Bild: Olaf Scholten

Lise Meitner

1900                                 1928

Österreichisch-schwedische Physikerin; studierte in Wien bei Ludwig Boltzmann und in Berlin bei Max Planck, promovierte in Wien als zweite Frau weltweit. 1914 wurde sie wissenschaftliches Mitglied des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Chemie in Berlin-Dahlem und 1919 Professorin in Berlin. Während des Ersten Weltkrieges wurde ihre Arbeit unterbrochen, da sie in Lazaretten an der Ostfront tätig war. Nach Ende des Krieges setzten sie und Otto Hahn ihre gemeinsame Forschungen erfolgreich fort und entdeckten mehrere radioaktive Isotope der natürlichen Zerfallsreihen. Da sie Jüdin mit österreichischer Staatsbürgerschaft war, wurde ihr 1933 nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zwar die Lehrerlaubnis entzogen, sie konnte jedoch zunächst weiterarbeiten, wurde dann aber nach dem “Anschluß” Österreichs an das Deutsche Reich 1938 von Otto Hahn, mit dem sie jahrelang zusammengearbeitet hatte, im Stich gelassen und ihres Postens enthoben. Sie ging über Dänemark nach Schweden in die Emigration und wurde dort Abteilungsleiterin an der Ingenieurwissenschaftlichen Akademie in Stockholm, wobei ihre Hauptarbeitsgebiete Kernphysik und Radioaktivität waren. 1939 lieferte mit ihrem Neffen, dem Chemiker Otto Robert Frisch (*1904, †1979), die erste theoretische Erklärung für die von Hahn und Fritz Straßmann entdeckte Kernspaltung. Obwohl sie ganz entscheidend an der Enträtselung der Spaltung beteiligt war, ging sie bei der Verleihung des Nobelpreises, der Hahn 1944 zugesprochen wurde, ungerechterweise leer aus. Als ihr die Amerikaner die Zusammenarbeit an der Entwicklung der Atombombe anboten, lehnte die überzeugte Pazifistin an. 1960 siedelte sie zu ihrem Neffen nach Cambridge über, wo sie die letzten acht Jahre ihres Lebens verbrachte und sich für die friedliche Nutzung der Kernspaltung einsetzte. Ihr zur Ehren wird alle zwei Jahre von der European Physical Society (Mülhausen, Frankreich) der Lise Meitner Prize for Nuclear Science vergeben.

Inschrift: A Physicist Who Never Lost Her Humanity.

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Bramley (Hampshire)

Luigi Galvani

            

Italienischer Arzt und Naturforscher; studierte, bevor er sich auf Wunsch seiner Familie der Medizin zuwandte, Theologie. 1762 wurde er Professor der Anatomie und Gynäkologie in seiner Heimatstadt. Per Zufall entdeckte er am 6.11.1780 bei Experimenten mit Froschschenkeln elektrochemische Effekte, die er auf elektrische Entladungen im tierischen Körper zurückführte. Sein Irrtum führte später zur Grundlage der Entdeckung elektrochemischer Zellen (Galvanische Zellen oder Galvanische Elemente) durch Alessandro Volta und leitete eine neue Ära der Elektrizitätslehre ein.

Als die französische Truppen im Rahmen ihres Italienfeldzugs Bologna 1796 besetzt hielten und sich Galvani weigerte, einen Eid auf die Cisalpinische Republik, die Napoléon am 29.6.1997 proklamiert hatte, zu leisten, ging er seines Amtes an der Universität verlustig, wurde jedoch 1798 als emeritierter Professor wieder restituiert.

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Bologna, Chiesa Corpus Christi

Julius Robert von Mayer (seit 1867)

                                          

