Wolfgang Abendroth

 

Deutscher Politologe; der Sohn eines Mittelschullehrers besuchte die Musterschule in Frankfurt am Main und studierte Rechtswissenschaften und Volkswirtschaftslehre an den Universitäten Tübingen, Münster und Frankfurt am Main, wo er 1930 das erste juristische Staatsexamen ablegte. Von 1930 bis 1933 arbeitete er als Gerichtsreferendar. Bereits 1920 hatte er sich dem Kommunistischen Jugendverband (KJVD), später auch der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) angeschlossen, sowie der Roten Hilfe. Aus der KPD wurde er als Kritiker ihres Kurses ausgeschlossen, wandte sich daher 1928 der Kommunistischen Partei-Opposition zu. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde ihm jegliche weitere juristische Arbeit untersagt; er promovierte jedoch 1935 “summa cum laude” an der juristischen Fakultät der Universität Bern. Seine später in Deutschland veröffentlichte Promotionsschrift wurde von den Nazi beschlagnahmt. 1941 wurde Abendroth verhaftet und zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Luckau verbüßte. Nach seiner Entlassung und einem kurzen Aufenthalt bei seinen Eltern wurde er Anfang 1943 als sogenannter Bewährungssoldat zur berüchtigten Strafdivision 999 eingezogen. Bei einem Einsatz in Griechenland desertierte er 1944 zur griechischen Widerstandsorganisation ELAS, kam jedoch 1944 in britische Kriegsgefangenschaft und später in das Umerziehungslager Wilton Park Training Centre, bis er schließlich Ende November 1946 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurde. Nachdem er das zweite, noch fehlende juristische Examen in der Sowjetischen Besatzungszone abgelegt hatte, wurde er 1947 zum Richter beim Landgericht in Potsdam bestellt, 1947 erfolgte die Ernennung zum Dozenten an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Ende 1947 wurde er an die Universität Leipzig berufen und mit Wirkung vom 1.4.1948 zum Professor für Völkerrecht ernannt, im Oktober 1948 erfolgte ein Ruf an die Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Bereits im Dezember des Jahres ging er mit seiner Familie in den Westen Deutschlands, wo er schließlich im November 1950 in Marburg die Ernennung zum Professor für wissenschaftliche Politik an der Philosophischen Fakultät der Philipps-Universität erlangte. Abendroth, der bis zu seiner Emeritierung an der Marburger Universität blieb, beschäftigte sich auf marxistischer Grundlage mit dem Völker- und Staatsrecht und der politischen Soziologie. Er gehörte zu den Gründern des Sozialistischen Bundes und war erster Vorsitzender des geschäftsführenden Vorstands. Zusammen mit Ernst Bloch, Ossip K. Flechtheim und Erich Kästner war er Ende der 1960er Jahre Mitglied des Kuratoriums der Kampagne für Demokratie und Abrüstung.

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Frankfurt am Main, Hauptfriedhof

Bilder: KN (13.04.2007)
Bild: Klaus Hübner (04/2007)

Otto Wallach

Deutscher Chemiker; Sohn eines preußischen Beamten; studierte u.a. in Göttingen u.a. bei Friedrich Wöhler und ein Semester in Berlin, bevor er nach Göttingen zurückkehrte, wo er 1869 nach nur fünf Semestern promovierte; 1869 und 1870 war er in Berlin Assistant von C. H. Wichelhaus in Berlin, im Herbst 1870 arbeitete er in Bonn mit Friedrich August Kekulé von Stradonitz zusammen, bevor er im Deutsch-Französischen Krieg eingezogen wurde. Nach dem Ende des Krieges war er in Berlin bei der "Aktien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation" (Agfa) tätig, kehrte aber 1872, da er die giftigen Dämpfe nicht vertrug, nach Bonn zurück, wo er zunächst Assistent, dann Privatdozent und ab 1876 Extraordinarius war und 1879 den Lehrstuhl für Pharmakologie bestieg. Ab 1889 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1915 war Wallach Direktor des Instituts für Chemie in Göttingen. Er widmete sich hauptsächlich systematischen Untersuchung von Terpenen (Naturstoffe, die u.a. in ätherischen Ölen enthalten sind) und entdeckte dabei eine ganze Reihe von Reaktionsarten, die heute unter dem Begriff “Wallach-Reaktionen” bekannt sind.

Wallach had to leave Bonn for military service in the Franco-Prussian war.

Auszeichnungen u.a.: Nobelpreis für Chemie (1910).

