Otto Juljewitsch Schmidt [russ. Отто Юльевич Шмидт]

1934             

 

Sowjetischer Geophysiker und Arktisforscher; Nachkomme deutscher Siedler im Kurland; führte 1929 und 1930 die "Sedow"-Expeditionen in das Franz-Joseph Land und nach Sewernaja Semlja. Als wissenschaftlicher Expeditionsleiter gelang ihm mit dem Eisbrecher "Sibirjakow" 1932 erstmals die Passage der in Rußland “Nördlicher Seeweg“ genannten Nordostpassage in einer Navigationsperiode innerhalb von 223 Tagen. Danach war er bis 1939 Leiter der neugebildeten Hauptverwaltung Nördlicher Seeweg der UdSSR. Daneben leitete er die Tscheljuskin-Expedition von 1933 bis 1934 und war Organisator der ersten sowjetischen Forschungen auf einer driftenden Eisscholle mit der Station "Nordpol 1" in den Jahren 1937 bis 1938. Schmidt wurde 1935 Mitglied der Akademie der Wissenschaften der UdSSR. Dann wurde er von einem Protegé Stalins, Iwan Papanin (*1894, †1986) abgelöst.

Auszeichnungen u.a.: Orden Held der Sowjetunion (1937).

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Bild: Vasil Yaroshevich (05/2007)
Bild: Claus Harmsen (stones & art, 07/2007)

Frederic Vester

 

Deutscher Biochemiker und populärwissenschaftlicher Autor; Vater der Schauspielerin Saskia Vester (*1959); studierte Chemie in Mainz, bevor er an die Sorbonne nach Paris wechselte und dort sein Studium abschloß und dann in Hamburg zum Dr.rer.nat. promovierte. In Heidelberg arbeitete er am Institut für experimentelle Krebsforschung; anschließend folgten Forschungsaufenthalte an der Yale University und im englischen Cambridge. Nach Ablehnung seiner Habilitationsschrift an der Universität des Saarlandes und nachdem er die Universität 1965 verlassen mußte, habilitierte er fünf Jahre später an der neugegründeten Universität Konstanz. 1961 bis 1971 war er Gastdozent am Kernforschungszentrum Karlsruhe. 1970 gründete die Studiengruppe für Biologie und Umwelt Frederic Vester GmbH in München (heute frederic vester GmbH). Von 1981 bis 1989 war er Ordinarius am Institut für Interdependenz von Technik und Gesellschaft der Universität der Bundeswehr in München und von 1989 bis 1991 Gastprofessor für angewandte Ökonomie an der HSG in St. Gallen. Seit 1993 war Vester Mitglied im Club of Rome. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen auf dem Gebiet der Molekularbiologie, Biophysik und Forschungsplanung, sowie seine häufige Präsenz in den Medien haben dazu beigetragen, ein Systemverständnis im deutschen Sprachraum populär zu machen.

 Werke u.a.: Das kybernetische Zeitalter (1974), Denken, Lernen, Vergessen (1975), Leitmotiv vernetztes Denken (1990), Die Kunst, vernetzt zu denken - Ideen und Werkzeuge für einen neuen Umgang mit Komplexität (1999).

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München, Nordfriedhof

Johanna “HannahArendt

US-amerikanische Soziologin und Politologin deutsch-jüdischer Abstammung; Tochter säkularer jüdischer Eltern; während ihres Studiums in Marburg war sie Schülerin und Freundin Martin Heideggers, Edmund Husserls und Karl Jaspers, mit dem sie ein Leben lang befreundet war. 1933 emigrierte sie als Jüdin zunächst nach Frankreich, 1940 dann in die USA, wo sie 1951 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft erlangt. In den USA war sie seit 1959 Professorin für Politik in Princeton. Sie befaßte sich v.a. mit der Erforschung des Totalitarismus und politisch-philosophischen Grundsatzfragen. Für ihren in der deutschsprachigen, in New York erscheinenden Zeitung Aufbau publizierten Artikel über den in Israel stattfindenden Eichmann-Prozeß kam es besonders in den Vereinigten Staaten, wo sie in ihrer Intention mißverstanden wurde, zu einer regelrechten Medienkampagne gegen sie. (“Banalität des Bösen”).