Deutscher Arzt und Physiker; der Sohn eines Apothekers studierte von 1832 bis 1837 Medizin an der Universität Tübingen. Als er wegen Teilnahme an einer verbotenen Studentenverbindung u.a. für ein Jahr vom Studium ausgeschlossen wurde, heuerte er 1840 nach einem kurzen Aufenthalt auf einem holländischen Schiff als Schiffsarzt für eine Reise nach Batavia (heute Jakarta) an. Während dieser Reise entdeckte er, daß bewegtes Wasser wärmer ist als unbewegtes und stellte sich die Frage, “ob die direkt entwickelte Wärme (Verbrennungswärme) allein oder ob die Summe der auf direktem und indirektem Wege entwickelten Wärmemengen auf Rechnung des Verbrennungsprozesses geht.” Hierzu gelang ihm nicht nur der Nachweis, sondern er konnte 1842 erstmals auch den quantitativen Faktor der Umwandlung, das Mechanische Wärmeäquivalent, berechnen. 1845 begründete in seiner Schrift “Die organische Bewegung in ihrem Zusammenhange mit dem Stoffwechsel” das Gesetz von der Erhaltung der Energie. Dieser Satz wird als Erster Hauptsatz der Wärmelehre bezeichnet und war der Vorreiter des allgemeinen Energieerhaltungssatzes, den Hermann von Helmholtz 1847 formulierte. Mayer, der sich nach seiner Rückkehr aus Batavia 1841 wieder in Heilbronn niedergelassen hatte und zum Oberamtswundarzt befördert worden war, litt darunter, daß die zeitgenössischen Physiker seinen Energieerhaltungssatz ablehnten. Als 1848 zwei seiner Kinder kurz hintereinander starben - er hatte 1842 geheiratet -, unternahm er - nervlich stark angegriffen - im Mai 1850 einen Selbsttötungsversuch und mußte in ein Sanatorium gebracht werden. Auch nach seiner Entlassung konnte er sich nicht vollständig erholen, obwohl er 1860 wieder an die Öffentlichkeit ging, da seine wissenschaftliche Arbeit inzwischen anerkannt wurde. Er widmete sich jedoch in seinen letzten Jahren seinem ursprünglichen Beruf als Arzt.

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Heilbronn, Alter Friedhof

Wilhelm Eduard Weber

                         

Deutscher Physiker; Bruder der Physiologen Ernst Heinrich Weber (*1795, †1878) und Eduard Friedrich Weber (*1806, †1871). Zunächst Professor in Halle (Saale), folgte er 1831 einem Ruf an die Universität in Göttingen. Dieses Amt verlor er jedoch im Dezember 1837, als er mit sechs weiteren Göttinger Professoren (Göttinger Sieben) gegen die Aufhebung der Verfassung durch den König von Hannover, Ernst August I., protestierte. Nach dem Verlust seiner Professur lebte er als Privatgelehrter in Göttingen, um schließlich 1843 nach Leipzig berufen zu werden. Erst 1849, nach Ende der Revolution, konnte er in seine alte Stellung zurückkehren. Webers Hauptarbeitsgebiete waren: Elektrizität und Magnetismus. Weber baute 1833 mit Carl Friedrich Gauß, mit dem er befreundet war, die erste größere elektromagnetische Telegrafenanlage und entwickelte, an Gauß anknüpfend, das absolute elektrische Maßsystem. Nach Weber wurde die SI-Einheit “Weber” (abgekürzt Wb) des magnetischen Flusses benannt.

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Göttingen, Stadtfriedhof

Bild: Longbow4u (02/2006) GNU-FDL

Adolf Otto Reinhold Windaus

Deutscher Chemiker; studierte Medizin in Freiburg und in Berlin, wandte sich jedoch nach dem Physikum der Chemie zu und promovierte darin 1899. Zurück in Berlin, wurde er Mitarbeiter Emil Fischers, wechselte jedoch 1901 an die Universität Freiburg und habilitierte dort 1904. Nach einer Tätigkeit als Privatdozent und Professor in Freiburg und Innsbruck (1913-15), folgte er einem Ruf an die Göttinger Universität. Windaus untersuchte den Aufbau der Sterine (besonders des Cholesterins und des Ergosterins), stellte ihren Zusammenhang mit den Gallensäuren und mit bestimmten Vitaminen fest und klärte v.a. die Struktur der Vitamine D2 und D3 (Calciferole) sowie ihrer Provitamine auf.

Auszeichnungen u.a.: Nobelpreis für Chemie (1928).

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Bild: Federico Cantoni (04/2006) GNU-DLF

Leon Battista Alberti

Italienischer Humanist, Künstler und Gelehrter; dem vermutlich illegitimer Sohn eines florentiner Adligen wurde eine fundierte Erziehung zuteil: er besuchte die vom Humanismus geprägte Schule von Barsizia in Padua und studierte an der Universität von Bologna Rechtswissenschaften. Seine erste Reise führte ihn 1428 nach Florenz. 1432 ernannte ihn Papst Eugen IV. zum päpstlichen Sekretär in Rom. Der dortige Aufenthalt bis 1434 regte ihn zur Beschäftigung mit den antiken Baudenkmälern an; er verfaßte eine Beschreibung der Heiligen Stadt und beriet den Papst bei der Restaurierung und architektonischen Entwicklung der Stadt. Zu seinen Vertrauten gehörten der Bildhauer Donatello und der Architekt Filippo Brunelleschi. Letzterem widmete er seine Abhandlung Della Pittura (1435, Über die Malerei). Außerdem verfaßte er 1451 die Abhandlung Über die Baukunst. Nach seiner späteren Rückkehr nach Rom arbeitete er für verschiedene Päpste als Bauinspektor, so beauftragte ihn Nikolaus V. u.a. mit dem Wiederaufbau und Ausbau des Petersdomes und des Vatikans. Hiermit begann seine bahnbrechend Tätigkeit als Baumeister für die Renaissance; einige seiner Bauten: San Francesco, Rimini (1446); Palazzo Rucellai (1446-51) und Fassade von Santa Maria Novella (vollendet 1470) in Florenz; San Andrea, Mantua (ab 1470).

