Sigmund Freud

1907 (anonym)

Österreichischer Nervenarzt; Begründer der Psychoanalyse; der Sohn des armen Wollhändlers Jacob Freud studierte ab 1873 Medizin in Wien und promovierte 1881. Er wurde Schüler des Physiologen E. Brücke und des Hirnpathologen Theodor Hermann Meynerth (*1833, †1892); auf einer Studienreise nach Paris hielt sich an der psychiatrischen Klinik der Salpétière bei Jean-Martin Charcot auf (“Zweite Bewußtseinsebene”) und studierte bei Hippolyte M. Bernheim (*1837, †1919) in Nancy seelische Erkrankungen ohne organischen Befund (Hysterien) und deren Behandlungsversuche durch Suggestion und Hypnose. Von der Neurophysiologie kommend, erkannte Freud, daß mit Mitteln der damaligen Medizin keine organische Veränderungen im Gehirn entdeckt werden könnten, aus denen man auf derartige Veränderunger der Persönlichkeit schließen könnte. Er verlegte sich daher auf eine Behandlungsart, in der durch Fragen in Bezug auf frühkindliche Erfahrungen Erkenntnisse zur Persönlichkeitsentwicklung gewonnen werden konnten. Dazu ließ er seine Patienten auf einem Diwan Platz nehmen und frei assoziieren. Einer der berühmten Fälle war der "Fall Anna O." (Bertha Pappenheim), der den junge Freud zusammen mit dem Arzt Josef Breuer zur gemeinsamen Erfindung der sogenannten "Sprechtherapie", eine Vorstufe der Psychoanalyse, führte. Es folgte - gemeinsam mit Breuer - die Publizierung des Werkes Studien der Hysterie. Seit 1885 wurde er Dozent für Neuropathologie und war seit 1902 Professor in Wien, wo er sich bereits 1886 niedergelassen und eine psychiatrische Praxis eröffnet hatte; im gleichen Jahr hatte er Martha Bernays geheiratet. 1891 war Freud in die Berggasse 19 in Wien gezogen, wo er die nächsten 47 Jahre verbringen sollte. Als am 12.3.1938 die Nationalsozialisten deutsche Truppen in Österreich einmarschieren ließen, emigrierte Freud am 4. Juni nach London, wo er im Londoner Stadtteil Hampstead (20 Maresfield Gardens) ein Haus erwarb. Freud, der über viele Jahre hinweg und am Ende an inoperablem Mundhöhlenkrebs litt, wählte den Freitod durch Morphium. Freuds Arbeit wurde von seiner Tochter, der Volksschullehrerin und Kinderanalytikerin Anna Freud, weitergeführt. Heute sind viele seiner Erkenntnisse umstritten. Kritsch beleuchtet wird auch sein Verhältnis zu seinen Mitarbeitern wie C.G.Jung, deren eigene Meinung und Forschungsergebnisse er, besonders nachdem diese sich selbstständig gemacht hatten, heftig und eifersüchtig kritisierte

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Anna Freud

Britische Psychoanalytikerin österreichischer Herkunft; jüngstes von sechs Kindern Sigmund Freuds. Von Beruf Lehrerin, galt ihr Interesse jedoch vorwiegend der Psychoanalyse. Sie absolvierte ihre Lehranalyse bei ihrem Vater und wurde selbst als Psychoanalytikerin tätig. Nach dem Tod ihres Vaters übernahm Anna dessen Erbe und wurde zur Doyenne der Psychoanalyse. Sie verfaßte Arbeiten zur Psychoanalyse des Kindes und lehrte vorwiegend in Großbritannien. Zusammen mit Dorothy Burlingham-Tiffany, mit der Anna seit 1925 zusammenlebte, gründete sie die Hampstead Nurseries, ein Heim, in dem Kriegswaisen betreut wurden. Nach dem Krieg bauten beide die Nurseries aus: die Hampstead-Klinik für Kinder wurde zu einem international renommierten Lehrinstitut für Kindertherapie.

Werke u.a.: Das Ich und die Abwehrmechanismen (1936), Wege und Irrwege der Kinderentwicklung (1968).