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David Hilbert

1886            1912

Deutscher Mathematiker; einer alten Königsberger Juristenfamilie entstammend - sein Vater war Amtsgerichtsrat -, studierte er Mathematik an der Albertina in seiner Heimatstadt, an der er ab 1892 als Professor lehren wird. Drei Jahre später, 1895 wechselte an die Universität Göttingen, an der er bis 1930 lehrte und an der er ein mathematisches Zentrum von Weltrang aufbaute. Dort waren viele der später führenden Mathematiker des 20. Jahrhunderts seine Schüler oder Mitarbeiter, bis die Nationalsozialisten die sog. Nicht-Arier verdrängten, was Hilpert später veranlaßte, “sein Institut habe seitdem praktisch aufgehört zu existieren” (Bernt Engelmann: Deutschland ohne Juden, Steidl Verlag, 1988)..

Hilbert arbeitete u.a. im Bereich der Invariantentheorie, trug zur algebraischen Zahlentheorie bei, beschäftigte sich mit den Grundlagen der Geometrie und arbeitete auf dem Gebiet der Analysis. Er griff die von Thales begonnene Axiomatik auf und begründete sie neu. Bekannt geworden ist v.a. seine Lösung des dirichletschen Problems. Seine Untersuchungen über Integralgleichungen führten zum Begriff des Hilbert-Raums und spielten in der Entwicklung der Funktionalanalysis eine wichtige Rolle. 1909 gelang es Hilbert, das Waring-Problem zu lösen.

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Göttingen, Stadtfriedhof

Bilder: Klaus Hübner (04/2007)

Hermann Staudinger

 

Deutscher Chemiker; Sohn eines Gymnasialprofessors; studierte Chemie in Halle (Saale), Darmstadt und München. Nach einer tätigkeit als wissenschaftlicher Assistent an der UIniversität von Straßburg und als außerordentlicher Professor am Institut für Organische Chemie in Karlsruhe, folgte er 1912 einem Ruf an die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich und 1926 an das Institut für Organische Chemie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Staudinger gilt als Begründer der Chemie der Makromoleküle und Polymere. Er ermittelte u.a. die Beziehung zwischen Viskosität und Molekülmasse gelöster Polymere (sog. Staudinger-Index). Außerdem machte er Entdeckungen auf dem Gebiet der Makromoleküle, die v.a. für die Entwicklung der Kunststoffe wichtig waren.

Werke u.a.: Die hochmolekularen organischen Verbindungen (1932).

Auszeichnungen u.a.: Nobelpreis für Chemie (1953).

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Eugen Fischer

 

Deutscher Anthropologe und Rassehygieniker; studierte Medizin und Naturwissenschaften an der Universität Freiburg im Breisgau und der Universität München; von 1900 bis 1912 war er Privatdozent für Anatomie in Freiburg. Ab 1912 lehrte er als außerordentlicher Professor an der Universität Würzburg, ab 1914 in Freiburg. 1918 wurde er als ordentlicher Professor an die Universität Freiburg berufen und wirkte ab 1927 bis 1942 an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin als Professor für Anatomie. Von 1933 bis 1934 war er dort Rektor der Universität. Fischer erbrachte den Nachweis, daß menschliche Merkmale sich nach den Mendelschen Gesetzen vererben. Fischer gilt als Wegbereiter der nationalsozialistischen Rassentheorien und als einer der geistigen Väter der nationalsozialistischen “Endlösung der Judenfrage“.

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Freiburg, Hauptfriedhof

Bilder: KN (28.04.2007)
Bilder: KN (28.04.2007)

Berlin-Schöneberg, Alter St. Matthäus Kirchhof

Leopold Kronecker

Deutscher Mathematiker; Bruder des Physiologe Hugo Kronecker (*1839, †1914); studierte ab 1841 Philosophie an der Universität Berlin, sowie in Bonn und Brelau, von wo er 1844 nach Berlin zurückkehrte. Außerdem belegte er Vorlesungen in Mathematik, Naturwissenschaften und klassischer Philologie. 1845 promovierte er in Philosophie über "De Unitatibus Complexis" ("Über komplexe Einheiten"). Nach Beendigung des Studiums widmete sich einige Jahre sehr erfolgreich dem Gelderwerb als Geschäftsmann, um 1855 als Privatgelehrter an der Universität Berlin zu arbeiten. Zu seinen Schülern zählte unter anderem Georg Cantor, den er später wegen dessen Mengenlehre kritisierte. Einen Ruf auf eine Professur in Göttingen lehnte er 1868 ab. 1883 folgte er seinem ehemaligen Lehrer Kummer auf dessen Lehrstuhl nach. Kronecker lieferten grundlegende Beiträge zur Algebra und Zahlentheorie, soeir zur Analysis und Funktionentheorie.