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Florenz

Hinweis: Es handelt sich um einen Kenotaph; Albertis Grabstätte ist unbekannt.

Bild: Klaus Hübner (05/2007)
1998
Bild: Xocolatl (02/2006) GNU-FDL

Göttingen, Stadtfriedhof

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Georg Friedrich Karl Wittig

 

Deutscher Chemiker; Sohn eines Professors der Kunstgewerbeschule in Kassel; begann 1916 im Alter von 19 Jahren in Tübingen ein Studium der Chemie, das durch seine Einberufung zur Armee während des Ersten Weltkriegs unterbrochen wurde. Nach der Rückkehr aus britischer Kriegsgefangenschaft setzte er das Studium 1919 in Marburg fort. Dort arbeitete er am chemischen Institut bei Karl Friedrich von Auwers. 1923, im Jahr seiner Promotion, erhielt er an der Universität eine Anstellung als Unterrichtsassistent. 1926 habilitierte er und war bei Hans Meerwein als Oberassistent tätig. 1932 wurde er Leiter und außerordentlicher Professor an der Technischen Hochschule Braunschweig. Ab 1937 war Wittig außerordentlicher Professor bei Hermann Staudinger an der Universität Freiburg im Breisgau und wurde 1939 verbeamtet. 1944 wechselte er als ordentlicher Professor an der Universität Tübingen. Das Angebot , die Nachfolge Staudingers anzutreten, lehnte er ab und nahm einen Ruf als Direktor des organisch-chemischen Instituts als Nachfolger Karl Freudenbergs in Heidelberg an; 1967 emeritierte er.

1942 postulierte er das Dehydrobenzol und entwickelte 1953 eine allgemein anwendbare Olefinsynthese (sog. Wittig-Reaktion); hierfür erhielt er 1979 gemeinsam mit Herbert Charles Brown (*1912, †2004) den Nobelpreis für Chemie.

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Heidelberg-Handschuhsheim, Friedhof

Alexandra Alice Marie Baronesse von Wolff-Stomersee gen. Licy; verh. Alessandra Tomasi di Lampedusa

                 

 

Deutsch-baltische Psychoanalytikerin; wuchs als Tochter des deutsch-baltischen Baron Boris von Wolff a.d.Hause Stomersee (*1850, †1917), Hofmeister Nikolaus’ II., und der italienischen Mezzosopranistin Alice Barbi. (*1858, †1948) in Sankt Petersburg auf. 1918, heiratete Alexandra den homosexuellen deutsch-baltischen Baron Andreas Pilar von Pilchau, einen international erfolgreichen Bankier, der sie auch nach der Scheidung im Jahre 1932 großzügig in Notlagen finanziell unterstützte (u.a. trug er die Unterhaltskosten für ihr Schloß Stomersee). In den 1920er Jahren absolvierte sie eine vierjährige Ausbildung am Psychoanalytischen Institut in Berlin und machte dort eine Lehranalyse bei Felix Boehm. 1927, im Anschluß an einen kurzen Aufenthalt in Wien, ging sie nach London. Bereits 1925 hatte sie in London Giuseppe Tomasi di Lampedusa kennengelernt, der sich auf einer Bildungsreise befand; 1932 heiratete sie ihn in Riga nach orthodoxem Ritus - ohne daß beide Familien davon wußten. Jahrelang führte das Paar eine Fernbeziehung, da sie Schloß Stomersee in Stomersee (lett.: Stāmerienas) noch er den Palazzo Lampedusa in Palermo vollständig auf geben wollten. aber sie sahen sich immer wieder, auch monatelang, indem er nach Lettland und sie nach Palermo kam. Als im Zweiten Weltkrieg zunächst die die Rote Arme, dann die Wehrmacht das Land besetzte, floh sie 1942 zu ihren Eltern, die die Heimat bereits verlassen hatten, nach Rom, während ihr Mann mit seiner Mutter vor dem zunehmenden Bombenkrieg in eine einfache ländliche Unterkunft auswich. Als er nach der Eroberung Palermos durch die alliierte Truppen im Juli 1943 in die Stadt zurück kam, mußte er feststellen, daß der Palazzo Lampedusa nur noch ein einziger Trümmerhaufen war. In der Folge kam Alexandra von Rom nach Sizilien, wo sie begann, als Psychoanalytikerin zu arbeiten. Seit 1949 lebte sie in Palermo die letzten Jahre endlich gemeinsam mit ihrem Mann, der dort seinen einzigen, aber weltberühmten Roman, den Il Gattopardo verfaßte.

