Bild: Julia & Keld (07/2009)

Harry Gordon Selfridge

 

Britischer Unternehmer US-amerikanischer Herkunft; sein Vater kehrte aus dem Sezessionskrieg nicht wieder zu Frau und Kind zurück, obwohl er aus der Armee entlassen worden war, so daß ihn seine Mutter, eine Lehrerin, alleine erziehen mußte. Im Alter von 14 Jahren verließ er die Schule und arbeitete als Buchhalter auf einer Bank, wollte aber eigentlich zur Marine; dieser Wunsch zerschlug sich jedoch, da er wegen zu kleiner Statur abgewiesen wurde. 1879 trat Selfridge als Gehilfe in das kleinen Einzelhandelsunternehmen Field, Leiter and Company in Chicago ein (aus dem kleinen Unternehmen wurde später die Kaufhauskette Marshall, Field & Co. und schließlich Macy's, eines der großen Warenhäuser der Vereinigten Staaten). 1887 wurde ihm die Führung des Einzelhandelsladen übergeben, aus denen er ein modernes Warenhaus machte. In den folgenden 25 Jahren stieg er bis zum Juniorpartner des Unternehmens auf. 1906 besuchte er gemeinsam mit seiner Frau London. Dort fiel ihm die Rückständigkeit der Läden ins Auge, und er erkannte die Marktchancen für ein modern ausgerichtetes und geführtes Warenhaus. Mit einer Investition von ca. £400,000 ließ er am seinerzeit noch nicht sehr attraktiven westlichen (the wrong end) Ende der Oxford Street ein solches errichten. Am 15.3.1909 wurde das Selfridges (nach seinem späteren, unfreiwilligen Ausscheiden aus dem Unternehmen wurde der Firmenname von Selfridge’s in Selfridges geändert) eröffnet, mit dem neue Standards für den Einzelhandel gesetzt wurden: Es überraschte nicht nur wegen seiner Größe, sondern auch dadurch, daß es 130 “Einzelhandelsgeschäfte” (shop-in-shop-Geschäfte) beinhaltete. Auf der Höhe seines wirtschaftlichen Erfolgs zog er in das südenglische, idyllische Highcliffe, wo er ein Schloß bezog. Außerdem erwarb er Hengistbury Head, eine 1,5 Kilometer lange Landzuge an der englischen Südküste mit der Absicht, dort ein gewaltiges Schloß zu errichten. Dazu kam es wegen der “Großen Rezession” allerdings nicht mehr. Rasch kam es zu einem ökonomischen Niedergang seines Unternehmens. Er hatte neben Steuerschulden erhebliche Schulden bei der Midland Bank und war allen Grundbesitzes verlustig gegangen. Begonnen aber hatte sein wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Abstieg, nachdem er die Zwillinge Jenny und Rosie Dolly, "The Million Dollar Dollies", kennengelernt hatte, wobei er sich besonders zu Jenny hingezogen fühlte; sie zogen ihn mit in ihre Spielleidenschaft hinein, so daß große Summen verlor. Die Beziehung endete erst 1933, nachdem Jenny bei einem Autounfall entstellt worden war. Da hatte Selfridge aber bereits 5 Millionen Dollar an an die Zwillinge verloren; 1941 nahm sie sich das Leben. Selfridge lebte schließlich mit einer seiner Töchter in einer kleinen Mietwohnung in Londoner Stadtteil Putney. Nachdem er 1941 das Unternehmen verlassen hatte, fuhr Selfridge - nunmehr zur tragischen Gestalt geworden - täglich mit dem Bus in die Oxford Street und stand draußen vor dem Selfridges.