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London, Golders Green Crematorium and Mausoleum

Bilder: Claus Harmsen (stones & art)

Gustav Radbruch

 

Deutscher Rechtsgelehrter und Politiker (SPD); studierte in München, Leipzig und Berlin Rechtswissenschaft, war Schüler des Strafrechtsreformers Franz von Liszt. 1904 wurde er zum Professor für Strafrecht, Prozeßrecht und Rechtsphilosophie in Heidelberg ernannt. Von 1914 bis 1918 war er Professor an der Universität von Königsberg, danach in Kiel. Er war Mitglied der SPD, von 1920 bis 1924 MdR und 1921/1922 und 1923 Reichsjustizminister in den Kabinetten Joseph Wirths bzw. Gustav Stresemanns. Unter seiner Ägide entstand 1923 der Entwurf für ein Jugendgerichtgesetz. 1926 folgte er einem Ruf nach Heidelberg, wo er 1933 nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten seines Amtes zwangsenthoben wurde (bis 1945). Nach Ende des Zweiten Weltkriegs nahm er seine Lehrtätigkeit wieder auf. Sein oberstes Gebot war das der Rechtssicherheit, der Gerechtigkeit und sozialer Zweckmäßigkeit. Diese Ansicht korrigierte er unter dem Eindruck der Ereignisse während des Dritten Reiches dahingehend, daß die Gerechtigkeit der höherer Wert zu sein habe. Demzufolge hat sich der Richter bei einem Konflikt zwischen positivem (gesetztem) Recht und Gerechtigkeit unter bestimmten Umständen gegen das Gesetz für die Gerechtigkeit zu entscheiden (Radbruchsche Formel). Diese Formel hat mehrfach Eingang in die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs gefunden.

Werke u.a.: Einführung in die Rechtswissenschaften (1910); Grundzüge der Rechtsphilosophie (1914).

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Heidelberg, Bergfriedhof

Ernst Mach

         

Österreichischer Physiker und Philosoph; zunächst wurde er von seinem Vater, einem Bauern, der auch unterrichtete, selber unterrichtet, und erst im Alter von 15 Jahren kam er auf das Gymnasium, nachdem er zuvor eine Tischlerlehre absolviert hatte. Nach dem Abitur studierte er in Wien Mathematik und Naturwissenschaften und promovierte über Elektrizität. Bereits ein Jahr später wurde der hochbegabte Mach Professor für Mathematik und Physik in Graz, später für Experimentalphysik in Prag und für Philosophie in Wien. Er beschäftigte sich u.a. mit der Analyse der Grundlagen der Mechanik und untersuchte zahlreiche physikalische Phänomene: Bewegung von Körpern mit Überschallgeschwindigkeit (Mach-Kegel, Mach-Zahl), Absorptionslinien in Sternspektren und bestätigte 1860 experimentell die Behauptung Christian Dopplers, daß sich Frequenzen bei der Ausbreitung von Schall-, Licht- oder anderen Wellen verändern, wenn sich Quelle und Beobachter relativ zueinander bewegen (Doppler-Effekt) und und erkannte, daß mittels des Doppler-Effekts Entfernung und Fluchtgeschwindigkeiten auch von Sternen und Sternensystem gemessen werden könnten (Rotverschiebung bei den Spektrallinien). Mach formulierte das wissenschaftstheoretische Prinzip der möglichst einfacher Erklärungen (Denkökonomie); seine Philosophie beeinflußte den Neopositivismus und Werner Heisenberg Deutung der Quantentheorie und bereitete die Relativitätstheorie Einsteins gedanklich vor.

Werke u.a.: Die Mechanik in ihrer Entwicklung (1883), Die Prinzipien der Wärmelehre (1896), Erkenntnis und Irrtum (1905).

Inschrift: Der Name dieser Wegbereiter moderner Physik ist als Masseinheit für die Schallgeschwindigkeit in aller Welt bekannt.

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München, Nordfriedhof

Bilder: Claus Harmsen (stones & art)

Hinweise: Die Urne mit der Asche Sigmund Freuds war ein Geschenk der Prinzessin Marie Bonaparte an den Psychoanalytiker, der sie behandelt hatte. Die rund 2300 Jahre alte Urne wurde, als Diebe im Februar 2014 versuchten sie zu stehen, schwer beschädigt.

Die Urne mit der Asche Anna Freuds befindet sich auf der rechten Seite im obersten Regal.