Das Ehepaar Tomasi di Lampedusa in Palermo (30er Jahre) 

Nach dem Tod ihres Mannes widmete sich Alexandra - neben ihrer Privatpraxis auch Ehrenpräsidentin des Centro di Psicoanalisi di Palermo“- der Herausgabe seines Werks.

Alexandra Wolff-Stromersee, die von 1954 bis 1959 Präsidentin der Società Psicoanalitica Italiana (SPI) war, führte 1946 den “borderline“-Begriff ein, 1950 entwickelte sie die theoretischen Grundlagen des aggressiven Narzissmus. Anfang der 1970er Jahre prägte sie den Begriff “identifikatorische Introjektion“.

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Bilder: Parsifal von Pallendt (09'/2019)

Palermo, Cimitero dei Cappuccini

Irenäus Eibl-Eibesfeldt

 

 

Österreichischer Zoologe, Verhaltensforscher; dem alten Regensburger Rittergeschlecht Eibl von Eibesfeldt entstammend; kam, als sein Vater, ein Botaniker, 1941 starb in ein Internat und wurde im Alter von 15 Jahren als Luftwaffen- und Flakhelfer.eingezogen. 

war ab 1949 am Institut für vergleichende Verhaltensforschung in Altenberg tätig, ab 1951 am Max-Planck-Institut für vergleichende Verhaltenspsychologie in Buldern (Westfalen) und leitet seit 1975 die Forschungsstelle für Humanethologie am Max-Planck-Institut in Seewiesen (Oberbayern). 1963 habilitierte er an der Universität München und bekam 1969 einen Lehrauftrag als Professor in München; später war er Leiter der Forschungsstelle für Humanethologie - ein Wissenschaftsfach, das er gründete - in der Max-Planck-Gesellschaft, in Andechs. Eibl-Eibesfeldt untersuchte besonders die Formen inner- und zwischenartlicher Kommunikation bei Mensch und Tier. Gemeinsam mit Konrad Lorenz, Hans Hass und Otto Koenig erforschte Eibl-Eibelfeld tierisches und menschliches Verhalten und setzte sich intensiv für den Naturschutz ein. Er beschrieb als erster die Putzsymbiosen von Riffbarschen, das Turnierverhalten der Meerechsen und das Schwarmverhalten bei Fischen sowie das Verhalten einiger Arten wie des Putzerlippfisches (Labroides dimidiatus) und des Putzer-Nachahmers Aspidontus taeniatus. Auf Galapagos beschrieb er mehrere Unterarten der Meerechsen (Amblyrhynchus cristatus) und im Indischen Ozean einige Arten von Röhrenaalen.

In seinem Werk Der Mensch - das riskierte Wesen. Zur Naturgeschichte der menschlichen Unvernunft (1988) befaßte er sich mit den Anpassungsschwierigkeiten des Menschen in einer technisierten Massengesellschaft. Teilweise umstritten sind seine Thesen zum Fremdenhaß und zur Rolle der Frau in der Gesellschaft, die er aus dem archaisch-biologischen Erbe der Menschheit herleitet.

Werke u.a.: Liebe und Haß. Zur Naturgeschichte elementarer Verhaltensweisen (1970), Der vorprogrammierte Mensch (1973), Krieg und Frieden aus Sicht der Verhaltensforschung (1975).

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Bilder: Claus Harmsen (stone & art) 10/2019)

Starnberg OT Söcking am Starnberger See, Gemeindefrtiedhof

Johann “Hans” Friedrich Karl Asperger

 

 

Österreichischer Kinderarzt; studierte nach dem Besuch eines Humanistischen Gymnasiums an der Universität Wien Medizin und wirkte nach der Promotion 1931 als Assistent an der Kinderklinik der Universität Wien, an der er sich 1943 auch habilitierte. Ab 1932 leitete Asperger die heilpädagogische Abteilung der Klinik. Zum Wintersemester 1943 wurde er unter Zuweisung an die medizinische Fakultät der Universität Wien zum Dozenten für das Fach Kinderheilkunde ernannt. Dort war eine seiner kleinen Patientinnen, die spätere Schriftstellerin Elfriede Jelinek (*1946), ”die sich auf Aspergers Station einer heilpädagogischen Therapie unterziehen [mußte]. Asperger war fast immer anwesend und las den Kindern vo””.