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Highcliffe-on-Sea, St Mark’s Churchyard

Rowland Hussey Macy

US-amerikanischer Unternehmer; einer Quäkerfamilie entstammend; fuhr im Alter von 15 Jahren auf einem Walfänger zur See; aus dieser Zeit stammt das bis heute verwendete Firmenlogo, ein roter Stern, den er sich auf den Handrücken hatte tätowieren lassen. Bevor er nach New York City übersiedelte und dort an der Sixth Avenue und der 14. Straße am 28.10.1858 die Firma R.H. Macy & Company, bekannt als Macy’s und heute das größte Kaufhaus weltweit, eröffnete, hatte er zwischen 1843 und 1855 vier Kurzwarenläden gegründet und wegen Konkurses wieder schließen müssen. Er beschloß daher, sich mit einem anderen Warensortiment von den Mitbewerbern abzusetzen, und obwohl das erste New Yorker Laden nur eine Schaufensterfront von nur annähernd vier Metern aufwies und der Verkaufsraum sehr klein war, sorgte der exzellente Standort für eine baldige positive Entwicklung. Im ersten Jahr belief sich der Umsatz des Ladens auf US-$ 90.000. Die rasante Entwicklung seiner Gründung erlebte Macy allerdings nicht mehr; er starb im Alter von nur 54 Jahren.

Inschrift: The Lord is my Joy.

 

Macy’s. Stammhaus: Seit 1902 am Herald Square in New York City.

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New York, Bronx, Woodlawn Cemetery

Bild: Anthony (10/2008) wikipedia.en
05/2006

Johann Puch [slowenisch Janez Puh]

Österreichisch-Ungarischer Industrieller; Sohn eines Kleinbauern; nach einer Ausbildung zum Schlosser in Bad Radkersburg zog Puch 1880 nach Graz, um dort seinen Militärdienst abzuleisten. Nach dem Militärdienst gelang es ihm, eine Arbeitserlaubnis für Graz zu erhalten und arbeitete dort zunächst als Mechaniker in einer Werkstätte. Zunächst produzierte er in den 1889 von ihm gegründeten Styria-Fahrradwerken Schlittschuhe und Fahrräder. Er verließ die Fima jedoch, nachdem ein deutscher Gesellschafter hinzugekommen war, und gründete 1899 die J. Puch - Erste steiermärkische Fahrrad-Fabriks-AG, deren Generalddirektor er bis 1912 blieb. Das Unternehmen stellte zunächst Fahrräder her; ab 1901 werden Automobile produziert, mit denen Puch während des Ersten Weltkrieges das k.u.k. Heer belieferte - eines seiner Automobile gewann 1909 mit 130,4 km/h einen Geschwindigkeitsrekord. Ab stellte das Unternehmen dann auch 1904 Motorräder her. 1928 fusionierte das Unternehmen mit der Austro-Daimler und der Oeffag zu den Austro-Daimler-Puchwerke A.G.; diese wiederum ging 1934 zusammen mit der Steyr AG in der Steyr-Daimler-Puch AG auf.

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Graz, Zentralfriedhof

Alwin Robert Schlumberger Edler von Goldeck (seit 1878)

Österreichischer Unternehmer; mußte nach dem Tod des Vaters das Studium abbrechen und arbeitete als Kaufmann in der Champagner-Kellerei Ruinart Père et Fils in Reims, wo er bis zum Kellermeister und Produktionsleiter aufstieg. Bei einer Rheinfahrt lernte er die Wienerin Sophie Kirchner, die Tochter eines Wiener Knopffabrikanten, kennen. Im Frühjahr 1842 hielt Schlumberger um ihre Hand an und verlobte sich mit ihr. Da die Eltern aber ihrer Übersiedlung nach Frankreich nicht zustimmten, übersiedelte Schlumberger 1842 nach Österreich, wo er sie heiratete. In Bad Vöslau pachtete er vom herrschaftlichen Zehentkeller Weingärten am sogenannten Goldeck im Maital, mit dem Ziel, eine Sektkellerei zu eröffnen. 1843 spezialisierte er sich auf die Herstellung von Schaumweinen, die er nach der Methode der Champagne erzeugte, und brachte so in Österreich den ersten weißen Schaumwein auf den Markt. Er kaufte in Bad Vöslau die Weingärten in der Riede Goldeggen hinzu, wo er Reben für Rotwein, den er ab 1844 produzierte, kultivierte. Im Laufe der Jahre erwarb Schlumberger auch in Wien-Heiligenstadt mehrere nebeneinanderliegende Keller, die heute das Herz der Schlumberger Wein- und Sektkellerei darstellen. Seine Weinsorten wurden rasch erfolgreich: Bereits 1845 erhielten sie in London als auch bei der Wiener Gewerbeausstellung Auszeichnungen, gefolgt von Medaillen 1854 in München, 1855 in Paris, 1861 in London, 1865 in Dublin und 1866 in Wien. Schlumberger wurde zum K.u.k. Hoflieferanten. Außerdem gründete er zahlreiche Filialen im Ausland, so 1863 in London und 1876 in Berlin, und unterhielt Vertretungen in den Vereinigten Staaten. Wie beliebt Schlumberger in seiner Wahlheimat Bad Vöslau war, zeigt die Tatsache, daß die Bürger ihn zum Bürgermeister (1864–70) ihrer Gemeinde wählten. Nach seinem Tod übernahmen seine Nachkommen das Unternehmen, das die älteste gesetzlich geschützte Weinmarke Österreichs ("Vöslauer Goldeck") besitzt. Heute (Stand: 2010) werden die Sektkellerei Schlumberger in Wien und das Weingut in Vöslau von der Underberg AG betrieben.