Verheiratet war sie in erste Ehe von 1929 bis 1937 mit Günther Anders, den sie in Marburg kennengelernt und 1929 in Berlin wiedergetroffen hatte, und in zweiter Ehe ab 1940 mit dem Philosophen Heinrich Blücher (*1899, †1970), den sie bereits 1936 kennengelernt hatte..

Werke u.a.: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft (1951), Rahel Varnhagen (1959), Vita activa oder Vom tätigen Leben (1960), Eichmann in Jerusalem (1963), Über die Revolution (1963).

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Bilder: www.flickr.com/photos/underpuppy/

Annandale-on-Hudson, Dutchess County (NY), Bard College

Johann Peter Gustav Lejeune-Dirichlet

Deutscher Mathematiker; nach dem Besuch des Beethoven-Gymnasium in Bonn und des Jesuiten-Gymnasium in Köln, wo Georg Simon Ohm einer seiner Lehrer war, studierte er ab Mai 1822 in Paris Mathematik. Dort lernte er bedeutende Mathematiker kennen, u.a. Jean Baptiste Joseph Fourier (*1768, †1830), Pierre-Simon Marquis de Laplace und Siméon-Denis Poisson (*1781, †1840). 1827 wurde er von der Universität Bonn ehrenhalber promoviert und habilitierte sich 1827 als Privatdozent an der Universität in Breslau - auf Empfehlung Alexander von Humboldts, der ihn dann 1827 nach Berlin holte. Hier unterrichtete er zunächst an der allgemeinen Kriegsschule und später lehrte er an der Bauakademie. 1829 wurde er Privatdozent, 1831 außerordentlicher und 1839 ordentlicher Professor der Mathematik an der Berliner Universität. 1855 wurde er in Göttingen Nachfolger von Carl Friedrich Gauß auf dem Lehrstuhl für höhere Mathematik, eine Position die er bis zu seinem Tode innehielt. Dirichlet arbeitete besonders über Zahlentheorie, unendliche Reihen, Integralrechnung, Potenzialtheorie und Randwertprobleme. Nach ihm benannt ist der dirichletsche Einheitensatz über Einheiten in algebraischen Zahlkörpern. Seine neue Art von Betrachtungen der Potentialtheorie wurden später von Bernhard Riemann, der einer seiner Schüler war, verwendet und weiterentwickelt.

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Bilder: Gabriele Eckardt (07/2007)

Göttingen, Bartholomäus-Friedhof

Antoine Laurent de Lavoisier

Französischer Chemiker; der Sohn eines Anwalts studierte nach dem Besuch der Eliteschule College Mazarin auf Wunsch seines Vaters Jura und zusätzlich aber auch Naturwissenschaften. Als erster entdeckte er in Experimenten mittels eines Gasometers Anzeichen für die Erhaltung der Masse: er hatte zusammen mit seiner Frau Marie-Anne, der Tochter seines Vorgesetzten Jacques Paulze, die 13 Jahre alt war, als er sie heiratete, festgestellt, daß durch Rost, Verbrennung etc. das entspr. Material nicht leichter, sondern schwerer wurde: der Sauerstoff, der beim Verbrennungs- bzw. Oxidationsprozeß scheinbar verlorengegangen war, hatte sich dem Material angelagert, also nur eine andere Form angenommen. Lavoisier, der seit 1768 festes Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Paris war, stellte seine Untersuchnungen am 26.4.1775 der Akademie vor. Durch seine Elementaranalysen gilt Lavoisier als einer der Begründer einer neuzeitlichen Chemie. Er unternahm erste Ansätze zu einer einheitlichen Nomenklatur in der Chemie, indem er eingeführte Begriffe, wie z.B Element, neu definierte oder anderen ihren Namen gab, wie z.B. die Bestandteile des Wasser, Sauerstoff und Wasserstoff. 1790 wurde er Mitglied der Ferme Général (Kommission für Maße und Gewichte) und als solcher zuständig auch für die Festlegung darüber, was zu besteuern sei. In den französischen Revolutionswirren wurde er als ehemaliger Steuerpächter - ironischerweise war er einer der wenigen Liberalen in seinem Amt - am 8.5.1794 vor dem Volkstribunal der Erpressung angeklagt und gleichtags auf der Place de la Concorde guillotiniert.

mit seiner Frau Marie-Anne (pinxit J.-L.David, 1788)

 

 

Werke u.a.: Sur la combustion en général (1777), Considerations sur la nature des acides (1778), Traité élémentaire de chimie (1789).