Außerdem fungierte er als Berater beim Wiener Hauptgesundheitsamt und Gutachter in Sonderschulen sowie bei “schwierigen, nervlich oder psychisch auffälligen Kindern“ in Normalschulen. Seine Rolle während der NS-Zeit Österreichs wird einer Studie von Mag. Dr. Herwig Czech sowie anderen Historikern zufolge kritisch bewerte; so gibt es Hinweise, daß Asperger im Rahmen der ”Kinder-Euthanasie“ in der Jugendfürsorgeanstalt Am Spiegelgrund auf dem Anstaltsgelände der Heil- und Pflegeanstalt Am Steinhof auf der Baumgartner Höhe in Wien (heute Otto-Wagner-Spital) mehrere Kinder an die Anstalt am Spiegelgrund überwiesen habe.

Nach dem Krieg war er von 1957 bis 1962 im Vorstand der Innsbrucker Kinderklinik. 1962 wurde er Professor für Pädiatrie und Leiter der Universitäts-Kinderklinik in Wien, eine Position, dier er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1977 bekleidete. 1967 wurde er zum Mitglied der Gelehrtenakademie Leopoldina gewählt.

Bekannt geworden ist Hans Asperger als Erstbeschreiber des später nach ihm benannten Asperger-Syndroms, einer Form des Autismus, die zu den Störungen der neurologischen Entwicklung gerechnet wird.

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Bilder: A. Krischnig/K.Nerger (08/2005)

Neustift am Walde, Friedhof

Fernand Paul Braudel

 

 

Französischer Historiker; Sohn eines Lehrers; verbrachte seine Kindheit bei seiner Großmutter in Luméville-en-Ornois (Lothringen); ein Städchen, das seinerzeit zum Deutschen Reich gehörte besuchte von 1913 bis 1920 in Paris das lycée Voltaire. Nach dem ende seiner Ausbildung lehrte er zunächst in Constantine, Algier in Algerien und an Pariser Gymnasien, anschließend, ab 1935, an der Universität São Paulo (Brasilien), wo er Claude Lévi-Strauss begegnete. 1939 trat Braudel in die Armee ein und geriet 1940 in Gefangenschaft. Während der fünfjährigen Gefangenschaft schrieb er sein Meisterwerk La Méditerranée et le monde méditerranéen à l'époque de Phillippe II (2 Bde., 1949; Das Mittelmeer und die Mittelmeerwelt im Zeitalter Philipps II.). 1946 kam er in das Herausgebergremium der 1929 von Marc Bloch und Lucien Fèbvre 1929 gegründeten und seit 1956 geleitete Zeitschrift Annales, dem Forum der Nouvelle Histoire (“Neue Geschichtsschreibung”), die Geschichte als umfassende Sozial- und Kulturgeschichte verstand; prägte den Begriff der “longue durée” (Langzeit[perspektive]) zur Erfassung geschichtlicher Abläufe unter der Macht des Alltagslebens. 1949 trat er die Nachfolge Lucien Fèbvres als Professor am Collège de France an, und 1956 wurde er zum Präsidenten der sozialwissenschaftlichen Sektion der École Pratique des Hautes Études ernannt. 1962 gründete er die Maison des Sciences de l'Homme. Braudels Verständnis der Geschichte als umfassender Sozialgeschichte manifestierte sich vor allem in seiner 3-bändigen Civilisation matérielle, economie et capitalisme, XV-XVIIIe siècle (1968-1979; Sozialgeschichte des 15. bis 18. Jahrhunderts). 1984 wurde Braudel in die Académie française aufgenommen.

Im Vordergrund seiner Untersuchungen standen weniger die politische Macht- und Ereignisgeschichte, sondern die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen, die Alltagsgeschichte der Menschen.

Werke u.a.: Histoire économique et sociale de la France (3  Bde., 1970-77, dt. Wirtschafts- und Sozialgeschichte Frankreichs der Jahre 1789-1880), La dynamique du capitalisme (1985; dt. Die Dynamik des Kapitalismus).

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Bilder: Herbert Herterich (11/2019)

Paris, Cimetière du Père Lachaise

Wissenschaft & Forschung XXXVI

Omnibus salutem!