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Bad Vöslau (Niederösterreich)

Hugo Stinnes

~1890 

Deutscher Unternehmer und Politiker; zweiter Sohn des Industriellen Hermann Hugo Stinnes (*1842, †1887) und Adeline Stinnes, née Coupienne; Enkel von Mathias Stinnes (*1790, †1845), der 1808 ein Unternehmen für Schifffahrt und Kohlenhandel gründete; arbeitete nach dem Abitur und dem Besuch der Bergakademie in Berlin-Charlottenburg zunächst im Tagebau des Familienunternehmens und übernahm als 20Jähriger alle Stinnes’schen Bergbaubetriebe zu denen der Kohlehandel als Zentrum und eine Reihe von Tochtergesellschaften, so die Rheinreedereien, Treibstoff-, Baustoff- und Düngemittelhandel sowie Hotelketten wie die Carlton Hotel GmbH gehörten. 1893 gründete er ein eigenes Unternehmen im Kohlehandel, das er innerhalb von zehn Jahren zu einer der führenden Handelsfirmen Deutschlands ausbaute. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte der von ihm geschaffene Montan-, Industrie- und Handelskonzern zu den größten unternehmerischen Konglomeraten Deutschlands. Als Abgeordneter der Deutschen Volkspartei im Reichstag von 1920 bis 1924 vertrat Stinnes die Interessen der deutschen Montanindustrie. Durch Inflationsgewinne in der Weimarer Republik und aufgrund von der Reichsbank großzügig mit niedriger Tilgung gewährter Kredite gelang es ihm, den Stinnes Konzern zu einem risigen Imperium auszubauen. Bereits kurz nach seinem Tode begann sein Firmenkoglomerat auseinanderzufallen; Stinnes’ Erben hatten die nach dem Ende der Inflation, zu erwartenden wirtschaftliche Situation, falsch eingeschätzt: Als die Situation 1925 eintrat, konnten sie die Kredite nicht mehr bedienen.

Verheiratet war Hugo Stinnes seit 1895 mit der 1872 in Montevideo geborenen Cläre, née Wagenknecht (†1973), der Tochter des Kaufmanns Edmund Wagenknechts (*1838, †1921) und späteren österreichischen Konsuls in Wiesbaden und dessen Gemahlin Titta, née Clementine von Eicken. Die Hochzeit fand in Wiesbaden statt.

Grabplatte der Eltern von Cläre in Wiesbaden, Nordfriedhof

Sie wurde nach dem Tode ihres Ehemannes Geschäftsführerin der Hugo Stinnes GmbH, des Handelsteils des Firmenimperium. Aus der Verbindung gingen sieben Kinder hervor. Seine Söhne Hugo Hermann Stinnes und Edmund Stinnes, konnten nur einen kleinen Teil des Vermögens, insbesondere den Seehandel der Hugo Stinnes Corp., retten, der dann aber aufgrund des Zweiten Weltkrieges verloren ging.