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Paris, Les Catacombes

Hinweis: Urspr. wurde Lavoisier auf dem heute nicht mehr vorhandenen Cimetière des Errancis beigesetzt. Anläßlich des Baus einer Straßenkreuzung am Boulevard Malesherbes wurden seine und die Gebeine anderer 1860 in die Katakomben von Paris überführt, wo sie nicht mehr lokalisierbar sind.

Moskau, Friedhof am Neujungfrauenkloster

Inō Tadataka [jap. 伊能 忠敬]

 

Japanischer Landvermesser und Kartograph; Sohn eines Fischereiunternehmers; handelte mit Reis und Skae, den er selber herstellte, bevor er im Alter von 49 Jahren nach Edo zog und als Schüler des fast 20 Jahre jüngeren Astronomen Takahashi Yoshitoki westliche Astronomie, Geographie und Mathematik studierte. 1800 begann er auf eigene Kosten mit der Vermessung der Insel Hokkaidō. Mit modernen westlichen Berechnungsmethoden vermaß er schließlich die gesamte Küstenlinie Japan sowie Teile des Landesinneren, indem er seine Schrittlänge als Maßstab zugrunde legte. Insgesamt legte er nach eigenen Aufzeichnungen fast 4.000 Kilometer zurück. Die Ergebnisse seiner Messungen übertrug er in detaillierte Karten im Maßstab 1:36.000 und 1:216.000, so daß die erste komplette Karte von Japan entstand.1821 erschien das Kartenwerk unter dem Titel Dai-Nihon Enkai Yochi Zenzu (大日本沿海輿地全図, dt. Gesamtkarte der Küstengebiete Groß-Japans). Es zeigt auf acht Blättern ganz Japan im Maßstab 1:216.000, ausgesuchte Küstenlinien auf weiteren 214 Blättern im Maßstab 1:36.000, sowie eine weitere Gesamtkarte auf drei Blättern im Maßstab 1:431.000.

Karte von 1821 zoom

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Carl Wilhelm Mayer

 

Deutscher Arzt (Gynäkologe); Sohn eines Berliner Stadtchirurgus, Operateurs und Geburtshelfers; nach Absolvierung des Abitur nahm er als Freiwilliger in den Freiheitskriegen an den Schlachten von Möckern und Leipzig teil. Auf den Märschen an den Rhein erkrankte er in Frankfurt am Main am Nervenfieber. Ab 1814 studierte er in Berlin Medizin und wurde 1817 Assistent von Adam Elias von Siebold (*1775, †1828). Nach der Promotion im Jahre 1821 eröffnete er in Berlin eine gynäkologische Praxis, in der er ab 1832 bedürftige Frauen aus Berlin unentgeltlich behandelte. Gemeinsam mit anderen Ärzten gründete er die Gesellschaft Heimia. 1840 wurde ihm der Titel Sanitätsrat verliehen, im Jahr 1846 der Titel eines Geheimen Sanitätsrats. Wegen der von ihm im Bereich der Gynäkologie angewandten neuen Untersuchungs- und Operationsmethoden gilt Mayer als einer ihrer Begründer.

Seine Tochter Ferdinande Amalie Rosalie (*1832, †1913) war seit 1850 mit Rudolf Virchow verheiratet.

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Bilder: Nekusuki600 (02/2007) Wikipedia.jp

Tokio OT Asakusa, Friedhof des Genku-ji-Tempels

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Bilder: Hajo Rackel (08/2011)

Berlin OT Schöneberg, Alter St. Matthaeus-Friedhof

Karl August Böttiger

                

