn Memorial Park

Unternehmer / Manager XXXVII

Omnibus salutem!