Seine Tochter Clärenore (*1901, †1990), das dritte von sieben Kindern, wurde durch ihre Weltreise bekannt. Ausgestattet mit einem Kapital von 100.000 RM, begann sie ihre Reise mit einem Auto des Typs Adler Standard 6 der Adlerwerke Frankfurt am Main am 25. Mai 1927 in der Stadt am Main, begleitet von dem schwedischen Kameramann Carl-Axel Söderstöm (den sie 1930 heiraten wird) und zwei Mechaniker. Ihre abenteuerliche Reise führte sie über 46.000 Kilometer durch 23 Ländern in Europa, Kleinasien, Asien sowie Süd- und Nordamerika und endete am 24. Juni 1929 in Berlin. 2009 entstand - angereichert mit zahlreichen Originalfilmaufnahmen - der Dokumentarfilm Fräulein Stinnes fährt um die Welt..

Hugo Stinnes mit seiner Familie (Clärenore in der Mitte; der älteste Sohn fehlt auf dem Bild)

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Mülheim an der Ruhr, Alter Friedhof

Bilder: Meinhard Siegel (02/2010)
Bilder: Meinhard Siegel (02/2010)

Josef Thyssen

~ 1900

 

Deutscher Industrieller; jüngerer Bruder August Thyssens; nach einer Tätigkeit im Bankgeschäft seines Vaters Friedrich Thyssen übersiedelte Josef Thyssen 1877 nach Mülheim und wurde Mitinhaber von August Thyssens Styrumer Walzwerk Thyssen & Cie. und in dieser Funktion in diversen Aufsichts- und Verwaltungsgremien des Thyssen-Konzerns tätig. U.a. war er 1898 Gründungsvorstand des Mülheimer Bergwerks-Vereins. 1900 zog er mit seiner Familie - er hatte 1880 die Mülheimer Unternehmertochter Clara Bagel (*1856, †1918) geheiratet - in die von ihm neu errichtete Villa Josef Thyssen am Ruhrufer. Thyssen starb an den Folgen eines Autounfalls.

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Mülheim an der Ruhr, Alter Friedhof

Herta Charlotte Heuwer

 

 

Deutsche Kleinunternehmerin; sechstes Kind eines Zimmermanns und einer Fabrikarbeiterin; machte in Berlin zwischen 1929 und 1932 eine kaufmännische und anschließend eine Ausbildung zur Schneiderin und besuchte Haushalts- und Kochkurse. Von 1936 bis 1940 arbeitete sie in der Reichshauptstadt als Verkäuferin im Kaufhaus des Westens (KaDeWe). Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war sie einer der Berliner “Trümmerfrauen”, die nach der Zerstörung der Stadt die Spuren des Krieges beseitigten, sowie Mitarbeiterin bei der “Berliner Küchenhilfe”. Im September 1949 eröffnete sie unter dem Namen Heuwer’s Schnell-Imbiss eine kleine Imbißbude in der Kaiser-Friedrich-Straße / Ecke Kantstraße in Charlottenburg, die sie günstig erworben hatte und in der sie ihre bereits 1949 kreierte “Spezial Curry-Bratwurst”, eine mit Tomatenmark-Curry-Sauce übergossenen Brühwurst, so erfolgreich anbot, daß sie ihr Geschäft bald vergrößern und mehr Personal einstellen konnte. Nachdem sie die Sauce 1958 noch mit Chili geschmacklich verstärkt hatte, meldete sie ihre Erfindung am 15.1.1959 als Patent an. 1972 zog sie mit ihrer Imbißstube in der Kaiser-Friedrich-Straße ein paar Häuser weiter; vier Jahre später verkaufte sie ihr Geschäft und ging in Rente.

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Bilder: Klaus Meinert (07/2013)

Berlin-Wilmersdorf, Städtischer Friedhof

Unternehmer / Manager LVII

Omnibus salutem!