Deutscher Philologe, Archäologe, Pädagoge und Schriftsteller; erhielt seine Ausbildung seit 1772 in Schulpforta. Im Jahr 1778 begann er, in Leipzig bei August Wilhelm Ernesti Philologie zu studieren, mußte das Studium jedoch 1781 beenden, da die Familie durch den Brand einer Fabrik in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Er bekleidete verschiedene Hofmeisterstellen und legte im August 1784 an der Wittenberger Universität seine Magisterprüfung ab. Schon im September erhielt er die Berufung als Rektor des Gubener Lyzeums. Böttiger heiratete 1786 Karoline Eleonore Adler, die Tochter eines Logenbruders; der gemeinsame Sohn Carl Wilhelm wurde 1790 geboren. Im Jahr 1791 kam er auf Vermittlung von Johann Gottfried Herder nach Weimar als Direktor des dortigen Wilhelm-Ernst-Gymnasiums. In Weimar fand er schnell Zugang zu allen maßgeblichen Kreisen. Besonders zu Christoph Martin Wieland bestand zeitlebens eine enge Freundschaft, aber auch über Goethes Duzfreund Karl Ludwig von Knebel, Goethes Hausgenossen Johann Heinrich Meyer und Frau von Schardt blieb er mit Weimar, auch nach seinem Weggang 1804, verbunden. Gemeinsam mit Johann Heinrich Meyer publizierte er mehrere Schriften zu archäologischen Themen.

In Weimar wurde Karl August Böttiger in den Bund der Freimaurer initiiert. Seine Loge war die Amalia, in der auch schon Johann Wolfgang von Goethe aufgenommen wurde. 1783 war er ebenfalls ein Mitglied der Dresdner Loge Zum goldenen Apfel, dort feierte er 1831 sein 50-jähriges “Maurerjubiläum“.

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Bilder: Thomas  (09/2011)

Dresden, Elias-Friedhof

Sir Bernard Henry Spilsbury  (seit 1923)

 

Britischer Pathologe und Rechtsmediziner; studierte am Magdalen College in Oxford und dem St Mary's Hospital in London und spezialisierte sich auf die damals neue Wissenschaft der Rechtsmedizin. Spilsbury trug mit seiner Arbeit entscheidend an der Aufklärung aufsehenerregender Kriminalfällen wie dem Fall Dr. Crippen, der seine Frau Cora ermordet hatte, dem Fall Siddon, dem sogenannten ”Brides in the Bath murders“ des Serienmörders und Bigamisten George Joseph Smith, den “Brighton Schrankkoffermorden” (Brighton trunk murders) und dem Fall Mahon bei. In Schottland trat er auch als Gutachter für die Verteidigung auf, was ihm wegen seines Amtes als Polizeipathologe in England und Wales nicht möglich war.

Sein Beschäftigung mit Verbrechen führte dazu, daß er als der größte medizinische Detektiv seiner Zeit war und als der Begründer der modernen Rechtsmedizin gilt. Er spielte auch eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Operation Mincemeat, einer Täuschungsaktion während des Zweiten Weltkriegs, die Tausende von Leben der alliierten Soldaten rettete. Spilsbury lehrte Rechtsmedizin am University College Hospital der London School of Medicine for Women und dem St Thomas’ Hospita und war Mitglied der Royal Society of Medicine und Mitglied im Bund der Freimaurer.

Verheiratet war Spilsbury seit 1908 mit Edith Caroline, née Horton. Aus der Ehe gingen eine Tochter und drei Söhne hervor; der älteste Sohn Alan starb 1945 an den Folgen einer Erkrankung an Tuberkulose. Insbesondere der Tod seines jüngsten Sohnes Peter, der 1940 bei einem Angriff der deutschen Luftwaffe, den sog. Blitzes, auf London umkam, war ein Schlag führ ihn, von dem er sich nicht erholte. Hinzu kam eine Depression wegen finanzieller Probleme und seine nachlassende Gesundheit. 1947 nahm er sich in seinem Labor am University College in London das Leben mittel Gas.

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London, Golders Green, Garden of Remembrance

Peter Salcher

Österreichischer Physiker und Photopionier; Sohn eines Lehrers, besuchte in seinem Geburtsort die Volksschule und anschließend in Klagenfurt das Gymnasium, wo er auch maturierte (das Abitur ablegte). In Graz promovierte er zum Doktor der Philosophie. Nach einem halben Jahr Probezeit an einem Grazer Gymnasium bekam er eine Stelle an der Oberrealschule in Triest, die er 35 Jahre innehatte. Von 1875 wirkte er an der Marineakademie Fiume (heute Riejka) bis 1909 als Professor der Physik und Mechanik. Einer seiner Schüler dort war Georg Ludwig von Trapp.

 

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Rijeka (Kroatien) Friedhof.Kozala

Bilder: Parsifal von Pallandt (10/2018)
Wissenschaft & Forschung XLVII

Omnibus salutem!