Bild: Claus Harmsen (stones & art)

Werner Karl Heisenberg

                       (GNU-FDL)

Deutscher Physiker; nach Studium in München habilitierte er 1924 bei Max Born in Göttingen, war danach zu einem Forschungsaufenthalt bei Niels Bohr in Kopenhagen, dann von 1927 bis 1941 Professor in Leipzig und von 1941 bis 1945 Direktor am Kaiser-Wilhelm-Institut in Berlin. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Heisenberg zum Leiter des deutschen Kernenergieprojektes ernannt; als solcher beschäftigte er sich mit den Möglichkeiten der Kernspaltung (1940 unveröffentlichte Theorie des Kernreaktors). Ein wichtiger Beitrag zur theoretischen Physik war die Einführung der S-Matrix 1943 in die Störungstheorie. Seine Haltung zur Frage des Baus einer deutschen Atombombe ist bis heute umstritten. Nach dem Krieg war Heisenberg kurze Zeit in England interniert. Von 1946 bis 1970 übernahm er die Leitung des Göttinger Max-Planck-Instituts für Physik und Astrophysik, das 1958 nach München verlegt wurde. In dieser Zeit widmete sich Heisenberg dem Versuch, eine einheitliche Feldtheorie für die Elementarteilchen zu entwickeln. Seine Untersuchungen führten ihn zur heisenbergschen Weltformel in der Spinortheorie (1958), wobei die Elementarteilchen als Zustände des gleichen Spinorfelds aufgefaßt und durch nichtlineare Feldgleichungen beschrieben werden. Diese Theorie erregte seinerzeit großes Aufsehen, wurde aber mittlerweile durch andere Ansätze (Große Vereinheitlichte Theorien) verdrängt. Heisenberg, der als einer der bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts gilt, ist einer der Begründer der Quantenmechanik. 1925 forderte er, in der Physik nur beobachtbare Größen (Observable) zuzulassen. Mit Born und Ernst Pascual Jordan (*1902, †1980) entwickelte Heisenberg den matrizenbenutzenden Formalismus für die Quantenmechanik, dessen Äquivalenz mit dem Wellenfunktionen verwendenden Ansatz von Erwin Schrödinger bald bewiesen wurde. 1927 formulierte Heisenberg die Unschärfrelation, d.h. die prinzipielle Unbestimmtheit inneratomarer Vorgänge, und schuf mit Bohr die Kopenhagener Deutung der Quantenmechanik. Für diese Leistungen wurde ihm 1933 derNobelpreis für das Jahr 1932 verliehen.

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München, Waldfriedhof, Alter Teil

Bild: Hartmut Riehm (02/2006)
Bild: Alexander Krischnig (09/2006)
Bild: Michi (08/2007)

London, Golders Green Crematorium and Mausoleum

Ferdinand Adolf Gregorovius

     

Deutscher Historiker und Schriftsteller; entstammte einer masurischen Pfarrers- und Juristenfamilie; studierte nach dem Besuch des Gymnasiums in Gumbinnen von 1838 bis 1841 bis 1841 Theologie und Philosophie an der Albertus-Universität in Königsberg, unterbrach das Studium und studierte dann bis 1843 schließlich Geschichte bei dem Althistoriker Wilhelm Drumann. Anschließend war er als Hauslehrer in der Provinz tätig, kehrte dann nach Königsberg zurück und war bis 1852 Lehrer an einer Privatschule in Königsberg, wo er zugleich .als Redakteur der Neuen Königsberger Zeitung arbeitete. Gregorovius, der in den Jahren 1848/49 zu den revolutionären Linken gehörte und sich als Sozialist bezeichnete, litt wie viele Gleichgesinnte nach dem Scheitern der Reformbewegung unter der zunehmenden Repression und Unterdrückung und verließ 1852 Deutschland. Er reiste nach Italien, wo er die Zeit des dortigen politischen Umbruchs 1859/61 bis zum Sieg des italienischen Nationalstaates miterlebte, als am17.3.1861 Viktor Emanuel II. in Turin zum König Italiens ausgerufen wurde. Zunächst hielt er sich in Korsika auf, das er drei Monate lang durchwanderte, bevor er sich in Rom niederließ, wo er seine Reiseaufzeichnungen auswertete und seine Erlebnisse in seinem Buch Wanderjahre in Italien (1856–1877) niederlegte. Sein wichtigstes Werk aber war Die Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter, das zwischen 1859 und 1872 in acht Bänden erschien; für dieses Werk wurde er 1876 zum ersten deutschen Ehrenbürger der “Ewigen Stadt“ ernannt. Kurz vor Vollendung des Werke faßte er den Entschluß, ein Buch über das Leben der Lucrezia Borgia zu schreiben, das 1874 unter dem Titel Lucrezia Borgia. Nach Urkunden und Korrespondenzen ihrer eigenen Zeit in zwei Bänden erscheinen konnte, nachdem es ihm gelungen war, Zugang zu dem Archiv der Notare des Kapitols zu erhalten. Später folgten Werke über die Geschichte Byzanz und das mittelalterliche Athen, Geschichte der Stadt Athen im Mittelalter. Von der Zeit Justinians bis zur türkischen Eroberung (1889).