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Bilder: Hartmut Riehm (04/2007)
Bild: Dinc Arslan (03/2007)

Pawel Alexejewitsch Tscherenkow

 

Russischer Physiker; der Sohn eines Kleinbauern graduierte 1928 an der mathematisch-physikalischen Fakultät der Staatsuniversität von Woronesch; 1930 wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lebedew-Institut für Physik an der Akademie der Wissenschaften, das Sergej Iwanowitsch Wawilow leitete. Er wurde Abteilungsleiter und erhielt 1940 den Doktorgrad der mathematisch-physikalischen Fakultät. Im Jahre 1953 wurde er zum Professor für Experimentalphysik ernannt und wurde 1959 Leiter des Foto-Mesonen-Prozeß-Labors, für das er 14 Jahre lang die Verantwortung trug. 1970 wurde er Mitglied der sowjetischen Akademie der Wissenschaften. Noch während seiner Zusammenarbeit mit Wawilow hatte er 1934 beobachtet, daß eine mit Radioaktivität bestrahlte wassergefüllte Flasche blaues Licht ausstrahlte. Diese später als Tscherenkow-Effekt bezeichnete Beobachtung stellte sich in der Nuklearphysik und der Untersuchung kosmischer Strahlung als von großer Bedeutung heraus. Der aus dieser Erkenntnis entwickelte sogenannte Tscherenkow-Detektor gehörte zur Standardausrüstung in der Atomforschung und war u.a. auch in der Raumsonde Sputnik III eingebaut. Tscherenkow war zudem an der Konstruktion von Elektronenbeschleunigern und der Untersuchung photo-nuklearer und von Photo-Meson-Reaktionen beteiligt. Verheiratet war Tscherenkow seit 1930 mit Marija Putintsewa, der Tochter des Professors für russische Literatur A.M. Putintsjew.

Auszeichnungen u.a.: Nobelpreis für Physik für die Entdeckung und Interpretation des Tscherenkow-Effekts (1958, zusammen mit Ilja Michailowitsch Frank und Igor Jewgenjewitsch Tamm), Held der Sowjetunion (1984).

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Moskau, Friedhof am Neujungfrauenkloster

Freiburg, Hauptfriedhof

Göttingen, Stadtfriedhof

August Albert von Le Coq

                  

 

Deutscher Archäologe und Forschungsreisender; Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns; brach seine Schulausbildung an einem Gymnasium in Darmstadt vor dem Abitur ab und machte zwischen 1881 und 1887 eine kaufmännische Ausbildung in London und in den Vereinigten Staaten, wo er parallel dazu in Louisville (Kentucky) ein Medizinstudium begann und mit einem Diplom abschloß. Nach der rückkehr aus den USA arbeitete er als Teilhaber zunächst bei seinem Vater, veräußerte dann aber 1900 das Geschäft und wandte sich der Wissenschaft zu und ging als Voluntär an das Museum für Völkerkunde zu Berlin. Später organisierte er gemeinsam mit dem Direktor der Indischen Abteilung des Museum, Albert Grünwedel, Expeditionen nach Zentralasien, insbesondere zu Orten an der Seidenstraße. Als dieser erkrankte, übernahm LeCoq dessen Aufgaben und Leitete die preußischen Turfan-Expeditionen (1904/05, 1905–1907, 1913/14). Von diesen Expeditionen brachte Le Coq zahlreiche Kunstwerke mit, wobei er teilweise gemeinsam mit seinem Assistenten Fresken heraussägte. Insgesamt wurden über 300 Kisten nach Berlin abgesandt. Später rechtfertigte er dieses illegale Vorgehen, indem er vorgab, es habe sich in der Zeit der politischen Wirren in Turkestan lediglich um “Ausleihungen” gehandelt. Teile der Kunstwerke wurden bei Bombenangriffe auf Berlin im Jahre 1944 zerstört, andere Teile nach dem Krieg in ihr Ursprungsland zurückgeführt, wieder andere Teile befinden sich heute im Museum für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin.

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Bilder: Hajo Rackel (07/2014)

Berlin, Städt. Friedhof Dahlem

Wissenschaft & Forschung XLIII

Omnibus salutem!