1874 siedelte er nach München über, wo er im Folgejahr ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften wurde. Er besuchte aber immer wieder Rom und unternahm 1880 und 1882 ausgedehnte Reisen nach Griechenland und in den Orient.

Werke u.a.: Göthe´s Wilhelm Meister in seinen socialistischen Elementen entwickelt (1849), Die Grabmäler der römischen Päpste. Historische Studien (1857), Athenais. Geschichte einer byzantinischen Kaiserin (1882), Der Kaiser Hadrian. Gemälde der römisch-hellenischen Zeit zu seiner Zeit (1884), Römische Tagebücher (1892 postum von Friedrich Althaus bei Cotta herausgegeben).

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Neidenburg-Nidzica (Polen), Burgberg, im Denkmal seines Vaters

Hinweis: In seinem Testament hatte er bestimmt, daß aus seinem der Stadt Neidenburg hinterlassenen Vermögen u.a. ein Denkmal für seinen Vater errichtet werden solle. Nach dem Tode von Ferdinand Gregorovius wurde seine Asche – nicht wie er gewüscht hatte, in alle Winde zerstreut – vielmehr wurde die Urne zunächst in der Schloßkapelle der Burg Beichlingen aufbewahrt, dann 1911 nach Neidenburg überführt und schließlich 1912 in der Basis des inzwischen fertiggestellten Denkmal beigesetzt, wo sie bis 1945 verblieb (die Grabplatte mit der Inschrift Hier ruhen die sterblichen Überreste von Ferdinand Gregorovius, dem deutschen Historiker und Bürger Roms. 19.Januar 1821 – 1. Mai1891, verblieb in Beichlingen, wo sie 1990 wieder aufgefunden und in die Mauer der Schlosskapelle eingefügt wurde). Nach 1945 fand sich die Urne, jedoch leer, im Rathaus von Neidenburg an. 1986 wurde sie schließlich neben einer Gedenktafel seiner Vorfahren im Tor des Neidenburger Ordensschlosses eingemauert.

Inschrift auf der oberen Platte: Dem Erhalter des Schlosses Kreisjustizrat Ferdinand Timotheus Gregorovius gewidmet von der dankbaren Stadt Neidenhaus, 1912 [Die Inschrift wird in polnisch wiederholt].

Bild: Kavikvs (08/2009)
Bild: Kavikvs (08/2009)
Bild: Kavikvs (08/2009)

Feodor Felix Konrad Lynen

 

 

Deutscher Biochemiker; Sohn eines Professors für Maschinenbau; studierte von 1930 bis 1934 Chemie an der Universität München und promovierte 1937 unter dem Nobelpreisträger von 1927, Heinrich Wieland, mit dessen Tochter Eva er verheiratet war. Ab 1942 zunächst als Stipendiat der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft im Chemischen Laboratorium der Bayerischen Akademie der Wissenschaften tätig, wurde er 1942 als Dozent Abteilungsleiter für Biochemie des Chemischen Staatslaboratoriums der Universität München und 1947 außerordentlicher und 1953 ordentlicher Professor. Ebenfalls 1953 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gewählt. 1951 gelang ihm die Isolierung aktivierter Essigsäure (Acetyl-Coenzym A) aus Hefezellen, 1958 identifizierte er Isopentenylpyrophosphat als Baustein der Terpene und des Cholesterins. Mit der Isolierung der ”aktivierten Essigsäure“ stellte er die Grundlage zur klinischen Erforschung von Fettstoffwechselstörungen etwa bei Diabetes mellitus oder der Entstehung der Arteriosklerose bereit. 1964 "erhielt (er) für die Aufklärung der chemischen Struktur von mehreren biokatalisch wirksamen und den Zellstoffwechsel regulierenden Substanzen" den Nobelpreis für Medizin. Ab 1972 bis zu seiner Emeritierung 1979 war Lynen Direktor der Abteilung Enzymchemie und Stoffwechse und von 1974 bis 1976 Geschäftsführer des Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München. Nach ihm wurde das Feodor-Lynen-Forschungsstipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung benannt, deren Präsident er von 1975 bis 1979 war.

Auszeichnungen u.a.: Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste (1971).

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Bild: Hans Schmid (11/2011)

Starnberg OT ieden, Gut Rieden, Privatfriedhof St. Peter

Sergej Iwanowitsch Wawilow [russ. Сергей Иванович Вавилов]

 

Russischer Physiker; Sohn eines vermögenden Schuhfabrikanten und Abgeordneten des Moskauer Stadtrates; Bruder des Botanikers und Genetikers Nikolaj Iwanowitsch Wawilow; besuchte zunächst die Kaufmannsschule an der Ostoschenka, später bis 1914 die Lomonossow-Universität, an der er ab 1910 im Labor von Pjotr Nikolajewitsch Lebedew war. Während des Ersten Weltkrieges diente er in der russischen Armee. Nach dem Krieg kehrte er an die Universität zurück, unterrichtete dort Physik, erhielt 1929 eine Professur und leitete ab 1932 das neugegründete Lebedew–Institut für Physik der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften. Dort entdeckte er gemeinsam mit seinem Doktoranden Pawel Alexejewitsch Tscherenkow 1934 die nach letzterem benannte Tscherenkow-Strahlung, deren theoretische Erklärung 1937 Ilja Michailowitsch Frank und Igor Jewgenjewitsch Tamm lieferten (die Tscherenkow-Strahlung, bei der es sich um eine Leuchterscheinung handelt, die von schnellen elektrisch geladenen Teilchen in elektrisch nicht oder fast nicht leitenden Medien erzeugt wird, stellte sich in der Nuklearphysik und der Untersuchung kosmischer Strahlung als von großer Bedeutung heraus). 1938, 1946 und 1950 wurde er in den Obersten Sowjet gewählt. Während des Großen Vaterländischen Krieges war er als Kommissar des Staatlichen Komitees für die Landesverteidigung verantwortlich und leitete u.a. die Entwicklung von Waffentechnik. 1945 wurde er zum Präsidenten der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften gewählt, ein Amt, das er bis zu seinem Tode innehielt.

Auszeichnungen u.a.: Stalinpreis (1943, 1946 und posthum 1951)

Wawilow mit seinem Bruder Nikolaj Iwanowitsch (links), und der Mutter Alexandra Michajlowna.

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Bilder: Stasa16 (06/2009) Wikipedia.ru

Moskau, Friedhof am Neujungfrauenkloster

Cesare Lombroso

                        

Italienischer Arzt, Psychiater und Anthropologe; Sproß einer wohlhabenden jüdischen Familie; studierte Medizin in Padua, Wien und Paris. Nach Abschluß der Studien während der Zeit nach der Einigung Italiens bei Einheiten als Militärarzt tätig, die das Banditentum bekämpften. Zwischen 1863 und 1872 leitete er als Verantwortlicher für klinische Psychiatrien die Irrenanstalten in Pavia, Pesaro und Reggio Emilia und führte u.a. Untersuchungen über Kretinismus und an Pellagra-Kranken durch. Ab 1867 war er als Professor der gerichtlichen Medizin und Psychiatrie in Pavia und ab 1876 in Turin tätig, wo er Gefängnisinsassen und ihre Körper untersuchte, um seine Theorien über Verbrecher gegen die Praxis zu validieren. Lombroso, der als Begründer der Kriminologie gilt, stellte die These auf, daß die Ursache von Verbrechen in erblichen physiopsychischen Anomalien des Täters zu suchen sei. Daher, meinte er, könne man an körperlichen Merkmalen Anlagen zu kriminellem Verhalten erkennen, da sie nicht erworben, sondern angeboren seien, z.B. die Form des Schädels, zusammengewachsene Augenbrauen, Alles das gilt als absurd; einzig bei Psychopathen beobachtete, fehlende Empathie, hervorgerufen durch neurologische Fehlentwicklungen, gelten u.U. als angeboren. Aufgrund seiner Erkenntnisse entwickelte er seine Tätertypenlehre, die auch außerhalb Italiens Anwendung fand. 1880 gründete Lombroso das Archivio di psichiatria, antropologia criminale e scienze penali.

Werke u.a.: Genio e follia (1864; dt. Genie und Irrsinn in ihren Beziehungen zum Gesetz, zu Kritik und zur Geschichte), L´Uomo delinquente (1876, dt. Der Verbrecher in anthropologischer, ärztlicher und juristischer Beziehung).

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Bild: GJo (08/2011) Wikipedia.it

Turin, Cimitero Monumentale

Bilder: Claus Harmsen (stones & art, 08/2012)
Wissenschaft & Forschung XXI

Omnibus salutem!